{"id":10442,"date":"2014-01-25T17:49:15","date_gmt":"2014-01-25T15:49:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10442"},"modified":"2014-01-25T17:49:15","modified_gmt":"2014-01-25T15:49:15","slug":"vergebung-und-strafe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10442","title":{"rendered":"Vergebung und Strafe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Frage, ob die Vergebung der Schuld auch die Befreiung von Strafe einschlie\u00dft, ist sowohl von theologischer als auch von seelsorgerlicher Bedeutung. Theologisch ist sie bedeutsam, weil sie den Umfang der g\u00f6ttlichen Vergebung ber\u00fchrt, seelsorgerlich ist sie wichtig, weil alle, die Gottes Vergebung empfangen haben, wissen m\u00fcssen, ob sie u.U. noch mit g\u00f6ttlichen Strafhandlungen rechnen m\u00fcssen oder nicht<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Beobachtungen am biblischen Wort<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Dem gro\u00dfen Gotteslob Moses in 2. Mose 34,6f. kann man entnehmen, da\u00df Gottes Vergebungswillen zwar unendlich stark und seine Vergebungskraft unendlich gro\u00df ist, da\u00df seine Vergebung aber nicht automatisch seine Strafe aufhebt. \u201eHerr, Herr, Gott, barmherzig, gn\u00e4dig und geduldig und von gro\u00dfer Gnade und Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, \u00dcbertretung und S\u00fcnde, aber ungestraft l\u00e4\u00dft er niemand, sondern sucht die Missetat der V\u00e4ter heim an Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Glied\u201c.<!--more--> <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nachdem das Volk Israel von Gott abgefallen war und das goldene Kalb angebetet hatte, erwirkte Mose zwar die Vergebung Gottes, aber das Volk mu\u00dfte als Strafe hinnehmen, da\u00df es von Gott fortan nicht mehr pers\u00f6nlich begleitet wurde (2. Mose 32,30-33,6). \u201eIch will dich bringen in das Land, darin Milch und Honig flie\u00dft. Ich selbst will nicht mit dir hinausziehen, denn du bist ein halsstarriges Volk; ich w\u00fcrde dich unterwegs vertilgen\u201c. \u00c4hnlich ist die Lage, als das Volk aufgrund der Berichte der Kundschafter Angst vor dem Einzug in das gelobte Land bekommt. Mose mu\u00df wieder Gott um Vergebung f\u00fcr das Volk bitten. Wieder wird sie ihm gew\u00e4hrt, doch Gott straft das Volk mit einer zus\u00e4tzlichen 38-j\u00e4hrigen W\u00fcstenwanderung (4. Mose 14). \u201eUnd der Herr sprach: Ich habe vergeben, wie du es erbeten hast. Aber so wahr ich lebe und alle Welt der Herrlichkeit des Herrn voll werden soll: alle die M\u00e4nner, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben, die ich getan habe in \u00c4gypten und in der W\u00fcste, und mich nun zehnmal versucht und meiner Stimme nicht gehorcht haben, von denen soll keiner das Land sehen, das ich ihren V\u00e4tern zu geben geschworen habe; auch keiner soll es sehen, der mich gel\u00e4stert hat\u201c. Auch David mu\u00dfte nach seinem Ehebruch trotz Gottes Vergebung als Strafe den Tod des von ihm gezeugten Sohnes hinnehmen, weil seine Tat den Feinden Gottes einen Grund zur L\u00e4sterung verschafft hatte (2. Sam. 12,13f.). \u201eNathan sprach zu David: So hat auch der Herr deine S\u00fcnde weggenommen; du wirst nicht sterben. Aber weil du die Feinde des Herrn durch diese Sache zum L\u00e4stern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben\u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Theologische Schlu\u00dffolgerungen<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00a01.) <\/span>Man mu\u00df angesichts dieser zun\u00e4chst unverst\u00e4ndlichen Handlungsweise Gottes zun\u00e4chst zwischen der ewigkeitlichen und der zeitlichen Dimension von Gottes Handeln am begnadigten S\u00fcnder unterscheiden. Gottes Vergebung hat immer eine ewigkeitliche Dimension, denn sie ist vorweggenommener Freispruch im Gericht. Diese ewigkeitliche Bedeutung der Vergebung wiegt schwerer und ist wichtiger als eventuelle zeitliche Folgen begangenen Unrechts. In R\u00f6m. 8,18 werden die Leiden dieser Zeit im Vergleich zur ewigen Herrlichkeit als unma\u00dfgeblich bezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.) Die zeitlichen Folgen des schuldhaften Verhaltens k\u00f6nnen als ein Z\u00fcchtigungshandeln Gottes verstanden werden, mit dem Gott nach dem Zeugnis des Hebr\u00e4erbriefs immer gute Ziele verfolgt. Gottes Z\u00fcchtigungen dienen \u201ezu unserm Besten, damit wir an seiner Heiligkeit Anteil erlangen\u201c (Hebr. 12,10). Dabei ist zu bedenken, da\u00df nach Hebr. 12 gerade das Z\u00fcchtigungshandeln Gottes ein Kennzeichen seiner Liebe zum begnadigten S\u00fcnder ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.) Wenn Gott dem begnadigten S\u00fcnder Folgen seiner Schuld im Sinne einer Z\u00fcchtigung auferlegt, darf davon ausgegangen werden, da\u00df Gott die Lasten, die er auferlegt, auch zu tragen hilft (Ps. 68,20). \u201eGott ist treu, der euch nicht versuchen l\u00e4\u00dft \u00fcber eure Kraft, sondern macht, da\u00df die Anfechtung so ein Ende nimmt, da\u00df ihr\u2019s ertragen k\u00f6nnt\u201c (1. Kor. 10,13).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.) Obwohl die Vergebung ein ewigkeitliches Geschehen ist, hat sie doch auch zeitliche Auswirkungen. Der begnadigte S\u00fcnder wird durch die Vergebung wieder in ein ungetr\u00fcbtes und herzliches Verh\u00e4ltnis zu seinem himmlischen Vater hineingenommen. Der Heilige Geist vermittelt ihm neues Vertrauen in die Vaterg\u00fcte Gottes (Gal. 4,6). In diesem Vertrauen darf er auch um Milderung oder Tilgung der Folgen der Schuld und um ein Ende der g\u00f6ttlichen Z\u00fcchtigung bitten. In diesem Vertrauen darf er aber auch glauben, da\u00df die ihm auferlegte g\u00f6ttliche Strafe einen tieferen g\u00f6ttlichen Sinn in sich tr\u00e4gt und da\u00df Gott gerade aus dem bewu\u00dften Annehmen dieser Strafe einen neuen Segen erwachsen lassen kann (R\u00f6m. 4,17; 8,28).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem biblischen Befund wird durch die Vergebung zwar die Schuld vollst\u00e4ndig getilgt, aber nicht in jedem Fall auch die Freisprechung bzw. Befreiung von Folgelasten f\u00fcr den Schuldiggewordenen bewirkt. Die Erfahrung, trotz Vergebung noch an den Folgen der Schuld tragen und leiden zu m\u00fcssen, kann f\u00fcr Christen eine Anfechtung und sogar eine Glaubensversuchung bedeuten. Ihnen mu\u00df seelsorgerlich geholfen werden, und zwar indem ihnen der unendliche Wert der Vergebung nahegebracht wird, indem sie zu einem Annehmen g\u00f6ttlicher Z\u00fcchtigungen gef\u00fchrt und zu einem neuen Vertrauen in die Vaterg\u00fcte Gottes ermutigt werden, der keinen Fehler macht, der Strafen jederzeit mildern und wegnehmen kann und der beim Tragen der von ihm auferlegten Lasten mit g\u00f6ttlicher Kraft hilft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage, ob die Vergebung der Schuld auch die Befreiung von Strafe einschlie\u00dft, ist sowohl von theologischer als auch von seelsorgerlicher Bedeutung. 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