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Sexualerziehung hÀufig schamverletzend und enthemmend

Freitag 7. Mai 2010 von FreieWelt.net


FreieWelt.net

Sexualerziehung hÀufig schamverletzend und enthemmend

Regine Schwarzhoff, Vorsitzende des Elternverein NRW e.V., im GesprĂ€ch mit FreieWelt.net ĂŒber die Brisanz verpflichtender Sexualerziehung von Kindern in den Grundschulen von Nordrhein-Westfalen.

FreieWelt.net: Vor drei Wochen wurden in Salzkotten, in der NĂ€he von Paderborn, zwei FamilienmĂŒtter in Haft genommen, weil sie ihre Kinder von einem TheaterstĂŒck ferngehalten haben, das die Grundschule im Rahmen der Sexualerziehung anberaumt hatte. Das klingt wie ein StĂŒck aus dem Tollhaus. Ist AufklĂ€rung ĂŒber SexualitĂ€t nicht in erster Linie Elternsache?

Regine Schwarzhoff: Nach Artikel 6 Grundgesetz haben wir Eltern als allererste das Recht und die Pflicht, unsere Kinder zu erziehen. Wenn staatliche Institutionen solche Zwangsmaßnahmen benutzen, um in die Kindererziehung einer Familie einzugreifen, die diese Verantwortung sehr bewußt wahrnimmt, stellt dieser Staat sich ein Armutszeugnis aus. Die betroffenen Familien, die zu einer christlichen Baptistengemeinde gehören, werden systematisch unter Druck gesetzt, erst die VĂ€ter, dann die MĂŒtter in Erzwingungshaft genommen und wie zu GefĂ€ngnisstrafen verurteilte TĂ€ter behandelt. Und das, weil sie ihre Rechte und Pflichten als Eltern aus ihrem Glauben und Gewissen besonders ernst nehmen.

FreieWelt.net: Was genau wird den Kindern in der Sexualkunde der Grundschule denn beigebracht?

Regine Schwarzhoff: An unserem Nottelefon haben wir immer wieder entsetzte Eltern, die beim Elternverein Rat suchen und haarstrĂ€ubende Geschichten erzĂ€hlen. Im Alter von 8 bis 9 Jahren lernen Kinder in der Grundschule unter anderem, Kondome ĂŒber Holzpenisse oder Bananen zu ziehen, und mĂŒssen Schilderungen sexueller Praktiken von ihren LehrkrĂ€ften anhören. Oft wird ihnen von sexuellen Kontakten Erwachsener so detailliert berichtet und vorgeschwĂ€rmt, daß besonders Jungen neugierig gemacht werden und versuchen, diese Dinge an sich selbst oder gar an MitschĂŒlerinnen auszuprobieren. Die stimulierenden und sexualisierenden BroschĂŒren der Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung BZgA – immerhin einer Bundesbehörde – dienen dazu als Grundlage, aber gleichzeitig als Legitimation, obwohl die BZgA sie „nur“ zur VerfĂŒgung stellt. Die BroschĂŒre der BZgA fĂŒr die 8- bis 12-JĂ€hrigen „Kleines Körper-ABC“ enthĂ€lt unter anderem detailgetreue realistische Zeichnungen von Erwachsenengenitalien beider Geschlechter. Über Kinder, die sich beim Betrachten solcher Bilder schĂ€men, wird gelacht; manchmal stellen LehrkrĂ€fte sie sogar vor der Klasse bloß als verklemmt und prĂŒde. Deshalb schĂ€men sie sich so sehr, daß sie sich nicht einmal der eigenen Mutter anvertrauen können. Wenn wir Eltern von diesen Dingen erfahren, dann nur aus Zufall, weil die Kinder eine Frage stellen oder irgend ein Wort gebrauchen, das wir nicht in ihrem Wortschatz vermutet hĂ€tten. Eine Mutter berichtete kĂŒrzlich von einer Lehrerin, die den Kindern frank und frei eine Abtreibung gestand und dies als geeignetes Mittel der „EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung“ darstellte. In einem anderen Fall wurde Grundschulkindern der Geburtsvorgang anschaulich dargestellt, indem eine mit der Lehrerin befreundete Hebamme eine Puppe durch den Ausschnitt eines Pullovers quetschte, wĂ€hrend die Lehrkraft dazu passend stöhnte und hechelte. Man muß nicht mal glĂ€ubiger Christ sein, um solche Darstellungen abzulehnen. Wenn Eltern ihre Kinder bewußt christlich erziehen, werden ihre Erziehungs- und GlaubensgrundsĂ€tze durch solchen „Unterricht“ gravierend untergraben. Das ist unzulĂ€ssig.

Das verbriefte Recht der Eltern, die Inhalte und Materialien fĂŒr den Sexualerziehungsunterricht der Schule „rechtzeitig“ – d.h. vor Beginn mit dem Unterricht – einzusehen und Einwendungen zu erheben, wird meistens ignoriert oder sogar gezielt umgangen

HintergrĂŒnde können ebenfalls Scham der LehrkrĂ€fte sein, aber auch mangelnde Vorbereitung des Themas oder einfach Zeitnot. Beim Elternabend erfĂ€hrt man, die „BĂŒcher“ lĂ€gen noch nicht vor, oder die Eltern kennen ihr Recht gar nicht und stellen leider keine Fragen. Oft berichten Eltern, daß sie „aus Versehen“ die BroschĂŒren der BZgA gesehen haben; die Lehrkraft hĂ€tte den Kindern verboten, sie mit nach Hause zu nehmen, denn sie wĂŒrden ja jeden Tag gebraucht. Es sind sogar FĂ€lle bekannt, wo Eltern die Befreiung des Kindes von den SE-Unterrichtsstunden erwirkt hatten, die LehrkrĂ€fte aber willkĂŒrlich die Stunden so erteilten, daß die Eltern das Kind nie rechtzeitig abholen und wiederbringen konnten.

FreieWelt.net: Worin sehen Sie Gefahren fĂŒr die Kinder?

Regine Schwarzhoff: Schulische Sexualerziehung wurde in den 70er Jahren eingefĂŒhrt und wird seit den 90erJahren vorwiegend mit der Zielsetzung begrĂŒndet, Mißbrauch, FrĂŒhschwangerschaften und AIDS-Infektionen zu verringern. Das Gegenteil wurde erreicht. Laut Publikationen der „Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau“ ÄGGF stiegen von 1996 bis 2004 allein die SchwangerschaftsabbrĂŒche bei unter 18-JĂ€hrigen um 66%, bei unter 15-JĂ€hrigen war es sogar ein Anstieg um 113%! Schon 13-JĂ€hrige erwarten Babys von fast Gleichaltrigen, 15-JĂ€hrige mißbrauchen Kleinkinder – fast tĂ€glich lesen wir solche Meldungen in der Zeitung.

Wir Eltern können auf konkrete Fragen der Kinder antworten und ihnen bei passender Gelegenheit so viel erzĂ€hlen, wie sie wirklich wissen wollen und mĂŒssen. Dabei merken wir schnell, wenn ihre Aufmerksamkeit fĂŒr dieses Thema erschöpft ist und sie sich anderen Dingen zuwenden. Es gibt immer wieder AnlĂ€sse, einem Kind Kenntnisse ĂŒber SexualitĂ€t zu vermitteln, die es weder ĂŒberfordern noch in seiner Scham verletzen. Dabei kommt es maßgebend darauf an, die Darstellung dem jeweiligen Reifegrad des Kindes anzupassen, den es durch seine (Nach-)Fragen eindeutig erkennen lĂ€ĂŸt. Es geht dabei also um einen einfĂŒhlsam zu begleitenden Wachstumsprozeß.

Die schulische Sexualerziehung in der heutigen Form wirkt sehr hĂ€ufig schamverletzend und enthemmend. Sie ermutigt zum ungebremsten Experimentieren mit dem Körper, fĂŒhrt demnach zu einer FrĂŒhsexualisierung bei Verharmlosung der Folgen (siehe Abtreibung). SexualitĂ€t wird quasi als selbstverstĂ€ndliche private Form des Leistungssports deklariert. Wenn schon 15-jĂ€hrige MĂ€dchen sich damit brĂŒsten, „es“ gleichzeitig mit 12 MĂ€nnern zu machen und alle dabei „optimal zu befriedigen“ – so der Journalist Walter WĂŒllenweber bei der Sendung HartaberFair am 16.05.2007 – ist das ein extremer Beleg dafĂŒr, daß unser Jugendschutz seinen Namen nicht verdient. Kindern wird schon durch Medien und Werbung eine ĂŒbermĂ€chtige Flut an sexuell stimulierenden Darstellungen und BelĂ€stigungen bis hin zu Pornographie zugemutet. Dem können sie sich entziehen, aber in der Schule wird die Aufmerksamkeit der Kinder gezwungenermaßen darauf gelenkt und das Interesse dafĂŒr erst geweckt und dann noch genĂ€hrt.

Diese „AufklĂ€rung“ stellt eine reine oberflĂ€chliche Triebbefriedigung als erstrebenswert dar, die mit Liebe und gegenseitiger Achtung und Respekt nichts mehr zu tun hat. Wenn unseren Kindern in der Schule dies als Sinn der SexualitĂ€t hingestellt wird, können wir Eltern kaum mehr etwas dagegensetzen. Eltern, die ihre Kinder als wundervolles Ergebnis ihrer innigen Liebe zueinander erfahren und ihren Kindern wĂŒnschen, daß sie spĂ€ter dasselbe Wunder erleben dĂŒrfen, sind einer derartigen FrĂŒhsexualisierung und Instrumentalisierung gegenĂŒber machtlos, denn ihre Kinder verstehen sie nicht. Dadurch wird zusĂ€tzlich das Vertrauen der Kinder zu den Eltern ge- bzw. zerstört und die elterliche Erziehungskompetenz schon im Grundschulalter untergraben.

FreieWelt.net: Sexueller Missbrauch ist z.Zt. in aller Munde. Brauchen Kinder nicht frĂŒhzeitig eine klare Vorstellung von SexualitĂ€t, um sich gegen Übergriffe wehren zu können?

Regine Schwarzhoff: Das ist ein schwerwiegender Irrtum, der diese Misere mit ausgelöst hat. Die sexuelle „Befreiung“ fĂŒhrt dazu, daß die natĂŒrliche Scham der Kinder ausgehebelt wird – die Psychotherapeutin Christa Meves benutzt den Begriff „EntschĂ€mung“. Das bedeutet, daß der angeborene Schutzmechanismus, der ein Kind vor einem entblĂ¶ĂŸten Geschlechtsteil oder ungewollten BerĂŒhrungen weglaufen lĂ€ĂŸt, vernichtet wird. „Das habe ich ja schon in der Schule gesehen, dann ist das ja wohl normal“, wird das Kind denken, statt sich in Sicherheit zu bringen. Die detaillierten AusfĂŒhrungen ĂŒber die SexualitĂ€t Erwachsener erwecken bei den Kindern den Eindruck, daß sie sich dafĂŒr interessieren mĂŒssen und daß es sie angeht, schon im Alter von 8 oder 9 Jahren. Das bedeutet, ihnen wird ihre Unwissenheit, also ihre „Unschuld“ genommen, die sie auch davor schĂŒtzt, sich daran schuldig zu fĂŒhlen, wenn Erwachsene sich an ihnen vergreifen. Dadurch daß ihnen VerstĂ€ndnis fĂŒr solche Handlungen abverlangt wird – sie sollen ja diese Handlungen verstehen – , wird ihre Distanz derart verringert, daß sie sich von Beginn an einbezogen und verwickelt fĂŒhlen; der Befreiungsimpuls wird dadurch erst recht ausgehebelt.

FreieWelt.net: Was muss in NRW geĂ€ndert werden, damit Konflikte zwischen Eltern und Schule nicht wieder so eskalieren wie in Salzkotten und gerade die VĂ€ter und MĂŒtter, die ihre Elternverantwortung besonders ernst nehmen, im GefĂ€ngnis landen?

Regine Schwarzhoff: Die in NRW geltenden Sexualerziehungsrichtlinien, die dem schamverletzenden Mißbrauch durch schulische und außerschulische Lehrpersonen Raum bieten, mĂŒssen dringend ĂŒberarbeitet werden. Das hat der Elternverein NRW e.V. von Beginn an gefordert und wiederholt von Politikern und Landesregierungen verlangt. Das Recht der Eltern auf Information muß gewahrt und Einwendungen gegen die Auswahl der Unterrichtsinhalte mĂŒssen ernstgenommen werden, und Eltern mĂŒssen in ihrer Erziehungsverantwortung gestĂ€rkt und unterstĂŒtzt werden, statt sich dafĂŒr rechtfertigen zu mĂŒssen, daß sie sie wahrnehmen. Es muß fĂŒr alle Beteiligten selbstverstĂ€ndlich sein, Kinder bei unĂŒberbrĂŒckbaren Differenzen in den Werthaltungen vom SE-Unterricht zu befreien.

Unser Grundgesetz schĂŒtzt Eltern in der Aufgabe, fĂŒr die Erziehung ihrer Kinder vorrangig die Verantwortung zu tragen, insbesondere was ethische MaßstĂ€be betrifft. Der Erziehungswissenschaftler Werner Lauff benennt in seinem neuen Buch „Das Elterndiplom“ (GĂŒtersloher Verlagshaus 2010) drei Erziehungsziele elterlicher FĂŒrsorge: körperliche Gesundheit, geistige Klarheit und seelische Ruhe. Damit legen wir in unseren Kindern die Grundlagen fĂŒr Bildung und verantwortliches Handeln. Dabei darf uns niemand behindern, schon gar nicht eine staatliche Pflichtschule.

Das GesprĂ€ch fĂŒhrte Hedwig von Beverfoerde, FreieWelt.net, 29.04.2010

Zur Internetseite des Elternvereins NRW

Zur Initiative Eltern entscheiden! Stoppt Sexualkunde-Zwang fĂŒr GrundschĂŒler in NRW auf AbgeordnetenCheck.de

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 7. Mai 2010 um 10:16 und abgelegt unter Interview, Sexualethik.