BasisBibel, das Neue Testament und die Psalmen. Stuttgart: Dt. Bibelgesellschaft 2012 (ff.), 1520 S.
1. Übersetzungstypus
Die BasisBibel wird als kommunikativer Bibelübersetzungstypus[1] [1] präsentiert (laut Nachwort), d.h. sie will unmittelbar verstanden werden.
Das Nachwort (S. 8f.*) besagt, die Herausgeber der BasisBibel rechneten mit „informationeller Kurzsichtigkeit“ der Leser am Bildschirm. Daher müsse „die sprachliche Struktur der vermittelten Informationen in einer Weise gestaltet sein, die unmittelbar überschaubar und eingängig ist – andernfalls wird sie entweder gar nicht erst wahrgenommen oder sofort wieder vergessen.“ (Nachwort S. 9*, vgl. unten über das Layout)
Daher folge die BasisBibel dem Prinzip der „linearen Informationsvermittlung“: „in sich abgeschlossene[n] Einheiten, die wie die Perlen an einer Kette aufeinanderfolgen. Langatmige Schachtelsätze und umständliche Erklärungen sind damit von vornherein ausgeschlossen. Klar und prägnant muß die Botschaft in Worte gefaßt werden. Entsprechend kommt die BasisBibel in aller Regel mit Sätzen aus, die nicht mehr als 16 Wörter und nur einen Nebensatz umfassen.“ (Nachwort S. 9*)
Als „Qualitätsstandard“ wird das „Luther-Prinzip“ [!!] genannt (Aufzählung ohne Numerierung in folgender Reihenfolge):
- Treue gegenüber dem Leser.
- Treue gegenüber dem Text (N-A 27.Aufl.).
- Treue gegenüber dem Evangelium: „Die Übersetzung soll deutlich machen, dass es hier tatsächlich um die ‚Gute Nachricht’ geht – darum, dass Gott die Welt durch Jesus Christus erlöst. Das ist das reformatorische Grundanliegen Luthers wie der BasisBibel und zugleich das Fundament für das Leben des Menschen wie der Kirche. So will die BasisBibel dafür sorgen, dass die Bibel die Basis bleibt – heute und morgen.“ (Nachwort S. 11*)
Rückfragen:
- Warum wird die Treue zum Leser zuerst genannt?
- Was bedeutet Nr. 3 für die Verstockungsaussagen der Bibel oder Esau in Hebr 12? Darf Gott jemandem den Zugang zum Glauben verschließen?
Daß die Bibel offenbar mehr intendiert als unmittelbare Verständlichkeit, kommt hier unter die Räder. - Wie kann man das „Luther-Prinzip“ derart verhunzen? Hier schreiben offenbar Leute, die sich nicht mit Luthers Vorstellung vom Übersetzen befaßt haben, sondern vor allem den Werbespruch „den Leuten aufs Maul schauen“ vor Augen haben.
2. Besonderes Layout
Die Vorgaben des Übersetzungstypus resultieren in einem eigenen Layout: Jede Zeile beschränkt sich auf eine einzige Sinneinheit (Nachwort S. 10*)! Jede Buchseite hat eine eigene Webadresse: auf dieser Webadresse wird je die Buchseite reproduziert samt weiteren Informationen. Ferner finden sich eingeschossene Themenblätter: Gelegentlich taucht mitten im Text eine Leerseite mit einem groß gedruckten Wort darauf, z.B. vor Joh 4,40 „Krankheit“, und auf der Rückseite eine Reihe mit Bibelstellen zu diesem Thema. Oder: Vor Röm 13,9 (sic!) findet sich groß „Advent“, auf der Rückseite dann sechs Paralleltexte dazu; vor Mk 10,15: „Kinder“; vor Mk 2,18: „Fasten“ (mit drei Parallelstellen). Die Parallelstellen beschränken sich hierbei je auf NT und Psalmen, damit man auch mit der vorliegenden Bibelausgabe auskommt.
Ein Charakteristikum bilden die Begriffserklärungen am äußeren Rand. Die BasisBibel (NT+Ps) wird darum so dick, weil zum einen jede Information eine eigene Zeile braucht, und zum anderen weil jede Begriffserklärung bei einem neuen Vorkommen des Begriffs auf einer neuen Seite wiederholt wird. Allerdings fehlen Parallelstellen (Ausnahme: eingeschossene Themenblätter)!
- Statt „sacra scriptura sui ipsius interpres“ hier also das Prinzip der direkten Information.
Das Prinzip anderer Bibeln (z.B. Lutherbibel), Begriffserklärungen am Ende zu sammeln, ist m.E. deutlich effizienter, auch leserfreundlicher.
Sehr schön: Alphabetische Psalmen haben den hebräischen Buchstaben je am linken Rand (z.B. Ps 37. 119).
Die BasisBibel erhielt 2011 mehrere Auszeichnungen für die graphische Gestaltung (u.a. Art Directors).
3. Verantwortlich zeichnende Institutionen
BasisBibel ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Bibelgesellschaft in Zusammenarbeit mit einigen teilweise konservativen Institutionen, u.a. aej, AMD, Bibellesebund, cjd, EC. Großzügig gefördert wurde sie auch durch die EKD (Angabe der letzten Seite).
4. Textbeispiele
a) Mk 1,4
Hier folgt die BasisBibel genau den Elementarsatz-Prinzipien Eugene Nidas (Mk 1,4 war sein Lieblingsbeispiel!):
4 So ist es eingetroffen:
Johannes der Täufer [2] trat in der Wüste [3] auf
und verkündete den Menschen:
„Lasst euch taufen!
Ändert euer Leben!
Gott will euch eure Schuld [4] vergeben!“
b) Joh 1 (Kopie von der Homepage):
1 Von Anfang an gab es den,
der das Wort [5] ist.
Er, das Wort [5] gehörte zu Gott.
Und er, das Wort [5] war Gott in allem gleich.
– Die klare Identifizierung ist hier weg: Nur „gleich“ – statt vielmehr einfacher und genauer: „er war Gott“!
2 Dieses Wort [5]gehörte von Anfang an zu Gott.
3 Durch dieses Wort [5] wurde alles geschaffen.
Und nichts, das geschaffen ist,
ist ohne dieses Wort [5] entstanden.
4 Er, das Wort [5], war zugleich das Leben in Person.
Und dieses Leben bedeutete
das Licht [6] für die Menschen.
5 Das Licht [6] leuchtet in der Dunkelheit,
und die Dunkelheit konnte es nicht überwältigen.
c) Ps 119,1:
„Glücklich sind, die vorbildlich leben: Sie halten sich an die Weisung des Herrn.“
– „Vorbildlich“ wird hinzugefügt; der „Weg“ hingegen entfällt (letzteres leider auch in Luther1984).
Für „Weisung“ steht folg. Begriffserklärung am Rand: „Im Judentum die ‚Tora‘. Sie umfasst die schriftliche und mündliche Willensmitteilung Gottes.“
5. Bewertung
Was man mit der BasisBibel versucht hat, wäre besser mit der Lutherbibel versucht worden, anstatt noch einmal von vorne anzufangen. Mit der Hoffnung auf missionarische Effekte wird wieder ein neuer Text in die Gemeinden gegeben. Letztlich wird es die Gemeinde eher nach innen schwächen als sie nach außen attraktiver machen. Angesichts der Fülle an bestehenden Übersetzungen (des gleichen Typus!) ist die breite Unterstützung (s.u. Nr. 3) unverständlich.
Andere Rezensenten (Prof. Dr. Bernd Beuscher: „Die neue ‚BasisBibel‘ ist ein Offenbarungseid“ [7], Hannah Bethke in der FAZ [8]) haben bereits zu Recht auf den Verlust der theonomen Dimension aufmerksam gemacht.
Stefan Felber, 29.05.2013 (Literatur-Ergänzung Juni 2025)
[1] [9] Siehe hierzu: Felber, Stefan. Kommunikative Bibelübersetzung. Eugene A. Nida und sein Modell der dynamischen Äquivalenz, Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft 2013, 3. Aufl. 2022, 481 S. (englisch: „Toward a Science of Translating? Eugene A. Nida and His Theory of Dynamic Equivalence, 2025, 600 S.); Felber, Stefan (Hg.): Zwischen Babel und Jerusalem. Aspekte von Sprache und Übersetzung, Berlin: Frank & Timme 2018, 3. Aufl. 2023, 250 S.