Gemeindenetzwerk

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Dr. Christian Stettler, Jesus und seine Zeugen verkünden keine Botschaft der Allversöhnung

Mittwoch 3. Dezember 2025 von Administrator


In seinem Vortrag beim Bekenntnistreffen am Samstag, 15. November 2025, in Ostfildern-Ruit wies er darauf hin, dass man im Blick auf die Frage nach der Rettung des Menschen nicht einzelne Bibelstellen aus dem Kontext reißen darf, die danach klingen, als würde der Menschheit ausnahmslos Vergebung der Sünden, Versöhnung mit Gott und die Teilhabe am ewigen Gottesreich geschenkt werden. Zwar will Gott in seiner Liebe alle Menschen retten. Zwar reicht die versöhnende Kraft des Kreuzes von Jesus für die Schuld der ganzen Menschheit aus. Doch nicht jeder Mensch erkennt, dass er auf die Sühnung seiner Sünde angewiesen ist. Nicht jeder Hörer der guten Nachricht lässt sich von Gottes Liebe berühren und gewinnen.

Der Referent wies auf das Evangelium Joh 3,16 hin. Jesus spricht nicht nur von dem Geschenk des ewigen Lebens für die, die glauben, sondern auch von der Verlorenheit derer, die nicht glauben.

Wenn Paulus in 2.Korinther 5 formuliert, dass Gott durch Christus die Welt mit sich selber versöhnte, unterstreicht er damit die Stärke der herrlichen Tat des Erlösers. Er will aber keineswegs sagen, dass die Menschheit seit Golgatha pauschal und automatisch versöhnt sei. Vielmehr wird seit Pfingsten durch den Ruf der Versöhnung dazu eingeladen („Lasst euch versöhnen mit Gott!“). Sie wird dort realisiert, wo Sünde erkannt und Christus bekannt wird, nämlich in der Gemeinschaft der Nachfolger Jesu. Paulus markiert diesen Standort gerade in diesem Abschnitt sehr klar: „Ist jemand in Christus (im Glauben, in der Nachfolge, in der Gemeinde), so ist er eine neue Kreatur.“ (2.Kor 5,17-20).

Der Vorausblick des Offenbarungsbuchs auf das Weltgericht zeigt, dass die zurückgerufenen Toten gerichtet werden nach ihrem Tun und Lassen, aber gerettet werden durch die Eintragung ihres Namens in das Buch des Lebens (Offb 20,12). Diese Eintragung aufgrund von Glaube und Gnade kann revidiert und gelöscht werden, so warnt der Herr seine Gemeinde im vierten Sendschreiben (Offb 3,5). Damit erledigt sich die Vorstellung von einer pauschalen, unverlierbaren Erlösung aller Kirchenmitglieder oder aller Erdenbürger. Diese Vorstellung wird oft nicht offen ausgesprochen, spielt aber eine große Rolle in der heutigen Verkündigung, v.a. im Bereich der Landeskirchen.

Dr. Christian Stettler ist Pfarrer in Flaach (Schweiz). Der ehemalige Assistent von Professor Peter Stuhlmacher lehrt als Privatdozent an der Universität Zürich und als Professor an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel.

Quelle. www.bibelundbekenntnis.de

Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 3. Dezember 2025 um 11:58 und abgelegt unter Gemeinde, Seelsorge / Lebenshilfe, Theologie.