Besuch in Paraguay: Kirche, Mennoniten und theologische Begegnungen
Donnerstag 15. Januar 2026 von Unterwegs in Paraguay

Im Januar 2026 sind Pfarrer Dr. Stefan Felber und seine Frau Ulrike in Paraguay unterwegs. Der Besuch führt sie zu Gemeinden, Ausbildungsstätten und kirchlichen Projekten und ermöglicht vielfältige Begegnungen.
Warum Paraguay für Christen besonders interessant ist
Das Christentum spielt in Paraguay eine zentrale Rolle für Gesellschaft, Kultur und Alltag. Nach Angaben der letzten Volkszählung aus dem Jahr 2002 bezeichnen sich 89,6 % der paraguayischen Bevölkerung ab zehn Jahren als katholisch und 6,1 % als evangelisch. Laut der Zählung der Mennonitischen Weltkonferenz leben in Paraguay rund 35.900 getaufte Mitglieder der Mennonitengemeinden (Stand 2015) aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturgruppen. Schätzungen für heute gehen von 40.000 bis 50.000 Mennoniten aus.
Christliche Vielfalt in Paraguay
Historisch und zahlenmäßig ist die katholische Kirche die größte christliche Konfession. Sie prägt bis heute Volksfrömmigkeit, Moralvorstellungen und kirchliche Feste und ist sowohl in Städten wie Asunción als auch in ländlichen Regionen stark präsent.
Daneben wachsen seit den 1980er-Jahren evangelikale und pfingstkirchliche Gemeinden deutlich. Sie betonen persönliche Bekehrung, Bibelstudium, Lobpreis und missionarisches Engagement. Besonders in urbanen Räumen und sozial benachteiligten Vierteln sind sie aktiv und gewinnen durch Medienarbeit und soziale Projekte zunehmend gesellschaftlichen Einfluss.
Die Mennoniten in Paraguay
Die Mennoniten machen unter ein Prozent der Christen in Paraguay aus, dennoch prägen sie einzelne Regionen, insbesondere den Chaco, stark.
Die Mennoniten gingen im 16. Jahrhundert aus der Täuferbewegung der Reformation hervor. Geprägt von Menno Simons wollten sie das Christsein konsequent biblisch und unabhängig von Kirche und Staat leben. Ihre Ursprünge liegen in den Niederlanden und im deutschsprachigen Mitteleuropa. Über Stationen in Preußen und im Russischen Reich blieb Deutsch ihre Kirchen-, Schul- und Bildungssprache.
Die meisten mennonitischen Einwanderer in Paraguay stammen aus preußisch-russischer Tradition und gehören zu den sogenannten Koloniemennoniten. Ihre Siedlungsform, geprägt durch die Kolonisationspolitik Katharinas der Großen in Russland, wurde als religiös-kulturelles Erbe nach Paraguay übertragen. Kennzeichnend sind gemeinschaftlicher Landbesitz, weitgehende Autonomie sowie gemeinsame religiöse, sprachliche und kulturelle Strukturen.
Zur Absicherung der Ansiedlung wurden mit der paraguayischen Regierung Privilegien ausgehandelt, die 1921 im Gesetz Nr. 514 festgeschrieben wurden. Diese garantierten unter anderem Religionsfreiheit, Befreiung vom Militärdienst, eigene Schulen, die Pflege der deutschen Sprache und eine weitgehend selbstständige Verwaltung.
Auf dieser Grundlage entstanden ab 1927 mehrere mennonitische Kolonien im Chaco. Zunächst kamen Mennoniten aus Kanada, später Flüchtlinge aus der Sowjetunion sowie nach dem Zweiten Weltkrieg weitere Gruppen aus Europa, Kanada und Mexiko.
Die Bewahrung der übernommenen, alten Ordnung, die sich unter anderem in bestimmten Kleidungstrachten, in der Ablehnung von elektrischem Strom und modernen Fahrzeugen sowie einer ausgesprochenen Bildungsfeindlichkeit äußern kann, gilt als ein Hauptanliegen der mennonitischen Kolonien.
Es kommt heute immer wieder zu starken Spannungen, die sich an der Frage entzünden, ob und inwieweit man sich gewissen modernen Lebensformen anpassen soll. Vor allem jugendliche Bewohner versuchen, aus den starren Formen auszubrechen, und es entstehen neben der traditionellen Gemeinde einzelne neue Gemeindegruppen, die sich von fortschrittlich gesinnten Mennoniten beraten lassen.
Mehr zu den Mennoniten in Paraguay hier:Â https://www.mennlex.de/doku.php?id=loc:paraguay
Programm und Aufgaben von Stefan und Ulrike Felber vor Ort
Stefan Felber wird in Paraguay eine Mitarbeiterschulung für deutschsprachige Mennoniten durchführen. Zudem hält er in Asunción auf einer Konferenz der Mennoniten einen Vortrag zum Thema „Christ und Welt“ sowie eine Predigt zu 2. Samuel 7.
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Treffen mit ehemaligen Studenten aus seiner Zeit am Theologischen Seminar St. Chrischona (Schweiz). Geplant ist außerdem der Besuch der Bibelschule Loma Plata, die seit vielen Jahren ein zentraler Bestandteil des Bildungswesens der mennonitischen Kolonien im paraguayischen Chaco ist und Teilzeit- wie Vollzeitunterricht für Jugendliche und Erwachsene anbietet.
Darüber hinaus stehen der Besuch eines indigenen diakonischen Projekts, Treffen mit zwei weiteren Gemeinden sowie ein Besuch der lutherischen Kirche in Asunción auf dem Programm.
Ausblick
Wir wünschen Stefan und Ulrike Felber eine gesegnete Zeit in Paraguay und freuen uns auf ihre Berichte über Begegnungen, Eindrücke und Erfahrungen aus diesem stark christlich geprägten Land. Am 1. Februar 2026 um 15 h wird Stefan Felber im Düshorner GHB-Gottesdienst predigen und anschließend von der Reise berichten.
Autor: Gemeindehilfsbund
Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 15. Januar 2026 um 11:20 und abgelegt unter Christentum weltweit, Gemeinde, Kirchengeschichte.













