{"id":10720,"date":"2014-04-22T16:02:36","date_gmt":"2014-04-22T14:02:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10720"},"modified":"2014-04-22T16:08:45","modified_gmt":"2014-04-22T14:08:45","slug":"die-ablehnung-der-homosexualitaet-im-judentum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10720","title":{"rendered":"Die Ablehnung der Homosexualit\u00e4t im Judentum"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als das Judentum die Forderung erhob, alle sexuellen Aktivit\u00e4ten in die Ehe zu kanalisieren, ver\u00e4nderte es<b> <\/b>dadurch die Welt. Das Verbot von nichtehelichem Sex durch die Tora erm\u00f6glichte, ganz einfach gesagt, die Sch\u00f6pfung der westlichen Zivilisation. Gesellschaften, die der Sexualit\u00e4t keine Grenzen setzten, wurden in ihrer Entwicklung blockiert. Die sich daraus ergebende Vorherrschaft der westlichen Welt kann gro\u00dfteils der sexuellen Revolution zugeschrieben werden, die vom Judentum begonnen und sp\u00e4ter vom Christentum weitergetragen wurde.<!--more-->Die Revolution bestand darin, den Geist der Sexualit\u00e4t in die Flasche der Ehe zu zwingen. Sie gew\u00e4hrleistete, da\u00df die Gesellschaft nicht l\u00e4nger vom Sex dominiert wurde, und da\u00df sich Liebe und Sexualit\u00e4t zwischen Mann und Frau vertieften (und dadurch fast allein die M\u00f6glichkeit von Liebe und Erotik in der Ehe geschaffen wurde). Zudem wurde damit die beschwerliche Aufgabe in Angriff genommen, den Status der Frau zu verbessern.<\/p>\n<p><b>Eine Gesellschaft dominiert vom Sex <\/b><b><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr uns, die wir Tausende von Jahren nach Beginn dieses Prozesses im Judentum leben, ist es wahrscheinlich unm\u00f6glich, das Ausma\u00df zu erfassen, in dem ungez\u00fcgelter Sex das Leben des einzelnen und der Gesellschaft dominieren kann. Sexualit\u00e4t durchdrang praktisch die ganze Gesellschaft; das galt in der gesamten Antike und in vielen Teilen der Welt bis in die j\u00fcngste Vergangenheit hinein.Menschliche, vor allem m\u00e4nnliche, Sexualit\u00e4t ist vielgestaltig oder \u00e4u\u00dferst wild (weitaus mehr als tierische Sexualit\u00e4t). M\u00e4nner hatten mit Frauen und M\u00e4nnern Sex; mit kleinen M\u00e4dchen und jungen Knaben; mit einem einzigen Partner und in gro\u00dfen Gruppen; mit vollkommen Fremden und Mitgliedern der engsten Familie; und mit den verschiedensten domestizierten Tieren. Wenig gibt es, ob belebt oder unbelebt, das nicht bestimmte M\u00e4nner zum Orgasmus gereizt hat.Nat\u00fcrlich wurden nicht alle diese Praktiken von der jeweiligen Gesellschaft bef\u00fcrwortet. Inzest zwischen Eltern und Kindern sowie die Verf\u00fchrung der Frau eines anderen Mannes sind nur selten gutgehei\u00dfen worden. Viele andere dieser Praktiken aber wurden akzeptiert; allesamt sind sie ein Beispiel daf\u00fcr, wozu der nicht kanalisierte oder in Freudscher Terminologie \u201eunsublimierte\u201c Sexualtrieb f\u00fchren kann.Eine der Konsequenzen eines nicht kanalisierten Sexualtriebs ist die Sexualisierung von allem einschlie\u00dflich der Religion. Solange der Sexualtrieb nicht in angemessener Weise gez\u00fcgelt wurde (nicht unterdr\u00fcckt, was seine eigenen zerst\u00f6rerischen Konsequenzen hat), konnte sich keine h\u00f6here Form von Religion entwickeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit war das erste, was das Judentum tat, Gott zu \u201eentsexualisieren\u201c: \u201eAm Anfang schuf Gott Himmel und Erde\u201c (1.Mose 1,1) durch seinen Willen, nicht durch irgendeine sexuelle Aktivit\u00e4t. Das war ein ausgesprochen radikaler Bruch mit allen anderen Religionen; dies allein ver\u00e4nderte die menschliche Geschichte. In praktisch allen Zivilisationen waren die G\u00f6tter sexuell aktiv. Im Nahen Osten verf\u00fchrte die G\u00f6ttin Ischtar einen Mann, den babylonischen Heros Gilgamesch. In der \u00e4gyptischen Religion unterhielt der Gott Osiris sexuelle Beziehungen zu seiner Schwester, der G\u00f6ttin Isis; daraus ging der Gott Horus hervor. In Kanaan hatte der oberste Gott El Sex mit Aschera.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>Nach dem Glauben der Hindus war der Gott Krischna sexuell aktiv; er hatte viele Frauen und lief Radha nach; der Gott Samba, Sohn Krischnas, verf\u00fchrte sterbliche M\u00e4nner und Frauen. In der griechischen Religion heiratete Zeus Hera, lief Frauen hinterher, entf\u00fchrte den sch\u00f6nen J\u00fcngling Ganymed und masturbierte des \u00f6fteren; Poseidon heiratete Amphitrite, war scharf auf Demeter und vergewaltigte Tantalus. In Rom stiegen die G\u00f6tter M\u00e4nnern wie Frauen nach.<\/p>\n<p><b>Sexualisierte Religionen<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Angesichts der sexuellen Aktivit\u00e4ten der G\u00f6tter ist es nicht verwunderlich, da\u00df die Religionen selbst voll der unterschiedlichsten Formen sexueller Aktivit\u00e4ten waren. In der Antike wurden im Nahen Osten und anderswo Jungfrauen von Priestern entjungfert, bevor sie sich ihrem Ehemann hingeben durften. Sakrale und rituelle Prostitution waren fast universal.<\/p>\n<p>In Indien verlangten bestimmte hinduistische Kulte bis in dieses Jahrhundert hinein den Geschlechtsverkehr zwischen M\u00f6nchen und Nonnen. Ehefrauen hatten Geschlechtsverkehr mit Priestern, die die Gottheit repr\u00e4sentierten. Bis 1948, dem Jahr der Unabh\u00e4ngigkeit Indiens, in dem diese Praxis f\u00fcr illegal erkl\u00e4rt wurde, gab es an vielen indischen Tempeln Frauen und Knaben als Prostituierte.<\/p>\n<p>Im vierzehnten Jahrhundert berichteten Chinesen \u00fcber homosexuelle Riten, die aus der tibetischen Religion stammten und am Hof eines Mongolenkaisers praktiziert wurden. In Sri Lanka beinhaltete die Verehrung der G\u00f6ttin Pattini bis in dieses Jahrhundert als Frauen verkleidete Priester und der Gef\u00e4hrte der G\u00f6ttin wurde symbolisch kastriert.<\/p>\n<p>Das Judentum erlegte der sexuellen Aktivit\u00e4t Einschr\u00e4nkungen auf. Sex konnte nicht l\u00e4nger Religion und Gesellschaft beherrschen. Er sollte geheiligt werden &#8211; was im Hebr\u00e4ischen soviel wie \u201eausgesondert aus der Welt\u201c bedeutet &#8211; und in die Familie verlagert werden, in das eheliche Bett von Mann und Frau. Die Einschr\u00e4nkung des Sexualverhaltens im Judentum war eines der wesentlichen Elemente, das den gesellschaftlichen Fortschritt erm\u00f6glichte.<\/p>\n<p><b>Homosexuelles Verhalten wurde weltweit akzeptiert<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Der revolution\u00e4re Charakter des j\u00fcdischen Verbots aller Formen von nichtehelichem Sex war auf keinem Gebiet radikaler und f\u00fcr die vorherrschenden Auffassungen der Menschheit herausfordernder als im Bereich der Homosexualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich kann man dem Judentum die Erfindung der Kategorie \u201eHomosexualit\u00e4t\u201c zuschreiben, denn in der Antike wurde im Bereich der Sexualit\u00e4t nicht zwischen Heterosexualit\u00e4t und Homosexualit\u00e4t unterschieden. Diese Unterscheidung wurde in der Bibel eingef\u00fchrt. Vor der Bibel trennte die Welt zwischen dem \u201ePenetrator\u201c (dem aktiven Partner) und dem \u201ePenetrierten\u201c (dem passiven Partner).<\/p>\n<p>Wie Martha Nussbaum, Professorin f\u00fcr Philosophie an der Brown University, vor kurzem schrieb, standen bei den Menschen der Antike die geschlechtlichen Vorlieben des Einzelnen auf derselben Stufe wie bei heutigen Menschen die E\u00dfgewohnheiten:<\/p>\n<p>\u201eDie antiken Kategorien f\u00fcr sexuelle Erfahrung unterschieden sich betr\u00e4chtlich von den unseren\u2026 Die zentrale Unterscheidung der Sexualmoral war die zwischen aktiven und passiven Rollen. Das Geschlecht des Objekts \u2026 ist in sich moralisch nicht problematisch. Knaben und Frauen werden oftmals als austauschbare Objekte (m\u00e4nnlichen) Verlangens behandelt. Sozial gesehen ist es wichtiger, zu penetrieren statt penetriert zu werden. Sex wird grundlegend nicht als Interaktion, sondern als einem anderen etwas antun verstanden \u2026\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>Das Judentum stellte dies alles in Frage. Es sah das \u201eGeschlecht des Objekts\u201c als \u00e4u\u00dferst \u201emoralisch problematisch\u201c; es verk\u00fcndete, da\u00df kein Mensch sexuell \u201eaustauschbar\u201c sei. Und als Ergebnis wurde gew\u00e4hrleistet, da\u00df Sex tats\u00e4chlich \u201egrundlegend Interaktion\u201c und nicht einfach \u201eetwas einem anderen antun\u201c ist.<\/p>\n<p>Um das Ausma\u00df der Revolution zu w\u00fcrdigen, die durch das Verbot der Homosexualit\u00e4t und die Forderung nach ausschlie\u00dflich m\u00e4nnlich-weiblicher sexueller Interaktion im Judentum herbeigef\u00fchrt wurde, mu\u00df man sich zun\u00e4chst bewu\u00dft machen, wie universal Homosexualit\u00e4t in der ganzen Welt akzeptiert, praktiziert und wertgesch\u00e4tzt wurde.<\/p>\n<p>Die eine best\u00e4ndige Ausnahme war die j\u00fcdische Zivilisation und, tausend Jahre sp\u00e4ter, die christliche. Au\u00dfer den Juden \u201everbot keine der archaischen Zivilisationen die Homosexualit\u00e4t an sich\u201c, wie Dr. David Greenberg bemerkte. Allein das Judentum war es, das vor etwa 3.000 Jahren Homosexualit\u00e4t f\u00fcr falsch erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>Und das tat es in der st\u00e4rksten und eindeutigsten Sprache, die ihm m\u00f6glich war: \u201eDu darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schl\u00e4ft; das w\u00e4re ein Greuel. Schl\u00e4ft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schl\u00e4ft, dann haben sie eine Greueltat begangen\u201c (3 Mo 18,22; 20,13). Es ist die Sexualmoral des Judentums, nicht die Homosexualit\u00e4t, die historisch gesehen von der Norm abweicht.<\/p>\n<p>Greenberg, dessen Buch The Construction of Homosexuality die umfassendste historische Untersuchung der Homosexualit\u00e4t darstellt, die je geschrieben wurde, fa\u00dfte die Allgegenwart der Homosexualit\u00e4t mit folgenden Worten zusammen: \u201eMit nur wenigen Ausnahmen wurde m\u00e4nnliche Homosexualit\u00e4t nicht gebrandmarkt oder unterdr\u00fcckt, solange sie im Einklang mit bestimmten Normen im Hinblick auf Geschlecht, relatives Alter und Status der Partner stand \u2026Zu den Hauptausnahmen von dieser Akzeptanz scheint es in zwei Bereichen gekommen zu sein.\u201c Beide waren j\u00fcdisch gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p><b>Der zivilisatorische Einflu\u00df der Bibel<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Die hebr\u00e4ische Bibel, insbesondere die Tora (die \u201eF\u00fcnf B\u00fccher Mose\u201c), haben mehr zur Zivilisierung der Welt beigetragen als irgendein anderes Buch oder eine andere Idee der Geschichte.<\/p>\n<p>Es ist die hebr\u00e4ische Bibel, die der Menschheit Ideen geschenkt hat wie die folgenden: einen universalen, moralischen, liebenden Gott; die Notwendigkeit der Geschichte, zu einer moralischen und spirituellen Erl\u00f6sung fortzuschreiten; den Glauben, da\u00df Geschichte einen Sinn hat; und die Auffassung, da\u00df Freiheit und soziale Gerechtigkeit von Gott f\u00fcr alle Menschen gew\u00fcnscht werden. Sie gab der Welt die Zehn Gebote, den ethischen Monotheismus, und das Konzept der Heiligkeit (das Ziel, den Menschen von der Tier\u00e4hnlichkeit zur Gott\u00e4hnlichkeit zu f\u00fchren).<\/p>\n<p>Deshalb h\u00f6re ich mit gro\u00dfem Respekt zu, wenn diese Bibel klare moralische \u00dcberzeugungen verk\u00fcndet. Im Hinblick auf m\u00e4nnliche Homosexualit\u00e4t &#8211; weibliche wird nicht erw\u00e4hnt &#8211; verwendet diese Bibel eine solch klare und direkte Sprache, da\u00df man kein religi\u00f6ser Fundamentalist zu sein braucht, um sich von ihren Ansichten leiten zu lassen. Alles, was es braucht, ist sich als ernsthaften Juden oder Christen zu verstehen.<\/p>\n<p>Juden oder Christen, die die Sichtweise der Bibel zur Homosexualit\u00e4t ernst nehmen, m\u00fcssen nicht beweisen, da\u00df sie weder fundamentalistisch noch buchstabengl\u00e4ubig, geschweige denn bigott sind (obwohl nat\u00fcrlich Leute mit der Bibel ihre Bigotterie verteidigt haben). Stattdessen tragen diejenigen die Beweislast, die behaupten, Homosexualit\u00e4t sei mit dem Judentum oder Christentum vereinbar; sie m\u00fcssen zeigen, wie sie diese Ansicht mit ihrer Bibel in Einklang bringen wollen.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>Angesichts der unzweideutigen biblischen Einstellung zur Homosexualit\u00e4t ist dieser Einklang allerdings unm\u00f6glich herzustellen. Alles was m\u00f6glich ist, ist die Aussage: \u201eIch bin mir bewu\u00dft, da\u00df die Bibel Homosexualit\u00e4t verurteilt; ich halte die Bibel darin aber f\u00fcr falsch.\u201c Das w\u00e4re ein intellektuell redlicher Ansatz. Dieser Ansatz f\u00fchrt aber zu einem weiteren Problem. Wenn man selbst dar\u00fcber befindet, welche der moralischen Anordnungen in der Bibel man ernstnimmt (und das Verbot der Homosexualit\u00e4t wird nicht nur als Gebot, sondern als Wert dargestellt \u201ees ist ein Greuel\u201c), welchen moralischen Wert hat dann die Bibel noch?<\/p>\n<p><b>W\u00e4hle das Leben<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Das Judentum kann mit der Homosexualit\u00e4t keinen Frieden schlie\u00dfen, da sie viele seiner Grundprinzipien leugnet. Sie leugnet das Leben, leugnet Gottes ausdr\u00fccklichen Wunsch nach dem Zusammenleben von Mann und Frau, und leugnet die nach j\u00fcdischer Auffassung grundlegende Struktur der gesamten Menschheit, die Familie.<\/p>\n<p>Kann man von einem Kern des Judentums sprechen, dann findet er sich in der Aussage der Tora \u201eLeben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. W\u00e4hle also das Leben\u201c (5 Mo 30,19). Das Judentum bejaht alles, was Leben f\u00f6rdert; es bek\u00e4mpft oder sondert alles aus, was Tod repr\u00e4sentiert \u2026<\/p>\n<p>Notwendig ist die Einbindung der Leidenschaften in die Ehe.<\/p>\n<p>Gottes erste Aussage \u00fcber den Menschen (im allgemeinen und den Mann im besonderen) lautet: \u201eEs ist nicht gut, da\u00df der Mensch allein bleibt\u201c (1 Mo 2,18). Nun h\u00e4tte Gott, um das Problem des Alleinseins des Mann-Menschen zu l\u00f6sen, einen anderen Mann erschaffen k\u00f6nnen, vielleicht sogar eine Gemeinschaft von M\u00e4nnern.<\/p>\n<p>Stattdessen l\u00f6ste Gott das Alleinsein des Mann-Menschen durch die Erschaffung einer anderen Person, einer Frau, nicht eines Mannes, nicht einiger Frauen, nicht einer Gemeinschaft von M\u00e4nnern und Frauen. Die Einsamkeit des Mannes war nicht ein Ausdruck dessen, da\u00df ihm andere Menschen fehlten; es war Ausdruck daf\u00fcr, da\u00df ihm eine Frau fehlte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich geht das Judentum auch davon aus, da\u00df Frauen M\u00e4nner brauchen. Aber sowohl die Tora wie das j\u00fcdische Gesetz bestanden viel strikter darauf, da\u00df M\u00e4nner heiraten sollten, als Frauen. Das Judentum ist besorgt dar\u00fcber, was mit den M\u00e4nnern und der Gesellschaft passiert, wenn M\u00e4nner ihre Leidenschaften nicht in die Ehe kanalisieren.<\/p>\n<p>In dieser Hinsicht bewiesen Tora und Judentum weise Voraussicht: die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Gewaltverbrechen wird von unverheirateten M\u00e4nnern begangen. So ist das Unverheiratetbleiben des Mannes, in vielen Religionen als heilig betrachtet, im Judentum eine S\u00fcnde. Um im Vollsinn Mensch zu werden, m\u00fcssen sich Mann und Frau verbinden. Mit den Worten des ersten Buchs Mose: \u201eGott schuf also den Menschen \u2026 als Mann und Frau schuf er sie\u201c (1 Mo 1,27). Das Einswerden von Mann und Frau ist nicht lediglich ein gro\u00dfartiges Ideal; es ist das Herzst\u00fcck der j\u00fcdischen Auffassung von der Bedeutung des Menschwerdens. Es zu leugnen ist gleichbedeutend damit, ein Hauptziel des Lebens zu leugnen.<\/p>\n<p>Wenige Juden m\u00fcssen \u00fcber die zentrale Rolle der Familie f\u00fcr das j\u00fcdische Leben belehrt werden. Durch die ganze Geschichte hindurch war eines der hervorstechendsten Merkmale des Judentums seine Hochsch\u00e4tzung des Familienlebens.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das traditionelle Judentum l\u00e4ngst nicht so viele egalit\u00e4re Tendenzen hat, wie viele Juden des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts gerne s\u00e4hen, war es doch das Judentum &#8211; und zwar gerade wegen seiner Betonung von Ehe und Familie sowie der Ablehnung von Untreue und Homosexualit\u00e4t &#8211; das den Proze\u00df der Frauenemanzipation einleitete. W\u00e4hrend andere Kulturen homoerotische Poesie verfa\u00dften, dichteten die Juden das Hohelied, eines der sch\u00f6nsten Gedichte \u00fcber die sinnliche Liebe zwischen Mann und Frau, das je geschrieben wurde.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p><b>Homosexueller Lebensstil<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Ein letzter Grund f\u00fcr die Ablehnung der Homosexualit\u00e4t ist der homosexuelle \u201eLebensstil\u201c. W\u00e4hrend es zwar m\u00f6glich ist, da\u00df m\u00e4nnliche Homosexuelle einen Lebensstil sexueller Treue praktizieren, vergleichbar dem heterosexueller M\u00e4nner, geschieht das im Normalfall jedoch nicht. W\u00e4hrend eine durchschnittliche lesbische Frau weniger als zehn Partnerinnen hat, hat der durchschnittliche m\u00e4nnliche Homosexuelle in Amerika \u00fcber 500 Partner.<\/p>\n<p>Im allgemeinen setzen sich weder Homosexuelle noch Heterosexuelle mit der Tatsache auseinander, da\u00df es in erster Linie dieser homosexuelle Lebensstil insgesamt, weniger der homosexuelle Akt als solcher ist, der die meisten Menschen beunruhigt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum weibliche Homosexualit\u00e4t weniger Aufmerksamkeit erregt.<\/p>\n<p>Wenn die m\u00e4nnliche Sexualit\u00e4t nicht gez\u00fcgelt wird, sind die Konsequenzen erheblich destruktiver als bei weiblicher Sexualit\u00e4t. M\u00e4nner vergewaltigen, Frauen nicht. M\u00e4nner, nicht Frauen, besch\u00e4ftigen sich mit Fetischen. M\u00e4nner werden h\u00e4ufiger von ihrem Sexualtrieb beherrscht und wechseln von einem Sexualpartner zum anderen. M\u00e4nner, nicht Frauen, sind im allgemeinen sexuell sadistisch.<\/p>\n<p>Der unterschiedslose Sex, der weite Bereiche des m\u00e4nnlichen homosexuellen Lebens pr\u00e4gt, repr\u00e4sentiert die Gegenthese zu dem Anliegen des Judentums, das menschliche Leben von der Tier- zur Gott\u00e4hnlichkeit zu f\u00fchren.<\/p>\n<p><b>Das j\u00fcdische Sexualideal<\/b><b><\/b><\/p>\n<p>Das Judentum hat ein Sexualideal: den ehelichen Sex. Alle anderen Formen sexuellen Verhaltens, obwohl nicht alle gleich falsch, weichen von diesem Ideal ab. Je weiter sie abweichen, desto st\u00e4rker die Abneigung des Judentums gegen dieses Verhalten.<\/p>\n<p>W\u00fcrde man Homosexualit\u00e4t als eine gleichwertige soziale, moralische oder religi\u00f6se Alternative zur Heterosexualit\u00e4t akzeptieren, dann w\u00e4re das der erste moderne Angriff im Kampf gegen die jahrtausendealte, extrem hart errungene, auf der Familie beruhenden sexuell monogame Gesellschaft. Zwar wird dies als \u201eFortschritt\u201c etikettiert, doch ist die Akzeptanz der Homosexualit\u00e4t keinesfalls neu.<\/p>\n<p>Einer Welt, die die menschliche Sexualit\u00e4t in \u201ePenetrator\u201c und \u201ePenetrierten\u201c einteilte, antwortete das Judentum: \u201eIhr habt nicht recht &#8211; bei der Sexualit\u00e4t ist zwischen Mann und Frau zu unterscheiden.\u201c<\/p>\n<p>Einer Welt, die Frauen als Geb\u00e4rmaschinen ansah, die keiner romantischen und sexuellen Aufmerksamkeit wert waren, antwortete das Judentum: \u201eIhr habt nicht recht &#8211; Frauen m\u00fcssen das ausschlie\u00dfliche Ziel der erotischen Liebe sein.\u201c<\/p>\n<p>Einer Welt, die Sinnlichkeit und k\u00f6rperliche Sch\u00f6nheit als h\u00f6chste G\u00fcter im Leben ansah, antwortete das Judentum: \u201eIhr habt nicht recht &#8211; Ethik und Heiligkeit sind die h\u00f6chsten G\u00fcter.\u201c<\/p>\n<p>Tausend Jahre bevor r\u00f6mische Kaiser sich Lustknaben hielten, wurde den j\u00fcdischen K\u00f6nigen befohlen, ein sefer torah, ein Buch der Tora aufschreiben zu lassen und sich daran zu halten.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><b>Eine hart erk\u00e4mpfte Moralordnung<\/b><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erschaffung der westlichen Zivilisation war ein einzigartiges und unglaublich schwieriges Unterfangen. Es erforderte ein best\u00e4ndiges Aufschieben der eigenen Befriedigung und eine Neuausrichtung der nat\u00fcrlichen Instinkte. Diese Disziplin wurde nicht immer begeistert aufgenommen. Es hat zahlreiche Versuche gegeben, die j\u00fcdisch-christliche Zivilisation abzuschaffen, nicht selten durch Juden (mittels radikaler politischer Ans\u00e4tze) und Christen (durch Antisemitismus).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Fundament dieser Zivilisation und des j\u00fcdischen Lebens war die zentrale Rolle und die Reinheit des Familienlebens. Aber die Familie ist nicht so sehr eine naturgegebene Einheit, als vielmehr ein Wert, der kultiviert und gesch\u00fctzt werden mu\u00df. Die Griechen attackierten die Familie im Namen der Sch\u00f6nheit und des Eros. Die Marxisten attackierten sie im Namen des Fortschritts. Und heute attackiert sie die Schwulenbewegung im Namen des Mitgef\u00fchls und der Gleichheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich verstehe, warum die Schwulen das tun. Das Leben war f\u00fcr viele von ihnen hart gewesen. Was ich nicht verstanden habe, ist, warum sich Juden oder Christen diesen Angriffen anschlie\u00dfen. Jetzt wei\u00df ich es. Sie wissen nicht, was auf dem Spiel steht. Auf dem Spiel steht unsere Zivilisation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dennis Prager (geb. 1948) ist\u00a0US-amerikanischer Journalist, Autor, Redner und Radiotalkmaster. Prager ist Jude und Gr\u00fcnder und Vorsitzender des Micah Center for Ethical Monotheism.<\/em><em> <\/em><i>Der vorliegende Artikel stellt einen Auszug aus dem Journal \u201eUltimate Issues\u201c dar und wurde im \u201eNARTH Bulletin\u201c vom Dezember 1996 abgedruckt (<a href=\"http:\/\/www.narth.org\/docs\/ger-prager.pdf\">www.narth.org)<\/a>. <\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als das Judentum die Forderung erhob, alle sexuellen Aktivit\u00e4ten in die Ehe zu kanalisieren, ver\u00e4nderte es dadurch die Welt. Das Verbot von nichtehelichem Sex durch die Tora erm\u00f6glichte, ganz einfach gesagt, die Sch\u00f6pfung der westlichen Zivilisation. Gesellschaften, die der Sexualit\u00e4t keine Grenzen setzten, wurden in ihrer Entwicklung blockiert. 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