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Gab es die Sintflut?

Die Geschichte um Noah, die Flut und die Arche ist nicht nur Bibellesern bekannt. Ihr Inhalt diente als Vorlage für Romane und filmische Umsetzungen und inspirierte Abenteurer zur Suche nach den Spuren des Schiffs in der heutigen Türkei. Das Interesse an der uralten Geschichte um die größte Flut aller Zeiten und die Rettung von acht Menschen mit allen Landtieren scheint keineswegs abzuebben, sondern gerade in den letzten Jahren wieder zuzunehmen. Allein in diesem Jahr widmeten der SWR und die ARD der Geschichte ihre Aufmerksamkeit im Rahmen kurzer Berichte, in denen wie so oft die längst widerlegte Auffassung verbreitet wurde, die biblische Version sei babylonischen Sagen entlehnt. Einen deutlich schärferen Ton schlug kürzlich ein Spiegel-Journalist an. In der September-Ausgabe 2025 des auflagenstarken Magazins verfasste er einen Artikel mit dem Titel „Vor uns die Sintflut“. Passend zum reißerischen Cover der Ausgabe mit der Aufschrift „Gottesstreiter“ und einigen ausgesucht unvorteilhaften Abbildungen amerikanischer Regierungspolitiker ist auch der Artikel zum Thema „Arche“ in einem schrillen Ton gehalten. Dabei enthält der Artikel nichts Überraschendes: den üblichen beißenden Spott, den man sich in Bezug auf andere Glaubensrichtungen lieber verkneift, leere Unterstellungen wie „Fundamentalismus“, „Wissenschaftsfeindlichkeit“ oder „Indoktrination“ und verkürzte oder falsche Darstellungen wissenschaftlicher Sachverhalte oder biblischer Inhalte.

Die Spannung zwischen Daten und Glauben aushalten

Die im Artikel aufgestellte Behauptung, die Bibel erwähne Dinosaurier nicht, greift viel zu kurz: Sie gehören zu den am 6. Schöpfungstag geschaffenen Landlebewesen (1. Mose 1,24) und stellen die beste Erklärung dar, welche Tiere Gott in Hiob 40 und 41 beschreibt. Im Sinne der Glaubwürdigkeit wäre es angebracht, zu diesem Thema genauer nachzuforschen. Veröffentlichungen zu der Frage, wie Mensch und Tier ein Jahr auf der Arche überleben konnten, scheinen bei der Recherche ebenfalls nicht berücksichtigt worden zu sein. Und das Argument, es gäbe einen Baum, der deutlich älter sei, als der biblische Zeithorizont, wurde unvollständig präsentiert. Denn das Alter des erwähnten Baums ist nicht zwingend eine Tatsache, sondern ein berechneter Wert, der auf radiometrischen Datierungen seines Wurzelwerks beruht. Aber das sind alles nur lästige Details, die bei der „Meinungsbildung“ der Leser hinderlich sein könnten. Wir sind uns im Klaren, dass die bisher gegebene Datenlage auf den Fachgebieten der Geowissenschaften und der Paläontologie es uns noch nicht ermöglicht, ein stimmiges Sintflut-Modell zu präsentieren und das geben wir auch freimütig zu. Es sei hier allerdings erwähnt, dass es auch sonst bisher kein stimmiges Modell zur Erdgeschichte gibt – auch kein evolutionäres.

Dennoch vertrauen wir darauf, dass es die Sintflut gegeben hat, wie sie in der Bibel beschrieben worden ist. Ergebnisoffenheit setzt die Bereitschaft voraus, die Spannung zwischen den vorliegenden Daten und dem Glauben an den biblischen Bericht auszuhalten. Dazu verpflichtet uns unser Gewissen vor Gott und Ihnen, liebe Leser.

Boris Schmidtgall

Quelle: Wort-und-Wissen-Info 4/2025 (www.wort-und-wissen.org)