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Anmerkungen zum Erprobungsband des neuen Evangelischen Gesangbuches

Stellungnahme der KSBB und der Gesellschaft für Innnere und Äußere Mission im Sinne der Lutherischen Kirche.

Gleich auf den ersten Blick wird deutlich: Mit dem neuen evangelischen Gesangbuch tritt die EKD ein in die Zeit der totalen Selbstverleugnung. DAS Symbol des christlichen Glaubens – das Kreuz – fehlt durchgängig. Es wird ersetzt durch den Kreis – als Symbol eines zyklischen (und damit mythologischen) Weltverständnisses. Der Kreis auf dem und in dem Gesangbuch ist kein christlich gefülltes Symbol – in einer Gesellschaft, in der jedes Burger-Restaurant auf EIN einprägsames Zeichen setzt, das die eigene Marke weltweit von jedem konkurrierenden Unternehmen abhebt, ist dieser Kreuzverzicht schon allein marketingtechnisch unverzeihlich, theologisch ist er nicht weniger als katastrophal!

Der christliche Glaube kommt von einem Grunddatum in der Geschichte her – dem Kreuz und der Auferstehung Jesu Christi – und hat damit einen Anfang! – und er hat ein Ziel: die Vollendung im Reich Gottes. So heißt es im „Geheimnis des Glaubens“: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ Das christliche Geschichts- und Weltverständnis ist linear, nicht zyklisch und somit von der ewigen Wiederkehr des Gleichen geprägt. Der Aufbau des Gesangbuchs: „Tageszeit, Jahreszeit, Feierzeit, Allezeit, Lebenszeit, Weltzeit“ ist ebenso verwirrend wie redundant – und orientiert sich an menschlichen Rhythmen, nicht an Gottes Zeit, die in die Ewigkeit mündet.

Der vorliegende Erprobungsband für die Evangelisch-lutherische Kirche in Bayern umfasst – laut Angaben im Geleitwort – nur knapp ein Drittel des Werkes, das später erscheinen soll. Dies macht es schwer, sich einen korrekten Überblick über die Lieder zu verschaffen, die im vollständigen Gesangbuch (noch) enthalten sein werden. Weil zum Kirchenjahr die Erprobungsrubriken Advent und Weihnachten abgedruckt wurden, kann darum nicht erschlossen werden, ob im neuen EG noch Passions- und Auferstehungslieder stehen werden. Trotzdem ist schon allein wegen der bereits auf Anhieb sichtbaren theologischen Vor-, besser: Fehlentscheidungen auch in dieser Hinsicht mit dem Schlimmsten zu rechnen.

Im Erprobungsband selbst stechen die Missgriffe krass heraus, die einer queerfeministischen „Theologie“ zuzurechnen sind.

Psalm 19 etwa wird in einer „gendergerechten“ Fassung dargeboten (EG 89.2, S. 180-181), in der Gott wechselweise männlich, weiblich und genderfluide erscheint. Wird er anfangs männlich „gelesen“, verwandelt er sich gleich darauf in die EWIGE; der Schlussvers setzt dieser babylonischen Sprachverwirrung und der sprachlichen Vergewaltigung des Allmächtigen die Krone auf: „EWIGE, mein Fels und mein Erlöser.“ Die EKD hat ihre Kirchentagslektion „Gott ist queer!“ gut gelernt – aber was hilft dieser gottlose Unfug der gläubigen Gemeinde?

Der Kuschelgott ist dagegen das Thema des Liedes „Du klingst im Flüstern des Windes“ (EG 165, S. 330). In jeder der vier Strophen wird wiederholt: „Du hältst mich sanft umarmt, ganz gleich was kommen mag.“ Eine biblische Botschaft sucht man in diesen schmalztriefenden Worten vergeblich.

Das Lied „Weil irgendetwas in mir“ (EG 168, S. 334-335) huldigt einer zutiefst unbiblischen Anthropologie und einem unevangelischen Religionsbegriff. Irgendetwas im Menschen greift nach Gott – und so erlöst sich der Mensch selbst: „weil irgendwas in mir noch näher wollte zu dir, werde ich neu in dir und immer wieder neu …“. Dazu bedarf der sich selbst neumachende Mensch weder des Heiligen Geistes, noch des Wortes Gottes, noch des Sakramentes Jesu, die „Neuwerdung“ ist eine im Menschen selbst angelegte Möglichkeit! Dass wir im Confiteor – bibelgemäß! – bekennen, dass wir uns „aus eigener Kraft … von unserem sündigen Wesen nicht erlösen können“ ist wohl für die EKD nur eine (von vielen) theologisch legitimen Ansichten.

Die erklärenden Texte des EG sind in einer schwülstigen, pseudopoetischen Sprache geschrieben: „Mit vereinten Stimmen malen wir die Vision einer neuen Erde: Gottes Zukunft gilt – jetzt.“ (S. 350) Singen als präsentische Eschatologie – das ist wenigstens ein halbwegs origineller theologischer Gedanke. Aber wo bleibt da noch Raum für die Bitte: „Dein Reich komme“?

Schwer nachvollziehbar ist die sehr große Zahl nichtdeutscher Lieder. Für Lobpreisgottesdienste mit englischsprachigen Liedern steht in den Gemeinden, die entsprechende Zielgruppengottesdienste feiern, ein reiches Angebot eigener Liederbücher zur Verfügung; meistens wird bei diesen Gottesdiensten ohnehin mit Hilfe projizierter Texte gesungen. Nach skandinavischen und slawischen Texten wird – mangels entsprechender nationenübergreifender Gottesdienste – in kaum einer Gemeinde Bedarf bestehen.

Unerträglich ist der Kulthymnus auf die große Göttin: „Lobet die Eine, die uns stärkt und tröstet“ (EG 178, S. 358-359). Dass es sich um eine groteske Parodie auf das herrliche Morgenlied „Lobet den Herren alle, die ihn ehren“ von Paul Gerhardt handelt, der auch noch Johann Crügers wunderbare Melodie zugrunde gelegt wurde, macht die Travestie umso haarsträubender. Interessant wäre, was Carola Moosbach (* 1957) als Dichterin unter „IHREM Namen“ versteht, den sie mit Freude singen will? Magna Mater, Artemis der Epheser, Hera, Minerva, Astarte … oder doch eine Göttin des germanischen Pantheons?

Gleiches fragt man sich bei Moosbachs Dichtung: „Gottflamme Du Schöne“ (S. 354):

Auflodernde Lebensglut Ewige
Dein Glanz unzerstörbar du (sic!) Einzige
hast mich berührt mich beim Namen gerufen
das Feuer entzündet in Brand gesetzt bin ich
und schreibe und schreie und singe für Dich
meine Lichtkönigin mit glühenden Wortfunken
will ich Dich preisen und bitten und klagen
Du  Ehrfurchtgebietende
flammende Schönheit Du schmilzt jedes Auge
verbrenne mich nicht Gott
sei nah mir und ferne ich will dich (sic!) umkreisen
und ahne und spüre Dich liebe Dich Gott
zu meinem Heil und Deiner Ehre

Hier überschreitet das EG endgültig die Schwelle zum Abfall vom christlichen Glauben hin zu einer feministischen, heidnischen Neuoffenbarungsreligion! Man fühlt sich an den bei Jeremia angeprangerten Kult jüdischer Frauen für die „Himmelskönigin“ erinnert (Jer 7,18; 44,17-19).

Auch die fälschlich so genannte „Übertragung“ von Psalm 134 durch Frieder Dehlinger
(* 1965) (EG 135, S. 274) dient eher der Verehrung der mythologischen Aschera als der des Gottes Israels, der im Tempel angebetet wurde: „Preist die Barmherzige, ihr Söhne und Töchter Gottes!“ – Hier wird der geschichtlich handelnde Gott Israels bewusst entstellt, entgeschichtlicht und Israel entzogen. Das wirft die Frage auf, ob bereits von Antijudaismus gesprochen werden muss. Sicher ist – hier wird als „Übertragung“ der biblischen Botschaft ausgegeben, was eine entschiedene Abkehr von selbiger darstellt.

Gänzlich inakzeptabel ist auch, dass zum 10. Sonntag nach Trinitatis (Israelsonntag) und zum Tag des Gedenkens an die Novemberpogrome der Psalm 74 aus der „Bibel in gerechter Sprache“ gebetet werden soll (EG 105, S. 213-215) – so als gebe es keine der bedeutenden jüdischen Bibelübersetzungen (etwa die von Martin Buber und Franz Rosenzweig). Dafür werden möglicherweise am Gedenken teilnehmende jüdische Gläubige gendergerecht – und natürlich urtextwidrig – belehrt, dass „kein Prophet, keine Prophetin … mehr da ist“. Ist das angesichts der christlichen und deutschen Schuldgeschichte, der doch am 09.11. gedacht werden soll, wirklich angemessen?

EG 311, S. 456: „Es segne und behüte uns der barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heilige Geistkraft.“ Die Intention dieser Formel besteht darin, der Trinität ein feminines Prinzip unterzuschieben, das aber zugleich nichtpersonal sein soll. Das Kunstwort „Geistkraft“ erfüllt beides – und ist damit in doppelter Hinsicht Häresie. Selbstverständlich ist der Heilige Geist übergeschlechtlich. Das gilt für alle Sprachen: ob im Lateinischen grammatikalisch maskulin spiritus, im Griechischen neutral pneuma oder im Hebräischen feminin ruach. Anders haben Christen niemals theologisch gedacht! Der Heilige Geist muss und darf deshalb nicht künstlich verweiblicht werden, sonst begründet dies eine neopagane Mythologie von einem Heiligen Geist mit einem biologischen(!) Geschlecht. Der Heilige Geist ist – noch einmal – unabhängig von seinem grammatikalischen Geschlecht übergeschlechtlich! Gleichzeitig ist der Heilige Geist nach biblischer Offenbarung Person – und eben nicht eine Wirkenergie: „Kraft“ – und als solche Gott!

EG 325, S. 480: „Vorsänger:in“ – wieviele nonbinäre Personen mag es unter den bayerischen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern geben? Das Problem wurde eigens erfunden, um es im Sinne des Genderismus lösen zu können, denn im alten EG reicht zur Bezeichnung der liturgischen Rolle ein einfaches „V“.

Durchgängig gilt bei den neuen Liedern und Psalmen: Viele sind nicht bewährt und nicht in langer Übung von der Gemeinde als ihre Lieder und Psalmengebete anerkannt, sondern geradezu für das EG neu geschrieben. Dabei wird vor vulgärsten Infantilisierungen nicht zurückgeschreckt. Etwa wenn Psalm 130 diese Gestalt gewinnt – und das Ergebnis ernsthaft als „Psalmübertragung“ bezeichnet wird (S. 484):


Fassung EG:

Aus der Tiefe rufe ich zu dir, Gott.

Ich habe Angst, wenn ich allein bin.

Ich habe Angst, wenn es dunkel ist.

Ich habe Angst, wenn ich etwas nicht schaffe.

Aus der Tiefe rufe ich zu dir, Gott.

Ich bin traurig, wenn meine Freunde keine Zeit haben.

Ich bin traurig, wenn wir uns gestritten haben.

Ich bin traurig, wenn jemand stirbt.

Aus der Tiefe rufe ich zu dir, Gott.

Ich bin bedrückt, wenn ich jemand belogen habe.

Ich bin bedrückt, wenn ich ein Versprechen nicht gehalten habe.

Ich bin bedrückt, wenn ich einfach zugeschlagen habe.

Aus der Tiefe rufe ich zu dir, Gott.

Mach mir Mut, tröste mich, vergib mir, was ich falschgemacht habe.

Ich wünsche mir so sehr, dass du bei mir bist. Amen.


Luther 1984:

Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir.

Herr, höre meine Stimme!

Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!

Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst – Herr, wer wird bestehen?

Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.

Ich harre des HERRN, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort.

Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen;

mehr als die Wächter auf den Morgen hoffe Israel auf den HERRN!

Denn bei dem HERRN ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.

Und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.

Diese „Psalmübertragung“ mag als (nichtbiblisches) Gebet für Kindergartengottesdienste geeignet sein, für Erwachsene ist sie – sowohl von den gewählten Beispielen wie von der sprachlichen Ästhetik her – schlicht nicht zumutbar. Der Bibel selbst ist nur der Kehrvers entlehnt. Wobei es bezeichnend ist, dass der in der hebräischen Bibel eigentlich verwendete Gottesname, der auf der Basis der jüdischen Tradition in der Lutherbibel mit „HERR“ umschrieben wird, durch „Gott“ ersetzt wird. Sowohl der Gottesname wie auch der Begriff drückt eine persönliche Beziehung aus: Wir nennen Gott beim Namen; wir stehen ihm gegenüber wie der Knecht dem Herrn. Diese Beziehungsebene fehlt beim Gattungsbegriff „Gott“, der den Gott der Bibel austauschbar und beliebig werden lässt! Dementsprechend fehlt auch das Ehre sei dem Vater und dem Sohn und Heiligen Geist, denn der „Gott“ von dem hier die Rede ist, soll offenbar gar nicht der Gott der Bibel sein! Gleichzeitig wurde dem „Psalm“ sein Israelbezug genommen; das gottgläubige Individuum ersetzt das erwählte Volk des Gottesbundes.

S. 496: „Taufgebet einer/eines Erwachsenen“: Das trinitarisch strukturierte Taufgebet bleibt konsequent dem Diesseits verhaftet. Die Taufe schenkt keinerlei Ewigkeitsperspektive, sondern ausschließlich ein Bewusstsein, auf dieser Welt begleitet zu sein: „Ich bitte dich um deinen Beistand, um Mut, Geduld und Hoffnung in meinem Leben.“ Trotz der personalen Anrede des Heiligen Geistes erscheint der Geist nur als ein dynamisches Prinzip, nicht als Person: „Heiliger Geist, du bist für mich Kraft und Energie …“

S. 502: Taufbefehl nach der BasisBibel (vgl. auch S. 309): Der Text ist eine sinnentstellende Paraphrase: Jesus fordert im griechischen Urtext seine Apostel auf, alle „Völker“ (gemeint sind Heidenvölker) durch die Taufe zu Jüngern zu machen. Jesus lädt damit nicht „die Menschen“ zur Taufe ein, wie im Vorspann behauptet, er verpflichtet vielmehr die Apostel zur Missionsarbeit – SIE stehen in der Pflicht. Die Mission der Kirche ist die Mission! Aber da dieses EG erkennbar kein missionarisches Anliegen im Sinne des christlichen Glaubens verfolgt, sondern allenfalls im Sinne des Wokeismus, ist das natürlich kein Problem.

Trotz der vergleichsweise vielen englischsprachigen evangelikalen Lobpreislieder ist das neue EG ein Werk ganz tief unten aus der Schublade einer zwanghaft modischen, zeitgeisthörigen, linken, woken und theologisch beliebigen „Kirche“. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ist es mit dieser weltanschaulichen Ausrichtung allerdings – ganz im Sinne des Zeitgeistes – bereits längst veraltet!

Die vielen Piktogramme im EG: etwa betende Hände dort, wo ein Gebet abgedruckt wurde oder eine Feder bei poetischen Texten erschrecken und belustigen gleichermaßen! Rechnet die EKD mit so vielen Analphabeten als Nutzern des Gesangbuchs oder zwangsverkindlicht sie die Bildungsschicht, die Gottesdienste zu besuchen pflegt?

Zuletzt: Die Auswahl der Texte zum Bedenken, die vielfach von Hanns Dieter Hüsch (1925-2005) und SAID (1947-2021) stammen, zeigt ein hohes Maß an Entfremdung gegenüber der eigenen geistlichen Tradition. Welche Bedeutung haben der Kabarettist Hüsch, dessen Texte unglaublich verstaubt wirken, weil sie eben nicht zeitlos sind, und der liberal muslimisch aufgewachsene, iranische-deutsch Dichter und bekennende Agnostiker SAID für die evangelische Frömmigkeit und Kirche? Die Antwort fällt leicht: Überhaupt keine! 2017 erklärte SAID in einem Interview gegenüber der evangelischen Zeitschrift Chrismon: „Ich hätte gerne einen Gott. Wer ­einen Gott hat, hat es leichter als der, der keinen hat. Ich bin zwar Agnostiker, aber ich glaube, dass es etwas anderes gibt außer der Materie. Auf einer Lesung fragte mich ein Mann: „Haben Sie einen Gott? Ja oder nein?“ Ich habe geantwortet, ich hätte eine Krawatte, ein Buch, eine Uhr, aber nein, einen Gott hätte ich nicht. Ob er einen hätte? „Ja!“ – Also fragte ich: „Wo haben Sie ihn ­ge­kauft?“ Es gab einen Riesenkrach, der Moderator musste das Gespräch abbrechen. Kann man einen Gott haben? Nein. Ich glaube, einen Gott kann man nur suchen.“ Mit dieser Einstellung gehört er kaum ins Evangelische Gesangbuch! Ist es doch die christliche Grundüberzeugung schlechthin, dass Gott uns sucht – und deshalb Mensch wird!

Dass auch noch Bewegungen zu „Macht hoch die Tür“ (S. 73) im Evangelischen Gesangbuch enthalten sind, macht einmal mehr deutlich, wie bizarr dieses Werk in Teilen ist. Welche Zielgruppe soll denn damit angesprochen sein: „‘Ein König aller Königreich‘ – Mit den Händen auf dem Kopf eine Krone formen.“

Dazu kommt noch eine praktische Schwierigkeit: Viele Lieder sind auf eine Weise abgedruckt, dass ausschließlich Menschen aus der Kerngemeinde, mit langer Übung im Benutzen von Gesangbüchern, diese werden überblicken können. Außenstehende erreicht man so gewiss nicht! Ein gutes schlechtes Beispiel, bei dem selbst Kirchenprofis die Übersicht verlieren müssen, ist Psalm 84 (EG 107.3, S. 220-222).

Fazit:

Es ist Christenpflicht, die Erprobungsphase zu verwenden, um bei der EKD und der bayerischen Landeskirche leidenschaftlich auf Änderungen zu drängen. Mehr als alle anderen stehen hier die zeitgenössischen Dichter und Komponisten in der Pflicht, die im biblischen Glauben stehen. Diese können angesichts des Zusammenhangs, in dem etwa ihre Lobpreislieder abgedruckt werden sollen, ihre Veröffentlichungslizenz nur widerrufen. Sollten – wie es zu befürchten steht – keine gravierenden Änderungen erfolgen, bevor das  Evangelische Gesangbuch 2028 erscheinen soll, werden hoffentlich sehr viele Gemeinden dem bisherigen Evangelischen Gesangbuch der ELKB unverbrüchlich die Treue halten. Mit der Neufassung droht eine Preisgabe unverzichtbaren, ewig wahren Glaubensgutes, eine Entfremdung von der reichen lutherischen Tradition und ein Kulturverlust ersten Ranges. Auch der – dem eigenen Anspruch widersprechende – unsensible Umgang mit alttestamentlich-jüdischen Überzeugungen ist mindestens verwirrend.

Weil manche Texte mit der biblischen Botschaft und der Wahrheit der göttlichen Selbstoffenbarung schlechterdings unvereinbar sind, wird das Gesangbuch innerevangelische Spaltungen vertiefen und auch die Ökumene schwer belasten.

Stellungnahme der KSBB und der Gesellschaft für Innnere und Äußere Mission im Sinne der Lutherischen Kirche.

Pfarrer Martin Fromm, Quelle: CA I–2026, S. 55–62