{"id":10177,"date":"2013-10-30T09:14:37","date_gmt":"2013-10-30T07:14:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10177"},"modified":"2013-10-30T09:14:37","modified_gmt":"2013-10-30T07:14:37","slug":"das-viermalige-reformatorische-allein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=10177","title":{"rendered":"Das viermalige reformatorische \u201eAllein\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b><i>Predigt zum Reformationstag \u00fcber R\u00f6mer 3,21-28<br \/>\n<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Reformationstag, denken wir daran, da\u00df Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine ber\u00fchmt gewordenen 95 Thesen ver\u00f6ffentlichte &#8211; ein Bu\u00dfruf an die Kirche.\u00a0 These 1, die jeder evangelische Christ auswendig kennen sollte, lautet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWenn unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: \u201eTut Bu\u00dfe!\u201d hat er gewollt, da\u00df das ganze Leben der Gl\u00e4ubigen Bu\u00dfe sein soll.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Thesen l\u00f6sten eine Bewegung aus, die zur Bildung der evangelischen Kirche f\u00fchrten. Wenn wir gefragt werden, worin denn der biblisch-reformatorische Glauben besteht, dann k\u00f6nnen wir antworten mit dem vierfachen &#8222;Allein&#8220;:<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein durch das Wort!<br \/>\nAllein durch den Glauben!<br \/>\nAllein durch Christus!<br \/>\nAllein durch die Gnade!<\/p>\n<p>So kommt Gott zu den Menschen und so kommt der Mensch zu Gott. In den soeben vorgelesenen S\u00e4tzen aus dem R\u00f6merbrief finden wir tats\u00e4chlich diese vier Begriffe wieder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>1.\u00a0 Allein durch das Wort!<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus gebraucht hier f\u00fcr das Wort Gottes den in der Bibel h\u00e4ufig wiederkehrenden Ausdruck &#8222;das Gesetz und die Propheten\u201c. Damit ist also das Wort Gottes gemeint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum haben die Reformatoren &#8211; Luther, Melanchthon, Zwingli, Calvin\u00a0 und Beza und John Knox und wie sie alle hei\u00dfen &#8211; das Wort der Bibel so \u00fcberdeutlich in die Mitte der Kirche gestellt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die katholische Kirche kennt die Heilige Schrift nicht weniger als wir. Es gibt eine Menge Katholiken, die in ihrer Bibel besser Bescheid wissen als der Durchschnitt der Evangelischen. Aber die Katholische Kirche hat immer gesagt: Die Bibel ist uns heilig und wichtig, aber es mu\u00df noch etwas hinzukommen, damit wir ihren Inhalt recht verstehen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>Das ist die Lehre der Kirchenv\u00e4ter!<br \/>\nDas sind die Lehrentscheidungen der Kirche!<br \/>\nDas ist die Tradition der Kirche!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun bin ich der Letzte, der etwas gegen gute Tradition sagen m\u00f6chte. Im Gegenteil, nichts ist so l\u00e4cherlich, als wenn eine Generation so tut, als habe die Geschichte erst mit ihr begonnen, als ginge erst mit ihr das Licht der Wissenschaft an und wenn man vorher noch ein paar uneinsichtige Querk\u00f6pfe \u00fcberzeugen oder beseitigen k\u00f6nnte, dann k\u00f6nnte alles ganz wunderbar auf dieser Erde sein. Das ist nat\u00fcrlich Unsinn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber dennoch k\u00f6nnen wir nicht sagen: Heilige Schrift <i>und<\/i> Tradition! Wir wissen, wohin das f\u00fchrt. Es gibt ja nicht nur eine Tradition der Wahrheit, sondern es gibt genauso eine Tradition des Irrtums.<\/p>\n<p>Die Katholiken sagen: Eben darum mu\u00df jemand da sein, der die unwahre Tradition von der wahren scheidet &#8211; und das ist der Papst. So kam es zur Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes, wenn er als Lehrer der Kirche spricht. Damit kam es zu Entwicklungen, zu denen wir als Evangelische niemals Ja sagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich brauche nur an das Mariendogma zu erinnern, das im 19. und 20. Jahrhundert immer reicher entfaltet worden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unber\u00fchrt davon ist f\u00fcr mich die Tatsache, da\u00df wir dennoch zugeben m\u00fcssen, da\u00df in der einen oder anderen Sache etwa auf dem Felde sozialethischer Entscheidungen die Katholische Kirche in manchen Punkten evangelischer handelt als unsere protestantischen Landeskirchen. Denken Sie nur einmal an die Fragen, die mit der Abtreibung und der Familienpolitik zu tun haben, dann wissen Sie, was ich meine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df das so ist, liegt aber nicht am reformatorischen Christentum, sondern daran, da\u00df wir heute innerhalb der evangelischen Kirche weithin kein reformatorisches Christentum haben. Was wir haben ist ein bunt zusammengew\u00fcrfelter Haufen von Menschen, die offensichtlich gar nicht wissen, was evangelisch ist, die offensichtlich seit der Konfirmation nicht mehr in eine Bibel reingeschaut haben, f\u00fcr die eben nicht gilt: &#8222;Allein das Wort!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist der Punkt. Das nenne ich Etikettenschwindel. Drau\u00dfen steht evangelisch dran, aber drinnen ist man alles M\u00f6gliche: sozialistisch, feministisch, synkretistisch. An dieser L\u00fcge geht unsere Volkskirche zugrunde, wenn es hier nicht zu einer bu\u00dffertigen Umkehr kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo aber das Wort Gottes im wirklich evangelischen Sinne zur alleinigen Richtschnur des Denkens und Handelns gemacht wird, da wei\u00df der Mensch auch, was er an diesem Worte hat, da wei\u00df er, was er zu tun und zu lassen hat, da wei\u00df er, was er zu glauben hat und wo der Aberglaube anf\u00e4ngt. Darum ist das Wort Gottes so wichtig, so unverzichtbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum sagt Paulus an anderer Stelle des R\u00f6merbriefes, da\u00df der Glaube aus der Predigt des Wortes Gottes kommt. (R\u00f6m.10,17)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuerst also das Wort und dann der Glaube.<br \/>\nZuerst das H\u00f6ren, dann der Gehorsam.<\/p>\n<p>Damit kommen wir zum zweiten Punkt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>2.\u00a0 Allein durch den Glauben!<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEtwas Festes mu\u00df der Mensch haben\u201d \u2013 schrieb einst Matthias Claudius.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Etwas Festes mu\u00df der Mensch haben, daran er zu Anker liege, etwas, das nicht von ihm abh\u00e4ngt, sondern davon er abh\u00e4ngt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und Martin Luther hatte in Anlehnung an Psalm 46 gedichtet: \u201eEin feste Burg ist unser Gott&#8230;\u201d Haben Sie, hast Du dieses Feste, das unser Leben tr\u00e4gt und sch\u00fctzt? Viele haben es nicht und f\u00fchlen sich darum unsicher und ungeborgen.<\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr diese Unsicherheit und Ungeborgenheit liegt allerdings weniger darin, da\u00df Menschen der Glaube fehlt. Mir ist noch kein Mensch begegnet, dem ich h\u00e4tte bescheinigen k\u00f6nnen, da\u00df er total ungl\u00e4ubig sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An irgendetwas glauben sie fast alle. Aber eben an irgendetwas: die Muslime, die Hindus, die Buddhisten, die Horoskopanh\u00e4nger &#8211; sie alle haben Glauben. Es kommt aber nicht darauf an, da\u00df man Glauben hat, sondern Glauben an Jesus. Nicht durch Glauben werde ich gerettet, sondern durch Jesus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Satz \u201eAllein auf den Glauben kommt es an\u201d aus dem biblischen Zusammenhang gel\u00f6st ist unvollst\u00e4ndig und damit belanglos. Darum la\u00dft uns nicht auf unseren Glauben blicken, sondern auf auf das Kreuz Christi, auf das S\u00fchneopfer, das er am Kreuz f\u00fcr uns alle vollbracht hat. Den hat Gott f\u00fcr den Glauben hingestellt als S\u00fchne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die S\u00fcnden vergibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Glaube wird ja oft, allzu oft mi\u00dfverstanden\u00a0 und mi\u00dfdeutet und verf\u00e4lscht. Aus dem Gesamtzeugnis des R\u00f6merbriefes, aber auch des Neuen Testamentes &#8211; ja, der ganzen Heiligen Schrift &#8211; geht hervor, da\u00df der Glaube seinem Wesen nach Vertrauen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus hat nicht den religi\u00f6sen Wissensstand der Menschen anheben wollen, sondern er hat die Vertrauensfrage gestellt. Die Glaubensfrage ist die Vertrauensfrage. Christus selbst stellt diese Vertrauensfrage: Vertraust du mir dein Leben an? Nicht nur den Sonntagmorgen zwischen 10 und 11 Uhr, sondern alle Tage! Vertraust du mir dein ganzes Leben an?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir h\u00f6ren, da\u00df die &#8222;Vertrauensfrage&#8220; gestellt wird, dann denken wir in der Regel an die Politik, dann fragen wir uns, wird das die Regierung \u00fcberstehen oder wird sie dar\u00fcber st\u00fcrzen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier liegt die Sache allerdings anders. Hier geht es nicht darum, ob Christus, der diese Frage selber stellt, im Regiment bleibt oder nicht.\u00a0 Nat\u00fcrlich bleibt er im Regiment!\u00a0 Aber es geht darum, ob wir an ihm zu Fall kommen oder durch ihn und mit ihm leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum geht es bei dieser Vertrauensfrage. Um nicht mehr und nicht weniger! Darum h\u00e4ngt alles von unserer Beziehung zu Jesus ab. Nicht unser Denken, nicht unser Gef\u00fchl, sondern allein der Glaube, aber der Glaube an Jesus Christus , macht uns frei von allen niederziehenden Kr\u00e4ften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3.\u00a0 Allein durch Christus!<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir glauben nicht an irgendwelche religi\u00f6sen Ideen und Programme, sondern an eine Person: Jesus Christus. In den vielen Religionen, die es auf dieser Erde gibt, geht es immer ganz entscheidend um diese eine Frage:<\/p>\n<p>Was m\u00fcssen wir tun?<br \/>\nWas m\u00fcssen wir zustande bringen?<br \/>\nWas m\u00fcssen wir leisten, um vor der Gottheit in rechter Weise bestehen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus sagt hier: Ich rede auch von der Art und Weise, wie du vor Gott &#8211; und nun nicht vor den G\u00f6tzen, sondern vor dem allm\u00e4chtigen und lebendigen Gott &#8211; recht bist, er sagt: gerecht wirst.<\/p>\n<p>&#8222;Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus&#8230;&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther beschrieb, wie er allein unter dem blo\u00dfen Wort \u201eGottes Gerechtigkeit\u201d gelitten hatte, aber auch, wie er aus diesen \u00c4ngsten herausfand. H\u00f6ren wir ihn selbst:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Gerechtigkeit Gottes &#8211; durch Brauch und \u00dcbung aller Doktoren war ich falsch ausgerichtet worden, als sei es philosophisch: als m\u00fc\u00dfte ich Gerechtigkeit tun, um gerecht zu werden&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich aber konnte den gerechten, die S\u00fcnde strafenden Gott der Bibel nicht lieben, ich mu\u00dfte ihn hassen, obwohl ich ein untadeliger M\u00f6nch war&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da erbarmte sich Gott und im R\u00f6merbrief\u00a0 las ich: aus Glauben schafft Gott Gerechtigkeit, der Gerechte wird aus Glauben leben! (R\u00f6mer 1, 17)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch den Glauben &#8211; nun f\u00fchlte ich mich ganz und gar neu geboren: die Tore hatten sich mir aufgetan; ich war in das Paradies selber eingegangen. Da zeigte sich mir sogleich die ganze Heilige Schrift ein anderes Gesicht&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Das war der Durchbruch zum Evangelium:\u00a0 Allein durch das Wort, allein durch den Glauben, allein durch Jesus Christus werde ich selig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein Jesus Christus rettet &#8211; kein anderer bringt dich in den Himmel &#8211; weder die Heiligen und Seligen noch die eigenen Werke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wo bleibt nun das R\u00fchmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke?<\/p>\n<p>Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens&#8220; &#8211;\u00a0 des Glaubens daran, da\u00df Jesus Christus f\u00fcr uns getan hat, was kein Mensch f\u00fcr sich oder f\u00fcr einen anderen tun kann: die Vers\u00f6hnung mit Gott.<\/p>\n<p>Unsere Antwort auf die Vers\u00f6hnung mit Gott ist unsere Vers\u00f6hnung untereinander. Jeder wird irgendwo und irgendwann an anderen schuldig. Das k\u00f6nnen sehr dunkle Kapitel in unserem Leben sein. Aber durch die Vers\u00f6hnung im Namen Jesu weicht diese Dunkelheit, wird es hell.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gro\u00dfer Denker aus dem vorigen Jahrhundert\u00a0 &#8211; Albert Einstein &#8211; hat kurz vor seiner Emigration aus Deutschland in die Vereinigten Staaten ein sehr pers\u00f6nliches Glaubensbekenntnis\u00a0 auf Tonband gesprochen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch bin zwar Jude, aber das strahlende Licht Jesu, des Nazareners, hat auf mich einen \u00fcberw\u00e4ltigenden Eindruck gemacht. Es hat sich keiner so ausgedr\u00fcckt wie er. Es gibt wirklich nur eine Stelle in der Welt, wo wir kein Dunkel sehen &#8211; das ist die Person Jesu. In ihm hat sich Gott am deutlichsten vor uns hingestellt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Zit. nach: Fritz May: Christus aktuell. Prominente \u00fcber ihr Verh\u00e4ltnis zu Jesus Christus. Brendow-Verlag o.J., S. 147)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum soll auch Er allein mein Halt und meine Orientierung in allen Lebensfragen sein. Ich m\u00f6chte das Gesagte veranschaulichen mit einer Begebenheit aus\u00a0 der Mission.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Missionsinspektor Hoffmann, vor allem in den f\u00fcnfziger und sechziger Jahren den Gemeinden bekannt, berichtete von einem bewegenden Ereignis:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Eingeborenen, die Christen werden wollten, bekamen Taufunterricht, um Jesus und das Evangelium kennenzulernen. An einem Sonntag wurden sie dann getauft. Das war immer ein gro\u00dfes Fest. Auch viele Heiden kamen dazu, um sich das anzusehen. Aber das f\u00fcr die Eingeborenen Entscheidende geschah eigentlich immer am Abend zuvor:<\/p>\n<p>Da wurde ein gro\u00dfes Feuer angez\u00fcndet, die T\u00e4uflinge schritten heran, auf den Armen trugen sie die seltsamsten Gegenst\u00e4nde vom fr\u00fcheren\u00a0 G\u00f6tzendienst: Zaubersachen, Amulette, G\u00f6tzenbilder.<\/p>\n<p>Und dann traten sie einer nach dem andern ans Feuer und warfen diese Zeichen ihres alten Lebens in die lodernden Flammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nun kommt&#8217;s! Einmal, so berichtete dieser Missionar, habe er eine junge Frau beobachtet, die trat auch mit einem Arm voll G\u00f6tzenkram und Amuletten ans Feuer. Aber in dem Augenblick, als sie dieses Zeug ins Feuer werfen will, da kann sie es nicht. Vielleicht scho\u00df es ihr in diesem Augenblick durch den Kopf: Damit ist ja meine ganze Vergangenheit verbunden, davon kann ich mich doch nicht trennen. Sie geht zur\u00fcck.<br \/>\nDa f\u00e4llt ihr ein: dann kann ich aber nicht zu Jesus geh\u00f6ren! Darauf geht sie wieder drei Schritte vor &#8211; und kann sich wieder nicht trennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDa bin ich zu ihr hingegangen\u201c, so berichtet der Missionar weiter und habe gesagt: \u201eEs f\u00e4llt dir zu schwer, \u00fcberlege es dir noch einmal. Du kannst dich ja zur n\u00e4chsten Taufe wieder anmelden.\u201c Darauf \u00fcberlegte die junge Frau einen Augenblick lang, trat rasch vor, warf die Sachen ins Feuer &#8211; und sank ohnm\u00e4chtig in sich zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So gewaltig kann die Ersch\u00fctterung sein, die einen Mensch erfa\u00dft, der zur Gewi\u00dfheit durchbricht: Allein Christus.<\/p>\n<p>Jeder, der einmal zu dieser Erkenntnis gekommen ist, wei\u00df allerdings, da\u00df selbst ein solcher Entschlu\u00df nicht von uns aus &#8222;gemacht&#8220; werden kann, sondern da\u00df dieses geschieht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.\u00a0 Allein durch Gnade!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie hat doch Luther zun\u00e4chst in seiner Klosterzelle gerungen um diese Frage: Wie finde ich s\u00fcndhafter Mensch in den Augen Gottes Gnade? Wie kriege ich einen gn\u00e4digen Gott?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Frage \u2013 wir h\u00f6rten es &#8211; drohte dieser Mann fast zu zerbrechen. Bis ihm dann Gott selbst \u00fcber dem R\u00f6merbrief, wahrscheinlich auch \u00fcber einer Schriftstelle wie dieser hier, durch seinen Heiligen Geist ein Licht aufgehen lie\u00df. Denn zum ersten Male verstand er, was Paulus meinte, wenn er schreibt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Denn es ist hier kein Unterschied: sie &#8211; die Menschen &#8211; sind allesamt S\u00fcnder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade&#8230;&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Seine Gnade&#8220; ist Geschenk &#8211; und ein Geschenk will ganz schlicht und einfach angenommen, dankbar angenommen sein.<\/p>\n<p>Aber vielleicht liegt hier der entscheidende Punkt: viele haben ihre Schwierigkeiten mit der Annahme von Geschenken. Sie k\u00f6nnen sie nicht so ohne weiteres annehmen, es macht ihnen zu schaffen, sie fragen sich, was steckt dahinter, sie sind mi\u00dftrauisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann denjenigen, die so empfinden, nur sagen, wenn du \u00fcberhaupt erkannt hast, da\u00df Gott mit Jesus Christus dir etwas schenken will, dann bist du bereits von Gottes Geist anger\u00fchrt, denn Fleisch und Blut k\u00f6nnen dich nicht zu dieser Erkenntnis gebracht haben. Dann danke Gott, da\u00df du bereits im Kraftfeld seiner Gnade bist.<\/p>\n<p>Wenn aber dies alles f\u00fcr jemanden &#8222;b\u00f6hmische D\u00f6rfer&#8220; sind, dann sage ich ihm:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es bleibt die Hoffnung, da\u00df Gott auch dich anr\u00fchren und \u00f6ffnen kann f\u00fcr sein Wort, f\u00fcr den Glauben, f\u00fcr Christus. Das haben seit Paulus, der ja aus dieser pers\u00f6nlichen Erfahrung spricht, unz\u00e4hlig viele erfahren und die Reformatoren haben es der Christenheit wieder neu vor Augen gef\u00fchrt, wie Gott zum Menschen und wie der Mensch zu Gott kommt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein durch das Wort der Heiligen Schrift!<br \/>\nAllein durch den Glauben!<br \/>\nAllein durch Jesus Christus!<br \/>\nUnd allein durch die Gnade Gottes, die uns unser Elend und unser Heil erkennen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich schlie\u00dfe mit dem Wort unseres Predigttextes, da\u00df geradezu zum Schl\u00fcsselwort der Reformation wurde:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;So halten wir nun daf\u00fcr, da\u00df der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, sondern allein durch den Glauben.&#8220; Amen.<\/p>\n<p><em>Pastor Jens Motschman<\/em>,<em> Bremen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zum Reformationstag \u00fcber R\u00f6mer 3,21-28 Am Reformationstag, denken wir daran, da\u00df Martin Luther am 31. 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