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Ehe und Familie im EKD-Raum

Donnerstag 15. MĂ€rz 2012 von Prof. Dr. Dr. Horst W. Beck (1933-2014)


Prof. Dr. Dr. Horst W. Beck (1933-2014)

Ehe und Familie in EKD-Raum

Da Pfarrer a. D. Dr. mult. h.c. Joachim Gauck bald zum BundesprĂ€sidenten in Deutschland gewĂ€hlt werden soll, ist um sein praktiziertes Lebensmodell seit seiner ersten Kandidatur vor knapp zwei Jahren eine emotional vielschichtige Diskussion entbrannt. Fakten und Umfrageergebnisse sind bekannt und stehen hier nicht zur Diskussion. Just im November 2010 hat die EKD in einem neuen Pfarrdienstgesetz unter „Ehe und Familie“ (§ 39) formuliert: „Pfarrerinnen und Pfarrer sind auch in ihrer LebensfĂŒhrung im familiĂ€ren Zusammenleben und in ihrer Ehe an die Verpflichtungen aus der Ordination (§ 3 Absatz 2) gebunden. HierfĂŒr sind Verbindlichkeit, VerlĂ€sslichkeit und gegenseitige Verantwortung maßgebend.“ Im Grundgesetz steht „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.“

FĂŒr die Verfasser des GG wie bis heute fĂŒr die meisten normalen Menschen sind „Ehe“ und „Familie“ noch klare Begriffe. Im EKD-Pfarrdienstgesetz wird die Rangfolge vertauscht: der nebulöse Begriff familiĂ€res Zusammenleben steht vor Ehe und muß durch vage Verhaltenskriterien umschrieben werden. „Ehe“ im GG und in der Umgangssprache ist als Institut ethische Norm und „Familie“ stand fĂŒr Kinder. Evangelische AmtstrĂ€ger sind durch Ordination an Schrift und Bekenntnis gebunden. Durch diesen Normrang sind nochmals fĂŒr Ehe und Familie keine auflösenden Schwindelbegriffe möglich.

In der BegrĂŒndung des EKD-Gesetzes heißt es ausdrĂŒcklich: „Der Begriff ‚familiĂ€res Zusammenleben‘ ist hingegen bewusst weit gewĂ€hlt. Er umfasst nicht nur das generationsĂŒbergreifende Zusammenleben, sondern jede Form des rechtsverbindlich geordneten Zusammenlebens von mindestens zwei Menschen.“ Richtig gelesen: Es könnten auch zwei Menschen + x sein. FĂŒr Pfarrer und Pfarrerinnen sind damit nach Personenzahlen (mindestens zwei!) und sexuellen Verhaltensdispositionen unbegrenzte Lebensmodelle bis in die Pfarrwohnungen denkbar. Der auf Kinder gerichtete Begriff Familie ist ausgemerzt. Etablierte Verhaltensstrategien im Antidiskriminierungsschutz machen hergebrachte Bewertungsbegriffe wie Ehebruch, wilde Ehe; Bigamie bezugslos. Der so bewußt weit und vage gewĂ€hlte Begriff familiĂ€res Zusammenleben verlockt fast zu Planspielen [min 2 +.wĂ€chst exponentiell].

Das anspruchsvolle Lebensmodell „Pfarrer a.D. Joachim Gauck“ unterschreitet gewiß nicht den ethischen Standard Verbindlichkeit, VerlĂ€sslichkeit und gegenseitige Verantwortung. Es ist mit nicht geschiedener PrimĂ€rehe mit 8 Kindern und Schwiegerkindern und vorlĂ€ufig 9 Enkeln und neuer verlĂ€sslicher Partnerschaft des Vaters und Großvaters voll im EKD – Plansoll passend. Falls die SekundĂ€r-Partnerschaft vor dem Einzug ins Schloss Bellevue doch einer rechtlichen Sanktionierung aus politischem Opportunismus bedarf, ist mutmaßlich das niederlĂ€ndische Partnerschaftsrecht offen. Ist das zeitliche Zusammentreffen zufĂ€llig? Lex Gauck? Das Pfarrdienstrecht hat fĂŒr den Zielkreis Pfarrer und Pfarrerinnen fĂŒr Ehe und Familie die Norm Schrift und Bekenntnis provokativ bis zur indirekten Kritik des GG ausgelegt. Jeder EKD-Christ soll in aller Freiheit sein familiĂ€res GefĂŒge jenseits aller repressiven Moral etablieren und leben. Von Kiel ĂŒber Berlin bis Berchtesgaden: Schöne neue Deutschlandswelt! Land der Reformation!          

Prof. em. Horst W. Beck
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors
                 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 15. MĂ€rz 2012 um 11:28 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Gesellschaft / Politik.