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Offener Brief an den MinisterprÀsidenten des Landes Brandenburg

Donnerstag 27. Januar 2005 von Zentralrat der Armenier in Deutschland


Zentralrat der Armenier in Deutschland

Dr. Schawarsch Owassapian, Erzbischof Karekin Bekdjian,
Vorsitzender des Zentralrats der Primas der Armenischen Kirche

An: Der Tagesspiegel; Zeit; SĂŒddeutsche Zeitung; Spiegel; Naumburger Tageblatt; Rheinische Post; MĂ€rkische Oderzeitung; Gemeindenetzwerk; Frankfurter Allgemeine; die Welt; der Prignitzer; Berliner Morgenpost; nachricht@matthiasplatzeck.de

Betreff: offener Brief an MinisterprÀsidenten Platzeck

Z A D, Mainzerstr. 30 D-55296 Lörzweiler

Offener Brief an den MinisterprÀsidenten des Landes Brandenburg 26.1.04

Sehr geehrter Herr MinisterprÀsident Platzeck,

wie wir aus der Presse erfahren haben, hat die Regierung des Landes Brandenburg den Hinweis auf dem Völkermord an den Armeniern in der osmanischen TĂŒrkei in den Jahren 1915/16 aus den RahmenlehrplĂ€nen fĂŒr den Geschichtsunterricht streichen lassen.

Als das Land Brandenburg im Jahr 2002 die BeschĂ€ftigung mit dem Genozid an den Armeniern in die LehrplĂ€ne aufnahm, hatten wir die Hoffnung, dass diese mit der deutschen Geschichte eng verwobene und von der TĂŒrkei vehement geleugnete Erfahrung endlich zu einem Gegenstand des Wissens wĂŒrde. Dies nicht auch nicht zuletzt aufgrund der Verantwortung gegenĂŒber den Opfern und deren Nachfahren.

Diese Hoffnung ist durch die Entscheidung der Landesregierung zutiefst enttĂ€uscht worden. Da die tĂŒrkische Leugnung auch von den tĂŒrkischen Medien in der Bundesrepublik propagiert wird, bedeutet die RĂŒcknahme dieses hoffnungsvollen Schritts aber auch, dass man SchĂŒlern mit Migrationshintergrund aus der TĂŒrkei einen kritischen und damit letztlich auch integrationsfördernden Umgang mit der Geschichte der TĂŒrkei verwĂ€hrt. Denn die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist eine wichtige Voraussetzung fĂŒr Integrations- und ToleranzfĂ€higkeit.

Den Schritt der Brandenburgischen Landesregierung bedauern wir sehr, gerade in diesen Tagen, in denen sich der Genozid an den Armeniern zum 90. Mal jĂ€hren wird. In den Gedenkveranstaltungen zum 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz sind eindrucksvoll die Verantwortung gegenĂŒber der Geschichte und gegenĂŒber den Überlebendengemeinschaften sowie die Entschlossenheit zur Erinnerung beschworen worden. Hinsichtlich der Erinnerung an den Völkermord an den Armeniern scheinen sich dagegen erneut die PolitikmĂ€chtigkeit der Leugnung, die SolidaritĂ€t mit dem BĂŒndnispartner TĂŒrkei und das Gewicht des politischen KalkĂŒls unter Beweis zu stellen.

Keinesfalls sollte das politische KalkĂŒl hier jedoch den Eindruck erwecken lassen, dass Land Brandenburg sei eine Provinz des Osmanischen Reiches.

Eine schulische BeschĂ€ftigung mit der Vernichtung der Armenier wĂ€re in der Bundesrepublik auch angezeigt angesichts der Verwicklung Deutschlands als BĂŒndnispartner des Osmanischen Reiches wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs mit der Geschichte dieses Völkermords: vollzogen vor den Augen deutscher MilitĂ€rs und Diplomaten, wurden diese zu »Protokollanten der Vernichtung«. Nicht zuletzt fanden die Hauptverantwortlichen fĂŒr den Völkermord nach Ende des Weltkriegs mit deutscher Hilfe Zuflucht in der damaligen Reichshauptstadt und heutigen Bundeshauptstadt Berlin. Die BeschĂ€ftigung mit der Vernichtung der Armenier ist somit immer auch eine BeschĂ€ftigung mit der europĂ€ischen und insbesondere der deutschen Geschichte.

Daher möchten die in Deutschland lebenden Armenier Sie dazu auffordern diese besorgniserregende Entscheidung rĂŒckgĂ€ngig zu machen. Denn sie steht im Widerspruch zu dem nach dem Holocaust gefundenen Konsens, dass auch die Leugnung eines Völkermords zu verurteilen ist.

Mail: zad@d-armenier.de, Homepage:http://www.d-armenier.de
Armenier in Deutschland

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 27. Januar 2005 um 11:46 und abgelegt unter Christentum weltweit.