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Kirche und Gemeinde geistlich leiten

Sonntag 11. Februar 2007 von Arbeitskreis Bekennender Christen Bayern


Arbeitskreis Bekennender Christen Bayern

8. ABC-Versammlung um Bekenntnis, Erneuerung und Einheit der Kirche
9. – 11. Februar 2007 – Wilhelm-Löhe-Schule, Nürnberg
Kirche und Gemeinde geistlich leiten

Erklärung

Siehe her, ich nehme deine Sünde von dir und lasse dir Feierkleider anziehen. Sacharja 3,4
(Herrnhuter Losung am Tag der Verabschiedung der Erklärung)

1. „Feierkleider? – „Outfit“?

Die „Kirche der Freiheit“ verpasst sich mit ihren „Perspektiven für die Evangelische Kirche im 21. Jahrhundert“ ein zeitgemäßes Outfit. Manch Erfreuliches wirbeln dieses Impulspapier der EKD (1. Juli 2006) und ihr Wittenberger Zukunftskongress (25.-27. Januar 2007) auf. Alte Strukturen wollen sie aufbrechen und verlassen. Da gibt es etliche Worte, auf die viele Christen lange gewartet haben. Was unter dem Thema „Diakonie evangelisch profilieren“ gesagt wird, gehört zu dem Besten.

Doch die Lähmung der Kirche zu heilen, reicht ein energisch gepuschter “Mentalitätswandel“ nicht. Was überwindet die beredte Sprachlosigkeit weiter Teile der Kirche, wenn es um Jesus Christus, die Vergebung der Sünden und die Ewigkeitsperspektive des christlichen Glaubens geht? An ihr krankten bereits die vielen kirchlichen Perspektivpapiere und Programme der letzten Jahre. Ihre Rezepte beruhen auf Mitgliederbefragungen und management consultings. Wo blieb eine geistliche Diagnose?

2. Nicht Reformen, sondern Umkehr zu Gott

Wenn von kirchenleitender Seite in Wittenberg gesagt wurde: „Die evangelische Volkskirche will sich reformieren; dieser Prozess ist unumkehrbar“, dann ist die eigentlich Handelnde – die Kirche selbst. Warum erhofft, erbittet, erwartet die evangelische Kirche für ihre eigene Zukunft so wenig von Gott? (Wilfried Härle) – Gibt es für Gott „eigentlich in diesem Papier gar nichts zu tun“? (Christian Möller).

Es ist vor 40 Jahren gesagt und immer noch wahr:

„….wir müssten zunächst einmal uns selber unerbittlich klar zu sehen lernen, ehe wir neue Wege finden und aus den Sackgassen ausbrechen können.“

Im Blick auf eine Kirche, die sich an Mehr- bzw. Minderheiten ihrer Mitglieder oder der gesellschaftlichen Akzeptanz ausrichtet, sagte Thielicke:

„Wer noch daran denkt, wie er das Marktgeschehen im Fluss halten kann, der wird zum Routinier und dient nicht dem Reich Gottes, sondern nur der Perfektion… Was er sagt, mag legitim sein; wie er es sagt, mag ankommen; und wie er es sagen lässt, mag ein Meisterstück kirchenleitender Strategie sein. Und doch wird das, was herauskommt, eine paradoxe Selbstwiderlegung der Botschaft sein. … Wir sind Pragmatisten der Einflussnahme und haben das ‚Stirb und Werde’ des Weizenkorns verlernt.“1

Wir stellen fest: Dem EKD-Impulspapier fehlt der Grundansatz der Buße und Erneuerung durch den Heiligen Geist. Wir beklagen diesen Mangel und gestehen unsere Mitverantwortung für den darin sich darstellenden geistlichen Zustand des Protestantismus der Gegenwart. Insofern wir in unserer Mitarbeit in Kirche und Gemeinde nicht hinreichend bußfertig dem Wirken Gottes, seine Kirche zu erneuern, gedient haben, stellen wir uns gemeinsam unter diese Kritik.

3. Gemeinde und Kirche g e i s t l i c h leiten

Die Kirche bekennt: Christus ist das „Haupt“ der Gemeinde (Eph 1,22). Das ist nicht Präambel-Lyrik in Kirchenverfassungen. Das muss als Regel ihres Handelns zur Anwendung kommen!

Gemeinde geistlich leiten heißt für Gemeinde- und Kirchenleitende2,

1. in jeder Angelegenheit, bei jeder Entscheidung, z.B. auch bei Wahlvorgängen (Apg 1,24), fragen, was Gott dazu sagt;

2. die Vorstellung wachhalten, dass die Anwesenheit Gottes bei Versuchen, Ihn zu übergehen, sich furchtbar rächen kann (Gottesfurcht, Apg 5,11. 5c);

3. darauf aufmerksam machen, dass der auferstandene Christus die Leitung der Gemeinde in der Hand behält und die Vorgänge, die einem Sorge bereiten, zu einem guten Ende bringen kann (Apg 5,31);

4. das Bewusstsein wachhalten, dass die Aufgabe darin besteht, gemeinsam das auf Dauer nicht abzubiegende, unaufhaltsame Wirken Gottes zu erkennen und sich danach zu richten (Apg 5,38 f), statt eigene Vorstellungen durchsetzen oder Kompromisse schließen zu wollen;

5. den Entschluss fassen: „Wir wollen anhalten am Gebet und am Amt des Wortes“ (Apg 6,4), obwohl man das angesichts drängender Aufgaben, die erledigt werden müssten, für Zeitverschwendung halten kann;

6. davon ausgehen, dass natürlicherweise ein „Widerstreben“ gegen den Geist Gottes in ‚uns‘ herrscht (Apg 7,51), und dass dieses jedesmal erst überwunden werden muss, so dass alles, was positiv Gemeinde baut, nur aus der Umkehr erwachsen kann;

7. daran erinnern, dass der Herr ständig dazu drängt, Grenzen, die man aus guten Gründen für unüberwindlich hält, zu überschreiten, und darauf achten, wo Gott Kontakte anbahnt, die man selbst lieber vermeiden möchte (Apg 9,10-17);

8. den Gottesdienst so gestalten, dass man erkennen kann: es geht darum, sich „vor Gott“ einzufinden, um sich von Ihm sagen zu lassen, wo Er einen zurechtweisen und wie Er einen ‚bei Jesus Christus erhalten‘ will ‚im rechten einigen Glauben‘ (Apg 10,33);

9. damit rechnen, dass Meinungsverschiedenheiten zwischen Glaubenden, auch ernste Konflikte, überwindbar werden, wenn einfach dargelegt und in den Vordergrund gerückt wird, was Gott gesagt und getan hat (Apg 11,18; 15, 2.7.12-13);

10. die auf die Leitung durch den Heiligen Geist aufmerksam Gewordenen ermahnen, dass sie in der dadurch entstandenen Beziehung zu dem lebendigen Gott „bleiben“, d.h. sie immer wieder neu aufnehmen, indem sie Ihn ‚suchen‘ (Apg 13,43);

11. nicht ‚sich hervortun‘, nicht ‚den Leiter hervorkehren‘, sondern, nach dem Vorbild des Herrn „wie ein Diener“ (Lk 22,27) unter Seinesgleichen wirken und doch andererseits unnachgiebig Umkehr fordern (Apg 14,15).

 4. Verbindlich nach Gottes Wort

Einmütig verabschiedet bringen wir die „Lebensordnung für die Gemeinde (LOG)“ als Orientierungshilfe in die Gestaltung der evangelischen Kirche ein.

Wir sind überzeugt, dass die LOG deutlicher den Geist der Zeit zur Rede stellt und entschiedener auf der Grundlage der Heiligen Schrift und der reformatorischen Bekenntnisse steht als die von manchen Landessynoden beschlossenen „Leitlinien kirchlichen Lebens“. Die LOG ergänzt, vertieft oder korrigiert ggf. auch Aussagen der Leitlinien. Wo sie ihnen widerspricht, wird das sorgfältig begründet.

Wir laden deshalb die evangelisch-lutherischen Christen und Gemeinden in Bayern und weit darüber hinaus ein, die „Lebensordnung für die Gemeinde (LOG)“ als Grundlage ihres persönlichen und gemeindlichen Lebens anzunehmen.

5. Alle Hoffnung auf Gott setzen

Das ersehnte neue Ansehen der evangelischen Kirche – ihr „Feierkleid“ – ist zu erwarten, allerdings

• nur unter der Voraussetzung von Buße und Vergebung;

• unter dem Bekenntnis, wirkliche Reform der Kirche im Sinne der Umkehr zu Gott und zur Treue gegenüber seinem Wort nicht selbst machen zu können;

• in der Gewissheit, dass die Kirche Erneuerung, Reformation, neue Freude und Hoffnung aus der Kraft des lebendigen Gottes mit gutem Grund von Ihm allein erbitten und erwarten kann.

So will die 8. Versammlung um Bekenntnis, Erneuerung und Einheit der Kirche den auf Machbarkeit starrenden Blick der Reformwilligen lösen und anstiften zu geistlichem Hören, das eine große Verheißung hat:

„Siehe her, ich nehme deine Sünde von dir und lasse dir Feierkleider anziehen.“

V.i.S. d. PG:

Martin Pflaumer, Eichenstr.15, 91224 Pommelsbrunn,

Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC)

1 Helmut Thielicke, Leiden an der Kirche, 1965, S. 9,183,184.

2 Nachf. ohne Anspruch auf Vollständigkeit

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 11. Februar 2007 um 17:15 und abgelegt unter Gemeinde, Kirche, Theologie.