Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Warum ich als Theologieprofessorin ausstieg

Montag 11. Januar 2010 von idea e.V.


idea e.V.

Prof. Dr. Eta Linnemann
Warum ich als Theologieprofessorin ausstieg

Als SchĂŒlerin von Theologen wie Rudolf Bultmann und Ernst Fuchs, Friedrich Gogarten und Gerhard Ebeling hatte ich die besten Lehrer, welche die historisch-kritische Theologie mir bieten konnte. Auch sonst kam ich keineswegs zu kurz. Mein erstes Buch erwies sich als ein Bestseller. Ich wurde ordentliche Professorin fĂŒr Theologie und Methodik des Religionsunterrichtes an der Technischen UniversitĂ€t in Braunschweig. Aufgrund meiner Habilitation ernannte man mich zur Honorarprofessorin fĂŒr Neues Testament an der Theologischen FakultĂ€t der Philipps-UniversitĂ€t in Marburg und nahm mich als Mitglied in die Society for New Testament Studies auf. Ich durfte mich der zunehmenden Anerkennung durch meine Kollegen freuen.

Unter dem Strich keine Wahrheit
Geistig beheimatet in der historisch-kritischen Theologie, war ich fest davon ĂŒberzeugt, mit meiner theologischen Arbeit Gott einen Dienst zu tun und zur VerkĂŒndigung des Evangeliums einen Beitrag zu leisten. Dann aber musste ich einsehen, dass bei dieser „wissenschaftlichen Arbeit am Bibeltext“ unter dem Strich keine Wahrheit herauskommen kann und dass diese Arbeit der VerkĂŒndigung des Evangeliums nicht dient. Damals war das nur eine praktische Erkenntnis, aus Erfahrungen gewachsen, die ich nicht lĂ€nger wegzuleugnen vermochte. Inzwischen habe ich Einsicht gewonnen in den Charakter dieser Theologie: Anstatt im Wort Gottes gegrĂŒndet zu sein, hat sie Philosophien zu ihrem Fundament gemacht, welche sich entschieden haben, Wahrheit so zu definieren, dass Gottes Wort als Quelle der Wahrheit ausgeschlossen ist.

Ich erlebte eine tiefe Frustration
ZunĂ€chst aber fĂŒhrten mich meine Beobachtungen in eine tiefe Frustration. Ich versuchte, mich zu betĂ€uben. Ich wurde ein SkIave des Fernsehens und geriet in zunehmende AbhĂ€ngigkeit vom Alkohol. Durch Christen, die berichteten, was Gott in ihrem Leben getan hatte, traf ich die Entscheidung, mein Leben unter Gottes Leitung zu stellen. Etwa einen Monat spĂ€ter erlebte ich, dass Gottes Verheißungen in der Bibel RealitĂ€t sind. Ich hatte den Bericht eines Mitarbeiters der Wycliff-BibelĂŒbersetzer, der in Nepal arbeitete. Er teilte mit, dass sein Sprachhelfer wĂ€hrend seiner Abwesenheit ins GefĂ€ngnis gekommen war, weil es in Nepal verboten ist, Christ zu werden, und was dieser junge Christ bei der Gerichtsverhandlung geantwortet hatte. Aufgrund von frĂŒheren Berichten war mir augenblickIich kIar, dass er seine Antwort niemals aus seinem eigenen Vermögen hatte geben können. Ein Wort Jesu drĂ€ngte sich in mein Bewusstsein – ein Wort, das ich bisher nur mit akademischem Interesse zur Kenntnis genommen hatte – und ich konnte nicht umhin zuzugeben, dass diese Verheißung hier erfĂŒllt war: „Wenn sie euch nun hinfĂŒhren und ĂŒberantworten werden, so sorgt euch nicht vorher, was ihr reden sollt; sondern was euch in jener Stunde gegeben wird, das redet. Denn ihr seid’s nicht, die da reden, sondern der Heilige Geist“ (Markus 13,11).

Ich wollte fĂŒr meine Studenten kein blinder Blindenleiter sein
Schlagartig wurde mir klar, dass Gottes Verheißungen RealitĂ€t sind. Alles, was ich in den Monaten vorher an Berichten ĂŒber Erlebnisse mit Gott gehört hatte, fĂŒgte sich in diesem Augenblick wie Puzzle-StĂŒcke ineinander. Mir wurde meine Torheit bewusst, angesichts dessen, was Gott heute tut, behauptet zu haben, die Wunder, die im Neuen Testament berichtet wĂŒrden, seien „nicht passiert“. Schlagartig wurde mir klar, dass ich fĂŒr meine Studenten ein blinder Blindenleiter gewesen war. Wieder einen Monat spater stand ich vor der Entscheidung, entweder die Bibel weiter durch meinen Verstand zu kontrollieren oder mein Denken durch den Heiligen Geist bestimmen zu lassen.

Nein zur kritischen Theologie
An der Bibelstelle Johannes 3,16 wurde mir diese Entscheidung kIar, denn ich hatte inzwischen die Wahrheit dieses Wortes erfahren: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondem das ewige Leben erhalten.“ Es machte jetzt mein Leben aus, was Gott fĂŒr mich und fĂŒr die ganze Welt getan hat: seinen Sohn dahinzugeben. Das konnte ich nicht mehr als ein unverbindliches Wort eines – mehr oder weniger – von der Gnosis beeinflussten theologischen Schriftstellers beiseiteschieben. Auf Gottes verbindlicher Zusage kann der Glaube ruhen. Theologische SĂ€tze sind nur von akademischem Interesse. Ich erfuhr, dass Jesus nicht nur Gottes Sohn genannt wird, sondem dass er es ist, und dass er von einer Jungfrau geboren wurde, dass er der Messias und Menschensohn ist und ihm solche Titel nicht durch menschliche Uberlegungen beigelegt wurden. Ich habe die Inspiration der Heiligen Schrift erkannt und dann auch lebendig erfahren. Deshalb sage ich Nein zur historisch-kritischen Theologie. Nach wie vor erachte ich alles, was ich gelehrt und geschrieben habe, bevor ich Jesus mein Leben ĂŒbergab, fĂŒr falsch. Ich möchte die Gelegenheit benutzen, um daraufhinzuweisen, dass ich meine beiden BĂŒcher „Gleichnisse Jesu … “ und „Studien zur Passionsgeschichte“ samt meinen BeitrĂ€gen in Zeitschriften, SammelbĂ€nden und Festschriften verworfen habe.

Prof. Dr. Eta Linnemann, idea-Spektrum, 1985. Erneut veröffentlicht anlÀsslich des Todes der Theologin und Buchautorin im Mai 2009, idea-Spektrum 21/2009

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 11. Januar 2010 um 13:31 und abgelegt unter Theologie.