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Erzbischof Hilarion an die Ratsvorsitzende der EKD

Mittwoch 6. Januar 2010 von Administrator


Erzbischof Hilarion von VolokalamskBrief des Pr├Ąsidenten des Kirchlichen Au├čenamts des Moskauer Patriarchats an die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Margot K├Ą├čmann, und an den Leiter der Abteilung f├╝r ├ľkumene und Auslandsarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Martin Schindeh├╝tte, vom 10. Dezember 2009.

Verehrte Doktorin K├Ą├čmann!
verehrter Doktor Schindeh├╝tte!

Im Namen seiner Heiligkeit, des Patriarchen von Moskau und ganz Ru├čland, Kyrill, danke ich Ihnen f├╝r Ihren Brief vom 13. November 2009. Seine Heiligkeit bedauert, da├č die Feierlichkeiten zum 50- j├Ąhrigen Jubil├Ąum des theologischen Dialogs zwischen der Russischen Orthodoxen Kirche und der Evangelischen Kirche in Deutschland abgesagt wurden. Die Entscheidung zur Absage der Feierlichkeiten wurde in einseitiger Weise von der Evangelischen Kirche in Deutschland getroffen, ohne jede Verst├Ąndigung mit unsrer Seite. Als einer der Gr├╝nde f├╝r diese Entscheidung dienten nach Ihren Worten meine ├äu├čerungen aus Anla├č der k├╝rzlich vollzogenen Wahl des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland. In der Tat habe ich meine Entt├Ąuschung im Zusammenhang mit dieser Wahl zum Ausdruck gebracht. ┬áAllerdings kann man das, was ich zu dieser Frage gesagt habe, schwerlich als ÔÇ×nicht hilfreichÔÇť bezeichnen, da es nichts f├╝r die Evangelische Kirche in Deutschland Verletzendes enthielt. Schlie├člich hat jeder Mensch das Recht, offen seine Meinung zu dieser oder jener Frage zu ├Ąu├čern, zumal wenn es sich um eine Frage von solcher Wichtigkeit handelt. Sie weisen mit Recht darauf hin, da├č bislang die Tatsache der Ordination von Frauen kein Hindernis bei unsern Begegnungen und Gespr├Ąchen gewesen ist. Das hatte jedoch seine Gr├╝nde. Vor mehr als 30 Jahren hat der Heilige Synod unserer Kirche seine Meinung zur Frauenordination in folgendem Grundsatz zum Ausdruck gebracht: „Wir sehen keinen Grund zu Einw├Ąnden gegen irgendeine Entscheidung zu dieser Frage in Konferenzen, wo das Priestertum nicht als Sakrament anerkannt wird und wo infolgedessen aus der Sicht der Orthodoxie ein sakramentales Priestertum als solches ├╝berhaupt nicht besteht“ (Botschaft des Heiligen Synods zur V. Vollversammlung des ├ľkumenischen Rates der Kirchen und seiner Ergebnisse. In: Journal des Moskauer Patriarchats 1976. No. 4, S. 9).

Ungeachtet der Tatsache, da├č wir auch fr├╝her das Vorhandensein eines Priestertums in den protestantischen Gemeinschaften nicht anerkannt haben und diese infolgedessen auch nicht als Kirchen in unserem Verst├Ąndnis dieses Wortes anerkannt haben, haben wir gleichwohl den Dialog mit einigen von ihnen in der Form von ÔÇ×Kirche zu KircheÔÇť gef├╝hrt. Allerdings hat sich diese Situation nunmehr ge├Ąndert, und eine Frau wurde Oberhaupt der Evangelischen Kirche in Deutschland. Damit stellt sich die Grundsatzfrage nach der M├Âglichkeit, den Dialog in der angedeuteten Form fortzusetzen. Denn mit einer solchen Wahl, ohne R├╝cksicht auf die 50 Jahre des Dialogs mit der Orthodoxie, hat die andere Seite einen Weg eingeschlagen, der in dramatischer Weise die Unterschiede zwischen unseren Traditionen vertieft.

Das f├╝hrt unweigerlich zu der Grundsatzfrage: Was bedeutet unser Dialog, wenn als Ergebnis nicht die fr├╝her erkl├Ąrte Bewegung aufeinander zu erscheint, sondern im Gegenteil h├Âchstens die Bewegung von einem der an dem Gespr├Ąch Beteiligten in die Gegenrichtung? Wir k├Ânnen dabei auch nicht die Meinung unserer Gl├Ąubigen ├╝bergehen; denn f├╝r sie sind die Begegnung und das Gespr├Ąch mit einer Kirche, als deren Oberhaupt eine Frau gew├Ąhlt wurde, v├Âllig inakzeptabel.

Unter diesen komplizierten Umst├Ąnden traf ich die Entscheidung, nicht zur Feier des f├╝nfzigj├Ąhrigen Jubil├Ąums unseres Dialogs nach Deutschland zu fahren. Allerdings war ich bereit, meinen Vertreter als Leiter einer Delegation unseres Kirchlichen Au├čenamtes zu entsenden. Der Moskauer Teil der Feierlichkeiten sollte auf der fr├╝her geplanten hohen Ebene stattfinden, und es w├Ąre f├╝r uns eine aufrichtige Freude gewesen, unseren jahrelangen Freund, Bischof Wolfgang Huber, als Leiter der Delegation der Evangelischen Kirche in Deutschland zu sehen. Doch zu unserem Bedauern wurden mit der Entscheidung der neuen Leitung der Evangelischen Kirche in Deutschland die Feierlichkeit abgesagt. Dabei wurde es nicht als notwendig erachtet, mit mir irgendeinen Kontakt aufzunehmen.

Auch wenn von einigen Leuten in Ru├čland anderes behauptet wird, wurde weder von mir noch von einem meiner Mitarbeiter ein ÔÇ×Abbruch der BeziehungenÔÇť mit der Evangelischen Kirche in Deutschland erkl├Ąrt. F├╝r uns haben die jahrelangen Beziehungen mit den deutschen Protestanten einen hohen Wert, und die Erfahrung des theologischen Dialogs wird unbedingt auch weiterhin von Nutzen sein.

Ich bin betr├╝bt dar├╝ber, da├č das Jubil├Ąum unseres Dialogs, der so viele gute Fr├╝chte in der Vergangenheit erbracht hat, ausgerechnet jetzt in seiner bisherigen Form, in der er ein halbes Jahrhundert stattgefunden hat, zu Ende gegangen ist. Doch die Hauptursache daf├╝r liegt nicht in irgendwelchen ├äu├čerungen in den letzten Tagen, sondern vielmehr in Vorg├Ąngen, die sich seit einigen Jahrzehnten im Scho├č des westlichen Protestantismus ereignet haben. Wir in der Russischen Orthodoxen Kirche sind h├Âchst beunruhigt ├╝ber die st├Ąndig zunehmenden s├Ąkularen Einfl├╝sse auf die Entwicklung von Theologie und kirchlichem Leben in den protestantischen Gemeinden. Die Liberalisierung sittlicher Normen und die Abwendung von den apostolischen Regeln f├╝r die Kirchenordnung veranlassen uns, im Geist christlicher Liebe unseren Br├╝dern und Schwestern ein Zeugnis f├╝r die authentische christliche Tradition zu geben.

Heute wird der Abgrund immer tiefer, der die traditionellen christlichen Kirchen von jenen Gemeinden westlicher Kirchen trennt, die sich auf dem Weg einer Liberalisierung der Glaubenslehre, der Kirchenordnung und der sittlichen Normen in der Anpassung an die modernen s├Ąkularen Verhaltensweisen befinden. Daran sind nicht die Orthodoxen schuld, die durch die Jahre des Dialogs hindurch nicht einen Schritt zur├╝ckgewichen sind von ihren protestantischen Br├╝dern und Schwestern, sondern im Gegenteil den Verpflichtungen, die sich auf sich genommen haben, treu geblieben sind.

Indem sie eine Frau zum Oberhaupt der Kirche gew├Ąhlt hat, hat die Evangelische Kirche in Deutschland ihre Entscheidung getroffen. Wir sind durchaus bereit, diese Wahl als eine innere Angelegenheit der Evangelischen Kirche in Deutschland anzusehen. Wenn es jedoch um einen Dialog geht, an dem unsere Kirche teilnehmen soll, behalten wir uns das Recht vor, eine Entscheidung ├╝ber die Angemessenheit einer weiteren Fortsetzung dieses Dialogs zu treffen und ├╝ber die Formen, in denen in Zukunft die weiteren Beziehungen zwischen uns zu gestalten sind. Ich w├╝rde es f├╝r richtig halten, wenn wir nach einiger Zeit unter ruhigen Umst├Ąnden die schwierig gewordene Situation er├Ârtern k├Ânnten. Zu diesem Zweck w├Ąre ich bereit, im Fr├╝hling 2010 nach Deutschland zu kommen.

Mit Hochachtung.

Der Pr├Ąsident des Kirchlichen Au├čenamtes des Moskauer Patriarchats, Erzbischof Ilarion von Volokalamsk.

Quelle: Internetdienst kath.net vom 16.12.2009

 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 6. Januar 2010 um 21:07 und abgelegt unter Christentum weltweit, Kirche.