{"id":10368,"date":"2014-01-06T07:51:32","date_gmt":"2014-01-06T05:51:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10368"},"modified":"2014-01-06T07:58:03","modified_gmt":"2014-01-06T05:58:03","slug":"die-zeit-vor-der-ewigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10368","title":{"rendered":"Die Zeit vor der Ewigkeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>\u201e<\/b>Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verz\u00f6gert nicht die Verhei\u00dfung, wie es einige f\u00fcr eine Verz\u00f6gerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Bu\u00dfe finde. Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel vergehen mit gro\u00dfem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden. Wenn nun das alles so zergehen wird, wie m\u00fcsst ihr dann dastehen im heiligen Wandel und frommen Wesen, die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden? Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verhei\u00dfung, in denen Gerechtigkeit wohnt. Darum, meine Lieben, w\u00e4hrend ihr darauf wartet, seid bem\u00fcht, dass ihr vor ihm unbefleckt und untadelig im Frieden befunden werdet, und die Geduld unseres Herrn erachtet f\u00fcr eure Rettung, wie auch unser lieber Bruder Paulus nach der Weisheit, die ihm gegeben ist, euch geschrieben hat. (2. Petrus 3,8-15)<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sankt Petrus, der Prinz unter den Aposteln, mag uns ein wenig fern von unserem Alltag entr\u00fcckt erscheinen. Vielleicht wird er dem einen oder anderen eher wie eine Witzfigur vorkommen, die man in Anekdoten gerne benutzt, in denen es um die Pforten zum Paradies geht, wenn jemand dort angekommen ist. Dennoch hat er die Absicht, uns direkt in unserem Alltagsleben anzusprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Der Herr verz\u00f6gert nicht die Verhei\u00dfung, sondern er hat Geduld mit uns,&#8220; schreibt Petrus. Was will er uns damit sagen? Wir leben auf Kredit. Die letzten Dinge, von denen Petrus schreibt, h\u00e4tten l\u00e4ngst passiert sein m\u00fcssen, doch Gott ist offensichtlich mit dem Ergebnis dessen, was die Menschheit zuwege gebracht hat, nicht zufrieden und hat der Welt eine zus\u00e4tzliche Zeit geschenkt. Wir gehen am Abend schlafen und stehen am Morgen auf, gehen zur Arbeit oder zur Schule, zur Poliklinik oder einkaufen, aber die Zeit ist bereits verflossen. Der gro\u00dfe Schiedsrichter verz\u00f6gert den Schlusspfiff nur, oder wie der Apostel selbst sagt, die letzte Posaune. Die kann jedoch in jedem Augenblick erschallen. Dabei wird dann das Wichtigste sein, wo ich bin, und wo ich mich in dem Augenblick befinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Worten des Apostels Petrus \u00fcber die letzten Dinge k\u00f6nnen wir zwei sehr wichtige Dinge bemerken. Erstens wird es dabei um alles umfassende und alles verschlingende Ver\u00e4nderungen gehen, und zweitens werden sie pl\u00f6tzlich und unerwartet geschehen. Nichts wird so bleiben, wie es davor war &#8211; der Himmel wird vergehen, die Erde wird bis auf ihre Grundfesten zerschmelzen. Nichts, woran wir uns gew\u00f6hnt haben und worauf wir uns verlassen konnten, wird seine alte Funktion wahrnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In unserem Alltag verlassen wir uns auf viele Dinge. Wir gehen \u00fcber eine Br\u00fccke und haben bei jedem Schritt einen Abgrund unter uns und verlassen uns darauf, dass die Br\u00fccke uns am Absturz hindern wird. Aber da gibt es noch mehr. Ohne dar\u00fcber weiter nachzudenken, nehmen wir an, dass die Erde uns immer tragen und unter uns nicht einst\u00fcrzen wird und der Himmel\u00a0 \u00fcberhaupt nicht verschwinden wird. Und deshalb sind wir umso mehr der Ansicht, dass wir alles verschieben d\u00fcrften, was wir bereits gestern h\u00e4tten tun m\u00fcssen, Und gerade deshalb, weil wir empfunden haben, dass sich nichts ver\u00e4ndern, nichts zusammenbrechen w\u00fcrde, leisten wir es uns, dass Wichtigste beiseite zu schieben, damit wir uns mit dem Unwichtigeren, dem Leichteren befassen k\u00f6nnten. Wir meinen, dass wir alles Wichtige in die L\u00e4nge ziehen d\u00fcrften, da wir keine Notwendigkeit erkennen, es jetzt zu tun. Doch die Frist ist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bereits herum. Der Schlusspfiff kann in jedem Augenblick kommen. Und wenn er pl\u00f6tzlich kommt, wird nichts mehr so sein wie vorher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist im Leben das Allerwichtigste? Wie k\u00f6nnen wir das \u00fcberhaupt wissen? Wenn wir uns um eine Arbeitsstelle bewerben, dann legen wir unseren Lebenslauf vor. Was ist in einem Lebenslauf das Wichtigste? Wir schreiben, welche Schulbildung wir mitbringen, beschreiben unsere Kenntnisse und Fertigkeiten, unsere bisherigen Berufserfahrungen und Verdienste. Manches Mal m\u00fcssen wir darauf hinweisen, wer uns empfehlen k\u00f6nnte, was bedeutende Menschen von uns halten. Vor dem Stellenantritt erkundigen wir uns nach den Verdienstm\u00f6glichkeiten, welche Aufstiegsm\u00f6glichkeiten es gibt &#8211; mit einem Wort danach, was f\u00fcr Vorteile ich von der Stelle habe. Diese und \u00e4hnliche Dinge besch\u00e4ftigen uns in unserem Alltag. Deshalb ist es auch verst\u00e4ndlich, dass sie uns f\u00fcr unser Leben sehr wichtig erscheinen und dass man andere Dinge beiseite\u00a0 schieben kann. Das ist nur ein Aspekt aus unserem vielf\u00e4ltigen Alltag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte nicht versuchen, jetzt alles zu beschreiben. Dieser M\u00fche kann sich jeder einzelne selbst unterziehen. Dabei sollte jeder beachten, dass es dabei nicht auf meine Ansicht ankommt, sondern darauf, was ich tue und was davon f\u00fcr mich lebenswichtig ist und was davon bleibt, wenn die letzte Sirene ert\u00f6nt und Himmel und Erde mit einem gro\u00dfen Krachen vergehen. Was von allem wird noch bestehen bleiben und seine Priorit\u00e4t bewahren k\u00f6nnen und was wird in die Bedeutungslosigkeit versinken?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner Ansprache geht der Apostel Petrus auf unseren Alltag ein. Betrachte dich selbst mit deinem geistigen Blick, was nach dem Schlusspfiff, nach dem letzten Signal von dir \u00fcbrig bleibt! Was tritt dabei in den Vordergrund als das Wichtigste? In Augenblicken gro\u00dfer Aufregungen f\u00e4llt es uns wie Schuppen von den Augen, wenn wir deutlich erkennen, dass wir uns in unserem Alltag v\u00f6llig nebens\u00e4chliche Dinge zur Hauptsache gemacht haben. Wie steht es um unsere Beziehung zu unseren Allern\u00e4chsten?\u00a0 Wieviel Zeit habe ich meinen Kindern gewidmet, und wie haben das meine Kinder empfunden? Wann habe ich mich zuletzt f\u00fcr eine gute Idee oder f\u00fcr einen wohlt\u00e4tigen Zweck oder eine Angelegenheit von nationalem Interesse eingesetzt? Was habe ich getan, um ein besserer Mensch zu werden? Habe ich das alles vor mir hergeschoben und auf eine sp\u00e4tere Zeit verlegt, die ich nicht mehr haben werde?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir erleben Krisenzeiten, wenn wir etwas \u00fcber Naturkatastrophen vernehmen, von denen andere Menschen betroffen wurden, in denen unser Gewissen erwacht und unser wacher Verstand uns ernste Fragen stellt. Das sind Augenblicke der bohrenden Erkenntnis. Aber ist diese auch kr\u00e4ftig genug und h\u00e4lt sie weiter an, damit wir nicht nur bei \u00dcberlegungen stehen bleiben, sondern auch einen Entschluss fassen und den in die Tat umsetzen? Sollte das der Fall sein, dann haben wir im Ungl\u00fcck\u00a0 Gl\u00fcck gehabt, und die gemachte Erfahrung war nicht vergeblich. Sollten wir dagegen f\u00fcr einen Augenblick nur bei dem \u00dcberlegen und Nachdenken stecken geblieben sein, dann verhalten wir uns wie ein Mieter einer Wohnung, dessen Alarmanlage eine Notsituation signalisiert, aber wir statt uns zu retten und die Wohnung zu r\u00e4umen, uns mit \u00dcberlegungen befassen, ob wir diese Warnungen wirklich ernst nehmen m\u00fcssten. Ist das nicht ein Mangel an Erkenntnissen? W\u00e4re es nicht richtig, alles stehen und liegen zu lassen und das eigene Leben zu retten? Es fehlt ja auch nicht an beruhigenden Stimmen: regt euch doch nicht auf, das betrifft euch nicht, alles wird gut ausgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht ist es eine beruhigende Erkenntnis oder eine richtige Beurteilung der Realit\u00e4t, bereit zu sein f\u00fcr den Schlusspfiff, f\u00fcr die letzte Posaune f\u00fcr den j\u00fcngsten Tag des Herren, der beginnen wird wie ein gew\u00f6hnlicher Tag Da wird es nichts von dem geben, was jene seltsamen sogenannte Wikinger Kalender prophezeien: An einem solchen Morgen werden wir aufstehen, Kaffee trinken, unserer Wege gehen &#8211; der eine zur Schule oder zur Arbeit, der andere zum Einkaufen oder zum Spaziergang mit dem Hund. Und dann &#8211; ohne eine Warnung oder eine M\u00f6glichkeit, sich darauf einzustellen &#8211; st\u00fcrzt der Himmel mit einem Krach ein, die Erde vergeht, die Elemente zerschmelzen. Aber das Wichtigste dabei wird sein &#8211; wir werden keine Zeit mehr haben. Wir werden dastehen nicht mit dem, was wir haben, sondern nur mit dem, wer wir sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie viel von dem, womit wir unsere Zeit und unsere M\u00f6glichkeiten verbracht hatten, wird es nicht mehr geben! Wichtig wird nur das sein, was wir in kein Arbeitsbuch, in keine Bewerbung eingetragen haben. Als wichtig wird sich nur das erweisen, was in der Pr\u00e4ambel unserer Verfassung als Grundsatz verk\u00fcndigt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich liebe Gott von ganzem Herzen und meinen N\u00e4chsten wie mich selbst. Ich bin getauft, ich bin ein lebendiges Glied am Leibe Christi, an seiner Kirche. Ich habe meine S\u00fcnden bekannt und daf\u00fcr die Absolution empfangen. Ich habe mich dem Wirken des Heiligen Geistes ge\u00f6ffnet und mir M\u00fche gegeben, mein Leben zu \u00e4ndern. Ich pflege die Gemeinschaft des Sakramentes. Ich habe mich bem\u00fcht, den Weg zu gehen, den mir Christus gewiesen hat. Dann werden wir auch in aller Deutlichkeit erkennen, dass Gott nicht von uns verlangt hat, in seinem Auftrag auf Bildung, berufliches Weiterkommen, Familie, Freunde, einen vern\u00fcnftig verwalteten Besitz und Dinge, die Freude am Leben erwecken, zu verzichten. Er hat uns f\u00fcr alles die Zeit geschenkt. Aber, wie es der weise K\u00f6nig Salomo einst gesagt hatte, ein jedes zu seiner Zeit, die uns Gott daf\u00fcr geschenkt hat<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der Apostel Paulus schreibt: &#8222;Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird&#8217;s klar machen: denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gold, Silber, Edelsteine. Glaube, Hoffnung Liebe. Erbaut auf dem Grund Christus. Ja, wie sehr m\u00fcsste sich die Welt ver\u00e4ndern, wenn diese Dinge wichtiger und erstrebenswerter werden sollten. Und so wird sie sich auch ver\u00e4ndern, wenn der Grund und die Elemente der Erde\u00a0 zerschmelzen werden. Es wird einen neuen Himmel und eine neue Erde geben. Doch wir sind aufgerufen, bereits davor nach den Werten der neuen Welt zu leben. Dann wird uns auch das schlimme Wort deutlich werden &#8222;Am j\u00fcngsten Tage wird der Herr kommen wie ein Dieb.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieb ist kein gutes Wort. Wenn wir es h\u00f6ren, dann kann es uns schlecht werden. Und deshalb tun wir uns schwer, es mit Gott zu verbinden. Ein Dieb hat doch die Absicht, uns etwas weg zu nehmen oder uns vielleicht sogar zu t\u00f6ten. Wie k\u00f6nnen wir \u00fcberhaupt mit einer solchen Vorstellung von Gott leben, der wie ein Dieb herumschleicht? Aber Gott hat uns die Zeit geschenkt und sogar seinen eigenen Sohn, &#8222;auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.&#8220; Dann wird uns auch das Wort vom Dieb verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Anfang der Geschichte der Menschheit betrog der Teufel Eva und stahl Gott die Welt\u00a0 und \u00fcberantwortete sie der S\u00fcnde und dem Tod. Der gro\u00dfe Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb, um das zur\u00fcck zu stehlen, was uns der Dieb gestohlen hat. Damit der Mensch, nach Gottes Bild geschaffen, wieder der Macht des Todes und der Macht der dem Teufel unterworfenen Wellt entrissen und dem Himmel und der ewigen Seligkeit in der Gemeinschaft mit Gott zur\u00fcckgegeben wird. Daher versucht Jesus auch nicht, uns mit dem Ende der Welt und mit dem j\u00fcngsten Tage\u00a0 Angst zu machen, Ganz im Gegenteil. Er sagt: &#8222;Wenn diese Dinge zu geschehen beginnen, dann freuet euch und erhebet eure H\u00e4upter, weil sich eure Erl\u00f6sung nahet. Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich. In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wenn&#8217;s nicht so w\u00e4re. h\u00e4tte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die St\u00e4tte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die St\u00e4tte zu bereiten, will ich wieder kommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Und ich werde euch sagen: Kommet her, ihr Gesegneten des Herren, und ererbet das Reich, das euch von Anbeginn der Welt bereitet ist.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist m\u00f6glich, dass wir nicht alle diesen j\u00fcngsten Tag Gottes erleben werden, \u00fcber den der Apostel Petrus spricht, an dem dieser Himmel und diese Erde vergehen werden und wir vor Gott treten werden, so wie wir sind. Mit dem, was wir durch Christus geworden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ewigkeitssonntag lehrt uns der Apostel Petrus, dass angesichts der Ewigkeit das Wichtigste die Zeit ist. Die Zeit, die uns Gott geschenkt hat,. um das Unverg\u00e4ngliche in unserem Leben zu offenbaren und zu best\u00e4tigen. Wie stark m\u00fcsst ihr in eurer Gottesfurcht in eurem Leben sein! Unsere Beziehungen mit Gott durch Jesus Christus und durch Ihn auch mit unseren Mitmenschen. Das ist es, was wir in unserem Leben festigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ewigkeitssonntag kommt zu uns zu einer ganz besonderen Zeit. Wir sind ersch\u00fcttert und schockiert \u00fcber alles, was wir erleben und was uns apokalyptisch erscheint. Dinge, auf die wir uns, ohne dar\u00fcber nachzudenken und sie in Frage zu stellen, verlassen haben, sind \u00fcber uns pl\u00f6tzlich hergefallen wie ein Dieb. Ein Augenblick machte uns in aller Sch\u00e4rfe deutlich. in welcher unsicheren Welt wir leben und wir zerbrechlich das Leben des Menschen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ererben wir diese Zeit mit Jesus Christus? Zuerst dadurch, dass wir unseren Mitmenschen erkennen &#8211; vielleicht einen Unbekannten, vielleicht einen Angeh\u00f6rigen eines anderen Volkes oder anderen Staates &#8211; und dabei entdecken, dass er unser N\u00e4chster ist. Dass wir f\u00fcr ihn beten, oder wenn es geht, auch mit ihm. Dass wir mit ihm weinen. Dass wir, wenn es geht, ihn anh\u00f6ren und ihm zur Seite stehen. Wenn es notwendig ist, mit ihm gemeinsam zu\u00a0 schweigen, dann schweigen wir mit ihm. Wenn wir ihm praktische Hilfe zukommen lassen k\u00f6nnen, dann lasst uns auch nicht z\u00f6gern, ihm zu helfen. Braucht er ein aufmunterndes Wort, dann sagen wir es ihm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist die Zuwendung, die Gott von uns erwartet, denn das alles hat er auch uns getan, als er in unserer Mitte lebte. Und so sieht auch die Solidarit\u00e4t aus, die Lettland braucht. Das ist besonders heute der Fall, da wir so stark an die Zeit des nationalen Erwachens erinnert werden, an die Einm\u00fctigkeit, bei der die Menschen die gemeinsame Bereitschaft hatten, f\u00fcr den anderen auch, wenn es notwendig sein sollte, mit dem eigenen Blut beizustehen. F\u00fcr unsere gespaltene Gesellschaft ist das ein gutes Vorbild, das diese Zeit damals in den Herzen der Menschen lebendig werden lie\u00df. In uns ist der g\u00f6ttliche Funke noch lebendig. Diese Zeit hat uns ermuntert, uns zusammenzuschwei\u00dfen in einer Gesellschaft nicht im Hass gegen\u00fcber\u00a0 gemeinsamen Feinden, den man sehr leicht entfachen kann, der aber eine zerst\u00f6rerische Wirkung hat, sondern uns zusammenzuschlie\u00dfen in dem, was uns zu dem erhebt, der uns das Leben schenkt. Und das ist ein Schatz, den wir bewahren und nicht verspielen sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist gut, wenn der Tag der Zerst\u00f6rung uns zu guten Tagen und guten gemeinsamen Zielen\u00a0 aufzurufen vermag. Wir k\u00f6nnten dabei ganz bescheiden beginnen. So k\u00f6nnten wir uns zum Beispiel vornehmen, nichts zu tun, was meinem N\u00e4chsten gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnte, im tollk\u00fchnen Vertrauen darauf, dass alles gut gehen und nichts passieren k\u00f6nnte. Dass wir zum Beispiel bei dem Autofahren die vorgeschriebene Geschwindigkeit nicht \u00fcberschreiten oder am Steuer nicht telefonieren, wodurch wir einen Unfall und das dadurch verursachte Leid nicht verhindern k\u00f6nnen. Nehmen wir uns da vor, solange wir noch die Zeit daf\u00fcr haben, denn danach haben wir die Zeit nicht mehr. Wir k\u00f6nnen uns vornehmen, keins der Zehn Gebote zu \u00fcbertreten, auch wenn wir der Meinung sind, dass das eine oder andere Gebot nicht besonders wichtig sei, es dennoch auf uns selbst beziehen\u00a0 Wir wissen nicht, welche Folgen die Missachtung der Gebote haben kann. Wenn wir in geringen Dingen treu sind, dann wird Gott uns auch bei gro\u00dfen Dingen segnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesen Tagen haben viele der von der Katastrophe Betroffenen gesagt, dass ihnen der geistliche und moralische Zuspruch am meisten geholfen h\u00e4tte. Auch ich bin des \u00f6fteren um ein Wort des Trostes und der St\u00e4rkung gebeten worden. Wir sollten uns fragen, ob wir ein solches Wort auch sagen k\u00f6nnen. Fr\u00fcher gab es Kurse in Erster Hilfe, die man bei Unf\u00e4llen dem Mitmenschen leisten konnte, um das Schlimmste zu verh\u00fcten. Als Christen haben wir den Auftrag, auch geistlich und seelisch Erste Hilfe zu leisten. Sind wir auf den Gedanken gekommen, die N\u00e4he zu Gott zu erlernen, mit Gott Erfahrungen zu machen? Die F\u00e4higkeit zu erlernen, den Mitmenschen mit den Augen Jesu zu betrachten, um zu wissen, wie wir im Augenblick seiner Not mit ihm reden oder schweigen sollten. Haben wir auch unsere Zeit damit verbracht, um neben den weltlichen Erfordernissen auch den geistlichen Erfordernissen gerecht zu werden? Ihr solltet wissen, wie wichtig das in Notf\u00e4llen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ewigkeitssonntag gedenken wir unserer Entschlafenen. Wir Leute Christi k\u00f6nnen ihrer so gedenken, wie er es uns aufgetragen hat, als er sagte: Erhebet eure H\u00e4upter und nehmt das Heil wahr, das er denen verhei\u00dfen hat, die an ihn glauben. Er sprach: ICH BIN die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer da lebt und an mich, der wird nimmermehr sterben. Deshalb f\u00fchren wir kein Leben, das mit dem Tode endet, sondern k\u00f6nnen den Tod willkommen hei\u00dfen, mit dem ein neues Leben beginnt. Tr\u00f6stet einander mit diesen Worten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch am Ewigkeitssonntag denken wir auch an unsere Lebenden. Die Zeit vor der Ewigkeit ist das Wertvollste, was uns geschenkt worden ist. Lasst uns, solange wir diese Zeit noch haben, diese Worte an unsere Lebenden weitersagen, die brennen, wenn sie nicht gesagt werden, und verrichten wir das Werk, das das Gewissen belastet, wenn es nicht getan wird, und wenn es dann zu sp\u00e4t sein wird. Jesus spricht: &#8222;Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebet. Daran wird man euch erkennen, dass ihr meine J\u00fcnger seid, dass ihr einander liebet.&#8220; Dann brauchen wir uns vor dem j\u00fcngsten Tage unseres Herrn nicht zu f\u00fcrchten. Die Furcht ist eine Qual, aber die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. und unsere Erleichterung kommt uns in der Ewigkeit zu Gute. Dazu helfe und segne uns Gott. Amen<\/p>\n<p><em>Quelle: Sv\u0113tdienas R\u012bts, Zeitschrift der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920; Ausgabe Nr.\u00a0 12\u00a0 (2877) f\u00fcr den Monat Dezember\u00a0 2013.<\/em><br \/>\n<em>\u00dcbersetzung: Johannes Baumann<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. 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