Gemeindenetzwerk

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Jesus folgen – eine echte Herausforderung

Freitag 1. Mai 2026 von Pfr. Dr. Tobias Eißler


Pfr. Dr. Tobias Eißler

Jesus hat 12 Apostel und ein paar Nachfolger. Toni Kroos hat 49 Mio. Follower, also: Nachfolger auf Instagram, weitere 3,7 Mio. bei Tiktok. Der Fußballstar erzählt aus seiner Profikarriere und erklärt die Aktivitäten seiner Stiftung und seiner Akademie. Du klinkst dich bei ihm ein, du bekommst jedes neue Video serviert, du bist ganz nahe dran an seinem Outfit und seiner Sichtweise. Nachfolgen ist nicht mehr so anstrengend wie damals, als du noch auf Sandalen viele Kilometer durch das hügelige Galiläa gewandert bist. Das Handy genügt. Und die richtige Adresse. Auf dem zweiten Platz der Rangliste der deutschen Prominenten mit den meisten Followern steht Lena Mantler aus Stuttgart: immerhin 20 Mio. Nachfolger. Bei ihr erfährst du etwas zum Thema Mode und Lifestyle. Doch Lena äußert sich auch zum Thema Glaube. Zitat: „Mein Herz hat nach Jesus gerufen.“ Sie beschreibt sich als „ein chilliges Mädchen, das Jesus liebt“. Sie ruft ihre Follower auf: „Lasst uns jeden Tag ein Kapitel des Lukasevangeliums lesen.“

Solche Aufrufe finden sich sicher nicht bei folgenden Politikern, die am meisten Aufmerksamkeit bei Instagram genießen: Alice Weidel: 950.000 Interessenten, Heidi Reichinnek: 810.000, Robert Habeck: 450.000. Die einen sind einer Politikerin auf der Spur, die ihnen aus dem Herzen spricht. Die anderen beschäftigen sich täglich mit einem Internetstar, einem Influencer, der deswegen so attraktiv ist, weil so viele ihn attraktiv finden. Wieder ein anderer stößt im wirklichen Leben auf einen Menschen, der ihn fasziniert und sein Leben verändert. Davon berichtet ein junger Mann aus Japan, Densha Otoko, der einmal in einer U-Bahn eine junge Frau vor einem Betrunkenen in Schutz nahm. Es entwickelte sich eine Freundschaft. Die junge Frau hat ihm, dem Unsicheren und Scheuen, Selbstvertrauen gegeben und ihn stark gemacht angesichts seiner vielen Ängste.

In den Augenzeugenberichten des 1. Jhdts, den Evangelien, begegnet uns Jesus aus Nazareth. Er zieht Massen von Zuhörern an. Was finden sie an ihm? Und was hat das mit uns Leuten von heute zu tun? Jesus ruft uns auf, ihm zu folgen. Jesus ruft in die Nachfolge.

Das ist erstens eine Entscheidung für das Leben, gegen tote Kirchlichkeit. Drei kurze Wortwechsel zum Thema Nachfolge stellt das Lukasevangelium vor. Ich setze beim zweiten Gesprächsgang ein. Jesus fordert einen Zuhörer auf: „Folge mir nach!“ Nachfolge ist zu-nächst einmal wörtlich zu verstehen: jemand, der bisher nur zugehört hat, schließt sich der Wandergruppe um Jesus an. Allerdings geht es nicht um Fitness und jene 10.000 Schritte pro Tag, die die Gesundheitsexperten empfehlen. Wer Jesus begleitet, erlebt mit, wie er Kranke heilt, wie er in der jüdischen Kirche predigt und wie er mit den Theologen diskutiert. Jesus begleiten heißt: ihn kennenlernen. Und: von ihm lernen. Ein Nachfolger ist ein Schüler von Jesus. Er wird dazu befähigt, auf eine neue Weise mit dem Vater im Himmel zu leben, so wie Jesus ihm das vormacht. Wollen wir in dieses Fortbildungsprogramm einsteigen? Oder lieber Beobachter aus der Distanz bleiben? Falls wir schon einige Semester in der Akademie von Jesus studiert haben: wie weit haben wir es gebracht? Auch die Fortgeschrittenen unter uns, die nicht wie hoffnungslose Langzeitstudenten nur ihre Zeit vergeuden, können an den so überraschenden Kurzgesprächen etwas lernen.

Der angesprochene Zuhörer ist bereit, bei Jesus einzusteigen und in die Schule zu gehen. Doch er hat vor dem Unterrichtsbeginn noch etwas Dringendes zu erledigen: „Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben!“ Ach, sein Vater ist gestorben! Das ist natürlich eine wichtige Station seiner Lebensgeschichte. Selbstverständlich hat er die heilige Pflicht zu erfüllen, an den Beerdigungsfeierlichkeiten teilzunehmen. Verlangt nicht das 4. Gebot, Vater und Mutter zu ehren? König David, das große Vorbild im Alten Testament, bestattet seinen Feldherrn Abner mit zerrissenen Kleidern, Asche auf dem Kopf und lautstarker Totenklage. Für einen Bestattungstermin muss eigentlich jeder Vorgesetzte einen Urlaubstag gewähren.

Doch Jesus sagt dem Mann in Trauer: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!“ Schockierend! Das kann man als höflicher Mensch doch nicht sagen! Hat Jesus etwas gegen Beerdigungen? Findet er das gut, dass sich heutzutage manchmal kaum jemand aus der Verwandtschaft mehr darum kümmert, wenn die 90jährige Alleinstehende im Heim verstirbt? Nein, Jesus nutzt den besonderen Anlass, um eine geistliche Wahrheit mitzuteilen. Er spricht von Toten, die ihre Toten begraben. Diejenigen, die am Trauern sind, teure Kränze kaufen und ein paar Blütenblätter ins Grab werfen, sind eigentlich auch schon tot. In geistlichem Sinne. Wenn der Kontakt zu Gott fehlt, ist der Mensch von der Quelle des Lebens abgeschnitten. Wenn im Alltag das Gebet und das Wort Gottes keine Rolle spielen, ist die Gottesbeziehung tot. Jesus aber ist gekommen, um diese verlorene Beziehung zu heilen. Jesus geht auf seine Zuhörer zu, um sie, die Toten, aufzuwecken und lebendige Kinder Gottes aus ihnen zu machen. Hast du schon begriffen, fragt Jesus seinen angehenden Schüler und uns, wie verloren und tot du ohne mich bist? Ist dir schon aufgegangen, wie dringend es für dich um das Thema gehen muss, wie dein Leben gerettet wird? Das soll jetzt Vorrang haben, dass aus dem Zuhörer ein Einsteiger bei Jesus wird, der in der Wandergruppe davon hört, wie Jesus im Städtchen Nain eine Beerdigung glatt beendete, indem er einen jungen Mann von der Totenbahre herunter lebendig machte. Das soll jetzt zuallererst passieren, dass der Mann, der über die Trauerfeier nachdenkt, geistlich erweckt und wach wird für das sprühende Leben aus Gott. Kein Aufschub für das Allerwichtigste! Keine Minute länger auf dem Weg der toten Religion und der leeren Riten! Wie oft schieben wir auf, was wirklich wichtig ist, liebe Zuhörer? Wie gerne machen wir einen großen Bogen um ungeklärte Lebensfragen? Jesus provoziert uns. Weil er uns aufwecken will. Tote Kirchlichkeit, ein bisschen christliche Tradition nützt gar nichts. Aber mit Jesus beginnt der Weg ins Leben, das am Ende alle Gräber sprengt und alle Friedhöfe aufhebt. Nachfolge ist eine Entscheidung für das Leben, gegen tote Kirchlichkeit.

Und zweitens eine Entscheidung für die Gottesbeziehung, gegen beziehungsmäßige Gebundenheit. Ein anderer Zuhörer von Jesus erklärt von sich aus, dass er sein Leben verändern und einen Start im Glauben wagen möchte: „Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich Abschied nehmen von denen, die in meinem Hause sind.“ Das ist doch klar, dass man sich zuhause verabschiedet, bevor man auf die Reise geht. Der Geschäftsmann hält sich den Freitagabend frei, wenn er am Samstagmorgen nach China fliegt. Sonst bekommt er Schwierigkeiten mit seiner Ehefrau. Vor dem Abflug nach Südamerika ins FSJ-Jahr lädt der junge Mensch seine Freunde zur Abschiedsparty ein. Vor dem zweiwöchigen Urlaub trinkt man noch einmal Kaffee bei der Großmutter, die in den Sommertagen alleine dasitzt.

Was für dich das Wichtigste im Leben? Regelmäßig geben Konfirmanden die Antwort: meine Familie. Ein gutes Zeichen! Wie schön, wenn eine Familie Nestwärme ausstrahlt! Um so mehr wirkt die Auskunft von Jesus wie eine eiskalte Dusche: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“ Der Prediger des Reiches Gottes schneidet die geplante Rückwärtskurve zur Familie ab. Stopp, falsche Richtung! Genau in die andere Richtung geht es vorwärts. Die Beziehung zu Gott soll jetzt klar im Focus stehen, ohne dass sie von anderen, höchst angenehmen Beziehungen überlagert wird.

Jesus verlangt den Blick nach vorn. Das macht er anschaulich durch den Bauer, der nur dann eine gerade Furche zieht, wenn er die schon gezogenen Furchen und die Grenzlinie seines Ackers im Blick hat. Wer auf dem E-Bike dahinsaust, muss unbedingt nach vorne schauen, wenn er in keine Fußgänger und keine Bäume brettern will. Vorwärtsfahren und den Kopf nach hinten drehen – das wirkt sich ziemlich ungesund aus! Jesus möchte unsern Kopf nach vorne drehen. Er will unsern Blick ausrichten auf Gottes große Zukunft: kein Weltkrieg, keine Klimakatastrophe, aber auch kein aufgezwungener Friede durch eine UN-Weltregierung, die jeden Bürger digital kontrolliert und schikaniert, wie China es in erschreckender Perfektion vorexerziert. Nein, wenn der eine regiert, der es wirklich kann, dann gibt es echte Freiheit, aufrichtige Versöhnung und freiwilligen Frieden. Dann, wenn der Präsident einmal Jesus heißt, wandern alle grausame Waffensysteme auf den Schrotthaufen und eine heile, farbensprühende Schöpfung ruht in Gottes Hand. Wer mit Jesus persönlich bekannt ist, ist dabei. Wer sich rechtzeitig um seine Gottesbeziehung gekümmert hat, ist glücklicher Teilhaber.

Alle anderen Beziehungen sind zwar auch wichtig für uns. Aber sie können uns ablenken und lähmen. „Herr Pfarrer, ich habe leider keine Zeit für die Kirche. Sie wissen ja: am Sonntagmorgen sind wir am Brunchen, Qualitätszeit für Frau und Kinder.“ Nichts gegen notwendige Familienzeit! Aber wann ist die Zeit, zu der wir gemeinsam mit zigtausenden von Christen weltweit den Allergrößten loben und unser Herz in ihm verankern? Ein junger Mann diskutiert gerne mit im Bibelkreis der jungen Erwachsenen. Aber dann lernt er die Freundin kennen, die das alles lächerlich findet, und er ist weg vom Fenster. Kumpels, die Pornographie teilen; Geschäftsleute, die tricksen; Vielredner, die uns nur aufhalten – wie sieht ein weiser Umgang mit ihnen aus? Jesusnachfolge ist immer neu Entscheidung für die Gottesbeziehung, gegen beziehungsmäßige Gebundenheit.

Und drittens eine Entscheidung für die Wahrheit, gegen Bequemlichkeit. Im ersten Gesprächsgang, den Lukas schildert, kommt ein begeisterter Mensch auf Jesus zu: „Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst.“ Ich gehe mit dir durch dick und dünn, ich bin unter allen Umständen dein Mann! Mehr Zutrauen, mehr Hingabe geht gar nicht! Jesus müsste ihm begeistert um den Hals fallen, oder nicht?

Doch auch dieses Mal fällt seine Reaktion überraschend aus: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ Mit dem Titel Menschensohn meint Jesus sich selbst. Er ist zwar ein bedürftiger Mensch wie du und ich. Aber dieser Titel bezeichnet den König im Himmelreich, von Gott selbst designiert. Der König aller Könige hat sein Schloss verlassen. Er hat auch seinen irdischen Heimatort Nazareth aufgegeben. Warum? Weil er seine Mission ausrichtet. Er zieht von Ort zu Ort, um die Wahrheit bekanntzumachen. Wer sie begreift, gerät ins Staunen und rettet seine Seele. Wer sie nicht annimmt, muss in Jesus einen Sektierer mit Wahnvorstellungen sehen. Zu groß, was er sagt! Zu radikal, was er verlangt! Jesus stößt auf Widerspruch, vor allem bei jüdisch-frommen Führungskräften. Sie bringen den Verführer um.

Wer ihm nachfolgt, muss mit Widerspruch rechnen. In der eigenen Familie. Im Büro. In der Kirche, wo man das nicht gewöhnt ist, dass jemand so viel von Jesus spricht. Es kann sein, dass du dir plötzlich sehr fremd vorkommst. Als einer, der nicht mehr wirklich dazugehört. Du verlierst deine Heimat in dieser Welt. Aber du gewinnst die himmlische Heimat. So erging es Abraham und allen anderen unserer großen Vorläufer, dass sie schmerzliche Ausgrenzung erfuhren. Doch der lebendige Gott wurde ihre Zuflucht, ihre Burg, ihr Zuhause. Bist du bereit für den Weg, der Mut zur Wahrheit erfordert, fragt Jesus den Möchtegernnachfolger. Er fragt uns, ob wir bereit sind, unsere Bequemlichkeit zurückzustellen, die angepasste Haltung, das ängstliche Schweigen.

Nachfolge hinter Jesus her heißt: Entscheidung für das Leben, gegen tote Kirchlichkeit; für die Gottesbeziehung, gegen beziehungsmäßige Gebundenheit; und für die Wahrheit, gegen Bequemlichkeit. Amen.

Diese Predigt über Lk 9,57-62 hat Pfr. Dr. Tobias Eißler am 8.3.2026 in Ruit gehalten
Quelle: www.confessio-wue.de

Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 1. Mai 2026 um 12:51 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Gemeinde, Predigten / Andachten, Seelsorge / Lebenshilfe.