21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.
22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. 23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. 24 Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.
25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, 26 um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er 27 sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei. 28 So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst. 29 Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst; sondern er nährt und pflegt es wie auch Christus die Gemeinde. 30 Denn wir sind Glieder seines Leibes. 31 »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein« (1.Mose 2,24). 32 Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. 33 Darum auch ihr: ein jeder habe lieb seine Frau wie sich selbst; die Frau aber ehre den Mann. (Epheser 5,21–33)
Vers 21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.
Unter Christus zu stehen, ist das gemeinsame Dach, die gemeinsame Grundlage für alles weitere in diesen Ermahnungen. Wer nicht Christ ist, wird heute kaum Verständnis für diesen Abschnitt aufbringen. Darum sollte man, bevor die politisch-korrekt erzürnte Schnappatmung über die angeblich nur gesellschaftlich konstruierte Ungleichheit der Geschlechter einsetzt, erst hören, wie Paulus hier im Zusammenhang denkt.
Der Glaube an Christus, die „(Ehr)Furcht“ ihm gegenüber ist die Klammer: Er ist der, der sich selbst für uns gegeben hat. Jesus, die zentrale Gestalt des Christentums ist (anders als Mohammed im Islam) kein Eroberer, sondern der, der sich selbst bis hin ans Kreuz gegeben hat, damit wir Sünder mit dem heiligen Gott leben können. Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob, sagt Paulus an anderer Stelle (Röm 15,7).
Christus, der nicht aus Egoismus das Haupt seiner Gemeinde ist, sondern gerade im Verzicht, als Erlöser am Kreuz, gerade im Sich-Hingeben, ist das Modell, nach dem Frauen und Männer je ein besonderes Wort hören sollen. Paulus beschränkt sich nicht auf Mann und Frau, sondern geht weiter zu den Kindern, Vätern, Dienern und Herren. Wir beschränken uns hier auf den Abschnitt über die Eheleute. Ich betone: Eheleute. Denn hier ist nicht allgemein vom Verhältnis von Mann und Frau in der Gesellschaft die Rede, sondern von Eheleuten.
Verse 22–24: 22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. 23Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. 24Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.
„… wie dem Herrn“: Paulus zieht das Verhältnis der Eheleute zueinander hinein in ihr jeweiliges Verhältnis zu Jesus Christus, und umgekehrt: die Ehe wird durchscheinend dafür, dass sie einem dritten, höheren gehören. Nur wer das Evangelium versteht, versteht auch den christlichen Sinn der Ehe: Sie geben sich hin, einer dem anderen, vorbehaltlos, lebenslang, und das ist dann nicht schwer, wenn sie wissen: der, an den ich mich binde, ist selbst ein in Gott und seinem Wort Gebundener. Er oder sie dient dem Herrn wie ich.
Diene ich dem Ehepartner – so diene ich dem Herrn!
So gibt es eine innere Beziehung von Kirche und Ehe. Wie die ersten beiden Menschen die erste Kirche darstellten, so soll ein christliches Ehepaar die Kirche und den Bund Gottes im kleinen darstellen. „Ich aber und mein Haus, ich mit meiner Familie: wir wollen dem Herrn dienen“, sagt Josua einem Volk, dem er zugleich attestiert: „Ihr könnt dem Herrn ja gar nicht dienen“ (Jos 24,15+19).
Dass ein Ehemann das Haupt seiner Frau ist, ist darauf bezogen, dass er die Verantwortung zum Besten des Ganzen und nicht zum Besten seiner selbst übernimmt. Freilich, wenn die Furcht Christi schwindet und der Egoismus Raum gewinnt, wird der Patriarch schlechten Stils Eph 5 mißbrauchen, um Gehorsam einzufordern, statt selbst Verzicht zu leisten. 1.Mose 3 zeigt, wie die Einheit der ursprünglich vertraulich-nackten Eheleute (Kap. 2) sich auflöst: Das gemeinsame Dach unter Gottes Wort ist zerbrochen, sie bedecken ihre Scham, und vor Gott verklagt der Mann (statt sich selbst) die Frau (und damit letztlich Gott selbst: „die Frau, die mir gegeben hast, gab mir …“). Die Frau verklagt (statt sich selbst) die Schlange, und damit letztlich den Schöpfer.
Für ein rechtes Verständnis eines guten Hauptseins insistiert Paulus auf dem Modell Jesu Christi:
„23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat“ (wörtlich: „er als der Heiland des Leibes“).
Der Ehemann zur Ehefrau: wie Christus zur Gemeinde. Das ist das Bild, das die Gleichmacher-Philosophie unserer Zeit zerstören will. Die Gender-Ideologie greift nicht weniger als das Gottesbild der Bibel an. Denn jeder der Eheleute steht biblisch-theologisch für einen Aspekt der Beziehung innerhalb der Dreieinigkeit Gottes: Die Frau unter dem Mann steht für die Gemeinde, die sich Christus, der sie liebt, gerne unterordnet. Und der Mann als Haupt der Frau steht für Christus, der willentlich im Gehorsam gegen den Vater sich für die Gemeinde gibt.
Dies bekräftigen auch die nächsten Verse.
Verse 25–28: 25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, 26 um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er 27sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei. 28 So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst.
Merken wir, wie die Ehebeziehung durchscheinend wird für das Evangelium, ja für ganze Gefüge von Gott dem Vater, Gott dem Sohn, der Gemeinde als dem Leib Christi, und der (sich zur Familie weitenden) Ehe als Mini-Modell des ganzen?
Wer die Unterordnung aus der Ehebeziehung prinzipiell ausschließen und alle Partner auf die gleiche Stufe stellen will, hat letztlich das Evangelium vom Gehorsam des Sohnes gegenüber dem Vater nicht verstanden. Das Auf-die-gleich-Stufe-stellen-Wollen ist letztlich motiviert von der Machtfrage, davon, nur ja niemandem einen Vorrang einzuräumen. Doch die biblische Sicht der Unterordnung ist motiviert davon, je den anderen zu erhöhen. Untergeordnetsein heißt nicht minderwertig sein, sondern heißt, die Ehre darin zu finden, den anderen zu erhöhen. Hat nicht Christus selbst seine größte Erniedrigung am Kreuz als seine Erhöhung verkündet? Vgl. Joh 8,28; 12,32f.; 13,13–15.
Im letzten Teil des Abschnittes an die Ehemänner macht Paulus nochmals die Verbindung zwischen den verschiedenen Beziehungsebenen deutlich: im Zwischenmenschlichen soll das Handeln Gottes abgebildet werden, so gut es denn dem gefallenen und erlösten Menschen gelingt:
Verse 28–33: 28 So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst. 29 Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst; sondern er nährt und pflegt es wie auch Christus die Gemeinde. 30 Denn wir sind Glieder seines Leibes. 31 »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein« (1.Mose 2,24). 32 Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. 33 Darum auch ihr: ein jeder habe lieb seine Frau wie sich selbst; die Frau aber ehre den Mann.
Paulus zitiert den Schöpfungsbericht, der nicht nur über die Anfänge der Welt informiert, sondern auch das Heute formieren, normieren soll. „Ein Mann wird Vater und Mutter verlassen …“: Die Worte des Schöpfungsberichts gehen direkt über in seinen eigenen Text, ohne Kennzeichnung, als wären es die Worte des Paulus. Der bibelkundige Leser wird vorausgesetzt! Ein Mann wird Vater und Mutter verlassen, um der Liebe zu seiner Frau die Priorität über alle anderen Beziehungen einzuräumen. Er könnte es nicht schärfer sagen: Wenn du deine Frau gegenüber den Eltern an die zweite Stelle setzt, schädigst du dich selbst. Und wenn du deine Frau gegenüber einer anderen Frau an die zweite Stelle setzt, schädigst du dich selbst. Das ist so unnatürlich, das kann und darf, nicht sein. Es ist nicht deshalb unnatürlich, weil es dem Egoismus des Mannes widerspräche. Keineswegs. Dass das nicht stimmt, zeigt uns das Fernsehen deutlich, wo sich unlängst ein angeblich glücklicher Mann mit drei lächelnden Frauen präsentierte. Wenn es nach dem Egoismus geht, würde sich jeder mal hier und mal dort vergnügen, ohne sich selbst anpassen und verändern zu müssen – letztlich ohne zu reifen.
Nein, es ist deshalb unnatürlich, weil es der besten Natur des Schöpfers, nämlich dem Wesen der Ehe bzw. der Retterliebe Christi nicht entspricht. Denn die wahre Liebe will doch Christus entsprechen, sucht nicht das eigene, sondern sucht den anderen, treibt nicht Mutwillen, bläht sich nicht auf, lässt sich nicht erbittern, ja rechnet nicht einmal das Böse zu, trägt also das Böse nicht hinterher, und freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern freut sich an der Wahrheit (1.Kor 13). Übrigens: Diese Freude an der Wahrheit gibt allen unseren Beziehungen erst Tiefe, ja ermöglicht Heilung, wie ihr sie schon in wenigen Monaten Eurer Liebe erfahren durftet. Wer Versöhnung nur mit dem Schwamm drüber sucht oder wer Intimität auf Sex reduziert, wird bald merken, wie sich das Unangenehme wiederholt und nicht besser wird … Die Wahrheit macht frei – und um sie zu finden, müssen wir das offene und freundliche Wort suchen, immer und immer wieder, auch wenn es mühsam ist, und auch wenn wir gerade in den mühsamen Gesprächen den Unterschied der Geschlechter schmerzlich spüren. Männer reden anders – Frauen auch! Nur wer dranbleibt, erreicht wirklich Tiefe und Reife. Dann darf die leibliche Verbindung die geistige bestätigen und stützten, ebenso auch umgekehrt.
Nochmals V. 32:
Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde.
Das Geheimnis der wahren Ehe ist also, dass sie durchscheinend ist für Christus im Verhältnis zu seiner Kirche. Dieses Durchscheinen ist nicht bloß eine Analogie. Eine Analogie wäre ein Gedankenspiel, aber kein Geheimnis (Hans Asmussen[1] [1]). Mysterium heißt: Hier ist eins im anderen präsent. Das Zeitliche und Leibliche macht das Ewige und Geistige sichtbar.
Genau das Gegenteil versucht der gender-bestimmte Zeitgeist. Im Gender mainstreaming gilt der Leib nichts mehr, er wird beliebig: beliebig gestaltbar, veränderbar. Denn ein bestimmtes Geschlecht gilt hier nicht mehr als natur- oder besser: gottgegebene Aufgabe, sondern nur noch als kulturbedingt und darum wechselbar. Die verschiedenen leiblichen Gestalten von Mann und Frau sprechen nicht mehr, sind verstummt, sind keine Botschaft mehr auf die Möglichkeit zu Vaterschaft und Mutterschaft. Der Leib verkommt zum Körper.
Christlich gesehen ist die Familie eine Spiegelung der heiligen Dreifaltigkeit: Eine Gemeinschaft der Verschiedenen, die durch die Liebe eins sind.[2] [2]
Leiterschaft und Hingabe Jesu, sein Hauptsein und seine Selbstunterwerfung Jesu – das ist für Mann und Frau präsent in je verschiedener, ihren geschöpflichen Berufungen entsprechender, und einander ergänzender Weise. Dieses Präsentsein ist nicht nur eine Analogie, ein Modell oder ein ethischer Imperativ nach dem Motto: Handle doch wie der Sohn Gottes! Nein, es geht hier nicht nur um Ethik im Sinne von „Du sollst … !“, „Du sollst nicht …!“ Es geht um die Gegenwart Gottes in unserem Leben. Es heißt Leben mit und in ihm. Gerade die Präsenz Christi, des Heilands ist es, die die Ehe so weit hinaushebt über alles Vertragliche, Papierene!
Das ist es, was erst die Unterschiede nicht nur aushaltbar, sondern fruchtbar macht, und was das Bedürfnis nach Gleichstellung und Gleichmachung (jedenfalls im Wesentlichen) verschwinden lässt! Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bleiben, ja sie sollen bleiben, da Gott von Anfang an nicht Zwitter, sondern zwei Geschlechter gemacht hat, die beide zusammen sein Ebenbild sind. Darum sollen die Unterschiede einander ergänzen und komplementär werden. Über dieses einander Ergänzen könnte hier sehr vieles gesagt werden (schade, dass nur wenig junge Leute Ehekurse besuchen!) … Ich muss mich auf weniges beschränken und versuche, das Aktuelle mit dem Grundsätzlichen zu verbinden: Das Land Norwegen liegt in Sachen Gender-Gerechtigkeit weltweit auf Platz 1. Die Wahlfreiheit könnte nicht besser sein. Mädchen werden ermutigt, in Männerberufe einzusteigen, bekommen Förderprogramme. Und dennoch: Dort sind seit 1980 durchgängig 90% der Ingenieure Männer, und 90% aller Krankenpfleger weiblich.[3] [3] Also: gerade wo die Geschlechter ideologiefrei wählen können, zeigt sich die Anlage des Schöpfers. Man hat es längst nicht nur an der Berufswahl gesehen, sondern bereits bei Neugeborenen: Die Mädchen reagieren stärker auf Gesichter, die Jungs auf Objekte. Es entspricht der Genesis: Der Mann ist aus der Erde gemacht und wird in den Garten gesetzt, um ihn zu bebauen und zu bewahren. Da er eine Hilfe brauchte, die ihm entsprach, nahm Gott ein Stück – diesmal nicht von der Erde, sondern aus seiner Seite, formte die Frau und brachte sie zum Mann. Die Frau war vom Manne abgeleitet. Darum musste auch ihr Name vom Namen des Mannes abgeleitet werden. Als Gott die Frau dem Manne zuführte, jubelte dieser und gab ihr eben den Namen, der von seinem eigenen Namen abgeleitet war: Männin/ischa, d.h. vom isch, vom Mann genommen. Die Frau stammt vom Mann und wird zu ihm gebracht. Englisch: „women“, d.h. „wife of man“.
Es gereicht dem Mann zur Ehre, nicht zuerst für sich, sondern für das Ganze zu denken, in sein Denken hinein zu integrieren, wie die Frau empfindet und entscheiden würde. Darum richtet Paulus an die Ehemänner den Imperativ, ihre Frauen zu lieben (wiederum: wie Christus die Gemeinde geliebt hat). Vielleicht hat eben deshalb Adam den Namen der Frau zuerst genannt und dann erst seinen eigenen: „Man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist“ (1.Mose 2,23b).
Und es gereicht der Frau zur Ehre, ihrem Mann zu vertrauen, sich zu öffnen, Respekt zu geben, sich lieben zu lassen. Darum richtet Paulus an die Ehefrauen den Imperativ, ihren Männer in Ehrfurcht zu begegnen (wiederum: wie die Gemeinde Christus ehrt als ihr Haupt).
Bund oder Vertrag
Ich und mein Haus, sagt Josua, wir wollen dem Herrn dienen. Als er das sagte, erneuerte er den Bund zwischen dem Herrn und dem Volk Israel, nach dem Einzug ins Land Kanaan. Israel stimmte dem Bund zu, mußte aber auch (wie schon angedeutet) Josuas Realismus zur Kenntnis nehmen: Ihr könnt den Bund nicht halten.
So ist es auch mit der Ehe: Sie ist ein Gnadenangebot Gottes, und das Modell ist der gegenwärtige Christus – doch wir Egoisten werden immer wieder daran schuldig. Wir brauchen Vergebung. Und es gibt Vergebung – in Christus. Darum ist es so wichtig, dass Ehe kein Vertrag ist, der durch ein Vergehen einer Seite nichtig werden kann. Wenn ich meiner Bank die Zinsen für die Hypothek nicht mehr zahlen kann, dann wird sie den Hypothekenvertrag für null und nichtig erklären und verlangen, dass das Haus verkauft wird. Doch Ehe ist kein solcher Vertrag, sondern ein Bund: Ein wunderbarer Bund, den nicht Menschen erdacht haben, sondern der Schöpfer selbst! Deswegen gibt es an Eckpunkten der biblischen (Heils)Geschichte Hochzeiten! Die Bibel beginnt mit einer Hochzeit, als Eva dem Adam zugeführt wurde (1.Mose 2). In ihrer Mitte hat die Bibel die Hochzeit zu Kana, wo Jesus sein erstes Wunder vollbrachte und Wasser in Wein verwandelte: Das Zeichen der neuen Heilszeit (Joh 2). Am Ende der Bibel steht das Hochzeitsmahl des Lammes mit seiner geschmückten und bereiteten Braut (Offb 19 und 21). Somit ist jede Ehe nicht nur ein Hinweis auf die Erlösung durch Jesus Christus, sondern zugleich ein Hinweis auf den Anfang, die Mitte und das Ziel aller Zeiten: die Gemeinschaft mit Gott, die einmal allen Gläubigen zuteil werden wird.
Den Bund der Ehe hat Gott gestiftet. Darum darf er von Menschen nicht geschieden werden. „Was Gott zusammengefügt hat, darf der Mensch nicht scheiden!“ (Mt 19,6), sagt Jesus, nachdem er die gleiche Stelle aus 1.Mose 2,24 zitiert hat wie Paulus: „… und die zwei werden ein Fleisch sein.“ Verträge zwischen Menschen basieren auf ihrem eigenen Willen und vergehen unter neuen Bedingungen. Ohne Christus gibt es nur temporäre Interessengemeinschaften, Verträge auf Zeit, ohne innere Bindung. Ohne Christus bleibt alles leer, zusammengeklebt, aber nicht von innen her verbunden, damit unverbindlich. Stellen sich zwei Eheleute unter Christus, dann haben sie einen gemeinsamen Bezugspunkt, eine gemeinsame Mitte. Wer unter Christus steht, weiß schon im Streit, dass am Ende Versöhnung stehen muss und wird. Wer aber selbst König(in) seines Lebens sein will, wartet stolz darauf, dass der andere sich demütigt und zu Kreuze kriecht. Welch ein Leiden besteht an diesem Punkt für alle, die sich noch nicht Christus untergeordnet haben!
Die Ehe ist, juristisch gesehen, ein Vertrag zweier autonomer Menschen. Aber der Aufklärer Immanuel Kant will uns weismachen, sie sei nur ein Vertrag. Nach Kant schließen die Eheleute einen Vertrag über den „wechselseitigen Gebrauch ihrer Geschlechtseigentümlichkeiten“. Welch eine technische, welch eine im eigentlichen Sinn gott–lose Sprache! Vielmehr ist es der dreieinige Gott, der den einen zu Nutzen und Segen für den anderen setzt. Wenn wir uns an seine guten Gebote halten, dürfen wir glauben, dass er der Autor unserer Lebensgeschichte ist. E-H-E: In der Mitte der Ehe Christus der Herr, auf ihn zugeordnet die Ehegatten. Gott hat die Ehe gegeben und über den Sündenfall hinweg erhalten, um uns in unserer Schwachheit zu tragen und Sicherheit zu geben. Die Ehe ist etwas Überpersönliches, in das wir persönlich eintreten dürfen und uns halten lassen dürfen.
So ist das Ja beim Trauakt, das bekräftigt wird mit dem mutigen „bis dass der Tod euch scheidet“, ein Einstimmen in Gottes Ja und Gottes Bund. Es soll nicht aus Übermut gesprochen werden , sondern weil Gott selber dazu ermutigt, sich hinzugeben und das Versprechen auf Lebenszeit zu geben: Ja – mit Gottes Hilfe. In keinem anderen Bereich unseres Lebens gibt es das sonst: dieses lebenslänglich. Die Entscheidung zum Lebenslänglichen hört sich für manche nach Gefängnis an, doch sie bedeutet in Wahrheit große Freiheit: Die Freiheit, dass nun in völliger Verläßlichkeit das Haus einer Familie gebaut werden darf, und die Frage nach dem nächsten Partner gar nicht mehr gestellt zu werden braucht. Vielleicht gibt es unter den Gästen bei dieser Hochzeit auch Skeptiker gegen die christliche Ehe. Ich würde sie oder ihn gern einmal herausfordern und fragen, was man – auf einer atheistischen Basis – sinnvoll an die Stelle der Ehe setzen sollte. Dass die Lebensabschnittspartnerschaft keine Alternative ist gegenüber einer Ehe, die aus Gottes Hand empfangen wird und immer mehr Tiefe empfängt, sollte doch ins Auge fallen.
Pfr. Dr. Stefan Felber
Zuerst erschinen in CA IV/2017
[1] [5] Asmussen, Hans Christian: Der Brief des Paulus an die Epheser. Eine Herausforderung an die Macht. Einführung – Gedankengang – Einzelauslegung. Die Lehre von der Kirche im Epheserbrief. Das Kerygma, Breklum 1949, S. 90.
[2] [6] Vgl. Kuby, Gabriele: Die globale sexuelle Revolution. Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit, Kißlegg 2012, S. 273f.
[3] [7] Angabe aus: Franz, Nicolai: Die Gender-Blender, in: Pro. Christliches Medienmagazin 1 (2013), 6–9, hier S. 6.