Gemeindenetzwerk

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Interview von FreieWelt.net mit Maria Steuer

Donnerstag 23. August 2012 von Die Freie Welt


Die Freie Welt

Vor sieben Jahren hat die KinderĂ€rztin und Familientherapeutin Maria Steuer, selbst Mutter von 3 Kindern, das Familiennetzwerk gegrĂŒndet, eine Lobbyorganisation fĂŒr die BedĂŒrfnisse von Kleinkindern. Im Interview mit FreieWelt.net zeigt Steuer, wie wichtig eine enge Elternbindung fĂŒr Kinder vor allem in den ersten Jahren ist und fordert ein Betreuungsgeld in Höhe der derzeitigen Krippensubvention.

FreieWelt.net: Frau Steuer, Sie engagieren sich seit vielen Jahren fĂŒr eine bessere Anerkennung elterlicher Erziehungsarbeit und sind eine ausgewiesene Expertin auf diesem Gebiet. Welche Rolle spielt Ihrer Ansicht nach das Betreuungsgeld in der familienpolitischen Gesamtstrategie der Bundesrepublik?

Maria Steuer: Das Betreuungsgeld spielt eigentlich keine Rolle, denn es wird ja mit den ĂŒbelsten Unwörtern belegt. Offensichtlich kommt kaum ein Politiker seiner ureigensten Aufgabe nach, nĂ€mlich sich zu informieren, was es bedeutet, wenn wir die BedĂŒrfnisse von Kleinstkindern politischen und wirtschaftlichen Interessen opfern und sie mit einer „Kitapflicht“ tĂ€glich mindestens acht Stunden liebestechnisch unterversorgen.

FreieWelt.net: In der Tat stĂ¶ĂŸt das Betreuungsgeldprojekt auf sehr viel Gegenwind. Bei kaum einem anderen Thema wird derzeit derart hitzig gestritten. Insbesondere wird von den Gegnern immer wieder betont, daß Kinder von frĂŒhkindlicher Bildung ferngehalten wĂŒrden, wenn Sie daheim bei den Eltern und nicht in einer Kinderkrippe betreut wĂŒrden. Was halten Sie von diesem Einwand?

Maria Steuer: Die frĂŒhkindliche Bildung besteht daraus, Liebe, NĂ€he, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit von Mama und Papa zu erfahren. Dieses ist in Einrichtungen nicht möglich. Gerne wird ĂŒbersehen, daß die Wissenschaft belegt, daß sich selbst Kinder aus bildungsfernen Familien in der Einrichtung verschlechtern. Um diesen Kindern einen besseren Start zu ermöglichen, sollten wir die 1.500€ Subvention in die Hand nehmen und eine individuelle FamilienunterstĂŒtzung, einschl. evtl. nötiger therapeutischer Begleitung organisieren. Überhaupt ist es doch einen Gedanken wert, daß es mit der pro-Kind-Subvention des Staates möglich wĂ€re, jedem Kind sein privates KindermĂ€dchen zu bezahlen, was in Muttererreichbarkeit das Kind betreuen könnte: das wĂ€re QualitĂ€t!!!

FreieWelt.net: Welchen Belastungen sind Kinder unter drei Jahren in außerfamiliĂ€rer Betreuung ausgesetzt?

Maria Steuer: Sie erleben tĂ€glich ein Liebesleck, was nie wieder im Leben zu stopfen ist. Äußerlich funktionieren sie als Kinder, wie auch als Erwachsene – die SpĂ€tfolgen zu diskutieren ist zur Zeit noch tabu. Und: sie erleben den Verlust ihrer Selbstwirksamkeit. Wenn ein Kind mehrmals am Tag versucht, in irgendeiner Form seiner Betreuerin klar zu machen, daß es zu seiner Mama will, diese das Kind aber nicht versteht (es kann ja noch nicht reden) und auch dem Wunsch nicht nachkommen kann (die Mutter ist weit weg) und dies fĂŒnf Tage die Woche erlebt, entsteht das GefĂŒhl, ich kann machen was ich will, es Ă€ndert sich nichts. Ich habe keinen Einfluß, Dinge zu verĂ€ndern. Das wird dann zum LebensgefĂŒhl!

FreieWelt.net: Aber damit Eltern sich frei dafĂŒr entscheiden können, ihre Kinder selbst betreuen zu können, d.h. auf einen Teil des Erwerbseinkommens lĂ€ngerfristig zu verzichten, sind 150 € im Monat doch viel zu wenig – oder?

Maria Steuer: Auf jeden Fall, da braucht man nur einen Finger um sich das abzuzÀhlen!

FreieWelt.net: Wird die EinfĂŒhrung des Betreuungsgeldes einen familienpolitisch relevanten Effekt haben?

Maria Steuer: Nein, nur, wenn die Diskussion weiter geht, das Betreuungsgeld in gleicher Höhe wie die Krippensubventionierung bezahlt wird. Oder umgekehrt: Familien in dieser Gesellschaft wieder den Wert bekommen, der ihnen zusteht.

FreieWelt.net: Welche familienpolitischen Baustellen sollten Ihrer Meinung nach als nÀchstes angegangen werden?

Maria Steuer: FamilienernĂ€hrer/innen mĂŒssen einen KĂŒndigungsschutz ab dem 2. Kind bekommen, Ganztagsangebote dĂŒrfen nur freiwillig sein, die Rentenanerkennung fĂŒr Kinderzeiten wie in der Schweiz gerechnet werden und in der Zeit der „Kinderaufzucht“ sollten Familien finanziell in die Lage versetzt werden, mit einer Familiengesamtarbeitszeit von 40 Stunden ausreichendes Einkommen zu haben.

Vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch!

Redaktion FreieWelt.net, 14.06.2012

Zum Familiennetzwerk siehe www.familie-ist-zukunft.de

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 23. August 2012 um 13:10 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Gesellschaft / Politik, Interview.