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Ist die ganze Fülle der Heilsmittel nur in der katholischen Kirche zu finden? Teil III

Ist die ganze Fülle der Heilsmittel nur in der katholischen Kirche zu finden? Teil III

Schlußfolgerungen

In der Tat ist es so, daß Christus durch die übergroße Betonung Marias regelrecht verdrängt wird. Der heilige Hieronymus hat geschrieben: „Unkenntnis der Schriften sei Unkenntnis Christi.“ Dies ist leider allzu wahr innerhalb der katholischen Kirche. Weil man in der Bibel selbst kaum etwas über Maria lesen kann (im Gegensatz zu Christus, über den wir vier Evangelien haben), ist man auf Privatoffenbarungen angewiesen.Diese sind, milde gesagt, sehr zweifelhaft. Wenn Maria angeblich in Erscheinungen von einer Weihe an ihr Unbeflecktes Herz spricht, sucht man vergeblich im Wort Gottes nach etwas Ähnlichem. Die Botschaft ist fremdartig, wenn sie mit der Bibel verglichen wird. Angeblich hat Maria in Fatima gesagt: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.“ Nein! Am Ende wird Jesus Christus triumphieren! Gott aber sei Dank, der uns allezeit im Triumphzug umherführt in Christus und den Geruch seiner Erkenntnis an jedem Ort durch uns offenbart! (2.Korinther 2,14) In der Offenbarung wird der Triumph des Herrn gepriesen. Maria wird nicht erwähnt: Und ich hörte eine laute Stimme im Himmel sagen: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes und die Macht seines Christus gekommen; denn hinabgeworfen ist der Verkläger unserer Brüder, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagte. (Offenbarung 12,10) In der Botschaft von Pontevedra an Schwester Lucia (die älteste der drei Seher von Fatima) vom 10. Dezember 1925 soll Maria gesagt haben: Bemühe wenigstens du dich, mich zu trösten und mache bekannt, daß ich verspreche, all jenen in der Todesstunde mit allen Gnaden beizustehen, die für das Heil dieser Seelen notwendig sind, die fünf Monate lang jeweils am ersten Samstag beichten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und mit mir eine Viertelstunde verbringen, indem sie die Geheimnisse des Rosenkranzes betrachten, in der Absicht, mir dadurch Sühne zu leisten. Anweisungen in dieser Art findet man im Neuen Testament nicht. Maria gegenüber soll man Sühne leisten?! So etwas ist der Bibel ganz und gar fremd! Gott wurde beleidigt, ihm gegenüber muß Sühne geleistet werden! Siehe, der Herr ist gekommen mit seinen heiligen Myriaden, Gericht auszuüben gegen alle und alle Gottlosen zu überführen von allen ihren Werken der Gottlosigkeit, die sie gottlos verübt haben, und von all den harten Worten, die gottlose Sünder gegen ihn geredet haben. (Judas 1,14–15) Durch ihn (Christus) alles mit sich (Gott) zu versöhnen – indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes – durch ihn (Christus), sei es, was auf der Erde oder was in den Himmeln ist. (Kolosser 1,20) In einem Interview sagte Schwester Lucia: Maria hat mir gesagt, daß sie der Welt die letzten Heilmittel gebe: Den Rosenkranz und die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens. Und da dies die letzten Heilmittel sind, heißt es, daß es keine anderen mehr geben wird. Gott bietet uns … das letzte Mittel des Heiles an: seine heiligste Mutter. Denn wenn wir dieses letzte Mittel abweisen, werden wir die Verzeihung des Himmels nicht mehr erlangen. Das letzte Heilmittel soll Maria sein? Wer die Heilige Schrift kennt, könnte niemals so einer Aussage Glauben schenken! Das Heilmittel ist UND BLEIBT die Botschaft über das Erlösungswerk des Herrn Jesus! Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. (Römer 1,16) Ich tue euch aber, Brüder, das Evangelium kund, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch steht, durch das ihr auch errettet werdet, wenn ihr festhaltet, mit welcher Rede ich es euch verkündigt habe. (1. Korinther 15,1–2) Von all den Stellen in der Bibel, die von der Sühnung, die durch Christus bewirkt wurde, sprechen, wird Maria nicht einmal im Ansatz angedeutet – nicht einmal die eventuelle Möglichkeit! Auch nicht, daß sie sie irgendwie vermittelt. Ihn (Christus) hat Gott hingestellt als einen Sühneort durch den Glauben an sein Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden. (Römer 3,25) Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben. (Römer 5,11) Und er (Christus) ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt. (1. Johannes 2,2) Hierin ist die Liebe: nicht daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden. (1. Johannes 4,10) Alle die Dinge, die man Maria zuschreibt, sind eigentlich in Christus (oder dem Heiligen Geist) erfüllt und in IHM zu suchen. Die meisten Katholiken wissen das nicht, weil sie die Bibel nicht kennen. Alles, was sie von Maria hören, alles, was auf sie angewandt wird, wird eigentlich von der Bibel her auf Christus (oder seine Kirche) angewandt. Der Herr hat gesagt: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ (Johannes 14,9)

Wenn Maria als Vorbild dient, wird man zum Vater nicht finden. Maria dient für viele Gläubige als Vorbild, aber (ich wiederhole) sie wissen so gut wie nichts über sie. Nichts mit Sicherheit. Von daher ist die Behauptung verständlich, daß die Wahrheit über Maria nicht in der Theologie zu finden ist, sondern daß es ein Geheimnis in der Kirche ist. Immer wieder lese ich, daß die Lehre über Maria nicht eine Sache der „Theologie“ ist, sondern der Liturgie. Maria ist angeblich das Geheimnis der Kirche als Gemeinschaft mit Christus. Die Kirche predigt Christus, aber Gemeinschaft mit Christus offenbart Maria als die geheime Freude innerhalb der Kirche. (Angeblich freut sich die gesamte Schöpfung in ihr.) Die Kirche ist neues Leben in Christus. Als „Leben“ ist die Kirche eine „sie“, die Braut Christi, wird behauptet – Maria. Keine Synode oder kirchliche Autorität hat dies festgemacht, sondern die lebende Erfahrung in der Kirche. Die Frömmigkeit der Kirche, wird gesagt, ist mariologisch. Dies ist grundlegend falsch. Christus hat ganz andere Worte gesprochen. Für ihn war das Geheimnis, in das er den an ihn Glaubenden „einweihen“ wollte, die Kenntnis über den Vater – niemals Maria! Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater; und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn, und der, dem der Sohn ihn offenbaren will. (Matthäus 11,27) Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren. (Johannes 14,21) Die Bibel gibt keine Rechtfertigung für diese Auswüchse über Maria. Aus diesem Grund sind Privatoffenbarungen von/über Maria so wichtig für viele Katholiken. Lesen wir noch einmal, was Kardinal Ratzinger darüber sagt: Der Maßstab für Wahrheit und Wert einer Privatoffenbarung ist demgemäß ihre Hinordnung auf Christus selbst … Das schließt nicht aus, daß eine Privatoffenbarung neue Akzente setzt, daß sie neue Weisen der Frömmigkeit herausstellt oder alte vertieft und erweitert. Aber in alledem muß es doch darum gehen, daß sie Glaube, Hoffnung und Liebe nährt, die der bleibende Weg des Heils für alle sind. Wir können hinzufügen, daß Privatoffenbarungen häufig primär aus der Volksfrömmigkeit kommen und auf sie zurückwirken, ihr neue Impulse geben und neue Formen eröffnen. Dies schließt nicht aus, daß sie auch in die Liturgie selbst hineinwirken, wie etwa Fronleichnam und das Herz-Jesu-Fest zeigen. In gewisser Hinsicht bildet sich im Verhältnis von Liturgie und Volksfrömmigkeit das Verhältnis zwischen Offenbarung und Privatoffenbarungen ab: Die Liturgie ist das Maß, sie ist der direkt aus dem Evangelium genährte Lebensausdruck der Kirche im Ganzen. Volksfrömmigkeit bedeutet, daß der Glaube im Herzen der einzelnen Völker Wurzel schlägt, so daß er in die Welt des Alltags hineingetragen wird.

Die Volksfrömmigkeit ist die erste und grundlegende Weise von „Inkulturation“ des Glaubens, die sich immer wieder von der Weisung der Liturgie her ordnen und leiten lassen muß , aber umgekehrt sie vom Herzen her befruchtet. („Fatima“) So ist es auch geschehen. In vieler Hinsicht hat das Volk die Lehre über Maria bestimmt. Eine Lehre, die auf Unwissenheit beruht. Eine Lehre, die entwickelt wurde, weil dem Volk so oft die Wahrheit vorenthalten wurde, weil das Volk die Bibel nicht kennt. Weil das Volk eine Leere spürte, die gefüllt werden mußte. Verehrung in der Aussetzung und ähnliche Sachen wurden vorherrschend, weil das Volk früher nicht an der Messe teilnehmen durfte – nur die Priester. Es gab Auswüchse als Reaktion auf das Fehlverhalten von Verantwortlichen in der Kirche. Als Reaktion auf die Reformation wuchs die Rolle und Verehrung Marias im 16. Jahrhundert. „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes“ wurde dem „Ave Maria“ hinzugefügt. Dies hat nicht aufgehört. In unserer Zeit gab es eine Bewegung um Maria als „Die Frau, Mutter aller Völker“ zu sehen, eine Frau „die einst Maria war“. Sie wird zur Göttin. Man stellt unverkennbar fest, daß es keinen Konsensus unter allen Gläubigen durch die Jahrhunderte gab, unter Lehrern der Kirche in Bezug auf Maria. Von der Heiligen Schrift her war das meiste nicht eindeutig. Die Argumente, die jetzt benutzt werden, diese Dinge von der Schrift abzuleiten, sind nicht stichhaltig. Man ging von der eigenen, menschlichen Vorstellung aus, nicht von der Belehrung der Schrift, und kam so auf absurde Gedanken wie, daß Maria Christus unseretwegen besänftigen muß. Alles menschlich verständlich und alles menschlich falsch! Man kann argumentieren, daß Maria noch zu neutestamentlicher Zeit lebte und wir aus diesem Grund in der Schrift nichts über ihre jetzige Rolle und ihre Aufgaben finden. (Deswegen diese Rede über ein Geheimnis in der Kirche.) Aber wenn dies wahr wäre, würde es den Worten des Herrn widersprechen, der gesagt hat: Ich nenne euch nicht mehr Sklaven, denn der Sklave weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört, euch kundgetan habe. (Johannes 15,15) Und denen des Apostels Paulus: Denn ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluß Gottes zu verkündigen. (Apostelgeschichte 20,27) Damit ist klar, daß es keine radikal neuen Dinge geben kann. Ein tieferes Verständnis wächst über die Zeit, aber nicht, daß etwas Neues eingeführt wird. Der KKK sagt dazu: ‚Obwohl die Offenbarung abgeschlossen ist, ist ihr Inhalt nicht vollständig ausgeschöpft. Es bleibt Sache des christlichen Glaubens, im Lauf der Jahrhunderte nach und nach ihre ganze Tragweite zu erfassen.‘ (Nr. 66). Sehr schön sind die beiden Aspekte von Bindung an das Einmalige und Fortschritt in dessen Verstehen in den Abschiedsreden des Herrn ausgelegt, wo der scheidende Christus den Jüngern sagt: ‚Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden … Er wird mich verherrlichen, denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es verkünden.‘ (Joh 16,12, 14) („Fatima“)

Neue Wahrheiten über Maria, ihr Wirken oder ihre Stellung, können nicht ein Teil davon sein, denn sie werden nicht einmal im Ansatz im Neuen Testament angedeutet. Der Herr Jesus sagte seinen Jünger, daß nach seinem Tod und seiner Auferstehung der Heilige Geist kommen und sie in die GANZE Wahrheit einführen würde – aber die Wahrheit über SICH. Der Herr sagt, „Er wird MICH verherrlichen“, „was MEIN ist“. Die Stelle in Johannes 16 (Vers 12: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen“) wird gerne benutzt, um zu „beweisen“, daß die Lehren über Maria berechtigt sind. Sie sind ein Teil dieser Dinge, die der Herr damals seinen Jüngern noch nicht sagen konnte. Falsch! Der Herr selbst gibt an, um was es ging. Dies habe ich in Bildreden zu euch geredet; es kommt die Stunde, da ich nicht mehr in Bildreden zu euch sprechen, sondern euch offen von dem Vater verkündigen werde. (Johannes 16,25) Es geht um den Vater – wie immer. Diese Lehre über den Vater scheinen immer noch sehr viele Gläubige nicht „tragen“ zu können. Es wird in vielen Büchern über Maria zugegeben, daß wir so gut wie nichts über sie aus der Bibel wissen. Wie kann man dann wie Kardinal Ratzinger sagen: „Wenn jemand einwenden möchte, wir sollten doch nicht einen Menschen zwischen uns und Christus stellen, so ist daran zu erinnern, daß Paulus sich nicht scheut, zu seinen Gemeinden zu sagen: Ahmt mich nach (1 Kor 4, 16; Phil 3, 17; 1 Thess 1, 6; 2 Thess 3, 7 und 9). Am Apostel können sie konkret ablesen, was Nachfolge Christi heißt. Von wem aber könnten wir es über alle Zeiten hin besser erlernen als von der Mutter des Herrn? („Fatima“) Eine Szene aus der Kindheit unseres Herrn, die einzige, gibt die Situation bezüglich Marias und der Schwierigkeiten in der Kirche gut wieder. Der Herr Jesus war mit 12 Jahren mit seinen Eltern nach Jerusalem gereist. Als die Eltern zurück nach Hause gingen, blieb Jesus im Tempel zurück. Seine Eltern suchen und finden ihn schließlich. Es heißt in Lukas 2,48–50 „Und als sie (die Eltern) ihn (Jesus) sahen, wurden sie bestürzt; und seine Mutter sprach zu ihm: Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ist der Grund dafür, daß ihr mich gesucht habt? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen redete.“ Maria verstand diese Rede über den Vater nicht, auch wenn sie diese Worte in ihrem Herzen aufbewahrte.

Die katholische Kirche versteht diese Rede immer noch nicht. Sie verstehen nicht, daß es um den Vater geht und nicht um Maria. Christus sagte über Gott den Heiligen Geist: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.“ (Johannes 16,13–15) Wenn der Heilige Geist sich mehr im „Hintergrund“ hält (in aller Ehrfurcht gesagt) und Christus in den Vordergrund stellt, wie viel mehr sollte dies auf Maria zutreffen! (Die ganzen Privatoffenbarungen, wo Maria sagt „ich will dies und ich will jenes“ und „du sollst mir dies tun und jenes tun“ passen nicht in das biblische Bild.) Viele Gläubige betonen eine enge Beziehung zu Maria, wenn sie eigentlich eine enge Beziehung zu Christus betonen müßten! Nur ER ist der „Bräutigam unserer Seele“! Die ganze Ausrichtung der Bibel ist, daß der Gläubige in seiner Beziehung zu Gott wachsen soll. Die Gemeinschaft zwischen einem Christen und dem Vater und dem Sohn soll intensiver werden. Darum geht es! Der Dienst Marias geht in diese Richtung – und nicht, um die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken. Wie wäre es in einer Familie, wenn die Kinder bessere und intensivere Beziehungen zu den Bediensteten pflegten als zu den Eltern? Oder eine Ehefrau bessere Beziehungen zu Freunden und Bekannten hätte als zum eigenen Ehemann? Da würden wir alle antworten: Hier stimmt etwas nicht! Wir haben Gemeinschaft mit den Heiligen – das ist wahr –, aber wir sind zur Gemeinschaft mit Jesus Christus berufen (1. Korinther 1,9)!

Maria hat ihren Dienst verfehlt, wenn wir uns bei ihr wohler oder besser verstanden fühlen als bei Christus! Wie kann ich wissen, ob ich richtig mit Maria „umgehe“? Ganz einfach, wenn durch ihren Dienst meine Beziehung zu Christus und zum Vater vertieft wird. Wenn ich mit dem Herrn vertrauter werde. Wenn ich mich gerne bei ihm „aufhalte“. Wenn mir Maria wichtiger ist, wenn ich mehr Zeit mit ihr verbringe, wenn ich mehr das „Zwiegespräch“ mit ihr pflege als mit Christus – dann stimmt etwas nicht. „So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen.“ (Epheser 4,13) „So daß ihr Jesus Christus, unseren Herrn, immer tiefer erkennt.“ (2. Petrus 1,8) Was fehlt Es wird oft gesagt: Durch Maria zu Christus! Diese Aussage finden wir nirgendwo in der Heiligen Schrift. Im Gegenteil, die Schrift weist immer auf unseren direkten Zugang zu Gott hin. Dennoch, auch wenn man diese falsche Aussage beherzigt, darf man bei Maria nicht stehen bleiben. Es muß weitergehen. Unser Herr hat gesagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Johannes 14,6) Dies ist in zweierlei Hinsicht wichtig. Erstens, daß wir erkennen, daß der Weg zum Vater nur über Christus geht und zweitens, daß der Vater will, daß wir zu ihm gelangen! Durch Maria zu Christus. Durch Christus zum Vater. Warum bleiben so viele an „Zwischenstationen“ stehen? Wird das Herz des Vaters befriedigt, wenn wir nicht zu ihm hingelangen und uns sozusagen an der Eingangstür herumdrücken? Der Apostel Paulus betet für uns Christen, daß „Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt.“ (Epheser 1,17) Ihm (und Gott) geht es darum, daß wir „die Liebe Christi verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt.“ (Epheser 3,19) Es ist sein und Gottes Wunsch, „daß der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in Liebe gewurzelt und gegründet seid.“ (Epheser 3,17) Der Apostel Paulus ruft Timotheus und uns allen zu: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen worden bist.“ (1. Timotheus 6,12) Jesus Christus hat selbst das ewige Leben definiert: „Das ist das ewige Leben: dich (den Vater), den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“ (Johannes 17,3) In unserem Leben als Christ gibt es Wachstum. Der heilige Apostel Johannes beschreibt dieses Wachstum in seinem ersten Brief als ein Fortschreiten von Kindern zu jungen Männern und dann zu Vätern. Die „Väter“ in Christus (solche, die „zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi“ gelangt sind – Epheser 4,13) werden einfach beschrieben als solche, die „den erkannt haben, der von Anfang an ist“. Die Aufgabe Marias wird nur erreicht, wenn von uns gesagt werden kann, daß wir „den erkannt haben, der von Anfang an ist“! Das ist Gottes Zielsetzung in unserem Leben! Jesus Christus kam in diese Welt, um den Vater zu offenbaren und uns in die Gemeinschaft mit ihm zu führen. Unser Herr hat gesagt: „Was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, wird er euch geben.“ (Johannes 16,23) „Denn der Vater selbst hat euch lieb.“ (Johannes 16,27)

Wird dieser Umgang mit dem Vater innerhalb der katholischen Kirche erkannt? Wenn es wahr ist (wie in der katholischen Kirche behauptet wird), daß Maria uns das Herz des Herrn zeigen will, dann ist es um so wahrer, daß unser Herr uns das Herz des Vaters zeigen will! Und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. (1. Johannes 1,3) Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater; und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn, und der, dem der Sohn ihn offenbaren will. (Matthäus 11,27) Am Anfang dieses Artikels habe ich aufgeführt, wie die katholische Kirche die Bibel als Quelle versteht und daß Privatoffenbarungen damit in Übereinstimmung sein müssen. Leider sind die Ansichten und Lehren über Maria, die sich über die Jahrhunderte entwickelt haben, nicht damit in Übereinstimmung. Sie sind größtenteils Erfindungen. Viele Dinge wurden „erfunden“ aus der Not heraus oder aus anderen Gründen. Oft waren sie gut gemeint, und wenn man die Entwicklung verfolgt, kann man verstehen, warum dies oder jenes entstanden ist. Das Schlimme dabei ist, daß alle diese „Erfindungen“ als eine Art „Ersatz“ dienen und das Eigentliche nicht erkannt wird. Dies ist grundlegend falsch. Christus hat ganz andere Worte gesprochen. Für ihn war das Geheimnis, in das er den an ihn Glaubenden „einweihen“ wollte, die Kenntnis über den Vater – niemals Maria! Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater; und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn, und der, dem der Sohn ihn offenbaren will. (Matthäus 11,27) Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren. (Johannes 14,21)

Die katholische Kirche hat nicht die Fülle der Wahrheit. Die Bischöfe haben nicht immer die Wahrheit, wie behauptet wird – WEIL DIE BEZIEHUNG ZUM VATER FEHLT! Also gerade das, wofür der Herr Jesus überhaupt auf die Erde kam. Es ist nicht nur, daß die katholische Kirche nicht mit Recht behaupten kann: „Nur durch die katholische Kirche Christi, die allgemeine Hilfe zum Heil ist, kann man die ganze Fülle der Heilsmittel erlangen.“ Sondern sie kann auch nicht gütig herabschauen auf Nicht-Katholiken und sagen „In Wirklichkeit existieren die Elemente dieser bereits gegebenen Kirche in ihrer ganzen Fülle in der katholischen Kirche und noch nicht in dieser Fülle in den anderen Gemeinschaften‘. Deswegen sind diese getrennten Kirchen und Gemeinschaften trotz der Mängel, die ihnen nach unserem Glauben anhaften, nicht ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heiles. Denn der Geist Christi hat sie gewürdigt, sie als Mittel des Heiles zu gebrauchen, deren Wirksamkeit sich von der der katholischen Kirche anvertrauten Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet‘“. Denn das Allerwichtigste, was dem Herrn Jesus am wichtigsten war, nämlich uns den Vater zu offenbaren, fehlt in der katholischen Kirche und ist vorhanden in „den anderen Gemeinschaften“! Ohne diese „anderen Gemeinschaften“ würde es diese Wahrheit nicht geben – denn sie fehlt in der katholischen Kirche! Was mich trotz all dieser Mängel an der katholischen Kirche so beeindruckt, ist ihr Empfinden von Ehrfurcht vor Gott – etwas, was in vielen, vielen protestantischen Gruppen fehlt. Da geht man leider oft sehr „kumpelhaft“, sehr „salopp“ mit Gott um. Die protestantische Seite hat in mancher Hinsicht den freien Zugang zu Gott falsch betont. In der katholischen Kirche hat die falsche Betonung der Ehrfurcht Gläubige von Gott distanziert. Die Hingabe vieler Katholiken ist beeindruckend. Wenn sie nur einen Bruchteil der Hingabe, die sie für die Beschäftigung mit Privatoffenbarungen – die angeblich Botschaften von Maria beinhalten – oder Sühnenächten aufbringen, für das Studium des Wortes Gottes anwenden würden, dann würde eine Wende zum Guten kommen! Aber wie viele wissen, was der Apostel Paulus über die wunderbare Stellung des Christen in Christus schreibt oder was der Apostel Johannes über unsere intime Beziehung zu göttlichen Personen schreibt? Ich habe Epheser 4,13 in diesem Artikel oft zitiert, aber es ist auch ein sehr wichtiger Vers: Bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi.

Dies ist Gottes Zielsetzung, daß alle Gläubigen zur Einheit des Glaubens hingelangen. Es ist etwas, das hier – auf der Erde – passieren wird. Es wird passieren, weil Gott es so will. Davon bin ich fest überzeugt. Aber wie kann es geschehen? Viele Katholiken glauben, daß eine Rückkehr zur alten Messe (lateinischer Ritus) dies bewirken kann. Viele glauben, daß eine erneute Weihe an Maria dies bewirken wird. Das Buch „Ökumene gegen Herz Maria Weihe“ (Anm. 16) ist nur ein Beispiel von vielen, die in diese Richtung gehen. Einige Stellen, die von Christen – katholischen und nicht-katholischen – oft verwendet werden um die notwendige Einheit unter Christen hervor zu heben, sind Johannes 17,11 und 18–23. Zu Recht weist man darauf hin, daß Einheit ein Wunsch des Herrn ist: Und ich bin nicht mehr in der Welt, und diese sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater! Bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, daß sie eins seien wie wir! Diese Einheit sollte auch die Welt überzeugen von der Wahrheit über Christus. Wie du (Vater) mich in die Welt gesandt hast, habe auch ich sie in die Welt gesandt; und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie Geheiligte seien durch Wahrheit. Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben, damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast. Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, daß sie eins seien, wie wir eins sind – ich in ihnen und du in mir – daß sie in eins vollendet seien, damit die Welt erkenne, daß du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast. Es wäre natürlich ein großartiges Mittel die Welt für Gott zu gewinnen, wenn die Welt sehen könnte, daß die Christen nicht in unzählige Gruppen getrennt, sondern eine Einheit bilden würden. Wenn die Welt sehen könnte, daß so verschiedene Menschen aus allen Teilen der Welt eins sind. Am Anfang war es so. In der Apostelgeschichte lesen wir: Alle Gläubiggewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer bedürftig war. Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot, nahmen Speise mit Jubel und Schlichtheit des Herzens, lobten Gott und hatten Gunst beim ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich hinzu, die gerettet werden sollten. (2,44–47) Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, daß etwas von seiner Habe sein eigen sei, sondern es war ihnen alles gemeinsam, und mit großer Kraft legten die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus ab; und große Gnade war auf ihnen allen. (4,32–33) Leider blieb es nicht lange bei dieser Einheit. Zwietracht und Auseinandersetzungen, Parteien und Streitereien setzten bald ein – bis heute. Der Wunsch und die Bemühung nach Einheit sind gut und erstrebenswert, aber man setzt oft an der falschen Stelle an – man setzt auf eine äußere Einheit. Man kann die Verse aus Johannes 17 sicherlich verwenden, um diese Bemühungen zu rechtfertigen – aber man macht oft einen Fehler. Die Einheit, wovon Christus dort spricht, ist nicht eine horizontale, d.h. eine unter Gläubigen (egal wie wünschenswert und berechtigt sie sonst ist), es geht dem Herrn um die vertikale Einheit des Gläubigen mit dem Vater und mit dem Sohn. Der Vater und der Sohn sind eins. Durch das Werk des Herrn Jesus werden wir in diese Einheit eingeführt. Christus will uns in die Gemeinschaft und Einheit mit sich selbst und dem Vater führen. Er will, daß wir ihn kennen und durch ihn den Vater. Dies ist großartig! Die Erfahrung von unzähligen Christen ist, daß, wenn Menschen, die an Gott nicht glauben, von der Kirche abgestoßen sind (durch die Uneinheit und viele andere Dinge), sie meistens von einzelnen Christen, die ihren Glauben bewußt leben, angezogen werden. Von Christen, die in der Gemeinschaft mit Christus und dem Vater leben durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Das ist die Lösung!

Wenn Gläubige mehr in diesem Einssein mit Gott leben würden, würde es sich mehr und mehr in ihrer Beziehung zu anderen Gläubigen auswirken – was letzten Endes eine Änderung in der Welt bewirken würde, nämlich, daß die Welt von der Wahrheit überzeugt wird. So hat es auch der Herr Jesus dargestellt: So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen. (Matthäus 5,16) Hierin wird mein Vater verherrlicht, daß ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet. (Johannes 15,8) Wir können nur wirklich Frucht für Gott bringen, wenn wir in Christus bleiben (Johannes 15,4–7). Also wird unser Einssein mit ihm betont – was auch ein Einssein mit dem Vater zur Folge hat. Dies wirkt sich aus, indem der Vater verherrlicht wird. Christus will, daß sein Vater in uns verherrlicht wird – daß wir ihn verherrlichen – und daß durch uns die Welt ihn verherrlicht! Das Neue Testament spricht wiederholt von den Gläubigen, daß sie „in Christus“ sind. Der Apostel Paulus benutzt sehr oft diese Wahrheit als Teil seines Grußes in seinen Briefen. Der Apostel Johannes schreibt: Wir wissen aber, daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns Verständnis gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen; und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. (1. Johannes 5,20) Wir sind in Christus und wir haben ihn „angezogen“. Der Apostel Paulus schreibt: Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen. (Galater 3,27) (Ihr habt) den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen und den neuen (Christus) angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bild dessen, der ihn erschaffen hat! (Kolosser 3,9–10) (Ihr habt) den alten Menschen abgelegt … und den neuen Menschen (Christus) angezogen, der nach Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit. (Epheser 4,22–24) Christus ist auch in uns: Gott wollte zu erkennen geben, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen sei, und das ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. (Kolosser 1,27) Wir waren als Kinder Adams tot in unseren Sünden und Vergehungen, aber Gott hat uns in Christus lebendig gemacht. Er hat das Leben des Herrn zu unserem Leben gemacht. (Epheser 2,1–5) Und dies ist das Zeugnis: daß Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht. (1. Johannes 5,11–12) Wenn der Christus, euer Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit. (Kolosser 3,4) Christus ist das Leben der Gläubigen. Das Leben des Christen geht auf in dem Leben des Herrn: Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, und zwar im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. (Galater 2,20) Wenn Gott auf die Menschen herabsieht, die an seinen Sohn glauben, sieht er seinen Sohn in ihnen. Gott hatte einen „Sohn seiner Liebe“ (Kolosser 1,13). Er wollte viele haben. Dies hat er durch das Werk des Herrn erreicht. Denn es geziemte ihm (Gott), um dessentwillen alle Dinge und durch den alle Dinge sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit führte, den Urheber ihrer Rettung durch Leiden vollkommen zu machen. (Hebräer 2,10) Das Leben des Sohnes soll in uns zum Ausdruck kommen: (Wir tragen) allezeit das Sterben Jesu am Leib umher, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde. Denn ständig werden wir, die Lebenden, dem Tod überliefert um Jesu willen, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar werde. (2. Korinther 4,10–11) Wir haben die „Auflage“, wie Christus zu sein: Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi Nachahmer bin! (1. Korinther 11,1) Gottes Zielsetzung für uns ist, daß wir seinem Sohn immer ähnlicher werden: Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. (Römer 8,29) Das war auch die Zielsetzung im Dienst des Apostels Paulus an den Gläubigen: Meine Kinder, um die ich abermals Geburtswehen erleide, bis Christus in euch Gestalt gewonnen hat. (Galater 4,19) Die „Vielen“ sollen wie der „Eine“ sein. Als Christ soll mein Leben dem Leben des Herrn Jesus Christus immer ähnlicher werden. Wie kann ich wissen, wie dieses Leben aussieht? Wo kann ich dieses Leben finden? Ich finde es in den Evangelien. Da wird uns das Leben des Herrn gezeigt. Ich kann als Christ sagen: das ist mein Leben. Großartig! Als Moses auf dem Berg war, um die Gebote von Gott zu empfangen, merkte er nicht, daß dieser Aufenthalt in Gottes Gegenwart auf ihn „abgefärbt“ hatte, aber seine Umwelt merkte es: Es geschah aber, als Mose vom Berg Sinai herabstieg – und die beiden Tafeln des Zeugnisses waren in Moses Hand, als er vom Berg herabstieg –, da wußte Mose nicht, daß die Haut seines Gesichtes strahlend geworden war, als er (Gott) mit ihm geredet hatte. Und Aaron und alle Söhne Israel sahen Mose an, und siehe, die Haut seines Gesichtes strahlte; und sie fürchteten sich, zu ihm heranzutreten. (2. Mose 34,29–30)

Wenn wir uns mit dem Leben des Herrn Jesus beschäftigen, wenn wir uns bei ihm aufhalten, wird es sich auf uns auswirken. Was in diesem Leben des Herrn völlig fehlt, ist eine Hingabe an Maria. Maria spielte keine zentrale Rolle im Leben des Herrn. Er ehrte sie gewiß als seine Mutter, aber er gab ihr nie einen besonderen Platz. (Im Gegenteil, er nannte seine Jünger „meine Mutter“ – aber NIEMALS „mein Vater“!) Wenn wir das Leben des Herrn Jesus betrachten, stellen wir fest, daß der Vater das Zentrale war. Den Vater kennen, mit dem Vater Gemeinschaft haben. Das ist, was klar und deutlich herauskommt, wenn wir über den Herrn Jesus in den Evangelien lesen. Wir haben auch keine andere göttlich anerkannte Quelle. Privatoffenbarungen scheiden hier ganz und gar aus. Die Rolle, die Maria in dem Leben vieler Katholiken einnimmt, ist ganz einfach falsch. Diese Katholiken werden nie die Zielsetzung Gottes für ihr Leben erreichen, wenn sie nicht erkennen, daß sie die Prioritäten falsch gesetzt haben. Es soll nicht um Maria gehen, sondern um den Vater! Maria ist NICHT unser Vorbild! Jesus Christus ist unser Vorbild und das Leben, das er mit dem Vater lebte, soll unser Leben sein! Es ist gerade die katholische Betonung auf Maria, die ihre Behauptung, die Fülle der Gnade zu besitzen, Lügen straft. Die Verehrung und der Kult um Maria ist nicht Teil der Heilsmittel, die in ihrer Fülle nur in der katholischen Kirche zu finden sind, sondern sie verhindert, daß die Gläubigen zu der Fülle durchdringen – oder sie überhaupt erst erkennen und verstehen! Die katholische Betonung auf Maria verhindert diese Sache. Sie verhindert sie in dem Leben des einzelnen Gläubigen und dadurch hindert sie eine Veränderung zum Guten in der Welt. Maria darf nicht mehr zwischen dem Gläubigen und Gott stehen. Eine Betonung auf eine vertiefte Beziehung zu und ein vertieftes Verständnis von Maria muß weichen. Der Zugang zum Vater muß frei gemacht werden, muß gepredigt werden! Keine Weihe an Maria! Keine Weihe an das Herz Marias! Eine Weihe an den Vater! Eine Belehrung der Gläubigen über ihre Beziehung zu Christus und dem Vater. Das ist, was Maria (und alle anderen, die schon im Himmel sind) will! Sie will keine Kapelle für sich errichtet sehen. Sie will nicht, daß man den Rosenkranz mehr betet. Sie will keine Betonung auf sich sehen. Sie will Christus und den Vater im Mittelpunkt sehen. Davon bin ich überzeugt. Wenn ich etwas über Maria mit Sicherheit weiß, dann das. Wir müssen als Christus-Gläubige wirklich in dem leben, wovon er erzählt hat: Geh aber hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und EUREM Vater und zu meinem Gott und EUREM Gott! (Johannes 20,17) Gott ist unser Vater! Verstehen wir, was das bedeutet? Ist dies die Botschaft, die wir für die Kirche, für die Welt, haben?

Anmerkungen

Anmerkung 1 Wir werden später sehen, daß eine Himmelfahrt Marias für die katholische Theologie wichtig ist in Bezug auf die Gleichstellung von Adam und Christus sowie Eva und Maria: Was Christus widerfahren ist, muß Maria auch erleben.

2 Es gibt sie auch in anderen christlichen Gemeinschaften, aber dort haben sie meist nicht die Tragweite oder das Gewicht wie innerhalb der Katholischen Kirche.

3 Irenäus kritisiert, was er Marias übertriebene Hastigkeit nennt, als sie Christus in Kana drängt, ein Wunder zu vollbringen bevor seine Stunde gekommen war (Adversus Haereses III.16.7). Origenes schreibt über ihren wankenden Glauben am Kreuz (Homilia in Lucam, 17,6).

4 „So ist zum Beispiel das Dogma der ‚Unbefleckten Empfängnis‘ eine Schlussfolgerung aus dem Protoevangelium (1. Mose 3,15), Lukas 1,1 („du bist voll der Gnade“) und der Lehre der früheren Kirchenväter. Somit ist es keine neue Wahrheit, sondern die Ausfaltung des schon geoffenbarten Glaubensgutes. Dieses Dogma wäre auch ohne die Erscheinungen von Lourdes, wo sich Maria der heiligen Bernadette als die ‚Unbefleckte Empfängnis‘ geoffenbart hatte, im Glauben verpflichtend, da es im allgemeinen Glaubensgut enthalten ist.“ („Echt oder unecht?“, S. 7.) Eine Lehre über die Unbefleckte Empfängnis, glaubte man, wäre notwendig, denn wenn das von Maria Geborene heilig sein sollte, dann mußte sie es auch sein. Aber da der Vater von Christus Gott war, war die Einmischung der Sünde durch Adam nicht vorhanden. Die orthodoxe Kirche, von der die römisch-katholische Kirche sagt, ihre Priesterweihen und Messen seien authentisch, lehnt die Lehre der Unbefleckten Empfängnis als ohne Basis in der Schrift oder bei den Kirchenvätern ab. Sie weist darauf hin, daß einige Kirchenväter bemerkt haben, daß Maria vor der Auferstehung ihres Sohnes auch gesündigt hat. Wenn man Markus 3 sorgsam liest, dann entdeckt man etwas Wichtiges. In Vers 20 heißt es: „Und er (Jesus) kommt in ein Haus. Und wieder kommt die Volksmenge zusammen, so daß sie nicht einmal Brot essen konnten.“ Dafür haben seine Verwandten kein Verständnis: „Und als seine Angehörigen es hörten, gingen sie los, um ihn zu greifen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.“ (Vers 21) Die Verse 22 bis 30 beschreiben die Unterhaltung, die im Haus stattfand. In Vers 31 lesen wir dann wieder über die Verwandten, die in Vers 21 losgezogen waren: „Und es kommen seine Mutter und seine Brüder; und sie standen draußen, sandten zu ihm und riefen ihn.“ Man kann gewiß nicht sagen, was in Maria vorging, ob ihr Beweggrund anders war als der der anderen Verwandten, die offensichtlich mit Christus sprechen wollten im Sinne von Vers 21 – nämlich um ihn heraus zu holen. Dennoch unterscheidet der Heilige Geist Maria nicht von den anderen in diesem Bericht. Sie ist eine von denen, die draußen waren und nicht bei Christus. 5 Diese falsch angewandte Logik führte dazu, daß man sagte, da Christus als der letzte Adam gestorben, auferstanden und in den Himmel gefahren ist, muß es auch genauso wahr sein für die zweite Eva – sprich Maria. Aber eine Gleichstellung bezieht sich auf die Kirche, die Summe der Gläubigen. Der Apostel Paulus als Teil dieser Kirche bringt es zum Ausdruck in Philipper 3,10–11 „um ihn (Christus) und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden zu erkennen, indem ich seinem Tod gleichgestaltet werde, ob ich irgendwie hingelangen möge zur Auferstehung aus den Toten.“ Die Kirche als die Braut des Herrn wird die Auferstehung und Himmelfahrt erleben, wenn der Herr kommt um sie zu holen.

6 „ipsa conteret caput tuum“.

7 Die Gläubigen haben nur einen Vater, aber viele Mütter. Maria wird in der Schrift nicht hervorgehoben. Sie ist eine unter vielen. (Bemerke: „Vater“ wird nicht wiederholt wie die Übrigen.) Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Da ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben. (Markus 10,29–30).

8 Man kann Vers 6 („Und die Frau floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, damit man sie dort ernähre 1260 Tage.“) oder Vers 13 („Und als der Drache sah, daß er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau, die das männliche Kind geboren hatte.“) kaum auf Maria anwenden.

9 Jesus Christus hat immer den Zugang zu seinem Vater betont: Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. (Matthäus 6,6). Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten! (Matthäus 7,11). Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet. (Matthäus 6,8). Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen, irgendeine Sache zu erbitten, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist. (Matthäus 18,19). Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. (Johannes 14,13).

10 Um wieder das Beispiel von Einstein zu benutzen: weil Einsteins Mutter ihn zur Welt brachte, heißt das nicht, daß Menschen Zugang zu ihm nur über seine Mutter haben konnten.

11 „Grundriß der Dogmatik“, Verlag Herder Freiburg, 1952, Seite 247.

12 Und noch einmal ein Beispiel von Einstein. Glaubt irgendjemand, daß die Mutter von Albert Einstein die Ursache oder Quelle der Relativitätstheorie ist? Wenn wir alle diese Aussagen über Maria und das Verhältnis zu ihrem Sohn in dem natürlichen Bereich platzieren, stellen wir fest, wie unhaltbar sie sind, wie unlogisch.

13 „Ökumene gegen Herz Maria Weihe“, KSA Kath. Schriften-Apostolat, 88412 Ochsenhausen, 2004, Seite 95.

14 Um ihn und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden zu erkennen, indem ich seinem Tod gleichgestaltet werde. (Philipper 3,10). So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide mit für das Evangelium nach der Kraft Gottes! (2. Timotheus 1,8). In dem ich Leid ertrage bis zu Fesseln wie ein Übeltäter! Aber das Wort Gottes ist nicht gebunden. Deswegen erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie die Rettung, die in Christus Jesus ist, mit ewiger Herrlichkeit erlangen. (2. Timotheus 2,9-10).

15 Hier wie bei den vorherigen Zitaten könnte man einwenden, daß nicht alle „offiziell“ sind, d.h. nicht alle sind Dogmen oder Kirchengesetze. Die private Meinung, z.B. von einem Papst, ist nicht gleichzusetzen mit dem was er „ex Cathedra“ sagt. Das ist wahr, aber die Auswirkungen von Dingen, die Päpste, Kirchenvertreter, Heilige und andere Gläubige „inoffiziell“ gesagt haben im Sinne von „Frömmigkeitsliteratur“ ist wesentlich größer und die Beeinflussung tiefer als die offiziellen Aussagen. Fromme Heiligen oder Andachtsbücher (z. B. „In der Hochschule Gottes“ von Marie Lataste zusammengestellt von Marie-Theres Isenegger und „Die Herrlichkeiten Mariä“ von Alfonso de Liguori), sind wahrscheinlich mehr im Gebrauch als die Bibel und der Katechismus – vor allem, wenn diese Bücher von einem Papst oder Kardinal oder Bischof empfohlen werden. Mit der Zeit bestimmt die Volksfrömmigkeit, was geglaubt wird – wie Kardinal Ratzinger sehr richtig kommentiert hat (siehe Seiten 34 und 35). Ein Beispiel ist Maria als Miterlöserin. Das Volk verlangt (d.h. die Mehrheit), daß diese Sicht zum Dogma erhoben wird. Aus verschiedenen Kreisen innerhalb der katholischen Kirche hört man, daß dieses Dogma kommen wird.

16 In diesem Buch wird behauptet, daß ein wesentlicher Grund des Niedergangs in der Kirche die fehlende Weihe an das Herz Marias ist. Ich bin überzeugt, daß der Grund des Niedergangs, des Liberalismus und der Desorientierung darauf zurückzuführen ist, daß man die Betonung fälschlicherweise auf Maria gelegt hat.

Über den Autor Max S. Weremchuk: Weremchuk hat sich über viele Jahre intensiv mit der römisch-katholischen Theologie und Geschichte beschäftigt und Austausch mit führenden Persönlichkeiten innerhalb der katholischen Kirche gepflegt: z. B. mit den Konvertierten Thomas Howard und Scott Hahn, dem ehemaligen päpstlichen Berater und Schriftsteller Malachi Martin, Josef Kardinal Ratzinger, Joachim Kardinal Meisner, Peter Milward SJ und James Swetnam SJ vom Pontifical Biblical Institute in Rom. Von katholischer Seite wird Weremchuk als jemand beschrieben, der die katholische Position versteht und fair darstellt, auch wenn er selbst nicht damit übereinstimmt.

Zur Biographie: 1958 in Kanada geboren, zog 1979 nach Deutschland. Seit 1981 ist er verheiratet und Vater von fünf Kindern. Von 1993–2000 wirkte er als Pastor in der Reformierten Christengemeinde und erhielt 1997 die Ordination als Diakon der Reformierten Episkopalkirche in Deutschland. 1998 war er Gastdozent für die Bibel als Literatur am Martin- Bucer Seminar in Bonn, 1999 erwarb er den Grad eines Doktor der Theologie an der St. Elias School of Orthodox Theology in Lincoln, Nebraska. Er ist der Autor von: „John Nelson Darby und die Anfänge einer Bewegung“, „Ihr liefet gut“, „Weil ihr aber Söhne seid“, „Frauen im Heiligtum“, „Söhne der Verheißungen – Nachkommen Abrahams“ und „Wie ist es dazu gekommen? Ursprünge im Brüdertum“.

MBS Texte 89 4. Jahrgang 2007