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Aus den Pensée (zum 350. Todestag am 19.8.2012)

Sonntag 19. August 2012 von Blaise Pascal (1623-1662)


Blaise Pascal (1623-1662)

Pensée Nr. 47

Wir halten uns nie an die Gegenwart. Wir rufen uns die Vergangenheit zurĂŒck; wir greifen der Zukunft vor, als kĂ€me sie zu langsam und als wollten wir ihr Eintreten beschleunigen, oder wir rufen uns die Vergangenheit zurĂŒck, als wollten wir sie festhalten, da sie zu schnell vorĂŒbereilte, wir sind so unklug, dass wir in Zeiten umherirren, die nicht die unsrigen sind, und nicht an die einzige denken, die uns gehört, und wir sind so eitel, dass wir an jene denken, die nichts sind, und uns unĂŒberlegt der einzigen entziehen, die weiterbesteht. Das kommt daher, weil die Gegenwart uns meistens weh tut. Wir verbergen sie unserem Blick, weil sie uns betrĂŒbt, und wenn sie uns angenehm ist, bedauern wir, sie entschwinden zu sehen. Wir bemĂŒhen uns, sie durch die Zukunft abzusichern, und meinen die Dinge zu ordnen, die nicht in unserer Macht stehen, und das fĂŒr eine Zeit, die zu erreichen fĂŒr uns ganz ungewiss ist.

Jeder prĂŒfe seine Gedanken. Er wird finden, dass sie ganz mit der Vergangenheit oder der Zukunft beschĂ€ftigt sind. Wir denken fast ĂŒberhaupt nicht an die Gegenwart, und wenn wir an sie denken, so nur, um aus ihr die Einsicht zu gewinnen, mit der wir ĂŒber die Zukunft verfĂŒgen wollen. Die Gegenwart ist niemals unser Ziel.

Die Vergangenheit und die Gegenwart sind unsere Mittel; allein die Zukunft ist unser Ziel. Deshalb leben wir nie, sondern hoffen auf das Leben, und da wir uns stĂ€ndig bereit halten, glĂŒcklich zu werden, ist es unausbleiblich, dass wir es niemals sind.

Pensée Nr. 133

Zerstreuung. Da die Menschen nicht Tod, Elend und Unwissenheit heilen konnten, sind sie, um sich glĂŒcklich zu machen, auf den Einfall gekommen, nicht daran zu denken.

Pensée Nr. 151

Wir sind lĂ€cherlich, dass wir Ruhe in der Gesellschaft unserer Mitmenschen finden, die elend und ohnmĂ€chtig sind wie wir; sie werden uns nicht helfen: man wird alleine sterben. Man muss also handeln, als wĂ€re man allein. und wĂŒrde man dann prunkvolle HĂ€user bauen usw.? Man wĂŒrde ohne Zögern die Wahrheit suchen. Und wenn man das ablehnt, so beweist man, dass man die WertschĂ€tzung der Menschen höher achtet als die Suche nach Wahrheit.

Pensée Nr. 160

Es gibt drei Arten von Menschen: Die einen dienen Gott, da sie ihn gefunden haben, die anderen bemĂŒhen sich, ihn zu suchen, da sie ihn nicht gefunden haben, und die dritten leben dahin, ohne ihn zu suchen und ohne ihn gefunden zu haben. Die ersten sind vernĂŒnftig und glĂŒcklich, die letzten sind töricht und unglĂŒcklich. Die mittleren sind unglĂŒcklich und vernĂŒnftig.

Pensée Nr. 166

Wir eilen sorglos dem Abgrund entgegen, nachdem wir etwas vor uns aufgerichtet haben, um uns davon abzuhalten, ihn zu sehen.

Pensée Nr. 188

Der letzte Schritt der Vernunft ist anzuerkennen, dass es unendlich viel Dinge gibt, die ĂŒber sie hinausgehen. Sie ist nur schwach, wenn sie nicht so weit geht, das anzuerkennen. Wenn die natĂŒrlichen Dinge schon ĂŒber sie hinausgehen, was wird man dann von den ĂŒbernatĂŒrlichen sagen?

Pensée Nr. 200

Mensch – Der Mensch ist nur ein Schilfrohr, das schwĂ€chste der Natur, aber er ist ein denkendes Schilfrohr. Das ganze Weltall braucht sich nicht zu waffnen, um ihn zu zermalmen, ein Dampf, ein Wassertropfen genĂŒgen, um ihn zu töten. Doch wenn das Weltall ihn zermalmte, so wĂ€re der Mensch nur noch viel edler als das, was ihn tötet, denn er weiß ja, dass er stirbt und welche Überlegenheit ihm gegenĂŒber das Weltall hat. Das Weltall weiß davon nichts. Unsere ganze WĂŒrde besteht also im Denken. Daran mĂŒssen wir uns wieder aufrichten und nicht an Raum und Zeit, die wir nicht ausfĂŒllen können. BemĂŒhen wir uns also, gut zu denken: das ist die Grundlage der Moral.

Pensée Nr. 401

Wir sehnen uns nach der Wahrheit und finden in uns nur Ungewissheit. Wir streben nach dem GlĂŒck und finden nur Elend und Tod. Wir sind unfĂ€hig, uns nicht nach Wahrheit und GlĂŒck zu sehnen, und wir sind der Gewissheit wie des GlĂŒcks unfĂ€hig. Dieses Verlangen ist uns erhalten geblieben, um uns zu bestrafen, und auch, um uns empfinden zu lassen, von welchem Ort wir herabgesunken sind.

Pensée Nr. 407

Die Stoiker sagen: Haltet Einkehr in euch selbst, dort werdet ihr eure Ruhe finden. Und das ist nicht wahr. Die anderen sagen: Geht nach außen und sucht das GlĂŒck in einer Zerstreuung. Und das ist nicht wahr: Die Krankheiten kommen. Das GlĂŒck ist weder außerhalb von uns noch in uns; es ist in Gott und sowohl außerhalb von uns als auch in uns.

Pensée Nr. 424

Das Herz und nicht die Vernunft nimmt Gott wahr. Das heißt glauben. Gott ist dem Herzen und nicht der Vernunft wahrnehmbar.

Pensée Nr. 562

Es gibt nur zwei Arten von Menschen; die einen sind Gerechte, die sich fĂŒr SĂŒnder halten, die anderen sind SĂŒnder, die sich fĂŒr Gerechte halten.

Pensée Nr. 621

Innerer Krieg im Menschen zwischen der Vernunft und den Leidenschaften. Wenn es nur die Vernunft ohne Leidenschaften gĂ€be. Wenn es nur die Leidenschaften ohne Vernunft gĂ€be. Doch da er beides hat, kann er nicht ohne Krieg sein und kann nur mit dem einen Frieden haben, wenn er Krieg mit dem anderen fĂŒhrt. Darum ist er auch immer zerissen und mit sich selbst im Widerspruch.

Pensée Nr. 622

Langeweile. Nichts ist dem Menschen so unertrĂ€glich, als wenn er sich in vollkommener Ruhe befindet, ohne Leidenschaften, ohne BeschĂ€ftigungen, ohne Zerstreuungen, ohne Betriebsamkeit. Dann fĂŒhlt er seine Nichtigkeit, seine Verlassenheit, seine UnzulĂ€nglichkeit, seine AbhĂ€ngigkeit, seine Ohnmacht, seine Leere. Sogleich werden vom Grunde seiner Seele die Langeweile, der TrĂŒbsinn, die Traurigkeit, der Kummer, der Verdruss und die Verzweiflung aufsteigen.

Pensée Nr. 632

Das Empfindungsvermögen des Menschen fĂŒr die kleinen Dinge und die Unempfindlichkeit fĂŒr die grĂ¶ĂŸten Dinge, ein Zeichen fĂŒr eine sonderbare Umkehrung.

Pensée Nr. 678

Der Mensch ist weder Engel noch Tier, und das UnglĂŒck will, dass derjenige, der ihn zum Engel machen will, ihn zum Tier macht.

Pensée Nr. 724

Was die Tugend eines Menschen vermag, soll man nicht an seinen außergewöhnlichen Anstrengungen, sondern an seinem gewöhnlichen Leben messen.

Pensée Nr. 739

Die Wahrheit ist in der heutigen Zeit so verdunkelt und die LĂŒge so eingebĂŒrgert, dass, wenn man die Wahrheit nicht liebt, man sie nicht erkennen kann.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 19. August 2012 um 12:48 und abgelegt unter Buchempfehlungen, Seelsorge / Lebenshilfe.