Wie dringend eine Besinnung auf unser Thema ist, zeigt eine US-Umfrage: Die Hälfte der jungen Erwachsenen ist der Meinung, das tatsächliche Geschlecht eines Menschen könnte anders sein als ihm bei der Geburt zugeschrieben wird. Und Deutschland: Sven Lehmann, Queer-Beauftragter (!) der Ampel-Koalition (bis Frühjahr 2025), meinte, am Penis könne ein Arzt keinen Mann mehr erkennen, und die Gebärmutter mache noch lange keine Frau zu einer solchen. Für diesen Beauftragten war es bereits unerlaubt zu behaupten, es gebe nur zwei Geschlechter. Die Frage nach dem Geschlecht ist präsenter als je zuvor.
Wie kann angesichts dieser unglaublichen Verunsicherung das Ja zum gegebenen (körperlichen) Geschlecht erleichtert werden?
Weg 1: Wer sich mit den „Rollen“ von Mann und Frau befaßt, wie es eine Heerschar von Gender-„Forschern“ tut, gerät in einen völligen Nebel. 70 Geschlechter? Transition? Gleichstellungs-, ja Gleichmachungsmaßnahmen … Am Ende steht Verzweiflung.
Weg 2: Zielführender ist es, die genetische Entwicklung des Menschen zu kennen, die von den frühesten Stadien her zur Zweigeschlechtlichkeit führt und schon beim Neugeborenen spezifisches Verhalten (nicht nur Aussehen) mit sich bringt. Dr. Matthias Klaus hat dies in einem viel beachteten Vortrag für den Gemeindehilfsbund getan[1] [1]; die dort zusammengetragenen Erkenntnisse sollen jedoch hier nicht wiederholt werden.
Weg 3: Die Antwort auf die Frage nach dem Wesen eines Geschlechts kann nicht isoliert aus diesem selbst erhoben werden. Darum beschreiten wir hier einen dritten Weg: Das Wesen der Geschlechter wird (1) an ihrer jeweiligen Herkunft erkannt, und es wird von außen her, am Gegenüber erkannt. Erinnern wir uns: Adam wurde in Tiefschlaf versetzt, die Frau wurde aus Fleisch aus seiner Seite gestaltet und zu ihm gebracht. Das alles geschah im Paradiesgarten und nach den Worten Gottes über Adam und seine Hilfe. In diesem ganzen Umfeld erkannte Adam das Wesen der Frau und darauf das des Mannes. Der dritte Weg, der in diesem Artikel beschritten (bzw. nach der Bibelarbeit fortgesetzt) werden soll, besteht darin, nach der Erschaffung des Menschen nun auch (2) die biblische Heilsgeschichte zu befragen. Denn, wie die Referentin Eowyn Stoddard in einem Vortrag bei E21 ausführte:
„Von Anfang der Schöpfung bis zum Ende der Zeiten stellt Frausein ein einzigartiges Modell dar, das nicht nur Frauen, sondern auch dem ganzen Volk Gottes zeigt, was es heißt, ein lebensspendendes, geisterfülltes Abbild von Gottes Herrlichkeit zu sein, an dem sich Gott erfreut und mit dem Gott in gemeinsamer Mission vereint ist.“
Vergleicht man zur Stellung der Frau die Bibel mit dem Koran, fällt sofort auf, wie häufig, an welch wichtigen Wegmarken und mit welcher Eigenständigkeit und Würde Frauen in der Bibel auftauchen. Dies geschieht in der Bibel meist in Erzählungen: Denken wir nur an die Frau am Jakobsbrunnen (Joh 4), an Jesu Begegnungen mit der nichtjüdischen Syrophönizierin, deren Glaube er so lobt (Mt 15,21–28), mit der Prostituierten in Simons Haus, deren Liebe er hervorhebt (Lk 7,36–50), an Maria, Johanna und Susanna, also den ganzen Kreis von Frauen, die Jesus nachfolgten (Lk 8,2f.), an Maria und die anderen Frauen unter dem Kreuz (Joh 19,25–27), an ihre Fürsorge für seinen Leichnam (Mt 28,1ff. u.a.), an die Frauen als erste Zeuginnen der Auferstehung (Lk 24 u.a.), die Geschäftsfrau Lydia als erste Christin Europas (Apg 16), ganz zu schweigen von den unzähligen großartigen Frauen des Alten Bundes: Denken wir an Eva, Sara und die anderen Erzmütter, an die mutige Prostituierte Rahab, deren Name als einziger aus jener Zeit bewahrt wurde (Jos 2), an die Richterin Debora (Ri 4f.), an Abigail (1. Sam 25), deren Dienstbereitschaft in Jesu Fußwaschung wieder aufleuchtet (Joh 13), oder an Bathseba (2. Sam 11f.), an die Königin von Saba (1. Kön 10), ja an ganze biblische Bücher mit Frauen im Mittelpunkt (Ruth, Esther, Hoheslied), deren standhaft ertragenes Leiden, deren Mut und Liebreiz Vorbild für alle Gläubigen ist. Sprüche 31 lobt die Tüchtigkeit einer vielfältig tätigen Hausfrau auch abgesehen von ihrer Mutterschaft. Vier Frauen tauchen im Abstammungsregister Jesu auf (Mt 1,1–17). Maria, die Mutter Jesu, galt später als Sinnbild der Kirche überhaupt. Ich breche hier ab!
Im Koran dagegen kommen Frauen vielfach in Gesetzestexten vor, die z.B. Erbfragen regeln[2] [2]; eine Konkordanz zeigt rund 1200 Fundstellen für „Frau“ in der Lutherbibel, 266 im Koran (Übersetzung von Rudi Paret, eingeschlossen die Fundstellen in den erklärenden Kommentaren!). Die Fülle der biblischen Frauenerzählungen sollte eine deutliche Mahnung sein, geduldig in der Schrift nach Gottes Willen für die Frau zu fragen und nicht vorschnell tradierte (oder moderne!) Rollenverständnisse mit der göttlichen Schöpfungsordnung gleichzusetzen.
Das erste Schlüsselkonzept: Hilfe
Der entscheidende und kulturprägende Unterschied zum Koran ist nicht die Textgattung, sondern der Inhalt, also das, was die Bibel von Frauen sagt und ihnen zuspricht (oder eben nicht!). Die vorangehende Bibelarbeit[3] [3] hat uns zu einem ersten Schlüsselkonzept geführt, das das Wesen und die Würde der Frau erschließt. Gott beschließt: „Ich will ihm eine Hilfe schaffen, die ihm entspricht“ (1. Mose 2,18). Ihr Dasein ist als ehrenvolle Hilfe, als notwendig und als personbezogen zu verstehen. Ihr Dasein ist not-wendend, um die Schöpfungsaufträge von 1. Mose 1 und 2 erfüllen zu können.
Das Schlüsselkonzept „Hilfe“ ist nun ebenso wie die folgenden nicht anders zu erfassen als ein Ausbuchstabieren dessen, wie Gott sich LIEBE zu den Menschen und unter den Menschen gedacht hat. Denn Gott selbst ist Helfer, Retter und Erlöser für uns und so Maßstab aller Liebestätigkeit der Menschen. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst – ich bin der Herr“ (3. Mose 19,18 – man zähle einmal, wie oft die Gebote im Kontext mit „ich bin der Herr, euer Gott“ versehen und begründet werden!). Helfen kann und soll die verheiratete Frau ihrem Mann sowie die unverheiratete Frau ihrer Familie und ihrem Volk in allen Bereichen, die wir in der Tabelle des vorigen Heftes dargestellt haben: Vermehren, Hegen, Pflegen (diese Bereiche können und dürfen also nicht starr dem Mann zugeordnet werden). „Hilfe“ sein gehört zum WESEN der Frau; die davon bestimmten ROLLEN können verschieden aussehen, wie schon ein innerbiblischer Vergleich der großen Frauengestalten Ruth, Esther und Maria zeigt. Elisabeth Elliot sagte: Würden wir verstehen, was Weiblichkeit ist, würden sich die Rollenfragen von selbst erledigen.
Das zweite Schlüsselkonzept: Die Braut
Ein zweites Schlüsselkonzept ist das der Braut. Vergegenwärtigen wir uns dazu einige Schriftworte.
1. Mose 2,24:
Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch.
Jesaja 62,4–5:
4 Man soll dich nicht mehr nennen »Verlassene« und dein Land nicht mehr »Einsame«, sondern du sollst heißen »Meine Lust« und dein Land »Liebe Frau«; denn der Herr hat Lust an dir, und dein Land hat einen lieben Mann. 5 Denn wie ein junger Mann eine Jungfrau freit, so wird dich dein Erbauer freien, und wie sich ein Bräutigam freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen.
Hosea 2,18. 21–22; 3,1:
18 An jenem Tage geschieht’s, spricht der Herr, da wirst du mich nennen »Mein Mann« und nicht mehr »Mein Baal«. …
21 Ich will dich mir verloben auf ewig, ich will dich mir verloben in Gerechtigkeit und Recht, in Gnade und Barmherzigkeit. 22 Ich will dich mir verloben in Treue, und du wirst den Herrn erkennen. …
3 1 Und der Herr sprach zu mir: Geh noch einmal hin und liebe eine Frau, die Geliebte eines anderen und eine Ehebrecherin ist, wie auch der Herr die Israeliten liebt, obgleich sie sich andern Göttern zuwenden und Traubenkuchen lieben.
Johannes 3,28–29:
28 Ihr selbst seid meine Zeugen, daß ich gesagt habe: Ich bin nicht der Christus, sondern vor ihm her gesandt. 29 Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihm zuhört, freut sich sehr über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist nun erfüllt.
2. Korinther 11,2–3:
2 Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch verlobt mit einem einzigen Mann, damit ich Christus eine reine Jungfrau zuführte. 3 Ich fürchte aber, daß, wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, so auch eure Gedanken abgewendet werden von der Lauterkeit und Reinheit vor Christus.
Eph 5,23. 28–32:
23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist – er hat sie als seinen Leib gerettet. …
28 So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst. 29 Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehaßt; sondern er nährt und pflegt es wie auch Christus die Gemeinde. 30 Denn wir sind Glieder seines Leibes. 31 »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein« (1. Mose 2,24). 32 Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde.
Offenbarung 19,6–9:
6 Und ich hörte etwas wie eine Stimme einer großen Schar und wie eine Stimme großer Wasser und wie eine Stimme starker Donner, die sprachen: Halleluja! Denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat seine Herrschaft angetreten! 7 Laßt uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitet. 8 Und es wurde ihr gegeben, sich zu kleiden in Seide, glänzend und rein. – Die Seide aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen.
9 Und er sprach zu mir: Schreibe: Selig sind, die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind. Und er sprach zu mir: Dies sind wahrhaftige Worte Gottes.
Erkennen wir die große Schönheit und Anmut dieser Bild-Welt? Wie traurig, daß sich eine „woke“ – von einem anderen Geist „erweckte“ – Kultur programmatisch davon trennen will! Ein egalitäres Bild von den Geschöpfen steuert letztlich auf eine entpersonalisierte, entemotionalisierte und damit distanziert-deistische Gottesvorstellung zu. Man merkt es bei woke-angehauchten Theologen, die das Beten verlernen oder verbissen ihre Agenda durchsetzen wollen …
Christus ist der Bräutigam, der die himmlische Welt verlassen hat, um sich eine Braut zu gewinnen, und um mit ihr ein Leib zu sein. Er erfüllt das zuerst zitierte Wort. Die Gläubigen, zur Gemeinde gesammelt, sind seine Braut und sein Leib. In den zitierten Paulus-Worten werden die Dimensionen ausdrücklich zusammengesehen: Christi Braut und sein Leib sowie die Erfüllung von 1. Mose 2,24 als „großes Geheimnis“ (Eph 5,32).
Leider (!) bleibt dies bei vielen Trauungen unerwähnt. Gerade das aber ist der große Horizont, in den die Ehe eingebettet ist, genauer: schon der Weg zur Ehe, die Eheschließung, das Bestehen und das Vollenden der Ehe: In und durch Christus, den Bräutigam, realisiert sich Gottes Wille zur Gemeinschaft mit seinem Volk. Es gäbe mehr Verbindlichkeit und Standhaftigkeit bei (v. a. christlichen) Eheleuten, die in Beziehungsstürme geraten sind, wenn diese Wahrheit mehr gepredigt und bekannter würde: Jeder Ehebund ist ein Spiegel des göttlichen Strebens nach beständiger Gemeinschaft – und nicht nur ein Vertrag, der bei Nichtgefallen wieder annulliert werden kann.
Hier erschließt sich, daß auch alle ledigen Frauen und (!) Männer in die Braut-Werbung Gottes eingeschlossen sind. Jesus, Paulus und viele große Persönlichkeiten lebten ehelos und trotzdem ein volles, reifes Menschsein. Schon in der frühen Kirche bildete sich ein Frausein heraus, das sich nicht von biologischer, sondern von geistlicher Mutterschaft her verstand. Im Neuen Testament fanden sie spezifische Weisungen für junge und alte Frauen, für Jungfrauen und Witwen. Später dienten diese auch zusammengefaßt in Ordensgemeinschaften. Als Jesus die lebenslange Einehe wiederherstellte, indem er auf die Schöpfungserzählung der Genesis zurückgriff (Mt 19), stärkte er die Würde der Frau mehr als jede andere Maßnahme (siehe den Artikel von Paul Bruderer in diesem Heft).
Wieder zeigt sich der Unterschied von WESEN und ROLLE: Es gehört zum Wesen der Frau, Braut zu sein, aber nicht jede Frau muß verheiratet sein!

Das dritte Schlüsselkonzept: Einwohnung und Mutterschaft
Der Maler und Buchstaben-Künstler Timothy R. Botts hat die Immanuel-Verheißung aus Jes 7,14 im 0benstehenden Bild abgebildet:
Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.[4] [4]
Der Künstler schrieb „Gott“ in die Mitte, und die übrigen Verheißungsworte wie den Leib einer Schwangeren außen herum.
Das Thema der Einwohnung kann ebenfalls durch die ganze Bibel hindurch verfolgt werden. Von der Präsenz Gottes im Garten Eden (1. Mose 2–3) bis zur „Hütte Gottes bei den Menschen“ im Neuen Jerusalem (Offb 21,1) zieht sich ein roter Faden, der immer wieder an den gnädigen Willen Gottes erinnert, innig Gemeinschaft zu bekommen.
Offenbarung 21,3:
Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein …
Der Erlöser, der Gott selbst sein mußte, sollte ein Nachkomme der Frau sein (1. Mose 3,15). Maria war diese Jungfrau. Als der Engel ihr die Schwangerschaft ankündigte, grüßte er sie vielsagend mit „Der Herr ist mit dir!“ (Lk 1,28), an den „Immanuel“ erinnernd.
Daß Adam seine Frau mit dem Namen „Eva“ versah (1. Mose 3,20), begründet er: „Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben.“ Sie ist chavvah, Leben oder Lebensspender. Adam erkannte den Zweck der Gestaltung des weiblichen Körpers, aber nicht als eine ihr auferlegte Einschränkung – ganz im Gegenteil! Seine Aussage ist gänzlich positiv: Gott versorgt die Menschheit durch die Frauen mit der unbedingt nötigen Hilfe, damit das Schöpfungs-/Mehrungsmandat erfüllt werden konnte. Im Strafwort an Eva hatte Adam zugleich die Gnade (mit)hören dürfen, daß es noch viele Schwangerschaften, also Nachkommen geben würde.
Die Anlage, Leben weiterzugeben, gehört zur Identität jeder Frau. Leben zu geben ist aber im Grunde eine göttliche Tätigkeit. Adam bestätigt diesen Aspekt in der Namensgebung. Auch als Eva ihr erstes Kind gebar, verwies sie sofort auf Gott:
1. Mose 4,1:
Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mithilfe des Herrn.
Wieder mag man fragen, was die Anlage des weiblichen Körpers, Leben weiterzugeben, für kinderlose Frauen bedeutet. Es besteht biblisch kein Zweifel, daß diese vor Gott die gleiche Würde haben wie die kinderreichen Frauen. Die nächstliegende Erkenntnis ist: Alle weiblichen Körper erzählen davon, daß Leben empfangen und weitergegeben werden will, ebenso wie alle männlichen Körper davon erzählen, daß Leben gezeugt und geschützt werden soll. In diesem Sinne gibt es für beide Geschlechter eine tiefreichende Verbindung von physischer und geistiger Identität. Es ist nicht beliebig, wie wir aussehen, sondern es ist eine Botschaft Gottes. Nehmen wir sie an?
Leben empfangen und weitergeben, dieses weibliche Schlüsselkonzept, gehört zentral zum Erlösungsplan Gottes. Daß Maria schwanger war durch den Heiligen Geist (Mt 1,20; Lk 1,35), führt uns zum dritten Artikel im Apostolischen Glaubensbekenntnis. Dort ist die Gabe des Lebens dem Heiligen Geist zugeordnet, was an die Gegenwart des Geistes schon beim ersten Schöpfungstag erinnert (1. Mose 1,2): „Ich glaube an den Heiligen Geist … die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“. Im Nizänischen Glaubensbekenntnis beginnt das Bekenntnis zum Heiligen Geist so: „Und an den Herrn, den Heiligen Geist, der da lebendig macht … und warte auf die Auferstehung der Toten und ein Leben der zukünftigen Welt“. Es war der Heilige Geist, der nicht nur Jesus in Maria zeugte, sondern der ihn auch von den Toten auferweckte, und es werden „auch eure sterblichen Leiber lebendig … durch seinen Geist, der in euch wohnt“ (Röm 8,11).[5] [5]
Die Erlösung wird zwar durch den (männlichen) „Menschen Jesus Christus“ gewirkt (1. Tim 2,8), aber dieser brauchte die lange Reihe der Mütter von Eva bis Maria, um zur Welt zu kommen.
1. Tim 2,15:
Sie wird aber gerettet werden durch die Kindesgeburt, wenn sie bleiben mit Besonnenheit im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung.
Was ist „Kindesgeburt“ in diesem Zusammenhang? In der 2017er Revision der Lutherbibel liest man: „Sie wird aber gerettet werden dadurch, daß sie Kinder zur Welt bringt …“. Das wäre jedoch, streng genommen, Werkgerechtigkeit, und tatsächlich nur von Müttern erfüllbar.[6] [6] Da Paulus in den vorangehenden Versen auf 1. Mose 2 und 3 eingeht, mithin das Protevangelium (1. Mose 3,15) und das Wort an die Frau (3,16) im Blick ist, und da „Kindesgeburt“ in Einzahl und mit bestimmtem Artikel steht (täs teknogonias), ist es aus meiner Sicht sinnvoller, die Stelle auf das Weihnachtsgeschehen zu beziehen: Die Jungfrau Maria brachte Christus zur Welt, den Erlöser. Frauen (wie Männer) werden durch diese „Kindesgeburt“ – und natürlich durch alles, was durch und in Jesus daraus folgte (Joh 1,14–16) – selig. Und „sie“ bezieht sich beidesmal auf die Frau(en).[7] [7]
Es geht nur um die eine, ganz bestimmte Geburt des Erlösers. Durch diese Kindesgeburt bleibt die Hoffnung in der Welt – und jede andere Geburt ist davon ein Abglanz. Das ist die Ehre jeder Mutter. Dafür und angesichts ihrer Schmerzen und ihrer Tapferkeit verdient sie jede Zuwendung und Hilfe, jede Bestätigung und allen Dank ihres ganzen Umfeldes.
Johannes 16,21–22:
21 Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß ein Mensch zur Welt gekommen ist. 22 Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.
Diese Worte sprach Jesus im Kontext der Trauer über seinen Abschied und der Vorfreude auf das Wohnungnehmen des Heiligen Geistes. Die Einwohnung seines lebendigmachenden Geistes ließ Gott in der Heilsgeschichte mehrfach vollziehen: Im Alten Bund (neben einzelnen Geistträgern) in der Stiftshütte bzw. im Tempel (3. Mose 16,16; 1. Kön 8), im Neuen Bund in der Gemeinde (1. Kor 3,16f.; 2. Kor 6,16) und in den Leibern (!) der Gläubigen (1. Kor 6,19; vgl. Röm 8,23). Mit unserem ganzen Sein – mit dem Wort, mit der Tat und mit unserer leiblichen Gestalt – dürfen wir den Willen und die Güte Gottes über unser Leben in die Welt strahlen lassen. Das Schöne ist: In der Gemeinde geschieht dies nicht nur physisch, sondern auch geistlich. Darum kann die geheime Trauer der Kinderlosen gerade in der christlichen Gemeinde am besten überwunden werden (vgl. Jes 54,1!).
Die einzigartige Anlage des weiblichen Körpers, als schützende und nährende Wohnung einer anderen Person zu dienen, ja als Residenz neuer Ebenbilder Gottes, kündet von der Absicht Gottes, in und mit seinem Volk zu wohnen: „Immanuel“, „Mit uns ist Gott“!
Was für eine Ehre! Und was für ein Fluch, wenn der dunkle Schutzraum, in dem Gott feinsinnig am Werk ist (Ps 139,13–16) und ein neues Ebenbild seiner selbst erschafft, zur Todesfalle wird! Analog wird die Gemeinde ihre Ehre darin finden, Wohnung Gottes bei den Menschen zu sein, Menschen ins Licht Gottes zu führen, und ihren Fluch, wenn sie einen dieser Kleinen, die an Jesus glauben, verführt (Mt 18,6f.).
„Ihr müßt von neuem geboren werden“, sagt Jesus (Joh 3,3.5). Jede physische Geburt ist ein Gleichnis für die Wiedergeburt im Glauben und ein Hinweis auf die Erlösung am Kreuz: Wie am Kreuz fließen bei der Geburt Wasser und Blut. Wie am Kreuz wird geschrien, geweint und dann gejubelt. Das „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jes 66,13), ist im tiefsten hier erfüllt!
Wer etwas vom Wesen und dem Ursinn der Geschlechter erfaßt hat, darf auch auf eine gute Partnerschaft im Leben hoffen. Ehe und Partnerschaft werden den Schwerpunkt des nächsten Heftes bilden. Herzliche Einladung!
Stefan mit Ulrike Felber
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Mary A. Kassian, Nancy De Moss Wolgemuth:
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Christliche Literaturverbreitung (CLV) 2025, 272 Seiten, 16,90 €, ISBN: 9783866997868