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Wie können wir dem Druck der Anpassung widerstehen?

Wie können wir dem Druck der Anpassung widerstehen?

1 Warum passen wir uns an?

1.1 Eine Frage der Liebe

Als Christen sind wir hineingenommen in die Liebesbeziehung zum himmlischen Vater durch Christus Jesus. Wir stehen unter dem größten und höchsten Gebot, das dem Menschen überhaupt gegeben ist: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot“ (Mt 22,37; 5Mose 6,5). Wir sollen und wir wollen auch ganz in dieser höchsten Liebe leben. Wer liebt, der will dem gefallen, den er liebt. Die Liebe zu Gott findet im Tun und Bewahren der Gebote seinen sichtbaren Ausdruck: „Und das ist die Liebe, dass wir leben nach seinen Geboten“ (2Joh 6). Wenn wir uns jedoch an das Wesen und Leben der Welt anpassen, geraten wir in einen Liebeskonflikt. Lebe ich nach den Maßstäben der Welt, drücke ich damit aus, dass meine Liebe zum himmlischen Vater nicht mehr die anfängliche Tiefe hat und offenbare zugleich eine wachsende Liebe zur Welt. So kann Johannes denn auch warnend schreiben: „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters“ (1Joh 2,15). Was war mit Demas passiert? Paulus schrieb an Timotheus: „Denn Demas hat mich verlassen und dieses „Weltzeitalter“ liebgewonnen“ (2Tim 4,10). Unser Verhalten richtet sich nun nicht mehr am Willen des Vaters aus, wie es Johannes ja betont, sondern am Willen der Welt.

1.2 Eine Frage der Haltung zum Wort Gottes

„Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, daß wir in ihm sind“ (1Joh 2,5). Die Liebe zu Gott, die Erkenntnis Gottes und die Kenntnis der Worte Gottes gehören zusammen. Die Kenntnis des Wortes und die Beugung unter die Autorität des Wortes Gottes ist entscheidend, damit ich Gott erkennen und lieben kann. Anpassungsprozesse nehmen ihren Anfang dann, wenn das Wort Gottes nicht mehr geliebt, nicht mehr erkannt, nicht mehr erforscht und studiert wird, nicht mehr als übergeordnete Autorität anerkannt und akzeptiert wird. Unter König Manasse von Juda kommt es zu gewaltigen Anpassungsentwicklungen an die Götzenkulte der Heiden. In dieser Zeit musste es zu einer völligen Unkenntnis des Wortes Gottes gekommen sein, denn unter Josia, dem Enkel Manasses wird die Heilige Schrift im Tempel wiederentdeckt. Josia tut Buße und kehrt mit dem ganzen Volk wieder zurück zu Gott. Unkenntnis der Schrift führt zur Anpassung an die Welt, Schriftkenntnis führt zur Umkehr aus der Anpassungsbewegung hin zu Gott. Deshalb ist es vordringlich, dass wir an der Schrift bleiben: „Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hat und was dir anvertraut ist, du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus“ (2Tim 3,14.15). Hier liegt ein entscheidender Grund für das angepasste Verhalten vieler Christen: Mangelnde Kenntnis, Liebe und Treue zum Wort. So geht z. B. die wachsende Akzeptanz homosexueller Lebensweise in kirchlichen Kreisen einher mit der abnehmenden Bereitschaft, sich unter die Autorität des Wortes Gottes zu beugen und der zunehmenden Skrupellosigkeit, dieses Wort zu verdrehen und zu entkräften.

1.3 Ein Problem des Herzens

Anpassung ist weiterhin ein Problem des Herzens. Auch das Herz des Christen ist in seiner Tiefe immer noch ein sündiges Herz, muss zum Kreuz kommen und täglich in der Buße leben. Wenn ich Rechtfertigung so verstehe, dass ich damit kein sündhaftes Herz mehr habe, dann stehe ich in der Gefahr meine eigenen Gedanken, mein Wünschen und Wollen für gut zu halten. Paulus war sich sehr bewusst, dass er in der Tiefe seines Herzens noch ein Sünder war: „Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt“ (Rö 7,19.20). Unterschätzen wir unsere eigene Sünde und Verdorbenheit, halten wir die eigenen sündigen und weltlichen Neigungen für richtig und gut. Es ist immer wieder erstaunlich, dass auch erweckte Christen nichts von der totalen Verdorbenheit des eigenen Herzens zu wissen scheinen.

1.4 Die verführerische Macht Satans

Nicht ohne Grund bezeichnet Jesus den Widersacher als „Fürsten dieser Welt“. Als gewaltiger Machthaber und Herr über Dämonen und Finsternismächte ist dieser Gegner nicht zu unterschätzen (Eph 6,12). Seiner verführerischen Intelligenz kann kein Mensch widerstehen (Offb 13,14). Es gelingt ihm auf geschickte und intelligente Weise auch die frommsten Worte so zu verdrehen, dass wir in die Sünde einwilligen und uns bereitwillig seinem Denken unterwerfen. So geschieht es bereits im Paradies und so geschieht es bis heute: „Satan verstellt sich als Engel des Lichts“ (2Kor 11,14). Es gelingt ihm auf schreckliche Weise „Böses als gut und Gutes als böse“ hinzustellen (Jes 5,20). Dietrich Bonhoeffer hat einmal geschrieben: „Wer hält stand? …Nach zehn Jahren … Die große Maskerade des Bösen hat alle ethischen Begriffe durcheinander gewirbelt. Dass das Böse in der Gestalt des Lichts, der Wohltat, des geschichtlich Notwendigen, des sozial Gerechten erscheint, ist für den aus unserer tradierten ethischen Begriffswelt Kommenden schlechthin verwirrend, für den Christen, der aus der Bibel lebt, ist es gerade die Bestätigung der abgründigen Bosheit des Bösen“ (Widerstand und Ergebung, 1943). Satan gelingt es, alles durcheinanderzuwirbeln: Mission wird negativ bewertet. Homosexuelle Praxis wird dagegen positiv bewertet. Unser Denken passt sich an, weil wir uns blenden lassen und der verführerischen Macht Satans erliegen.

1.5 Die Macht der Mehrheit

„Wenn eine Seite nun besonders hervortritt, sich der Menge bemächtigt und in dem Grade triumphiert, dass die entgegengesetzte sich in die Ecke zurückziehen und für den Augenblick im Stillen verbergen muss, so nennt man jenes Übergewicht den Zeitgeist, der dann auch eine Zeitlang sein Wesen treibt.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Die Mehrheit übt einen gewaltigen Anpassungsdruck auf die Minderheit aus. Einmal, weil sie die Minderheit ausgrenzt und auch weil wir – im vorauseilenden Gehorsam – uns dem Druck der Mehrheit anpassen. Schon das alte Israel schielte auf die Königreiche, die es umgab: „So setze nun einen König über uns, der uns richte, wie ihn alle Heiden haben“ (1Sam 8,5). „Wir wollen sein wie die Heiden, wie die Völker in den anderen Ländern, und Holz und Stein anbeten“ (Hesekiel 20,32). Jesaja schreibt: „Wir gingen alle in die Irre, wie die Schafe“ (Jes 53,6). Wir richten uns in unserem Denken gerne nach der Mehrheit, weil wir nicht auffallen wollen, weil wir nicht anstößig sein wollen, weil wir dazugehören wollen. Wir alle haben eine große Sehnsucht in uns nach Einheit und Harmonie. Wir wollen keine Störenfriede sein. Wie schwer muss es gewesen sein, den Arm nicht zu heben, wenn alle den deutschen Gruß entrichteten! Wie schwer muss es gewesen sein, sich nicht niederzuwerfen vor dem goldenen Standbild, als alle sich niederwarfen. Wie schwer wird es einmal werden, sich nicht nach der Mehrheit zu richten, wenn die Menschheit dem Antichristen verfällt und sich dem Tier und seinem Zeichen verschreibt (Offb 13,7.14). Wer wird dann die Kraft haben, zu widerstehen?

1.6 Die Furcht vor den Mächtigen

Immer wieder haben sich Menschen vor der Macht der Mächtigen gefürchtet und sich ihrem Denken und Handeln angepasst. Vom Hohepriester Uria heißt es lapidar: „Der Priester Uria tat alles, was ihm der König Ahas geboten hatte“ (2Kön 16,16). Er richtet sich nicht nach dem Gesetz, worauf er eigentlich verpflichtet ist, sondern er richtet sich nach dem Willen der Mächtigen. Immer wieder treten in Israel die falschen Propheten auf, die den Mächtigen und dem Volk nach dem Mund reden. Vierhundert Propheten sagen zu Ahab und Joschafat: „Zieh hinauf! Der Herr wird in die Hand des Königs geben“ (1Kön 22,7). Joschafat kennt diese völlig korrupte, angepasste und willfährige Prophetenschar und fragt nach einem Propheten des Herrn. Nur Micha, der Sohn Jimlas, kommt in Frage, doch den möchte Ahab nicht. Warum nicht? „Ich bin ihm gram, denn er weissagt mir nichts Gutes, sondern nur Böses“ (1Kön 22,8). Hier redet einer den Mächtigen nicht nach dem Munde, sondern er widerspricht, weil er Gottes Wort verkündigt. Leider gibt es diese willfährige Schar der „falschen Propheten“ auch heute noch. Theologen und Pastoren verdrehen lieber das Wort und den heiligen Willen Gottes, weil sie die Macht der Medien, die Macht einflussreicher Lobbygruppen und die Macht der Politik mehr fürchten als Gott. Bitten wir Gott, dass er unserem Land und unseren Kirchen Männer und Frauen schenkt, die gebunden an Gottes Wort, mutig die oft unbequeme Wahrheit in Liebe sagen.

1.7 Die Angst vor Diskriminierung und Verfolgung

Immer wieder wurden und werden die Kinder Gottes diskriminiert, gehasst und verfolgt. Es ist ohne Frage so, dass auf diese Weise ein enormer Anpassungsdruck ausgeübt wird, die Menschen in ihrem Gewissen schwer belastet werden, zur Heuchelei und zur Anpassung gezwungen werden. Unter den Verfolgungen des Römischen Reiches kam es auch dazu, dass Christen sich unter dem Druck der Verfolger zeitweise vom christlichen Glauben abwandten. Sie galten den standhaft Gebliebenen als „lapsi“ (Gefallene) oder „traditores“ (Auslieferer heiliger Schriften). Auch im Dritten Reich waren es nur sehr wenige, die es wagten, christlich motivierten Widerstand zu leisten, weil sie SA, SS, Gestapo und KZ fürchteten. Der Antichrist wird die Heiligen am Ende dieses Äons erneut mit brutaler Unterdrückung auf seine Seite bringen wollen: „Und es tat sein Maul auf zur Lästerung gegen Gott, zu lästern seinen Namen und sein Haus und die im Himmel wohnen. Und ihm wurde Macht gegeben, zu kämpfen mit den Heiligen und sie zu überwinden… Wenn jemand ins Gefängnis soll, dann wird er ins Gefängnis kommen; wenn jemand mit dem Schwert getötet werden soll, dann wird er mit dem Schwert getötet werden. Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen!… Und es wurde ihm Macht gegeben, Geist zu verleihen dem Bild des Tieres, damit das Bild des Tieres reden und machen könne, daß alle, die das Bild des Tieres nicht anbeteten, getötet würden. Und es macht, daß sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, und daß niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. (Offb 13,5-7.10.15-17)

Das antichristliche Reich versucht die Heiligen mit brutaler Gewalt und durch den Ausschluss von der Teilhabe am wirtschaftlichen Leben in die Knie zu zwingen.

2 Die Folgen der Anpassung

2.1 Gottes Name wird entheiligt

Im Vater Unser beten wir: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name“. Das Vater Unser ist eingebettet in die Bergpredigt. Die Heiligung des Namens Gottes und geschieht eben auch dadurch, dass wir heilig leben. Wenn wir uns jedoch der Welt anpassen, wird der Name, nach dem wir genannt sind, entheiligt. So sagt Gott durch den Propheten Hesekiel: „Da tat es mir leid um meinen heiligen Namen, den das Haus Israel entheiligte unter den Heiden, wohin sie auch kamen. Darum sollst du zum Hause Israel sagen: So spricht Gott der HERR: Ich tue es nicht um euretwillen, ihr vom Hause Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entheiligt habt unter den Heiden, wohin ihr auch gekommen seid“ (Hes 36,21.22). Israel heiligte sich und den Namen Gottes, wenn es den Sabbat hielt. Wenn es das Sabbatgebot brach, entheiligte sich das Volk und zugleich entheiligte es den Namen Gottes vor den Nationen. Im Hebräerbrief heißt es: „Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird (Hebr 12,14). Wenn wir nicht mehr der Heiligung nachjagen, sondern uns dem Lebensstil der Welt anpassen, wird Gottes Name entheiligt.

2.2 Die Gemeinde gerät auf die schiefe Ebene

Wenn sich die Gemeinde an weltliche Lebensweisen anpasst, gerät sie auf eine schiefe Ebene, auf der sie keinen Halt mehr hat. Die Geschichte Israels zeigt, dass eine anfängliche Sünde später zu immer mehr und größeren Sünden führte. Während David noch einen klaren Weg ging, ging Salomo bereits große Kompromisse ein. Diese führten zur Teilung des Reiches. Jerobeams Sünde war bereits eine massive Steigerung der Sünde, weil er goldene Kälber machte. Dies sei der Gott Israels, der Israel aus Ägypten geführt habe (1Kö 12,28). Doch nun steigert sich die Anpassung an die heidnische Umwelt bis dahin, dass Ahab den sidonischen Götzen Baal als Hauptgott Israels einführt (1Kön 16,31.32). Im Neuen Testament lässt der Ausspruch des Apostels Paulus nachdenklich werden: „Euer Rühmen ist nicht gut. Wißt ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Darum schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja ungesäuert seid“ (1Kor 5,6.7). Im Zusammenhang ging es darum, dass die Korinther jemanden in ihrer Mitte behielten, der eine schwere Unzuchtsünde begangen hatte. Passen wir uns der Welt an, lassen wir Sünde im eigenen Leben und im Leben der Gemeinde (folgenlos) zu, dann wird es mein Leben oder auch eine ganze Gemeinde auf eine schiefe Bahn ziehen? Wir sehen, wie die großen Kirchen sich von der Schrift und von Christus als Mitte der Verkündigung lösten und nun am Ende einer gewaltigen Abwärtsbewegung angelangt sind. Das muss jedem als Warnung dienen: Wie gehen wir mit Sünde um? Welche Rolle spielt die nachgehende Seelsorge? Wird Sünde noch beim Namen genannt? Lässt man sich noch korrigieren oder ist Korrektur unerwünscht? Bin ich selbst, ist die Gemeinde und sind die Gemeindeglieder umkehrbereit?

2.3 Die Gemeinde verliert ihre Salz – und Leuchtkraft

Jesus sagt seinen Jüngern, dass sie das Salz der Erde und das Licht der Welt sind (Mt 5,13ff). Das Salz macht einen Unterschied in einer faden Suppe und das Licht leuchtet in der Finsternis einer verlorenen Welt. Es ist insbesondere das Leben in der Nachfolge Christi nach den Ordnungen der Bergpredigt durch das wir Salzkraft und Leuchtkraft gewinnen: „So lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16). Der Satan weiß genau, wie er der Gemeinde Jesu ihre Salz- und Leuchtkraft nehmen kann. Wenn es ihm gelingt, die Welt in die Kirche zu bringen, dann hat er sein Ziel erreicht. Von einer angepassten und verweltlichten Kirche geht aus der Sicht Satans keine Gefahr mehr aus. Wenn unser Leben nicht mehr zu unterscheiden ist vom Leben der Welt, dann leuchtet es nicht mehr. Wenn unsere Worte den Geboten der politischen Korrektheit folgen, dann werden sie nicht mehr wahrgenommen. Ein Christ schläft mit seiner ungläubigen Freundin. Wie soll diese die Kraft Gottes kennenlernen, wie soll sie einen heiligen Gott kennenlernen, wenn der, der sich zu diesem Gott bekennt, ihn nicht ernst nimmt? Wenn ich nicht mehr zu sagen wage, dass Jesus Christus der alleinige Weg zum Heil ist, der alle anderen angeblichen Wege zu Gott zu Irrwegen macht, dann habe ich mich zwar dem Zeitgeist gebeugt, aber das Zeugnis Christi verdunkelt. Die Wahrheit ist: „Und in keinem Namen ist das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden“ (Apg 4,12). Wenn die Gemeinde Jesu diese Wahrheit verschämt verschweigt, verliert sie Salz- und Leuchtkraft. Sie muss ausgeschüttet und zertreten werden.

2.4 Die Gemeinde begibt sich in das Gericht Gottes

Das Wort Jesu von den Jüngern als dem Salz der Erde beinhaltet ja eine unüberhörbare Warnung: „Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten“ (Mt 5,13). Eine angepasste Gemeinde verliert seine Salzkraft, sie ist zu nichts mehr nütze, wird weggeschüttet werden, um von den Menschen zertreten zu werden. Am Ende der Bergpredigt sagt Jesus: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: „Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel“ (Mt 7,21). Hier sind durchaus Christen im Blick, die sich zu Christus bekennen, deren Leben aber nicht dem Willen des Vaters, sondern der Welt entspricht. In letzter Konsequenz wird ein vollkommen weltförmiger Christ also den Zugang zum Himmelreich verlieren (Mt 7,21). Diese sehr ernstzunehmende Warnung finden wir auch im ersten Johannesbrief, wo Johannes schreibt: „Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit“ (1Joh 2,15-17). Auch in der Offenbarung warnt uns der Herr vor den Folgen eines weltangepassten Leben: „Ich kenne deine Werke, dass du kalt oder warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde“ (Offb 3,15.16; vgl. 2,5).

3 Dem Anpassungsdruck widerstehen

3.1 Die wahre Anpassung

Anpassung ist nötiger denn je. Wenn wir leben wollen, dann müssen wir uns anpassen. Jedoch nicht an die Welt, sondern an Gott. Passen wir uns der Heiligkeit Gottes an! Das ist die wahre Anpassung: Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, denen ihr früher in der Zeit eurer Unwissenheit dientet; sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig (1Petr 1,14-16).

3.2 Die Heiligkeit Christi

Jesus ist es, der in vollkommener Weise heilig in dieser Welt gelebt hat. Er war vom Vater in die Welt gesandt und lebte ganz in der Welt, aber er war dennoch in vollkommener Weise nicht von dieser Welt (Joh 17,14). Dies wird insbesondere in der Versuchung Jesu durch den Teufel in der Wüste sichtbar. Hier begegnet er dem Fürsten dieser Welt und stellt sich seiner verwirrenden und gefährlichen Verführungsmacht. Satan fährt alles auf, auch die Umdeutung der Heiligen Schrift, um Christus dazu zu bewegen, diese Welt lieb zu gewinnen und sich an die Lust dieser Welt anzupassen. Christus widersteht Satans Verführung und weist ihn zurück. Christus hatte die göttliche Kraft, ganz und gar in dieser Welt zu leben und doch in vollkommener Weise heilig zu sein.

3.3 Christusgebundene Heiligkeit

Wenn wir uns fragen, wie wir in gleicher Weise ganz in der Welt, jedoch nicht von der Welt sein können, dann kann die Antwort nur bei Jesus Christus liegen: „Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung (1Kor 1,30). Heiligkeit können wir uns nicht erarbeiten, können wir nicht machen, sondern sie wird uns als Gnadengabe in Christus zugeignet. Das müssen wir zuallererst festhalten. Christus ist uns gemacht zur Heiligung. Nur durch ihn und in enger Verbindung mit ihm ist heiliges Leben möglich. Eine eigene und gemachte Heiligkeit ist nicht möglich, führt zu Krampf und Heuchelei.

3.4 Kreuzgebundene Heiligkeit

Der entscheidende Punkt ist der, dass in Jesus Christus beides zu finden ist. Das heilige Wesen, das wir brauchen, um heilig zu leben. Und außerdem ist in ihm die Welt überwunden. Christus ist das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt (Joh 1,29). Durch das blutige und heilige Opfer, das Jesus am Kreuz darbringt, überwindet er das sündige Wesen dieser Welt. Paulus schreibt: „Es sei aber fern von mir, mich zu rühmen als allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt“ (Gal 6,14). Hier ist das Geheimnis und hier ist der Schlüssel zu einem heiligen Leben in dieser Welt. Das verlockende Wesen dieser Welt, das mich in die Anpassung und Sünde verführt, hat am Kreuz seine Kraft verloren. Durch die Verbindung mit dem Kreuz, stehe ich nicht mehr in einem lebendigen Verhältnis zu den Versuchungen dieser Welt. Ich bin der Welt regelrecht gekreuzigt und die Welt gilt mir als gekreuzigt. So kann ich sexuelle Versuchungen dadurch entkräften, indem ich mich betend an den Gekreuzigten wende. Sein Heiliger Geist gibt mir die Kraft, dem Anpassungssog zu entkommen.

3.5 Wortgebundene Heiligkeit

Es ist von zentraler Bedeutung, dass Jesus den weltlichen Versuchungen nicht in einer unsichtbaren göttlichen Energie widerstand, sondern gebunden an das Wort und gebunden an die richtige Deutung des Wortes Gottes. Auch der Feind legt das Wort aus, aber er will dadurch die Angleichung und Anpassung an die Welt herbeiführen. Jesus bindet sich an die absolute und göttliche Autorität des Wortes Gottes. Nur und allein dieses Wort verleiht die Fähigkeit, heilig in dieser Welt zu leben. Wir müssen wortgebundene Christen sein, wenn wir in den kommenden Verführungen bestehen wollen. In sehr klarer Weise finden wir diesen Zusammenhang im hohepriesterlichen Gebet:

„Ich bitte dich nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie bewahrst vor dem Bösen. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in der Wahrheit.“ (Joh 17,15-19)

Die Gemeinde Jesu wird nicht aus der Welt genommen. Sie ist in der Welt und in die Welt gesandt. Die Gemeinde muss sich in jedem Fall gegen gesetzliche Abgrenzungstendenzen wehren und sie bekämpfen. Sie darf sich nicht abgrenzen, darf sich aber auch nicht anpassen. Denn sie ist ja nicht von der Welt. Sie ist darauf angewiesen, dass Gott seine Gemeinde heiligt! Wenn Gott sie nicht heiligt, wird die Gemeinde durch die Verführungsmacht Satans im Anpassungssog der Welt untergehen. Deshalb bittet Jesus: „Heilige sie in der Wahrheit!“ Und davon kann eben nicht getrennt werden: „Dein Wort ist die Wahrheit! Allein das Wort kann uns helfen heilig in der Welt zu leben, ohne uns völlig von der Welt abzuschotten, und ohne uns völlig an die Welt anzupassen.

Die Heilige Schrift fordert uns auf, in dieser Welt zu leben und in dieser Welt der Heiligung nachzujagen: „Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird“ (Hebr 12,14). Dieses Nachjagen nach der Heiligung ist eine wortgebundene Heiligung. Paulus schreibt: „Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene“ (Rö 12,2). Von der Anpassung an die Welt kann uns nur ein ständiger Erneuerungsprozess unseres Denkens bewahren. Wenn wir unser Denken nicht mehr erneuern, folgt zwangsläufig die Anpassung an die Welt und letztlich der Abfall vom Glauben. Heiligung beinhaltet die Erneuerung des Denkens. Genau an dieser Stelle liegt dann auch die Antwort der Gemeinde Jesu auf die homosexuelle Herausforderung. Wer Christus vertraut, die Kraft seines vergossenen Blutes erfährt, sich in seinem Denken und Fühlen an sein Wort bindet und mit der Kraft des Heiligen Geistes rechnet, wird sich von homosexueller Praxis lösen und sein ganzes Leben und somit auch seine Sexualität erneuern und an Gottes Willen ausrichten. Aufgabe der Kirchen ist es, homosexuell empfindenden Menschen diesen Erneuerungsprozess aufzuzeigen und sie seelsorgerlich zu begleiten. 

3.6 Sind wir bereit zur Umkehr?

„Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit (1Joh 2,15-17). Wir leben alle in diesem Spannungsfeld zwischen Heiligung und Weltleben. Wir alle sind Kinder unserer Zeit und dem verführerischen und verwirrenden Denken unserer Tage. Wir stehen zwischen Weltliebe und Gottesliebe. Haben wir die Welt lieb gewonnen? Dann müssen wir das Wort Jesu in seinem tiefen Ernst hören: „So denke nun daran, wovon du abgefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Wenn aber nicht, werde ich über dich kommen und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte – wenn du nicht Buße tust“ (Offb 2,4.5).

4 In der Welt aber nicht von der Welt – Lernen von biblischen Vorbildern

4.1 Josef im Haus des Potifars

Josef stand als Sklave im Haushalt des Potifars, dem Kämmerer und Obersten der Leibwache des Pharaos, mitten in der Welt. Der Herr war mit Josef und es glückte ihm alles (1Mose 39,2). Doch so geheiligt, war er doch in der Welt und damit auch den Versuchungen dieser Welt ausgesetzt. Die eindeutige Einladung zum Geschlechtsverkehr mit der Frau des Potifars, war eine solche Verführung. Hier steht Josef im heiligen Kampf zwischen Weltliebe und Gottesliebe! Sein Reaktion zeigt, dass es möglich ist, mit der Hilfe Gottes in der Welt zu sein ohne von der Welt zu sein: „Wie sollte ich denn nun solch ein großes Übel tun und gegen Gott sündigen?“ (1Mose 39,9). In der Folge wird uns auch klar gemacht, dass das geheiligte Leben extreme Nachteile mit sich bringen kann. Wir dürfen nicht dem Irrtum erliegen, Gott würde die geheiligte Entscheidung unmittelbar und sichtbar belohnen: „Da nahm ihn sein Herr und legte ihn ins Gefängnis“ (1Kön 39,19). Und doch zeigt der weitere Verlauf der Geschichte, dass Gott diese geheiligte Entscheidung dem Josef gelohnt hat.

4.2 Die hebräischen Hebammen

„Und der König von Ägypten sprach zu den hebräischen Hebammen, von denen die eine Schifra hieß und die andere Pua: Wenn ihr den hebräischen Frauen helft und bei der Geburt seht, daß es ein Sohn ist, so tötet ihn; ist’s aber eine Tochter, so laßt sie leben. Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie der König von Ägypten ihnen gesagt hatte, sondern ließen die Kinder leben“ (2Mose 1,15-17). Der heutige Zeitgeist verteidigt das Recht der Frau auf eine Abtreibung mit dem Begriff „Gewissensentscheidung“. Doch eine Gewissensentscheidung kann nicht gegen das Leben eines anderen, sondern nur zum Schutz eines Anderen gefällt werden. Der Zeitgeist verdreht den Begriff, maskiert das Böse mit einem guten Begriff (Euphemismus) und wir lassen uns davon verwirren. Die hebräischen Hebammen handelten mitten in der bösen Welt eines totalitären Staates, indem sie ihrem in Gott gebundenen Gewissen folgten, wobei sie sich selbst in Lebensgefahr brachten. Das ist eine echte und heilige Gewissensentscheidung. Ich wünsche uns den Mut, den diese Hebammen hatten, im Widerspruch zum totalitären Zeitgeist ihrer Zeit zu handeln, Gott wird es segnen, denn weil „die Hebammen Gott fürchteten, segnete er sie“ (2Mose 1,21).

4.3 Der Gehorsam Nabots

Ahab forderte von Nabot den Tausch oder Verkauf des Weinbergs, der außerhalb des Königspalastes in Jesreel lag. Als König hatte Ahab uneingeschränkte Autorität über sein Volk und da das Gesetz Gottes weitesgehend missachtet wurde, war es schwierig sich darauf zu berufen. Nabot hätte sich dem königlichen Druck und dem Geist seiner Zeit anpassen können. Es war damals nicht opportun, sich auf Jahwe zu berufen. Wenn einem das Leben lieb war, berief man sich lieber Baal. Außerdem war es gefährlich, sich mit Berufung auf Gottes Wort, sich dem Willen des Königs nicht zu beugen. Aber Nabot sprach zu Ahab: „Das lasse der HERR fern von mir sein, daß ich dir meiner Väter Erbe geben sollte!“ (1Kön 21,3). Er berief sich ausdrücklich auf Jahwe und auf Gottes Wort und sah sich in seinem Gewissen daran gebunden: „Denn ein jeder unter den Israeliten soll festhalten an dem Erbe des Stammes seiner Väter“ (4Mose 36,7). Nabot hätte, wie heute oft üblich, dieses Gebot anders interpretieren können oder es für kulturell überholt erklären können. Er tat es nicht: Er berief sich darauf und bezahlte es mit dem Leben. Das ist unangepasstes und geheiligtes Leben, das die Liebe zu Gott über die Weltliebe stellt!

4.4 Die Freunde Daniels

König Nebukadnezar hatte ein Gebot erlassen, dass die gesamte Elite des babylonischen Weltreiches sich vor dem goldenen Standbild zur Anbetung niederwerfen sollte. Die Verweigerung das Standbild anzubeten, würde das Leben kosten: „Wer aber dann nicht niederfällt und anbetet, der soll sofort in den glühenden Ofen geworfen werden. Als sie nun hörten den Schall der Posaunen, Trompeten, Harfen, Zithern, Flöten und aller andern Instrumente, fielen nieder alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen und beteten an das goldene Bild, das der König Nebukadnezar hatte aufrichten lassen. Da kamen einige chaldäische Männer und verklagten die Juden“ (Dan 3,6-8). Der Zeitgeist, der hier die gesamte geistige und politische Führungselite zur Anbetung des riesigen Götzenstandbildes verleitet, übte zusammen mit der damit verbundenen Strafandrohung des Königs einen unfassbaren Druck aus. Hätte man sich hier nicht anpassen können? Wäre es nicht möglich gewesen, sich zwar äußerlich zu verneigen, innerlich aber im Herzen den Herrn anzubeten? Außerdem hätte man doch die im voraus vergebende Gnade Gottes für sich in Anspruch nehmen können. Ist es nicht besser, sich jetzt zu verneigen, weil man sonst ja sterben müsse und dann gebe es noch weniger treue Gottesmänner in machtvollen Positionen, was wiederum schlecht wäre für das Volk Israel? Ausreden hätte es genug gegeben. Die politische Korrektheit verlangte die Unterwerfung, doch die heilige Gebundenheit der Herzen dieser Männer ließ sie standhaft bleiben. Sie lebten als politische Führer ganz und gar in der Welt des babylonischen Reiches (Dan 3,13), sie waren weltzugewandt, kleideten sich nach babylonischer Sitte, beherrschten weltläufige Manieren und kannten den Machtapparat von innen, doch eines taten diese politischen Schwergewichte nicht: Sie passten sich nicht an und beugten sich dem Zeitgeist nicht. Sie waren in der Welt aber nicht von der Welt. Sie waren im Herzen gebunden an das erste Gebot. Das lebten sie und waren bereit dafür zu sterben! Diese Männer liebten Gott mehr als das Leben dieser Welt. Mögen wir Ihnen in dieser Haltung und Einstellung folgen!

„Die Alten redeten viel von Freiheit. Wir aber erfuhren auf schwerer Fahrt. Die echte Freiheit ist eine heilige Gefangenschaft des Herzens.“ (Hrabanus Maurus)

Prediger Johann Hesse, Walsrode, 09.03.2011