Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Warten können, Unrecht erleiden, eigene Gedanken aufgeben (Andacht über Joh. 18,10)

Sonntag 31. August 2025 von Alfred Christlieb (1866-1934)


Alfred Christlieb (1866-1934)

Da hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es aus und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. (Joh 18,10)
Als Petrus dem Malchus das Ohr abhieb, beging er einen Fehler, der sich oft wiederholt. Petrus konnte nicht warten, bis er die Antwort des Herrn erhalten hatte. Lukas erzählt, die Jünger hätten gefragt: „Sollen wir mit dem Schwerte dreinschlagen?“, aber noch ehe der Herr antworten konnte, schlug Petrus, von seiner Feuernatur getrieben, gleich drauf los. Das Schwert blitzte durch die Luft; das Ohr war abgehauen. Hätte Petrus gewartet, der Fehltritt wäre nicht geschehen. – Wie oft kommt ähnliches noch heute vor, weil man nicht auf klare Weisungen Jesu warten kann.

Ferner: Petrus konnte kein Unrecht erdulden. Die Gefangennahme Jesu war wirklich eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Wer war unschuldiger als der Heiland! Petrus aber war der Meinung, man dürfe Unrecht nicht ruhig dulden und sich gefallen lassen; nötigenfalls müsse man es gewaltsam verhindern. Das war nicht göttlich gedacht. Auch heute noch zieht mancher das Schwert, wenn auch nur das Schwert einer scharfen Zunge – sobald er denkt, man wolle ihm Unrecht tun. O, lasst uns die Waffen daheimlassen, wenn man uns fälschlich anklagt, beleidigt oder angreift. Lasst uns nicht selber dreinfahren, damit Gott dreinfahre – zur rechten Zeit!
Als Petrus das Ohr des Malchus abhieb, bewies er auch, dass er seine eigenen Gedanken nicht aufgeben und auf Gottes Gedanken nicht eingehen konnte. Immer wieder hatte Jesus ihm vorausgesagt, er müsse leiden. Aber immer war Petrus bei dem Gedanken geblieben, das Leiden sei zu umgehen. – So sind wir Menschen. Es dauert oft lange, bis wir unsere Lieblingsideen fahren lassen und auf Jesu Kreuzesgedanken eingehen. – Wir wollen Gott bitten, er möge uns Geduld, Sanftmut und Gehorsam geben, damit wir seiner Sache nicht schaden.

Quelle:
Alfred Christlieb, Deine Zeugnisse-mein ewiges Erbe. Tägliche Andachten
Herausgegeben von Karl Stegemann. Wilhelm Schneider Verlag, Siegen 1951
Neu bearbeitet und herausgegeben von Thomas Karker, 28279 Bremen (2014)

Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 31. August 2025 um 17:25 und abgelegt unter Predigten / Andachten.