Gemeindenetzwerk

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Predigt: Christus unser Hoherpriester (Hebr 7)

Samstag 8. Juni 2013 von Johann Hesse


Johann Hesse

1┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á Christus und der geheimnisvolle Priesterk├Ânig

1.1┬á┬á┬á┬á┬á Wer K├Ânig ist, kann nicht auch Priester sein

├ťber dem Kreuz Christi lie├č Pilatus ein Schild anbringen, auf dem zu lesen war: Jesus von Nazareth, K├Ânig der Juden (INRI). Jesus war der angek├╝ndigte K├Ânig Israels, der Sohn Davids, aus dem Stamme Juda. Jesus ist nicht nur der K├Ânig Israels, sondern der K├Ânig der K├Ânige und Herr ├╝ber alle Herren der Erde, wie ihn die Offenbarung beschreibt. Jesus ist K├Ânig. Doch genau an dieser Stelle tat sich ein Problem auf. Wenn Jesus der verhei├čene messianische K├Ânig ist, wie kann er dann ein Opfer f├╝r die S├╝nden Israels bringen, das vor Gott und f├╝r Israel G├╝ltigkeit besitzt. Wie kann er S├╝nden vergeben?

Jesus berief sich immer wieder auf Mose und die Propheten. Doch Gott hatte durch Mose und die Propheten eine klare Arbeitsteilung vorgesehen: Das Amt des K├Ânigs war an den Stamm Juda und dort an das Haus David gebunden und das Priesteramt war an den Stamm Levi und dort an das Haus Aaron gebunden. Ja, Jesus konnte K├Ânig sein, weil er aus dem Stamm Juda und dem Hause David war. Damit stammte er aber nicht aus dem Stamm Levi und konnte somit aus dem Blickwinkel des Gesetzes nicht zugleich Priester sein, zwischen Gott und Mensch vermitteln, ein g├╝ltiges Opfer bringen, die S├╝nden vergeben oder priesterliche F├╝rbitte halten.

1.2      Melchisedek und Abraham

Doch Gott w├Ąre nicht Gott, wenn er dieses Problem nicht schon vor Grundlegung der Welt gesehen h├Ątte und im Verlauf der Offenbarungsgeschichte die Weichen rechtzeitig so gestellt h├Ątte, dass die K├Ânigs- und die Priesterlinie auf wunderbare Weise in der einen Person des Messias zusammenlaufen w├╝rden und das auch noch in ├ťbereinstimmung mit Mose und Propheten. Ein g├Âttliches Kunstst├╝ck, das dem Leser der Bibel erst bei genauerem Hinsehen und vor allem durch das Studium des Hebr├Ąerbriefes aufgeht. Die Schl├╝sselfigur in der L├Âsung des Problems ist der geheimnisvolle Priesterk├Ânig Melchisedek, der uns in der Abrahamsgeschichte begegnet (1 Mose 14). ├ťber ihn schreibt der Hebr├Ąerbrief:

┬á„Dieser Melchisedek aber war K├Ânig von Salem, Priester Gottes des H├Âchsten; er ging Abraham entgegen, als der vom Sieg ├╝ber die K├Ânige zur├╝ckkam, und segnete ihn; 2 ihm gab Abraham auch den Zehnten von allem. Erstens hei├čt er ├╝bersetzt: K├Ânig der Gerechtigkeit; dann aber auch: K├Ânig von Salem, das ist: K├Ânig des Friedens.┬á 3 Er ist ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum, und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit.┬á 4 Seht aber, wie gro├č der ist, dem auch Abraham, der Erzvater, den Zehnten gab von der eroberten Beute.“ (Hebr 7,1-4)

Die Bibel berichtet, dass die K├Ânige von Sodom und Gomorrah durch ein K├Ânigsb├╝ndnis unter der F├╝hrung von K├Ânig Kedor-Laomer besiegt wurden. Dabei wurden viele Gefangene und gro├če Beute gemacht. Einer der Gefangenen waren Lot und seine Familie. Abraham griff den siegreichen K├Ânig mit seinen Leuten an und errang einen Sieg, den offensichtlich Gott geschenkt hatte. Im Anschlu├č an diesen Sieg taucht pl├Âtzlich wie aus dem Nichts der geheimnisvolle Melchisedek auf: „Aber Melchisedek, der K├Ânig von Salem, trug Brot und Wein heraus. Und er war ein Priester Gottes des H├Âchsten und segnete ihn und sprach: Gesegnet seist du, Abram, vom h├Âchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat; gelobt sei Gott der H├Âchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat. Und Abram gab ihm den Zehnten von allem“ (1 Mose 14,18-20).

1.3      Melchisedek und Christus

Allein in diesem kurzen Abschnitt steckt viel und Entscheidendes. Der Hebr├Ąerbrief weist uns 1.) darauf hin, dass Melchisedek ├╝bersetzt wird mit „Melech“ (K├Ânig) und „Zedek“ (Gerechtigkeit). 2.) Melchisedek ist K├Ânig der Stadt Salem, also der Stadt des Friedens, des sp├Ąteren Jerusalems (Ps 76,3). K├Ânig der Gerechtigkeit und K├Ânig des Friedens? Kommt uns das nicht bekannt vor? Jesus Christus ist unsere Gerechtigkeit und unser Friede (vgl. 1. Kor 1,30; Eph 2,14). 3.) Melchisedek begegnet uns ohne den Nachweis einer genealogischen Abstammung, wie es sonst bei den Patriarchen und insbesondere bei den sp├Ąteren levitischen Priestern ├╝blich war. Ihm wird vom Apostel bescheinigt, dass er ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum, und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. In Vers 8 lesen wir ├╝ber Melchisedek, dass von ihm bezeugt wird „dass er lebt„. Er hat keinen Anfang noch Ende des Lebens und ist so ein ewiger Priesterk├Ânig. Wer ist er? Ist er ein unsterblicher Engelk├Ânig? Wir wissen es nicht und es ist auch unerheblich. 4.) Er reicht als Priesterk├Ânig Abraham Brot und Wein. In Melchisedek begegnet uns ein Vorl├Ąufer auf den Priesterk├Ânig Christus, der seinen J├╝ngern Brot und Wein reicht mit den Worten: „Nehmet, das ist mein Leib ÔÇŽ und ÔÇŽ das ist mein Blut des Bundes, das f├╝r viele vergossen wird.“ (Mk 14,22-24) 5.) Melchisedek segnet Abraham sowie Christus die Seinen gesegnet hat (z. B. Lk 24,50) 6.) Melchisedek empf├Ąngt von Abraham den Zehnten und empf├Ąngt so als Stellvertreter und „Priester Gottes des H├Âchsten“ den Zehnten, der Gott allein zusteht.

Der Apostel zieht einen f├╝r unsere anf├Ąngliche Fragestellung wegweisenden Schlu├č: So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit. Melchisedek ist ein Vorl├Ąufer des Christus und Christus kann somit auch ganz im Sinne des mosaischen Gesetzes in einer Person das Amt des K├Ânigs und das Amt des Priesters miteinander verbinden. Das K├Ânigsamt hat er im Sinne des davidischen K├Ânigtums und das Priesteramt hat er im Sinne der melchisedekschen Priesterordnung, die eine ewige Priesterordnung ist. Wer in dieser Priesterordnung steht, braucht keinen genealogischen Nachweis vorlegen, der die Abstammung von Aaron und Levi belegt. Jesus Christus ist K├Ânig und Priester zugleich ÔÇô die k├Ânigliche und die priesterliche Linie werden nach dem Vorbild des Priesterk├Ânigs Melchisedek in seiner Person geb├╝ndelt.

2          Der Vorrang der Priesterordnung nach Melchisedek

Aus j├╝disch-orthodoxer Seite Sicht, k├Ânnte nun das Argument vorgebracht werden, dass ja die levitische Ordnung 500 Jahre nach der Begegnung im K├Ânigstal im mosaischen Gesetz eindeutig und abschlie├čend gekl├Ąrt wurde. Sie ist sp├Ąter und steht damit ├╝ber dem K├Ânigpriestertum Melchisedeks. Aus diesem Grunde muss eine Priester Gottes doch aus dem Stamm Levi und Nachkomme Aarons sein und Stiere und Schafe opfern, damit S├╝nden vergeben werden k├Ânnen. Doch der Apostel zeigt, dass die Priesterordnung nach Melchisedek Vorrang vor der levitischen Ordnung hat.

2.1┬á┬á┬á┬á┬á Melchisedek empf├Ąngt den Zehnten

Melchisedek empfing als Priester des h├Âchsten Gottes den Zehnten der eroberten Beute von Abraham. Nun k├Ânnte nat├╝rlich argumentiert werden, dass auch die Leviten den Zehnten Israels entgegennahmen (Vers 5). Dagegen stand aber zweierlei: 1.) Melchisedek war im Gegensatz zu den Leviten ein ewiger Priester. Wenn ein ewiger und unsterblicher Priester den Zehnten entgegennimmt, dann hat sein Priestertum Vorrang vor einer sterblichen Priesterschaft. 2.) Indem Abraham den Zehnten an Melchisedek gab, gab auch indirekt Levi den Zehnten. Weil Levi, wie es w├Ârtlich hei├čt, noch in den „Lenden Abrahams“ war, ihm also noch geboren werden wollte (Verse 9 u. 10), wurde auch Levi mit dem Zehnten belegt und gab ihn durch seinen Patriarchen (Vers 10), also den ersten seines Geschlechts, an Melchisedek. Das Priestertum des Melchisedeks ist h├Âher als das levitische Priestertum, weil es den Zehnten von Levi empfing.

2.2      Melchisedek segnete Abraham

„Nun aber ist unwidersprochen, dass das Geringere vom H├Âheren gesegnet wird.“ (Vers 7) Gott segnet den Menschen und damit gilt das Prinzip, dass das H├Âhere den Geringeren segnet. Wenn nun Melchisedek kommt, um Abraham im Namen des H├Âchsten Gottes zu segnen (Vers 6), dann segnet er als der H├Âhere den Geringeren. Wenn Abraham als erster seines Geschlechts gesegnet wird, dann werden mit ihm auch alle Nachkommen gesegnet. Auch hier zeigt sich, dass das Priestertum des Melchisedeks ├╝ber dem levitischen Priestertum steht.

2.3┬á┬á┬á┬á┬á Die Verg├Ąnglichkeit und Schwachheit des levitischen Priestertums

„W├Ąre nun die Vollendung durch das levitische Priestertum gekommen, ÔÇŽ, wozu war es dann n├Âtig, einen andern als Priester nach der Ordnung Melchisedeks einzusetzen, anstatt einen nach der Ordnung Aarons zu benennen?“(Hebr 7,11). Das levitische Priestertum war zwar von Gott durch das Gesetz Mose eingesetzt, hatte aber nicht die Kraft, die Vollendung zu bringen (Hebr 7,11.19). Es war nicht in der Lage, den Menschen mit Gott zu vers├Âhnen und ewiges Leben zu bringen. Das levitische Priestertum ist im Gegensatz zum Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks ein schwaches Priestertum, das dem Menschen nicht wirklich helfen und retten kann: 1.) Die levitischen Priester erhielten ihre Priesterschaft kraft ÔÇ×├Ąu├čerlicher GeboteÔÇť (Hebr 7,15), w├Ąhrend das Priestertum nach Melchisedek ein Priestertum „kraft unzerst├Ârbaren Lebens ist“ (Hebr 7,16). 2.) Die levitischen Priester waren sterblich: „Auch sind es viele, die Priester wurden, weil der Tod keinen bleiben lie├č“ (Hebr 7,23) 3.) Die levitischen Priester waren selbst schwache S├╝nder und brauchten Reinigung f├╝r ihre S├╝nden, indem sie Opfer f├╝r sich selbst darbrachten: „Er hat es nicht n├Âtig, wie jene Hohenpriester, t├Ąglich zuerst f├╝r die eignen S├╝nden Opfer darzubringen und dann f├╝r die des Volkes“ (Hebr 7,27).

2.4      Gottes Schwur und das bessere Priestertum

Das Gesetz mit seinem levitischen Priestertum konnte keine Vollendung bringen. Es war nicht in der Lage, den Menschen mit Gott zu vers├Âhnen. „Denn das Gesetz konnte nichts zu Vollendung bringen -, und eingef├╝hrt wird eine bessere Hoffnung, durch die wir uns zu Gott nahen. Und das geschah nicht ohne Eid. Denn jene sind ohne Eid Priester geworden, dieser aber durch den Eid dessen, der zu ihm spricht. (Hebr 7,18.19) Der Name Melchisedek begegnet uns im mosaischen Gesetz und in den Propheten nicht mehr. Nur noch einmal taucht der wundersame Priesterk├Ânig auf und zwar in den Psalmen: Der HERR hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: ┬╗Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks.“ (Ps 110,4). K├Ânig David war es, der den 110. Psalm aufschrieb und der Heilige Geist lie├č ihn einen Schwur Gottes aufschreiben, mit dem Gott ein kommendes Priestertum nach der Weise Melchisedeks ank├╝ndigte. Das levitische Priestertum, das nicht mit einem Schwur Gottes eingesetzt wurde, sollte durch eine bessere Ordnung abgel├Âst werden. Gott hat sich daf├╝r mit einem Schwur verb├╝rgt. Der kommende Messias, der auf dem Thron Davids sitzen und in Ewigkeit regieren wird (Jes 9,1ff), wird zugleich ein ewiger Priester sein nach der ewigen Priesterordnung des Melchisedek. Durch K├Ânig David, also 600 Jahre nach der Offenbarung des sinaitischen Gesetzes, lie├č Gott prophetisch ank├╝ndigen, dass der Messias ein besseres, weil ewiges Priestertum bringen w├╝rde.

2.5      Die Quadratur des Kreises

Ist es nicht gro├čartig? Gott gelingt hier gewisserma├čen die Quadratur des Kreises. Wie kann der Messias zugleich K├Ânig und Priester sein? Laut mosaischen Gesetz scheint dies zun├Ąchst ausgeschlossen. Die k├Ânigliche Linie aus dem Stamm Juda und die priesterliche Linie aus dem Stamm Levi laufen getrennt voneinander. Doch in den Psalmen k├╝ndigt der K├Ânig aus Juda an, dass sein Nachkomme, der K├Ânig aus dem Hause David, zugleich ein Priester nach der Ordnung Melchisedeks sein wird. Wie dieser wird auch der Christus ein Priesterk├Ânig sein, der Gerechtigkeit und Frieden bringen wird. Eine wunderbare g├Âttliche Quadratur des Kreises!

3          Christus und sein hohepriesterlicher Dienst für uns

Denn das Gesetz macht Menschen zu Hohenpriestern, die Schwachheit an sich haben; dies Wort des Eides aber, das erst nach dem Gesetz gesagt worden ist, setzt den Sohn ein, der ewig und vollkommen ist (Hebr 7,28). Gott setzt mit dem Schwur aus Psalm 110 seinen eigenen Sohn, der ÔÇ×ewig und vollkommenÔÇť ist, als ewigen Hoherpriester ein. Der Apostel schreibt: „So ist Jesus B├╝rge (Garant) eines viel besseren Bundes geworden“ (Hebr 7,22). Im Gegensatz zum alten Bund ist der neue Bund wirklich in der Lage, auf ewig mit Gott zu vers├Âhnen und damit die Grundlage f├╝r eine ewige Gemeinschaft mit Gott zu legen. Wir wollen uns nun in einem dritten Schritt den Priesterdienst unseres Herrn vor Augen f├╝hren.

3.1      Christus opfert sich für uns

Denn einen solchen Hohenpriester mu├čten wir auch haben, der heilig, unschuldig, unbefleckt, von den S├╝ndern geschieden und h├Âher ist als der Himmel. 27 Er hat es nicht n├Âtig, wie jene Hohenpriester, t├Ąglich zuerst f├╝r die eigenen S├╝nden Opfer darzubringen und dann f├╝r die des Volkes; denn das hat er ein f├╝r allemal getan, als er sich selbst opferte. (Hebr 7,26.27) Es bleibt gerade uns modernen Menschen ein unerkl├Ąrlicher f├╝r manche auch unertr├Ąglicher Gedanke, dass sich ein anderer f├╝r uns opfern muss. Und doch gibt es das auch in den Sternstunden der Menschheitsgeschichte der Menschen. Am 29. Juli 1941 traf der polnische Pater Maximilian Kolbe eine schwere Entscheidung. Im KZ Auschwitz sollte ein wahllos ausgesuchter H├Ąftling, Ehemann und Vater von zwei kleinen Kindern, zum Tode durch Verhungern im ber├╝chtigten Hungerbunker verurteilt werden. Maximilian Kolbe bat den Lagerkommandanten Karl Fritzsch, nicht den v├Âllig verzweifelten Familienvater in den Hungerbunker zu werfen, sondern ihn. Kolbe war 16 Tage sp├Ąter tot. Der polnische Familienvater ├╝berlebte Auschwitz und starb im 1995.

Der Mensch ist in einer noch aussichtsloseren Lage als der Familienvater in Auschwitz. Durch seinen Ungehorsam gegen├╝ber Gott und seine S├╝nde hat er sich selbst den ewigen Tod zugezogen, die Trennung von Gott auf ewig, das ist die H├Âlle, die auch der ÔÇ×zweite TodÔÇť genannt wird (1 Mose 2,17; R├Âm 6,23; Offb 20,14). Christus ist der heilige und reine Hohepriester Gottes, der stellvertretend f├╝r uns, das notwendige Todesopfer auf sich nimmt, um unsere Strafe zu erleiden. Er geht f├╝r uns in die H├Âlle des Kreuzestodes, damit wir die H├Âlle und den ewigen Tod nicht erleiden m├╝ssen. Gott hat den, „der von keiner S├╝nde wusste, f├╝r uns zur S├╝nde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit w├╝rden, die vor Gott gilt“ (2 Kor 5,21). Christus ist der K├Ânig der Gerechtigkeit ÔÇô er war ohne S├╝nde. Doch am Kreuz von Golgatha erlitt er die Strafe des S├╝nders. Er, der den Tod doch gar nicht h├Ątte erleiden m├╝ssen, weil er der ewige Sohn Gottes ist, ging freiwillig in den Tod. Kein levitischer Priester konnte solch ein Opfer bringen. Nur der ewige Priesterk├Ânig konnte es. Er tat es aus Liebe zu uns. Er nimmt unsere Ungerechtigkeit auf sich, wir erhalten durch den Glauben seine Gerechtigkeit. Welch wunderbarer Tausch. Der Priesterk├Ânig Christus macht uns durch seinen Priesterdienst gerecht und stellt die ewige Gemeinschaft mit Gott wieder her. Pater Maximilian Kolbe tat einen priesterlichen Dienst f├╝r den polnischen Familienvater, indem er stellvertretend f├╝r ihn den Tod auf sich nahm und so sein Leben um Jahrzehnte verl├Ąngerte. Christus hat als Hoherpriester stellvertretend f├╝r uns die H├Âllenstrafe des Kreuzestodes getragen, damit wir auf ewig leben d├╝rfen.

3.2┬á┬á┬á┬á┬á Christus ist Mittler unzerst├Ârbaren Lebens

Jesus Christus ist Hoherpriester „nach der Kraft unzerst├Ârbaren Lebens“ (Hebr 7,16) und ein Priester „in Ewigkeit“ (Hebr 7,17). W├Ąhrend die levitischen Priester starben, hat dieser „weil er ewig bleibt, ein unverg├Ąngliches Priestertum“ (Hebr 7,23.24). „Dadurch kann er auch f├╝r immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebtÔÇŽ“ (Hebr 7,25). Ja, Jesus Christus hat das Unvorstellbare getan. Er hat sich als Priester in den Tod gegeben. Doch der Tod hatte keine Macht ├╝ber diesen Priester, wie er ├╝ber alle anderen Priester Macht hatte; dieser Priester blieb nicht im Grab, sondern ist von den Toten auferstanden. Jeder, der durch ihn zu Gott kommt, den rettet er, so der griechische Text w├Ârtlich. Wenn es hei├čt „Dadurch kann er auch f├╝r immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebtÔÇŽ“, dann wollen wir festhalten, dass wir 1.) nur und allein durch ihn zu Gott kommen k├Ânnen. Es gibt keine andere Religion, keine anderen Propheten und kein anderes Priestertum, durch das wir zu Gott kommen k├Ânnen. 2.) wir m├╝ssen auch kommen! Sein priesterliches Werk wird uns nicht automatisch angerechnet, sondern wir m├╝ssen im Glauben zu diesem einen Priester kommen und die Gabe der Vergebung und des unzerst├Ârbaren Lebens aus seiner Hand empfangen, so wie Abraham die Gaben des Brotes und des Weines aus der Hand des Melchisedek nahm.

Wenn wir zu ihm im Glauben gekommen sind, dann sagt er uns: „F├╝rchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schl├╝ssel des Todes und der H├Âlle“ (Offb 1,17.18). Wenn wir diesen Hohenpriester haben, dann brauchen wir uns nicht mehr f├╝rchten vor dem Tod und vor der H├Âlle, denn er hat beides ├╝berwunden und besiegt und hat die Schl├╝ssel, also die Zugangsrechte zum Tod und zur H├Âlle. Er holt uns aus der Todes- und H├Âllenverfallenheit heraus und schenkt uns das ewige Leben. Wenn wir mit Christus verbunden sterben, dann wird er uns von den Toten auferwecken und zu sich holen in sein ewiges Reich des Friedens. Christus ist der Hohepriester, der uns das unzerst├Ârbare Leben aus Gott vermittelt.

3.3      Christus betet für uns

Und noch ein drittes wird uns genannt: „denn er lebt f├╝r immer und bittet f├╝r sie“ (Hebr 7,25). Maximilian Kolbe konnte in seinem Martyrium noch tr├Âsten und beten f├╝r die, die mit ihm in den Tod gehen sollten. Sicher wird er in priesterlicher F├╝rbitte f├╝r die eingestanden haben, die um ihn herum in Todesnot waren. Hier wird an einem Menschen sichtbar, was Christi priesterlicher Dienst f├╝r uns ist. Auch er betete noch mitten in Schmerz und Leid als er am Kreuz ausrief: ÔÇ×Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tunÔÇť. Er betete f├╝r seine Feinde und er betete und betet f├╝r seine Freunde. Jesus k├╝ndigte Petrus an, dass der Satan die J├╝nger sieben wird wie den Weizen, doch er sagt ihm auch etwas zu: „Ich aber habe f├╝r dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufh├Âre“ (Lk 22,32). Christus h├Ąlt F├╝rbitte f├╝r seine J├╝nger, damit ihr Glaube nicht aufh├Âre.

Vor einigen Tagen habe ich ├╝ber die Internetseite der Organisation Christian Solidarity International ein vorbereitetes Petitionsschreiben an den iranischen Pr├Ąsidenten Ahmanedischad gesandt und darum gebeten, dass Pastor Behnam Irani, aus dem Gef├Ąngnis freikommt. Er war Muslim und ist Christ geworden und ist auf Grund seines Glaubens unter schrecklichen Umst├Ąnden eingesperrt. Wir alle haben hier eine priesterliche Aufgabe, f├╝r unsere verfolgten Br├╝der und Schwestern im Gebet einzutreten. Doch wie schwach ist doch unser F├╝rbittedienst und wie froh d├╝rfen wir sein, dass Pastor Irani und mit ihm wir alle einen Priester haben, der f├╝r uns F├╝rbitte tut. Und wenn wir uns fragen und vielleicht zweifeln, ob unsere schwachen Gebete erh├Ârt werden, die wir f├╝r andere beten, so d├╝rfen wir uns zwar auf Gottes Verhei├čungen berufen, aber ebenso gewiss sein, dass die Gebete dieses ewigen Hohenpriesters, des Sohnes Gottes erh├Ârt werden.

Wie wird es sein, wenn wir einmal in schwere physische oder psychische Not, vielleicht in Verfolgungsnot kommen, oder alt und dement sind und die Kraft zum Beten nicht mehr finden, der Glaube zu zerbrechen droht. Wir d├╝rfen dann wissen: Jesus betet zum Vater. Im hohepriesterlichen Gebet betet Jesus: „Ich bitte f├╝r sie und bitte nicht f├╝r die Welt, sondern f├╝r die, die du mir gegeben hast; denn sie sind dein“ (Joh 17,9). Wir wollen dem Herrn danken, dass er f├╝r uns betet, wollen uns aber selbst von ihm anstecken lassen und vermehrt den priesterlichen F├╝rbittedienst f├╝r andere, besonders die, die in Not sind, ├╝bernehmen.

 3.4      Christus segnet uns

Zusammenfassend wird der priesterliche Dienst Christi in den Gesten des geheimnisvollen Priesterk├Ânigs Melchisedek zum Ausdruck gebracht. Melchisedek brachte Abraham Brot und Wein und er segnete Abraham im Namen des Gottes des H├Âchsten. Wenn wir zum Priesterk├Ânig Christus kommen, dann reicht er uns in Brot und Wein seinen Leib und sein Blut, sein Leben f├╝r uns gegeben, damit wir aus der Sklaverei der S├╝nde und der ├ťbermacht des Todes erl├Âst werden k├Ânnen und das unzerst├Ârbare Leben durch seine ewige Priesterschaft vermittelt bekommen. Durch ihn und seinen priesterlichen Dienst werden wir „gesegnet mit allem geistlichen Segen im Himmel“ (Eph 1,3). Wir wollen diesen Segen dankbar aus seiner Hand empfangen und selbst im priesterlichen Dienst diesen Segen anderen weitervermitteln.

Prediger Johann Hesse

Predigt vom 2. Juni 2013 in der Gesch├Ąftsstelle des Gemeindehilfsbundes (Abendmahlsgottesdienste finden dort regelm├Ą├čig jeweils am ersten Sonntag im Monat um 17.00 Uhr statt).

 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 8. Juni 2013 um 6:00 und abgelegt unter Predigten / Andachten.