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Vom Staunen Adams zur Angst Adams

Freitag 23. August 2013 von Ruth Heil


Ruth Heil

Wann wird der Mann f├╝r eine Frau zum Mann? Oder: aufhellende Gedanken f├╝r Mann und Frau.

„Bein von meinem Bein, Fleisch von meinem Fleisch“, staunt Adam, als er Eva erblickt. Gerade war er aus dem Schlaf erwacht, in den der Sch├Âpfer ihn versetzt hatte, um Eva aus ihm als eigenst├Ąndiges Wesen herauszubilden. Ich bin sicher, dass Eva genauso fasziniert war ├╝ber Adam, als dieser sich in seiner ganzen Gr├Â├če aufrichtete. In der Bibel wird nicht sehr viel mehr dar├╝ber berichtet. Deshalb haben Schriftsteller wie Mark Twain Geschichten dazu erfunden. Mark Twain erz├Ąhlt u.a., wie Adam sich vor Eva versteckte, um endlich ein bisschen Ruhe zu finden.

Mir kommt das gar nicht so abwegig vor. Viele Frauen finden sich erst in ihrem Gedankengeflecht zurecht, wenn sie sich mitteilen. Deshalb suchen sie das Gespr├Ąch. Wenn ich meinem Mann einen Traum erz├Ąhle, wei├č ich nach dem Sprechen meist, was er bedeutet.

Der Mann sieht keinen Sinn darin, von seiner Frau etwas erz├Ąhlt zu bekommen – dem er kaum folgen kann -, um zu erfahren, dass er zur L├Âsung nicht beitragen muss. Meist will die Frau seine Ohren und weniger seinen Rat, der ihr oftmals nicht geeignet erscheint.

Wir haben als Frauen manchmal keine Ahnung, wie verunsichernd wir auf unseren Mann wirken. Dabei meinen wir es soo gut!?

Im Rahmen eines Eheseminars teilten wir uns in eine M├Ąnner- und Frauengruppe auf. Ich war den M├Ąnnern zugeteilt, mein Mann den Frauen.

┬á„Wie reagieren Sie, wenn Ihre Frau ein Gespr├Ąch w├╝nscht?“ wollte ich wissen. Ein Mann zischte h├Ârbar durch die Z├Ąhne, ausdr├╝ckend: „Das wird hei├č!“ Ein anderer meinte: „Ich stelle mich in den T├╝rrahmen, auf keinen Fall setze ich mich bei diesem Gespr├Ąch hin. So kann ich zur Not schneller fl├╝chten!“ „Ich verschiebe ganz kompromissbereit das Gespr├Ąch auf den Abend, hoffend, sie hat bis dahin vergessen, was sie wollte“, ├Ąu├čerte sich ein anderer. Und ein weiterer Mann offenbarte zur Belustigung aller: „Ich frage meine Frau, ob es sich um eine Reparatur handelt. Dann k├Ânnen wir gleich dar├╝ber reden.“

Bei Reparaturen kennt man(n) sich aus. Geht es um Gef├╝hle, f├╝hlt sich der Mann h├Ąufig wie ausgeliefert an Gedanken seiner Frau, die er nicht nachvollziehen kann. Eines h├Ârt er h├Ąufig heraus, auch wenn die Frau es nicht so meint:

–┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á Ich habe etwas falsch gemacht.

–┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á Sie ist unzufrieden mit mir.

–┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á Etwas stimmt nicht, und sie gibt mir die Schuld.

Adams Faszination ├╝ber Eva endete sp├Ątestens mit dem Essen der verbotenen Frucht. Eva gab sie ihm. Adam nahm und a├č. Misstraut der Mann vielleicht seit diesem Zeitpunkt der Frau?

Aber kann die Frau dem Mann vertrauen? Adam war am entscheidenden Punkt f├╝r Eva keine Hilfe. Er lie├č die Schlange in Evas Leben emotional hineinreden, ohne logisch einzugreifen oder dieses Gespr├Ąch in die Hand zu nehmen. Er war f├╝r Eva in der Verf├╝hrung kein Retter! Statt sie zu warnen und sie vor den bekannten Folgen zu sch├╝tzen, machte er sich an dem Dilemma mitschuldig.

Nach dem Essen der Frucht vom verbotenen Baum ruft Gott Adam zuerst zu: „Wo bist du?“ Adam hatte sich versteckt. Leider ist das oft die Taktik des Mannes, wenn er beschuldigt wird: Er setzt sich durch Schweigen „ins Versteck“.

Von Gott befragt, arbeitet Adam die Situation so f├╝r sich auf, dass er die gesamte Schuld nicht nur Eva zuschiebt, sondern auch Gott daf├╝r verantwortlich macht, der Eva erschaffen habe.

Der Mann entzieht sich der Verantwortung und schiebt die Schuld auf seine Frau. Eva reagiert ├Ąhnlich. Auch sie sucht den S├╝ndenbock, nimmt die Schlange, von der sie verf├╝hrt wurde.

Nach diesem Bericht in der Bibel (1. Mose 3), ruft Gott Adam in die Verantwortung, „Herr“ ├╝ber Eva zu sein, ├╝ber sie zu herrschen. F├╝r mich hei├čt das nicht, Adam solle Eva bestimmen oder sie unterdr├╝cken. Vielmehr sollte er ihr den Schutz geben, den sie f├╝r ihre Emotionen brauchte, um sie liebevoll begleitend vor Fehlentscheidungen zu bewahren. Er sollte f├╝r sie da sein, wenn emotionale Geschehnisse sie aus dem Gleis w├╝rfen. Ihre Not sollte er heraush├Âren, wenn sie im Gespr├Ąch Dinge kl├Ąren wollte, die sie verunsicherten. Ihr, mitten im Durcheinander der Gedanken, Halt geben und sie liebevoll verstehend begleiten als einer, der ├╝ber der Sache steht, eben als Herr. Als einer, der sich durch ihre Emotionen nicht verunsichern l├Ąsst, sondern verstehend ihre Ausbr├╝che, ihr Schweigen, ihre Tr├Ąnen, ihre Beschuldigungen wie ein therapeutischer Seelsorger anh├Ârt, sie ernst nimmt, auch wenn er sie nicht verstehen k├Ânnte.

Bei Diskussionen will die Frau es nicht unbedingt besser wissen, auch wenn sie das vorgibt. Sie braucht die Argumente des Mannes (ohne dass dieser sich ├╝ber ihre fehlende Logik ereifert oder sie sogar als ungebildet betitelt), um den eigenen Standpunkt ├╝berdenken zu k├Ânnen. Zugegeben, die meisten M├Ąnner sind verunsichert, wenn ihre Frau Dinge zu wissen behauptet, ohne Anhaltspunkte daf├╝r zu haben.

Die Intuition der Frau macht dem Mann oftmals zu schaffen. Als Frauen wissen wir nicht, wie sehr wir unseren Mann durch diese Gabe verunsichern k├Ânnen. Unseren Mann zum „Herr“ machen, hei├čt, seine Meinung sch├Ątzen, ihn respektieren, nicht alles hinterfragen, ihn bei anderen nicht l├Ącherlich machen. Nur so k├Ânnen wir von ihm die Geborgenheit und den Schutz bekommen, nach dem wir uns sehnen. Der Mann erinnert sich unbewusst an die erste Geborgenheit, die er als ungeborenes Kind im Scho├č einer Frau erfuhr. Letztlich will er dort wieder aufgehoben sein, nicht mehr k├Ąmpfen m├╝ssen, sich loslassen d├╝rfen. Und er sehnt sich, bei seiner Frau zu Hause zu sein, Frieden zu finden im Scho├č der Frau.

Wenn die Frau begriffen hat, dass man dazu nicht zuerst Gef├╝hle haben, sondern zu einigem bereit sein muss: bereit, sich zu schenken, ohne Opfer zu sein,┬á bereit, einzuladen, bevor der Mann darum bettelt, wird sie einen Mann haben, der nicht mehr gegen sie k├Ąmpfen muss, weil er bei ihr Heimat gefunden hat.

Nach Geborgenheit sehnen sich Mann und Frau gleicherma├čen.

Merke:

H├Âre auf, als Mann verstehen zu wollen, was deine Frau sagt. Sei einfach nur liebevoller Zuh├Ârer. Staune dar├╝ber, wie sie dich respektieren und sch├Ątzen wird, wenn du solch ein Gegen├╝ber wirst.

Schenke deinem Mann Heimat durch N├Ąhe. Erlebe, wie er sich dir ├Âffnet und die Angst vor dir verliert, wenn er bei dir zu Hause sein darf.

Ruth Heil

Family life mission, Rundbrief Nr. 126 ÔÇô August 2013

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 23. August 2013 um 9:39 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Seelsorge / Lebenshilfe.