{"id":10227,"date":"2013-11-13T22:26:33","date_gmt":"2013-11-13T20:26:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10227"},"modified":"2013-11-13T22:26:33","modified_gmt":"2013-11-13T20:26:33","slug":"glueck-ist-mehr-als-gluecksache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10227","title":{"rendered":"Gl\u00fcck ist mehr als Gl\u00fccksache"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Gl\u00fccklich sein will jeder. Dieser Wunsch scheint tief in unser menschliches Wesen eingepr\u00e4gt zu sein. Der Grund daf\u00fcr liegt auf der Hand: Wir leben in einer gefallenen Welt und sind selber innerlich zerrissen und zerrieben. Zerrissen von der t\u00e4glichen Erfahrung, dass wir nicht die sind, die wir sein m\u00f6chten und sein k\u00f6nnten. Zerrieben von Bosheiten, die uns begegnen, und von der eigenen Unvollkommenheit. Diese uns ungl\u00fccklich machenden Dauererlebnisse wecken in uns immer wieder die unwiderstehliche Sehnsucht nach Gl\u00fcck.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.)\u00a0\u00a0\u00a0 Die Suche nach dem verloren gegangenen Gl\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man k\u00f6nnte das menschliche Leben beschreiben als Dauersuche nach Gl\u00fcck. Und wenn es sich nicht einstellt, dann ist die Versuchung gro\u00df nachzuhelfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um nur einige solcher Nachhilfeversuche zu nennen: Gl\u00fccksspiele erfreuen sich einer gro\u00dfen Beliebtheit. Vom Alkohol- und Tabakkonsum erwarten viele Zeitgenossen Gl\u00fccksgef\u00fchle. Der Wikipedia-Artikel \u201eGl\u00fccksspiel\u201c offenbart erstaunliche Tatsachen. Etwa die H\u00e4lfte der Deutschen beteiligt sich an Gl\u00fccksspielen. Dabei wird ein Umsatz von etwa 25 Milliarden Euro erzielt (im Jahr 2008). Der Staat kassiert \u00fcber 3 Milliarden Euro j\u00e4hrlich. Etwa 200 000 Deutsche gelten als krankhaft spiels\u00fcchtig. Dabei sind \u2013 rein rechnerisch gesehen \u2013 die Chancen, auf diese Weise zu Geld zu kommen, \u00e4u\u00dferst gering. Die Wahrscheinlichkeit z.B., im Lotto einen Hauptgewinn zu erreichen, liegt bei 1:139.838.160. Aber der Wunsch nach Gl\u00fcck ist anscheinend so \u00fcberm\u00e4chtig, dass Vernunftgr\u00fcnde gegen die Gl\u00fccksspiele von vielen Menschen ausgeblendet werden. Noch viel gravierender sind die Folgen des Alkohol- und Tabakkonsums. Hier fallen etwa 40 Milliarden Sozialkosten j\u00e4hrlich an, die von der Allgemeinheit aufgebracht werden m\u00fcssen. Aber auch in dieser Beziehung hat die Vernunft nicht viel dagegen zu setzen. Die Hoffnung, durch Alkohol und Tabak wenigstens ein paar kleine Gl\u00fcckserfahrungen machen zu k\u00f6nnen, ist st\u00e4rker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gehen wir einmal von den gesellschaftlich tolerierten Gl\u00fccksbeschaffungen zu den gesellschaftlich anerkannten. In unserer seelsorgerlichen Beratungspraxis haben uns schon h\u00e4ufig Menschen, die durch Lebenskrisen gegangen sind und bei staatlich anerkannten Beratungsstellen Hilfe gesucht haben, berichtet, wie entt\u00e4uscht sie von manchen psychologisch begr\u00fcndeten Ratschl\u00e4gen waren. Einer Frau, die ihre angeschlagene nervliche Gesundheit bei einer Kur wiedergewinnen wollte, wurde gesagt, dass sie endlich beginnen solle, aus ihrem Leben etwas zu machen, selbstst\u00e4ndiger denken m\u00fcsse, sich in ihrem ehelichen Verh\u00e4ltnis nicht l\u00e4nger von ihrem Mann ausnutzen lassen d\u00fcrfe und sich von ihm trennen solle, wenn er sich nicht \u00e4ndere. Ein Mann, der gleichgeschlechtliche Gef\u00fchle hatte, berichtete, dass ihm von einem Amtsarzt nahe gelegt wurde, sich nicht l\u00e4nger durch Unterdr\u00fcckung dieser Gef\u00fchle ungl\u00fccklich zu machen und endlich seinen Gef\u00fchlen nachzugeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.)\u00a0\u00a0\u00a0 Falsche Bescheidenheit und Anma\u00dfung bei der Gl\u00fccksuche<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt Menschen, die ihre Suche nach dem gro\u00dfen Gl\u00fcck aufgegeben haben und sich mit dem kleinen Gl\u00fcck, das sie in ihrem Leben erreicht haben, zufrieden geben. Johann Wolfgang von Goethe hat im Alter in seinen Gespr\u00e4chen mit Eckermann gesagt, dass er in seinem langen Leben insgesamt gesehen nur wenige Stunden ein reines Gl\u00fccksgef\u00fchl erlebt habe. Seine Ratschl\u00e4ge f\u00fcr gl\u00fccksuchende Menschen klingen dementsprechend bescheiden. \u201eDer ist am gl\u00fccklichsten, er sei ein K\u00f6nig oder ein Geringer, dem in seinem Hause Wohl bereitet ist.\u201c Es ist ja unbestritten, dass es gl\u00fccklich macht, wenn zuhause und in der Familie alles in Ordnung ist. Aber man fragt sich bei solchen Weisheiten, was ist dann, wenn der Vermieter eine Mieterh\u00f6hung ank\u00fcndigt, f\u00fcr die das Budget nicht mehr ausreicht? Oder wenn es in der eigenen Familie drunter und dr\u00fcber geht? Auch der oft geh\u00f6rte Wunsch \u201eHauptsache gesund\u201c geh\u00f6rt hierher. Nichts gegen Gesundheit und eine gesunde Lebensweise. Aber wenn Gesundheit das H\u00f6chste ist und jemand h\u00f6rt von seinem Arzt, dass er an Krebs erkrankt ist und die Heilungschancen gering sind, dann sind solche W\u00fcnsche Schall und Rauch. Wilhelm Busch, der unvergessene Essener Jugendpfarrer und Evangelist, hat einmal einen jungen Mann gefragt, ob er nicht Christ werden wolle. Der gab ihm die Antwort: Herr Pfarrer, ich will erst noch etwas von meinem Leben haben. Wilhelm Busch fragte ihn daraufhin: Warum bist du so bescheiden und willst nur etwas vom Leben haben, wo du doch das ganze Leben bekommen kannst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso wenig kann Goethes Empfehlung, das eigene Lebensgl\u00fcck mutig zu gestalten, \u00fcberzeugen. \u201eWas gibt uns wohl den sch\u00f6nsten Frieden, als frei am eignen Gl\u00fcck zu schmieden\u201c. Oder \u201eJeder hat sein Gl\u00fcck unter den H\u00e4nden, wie der K\u00fcnstler die rohe Materie, die er zu einer Gestalt umbilden will\u201c. Wenn dieser Rat stimmte, dann g\u00e4be es viele gl\u00fcckliche Menschen, denn viele leben nach diesem Motto. Bei Licht besehen entpuppen sich solche Empfehlungen, so gut sie auch gemeint sein m\u00f6gen, als gro\u00dfe Anma\u00dfung. Als ob der Mensch in der Lage w\u00e4re, sein Gl\u00fcck selber zu schaffen und zu gestalten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.)\u00a0\u00a0\u00a0 Das kleine und das gro\u00dfe Gl\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir \u00fcber das Gl\u00fcck nachdenken, d\u00fcrfen wir nicht meinen, das kleine Gl\u00fcck des Lebens w\u00e4re nichts wert. Es gibt Christen, die in der Gefahr stehen, das nat\u00fcrliche Leben abzuwerten. Sie gehen an der Sch\u00f6nheit der Natur vorbei, sie haben das Staunen \u00fcber die unendlichen R\u00e4ume des Universums verlernt, sie scheuen sich fast, ein gutes Essen herzhaft zu genie\u00dfen, sie legen keinen Wert auf geschmackvolle Kleidung, f\u00fcr den Besuch einer Mozart-Oper geben sie kein Geld aus, und f\u00fcr Volksmusik haben sie kein Ohr. Paulus hat das anders gesehen. Er konnte sich auch am kleinen Gl\u00fcck freuen, wenn es ihm zuteil wurde. In Phil 4,12 sagt er z.B., dass er sich durchaus gern satt isst und \u00dcberfluss hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Christus geboren wurde und der Engel des Herrn den Hirten nachts erschien, brachte er ihnen die Botschaft der <i>gro\u00dfen<\/i> Freude mit. Damit hat er nichts gegen die kleinen Lebensfreuden gesagt. In der Tat, zu Weihnachten geht es um die gro\u00dfe Freude, aber die kleinen Freuden, die unter dem Weihnachtsbaum liegen, sind damit nicht entwertet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gilt hier, die richtige Balance zu finden. Das kleine Gl\u00fcck, das wir in einem guten Essen, in der liebevollen Zuwendung durch einen Menschen, in der Genesung von einer Krankheit, in einer unvermuteten Gehaltserh\u00f6hung oder durch eine unverhoffte Dankes\u00e4u\u00dferung erfahren, ist und bleibt klein. Wir sollten unsere Sehnsucht nach dem gro\u00dfen Gl\u00fcck nicht damit stillen. Auch dazu hat Paulus Wegweisendes gesagt. In 1 Kor 7,29-31 fordert er die Christen zu einem heiligen Abstand zur Welt auf. Wer verheiratet ist, darf und soll sich daran freuen, aber er darf sein Lebensgl\u00fcck nicht von seinem Ehepartner abh\u00e4ngig machen. In einem unserer Eheseminare hat meine Frau einmal den Teilnehmern erz\u00e4hlt, was es f\u00fcr eine innere Befreiung f\u00fcr sie bedeutete, als sie erkannte und beschloss, ihr Lebensgl\u00fcck nicht mehr von mir abh\u00e4ngig zu machen. Wer Leid tr\u00e4gt, so f\u00e4hrt Paulus fort, darf nicht in seinem Leid ertrinken. Das Leid ist mit dieser Welt gekoppelt, und es wird vergehen, wenn sie vergeht. Mit anderen Worten: Unser Lebensgl\u00fcck darf nicht von den Umst\u00e4nden abh\u00e4ngen, die uns das Leben schwer machen, es muss woanders angebunden sein. Ebenso ist es mit den kleinen Freuden, die ja durchaus nicht gering zu sch\u00e4tzen sind. Aber wer in ein tiefes Loch f\u00e4llt, wenn er sie nicht erlebt, ist arm dran. Deswegen sagt der Apostel: freue dich, aber binde dich nicht daran. Und so ist es schlie\u00dflich auch mit all den Dingen, die wir mit Geld erwerben k\u00f6nnen. Sie m\u00f6gen praktisch, sch\u00f6n, angenehm sein, und das d\u00fcrfen und sollen sie auch sein, aber sie sind von der Welt und sie vergehen mit der Welt. Unser Herz d\u00fcrfen wir nicht an sie h\u00e4ngen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal sagte eine Witwe zu mir: Herr Pfarrer, was soll nur jetzt aus meinem Leben werden, ich habe doch nur f\u00fcr meinen Mann gelebt. Auch sie stand in der Gefahr, das kleine Gl\u00fcck mit dem gro\u00dfen Gl\u00fcck zu verwechseln. Deswegen m\u00fcssen wir uns unbedingt der Frage zuwenden, wie wir das gro\u00dfe Lebensgl\u00fcck finden und behalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.)\u00a0\u00a0\u00a0 Die Anleitung zum Lebensgl\u00fcck in den Seligpreisungen Jesu<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bergpredigt (Mt 5,5-7) ist ein Kosmos f\u00fcr sich, den wir bei unserer kurzen Betrachtung des Gl\u00fccks nicht einmal ann\u00e4hernd ermessen k\u00f6nnen. Aber wir d\u00fcrfen an diesem gro\u00dfartigen Grundgesetz f\u00fcr die Nachfolger Jesu nicht vor\u00fcber gehen. Dabei sind nat\u00fcrlich f\u00fcr unsere Frage die Seligpreisungen von besonderem Gewicht. Bevor wir uns ihnen im Einzelnen zuwenden, noch einige kurze Hinweise zu ihrem Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Meistens werden acht Seligpreisungen gez\u00e4hlt. Da die Verhei\u00dfung der ersten und der achten Seligpreisung gleichen, empfiehlt es sich, die erste Seligpreisung als \u00dcberschrift anzusehen und sieben Seligpreisungen zu z\u00e4hlen.<\/li>\n<li>Der Schl\u00fcsselbergriff der gesamten Bergpredigt und der Seligpreisungen ist die \u201eK\u00f6nigsherrschaft Gottes\u201c. Sie ist der Hauptinhalt der Gesamtverk\u00fcndigung Jesu. Mit der Herrschaft Gottes ist die \u00dcbernahme der F\u00fchrung eines Menschenlebens durch den lebendigen Dreieinigen Gott gemeint. In der heilsgeschichtlichen Perspektive meint der Begriff die sichtbare Herrschaft des wiedergekommenen Christus \u00fcber die neue Erde.<\/li>\n<li>Die \u00dcberschrift (die meist als erste Seligpreisung angesehen wird) nennt als Grundvoraussetzung f\u00fcr die Herrschaft Gottes die \u201eArmut im Geist\u201c. Damit ist der Glaubensschritt gemeint, mit dem ein Mensch Gottes Allmacht und die eigene Ohnmacht bedingungslos anerkennt. Der Mensch, der arm ist im Geist, ist von seiner eigenen Ohnmacht und von den Begrenztheiten seines eigenen Geistes genauso \u00fcberzeugt wie von Gottes unbegrenzten F\u00e4higkeiten und M\u00f6glichkeiten.<\/li>\n<li>Die Seligpreisungen sprechen den Nachfolgern Jesu Gl\u00fcck zu. Wie jede Verhei\u00dfung m\u00fcssen aber auch die Seligpreisungen im Glauben angenommen werden. Sie sind zun\u00e4chst Glaubenstatsachen und keine Erfahrungstatsachen. Wer sie jedoch im Glauben annimmt, erf\u00e4hrt das Gl\u00fcck als geistliche Realit\u00e4t des Geborgenseins und der g\u00f6ttlichen F\u00fchrung.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen in unserem Zusammenhang den Begriff der \u201eHerrschaft Gottes\u201c durchaus mit \u201eGl\u00fcck\u201c gleichsetzen. Wenn Gott seine gute Herrschaft \u00fcber unser Leben aufrichtet, dann haben wir Gl\u00fcck. Blaise Pascal hat diese Erkenntnis unnachahmlich ausgedr\u00fcckt: \u201eDas Gl\u00fcck ist nicht au\u00dfer uns und nicht in uns, sondern in Gott, und wenn wir ihn gefunden haben, ist es \u00fcberall.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenden wir uns nun noch kurz den sieben Seligpreisungen zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.1 Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getr\u00f6stet werden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solange wir unter den Bedingungen unseres Leibes und dieser gefallenen Welt leben, bleiben uns Leid und Traurigkeit nicht erspart. Jesus verhei\u00dft uns nicht, dass er die Ursachen von Leid und Traurigkeit von uns fernh\u00e4lt, sondern dass Gott uns tr\u00f6sten wird. Christen werden nicht <i>vor<\/i> Schwierigkeiten und N\u00f6ten bewahrt, sondern <i>in<\/i> ihnen. Die Zeitform der Zusage ist die Zukunft. Das bedeutet aber nicht, dass Gott uns seinen Trost erst in der Herrlichkeit bei ihm spendet. Er ist der \u201eGott des Trostes\u201c, hier und jetzt (2 Kor 1,3), und das ist unser Gl\u00fcck, hier und jetzt. auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.2 Selig sind die Sanftm\u00fctigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Welt herrschen Macht und Gewalt. Wo der christliche Glaube an die Allmacht Gottes fehlt, dort spielt sich der in Wahrheit ohnm\u00e4chtige Mensch als m\u00e4chtiger Ersatzgott auf. Es ist mit den H\u00e4nden zu greifen, wie sich in unserer entchristlichten Zeit das Machtstreben in\u00a0 allen gesellschaftlichen Bereichen wie eine Epidemie ausbreitet. M\u00e4nner gegen Frauen, Frauen gegen M\u00e4nner. Eltern gegen Kinder, Kinder gegen Eltern. Lehrer gegen Sch\u00fcler, Sch\u00fcler gegen Lehrer. Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer, Arbeitnehmer gegen Arbeitgeber. Als Nachfolger Jesu sind wir berufen, nach seinem Motto zu leben: \u201eWer unter euch gro\u00df sein will, der sei euer Diener\u201c (Mt 20,26). Was Jesus von uns erwartet, hat er selber vorgelebt. Sanftmut im Sinne Jesu ist keine menschliche M\u00f6glichkeit. Wir m\u00fcssen sie von Gott empfangen. In der Nachfolge Jesu w\u00e4chst sie uns als Frucht des Heiligen Geistes zu (Gal 5,23). Das ist unser Gl\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.3 Selig sind, die da hungert und d\u00fcrstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier ist nicht die irdische, sondern die g\u00f6ttliche Gerechtigkeit gemeint. Die Gerechtigkeit dieser Welt gibt Lohn f\u00fcr Leistung. Die Gerechtigkeit Gottes schenkt durch den Glauben an Jesus Christus ein neues Leben. Die Religionen dieser Welt gehen, alle auf ihre Weise, den Weg der Leistung und versprechen Lohn. Jedoch um Gottes Gerechtigkeit zu empfangen, mu\u00df der Mensch mit leeren H\u00e4nden kommen, und er muss Gottes Gnade suchen. Das f\u00e4llt ihm schwer, denn er m\u00f6chte vor Gott gern etwas vorweisen und nicht v\u00f6llig von Gottes Gnade abh\u00e4ngig sein. Aber ohne diese beiden Voraussetzungen wird er vergeblich suchen. Deswegen ist ein dem\u00fctiges Herz heilsnotwendig, denn \u201eden Dem\u00fctigen gibt Gott Gnade\u201c (1 Petr 5,5). Das ist unser Gl\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.4 Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gottes Barmherzigkeit ist ein unermesslicher Schatz. Nachdem das Volk Israel sein Herz von Gott abgewandt und dem G\u00f6tzenbild des goldenen Stiers zugewandt hatte und Mose mit Zittern und Zagen noch einmal vor Gott erschien, empfing er eine Gottesoffenbarung, die ihn zutiefst ersch\u00fctterte. Gott gab ihm Einblick in seine Barmherzigkeit. Mose konnte nur noch ausrufen: \u201eHerr, Herr, Gott, barmherzig und gn\u00e4dig und geduldig und von gro\u00dfer Gnade und Treue!&#8220; (2 Mose 34,6). Dieses barmherzige Wesen Gottes war in Jesus vollkommen verk\u00f6rpert. Aus reiner Barmherzigkeit ist der Herr seinen Weg in diese Welt und in den Tod gegangen. Jesus erwartet von seinen Nachfolgern Barmherzigkeit. Das ist keine Aufforderung zu mehr Toleranz, noch viel weniger zur Billigung von S\u00fcnde. Hier geht es um unsere Vergebungsbereitschaft. Sie soll unendlich gro\u00df sein. Das macht Jesus seinem J\u00fcnger Petrus klar, als der ihn fragte, ob es gen\u00fcge, dem schuldigen Bruder siebenmal zu vergeben. Nein, war Jesu Antwort, sondern siebzigmal siebenmal (Mt 18,21f.). Eine solche Barmherzigkeit ist unserem Wesen fremd. Wenn uns aber durch den Heiligen Geist deutlich wird, wie barmherzig Gott mit uns ist, dann k\u00f6nnen auch wir barmherziger mit denen werden, die an uns schuldig geworden sind. Das ist unser Gl\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.5 Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei keiner anderen Seligpreisung sp\u00fcren wir es so deutlich, dass wir ihre Voraussetzung nicht erf\u00fcllen. Ein reines Herz, das liegt nicht in unserer Kraft. Wir k\u00f6nnen wohl unseren K\u00f6rper reinigen, nicht aber unser Herz. Aus dem Herzen kommt alles B\u00f6se, wie es Jesus einmal dem Volk erkl\u00e4rte (Mt 15,19). Das Grund\u00fcbel des menschlichen Herzens ist sein Selbstbezug. Es ist verkr\u00fcmmt in sich selbst, wie es Martin Luther ausdr\u00fcckte. Was ist damit gemeint? Das unreine Herz sucht nicht Gottes Ehre, sondern die eigene. Es sucht auch nicht das Beste f\u00fcr den anderen, sondern denkt im tiefsten nur an sich selbst. Unsere Nachfolge wird dann ernsthaft, wenn uns der Wunsch nach einem reinen Herzen erf\u00fcllt und wir mit David beten \u201eSchaffe in mir, Gott, ein reines Herz\u201c (Ps 51,12). Nichts erh\u00f6rt Gott lieber als solche Gebete, denn er hat uns ja zu seinem Ebenbild erschaffen, und er will, dass wir Anteil an seinem Wesen bekommen. Das ist unser Gl\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.6 Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Gottes Kinder hei\u00dfen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unz\u00e4hlige Kriegsgegner haben mit dieser Seligpreisung ihre Haltung begr\u00fcndet. Doch wie schon beim Begriff der Gerechtigkeit geht es auch hier nicht um den Weltfrieden, sondern um Gottes Frieden. Das zugrunde liegende hebr\u00e4ische Wort \u201eSchalom\u201c meint das umfassende Heil Gottes f\u00fcr die V\u00f6lker, f\u00fcr alle Kreatur und die ganze Natur. Nach dem Zeugnis der Bibel ist der nat\u00fcrliche Mensch unf\u00e4hig zum Frieden (R\u00f6m 3,17). Nur Gott selbst, der \u201eGott des Friedens\u201c (1 Thess 5,23), vermag wahren Frieden zu stiften (Jes 45,7; Joh 14,27). Wenn nur Gott in Wahrheit Frieden bringen kann, wie sollen dann Jesu Nachfolger ihn stiften? Aus sich heraus k\u00f6nnen sie es nicht. Aber sie kennen Christus, der in Person der Friede ist (Eph. 2,14), so wie es die himmlischen Heerscharen bei seiner Geburt angek\u00fcndigt hatten (Luk. 2,14). Der wahre Friede beginnt damit, dass ein Mensch bei Jesus Christus die Vergebung seiner Schuld empf\u00e4ngt. Als mit Gott vers\u00f6hnter Mensch kann er nun in der Wirklichkeit des g\u00f6ttlichen Friedens leben und diesen Frieden stiften. Das ist unser Gl\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.7 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die letzte Seligpreisung spricht allen Christen, die um ihres Glaubens willen bedr\u00e4ngt und verfolgt werden, Gottes besondere F\u00fcrsorge zu. Dass sie mit Nachdruck am Ende steht und durch Mt 5,11f verst\u00e4rkt wird, zeigt deutlich, dass die Bedr\u00e4ngnis und Verfolgung der Nachfolger Jesu nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches ist, sondern elementar zum entschiedenen Christsein dazugeh\u00f6rt (vgl. 1 Petr 4,12-14). Die Welt in ihrer Selbstverliebtheit sp\u00fcrt genau, dass sie durch die Botschaft der uneigenn\u00fctzigen Liebe Gottes in Frage gestellt wird. Deswegen sollten wir uns immer wieder auf die Ablehnung des Evangeliums einstellen. Die Gemeinde Jesu steht in unserer nachchristlichen Gesellschaft in der besonderen Gefahr, den Ansto\u00df des Evangeliums durch eine falsche Anpassung an die Welt aufzuheben. Wo sie dieser Gefahr erliegt, verliert sie ihre Salzkraft und letztlich auch ihre Existenzberechtigung. Wo sie ihr tapfer widersteht, hat sie den lebendigen Herrn auf ihrer Seite. Das ist unser Gl\u00fcck.<\/p>\n<p><i>Pastor Dr. Joachim Cochlovius<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gl\u00fccklich sein will jeder. Dieser Wunsch scheint tief in unser menschliches Wesen eingepr\u00e4gt zu sein. Der Grund daf\u00fcr liegt auf der Hand: Wir leben in einer gefallenen Welt und sind selber innerlich zerrissen und zerrieben. Zerrissen von der t\u00e4glichen Erfahrung, dass wir nicht die sind, die wir sein m\u00f6chten und sein k\u00f6nnten. 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