Bekennende Christen sollten ihre bestehenden Gemeinden verteidigen, forderte Pfarrer Johannes Frey beim diesjährigen Mitglieder- und Freundestreffen des Gemeindehilfsbundes. Der Vorsitzende der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ warnte vor einer „Konzernstruktur“ in den Kirchen, die Pfarrer zu weisungsgebundenen Angestellten degradiere.

Die Kirche kann nicht auf die Ortsgemeinde verzichten. Diese Ansicht vertrat der Vorsitzende der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ [1], Pfarrer Johannes Frey (Sachsenheim bei Ludwigsburg), am 27. Juni beim Mitglieder- und Freundestreffen des Gemeindehilfsbundes [2]. Rund 100 Besucher nahmen daran im GRZ Krelingen [3] (ehemals: Geistliches Rüstzentrum Krelingen/Walsrode) teil. Frey betonte, dass bekennende Christen die Ortsgemeinden verteidigen sollten. Es gebe leider auch viele, die die Ansicht verträten, solange nur das Evangelium verkündigt und die Gemeinde Jesu gebaut werde, seien Strukturen gleichgültig. Doch das sei ein Trugschluss, so Frey weiter.
Sämtliche anderen Strukturen seien notfalls entbehrlich, die Ortsgemeinde jedoch nicht. Es sei für die Kirchenmitglieder sehr wichtig, den eigenen Pfarrer zu kennen. Wer nicht mehr wisse, welcher Pfarrer für die eigene Gemeinde zuständig sei, werde eher geneigt sein, aus der Kirche auszutreten. Christen seien auf „eine vor Ort erfahrbare Gemeinde“ angewiesen.
Pfarrer und Gemeinden stehen der Bildung einer „Konzernstruktur“ entgegen
Die Kirche solle aus Sicht der Kirchenleitungen wie ein „nachfrageorientierter Anbieter religiöser Dienstleistungen“ agieren. Doch der Etablierung einer „Konzernstruktur“ in den Kirchen stünden zwei Instanzen entgegen: die Pfarrer und die Ortsgemeinden. Solange der Pfarrer nicht weisungs-, sondern an Bibel und Bekenntnis gebunden sei, werde er aus Sicht der Kirchenleitung als Störfaktor wahrgenommen, da er über die Verkündigung in „seiner Kirche“ bestimmen könne. Als Teil eines sogenannten „multiprofessionellen“ Kompetenzteams im Rahmen einer Großgemeinde solle er aber zu einem weisungsgebundenen Angestellten werden, den die Kirche nach Belieben einsetzen und austauschen könne.
Das gelte auch für die bislang eigenständigen und mit Ehrenamtlichen besetzten Gemeindevorstände. Auch sie sollten perspektivisch durch professionelle Angestellte ersetzt werden, die ausschließlich der Kirchenleitung verpflichtet wären.
Alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen
Der Theologe appellierte, sich dieser Entwicklung zu widersetzen: „Wenn wir nicht wollen, dass unsere Gemeinde verschwindet, müssen wir überlegen, was wir dagegen tun können.“ Wo die Möglichkeit bestehe, den Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts zu erhalten, sollten sich Gemeinden dafür einsetzen. Wenn die Pfarrstelle reduziert oder gestrichen werden solle, könne die Gemeinde verhandeln und anbieten, die Stelle durch Spenden mitzufinanzieren. Auch freiwillige Fusionen könnten abgelehnt werden.
„Entscheidet euch: Unsere Gemeinde bleibt!“
Um Gemeinden dabei zu unterstützen, die um ihr Überleben kämpften, arbeite die Bekenntnisbewegung im Verbund mit dem theologisch konservativen Netzwerk „Kreuzträger“ [4] (Crossbearers) und in Zusammenarbeit mit dem Gemeindehilfsbund an der Gründung eines „Gemeindebundes unter dem Kreuz“. Ihm könnten sich deutschlandweit sowohl Gemeinden als auch Einzelpersonen anschließen. „Entscheidet euch: Unsere Gemeinde bleibt!“ Das Ziel bestehe darin, die Ortsgemeinden auch unabhängig von der Landeskirche überlebensfähig zu halten.
Leichtfertig aus den Landeskirchen auszutreten und eigene Gemeinden zu gründen, sei hingegen der falsche Weg. Besser sei es, die bereits existierenden Gemeinden zu stärken. In Regionen, in denen die Beseitigung aller Ortsgemeinden nicht verhindert werden könne, dürfe allerdings auch die Gründung von neuen Personalgemeinden in neuen Rechtsformen nicht ausgeschlossen werden.
Der Gemeindehilfsbund wurde 1992 von Pastor Heinrich Kemner (1903–1993) gegründet, der auch das Geistliche Rüstzentrum Krelingen ins Leben gerufen hatte. Er hat rund 1.100 Mitglieder und Freunde.
Johannes Frey beteiligt sich an der Gründung einer Initiative zum Erhalt der bekennenden Ortsgemeinden, dem „Gemeindebund unter dem Kreuz“.
IDEA [5], Daniel Scholaster, 28.06.2026
Foto: Gemeindehilfsbund/Ina Krause