{"id":10793,"date":"2014-05-09T18:17:31","date_gmt":"2014-05-09T16:17:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10793"},"modified":"2014-05-09T21:26:09","modified_gmt":"2014-05-09T19:26:09","slug":"das%e2%80%a9-ziel%e2%80%a9-der-%e2%80%a9deportation-%e2%80%a9ist-%e2%80%a9das%e2%80%a9-nichts-%e2%80%a9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10793","title":{"rendered":"&#8222;Das Ziel der Deportation ist das Nichts&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die\u2029 Trag\u00f6die \u2029der \u2029christlichen\u2029 Armenier\u2029 1915\u2029<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war Ostern 1915. Die F\u00fchrer des Osmanischen Reiches, eines \u00fcberlebten Vielv\u00f6lkerstaates, wollten die Wirren des Ersten Weltkrieges nutzen, um einen l\u00e4nger gehegten Plan in die Tat umzusetzen. An die Stelle eines \u201eislamischen\u201c Gro\u00dfreiches sollte der v\u00f6lkische Nationalstaat treten. F\u00fcr die christlichen Einwohner, immerhin ein F\u00fcnftel der Bev\u00f6lkerung, war darin kein Platz vorgesehen. Ihre blo\u00dfe Anwesenheit st\u00f6rte die Tr\u00e4ume vom \u201eethnisch homogenen Nationalstaat.\u201c<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits im Februar 1915 wurden alle armenischen Soldaten aus der osmanischen Armee genommen und zur Zwangsarbeit verschickt. Ende M\u00e4rz begannen die planm\u00e4\u00dfig vorbereiteten Deportationen aller Armenier aus dem ganzen Reich. Offiziell sollten die Armenier umgesiedelt werden. Doch in den K\u00f6pfen der Planer war der millionenfache V\u00f6lkermord eine ausgemachte Sache, die sie k\u00fchl durchzuf\u00fchren hofften. Hauptverantwortlich waren der Kriegsminister Enver Pascha und der Innenminister Talaat Pascha. Tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung erhielten die M\u00f6rder von den deutschen Generalen Colmar von der Goltz und Fritz Bronsart von Schellendorf, die die Armee der verb\u00fcndeten T\u00fcrkei f\u00fchrten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Spezialeinheit, die \u201eTeskilat-i Mahsusa\u201c, die sich aus Kurden und Kriminellen zusammensetzte, begleitete die Kolonnen der Armenier auf ihren Todesm\u00e4rschen. Unterwegs waren die hilflosen Menschen Freiwild f\u00fcr jedermann. Wer immer wollte, konnte sich an den armen, ver\u00e4ngstigten Menschen bereichern, sie schikanieren oder t\u00f6ten. Sie wurden beraubt, gequ\u00e4lt und erschlagen. Frauen und Kinder vergewaltigt oder als Sklaven geraubt. Ein Telegramm an fragende Beamte, was mit den Deportierten geschehen soll, gibt als Antwort: \u201eDas Ziel der Deportationen ist das Nichts.\u201c Ein Ziel zur Neuansiedlung war nie vorgesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Massaker an den Armeniern beschreibt ein t\u00fcrkisches (!) Kriegsgericht von 1919 so: \u201eDurch die Kolonnenw\u00e4chter, die sie aus einer Reihe von moralisch niedertr\u00e4chtigen Personen, Wiederholungst\u00e4tern sowie Angeh\u00f6rigen der Gendarmerie &#8230; zusammengestellt hatten, lie\u00dfen sie die Armenier, die der Verteidigungsm\u00f6glichkeiten beraubt waren, zwecks Umsiedlung in Bewegung setzen. Als sie sich aus der Stadt entfernt hatten, lie\u00dfen sie an Pl\u00e4tzen, die &#8230; vor Blicken ziemlich gesch\u00fctzt waren, die M\u00e4nner und Frauen voneinander trennen. Nachdem daraufhin ihre Sachen durch R\u00e4uberbanden gepl\u00fcndert worden waren &#8230; lie\u00dfen sie die M\u00e4nner durch verschiedene Grausamkeiten ermorden und vernichten. Die hilflosen Frauen brachte man an andere Pl\u00e4tze, wo man auch ihnen den Schmuck und das Bargeld und den meisten von ihnen die Kleidung und sonstige Gegenst\u00e4nde abnahm, &#8230; und vergewaltigte viele von ihnen. Danach lie\u00dfen sie sie &#8230; in entfernte Gebiete in Bewegung setzen, wobei man sie zu Fu\u00df monatelang marschieren lie\u00df, so dass sie v\u00f6llig ersch\u00f6pft waren und viele von ihnen vor Hunger, Durst und durch die Strapazen des Marsches starben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben Erschie\u00dfungen und Hinrichtungen traten Hunger, Durst und Seuchen. Wer die Todesm\u00e4rsche dennoch \u00fcberlebte, wurde am Ende in die mesopotamische W\u00fcste getrieben. Dort lie\u00df man sie so lange im Kreis herumwandern, bis etwa eine Million von ihnen den Tod fanden. Der Schriftsteller Franz Werfel, der den Armeniern ein literarisches Denkmal setzte, nannte die Todeskarawanen \u201ewandernde Konzentrationslager\u201c. Beamte und Soldaten, die sich dem Vernichtungsbefehl widersetzten, wurden entlassen oder get\u00f6tet, Zivilisten, die Armenier versteckten h\u00e4ngte, man oft an Ort und Stelle auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUmsiedlung\u201c \u2013 hie\u00df die Aktion offiziell, die im April 1915 im Osmanischen Reich begann. Die Armenier galten als Freunde und Sympathisanten der Russen, mit denen sich die T\u00fcrkei im Krieg befand. Was lag da n\u00e4her, als die angebliche Gefahr (die Armenier als \u201eRussenfreunde\u201c) in entlegene Gebiete des Riesenreiches zu verschleppen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch was \u201eUmsiedlung\u201c genannt wurde, war nichts anderes als der geplante Mord an einem Volk, einer Kultur, einem Glauben. Ein Augenzeuge der Bluttaten, der deutsche Sanit\u00e4tsoffizier Armin T. Wegner, beschrieb das Schicksal der armenischen Christen in drastischer Weise: \u201eVon Kurden erschlagen, von Gendarmen beraubt, erschossen, erh\u00e4ngt, vergiftet, erdolcht, erdrosselt, von Seuchen verzehrt, ertr\u00e4nkt, erfroren, verdurstet, verhungert, verfault, von Schakalen angefressen. Kinder weinten sich in den Tod, M\u00e4nner zerschmetterten sich an Felsen, M\u00fctter warfen ihre Kleinen in die Brunnen, Schwangere st\u00fcrzten sich mit Gesang in den Euphrat. Alle Tode der Erde, die Tode aller Jahrhunderte starben sie.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichts wurde von den Planern und T\u00e4tern ausgelassen, um die \u201eArmenierfrage\u201c ein f\u00fcr allemal zu l\u00f6sen. Bereits 20 Jahre zuvor versuchte der brutale Sultan Abdul Hamid die Armenier zu massakrieren. Zwischen 1894 und 1897 ermordeten t\u00fcrkische Soldaten mindestens 312.000 Armenier. Allein in der Provinz Kilikien zerst\u00f6rte man 2.500 D\u00f6rfer und 500 Kirchen. Durch die Interventionen von Russland und Gro\u00dfbritannien konnte das Morden verhindert werden. Jetzt, im Ersten Weltkrieg, scherte man sich nicht mehr um die Meinung des Auslandes, das jetzt sowieso der Feind war. Einzig der deutsche B\u00fcndnispartner setzte kurzfristig einen matten Widerstand entgegen, beugte sich aber der \u201eRealpolitik\u201c: das Kriegsb\u00fcndnis musste um jeden Preis erhalten werden. Beinahe w\u00e4re der teuflische Plan aufgegangen und ein Volk vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt worden. Doch auf abenteuerlichen Wegen gelang vielen die Flucht oder sie \u00fcberlebten durch muslimische Nachbarn und Soldaten, die sich ein Gewissen bewahrt hatten. Dennoch wurden etwa 1,5 Millionen Armenier ermordet. Sozusagen \u201enebenbei\u201c versuchte die T\u00fcrkische Regierung auch die christlichen Aram\u00e4er mitzumorden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sowohl staatliche wie auch religi\u00f6se F\u00fchrer stellten die gew\u00fcnschte moralische Rechtfertigung f\u00fcr das Morden. Der Sultan-Kalif sprach als geistliches Oberhaupt alle Muslime frei, die sich an Exzessen beteiligt hatten. Innenminister Talaat verhinderte die gerichtliche Verfolgung von Mord und Vertreibung, da alle T\u00e4ter \u201eDer von der Regierung befolgten Zwecks dienten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die T\u00fcrkei widersetzt sich bis heute vehement dem Urteil, an den Armeniern sei der erste organisierte und von einem Staat ausgef\u00fchrte V\u00f6lkermord des 20. Jahrhunderts geschehen. Wann immer ein Staat oder eine Organisation das Wort V\u00f6lkermord im Zusammenhang der Geschehnisse von 1915 benutzt, reagiert die t\u00fcrkische Regierung \u201eals sei ihr der Krieg erkl\u00e4rt worden\u201c, urteilt der Historiker Wolfgang Benz. In Frankreich wurde der V\u00f6lkermord an den Armeniern 2001 vom Parlament anerkannt. Daraufhin zog die T\u00fcrkei ihren Botschafter ab, rief zum Boykott franz\u00f6sischer Waren auf, stornierte Wirtschaftsauftr\u00e4ge an franz\u00f6sische Firmen. Gegen franz\u00f6sische Touristen wurde Stimmung gemacht. Als Brandenburg im Unterrichtsplan den \u201eGenozid an der armenischen Bev\u00f6lkerung\u201c einbrachte, wurde der t\u00fcrkische Generalkonsul sofort aktiv. Nach langem Gezerre wurde das Thema in den Schulb\u00fcchern beibehalten, flankiert von den Morden in Ruanda und Kambodscha.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch 1987 verlangte das Europ\u00e4ische Parlament die Anerkennung des V\u00f6lkermordes durch die T\u00fcrkei, bevor \u00fcber einen Beitritt des Landes zur EU geredet werden k\u00f6nnte. Doch 2001 wurde diese Forderung gestrichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Unionsfraktion im Februar 2005 forderte, der Bundestag solle der armenischen Opfer gedenken, warnte der t\u00fcrkische Botschafter, dies k\u00f6nne die in Deutschland lebenden T\u00fcrken beleidigen. Offensichtlich spielte der Botschafter mit der Angst vor vier Millionen hier lebender T\u00fcrken. Zuvor hatte der Botschaft im Jahr 2002 mit dem Marsch 100.000 T\u00fcrken nach Potsdam gedroht, als ein Lepsius-Haus eingeweiht werden sollte. Pfarrer Johannes Lepsius geh\u00f6rte zu den ersten, die den V\u00f6lkermord an den Armeniern \u00f6ffentlich machte und daf\u00fcr schwer gescholten wurde. Dabei hatte die CDU\/CSU-Fraktion bewusst das heikle Wort \u201eV\u00f6lkermord\u201c vermieden. Der Schriftsteller Orhan Pamuk war weniger sensibel. Er nannte die Vorg\u00e4nge beim Namen. Seither wird in der t\u00fcrkischen Presse eine Hetzkampagne gegen ihn gef\u00fchrt, und er muss um sein Leben f\u00fcrchten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWird das, was geschehen ist, n\u00e4mlich die fast g\u00e4nzliche Vernichtung des armenischen Volkes auf anatolischem Territorium, harmloser, wenn man es Massaker nennt, statt V\u00f6lkermord?\u201c fragt der t\u00fcrkische Schriftsteller Zafer Senocak.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von t\u00fcrkischer Seite wird auch versucht, die Armenier zu T\u00e4tern und die T\u00fcrken zu Opfern zu machen. Der Massenmord an den Armeniern seien lediglich \u201ekriegsbedingte Folgeerscheinungen\u201c in einem Kampf der T\u00fcrken um ihre Existenz gewesen. In der \u00c4ra des kalten Krieges konnte der wichtige NATO-Partner T\u00fcrkei darauf vertrauen, dass ihm diese Geschichtsklitterung gro\u00dfz\u00fcgig \u00fcbersehen wurde. \u201eDie Armenier in aller Welt leben noch immer unter einem dreifachen Trauma \u2013 erstens dem Trauma des Erlittenen, zweitens der Leugnung des Verbrechens durch die T\u00e4ter und drittens des Nichtwahrhaben-Wollens des Genozids durch gro\u00dfe Teile der Au\u00dfenwelt.\u201c, urteilt der Orientexperte Gerd Stricker (Z\u00fcrich).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 301 wurde das Christentum in Armenien zur Staatsreligion erhoben. Fast einhundert Jahre bevor das gro\u00dfe Rom diesen Schritt vollzog. Deshalb bezeichnet man Armenien auch als \u201e\u00e4ltesten christlichen Staat.\u201c Zwischen den jeweiligen Gro\u00dfm\u00e4chten gelegen, kannte Armenien nur kurze Phasen der Unabh\u00e4ngigkeit. Im 14. Jahrhundert lebten die Armenier unter t\u00fcrkischer, iranischer und russischer Herrschaft, die sich ihr Land aufteilten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im muslimisch gepr\u00e4gten Osmanischen Reich genossen die christlichen Armenier zun\u00e4chst einen guten Ruf. Sie trugen als H\u00e4ndler, Handwerker und Politiker zur Bl\u00fcte des Reiches bei. Mitte des 19. Jahrhunderts, in der abzeichnenden Krise des Osmanischen Reiches, waren die Armenier die gesuchten S\u00fcndenb\u00f6cke f\u00fcr den Niedergang einstiger t\u00fcrkischer Herrschaft. Den Armeniern erwuchsen zwei m\u00e4chtige Gegner: ein zunehmend radikaler werdender Islam und ein militanter t\u00fcrkischer Nationalismus. F\u00fcr die Muslime waren die Armenier ungl\u00e4ubige Christen, denen ein islamischer Staat nicht trauen durfte. Den Nationalisten galten die Armenier als \u201enational unzuverl\u00e4ssig\u201c. Sie misstrauten den Armeniern und unterstellten ihnen, eine f\u00fcnfte Kolonne ausl\u00e4ndischer Kolonialm\u00e4chte zu sein. Pl\u00e4ne, die Armenier zu vertreiben und in ihren Gebieten t\u00fcrkische Muslime neu anzusiedeln, gab es bereits vor dem 1. Weltkrieg. Aber erst dieser Weltbrand erm\u00f6glichte die Durchf\u00fchrung eines V\u00f6lkermordes ohne internationales Aufsehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWer spricht heute noch von den Armeniern?\u201c, spottete Hitler als er gebeten wurde, die Juden zu verschonen. Fast scheint es, als sollte Hitler recht behalten. Aber nur fast. (M.H.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u2029Hilfsaktion\u2029 M\u00e4rtyrerkirche e\u2029.V.\u2029<\/em><br \/>\n<em>\u2029T\u00fcfinger \u2029Str.\u2029 3<\/em><br \/>\n<em>\u202988690 \u2029Uhldingen\u2010M\u00fchlhofen\u2029<\/em><br \/>\n<em>\u2029Tel. \u20290\u202975\u202956\u2029\u2010\u202992\u202911\u20290\u2029<\/em><br \/>\n<em><\/em><br \/>\n<em>Quelle:<a href=\"http:\/\/www.verfolgte-christen.org\/info-material\/\"> \u2029www.verfolgte\u2010christen.org\u2029<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die\u2029 Trag\u00f6die \u2029der \u2029christlichen\u2029 Armenier\u2029 1915\u2029 Es war Ostern 1915. Die F\u00fchrer des Osmanischen Reiches, eines \u00fcberlebten Vielv\u00f6lkerstaates, wollten die Wirren des Ersten Weltkrieges nutzen, um einen l\u00e4nger gehegten Plan in die Tat umzusetzen. An die Stelle eines \u201eislamischen\u201c Gro\u00dfreiches sollte der v\u00f6lkische Nationalstaat treten. 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