Die Ehe als Gottes großes Geheimnis (Eph 5,21–33)
Donnerstag 23. Juli 2026 von Johann Hesse

Ehekrach am persischen Königshof
Der persische König Ahasveros (519–465 v. Chr.) und die schöne Wasti führten eine toxische Ehe. Zum großen Knall kam es, als Wasti sich weigerte, ihre Schönheit vor ihrem angetrunkenen Mann und seiner feiernden Fürstenrunde zur Schau zu stellen. Der beleidigte König erstickte dieses Aufflackern weiblicher Emanzipation im Keim. Wasti wurde verstoßen und ein königliches Dekret erzwang, dass sich in allen Satrapien des persischen Großreiches die Frauen unterordnen sollten und, „dass ein jeder Mann der Herr in seinem Hause sei“ (Esther 1,22)[1].
Seit diesem Rosenkrieg im alten Persien ist viel passiert, doch grundlegende Fragen sind gleichgeblieben: Was ist eine Ehe und wie kann sie gelingen? Wie können Männer und Frauen ihr Miteinander in der Ehe so gestalten, dass beide dabei glücklich werden? Was ist, wenn der eine so will und der andere so? Wer entscheidet? Setzt sich der Mann durch oder die Frau? Gibt es eine Hierarchie oder ist Gleichberechtigung der Schlüssel zum Glück? Wie können die Ehepartner den Fliehkräften entgegenwirken, die sie auseinandertreiben wollen? Was sagt Gott, der Erfinder der Ehe, was sagt die Bibel dazu? Was müssen Männer und Frauen tun, damit sich der Segen Gottes in ihren Ehen ausbreitet?
Gottes großes Geheimnis
Im fünften Kapitel des Epheserbriefes spricht Paulus mit Blick auf das Ein-Fleisch-Werden von Mann und Frau von einem mega mysterion, einem großen Geheimnis: „‚Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein.‘ Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde“ (Eph 5,31–32). Paulus zieht eine Linie vom ehelichen Einswerden zur Einheit von Christus und seiner Gemeinde. Die unauflösliche Ehe von Mann und Frau, wie Gott sie für das Eden vor dem Sündenfall gedacht hatte, sollte eine typologische Vorschattung der unauflöslichen Einheit von Christus, dem Bräutigam und seiner Brautgemeinde sein.[2] Ebenso ist die liebevolle Beziehung zwischen Christus und seiner Gemeinde das grundlegende Paradigma für die christliche Ehe.[3] Gott „gab der Ehe das Urbild im Christus und in seiner Liebe zur Gemeinde“.[4] Die christliche Ehe soll zum einen ein Spiegelbild der Liebe von Christus zu seiner Gemeinde sein und diese im Kleinen offenbaren.[5] Zum anderen liegt in der Befolgung der geistlichen Prinzipien, die das Verhältnis von Christus und seiner Gemeinde bestimmen, der göttliche Schlüssel für das Gelingen der Ehe und ein glückliches Miteinander von Mann und Frau.
Die Unterordnung der Frau
Paulus beginnt die sogenannte Haustafel mit einer allgemeinen Aufforderung, sich unterzuordnen: „Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi“ (Eph 5,21). Im Folgenden zeigt er, was das für die verschiedenen Beziehungen unter den Glaubensgeschwistern konkret bedeutet: Die Frauen sollen sich ihren Männern unterordnen (Eph 5,22–24), die Kinder ihren Eltern (Eph 6,1–4) und die Sklaven ihren Herren (Eph 6,5–8). Einander unterordnen bedeutet also nicht, dass die Männer sich den Frauen unterordnen sollen oder die Eltern den Kindern. Für alle Beziehungen aber gilt, was Jesus sagt: „Der Größte unter euch soll euer Diener sein“ (Mt 23,11). In der Gemeinde Jesu werden alle miteinander in eine Dienstgemeinschaft gestellt, in der einer dem anderen nach dem Vorbild Jesu dient.
Ein rotes Tuch?
Paulus wendet die Aufforderung zur Unterordnung nun direkt auf die Ehefrauen der Gemeinde in Ephesus an: „Die Frauen den eigenen Männern als dem Herrn“ (Eph 5,22 [ELB]). Für viele Frauen ist dieser Satz ein rotes Tuch. Paulus habe hier nicht im Geist Jesu gesprochen, sondern als frauenfeindlicher Vertreter eines überholten patriarchalischen Weltbildes. Dieses sei zu Recht auch in den christlichen Gemeinden durch die emanzipatorische Bewegung der Neuzeit überwunden worden.
Die Männer sind an dieser Fehldeutung nicht unschuldig, wenn sie nämlich das Konzept der Unterordnung missbrauchten, um einen autoritären Machtanspruch gegenüber der Frau in der Ehe durchzusetzen. Doch ohne Liebe eingeforderte Unterordnung, wie im Fall von Ahasveros und Wasti geschehen, wird zur Tyrannei. Da hilft auch kein Gesetz der Meder und Perser. Gerade das aber meint biblische Unterordnung nicht.
Eine Rehabilitation
Der Begriff Unterordnung sollte rehabilitiert werden. Zunächst ist zu beachten, dass die Frauen sich ihren Männern unterordnen sollen als dem Herrn oder wie dem Herrn. Dieser Zusatz verändert den Blickwinkel entscheidend. So wie sie sich Jesus Christus unterordnen, sollen sich die Frauen auch ihren Ehemännern unterordnen. Die Unterordnung in der Ehe geschieht aus der Beziehung zu Jesus Christus, um seinetwillen und mit der von ihm im Heiligen Geist geschenkten Kraft. Frauen ordnen sich also ihren Männern unter, weil sie Jesus lieben und ihm gefallen wollen. In der Ehe bedeutet Christusnachfolge für die Frau, dass sie sich um Christi willen der Autorität des Mannes unterordnet.
Außerdem bekommt der Begriff einen göttlichen Glanz, wenn wir bedenken, dass Jesus selbst sich unterordnete: „Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem“ (1. Kor 15,28). Paulus verwendet hier denselben Begriff (hypotasso) wie in Eph 5,21. So wie die Unterordnung auch zum liebevollen Miteinander von Vater und Sohn innerhalb der Trinität gehört, so soll sie eben auch das liebevolle Miteinander von Mann und Frau in der Ehe im göttlichen Sinne ordnen.
Daraus folgt auch, dass die Unterordnung der Frau keinen Verlust an Wert und Würde bedeutet. So wenig wie Jesus an Wert und göttlicher Würde verliert, wenn er sich dem Willen seines Vaters unterordnet (vgl. Joh 5,30), so wenig verliert auch eine Ehefrau an Wert und Würde, wenn sie sich der Autorität ihres Mannes unterordnet.
Elisabeth Elliot berichtet:
„Eine junge Frau erzählte mir, wie sehr sie darüber verärgert war, dass sie sich ihrem Mann unterordnen sollte. Sie dachte vor allem, dass diese Ansicht für die Frau erniedrigend sei. Sich unterzuordnen hieß ihrer Meinung nach, weniger wert zu sein. Als sie dann die Herrschaft Christi in ihrem Leben anerkannte, begriff sie schließlich, dass Unterordnung unter ihren Ehemann einer der „Untertitel“ dieser Herrschaft Christi war. Sie hatte keine Schwierigkeiten mehr, sich unterzuordnen, nachdem sie ihr Leben grundsätzlich unter die Herrschaft Christi stellte.“[6]
Wie sieht das praktisch aus?
Im Jahr 2007 lebten meine Frau und ich mit vier Kindern in Baden-Württemberg. Schon lange hatten wir vorgehabt, in den Norden zu ziehen, wo unsere Familien herstammten. Während meine Frau sich danach sehnte, hatte ich es gar nicht eilig, in den Norden zu ziehen. Dann geschah es, dass mir eine Pastorenstelle in Norddeutschland angeboten wurde. Nach Vorstellungsgespräch, Probepredigt und Zusage von dort waren wir bereit, den Sprung aus dem Süden in den Norden zu wagen. Doch dann tat sich eine theologische Frage auf. Im Leitungskreis der zukünftigen Gemeinde gab es mehrere weibliche Älteste. Ich wurde gefragt, ob ich bereit wäre, diesen theologischen Kompromiss mitzutragen. Nach einem längeren Telefonat mit Pastor Cochlovius kam ich zu der Erkenntnis, dass ich diesen Kompromiss nicht mittragen könne. Schweren Herzens brachen wir den Bewerbungsprozess ab. Für meine Frau war das besonders schwer, denn der Umzug in den Norden lag endlich zum Greifen nah. Sie teilte meine theologische Überzeugung voll und ganz, lehnte jeden Kompromiss meinerseits ab, aber meine Absage war auch eine Absage an den Umzug in den Norden. Es fiel ihr sehr schwer, aber sie war bereit, sich meiner Entscheidung unterzuordnen, ihre Wünsche und Pläne zurückzustellen und meinen Entschluss, vorerst in Süddeutschland zu bleiben, mitzutragen.
Der Mann als Haupt der Frau
Paulus begründet die Aufforderung zur Unterordnung der Frau mit dem Hauptsein des Mannes in der Ehe: „Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist – er hat sie als seinen Leib gerettet. Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen“ (Eph 5,23–24). Auch hier verknüpft Paulus die Ehe von Mann und Frau typologisch mit der Beziehung zwischen Christus und seiner Gemeinde. So wie Christus das Haupt der Gemeinde ist, so ist auch der Mann in der Ehe das Haupt seiner Frau. Der Zusatz „er hat sie als seinen Leib gerettet“ weist schon voraus auf Vers 25, wo Paulus die Männer auffordert, ihre Frauen zu lieben. Das Hauptsein des Mannes muss in Analogie zum Hauptsein Christi von der Liebe bestimmt sein. Das bedeutet auch, dass alle Entscheidungen, die der Mann als Haupt trifft, diesem Maßstab Christi entsprechen müssen: „So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele (Mt 20,26–28).
Das Hauptsein des Mannes hat seinen Grund außerdem in der Erschaffung des Mannes vor der Frau (1. Mose 2,7 + 22; 1. Tim 2,13).[7] Außerdem wurzelt es wie die Unterordnung in der Dreieinigkeit Gottes und hat dort ihr eigentliches Vorbild: „Ich will aber, dass ihr wisst, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau; Gott aber ist das Haupt Christi“ (1. Kor 11,3).
Gott, der Vater, ist das Haupt für Christus. Christus ordnet sich dem Vater unter. Christus ist Haupt für den Mann. Der Mann ordnet sich Christus unter. Der Mann ist Haupt für die Frau. Die Frau ordnet sich dem Mann unter. Mann und Frau sind zum Bilde Gottes geschaffen. Das Hauptsein des Mannes und die Unterordnung der Frau unter den Mann ist ein Aspekt der Ebenbildlichkeit des Menschen. So wie das Miteinander in der Trinität Gottes durch eine Haupt- und Unterordnungsstruktur ohne Abwertung geordnet ist, so gilt das spiegelbildlich auch für das Miteinander von Mann und Frau in der Ehe.[8]
Was bedeutet das Hauptsein des Mannes praktisch?
Der Mann hat in Ehe und Familie die Leitungsverantwortung. Er trägt die fürsorgliche Verantwortung für das geistliche und leibliche Wohlergehen seiner Familie. Wenn Paulus sagt, die Frauen sollen sich ihren Männern „in allen Dingen“ unterordnen, dann bezieht sich das auf alle Lebensbereiche.[9] Der Mann übt mit Blick auf alle die Ehe und Familie betreffende Lebensbereiche Autorität aus, übernimmt die Führung und hat sich für seine Entscheidungen vor Gott zu verantworten. Allerdings muss er auch wissen, dass er sein Amt als Haupt nicht ohne die Hilfe seiner Frau ausüben kann, denn Gott hat ihm die Frau als ergänzende Hilfe zur Seite gestellt (1. Mose 2,18). Er ist das Haupt, er trifft die Entscheidungen, aber nicht ohne sich mit seiner Frau abgesprochen zu haben. Wie das konkret aussehen kann, beschreibt der Missionar Paul Washer in einer Predigt, die er vor jungen Leuten in Holland gehalten hat:
„Führung bedeutet nicht, dass ich der Herr meiner Frau bin oder ein Diktator. Es bedeutet, dass ich die biblische Autorität bin. Lasst mich ein Bild gebrauchen. Stellt euch vor, ich muss eine wirklich große Entscheidung treffen, z.B. ob wir umziehen an einen anderen Ort im Land. Oder irgendeine andere wichtige Entscheidung. Treffe ich als Haupt des Hauses einfach die Entscheidung? Nein! Ich bete darüber, ich bespreche es mit meiner Frau, wir beten zusammen darüber und wenn wir uns einig sind, treffen wir die Entscheidung.
Aber stellt euch vor, ich rede mit meiner Frau darüber, und wir beten zusammen darüber und sind uns nicht einig. Treffe ich dann als Haupt des Hauses einfach die Entscheidung? Nein! Wenn meine Frau mit irgendetwas nicht übereinstimmt, dann schrillen bei mir alle Alarmglocken. Also werden sie und ich so lange darüber reden und beten, bis wir uns einig sind.
Aber was, wenn wir uns nicht einig werden, die Entscheidung aber getroffen werden muss? Dann ist es meine schreckliche Verantwortung, die Entscheidung zu treffen. Und es ist ihre Verantwortung, sie zu respektieren. Wenn ich richtig gelegen habe, dann sollte ich nicht zu ihr gehen und sagen: „Siehst du, ich hab‘s dir doch gesagt!“ Aber wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ich falsch gelegen habe, dann sollte sie das auch nicht tun. Die Entscheidung muss getroffen werden. Ich muss sie treffen. Begreift ihr, was für eine schreckliche Verantwortung das ist? Wenn ich meine Familie anführe, und ich liege falsch, dann muss ich mich vor dem Thron Gottes verantworten. Aus diesem Grund betet meine Frau für mich. Und sie ist gnädig mit mir, denn sie weiß, dass ich vor Gottes Thron stehen und Rechenschaft ablegen muss. Sie weiß, dass ihr Mann eine schwere Verantwortung hat.“[10]
In der Ehe bedeutet Christusnachfolge für den Mann, dass er um Christi willen die Führungsverantwortung für seine Frau und Kinder übernimmt. Wenn ein Mann sein Hauptsein so versteht und wahrnimmt, wird es der Frau nicht schwerfallen, sich ihrem Mann unterzuordnen. So wie die Gemeinde sich in allen Dingen Christus als dem Haupt unterordnet, soll auch die Frau sich in allen Dingen Christus unterordnen.
Die Liebe des Mannes
Nachdem Paulus zuerst die Frauen zur Unterordnung unter die Autorität ihrer Ehemänner aufgerufen hat, fordert er nun die Männer auf, ihre Frauen zu lieben: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen.“ (Eph 5,26–27). Wohlgemerkt: Anders als Ahasveros im alten Persien, fordert Paulus die Männer nicht auf, ihre Autorität in der Ehe durchzusetzen und den Gehorsam der Ehefrauen einzufordern, dass ein jeder Mann der Herr in seinem Hause sei“ (Esther 1,22). Stattdessen befiehlt er den Männern: „liebt eure Frauen.“ Kann man Liebe befehlen? Ja, Liebe kann befohlen werden. „Aber befehlen kann man nicht Gefühle, sondern nur Verhalten.; Paulus zielt hier also auf das Verhalten ab. Es ist ihm egal, wie den Ehemännern gerade zumute ist – sie haben ihre Frauen zu lieben.“[11]
Die Quelle der Liebe
Die Liebe des Mannes gründet nicht auf dem Treibsand der Gefühle, sondern auf der Liebe Christi. In der Liebe Christi zu seiner Brautgemeinde findet der Mann das Urbild (typos) und die Kraftquelle für die Liebe zu seiner Frau. Christus hat sich für seine Gemeinde hingegeben, „ja zum Tode am Kreuz“ (Phil 2,8). „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“ (Joh 15,13). Das ist der unerschütterliche Grund der Liebe des Mannes für seine Frau. Elisabet Elliot schrieb dazu: „Du möchtest, dass deine Frau sich unterordnet? Dann musst du lange und ständig auf die Art von Liebe schauen, die Christus gab. Sie beruhte auf Selbstopferung. Dies ist die Grundlage für Autorität. Sie beginnt mit dem Opfer. Sie wird durch Opfer erhalten. Napoleon sagte einmal, dass er ein Reich auf Gewalt errichtet habe, während Jesus ein Reich auf Liebe gebaut hat…Keine Macht auf Erden kann sich mit der Macht der opfernden Liebe messen“[12] Der Mann findet das Geheimnis hingegebener Liebe nicht in seinem Herzen oder in seinen Gefühlen, sondern in der Beziehung zu Jesus Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn der Gemeinde.
Nochmals: Wie sieht das praktisch aus?
Was tut der Mann, wenn er feststellt, dass sein Herz sich gegenüber seiner Frau verhärtet, bittere Gedanken aufkommen wollen oder die Gefühle erkalten? Der Mann sucht seinen Herrn im Gebet, der ihm das steinerne Herz genommen und ihm ein fleischernes gegeben hat (Hes 36,26). Er bittet ihn darum, sein Herz zu erweichen, zu verändern und ihm neue Liebe für seine Frau zu schenken. Und der Herr, der allein unsere Herzen kennt und durch seinen Geist zum Guten verändern kann, erhört diese Gebete. Er erneuert die Liebe, lässt sie wachsen und reifen. Was hätte das für Ahasveros bedeutet, Wasti zu lieben? … die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig …“ (1. Kor 13,4–5). Er hätte erkannt, dass seine Frau keine Trophäe ist, deren Reize er angetrunken und prahlerisch vor aller Welt zur Schau stellt. Und nach dem sie sich verständlicherweise verweigert und seinem Wunsch nicht untergeordnet hatte? „… die Liebe ist langmütig und freundlich …“ (1. Kor 13,4). Er hätte versucht, herauszufinden, aus welchen Gründen sie nicht zu ihm kommen wollte, hätte das Gespräch mit ihr gesucht, hätte geduldig nach einem Weg der Versöhnung gesucht.
Das Ziel der Liebe
Die Liebe Jesu hatte ein Ziel: „Er hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er für sich die Gemeinde herrlich bereite, die keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei“ (Eph 5,26–27). Jesus starb für uns, als wir noch Sünder waren, um uns „heilig und untadelig“ (Eph 1,4) zu machen. Durch sein Blut erlöste er uns von unseren Sünden (Eph 1,7) und reinigte seine Brautgemeinde durch die Botschaft von der Vergebung, das Wasserbad im Wort. Jesus hat sich eine Braut erworben und durch sein Leiden und Sterben aus einer Hure eine Heilige gemacht. Mit ihr hat er sich in ewiger und unauflöslicher Liebe verbunden.
„Daran soll der Mann lernen, was Liebe ist und wie er an seiner Frau zu handeln hat. Es ist nicht Liebe, wenn er nur seine eigene Lust und seinen Vorteil sucht; Liebe ist es, wenn er sein Leben für seine Frau einsetzt, wie Christus es für seine Gemeinde eingesetzt hat. Es ist nicht Liebe, wenn er seine Frau erniedrigt und beschmutzt; Liebe ist es, wenn er dafür sorgt, dass sie heilig und herrlich sei, mit der allein echten Heiligkeit und Herrlichkeit, die uns die Gemeinschaft Gottes mit uns verleiht.“[13] Die Liebe des Mannes muss das Ziel haben, seine Frau in einer umfassenden Weise zu versorgen, ihre Beziehung zu Christus und ihre Heiligung so zu fördern, damit sie eines Tages „heilig und untadelig“ vor dem Thron Gottes und vor ihrem Herrn stehen kann.
Tim und Kathy Keller schreiben, „dass die meisten Menschen, die auf der Suche nach einem Ehepartner sind, eine fertige Statue suchen, wo sie eigentlich einen tollen Marmorblock suchen sollten – nicht, um selber die Person zu schaffen, die sie wollen, sondern um zuzuschauen, was für eine Person Jesus hier schafft. Als man Michelangelo fragte, wie er seine prächtige David-Skulptur geschaffen hatte, soll er geantwortet haben: „Ich habe in den Marmor hineingeschaut und dann alles weggemeißelt, das nicht David war.“ Wer einen Ehepartner sucht, sollte in der Lage sein, in den anderen hineinzuschauen, zu sehen, was Gott dort tut, und sich darauf zu freuen, an dem Prozess der Befreiung des „neuen ich“, das da gerade entsteht, teilzuhaben.[14]
Die Liebe des Mannes sollte in seiner Frau die Frau sehen, die einmal herrlich, strahlend, rein und schön vor ihrem Herrn und Heiland stehen wird, „heilig und untadelig“. Es ist sein Vorrecht, dass Gott ihn gebrauchen möchte, dieses Werk auszuführen.
Wie den eigenen Leib
Paulus fordert die Männer ein zweites Mal und mit Nachdruck auf, ihre Frauen zu lieben: „So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst. Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst; sondern er nährt und pflegt es wie auch Christus die Gemeinde. Denn wir sind Glieder seines Leibes“ (Eph 5,28–30). Der Ehemann soll sich an Christus orientieren und von ihm lernen. So wie Jesus Christus als Haupt der Gemeinde (Eph 4,15) diese errettet, nährt und pflegt, durch die Zeiten und bis ans Ziel führt, so soll auch der Ehemann seine Frau lieben und für sie geistlich und leiblich sorgen, sie leiten und führen und mit Gottes Hilfe zur ewigen Heimat begleiten. So wie Christus und die Gemeinde eine unauflösliche Haupt-Leib-Einheit bilden, bilden auch Mann und Frau in der Ehe eine unauflösliche Einheit. So eng ist diese Verbindung, dass der Mann seine Frau wie einen Teil seines eigenen Körpers betrachten sollte. So wie er seinen eigenen Körper nicht vernachlässigt, sondern ihn versorgt und pflegt, so darf er auch seine Frau nicht vernachlässigen, sondern soll ihr leibliches Wohl und ewiges Heil ständig im Blick haben und sich nach Kräften für beides einsetzen. Â
Die Einheit von Mann und Frau
Die Verpflichtung des Mannes, seine Frau zu lieben, ergibt sich für Paulus aus der Einheit von Mann und Frau in der Ehe. Diese hat ihren Ursprung in der Erschaffung und Zusammenfügung des ersten Menschenpaares und Gottes Erklärung dazu in 1. Mose 2,24. Paulus zitiert diese nun ausdrücklich, hat sich aber bereits in dem gesamten Abschnitt Eph 5,21ff. auf sie bezogen[15]: „Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein“ (Eph 5,31). In der Ehe werden beide „ein Fleisch“, was sich auf die körperliche Vereinigung bezieht, aber eben auch die Gründung einer neuen vom Elternhaus abgegrenzten Lebensgemeinschaft meint, aus der, wenn Gott es schenkt, Kinder hervorgehen dürfen. Der Mann hängt an seiner Frau, ja wörtlich heißt es sogar, dass sie aneinanderkleben. Sie kommen nicht mehr voneinander los und sollen das auch nicht. Beide Ehepartner versprechen sich gegenseitig und vor Gott, einander treu und beieinander zu bleiben, bis dass der Tod sie scheidet. Sie gehen eine unauflösliche Einheit ein, von der Jesus gesagt hat: „Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!“ (Mt 19,6). Diese Einheit ist das tragfähige Fundament für die wachsende und reifende Liebe zwischen den Eheleuten. Mit der Ehe schenkt Gott dem Menschen eine Ordnung des Zusammenlebens, die ein gelingendes und gesegnetes Miteinander von Mann und Frau ermöglicht. Dietrich Bonhoeffer hat das in seiner berühmten „Traupredigt aus der Zelle“ so beschrieben:
„Gott gründet eine Ordnung, in der ihr in der Ehe miteinander leben könnt. „Ihr Frauen, seid untertan euren Männern in dem Herrn, wie sich’s gehört. Ihr Männer, liebet eure Frauen“ (Kol 3,18.19). Mit eurer Ehe gründet ihr ein Haus. Dazu bedarf es einer Ordnung, und diese Ordnung ist so wichtig, daß Gott selbst sie setzt, weil ohne sie alles aus den Fugen ginge. In allem seid ihr frei bei der Gestaltung eures Hauses, nur in einem seid ihr gebunden: die Frau sei dem Manne untertan, und der Mann liebe seine Frau. Damit gibt Gott Mann und Frau die ihnen eigene Ehre. Es ist die Ehre der Frau, dem Manne zu dienen, ihm eine Gehilfin zu sein – wie es in der Schöpfungsgeschichte heißt (1. Mose 2,20) –, und es ist die Ehre des Mannes, seine Frau von Herzen zu lieben. Er „wird Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen“ (Mt 19,5), er wird sie „lieben wie sein eigenes Fleisch“. Eine Frau, die über ihren Mann herrschen will, tut sich selbst und ihrem Manne Unehre, ebenso wie ein Mann durch mangelnde Liebe zu seiner Frau sich selbst und seiner Frau Unehre zufügt, und beide verachten die Ehre Gottes, die auf dem Ehestand ruhen soll.
Es sind ungesunde Zeiten und Verhältnisse, in denen die Frau ihren Ehrgeiz darin sucht, zu sein wie der Mann, und der Mann in der Frau nur das Spielzeug seiner Herrschsucht und Freiheit erblickt. Es ist der Beginn der Auflösung und des Zerfalls aller menschlichen Lebensordnungen, wenn das Dienen der Frau als Zurücksetzung, ja als Kränkung ihrer Ehre, und die ausschließliche Liebe des Mannes zu seiner Frau als Schwäche oder gar als Dummheit angesehen wird.“[16]
Wie kann man eine solche Ordnung leben? Es beginnt mit Gebet. Für die Frau: Sie bittet Gott, dass er ihr zeigt, wie und wo sie sich ihrem Mann unterordnen soll und wie das ganz praktisch und konkret in ihrem Ehealltag aussieht. Und für den Mann: Er bittet Gott, dass er ihm hilft, seine Frau zu lieben, wie Christus die Gemeinde geliebt hat und auch da, was das ganz konkret im Alltag seiner Ehe bedeutet. Dann werden Eheleute erleben, was Bonhoeffer ebenfalls in seiner Zelle zu Papier brachte: „Nicht eure Liebe trägt die Ehe, sondern von nun an trägt die Ehe eure Liebe.“[17]
Das enthüllte Geheimnis
In der ehelichen Einheit von Mann und Frau enthüllt sich ein tiefes Geheimnis. Paulus schreibt: „Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. Darum auch ihr: ein jeder liebe seine Frau wie sich selbst; die Frau aber habe Ehrfurcht vor dem Mann“ (Eph 5,32–33). Seit der Erschaffung von Mann und Frau liegt ein Geheimnis auf dem von Gott gestifteten Ehebund. Dieses Geheimnis wird in Jesus Christus enthüllt. Die christliche Ehe soll ein Abbild des Urbildes sein, das zunächst im Ehebund zwischen Jahwe und seinem Volk Israel (Hes 16,8; Hos 2) und im Neuen Bund zwischen Christus und seiner Brautgemeinde offenbar wurde (Offb 19,7–9).
„Die christliche Ehe spiegelt im Kleinen die Schönheit und Liebe wider, die Jesus als der Bräutigam zu seiner Brautgemeinde hat.“[18] In der aufopfernden Liebe des Mannes für seine Frau soll die aufopfernde Liebe Christi für seine Gemeinde in dieser Welt sichtbar werden. Und in der freiwilligen Unterordnung der Frau unter die fürsorgliche Autorität des Mannes soll die Unterordnung der Gemeinde unter die Autorität Christi in dieser Welt sichtbar werden. Die eheliche Treue soll ein Spiegelbild der Treue Christi zu seiner Gemeinde sein. Wenn Frauen meinen, sie könnten auf die Unterordnung unter die Autorität ihres Mannes verzichten und wenn Männer meinen, sie müssten oder könnten ihren Frauen nicht lieben oder wenn sie die Ehe brechen, dann geben sie ein entstelltes und verzerrtes Spiegelbild Christi wieder.
Andersherum gilt auch: Je mehr die Frauen in der Nachfolge Christi danach streben, sich ihren Männern unterzuordnen und je mehr die Männer danach streben in der Nachfolge Christi, ihre Frauen zu lieben, desto klarer, heller und herrlicher erstrahlt das Bild Christi durch diese Ehen in die Welt (vgl. 1. Petr 3,1). Gott der Herr wird solche Ehen segnen und in dieser Welt gebrauchen, so dass sie etwas sind zum Lob seiner Herrlichkeit (Eph 1,12).
Johann Hesse
Quelle: „Aufbruch“ – Informationen des Gemeindehilfsbundes, 1/2026 (Juni).
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Den „Aufbruch“ kann man kostenfrei abonnieren über die Geschäftsstelle des Gemeindehilfsbundes (info@gemeindehilfsbund.de).
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[1] Wenn nicht anders gekennzeichnet, zitiere ich die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017.
[2] o‘ Brien, Peter: The Letter to the Ephesians, Grand Rapids: Eerdmans Publishing, 1999, S. 432.
[3] Ebenda, S. 433.
[4] Schlatter, Adolf: Die Briefe an die Galater, Epheser, Kolosser und Philemon, Stuttgart: Calwer-Verlag, 1995, S. 239.
[5] o‘ Brien, Peter: The Letter to the Ephesians, Grand Rapids: Eerdmans Publishing, 1999, S. 434.
[6] Elliot, Elisabeth: Mann sein – Frau sein: Verschiedenartigkeit und Gleichberechtigung, Bielefeld: CLV-Verlag, 2012, S. 52. Beachten Sie auch das letzte Heft des Aufbruch (2/2025) mit dem Titel „Wesen und Würde der Frau“.
[7] Weiteres siehe in Aufbruch 1/2025 zu „Wesen und Würde des Mannes“.
[8] o‘ Brien, Peter: The Letter to the Ephesians, Grand Rapids: Eerdmans Publishing, 1999, S. 411.
[9] „in allen Dingen“: davon ist alles ausgenommen, was dem Wort Gottes widerspricht.
[10] Washer, Paul: Der Zweck der Ehe – Herausfordernde Gedanken zu Eph 5, Hünfeld: Christlicher Mediendienst, S. 13-14.
[11] Keller, Timothy und Kathy Keller: Ehe – Gottes Idee für das größte Versprechen des Lebens, 10. Auflage, Gießen: Brunnen-Verlag, 2025, S. 102.
[12] Elliot, Elisabeth: Mann sein – Frau sein: Verschiedenartigkeit und Gleichberechtigung, Bielefeld: CLV-Verlag, 2012, S. 104.
[13] Schlatter, Adolf: Die Briefe an die Galater, Epheser, Kolosser und Philemon, Stuttgart: Calwer-Verlag, 1995, S. 238.
[14] Keller, Timothy und Kathy Keller: Ehe – Gottes Idee für das größte Versprechen des Lebens, 10. Auflage, Gießen: Brunnen-Verlag, 2025, S. 121.
[15] o‘ Brien, Peter: The Letter to the Ephesians, Grand Rapids: Eerdmans Publishing, 1999, S. 429.
[16] Bonhoeffer, Dietrich: Widerstand und Ergebung – Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, 18. Auflage, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2005, S. 36.
[17] Ebenda.
[18] o‘ Brien, Peter: The Letter to the Ephesians, Grand Rapids: Eerdmans Publishing, 1999, S. 434.
Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 23. Juli 2026 um 16:07 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Gemeinde, Kirche.













