{"id":10266,"date":"2013-11-29T18:26:40","date_gmt":"2013-11-29T16:26:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10266"},"modified":"2013-11-29T18:30:17","modified_gmt":"2013-11-29T16:30:17","slug":"die-armenierthematik-in-der-tuerkischen-innen-und-aussenpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10266","title":{"rendered":"Die Armenierthematik in der t\u00fcrkischen Innen- und Au\u00dfenpolitik"},"content":{"rendered":"<div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b><\/b>Auch wenn die Armenierfrage nicht die Bedeutung der Kurdenfrage f\u00fcr<b> <\/b>die Innenpolitik der T\u00fcrkei erreicht, spielt sie eine zentrale Rolle f\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndnis der T\u00fcrkei. Im Zentrum steht dabei nicht vor allem die von der Bev\u00f6lkerung ausgehende Diskriminierung der Armenier im Alltag, sondern die Bek\u00e4mpfung derer, die das Massensterben bei der vermeintlichen Umsiedlung der Armenier im Ersten Weltkrieg als V\u00f6lkermord bezeichnen wollen. Durch ihr daraus geborenes massives Bek\u00e4mpfen von Regierungen und Parlamenten zahlreicher Staaten hat die T\u00fcrkei \u00fcberhaupt erst die Wissenschaft der Genozidforschung angesto\u00dfen. Zusammen mit der Diskriminierung religi\u00f6ser Minderheiten ist dies zu einem Stolperstein f\u00fcr den EU-Beitritt geworden.<sup>1<!--more--><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>EINF\u00dcHRUNG<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?\u201c<sup>2<\/sup> Mit diesen Worten rechtfertigte Adolf Hitler in seiner zweiten Rede vor den Oberkommandierenden der Wehrmacht auf dem Obersalzberg am 22. August 1939 die wenige Tage sp\u00e4ter beginnende Ausl\u00f6schung Polens. Was damals tats\u00e4chlich vergessen schien, ist heute Gegenstand einer weltweiten hochpolitischen Wissenschaftskontroverse.<sup>3<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor und w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges wurden ethnische \u201eS\u00e4uberungen\u201c in Deutschland, Frankreich, Russland und anderen europ\u00e4ischen Nationalstaaten vorgedacht.<sup>4<\/sup> Dabei ging es vor allem um Bev\u00f6lkerungstausch, das hei\u00dft bestimmte Gebiete sollten bestimmten Ethnien vorbehalten bleiben, die Ethnien auseinandersortiert werden. Aber es war das zerfallende Osmanische Reich, wo solche Ideen erstmals in der Moderne auf eine derartige Weise umgesetzt wurden, dass die Umsiedlungen in einem Massensterben endeten.<sup>5<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eZwischen 1915 und 1917 wurde das \u00e4lteste christliche Volk [in Kleinasien] fast vollst\u00e4ndig vernichtet.\u201c<sup>6<\/sup> Noch vor 100 Jahren waren 25 % der Bev\u00f6lkerung Kleinasiens und die H\u00e4lfte der Einwohner von Konstantinopel Christen, heute sind offiziell 99 % der Einwohner der T\u00fcrkei Muslime. Die Armenier, die gr\u00f6\u00dfte christliche Minderheit in der T\u00fcrkei damals wie heute, schrumpften von ca. 2,1 Millionen auf gesch\u00e4tzte 60.000, also auf weniger als 0,1 % der t\u00fcrkischen Einwohner. Etwa 75 % der sich offen als Armenier Zeigenden in der T\u00fcrkei leben in Istanbul.<sup>7<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die um 1895 im Osmanischen Reich lebenden ca. 2,1 Mio. Armenier stellten in den sechs armenischen Provinzen des Reiches vor T\u00fcrken und Kurden mit 38,9 % die gr\u00f6\u00dfte Bev\u00f6lkerungsgruppe.<sup>8<\/sup> Pogrome mit jeweils mehreren Tausend Toten hatte es unter den Armeniern schon im 19. Jahrhundert gegeben, etwa 1895\/96, was die Auswanderung vieler Armenier bewirkte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e\u00dcber Jahrhunderte hatten die Armenier als christliche Minderheit unter den Muslimen des Osmanischen Reiches gelebt, in Konstantinopel, vor allem aber in sechs ostanatolischen Provinzen auf dem Gebiet der heutigen T\u00fcrkei. Doch dann ersch\u00fctterte die Revolution der Jungt\u00fcrken im Jahr 1908 das Land: Die Gener\u00e4le Talat Pascha, Enver Pascha und Cemal Pascha \u00fcbernehmen die Macht. Sie versprechen die Gleichstellung aller Minderheiten, haben aber ganz anderes im Sinn: ein Gro\u00dfreich, in dem nur T\u00fcrken leben, geeint durch Blut, Religion und Rasse. Der heraufziehende Erste Weltkrieg ebnet ihnen den Weg. Deutschland, damals Kriegsverb\u00fcndeter, schaut stillschweigend zu: 1,5 Millionen Menschen fallen dem V\u00f6lkermord in den Jahren 1915 bis 1917 zum Opfer. Bis heute gedenkt man der get\u00f6teten Armenier weltweit am 24. April. Es war der Auftakt des Genozids.\u201c<sup>9<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer zu dieser Thematik schreibt, m\u00fcsste eigentlich die Vorgeschichte der christlichen Minderheit in der T\u00fcrkei insbesondere nach Aufl\u00f6sung des Milletsystems im 19. Jahrhundert behandeln,<sup>10<\/sup> m\u00fcsste auf alle christlichen, ja \u00fcberhaupt alle Minderheiten in der T\u00fcrkei eingehen, und m\u00fcsste auch f\u00fcr die Gegenwart die Lage der griechisch-orthodoxen, syrisch-orthodoxen und anderer alteingesessener christlicher Minderheiten beschreiben. Da dies aber in anderen Beitr\u00e4gen dieses Buches geschieht und der Platz hier beschr\u00e4nkt ist, m\u00fcssen wir uns auf die Gegenwart und die Armenierfrage beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re hier auch angemessen, die aktuellen Forschungsergebnisse zum V\u00f6lkermord an den Armeniern zusammenzufassen,<sup>11<\/sup> eine Geschichte der neueren Auseinandersetzung um die V\u00f6lkermordfrage zu referieren,<sup>12<\/sup> das Auf und Ab der Armenierdiskriminierung der letzten Jahrzehnte nachzuzeichnen,<sup>13<\/sup> aber auch zu diskutieren, inwiefern die Regierung Erdogan in einem Jahrzehnt Fortschritte f\u00fcr die christlichen Minderheiten mit sich gebracht hat und warum der eigentliche Durchbruch trotzdem noch nicht gelungen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>AU\u00dfENPOLITIK<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie T\u00fcrkei hat gegen eine \u00c4u\u00dferung von Papst Franziskus \u00fcber die Vertreibung der Armenier w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs offiziell Protest eingelegt. Die t\u00fcrkische Botschaft beim Heiligen Stuhl best\u00e4tigte am Montag in Rom, dass der Botschafter des Heiligen Stuhls vom Au\u00dfenministerium in Ankara einbestellt worden sei. Franziskus hatte die Gr\u00e4ueltaten an den Armeniern w\u00e4hrend einer Zusammenkunft mit dem armenisch-katholischen Patriarchen Nerses Bedros XIX. Tarmouni im Vatikan als den \u201aersten Genozid des 20. Jahrhunderts\u2018 bezeichnet. In einer im Internet ver\u00f6ffentlichten Erkl\u00e4rung verurteilte das t\u00fcrkische Au\u00dfenministerium die p\u00e4pstliche Aussage am Wochenende als \u201aabsolut inakzeptabel\u2018.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom Papst werde erwartet, dass er zum Weltfrieden beitrage, und nicht, dass er Feindseligkeiten \u00fcber historische Ereignisse sch\u00fcre.\u201c<sup>14<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar hatte 1990 als bisher einziger amerikanischer Pr\u00e4sident George Bush sen. in Bezug auf die Ereignisse von 1915 von \u201eterrible massacres\u201c gesprochen,<sup>15<\/sup> aber mehr verhinderten die sofortigen Proteste der T\u00fcrkei. 2000 gelang es der T\u00fcrkei, die als sicher geltende Initiative zum Genozid an den Armeniern des amerikanischen Kongresses scheitern zu lassen, indem sie drohte, die amerikanischen Nutzungsrechte f\u00fcr den Milit\u00e4rstutzpunkt in der t\u00fcrkischen Stadt Incirlik auslaufen zu lassen. Bill Clinton lenkte ein, wie das der Kongress bereits 1984, 1987 und 1990 getan hatte. 2001 konnte die T\u00fcrkei nicht verhindern, dass die franz\u00f6sische Nationalversammlung die Vertreibung der Armenier mit Gesetzesrang zum V\u00f6lkermord erkl\u00e4rte. (2012 entschied die Versammlung dann, dass die Leugnung dieses V\u00f6lkermordes strafbar sei, was der Verfassungsrat dann aber als verfassungswidrig, weil die Meinungsfreiheit beschr\u00e4nkend, aufhob.) Die T\u00fcrkei brach jedes Mal vor\u00fcbergehend die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich ab und leitete wirtschaftliche Sanktionsma\u00dfnahmen ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst der Deutsche Bundestag schwieg jahrzehntelang mit R\u00fccksicht auf den NATO-Verb\u00fcndeten und entschied sich zum 90. Jahrestag des Massakers auf Druck der T\u00fcrkei hin in seiner Armenierentschlie\u00dfung vom 16. Juni 2005 nur f\u00fcr einen partei\u00fcbergreifenden Mittelweg, der auf den Begriff \u201eV\u00f6kermord\u201c verzichtete, aber von \u201eVertreibung und Massakern an den Armeniern 1915\u201c und von \u201eVerbrechen am armenischen Volk\u201c sprach.<sup>16<\/sup> Im selben Jahr verzichtete Brandenburg auf Druck der T\u00fcrkei darauf, die Behandlung des V\u00f6lkermordes an den Armeniern in den Lehrplan f\u00fcr Geschichtsunterricht aufzunehmen. Nach einer heftigen Mediendiskussion wurde dies dann 2006 r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht. Alle anderen Bundesl\u00e4nder behandeln das Thema gar nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beachtenswert ist, \u201edass der Umgang der T\u00fcrkei mit diesem Abschnitt der nationalen Geschichte eine kritische Rolle im EU-Beitrittsprozess spielt. Die Anerkennung des V\u00f6lkermordcharakters der Vertreibung der Armenier ist zu einem informellen Beitrittskriterium geworden.\u201c<sup>17<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Europ\u00e4ische Parlament entschied bereits 1987, dass die Vertreibung der Armenier ein V\u00f6lkermord im Sinne der UN-Genozidkonvention von 1948 sei und kn\u00fcpfte bereits damals einen m\u00f6glichen EG-Beitritt der T\u00fcrkei an die Zustimmung zu dieser Aussage. 2002 und 2005 best\u00e4tigte das EU-Parlament diese Forderung.<sup>18<\/sup> Nur wenige EU-Mitglieder wie Frankreich und die Niederlande haben diese Entscheidung durch ihre nationalen Parlamente wiederholt. In der Schweiz ist die Leugnung des Genozid an den Armeniern verboten, aber nur im Rahmen der allgemeinen Antirassismusgesetzgebung strafbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich pers\u00f6nlich halte diese Forderungen an die T\u00fcrkei nicht f\u00fcr gerecht, denn auch andere EU-Mitglieder werden nicht daran gemessen, wie sie mit ihrer eigenen Geschichte umgehen, allerdings sollten Religionsfreiheit sowie Meinungs- und Pressefreiheit in der Gegenwart Beitrittskriterien sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 10. November 2008 bezeichnete der t\u00fcrkische Verteidigungsminister Vecdi G\u00f6n\u00fcl in der t\u00fcrkischen Botschaft bei der EU in Br\u00fcssel zum 70. Todestag des t\u00fcrkischen Staatsgr\u00fcnders den \u201eBev\u00f6lkerungsaustausch\u201c zwischen der T\u00fcrkei und Griechenland als einen wichtigen Baustein f\u00fcr die Entstehung der modernen T\u00fcrkei und meinte, die T\u00fcrkei w\u00e4re nicht der Nationalstaat, der sie heute ist, wenn dort heute noch so viele Griechen und Armenier leben w\u00fcrden.<sup>19<\/sup> Solche Aussagen n\u00e4hren das Junktim zwischen 1915 und der Gegenwart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>AU\u00dfENPOLITIK UND ARMENISCHE DIASPORA<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht zu untersch\u00e4tzen sind die enormen Aktivit\u00e4ten armenischer Organisationen in aller Welt. Die Armenier waren schon seit dem Mittelalter fortlaufend in gro\u00dfer Zahl aus ihrem Heimatgebiet in alle Welt ausgewandert. Die Diskriminierung im 19. Jahrhundert beschleunigte den Vorgang. Gro\u00dfe Gruppen von \u00dcberlebenden der Ereignisse vor der Gr\u00fcndung der Republik T\u00fcrkei fanden in Russland, Frankreich und den USA Zuflucht, und auch in den letzten Jahrzehnten sind ununterbrochen junge Armenier aus der T\u00fcrkei ausgewandert. Zudem gibt es seit 1991 die fr\u00fchere Sowjetrepublik Armenien als eigenst\u00e4ndigen Staat, der die Aufarbeitung der Ereignisse von 1915\/16 weltweit f\u00f6rdert und in Erinnerung h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von den 3,1 Mio. Armeniern in Armenien abgesehen, leben, ohne mich im Fachstreit \u00fcber genaue Sch\u00e4tzungen festlegen zu wollen, \u00fcber 1,2 Mio. Armenier in Russland, 800.000 in den USA, 300.000 in Frankreich und in Georgien, 130.000 in Nagorno Karabakh, 100.000 in der Ukraine, jeweils 70.000 in Iran, Libanon, Argentinien, jeweils 50.000 in Syrien, Kanada, Griechenland, Bulgarien und Usbekistan. In Deutschland sch\u00e4tzt man die Zahl der Einwohner mit armenischen Wurzeln auf 30.000 bis 50.000.<sup>20<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1975-1983 ver\u00fcbten armenische Extremisten weltweit Anschl\u00e4ge auf t\u00fcrkische Einrichtungen und Diplomaten, bei denen 79 Menschen starben. Leider haben erst diese verwerflichen Ereignisse die Diskussion und Forschung weltweit in Gang gesetzt, aber seitdem stehen wissenschaftliche Auseinandersetzung und friedliche Gedenkveranstaltungen im Vordergrund.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>INNENPOLITIK<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welchen Stellenwert hat die Armenierpolitik in der t\u00fcrkischen Innenpolitik? Vergleicht man die Armenierfrage mit der Kurdenfrage, dann hat sie einen wesentlich geringeren Stellenwert. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die betroffene Gruppe kleiner ist, zumindest die Zahl der Armenier, die sich \u00f6ffentlich als solche zu erkennen geben. Auch gibt es hier kein Gewaltpotenzial bei den Opfern innerhalb des Landes wie bei der Kurdenfrage. Ein armenischer Freund schreibt mir: \u201eMan kann eigentlich nicht erwarten, dass eine solch kleine Bev\u00f6lkerungsgruppe so wichtig ist. Aber das Thema \u201a1915\u2018 und viele Praktiken, die bis heute anhalten, zeigen, dass das Thema in der Innenpolitik einen ziemlich wichtigen Platz einnimmt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eigentlich weniger die aktuelle Armenierfrage, das hei\u00dft die Frage nach dem Umgang mit den Armeniern heute. Die Armenier werden zwar allerorten diskriminiert und sind de facto B\u00fcrger zweiter Klasse, die etwa nicht den gleichen Zugang zu staatlichen Stellen oder h\u00f6herer Ausbildung haben, doch dazu bedarf es keiner eigenen Aktivit\u00e4ten, und selten wird die Zentralregierung hier aktiv. Innenpolitisch spielt aber die historische Frage nach dem Umgang mit den Progromen im Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Frage scheint zun\u00e4chst eine gro\u00dfe au\u00dfenpolitische Bedeutung zu haben, wird doch die Armenierfrage f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit vor allem greifbar, wenn die t\u00fcrkische Regierung gegen andere L\u00e4nder vorgeht. Aber auch nach innen bek\u00e4mpft die T\u00fcrkei weiter Wissenschaftler und andere, die die Ereignisse von 1915\/16 als V\u00f6lkermord bezeichnen wollen oder die genauere Erforschung fordern, auch wenn der Druck gegen\u00fcber fr\u00fcher erkennbar nachgelassen hat, weswegen ein Enkel von Cemal Pascha ein Buch \u201e1915 V\u00f6lkermord\u201c in der T\u00fcrkei ver\u00f6ffentlichen konnte.<sup>21<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erfolgt aber dieses au\u00dfenpolitische Auftreten nicht vor allem aus innenpolitischen Gr\u00fcnden? Daf\u00fcr spricht Einiges, denn eigentlich macht ja kein anderes Land die moderne T\u00fcrkei f\u00fcr die damaligen V\u00f6lkermorde verantwortlich, zumal sie vor der Gr\u00fcndung der Republik T\u00fcrkei 1923 geschahen und von vielen zu den Wirren des Ersten Weltkrieges gez\u00e4hlt werden. Kritisiert wird die T\u00fcrkei nur daf\u00fcr, dass sie die Aufarbeitung verhindert, die Meinungs- und Pressfreiheit beschr\u00e4nkt und Massenmorde nicht als V\u00f6lkermord oder wenigstens als Verbrechen sehen m\u00f6chte, sondern als Selbstverteidigung im Krieg gegen eine Gruppe, die sich mit dem Kriegsgegner verb\u00fcndet hatte. Dass die T\u00fcrkei sich die st\u00e4ndigen au\u00dfenpolitischen Auseinandersetzungen \u00fcber ihre eigene Geschichte erlaubt, d\u00fcrfte tats\u00e4chlich vor allem innenpolitische Gr\u00fcnde haben. Denn die Ehre der T\u00fcrken und der T\u00fcrkei ist in der T\u00fcrkei eine eminent innenpolitische Frage, und Scham und Schande m\u00fcssen von der T\u00fcrkei abgewendet werden, so die Sicht der Regierung und der gro\u00dfen Mehrheit der Bev\u00f6lkerung der T\u00fcrkei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar wurde der \u00a7 301 des t\u00fcrkischen Strafgesetzbuches, der \u201eBeleidigung des T\u00fcrkentums\u201c unter Strafe stellte, 2007 nach der Ermordung von Hrant Dink auf Druck der EU in \u201eBeleidigung des t\u00fcrkischen Staates\u201c ge\u00e4ndert. Eine Anklageerhebung nach \u00a7 301 erfordert seitdem eigens eine Genehmigung des Justizministers (was nat\u00fcrlich der Gewaltenteilung widerspricht). In der Praxis hat das aber nichts ge\u00e4ndert, das hei\u00dft, es wurden weiterhin Journalisten, Menschenrechtler und Wissenschaftler mit diesem Paragraphen konfrontiert, die sich entgegen der offiziellen Regierungslinie in der Armenierfrage \u00e4u\u00dferten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer innenpolitischer Grund muss noch erw\u00e4hnt werden. Nachdem man jahrzehntelang gesagt hat, dass es keinen V\u00f6lkermord gegeben habe und auch die Regierung Erdogan diesen Kurs ein Jahrzehnt fortgesetzt hat, w\u00e4re es in einer schamorientierten Kultur<sup>22<\/sup> verheerend, wenn die Regierung hier pl\u00f6tzlich umdenken w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die T\u00fcrkei sieht sicher unausgesprochen auch die Gefahr, dass eine Aufarbeitung der Armeniervertreibung weitere \u201eLeichen im Keller\u201c hervorzieht, denn die ethnische S\u00e4uberungspolitik gegen\u00fcber Assyrern und Aram\u00e4ern sowieso die Unterdr\u00fcckung der Kurden in den 1910er- bis 1930er-Jahren und die Umsiedlungspolitik mit Griechenland in den 1920er-Jahren sind wenig erforscht, zumal dazu viel weniger Originalquellen au\u00dferhalb der T\u00fcrkei vorliegen als zu den Armeniern und die Quellen in der T\u00fcrkei nicht zug\u00e4nglich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ereignisse h\u00e4ngen nat\u00fcrlich eng mit der innenpolitischen Frage nach der Lage der religi\u00f6sen und ethnischen Minderheiten in der T\u00fcrkei, vor allem mit dem \u00e4hnlich gelagerten Schicksal anderer christlicher Minderheiten zusammen. Man muss sich dabei bewusst machen, dass es f\u00fcr Ministerpr\u00e4sident Erdogan ein Leichtes w\u00e4re, die vielen Ma\u00dfnahmen und Zusagen, die den Minorit\u00e4ten und der EU gemacht wurden, umzusetzen. Sie w\u00fcrden weder gro\u00dfe Kosten verursachen noch Gesetzes\u00e4nderungen erfordern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fragte einen Armenier, ob die Kurdenfrage f\u00fcr die t\u00fcrkische Innenpolitik wichtiger sei oder die Armenierfrage. Seine Antwort: \u201eMeiner Meinung nach ist in der heutigen T\u00fcrkei die kurdische Frage die gr\u00f6\u00dfte Frage; langfristig wird die armenische Frage der T\u00fcrkei aber mehr Kopfzerbrechen bereiten. Ich hoffe, dass es schnell eine L\u00f6sung gibt. Jedes Jahr bedeutet der 24. April Stress f\u00fcr uns.\u201c (Am 24. April 1915 wurden in der T\u00fcrkei 235 armenische Intelektuelle grundlos inhaftiert: der Beginn der Pogrome.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>INNENPOLITIK:<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>DIE STIMMUNG IN DER BEV\u00d6LKERUNG<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss sich dar\u00fcber im Klaren sein, dass die Verachtung und Diskriminierung der Armenier tief in der t\u00fcrkischen Gesellschaft verwurzelt ist. Bis heute \u00e4ndern etwa Armenier, die ein Gesch\u00e4ft er\u00f6ffnen wollen, ihren Namen, damit bei ihnen \u00fcberhaupt gekauft wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist der gr\u00f6\u00dfte Teil der t\u00fcrkischen Bev\u00f6lkerung der \u00dcberzeugung, dass Gesetze zur Arme-nierfrage in Frankreich oder der Schweiz ausschlie\u00dflich dazu dienen sollen, die T\u00fcrkei vor der Welt\u00f6ffentlichkeit blo\u00dfzustellen. Da in Schule und Literatur der T\u00fcrkei das Thema nicht behandelt wird, sondern eine stimmige, sch\u00f6ne Gr\u00fcndungserz\u00e4hlung der T\u00fcrkei vorgegeben ist, kennen die Einwohner des Landes nat\u00fcrlich auch die Hintergr\u00fcnde nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider gibt es keine aktuellen Umfragen unter T\u00fcrken, wie sie \u00fcber Armenier denken oder unter Armeniern, wann und wo sie sich diskriminiert f\u00fchlen. Aber wann immer ich Gelegenheit hatte, armenische T\u00fcrken zu befragen, gaben sie klar zu verstehen, dass die allt\u00e4gliche Diskriminierung durch die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr sie viel unmittelbarer und schlimmer sei, als die rechtlichen Benachteiligungen oder Aktivit\u00e4ten der Zentralregierung, die eigentlich immer nur in Erscheinung treten, wenn es um Grundst\u00fccks- und Besitzfragen von Kirchen, um wissenschaftliche Konferenzen oder um Aktivit\u00e4ten anderer Regierungen geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es hat in Medien, Alltag und den politischen Parteien den Anschein, dass eine \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der T\u00fcrken die Position der Regierung zur Armenierfrage teilt und keine \u00c4nderung will.<sup>23<\/sup> Der Mord an Hrant Dink 2007 hat die meisten T\u00fcrken ersch\u00fcttert \u2013 wie auch andere Morde an christlichen Honoratioren danach \u2013, aber darin ist keine grunds\u00e4tzliche Infragestellung der Diskriminierung von Christen zu sehen, nur sollte diese nicht mit offener Gewalt oder mit Mord geschehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man darf ja auch nicht vergessen: Neben der Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) Erdogans gibt es als zweite gro\u00dfe Kraft in der T\u00fcrkei: die Vertreter des Kemalismus in der Armee und in der gr\u00f6\u00dften Oppositionspartei, der Republikanischen Volkspartei (CHP). In der Armenierfrage (und im Umgang mit religi\u00f6sen Minderheiten \u00fcberhaupt) sind sich aber beide verfeindete Lager einig. Die Kemalisten sind hier meist sogar radikaler, wie sich \u00fcberhaupt Christen daran erinnern, dass es ihnen trotz allem unter der Regie-rung Erdogan besser geht, als es ihnen unter den Kemalisten vorher ging. Es gibt in der T\u00fcrkei keine nennenswerte politische Gr\u00f6\u00dfe \u2013 von einigen kurdischen Politikern abgesehen \u2013, die sich f\u00fcr eine grunds\u00e4tzliche Verbesserung der Lage der Christen und religi\u00f6sen Minderheiten einsetzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>VERBESSERUNGEN UNTER ERDOGAN<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein armenischer Freund aus der T\u00fcrkei antwortete mir auf die Frage \u201eWie oft kommt ein normaler B\u00fcrger in der T\u00fcrkei mit der Sicht der Armenierfrage der Regierung Erdogan in Ber\u00fchrung, z. B. in der Schule, in den Medien, im Alltag?\u201c: \u201eEr kommt nat\u00fcrlich damit in Ber\u00fchrung. Wir haben uns aber so sehr daran gew\u00f6hnt, dass wir es gar nicht bemerken. Einige Verbesserungen in der letzten Zeit haben jedoch dazu gef\u00fchrt, dass wir etwas mehr Luft holen k\u00f6nnen. Um ein simples Beispiel zu geben: Als ich klein war, hatten wir davor Angst, auf der Stra\u00dfe Armenisch zu sprechen. In der Schule wurden wir gelehrt, dass wir T\u00fcrken seien. Im Milit\u00e4rdienst dagegen merken wir, dass wir als Armenier ge-kennzeichnet und mit Vorbestraften gleichgestellt sind. Das ist heute nicht mehr so.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verbesserungen unter der Regierung Erdogan sind nicht nur im Alltag sp\u00fcrbar, sondern auch institutionell: \u201eBis zum Beginn der AKP-Regierungszeit gab es Assimilation und Druck ernsthaften Ausma\u00dfes. Heute ist die Lage besser. Heute gibt es sogar bei den Sicherheitskr\u00e4ften und im Au\u00dfenministerium eine eigene Abteilung f\u00fcr Armenier und Minderheiten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kann man unterscheiden, was davon unter Diskriminierung von religi\u00f6sen Minderheiten f\u00e4llt und was unter rassistische Diskriminierung ethnischer Minderheiten? In der Armenierfrage d\u00fcrfte es schwer fallen, die beiden Aspekte zu trennen. Aber bis zur Regierung Erdogan d\u00fcrfte der rassistische Anteil gr\u00f6\u00dfer gewesen sein. Seit Erdogan spielt der Islam wieder eine wichtigere Rolle f\u00fcr die t\u00fcrkische Identit\u00e4t und ist damit auch wieder st\u00e4rker Abgrenzungsmerkmal gegen die Armenier als Christen. Mein Freund schreibt: \u201eAllerdings hatte das bis zur Regierungszeit der AKP recht wenig mit dem Christentum zu tun. Da ging es an der Wurzel mehr um Rassismus. Doch sind T\u00fcrkesein und Islam sowie Armeniersein und Christentum so eng miteinander verbunden, dass es schwierig ist, genau einzugrenzen, wo Rassismus aufh\u00f6rt und wo religi\u00f6ser Fanatismus anf\u00e4ngt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>DIE T\u00dcRKISCHE SICHT<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die t\u00fcrkische Regierung und die offizielle Geschichtswissenschaft der T\u00fcrkei verbinden mit V\u00f6lkermord etwas mit dem Nationalsozialismus Vergleichbares, setzen also eine rassistisch-ideologische Motivation und eine Opfergruppe voraus, die in keiner Form selbst an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt war. Da die Armenier aber als religi\u00f6se Gruppe gesehen wurden, die sich als Christen mit christlichen Gegnern verb\u00fcndeten, und im 19. Jahrhundert zum Islam \u00fcbergetretene Armenier meist nicht verfolgt wurden, lehnt man es ab, dass es sich um V\u00f6lkermord aus Rassismus handelte. Dabei wird \u00fcbersehen, dass die V\u00f6lkermorddefinition der UN von 1948 keine bestimmte Ideologie und keine bestimmte Art von \u201eVolk\u201c voraussetzt, sondern nur das Ziel, Angeh\u00f6rige einer bestimmten Gruppe geplant zu t\u00f6ten oder dem m\u00f6glichen Tod auszuliefern.<sup>24<\/sup> Artikel II der von der T\u00fcrkei 1948 als Erstunterzeichner mit unterschriebenen UN-Konvention lautet: \u201eIn dieser Konvention bedeutet V\u00f6lkermord eine der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religi\u00f6se Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerst\u00f6ren: (a) T\u00f6tung von Mitgliedern der Gruppe; (b) Verursachung von schwerem k\u00f6rperlichen oder seelischen Schaden an Mitgliedern der Gruppe; (c) vors\u00e4tzliche Auferlegung von Lebensbedingungen f\u00fcr die Gruppe, die geeignet sind, ihre k\u00f6rperliche Zerst\u00f6rung ganz oder teilweise herbeizuf\u00fchren; (d) Verh\u00e4ngung von Ma\u00dfnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind; (e) gewaltsame \u00dcberf\u00fchrung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">a) bis c) sind gut belegbar. Zu e) hat Tessa Hofmann gut belegt, dass bei der Vertreibung 150.000 bis 200.000 armenische Kleinkinder weggegeben oder weggenommen und sp\u00e4ter nicht wieder herausgegeben wurden.<sup>25<\/sup> Diese Kinder heirateten sp\u00e4ter und wurden so Eltern und Gro\u00dfeltern heutiger T\u00fcrken. Das ist bis heute eine heikle innenpolitische Frage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oft taucht der Vorwurf oder die Feststellung auf, dass f\u00fchrende t\u00fcrkische Politiker Armenier unter ihren Vorfahren haben, so geschehen bei Turgut \u00d6zal, Mesut Yilmaz, Abdullah G\u00fcl, Devlet Bahceli oder Alparslan T\u00fcrkes. Selbst der Staatsgr\u00fcnder Mustafa Kemal Atat\u00fcrk soll armenische Vorfahren gehabt haben.<sup>26<\/sup> Das jeweils anhand von Dokumenten zu \u00fcberpr\u00fcfen, ist jedoch in der T\u00fcrkei unm\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2004 ersch\u00fctterte beispielsweise die T\u00fcrkei die Nachricht auf der Titelseite der H\u00fcrriyet vom 21. Februar 2004, dass die Adoptivtochter des Staatsgr\u00fcnder Kemal Atat\u00fcrk und erste weibliche Pilotin der T\u00fcrkei \u2013 und damit fast ein Nationalsymbol \u2013 ein die Vertreibung \u00fcberlebendes armenisches Kind gewesen sei. Die Information hatte zuvor der Journalist Hrant Dink aufgrund von Interviews mit Verwandten der Adoptivtochter ver\u00f6ffentlicht. Der t\u00fcrkische Generalstab gab sich gar nicht erst die M\u00fche, die Fakten zu widerlegen, sondern bezeichnete es als Verletzung der nationalen Gef\u00fchle und Werte der T\u00fcrkei, dies auch nur zu erw\u00e4gen.<sup>27<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die T\u00fcrkei rechtfertigt die Vertreibungspolitik der Jungt\u00fcrken \u2013 genauer der Partei \u0130ttihad ve Terakki (Einheit und Fortschritt) \u2013 gegen die Armenier bis heute als kriegsnotwendigen Akt der Selbstverteidigung. Werke namhafter t\u00fcrkischer Geschichtsprofessoren, die die Schuld bei den Armeniern selbst sehen, wurden auch ins Deutsche \u00fcbersetzt.<sup>28<\/sup> \u201eAllenfalls wird zugegeben, dass einige Hunderttausend (300.000 oder mehr) Armenier im Zusammenhang mit ihrer Deportation nach Mesopotamien, wo nur wenige ankamen und \u00fcberlebten, und mit der Niederschlagung armenischer Aufst\u00e4nde umgekommen seien. Insgesamt seien weit mehr Moslems (T\u00fcrken, Kurden und andere) von den verb\u00fcndeten Russen und Armeniern umgebracht worden als Armenier von den T\u00fcrken und Kurden.\u201c<sup>29<\/sup> \u201eIn den achtziger Jahren etablierte sich ein staatlich protegierter Wissenschaftsbetrieb, der die These von den kriegsbedingten Deportationen der Armenier un-termauerte. Seit ausl\u00e4ndische Parlamente sich dem Thema widmen, vollziehen t\u00fcrkische Historiker ein neues Man\u00f6ver: Nicht die muslimische Bev\u00f6lkerung habe Armenier massakriert, sondern umgekehrt. Sch\u00e4tzungen spr\u00e4chen von drei Millionen Toten. Wer das nicht glauben will, wird eingesch\u00fcchtert, verleumdet und strafrechtlich verfolgt. Der Literaturnobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk wagte es, von \u201aV\u00f6lkermord\u2018 zu sprechen, und wurde deshalb wegen \u201aVerunglimpfung des T\u00fcrkentums\u2018 angeklagt. T\u00fcrkische Verlage, die B\u00fccher drucken, die der nationalen Geschichtsschreibung widersprechen, werden mit so hohen Geldstrafen belegt, dass sie zu Grunde gehen.\u201c<sup>30<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>RATSCHL\u00c4GE AN DIE T\u00dcRKEI<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Verhalten der T\u00fcrkei f\u00e4llt vor allem deswegen auf, weil \u00f6ffentliche Entschuldigungen f\u00fcr Verbrechen fr\u00fcherer Generationen en vogue sind. Bill Clinton entschuldigte sich 1998 f\u00fcr den Sklavenhandel und die Unt\u00e4tigkeit der USA w\u00e4hrend des V\u00f6lkermordes in Ruanda, Queen Elizabeth f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung der Maoris in Neuseeland, Papst Johannes Paul II. f\u00fcr verschiedene Verfehlungen der katholischen Kirche, etwa die Eroberung Lateinamerikas oder die Verurteilung Galileo Galileis. Die australische Regierung entschuldigte sich 2008 bei den Aborigines, die franz\u00f6sische Regierung 2008 f\u00fcr die Dreyfus-Aff\u00e4re, die kanadische Regierung bei Indianern, deren Kinder zwangsadoptiert wurden.<sup>31<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Verhalten der T\u00fcrkei ist umso erstaunlicher, als sich zum einen die Gr\u00fcndungserz\u00e4hlung der Republik von 1923 dezidiert vom Osmanischen Reich absetzt und zum anderen sich die islamistisch ausgerichtete Regierung Erdogan dezidiert von der kemalistisch-s\u00e4kularistischen Ausrichtung der Jungt\u00fcrken sowie von der Vorgeschichte und den ersten Jahrzehnten der Republik T\u00fcrkei absetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Verhalten der T\u00fcrkei gegen\u00fcber dem V\u00f6lkermord hat eine eigene wissenschaftliche Stufe des V\u00f6lkermords als letzten Akt eines V\u00f6lkermordes hervorgebracht, die \u201eLeugnung\u201c, die mittlerweile einen eigenen Forschungsbereich bildet. Dadurch ist die Leugnung des V\u00f6lkermordes in der T\u00fcrkei mittlerweile fast genauso gut erforscht wie der V\u00f6lkermord selbst.<sup>32<\/sup> Insofern hat die T\u00fcrkei der Genozidforschung einen Gefallen getan, aber das hei\u00dft auch: Ein weniger lautes Verhalten der T\u00fcrkei h\u00e4tte wohl verhindert, dass der Genozid an den T\u00fcrken heute in der Wissenschaft als erster Genozid der Moderne diskutiert wird \u2026 und in der Genozidforschung eine solch zentrale Rolle spielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss deutlich sagen: W\u00e4re die Darstellung der Armeniervertreibung nicht so von Seiten der T\u00fcrkei blockiert, w\u00e4re es viel einfacher, sachlich alle Aspekte darzustellen, auch jene Aspekte, die die T\u00fcrkei teilweise entlasten. Auch die Frage, ob es einen geplanten koordinierten V\u00f6lkermord oder nur ein in Kauf genommenes Massensterben von Zivilisten des Gegners im Kriegschaos gab,<sup>33<\/sup> lie\u00dfe sich besser ohne das innen- und au\u00dfenpolitische \u201eTheater\u201c diskutieren.<sup>34<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, es ist berechtigt, die im Umlauf befindlichen Zahlen kritisch-wissenschaftlich unter die Lupe zu nehmen, wie es etwa Jahn tut: \u201eDas kleine Volk der Armenier von rund 4,5 Millionen Menschen hat wohl mehr als ein Siebentel aller Todesopfer des Ersten Weltkrieges erbracht. Man muss aber vier Gruppen dieser Todesopfer unterscheiden: 1. Soldaten und andere bewaffnete K\u00e4mpfer, die im Staatenkrieg oder in armenischen Aufst\u00e4nden gefallen sind, 2. Zivilisten und Kriegsgefangene, die frontnah im engen zeitlichen und \u00f6rtlichen Zusammenhang mit Kriegshandlungen ermordet wurden (gew\u00f6hnliche Kriegsverbrechen), 3. Dorfbewohner und Deportierte, die unbeabsichtigt aufgrund staatlicher Desorganisation sterben mussten, wie viele T\u00fcrken auch und selbst osmanische Soldaten \u2026, 4. Zivilisten und politische Inhaftierte, die systematisch von staatlichen Amtstr\u00e4gern aufgrund amtlicher Befehle erschossen, erschlagen, ertr\u00e4nkt und verbrannt, an private Mordbanden oder an den Tod durch Durst, Hunger, Krankheiten ausgeliefert wurden. \u2026 Nur im Falle der vierten Gruppe sollte man von Opfern des V\u00f6lkermordes sprechen. Ihre Zahl d\u00fcrfte nach unterschiedlichen Sch\u00e4tzungen um die 650.000 liegen, plus minus 200.000 bis 300.000.\u201c<sup>35 <\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz dieser Differenzierung kommt er zu dem Schluss: \u201eWelche der Zahlen auch immer empirisch am stichhaltigsten ist, an der Tatsache eines umfangreichen V\u00f6lkermordes an Hunderttausenden von Armeniern, im wesentlichen organisiert durch staatliche Beh\u00f6rden im Schatten des Weltkrieges und der drohenden Aufspaltung des Osmanischen Reiches, kann kein ernsthafter Zweifel bestehen.\u201c<sup>36<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, man muss den Kriegskontext, die Wirren des Ersten Weltkrieges und die Frontverl\u00e4ufe im Osten ber\u00fccksichtigen. Ja, man muss alle Opfer und alle Opfergruppen, auch muslimische, nennen, und man muss offen darstellen, warum sie starben. Ja, man muss die Aufst\u00e4nde und B\u00fcrgerkriege der christlichen Minderheiten als Hintergrund sehen, die zu eigenen Nationalstaaten auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches f\u00fchrten. Ja, es entstand milit\u00e4risch ein Nationalstaat Armenien, der sich 1920, von der Entente im Stich gelassen, in die Arme der Russen fl\u00fcchtete. Ja, der russische Zar bezeichnete die Armenier als seine Verb\u00fcndeten, und Armenier dienten in der russischen Armee.<sup>37<\/sup> Das alles erkl\u00e4rt zwar nicht, warum in der gesamten T\u00fcrkei Armenier verschleppt wurden, nicht nur in den Frontgebieten, oder warum man sie nicht tats\u00e4chlich in Gebiete deportierte, wo die Armenier dann die Mehrheit in der Region h\u00e4tten stellen k\u00f6nnen, sondern sie verhungern lie\u00df. Aber es w\u00fcrde die T\u00fcrkei eher in eine Reihe mit den oft ebenso skrupellosen anderen Kriegsteilnehmern stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die T\u00fcrkei verweigert dem armenischen Patriarchen ebenso wie etwa dem \u00d6kumenischen Patriarchen Bartholom\u00e4us I., der katholischen Kirche oder dem Oberrabiner von Istanbul die Rechtspers\u00f6nlichkeit ihrer Religionsgemeinschaften. W\u00e4re die Freiheit der christlichen Minderheiten in der T\u00fcrkei gew\u00e4hrleistet, w\u00e4ren sicher viele L\u00e4nder oder auch die EU schnell bereit, die \u201eArmenierfrage\u201c Geschichte sein zu lassen und nicht der modernen T\u00fcrkei anzulasten. Vor dem Hintergrund, dass die christlichen und anderen religi\u00f6sen Minderheiten aber nach wie vor rechtlich nicht existieren d\u00fcrfen und der Staat etwa derzeit die Enteignung des gr\u00f6\u00dften Teils des uralten syrisch-orthodoxen Klosters Mor Gabriel zul\u00e4sst oder initiiiert, n\u00e4hrt sich der Verdacht immer wieder neu, dass die T\u00fcrkei in hundert Jahren in dieser Frage nichts gelernt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den christlichen Minderheiten in der T\u00fcrkei die Freiheit tats\u00e4chlich zukommen zu lassen, die sie rechtlich l\u00e4ngst haben, w\u00fcrde die T\u00fcrkei auch in der historischen Armenierfrage stark entlasten und vielerorts aus der Schusslinie dieser Frage nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>ABSCHLIE\u00dfENDER EXKURS Kryptoarmenier<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der T\u00fcrkei soll es viele B\u00fcrger geben, die eigentlich armenischer Abstammung sind, dies aber au\u00dferhalb der Familie geheim halten, so dass sie f\u00fcr \u201enormale\u201c T\u00fcrken gehalten werden. Ich habe selbst mit T\u00fcrken gesprochen, denen ihre Mutter oder Gro\u00dfmutter auf dem Sterbebett verraten hat, dass die Familie armenisch sei. Oft l\u00f6st das dann das Interesse der jungen Generation aus, mehr \u00fcber die eigene Geschichte, aber auch das armenische Christentum zu erfahren. Wie viele solcher \u201eKryptoarmenier\u201c gibt es? Wie viele davon wissen noch, dass sie Armenier sind? Die Sch\u00e4tzungen gehen weit auseinander. Ein armenischer Freund schreibt mir: \u201eEs gibt sogar solche, die sagen, es seien ein paar Millionen. Man sagt, mehr als die H\u00e4lfte der Menschen in Tunceli, 30 % der Menschen im Kreis Kahta der Provinz Adiyaman seien Armenier. Es ist aber ein Unterschied zwischen Behauptungen und Beweisen. Ich selbst vermute, dass die Zahl bei weit \u00fcber einer Million liegt. Denn wir begegnen sehr oft \u00c4u\u00dferungen wie \u201aAuch meine Oma war Armenierin\u2018.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1980 formulierte der damalige armenische Patriarch von Konstantinopel, Shnork Kaloustian, vier Hauptgruppen von in der T\u00fcrkei lebenden Armeniern, eine Einteilung, die sich mittlerweile eingeb\u00fcrgert hat:<sup>38<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Offizielle Armenier, die ihre Identit\u00e4t beibehalten haben. Die meisten davon leben in Istanbul.<br \/>\n2. Islamisierte Armenier oder t\u00fcrkisierte Armenier, die sich \u2013 oft schon vor mehreren Generationen \u2013 an die t\u00fcrkische Mehrheitsgesellschaft ganz assimiliert haben.<br \/>\n3. Kurdisierte Armenier, die vor drei oder mehr Generationen islamisiert wurden und meist als kurdische St\u00e4mme leben, aber nicht wirklich in die kurdische Gesellschaft integriert sind.<br \/>\n4. Kryptoarmenier (T\u00fcrkisch: \u201eKripto Ermeniler\u201c), Armenier vor allem in Anatolien, die zwar \u00e4u\u00dferlich zum Islam konvertiert sind, aber ihre armenische Identit\u00e4t beibehalten haben. Etliche konvertieren zum Christentum zur\u00fcck und schlie\u00dfen sich der ersten Gruppe an, wenn sie nach Istanbul \u00fcbersiedeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Prof. Dr. Theol. Dr. Phil. Thomas Schirrmacher<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sprecher f\u00fcr Menschenrechte, Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz und Direktor des Internationalen Instituts f\u00fcr Religionsfreiheit, Bonn<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: AMZ, Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen, Nr. 86, T\u00fcrkische Innenpolitik (Hanns Seidel Stiftung)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>ANMERKUNGEN<\/b><\/p>\n<p><sup>1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Viele Informationen verdanke ich nicht nur der Literatur und Gespr\u00e4chen mit Fachkollegen in der T\u00fcrkei und Deutschland, sondern auch Gespr\u00e4chen mit dem Patriachatsvikar Erzbischof Aram Ateyan, mit dem \u00d6kumenischen Patriarchen Bartholom\u00e4us I. sowie dem syrisch-orthodoxen Metropoliten Yusuf \u00c7etin, dem alten und dem neuen Mufti von Istanbul, sowie t\u00fcrkischen und armenischen Gespr\u00e4chspartnern. Letztere wollen nicht, dass ich ihre Namen nenne. Alle Web-links wurden am 5.7.2013 \u00fcberpr\u00fcft.<br \/>\n<sup>2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Akten zur deutschen ausw\u00e4rtigen Politik, Serie D: 1937-1941, Bd. VII, Berlin 1961, S. 193.<br \/>\n<sup>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Die Diskussion, inwieweit die Vertreibung der Armenier in irgendeine Beziehung zum Holocaust an den Juden gesetzt werden darf, etwa als Vorbild oder Vorl\u00e4ufer, ist im vollen Gang; siehe die Beitr\u00e4ge in Fritz Bauer Institut: Holocaust und V\u00f6lkermorde. Die Reichweite des Vergleichs, hrsg. von Sybille Steinbache, Frankfurt a. M. 2012. Eine Gleichsetzung findet sich bei G\u00fc\u00e7l\u00fc, Y\u00fccel: The Holocaust and the Armenian case in comparative perspective, Lanham MD 2012.<br \/>\n<sup>4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Schwartz, Michael: Ethnische \u201eS\u00e4uberungen\u201c in der Moderne, M\u00fcnchen 2013, S. 32-60.<br \/>\n<sup>5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Ebd., S. 61-114.<br \/>\n<sup>6\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Kr\u00fcger, Karen: V\u00f6lkermord an den Armeniern, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 10.4.2010, http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/integra tion\/voelkermord-an-den-armeniern-das-letzte-was-ich-von-den-kindern-sah-1582205.html<br \/>\n<sup>\u00a07\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Zur Diskussion um die Zahlen vgl. Hofmann, Tessa: Wer in der T\u00fcrkei Christ ist, zahlt einen Preis daf\u00fcr, in: M\u00e4rtyrer 2007: Das Jahrbuch zur Christenverfolgung heute, hrsg. von Max Klingberg, Thomas Schirrmacher, Ron Kubsch, Bonn 2007, S. 156-184, http:\/\/www.bucer.de\/institute\/iirf\/maertyrer.html<br \/>\n<sup>8\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Redgate, Anne Elizabeth: The Armenians, Oxford 2000, S. 271.<br \/>\n<sup>9\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Kr\u00fcger: V\u00f6lkermord an den Armeniern.<br \/>\n<sup>10\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Zur Einf\u00fchrung siehe Baum, Wilhelm: Die T\u00fcrkei und ihre christlichen Minderheiten, Klagenfurt 2005; Hofmann, Tessa (Hrsg.): Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Christen im Osmanischen Reich. 1912-1922, M\u00fcnster 2004.<br \/>\n<sup>11\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Die beste (und neueste), \u00e4u\u00dferst differenzierte Darstellung ist Schwartz: Ethnische \u201eS\u00e4uberungen\u201c in der Moderne, S. 30-126; vgl. auch Bitschnau, Martin (Hrsg.): Armenien. Tabu und Trauma, Bd. 1: Die Fakten im \u00dcberblick, Wien 2010; und die Dokumentensammlungen Berlin, J\u00f6rg \/ Klenner, Adrian (Hrsg.): V\u00f6lkermord oder Umsiedlung? Das Schicksal der Armenier im Osmanischen Reich. Darstellung und Dokumente, K\u00f6ln 2006; Gust, Wolfgang (Hrsg.): Der V\u00f6lkermord an den Armeniern 1915\/16. Dokumente aus dem Politischen Archiv des Deutschen Ausw\u00e4rtigen Amts, Berlin 2005.<br \/>\n<sup>12\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Stellvertretend sei genannt Bayraktar, Seyhan: Politik und Erinnerung. Der Diskurs \u00fcber den Armeniermord zwischen Nationalismus und Europ\u00e4isierung, Bielefeld 2010.<br \/>\n<sup>13\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Leider gibt es eine \u00e4hnlich gr\u00fcndliche Darstellung wie Hofmann, Tessa: \u201eArmenians in Turkey Today\u201c. Gutachten f\u00fcr \u201eThe Forum of Armenian Associations in Europe\u201c, October 2002, www.armenian.ch\/gsa\/ Docs\/faae02.pdf f\u00fcr die Gegenwart nicht.<br \/>\n<sup> 14\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>http:\/\/www.kath.net\/news\/41621; http:\/\/de.radiovati cana.va\/news\/2013\/06\/10\/t\u00fcrkei_protestiert_gegen_armenier-\u00e4u\u00dferung_des_papstes\/ted-700154<br \/>\n<sup> 15\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Bayraktar: Politik und Erinnerung, S. 135. In Anatolien d\u00fcrfte es nur wenige Familien geben, die keine armenischen Kinder aufgezogen haben.<br \/>\n<sup>16\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Details siehe ebd., S. 230-232.<br \/>\n<sup>17\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Ebd., S. 15.<br \/>\n<sup>18\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Quellen siehe ebd., S. 72.<br \/>\n<sup>19\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>T\u00fcrkei: Minister lobt Vertreibung von Griechen und Armeniern, Die Presse, 11.11.2008, http:\/\/diepresse. com\/home\/politik\/aussenpolitik\/429389\/Tuerkei_Minister-lobt-Vertreibung-von-Griechen-und-Armeniern<br \/>\n<sup>20\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Eine detaillierte Tabelle mit Belegen f\u00fcr zahlreiche Sch\u00e4tzungen findet sich bei https:\/\/en.wikipedia.org\/ wiki\/Armenian_diaspora<br \/>\n<sup>21\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Cemal, Hasan: 1915. Ermeni Soykirimi (Der V\u00f6lkermord an den Armeniern), Istanbul 2012; vgl. http:\/\/ www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/andruck\/1920047\/<br \/>\n<sup>22\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Vgl. Neckel, Sighard: Status und Scham, Frankfurt a. M. 1991; Schirrmacher, Thomas \/ M\u00fcller, Klaus W. (Hrsg.): Scham- und Schuldorientierung in der Diskussion, N\u00fcrnberg 2006; Schirrmacher, Thomas: Scham oder Schuldgef\u00fchl?, Bonn 2005.<br \/>\n<sup>23\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Baraktar: Politik und Erinnerung, hat etwa tausend Texte aus der Zeit von 1973 bis 2005 untersucht und die Dauerdiskriminierung der Armenier belegt. Leider fehlt eine \u00e4hnlich gr\u00fcndliche Untersuchung f\u00fcr die Gegenwart.<br \/>\n<sup>24\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Dass die UN-Definition von 1948 aus heutiger Sicht zu eng ist, da sie etwa soziale Gruppen ausl\u00e4sst, andererseits zu weit, da sie nicht vorgibt, dass es eine gro\u00dfe Zahl von Opfern geben muss, ja \u00fcberhaupt die Genozidverfolgung und -forschung heute viel weiter ist, kann hier nicht weiter diskutiert werden.<br \/>\n<sup>25\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Hofmann, Tessa: Armeniens verborgene Kinder. Die so genannten Krypto-Armenier in der Republik T\u00fcrkei, Vortrag vom 15.5.2010, http:\/\/www.aga-online.org\/ news\/attachments\/TessaHofmann_Vortrag_15052011_Dersim_Armenier.pdf und weitere ihrer Ver\u00f6ffentlichungen.<br \/>\n<sup>26\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>http:\/\/haypressnews.wordpress.com\/2012\/08\/29\/war-ataturk-armenier\/<br \/>\n<sup>27\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Details bei Bayraktar: Politik und Erinnerung, S. 269.<br \/>\n<sup>28\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Z. B. \u00c7i\u00e7ek, Kemal: Die Zwangsumsiedlung der Armenier 1915 bis 1917, Pfungstadt 2011; \u00c7i\u00e7ek, Kemal \/ Turan, \u00d6mer \/ \u00c7al\u0131k, Ramazan \/ Hala\u00e7o\u011flu, Yusuf: Die Armenier. Exil und Umsiedlung, Pfungstadt 2012<br \/>\n<sup>29\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Jahn, Egbert: Erinnerung an V\u00f6lkermord als politische Waffe in der Gegenwart, in: Frankfurter Montags-vorlesungen NF 04, 4.6.2012, http:\/\/www.fb03.uni-frankfurt.de\/46582983\/ZSFraMoV04-NET-Voelker mord-14.pdf, S. 4.<br \/>\n30 Kr\u00fcger: V\u00f6lkermord an den Armeniern.<br \/>\n31 Siehe Daase, Christopher: Entschuldigung und Ver-s\u00f6hnung in der internationalen Politik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) 25-26\/2013, S. 43-49.<br \/>\n<sup>32\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Siehe die Literatur bei Bayraktar: Politik und Erinnerung, S. 42, 53-54.<br \/>\n<sup>33\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Die wichtigsten Vertreter der verschiedenen Positionen listen Barth, Boris: Genozid, M\u00fcnchen 2006, S. 62-78; und Bayraktar: Politik und Erinnerung,S. 35-36, gut auf.<br \/>\n<sup>34\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>So etwa deutlich Jahn: Erinnerung an V\u00f6lkermord als politische Waffe in der Gegenwart, S. 16.<br \/>\n35\u00a0 Ebd., S. 12.<br \/>\n36\u00a0 Ebd., S. 16.<br \/>\n37\u00a0 Das ist nur eine Auswahl, mehr bei Schwartz: Ethnische \u201eS\u00e4uberungen\u201c in der Moderne.<br \/>\n<sup>38\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup>Vgl. dazu Khanlaryan, Karen: The Armenian ethno-religious elements in the Western Armenia, in: Noravank Foundation, 29.9.2005, http:\/\/www.noravank.am\/ eng\/issues\/detail.php?ELEMENT_ID=3724, sowie unter Vorbehalt gegen\u00fcber allen Wikipediabeitr\u00e4gen auch https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kryptoarmenier, \u00e4hnlich die englische Version http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/ Crypto-Armenians<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn die Armenierfrage nicht die Bedeutung der Kurdenfrage f\u00fcr die Innenpolitik der T\u00fcrkei erreicht, spielt sie eine zentrale Rolle f\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndnis der T\u00fcrkei. Im Zentrum steht dabei nicht vor allem die von der Bev\u00f6lkerung ausgehende Diskriminierung der Armenier im Alltag, sondern die Bek\u00e4mpfung derer, die das Massensterben bei der vermeintlichen Umsiedlung der Armenier [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":69,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[21,10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10266"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/69"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10266"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10266\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10271,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10266\/revisions\/10271"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10266"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10266"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10266"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}