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„Siehe, ich mache alles neu“ (Predigt über Offb. 21,5 am 4.1.2026)

Die Jahreslosung für 2026 lenkt den Blick auf Gottes schöpferisches und erneuerndes Handeln. Es tut uns gut, wenn wir diesen Blick finden, weg von den Tagesneuigkeiten, die morgen schon niemand mehr interessieren, hin zu dem dauerhaft Neuen, das Gott in die Welt setzt. Wir betrachten das erneuernde Handeln Gottes in vier Aspekten: 1.) Die Faszination des Neuen; 2.) Die Erneuerung der Schöpfung; 3.) Das Neuwerden des Menschen; 4.) Die neue Schöpfung.

1.) Die Faszination des Neuen

Es ist merkwürdig: wir wissen genau, wie schnell die Tagesneuigkeiten veralten und dass im Grunde alles, was wir Menschen anpacken und herstellen, ein schnelles Verfallsdatum hat. Und trotzdem fasziniert uns alles, was unter dem Stichwort „Neu“ daherkommt. So war es schon immer. Als Paulus in Athen war und dort predigte, stieß er durchaus auf Interesse, aber nur deswegen, weil die Leute ihn noch nicht kannten. „Alle Athener, auch die Fremden, die dort wohnten, hatten nichts anderes im Sinn, als etwas Neues zu sagen oder zu hören“ (Apg 17,21). Auch ich selbst bin nicht frei von dieser Faszination der Tagesneuigkeiten. Es kostet immer wieder eine Überwindung, das wirklich Neue, das Gott allein gibt, wichtiger zu nehmen als die Tagesneuigkeiten der Welt.

Unser Bibelwort scheint diese menschliche Vorliebe zu kennen, denn es fordert uns ausdrücklich auf, von uns wegzusehen und auf das zu achten, was Gott macht. „Siehe!“ Dieses kleine Wort ist keineswegs eine Floskel. Im Gegenteil. Hier spricht der lebendige Gott und sagt: Sieh nicht in erster Linie auf das Tagesgeschehen und die Tagesneuigkeiten, sondern auf mich, und sieh genau hin, was ich Neues mache. Das wirklich Neue und das bleibend Neue kommt nicht aus der Welt, sondern von mir. Ich biete dir eine dauernd frische Wahrheit und Wirklichkeit, die niemals veraltet. „All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag“. Haben wir diese Aussage schon verinnerlicht? Die Gnade und die Treue Gottes sind andauernd taufrisch und neu, und du kannst dich darauf absolut verlassen. Das wollen wir als Erstes festhalten.

Meine Frau und ich, wir kommen aus der früheren DDR. Wir kennen noch die Parolen, die man uns dort täglich einhämmerte, um den Sozialismus als die kommende neue Gesellschaftsform anzupreisen. Z.B. gab es die „Zehn Gebote für den neuen sozialistischen Menschen“ von Walter Ulbricht (1958). Da hieß es z.B., dass der neue Mensch das Volkseigentum achtet und vermehrt. Als ich 1990 in Leipzig war, sah ich mir einmal eine Schule näher an und war erschreckt, wie verwahrlost der ganze Außenbereich war. Der neue sozialistische Mensch war offensichtlich noch nicht bis in diese Schule gekommen. Aber die Illusionen über den neuen Menschen hören ja nicht auf. Der Kanadier George Chisholm, der 1948 die WHO gründete, ließ eine ebenso große Illusion in die WHO-Verfassung schreiben, nämlich eine völlig neue Definition von Gesundheit. Die WHO solle einen „Zustand des völligen physischen, mentalen und sozialen Wohlbefindens und nicht bloß die Abwesenheit von Krankheit oder Schwäche“ anstreben und verwirklichen. Auch dieses Ziel ist utopisch und im Grunde eine Plattform zur Komplettbefriedigung aller Wünsche. Auf der aktuellen Website der WHO wird z.B. zur Herstellung dieses „völligen Wohlbefindens“ der freie Zugang zur Abtreibung gefordert. Beide Utopien, der Sozialismus und das „Völlige Wohlbefinden“ sind nicht neu. Heinrich Heine hat sie schon gelobt: „Ein neues Lied, ein besseres Lied, o Freunde, will ich Euch dichten! Wir wollen hier auf Erden schon das Himmelreich errichten.“ (1844)

Aber: Wie schnelllebig sind doch die Neuigkeiten der Welt! Und wie illusionär sind die Hoffnungen, die man auf neue Verhältnisse und den neuen Menschen setzt! Lasst uns einmal darüber nachdenken, woher diese Faszination, die das Neue in uns auslöst, eigentlich kommt. Ich will eine Antwort versuchen.

Das Neue fasziniert, weil es inmitten aller Enttäuschungen über das schnelle Veraltetsein und die Nichterfüllung der Hoffnungen eine Resthoffnung in uns gibt, dass es in allem Unerlöstsein unserer Existenz vielleicht doch irgendwann und irgendwo das Paradies gibt, eine echte Erlösung. Dass es in all der Vergänglichkeit, die wir täglich erleben, vielleicht doch irgendwo etwas Dauerhaftes, Bleibendes gibt. Brigitte Bardot, die Ende Dezember 2025 gestorben ist, war viermal verheiratet. Immer dachte sie, dass die neue Verbindung ihr die Geborgenheit gibt, die sie suchte. Aber immer wieder wurde sie enttäuscht. „Jedes Mal, wenn ich mich auf ein menschliches Wesen verlassen habe, bin ich verraten worden“, so schreibt sie in ihrer Autobiographie. Schließlich wurde sie eine Menschenverächterin und wandte sich dem Tierschutz zu.

2.) Die Erneuerung der Schöpfung

Als bibelgegründete Christen haben wir uns angewöhnt, die Schöpfung als ein durch und durch abgeschlossenes Riesenprojekt Gottes zu verstehen. Wir haben den Schöpfungsbericht vor Augen und die Paradiesgeschichte und denken dabei an längst verflossene Zeiten. Dass Gott jedoch ein unablässig neu erschaffender Gott ist, ist den meisten Christen gar nicht bewusst. Ohne es zu wissen, stecken sie in der Weltanschauung des sog. Deismus fest. Der Philosoph Leibniz brachte diese Auffassung auf den Punkt, als er Gottes Schöpfungshandeln mit dem eines Uhrmachers verglich. Der stellt eine funktionsfähige Uhr her und gibt sie dann aus den Händen. So stellen sich viele Gott vor, aber das ist viel zu klein gedacht.

Wir wissen heute aus der Molekularbiologie und aus der Informatik, dass alles Leben in einer Dauerbewegung ist und in programmierten Umwandlungsprozessen vonstattengeht, die nur deswegen funktionieren, weil sie andauernd neue Energie bekommen. Aber wo kommt sie her? Das Leben auf unserer Erde funktioniert nur deshalb, weil es unablässig durch die Sonne mit neuer Wärme und neuem Licht versorgt wird. Wer sorgt dafür, dass die Sonne über diese unermesslichen Energievorräte verfügt? Oder sehen wir uns unseren menschlichen Körper an. Unser Leben muss ununterbrochen durch neue Körperzellen intakt und leistungsfähig gehalten werden. Die innerzellularen Kraftquellen bzw. Kraftwerke sind die Mitochondrien. Dazu einige Zahlen: Im menschlichen Körper erneuern sich jede Minute etwa drei Milliarden Zellen, die meisten sind Hautzellen und Rote Blutkörperchen. Jeweils vor der Zellteilung findet in jedem Zellkern die DNA-Replikation statt, also die Weitergabe des Erbguts an die nächste Zellgeneration. Der ganze Vorgang heißt Physiologische Zellregeneration. Das Ganze spielt sich im Mikrometer- und Nanometer-Bereich ab (1 Millimeter = 1000 Mikrometer). Zum Vergleich: Das menschliche Haar ist 100 Mikrometer dick (also ein Zehntel eines Millimeters). Ein Rotes Blutkörperchen ist viel kleiner, 7,5 Mikrometer dick. Noch kleiner ist der Träger des Erbguts, die sog. Doppel-Helix, die sich im Zellkern befindet. Und bedenken wir dabei: Der menschliche Körper setzt sich aus ca. 70 Billionen Zellen zusammen!

Wir kennen alle den Ausspruch Jesu: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ (Mt 4,4). Viele denken dabei an Jesaja 43,1: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“. Aber Gott redet unablässig, und zwar in ganz verschiedener Weise. In Ps 33,9 heißt es „Wenn er redet, so steht es da“. Gott erschafft und erhält den Makrokosmos und den Mikrokosmos, das Große und das Kleine, indem er spricht. Wenn Jesus sagt, dass wir jedes Wort, das aus Gottes Mund kommt, so dringend brauchen, um zu leben und weiterzuleben, dann ist damit eben nicht nur die persönliche Anrede gemeint – so wichtig sie ist! –, sondern die gesamte Grundlage unseres Lebens. Wir brauchen beides, um leben zu können: Nahrung für den Leib und das schöpferische Wort Gottes, das mit seiner göttlichen Energie die Billionen von Zellen am Leben erhält und in einem funktionsfähigen Organismus zusammenhält. Dies meint der Hebräerbrief, wenn er gleich am Anfang ausführt, dass Jesus das schöpferische Wort Gottes ist, durch dass alles existiert (Hebr 1,3).

Auch das Geheimnis der Vermehrung gehört in das göttliche Erneuerungsprogramm des Lebens. So wie jede einzelne Körperzelle sich durch einen schöpferischen Vorgang vermehrt, so ist es auch beim ganzen Individuum. Die Pflanzen- und Tierwelt kann sich multiplizieren. Aber der Mensch hat den besonderen Adel, dass er die Krone der Schöpfung zeugen darf, Menschen, die zum Ebenbild Gottes bestimmt sind, Menschen, für die Jesus gekommen ist, um sie zu erlösen.

„Siehe, ich mache alles neu“. Das ist also ein elementares Prinzip Gottes, das die ganze Schöpfung durchzieht. Die Welt würde nicht eine Sekunde bestehen, ohne dass Gott ihr am laufenden Band neues Leben und neue Energie zukommen ließe.

3.) Das Neuwerden des Menschen

Es gibt im Hiobbuch das berühmte zweigeteilte Gespräch Gottes mit Hiob, wo Gott im ersten Teil Hiob seine besondere Fürsorge für die gesamte Schöpfung vor Augen stellt und im zweiten Teil den Hochmut der Menschen und – in bildhafter Rede – ihre Ohnmacht gegenüber Satan beschreibt. In Hiob 40,11 fordert Gott Hiob auf „Sieh dir alle Hochmütigen an und demütige sie!“ Und er fügt hinzu, dass er Hiob preisen will, wenn ihm das gelingt. Unausgesprochen beschreibt Gott hier die riesige, übermenschlich schwierige Aufgabe, den menschlichen Hochmut zu brechen. Wie viele Eltern und Ehepartner mussten an dieser Stelle schon kapitulieren, weil sie es nicht geschafft haben, ihre Nächsten zur Bekehrung zu Gott zu bewegen. Der Grund: Ohne Gottes Hilfe ist es unmöglich, sich selbst oder andere zu bekehren. Das menschliche Herz ist das Hoheitsgebiet Gottes. Niemand sonst kann es ändern. Der Eigenwille des Menschen, sein Hochmut vor Gott und vor den anderen – das alles ist viel zu tief im Menschen verwurzelt, als dass ein Mensch daran etwas ändern könnte. Aber bei Gott ist kein Ding unmöglich (Luk 1,37). „Siehe, ich mache alles neu“. Das gilt auch hier. Gott kann Menschen erneuern.

In einem Rundbrief der Gideons wurde von einem Gideon-Einsatz in Kenia berichtet. Bei einem Erfahrungsaustausch waren die Pastoren aus der Umgebung und solche Menschen eingeladen, die irgendetwas mit einer Gideonbibel erlebt hatten. Ein Mann erzählte, dass er als ein unerwünschtes Kind als Baby von seiner Mutter zum Müll auf die Straße gelegt wurde. Jemand hatte Mitleid und nahm ihn mit. In der Schule fand er keine Freunde. Dann schenkte ihm jemand eine Gideonbibel. Da ging es ihm plötzlich auf, dass Gott ihn liebt, und er bekehrte sich. Er wurde ein anderer Mensch. „Siehe, ich mache alles neu“. Das geschieht bei jeder echten Bekehrung.

Paulus beschreibt das Neuwerden eines Menschen in 2 Kor 5,17 und 18 mit diesen Worten: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur (oder „Schöpfung“); das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das alles von Gott“.

Aber das Neuwerden eines Menschen zeigt sich nicht nur darin, dass er nun an Jesus glaubt und einen neuen Lebensinhalt bekommen hat, sondern das Neue zeigt sich auch in seinem Tun und Lassen. Der von Gottes Geist neu gemachte Mensch hat nämlich jetzt Liebe für seinen Nächsten. Als wir 1979 aus Oberfranken in das Krelinger Rüstzentrum zogen, wohnten wir direkt neben den neugebauten Altenwohnungen. Dort lebte auch Alwin Meyer mit seiner Frau. Er war Maurer in Bremen gewesen. In früheren Jahren war er dem Alkohol ergeben und verprügelte im Suff öfters seine Frau. Bei einer Evangelisation bekehrte er sich zu Jesus und zog zusammen mit seiner Frau, die inzwischen an Schüttellähmung erkrankt war, nach Krelingen. Wenn wir aus dem Wohnzimmerfenster sahen, konnten wir Alwin öfters beobachten, wie er seine kranke Frau liebevoll in den Rollstuhl hob und sie durch das Gelände schob. Dieselben Hände, die früher seine Frau krank schlugen, waren jetzt voller Liebe geworden. 1993 habe ich ihn beerdigt.

4.) Die neue Schöpfung

Alle Erneuerungsmaßnahmen Gottes an unserer Schöpfung und an uns selbst können das Leben zwar erhalten, aber er will noch mehr: Eine ganz neue Welt, ohne die Störmanöver Satans. Und eine neue Menschheit, die von Satans Verführungen erlöst ist. Es ist immer wieder aufregend, Gottes Plan zu studieren, wie er zu diesem Ziel kommt. Wir wollen uns sieben wichtige Schritte vergegenwärtigen, die Gott geht, um sein Ziel zu erreichen.

4.1 Gott hat von Anfang an das Ziel, die Menschen zur Gottesebenbildlichkeit zu führen, und das heißt, zu liebenden Wesen zu machen. Dieses Ziel hat er nie aufgegeben. Schon deswegen braucht es neue Verhältnisse auf einer neuen Erde, denn hier auf der alten Erde, unter den Bedingungen der Wirksamkeit Satans, ist das Ziel einer neuen Menschheit nicht erreichbar.

4.2 Gott versöhnt die Menschheit mit sich selbst, denn sie ist durch den Sündenfall verdorben und von Gott getrennt. Da der gefallene Mensch verdorben bleibt, muss die Trennung anders überwunden werden, und das kann nur durch ein stellvertretendes Opfer geschehen. Was ist das Wichtigste am Sintflutgeschehen? Die Opfertiere und die Opferhandlung Noahs, nachdem er aus der Arche hinausgegangen war. Er hatte es verstanden, dass die Menschheit böse bleibt und nur eine segensvolle Zukunft hat, wenn sie mit Gott versöhnt wird. Wie recht er hatte, zeigt der Turmbau zu Babel. Anstatt Gott zu gehorchen und die Erde zu besiedeln, bleiben die Menschen in Mesopotamien zusammen und etablieren ein antigöttliches Machtzentrum.

4.3 Gott beruft Abraham und erschafft sich aus dessen Nachkommen ein Dienstvolk, das er in der Zukunft als ein heiliges Priestervolk für die Nationen einsetzen will. Bis jetzt ist dieses Ziel nicht erreicht, aber Gott behält es fest im Blick.

4.4 Gott schickt seinen Sohn als Mensch in die Welt und richtet an ihm die Sünde der Menschen. Das Golgathageschehen legt die entscheidende Grundlage für das Gelingen des großen Heils- und Erlösungsplan Gottes.

4.5 Christus sendet nach seiner Erhöhung zur Rechten des Vaters den Heiligen Geist in die Welt und beruft sich als das geistliche Haupt Menschen zu seinem geistlichen Leib und macht sie zu Himmelsbürgern. Das Erwählungsvolk Israel verkennt das Versöhnungshandeln Gottes und empfängt vorübergehend den „Geist der Betäubung“ (Röm 11,8).

4.6 Christus kommt sichtbar aus dem Himmel auf einer Wolke zurück als Richter und König. Alle, die den Heiligen Geist empfangen haben, erhalten einen wunderbaren Leib und dürfen ihre himmlische Staatsbürgerschaft antreten. Alle von Israel, die dem falschen Christus widerstanden haben, erkennen in Christus den wahren Messias Israels (Sacharja 12,10). Der falsche Christus und der falsche Prophet werden gefasst und in den Abgrund geworfen. Die Toten werden 1000 Jahre lang nach ihren Werken beurteilt und gerichtet.

4.7 Christus erschafft Himmel und Erde neu, denn beides ist durch Satan und die Sünde befleckt worden. Das himmlische Neue Jerusalem senkt sich auf die Erde. Israel wird in seine Bestimmung eingesetzt und dient den dann lebenden Menschen als Königs- und Priestervolk. Alles ist neugeworden.

Pastor Dr. Joachim Cochlovius, Predigt zur Jahreslosung, Geschäftsstelle des Gemeindehilfsbundes, 4.1.2026