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Angriff auf „verhütungskritische“ Apotheke in Berlin

Angriff auf „verhütungskritische“ Apotheke in Berlin

In der Nacht vom 7. auf den 8. März, dem Weltfrauentag, haben Unbekannte in einer Apotheke in Berlin-Neukölln die Schaufensterscheiben eingeschlagen und Parolen an die Hauswand geschmiert. Gemäß einer Art Bekennerschreiben auf der Internetseite Indymedia bezeichneten die mutmaßlichen Täterinnen diese Sachbeschädigung als „Beitrag zum Internationalen Frauenkampftag“, bei dem sie die Apotheke „umgestaltet“ hätten.

In dem Internet-Eintrag, der nicht mehr öffentlich zugänglich ist, heißt es weiter, die Apotheke vertrete „ein verschärftes Bild einer patriarchalen Gesellschaft“ und appelliere an ein „Bewusstwerden von Frauen in der von ihnen gesellschaftlich erwarteten Rolle“. Diese „Bevormundung von Menschen aufgrund ihres ansozialisierten Geschlechts“ sei zu verurteilen.

Schon im letzten Jahr war das Geschäft Ziel eines solchen Angriffs gewesen. Im Gegensatz zu anderen Apotheken sind hier die „Pille danach“ und die Spirale nicht erhältlich, weil der Inhaber es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, Mittel zu verkaufen, die Frühabtreibungen verursachen. Bei allen anderen Verhütungsmitteln, die bei ihm gekauft werden können, legt er einen zusätzlichen Beipackzettel bei, den er auch im Schaufenster deponiert hat. Da er eine umfassende Aufklärung über alle Wirkungen der Verhütungsmittel für redlich und notwendig halte, gebe er seiner Kundschaft auch diejenigen Informationen, die im normalen Beipackzettel nicht enthalten sind.

Wörtlich heißt es darin: „Liebe Dame, lieber Herr! Ich möchte Sie / Euch informieren, dass es beim Einsatz von Kontrazeptiva – trotz der meist beabsichtigten Verhinderung des Eisprunges – in einigen Fällen zu einer Befruchtung mit anschließender Verhinderung der Einnistung in die Gebärmutter kommt. Das unveräußerliche Lebensrecht jedes Menschen von der Empfängnis an ist ein Grundprinzip der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Gesetzgebung. Wenn sich die Staatsmacht nicht in den Dienst der Rechte aller – und besonders der Schwächsten, zu denen die Ungeborenen gehören – stellt, werden die Grundmauern des Rechtsstaates untergraben.“

Es folgt die Bitte, sich dafür zu engagieren, dass nur solche Präparate entwickelt und zur Anwendung kommen dürfen, die diesem Grundprinzip entsprechen. Weiterhin wird auf die Alternative zur Natürlichen Empfängnisregelung verwiesen, zu der er eine Beratung anbiete. Zudem wird der verantwortungsvolle Umgang mit Verhütungsmitteln in den Vordergrund gestellt, verbunden mit dem Appell, sich für eine grundsätzliche Offenheit und Bereitschaft im Hinblick auf Kinder einzusetzen, die eine Lebensbereicherung darstellten.

Dieser, von den Sachbeschädigern als „fundamental religiös“ bezeichnete Text und die Entscheidung, bestimmte Produkte nicht anzubieten, sorgen dafür, dass der Apotheker von extremistisch-feministischer Seite mit Hass und Gewalt verfolgt wird. Im Internet findet sich auf den Seiten, auf denen Apotheken beurteilt werden, eine erste Aufforderung, dort nichts mehr zu kaufen. Nach Aussage des Apothekers zeigen seine Kunden sich sehr solidarisch. „Auch wenn sie anderer Meinung sind, sagen sie alle, dass wir uns nicht einschüchtern lassen sollen.“ Bisher habe auch keiner seiner Kunden negativ oder aggressiv reagiert, wenn er den zusätzlichen Beipackzettel bekommen habe.

Die aggressive Reaktion der Feministinnen ist symptomatisch für das Verhalten in bestimmten Gruppierungen, die sich durchweg im radikal linken und feministischen Schwulen-Lesben- und Gender-Spektrum bewegen. Aufrufe zu Gewalt und Sachbeschädigung sind in den entsprechenden Foren mittlerweile üblich und richten sich gegen alles, was aus ihrer Sicht in irgendeiner Weise in Richtung „Rechtsextremismus, Faschismus, Kirche, Konservatismus, Homophobie“ geht.

Dabei sind sie relativ unbelastet in Bezug auf Fachwissen oder ernsthafte Beschäftigung mit den Fakten – praktisch handelt es sich um eine Art schnell zu mobilisierenden Mob. Diffamierung, Boykottaufrufe und Schmierereien, Einschlagen von Schaufensterscheiben rufen Erinnerungen wach und zeigen, wie es bei denjenigen, die immer am lautesten nach Toleranz rufen, um ihre eigene Toleranz gegenüber Andersdenkenden bestellt ist.

Alexandra Maria Linder, Rom, 16. März 2011 (www.zenit.org [1])