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„Crossbearers“ stellen 95 Thesen vor

Freitag 7. November 2025 von idea e.V.


idea e.V.

Das theologisch konservative Netzwerk „Kreuzträger“ (Crossbearers) hat im Rahmen seiner sogenannten „Reconquista Konferenz“ (Rückeroberung) in Wittenberg 95 neue Thesen vorgestellt. Sie betonen unter anderem die Bedeutung Jesu als einzigen Weg zur Erlösung, die Dreieinigkeit, die Bibel als unfehlbares Wort Gottes, den Schutz des menschlichen Lebens in allen Phasen oder eine biblisch begründete Sexualethik. An der Konferenz und einem „Reformationsgang für den Glauben in den evangelischen Landeskirchen in Europa“ durch Wittenberg nahmen rund 200, meist jüngere Besucher aus verschiedenen europäischen Ländern und Kirchen teil. Das Ziel der „Kreuzträger“ besteht nach eigenen Angaben darin, theologisch konservative Christen und Gemeinden zu vernetzen, die Kirchen in der Tradition der Reformatoren (lutherisch, reformiert, anglikanisch) angehören.

Felber: Christen, nutzt eure Religionsfreiheit!

Der Vorsitzende des Gemeindehilfsbundes, Pfarrer Stefan Felber (Walsrode), ordnete die neuen 95 Thesen in die Tradition des Reformators Martin Luther (1483–1546) und weiterer Bekenntnisaufrufe ein. Er betonte, dass solche Texte immer Widerstand ausgelöst hätten, aber notwendig seien, um die Kirche an ihr „Wächteramt“ zu erinnern.

Ferner rief der Theologe Christen dazu auf, mit „Freimut“ – dem deutschen Wort für Zivilcourage – für die biblische Wahrheit einzutreten. Felber wies darauf hin, dass in Deutschland die Religionsfreiheit zwar im Grundgesetz besonders geschützt sei, dieser Freiraum aber nur Bestand habe, wenn Christen ihn aktiv gebrauchten: „Wenn Sie ihre Freiheit nicht nutzen, dann wird dieses Grundrecht über kurz oder lang auch ausgehöhlt werden.“

Er erinnerte daran, dass nicht nur die Bibel, sondern auch die Kirchengeschichte voll von Beispielen seien, dass gerade das mutige Wirken einer Minderheit verheißungsvoll sei. Als der römische Kaiser Konstantin der Große (270/288–337) seine Herrschaft angetreten habe, seien nur zwischen fünf und zehn Prozent der Bewohner seines Reiches getauft gewesen. Diese kleine Minderheit sei stärker als die vielen gewesen, „die nicht wussten, auf wen sie hören und wozu sie eigentlich leben sollten“. Auch heute seien keine Massen gefordert, „sondern wenige, die umsichtig mit Geduld, Sorgfalt, Liebe und Geduld den Glauben so verankern, dass er bestand hat, auch wenn die Stürme des Lebens daran rütteln“.

An der „Reconquista Konferenz“ in Wittenberg nahmen rund 200, meist jüngere Besucher teil.

Der Charakter muss den Überzeugungen entsprechen

Der anglikanische Pfarrer Joshua Tomalin (Manchester) betonte, dass der eigene Charakter zeige, ob man auch im Sinne der eigenen Überzeugungen lebe. „Und doch konzentrieren wir uns oft so sehr auf unsere Überzeugungen, dass wir den Charakter vernachlässigen“, der damit einhergehen müsse. „Wir müssen eine Bewegung sein, deren Markenzeichen Liebe ist, überfließende Liebe, verschwenderische Liebe, gerade auch für diejenigen, mit denen wir uns auseinandersetzen und mit denen wir nicht übereinstimmen.“ Es sei in der Tat radikal, einen solchen Charakter zu haben.

Debatte um Verlegung in den Katharinensaal

Die Veranstaltung hatte ursprünglich teilweise in der Wittenberger Stadtkirche stattfinden sollen. Dort war unter anderem ein Gottesdienst am 1. November geplant gewesen. Tatsächlich durfte die Konferenz jedoch ausschließlich in dem der Stadtkirchengemeinde gehörenden Katharinensaal tagen. Wie der Vorsitzende der „Kreuzträger“, Jorge Monsalve (Dresden), der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA berichtete, hatte Regionalbischof Johann Schneider (Magdeburg) diese Entscheidung getroffen.

Schneider erklärte gegenüber IDEA, die kirchenrechtlichen Voraussetzungen für eine Nutzung der Stadtkirche seien nicht erfüllt gewesen. Es habe sich um eine private christliche Veranstaltung gehandelt und nicht um einen öffentlichen Gottesdienst in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Daher habe der Gemeindekirchenrat (GKR) dem Veranstalter folgerichtig angeboten, dass er die gesamte Konferenz im Katharinensaal veranstalten könne. Es habe keine inhaltliche Prüfung der Veranstaltung gegeben.

Kritik an der Entscheidung des Regionalbischofs kam hingegen von der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, die im Vorfeld zur Teilnahme an der Konferenz aufgerufen hatte. Deren Vorsitzender, Pastor Johannes Frey (Sachsenheim bei Ludwigsburg), verteidigte die „Kreuzträger“ in einer bei Instagram veröffentlichten Erklärung. Er warf der Kirchenleitung mangelnden Respekt gegenüber konservativen Gruppen innerhalb der Kirche vor.

Das Crossbearer-Netzwerk zählt etwa 80 aktive Mitglieder, 800 Angemeldete und über 400 Unterstützer, die die neuen 95 Thesen unterschrieben haben. Der Zusammenschluss besteht in Deutschland seit November 2023 und ist seit Oktober 2025 auch ein Verein.

idea e.V., 4. November 2025

Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 7. November 2025 um 14:54 und abgelegt unter Christentum weltweit, Kirche, Theologie.