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Der Verrat am naturwissenschaftlichen Denken

Freitag 17. Februar 2023 von Dr. med. Karin Hirschi


Dr. med. Karin Hirschi

Wir leben in einer Zeit, in der Meinungen mehr gelten als Fakten. Meinungen werden als „wissenschaftlich erwiesen“ etikettiert und so der Diskussion entzogen. Dies ist gleich doppelt unwissenschaftlich, denn die Naturwissenschaft lebt davon, dass man gewonnene Erkenntnisse immer wieder in Frage stellt, und wissenschaftlich erwiesen k√∂nnen nur Fakten sein, nicht Meinungen. So geschieht Verrat am naturwissenschaftlichen Denken. Mit „naturwissenschaftlichem Denken“ meine ich ein wirklichkeitsnahes Denken mit der Bereitschaft, sich den Tatsachen zu stellen und nicht Wunschbildern der Wirklichkeit nachzuh√§ngen. Wird die Wirklichkeit ausgeblendet oder verdreht, hat dies immer schwerwiegende Konsequenzen, sei es in Gesellschaft, Politik, Medizin oder anderswo. Tatsachen richten sich nicht nach uns, sondern wir m√ľssen uns nach ihnen richten, und wer es nicht tut, den wird irgendwann die Wirklichkeit schmerzlich einholen.

Das Prinzip der Naturwissenschaften

Die Naturwissenschaft hat sich der Erforschung der Wirklichkeit verpflichtet. Sie versucht, Naturgesetze zu erfassen (Physik, Chemie, Mathematik, Astronomie) und Gegebenheiten m√∂glichst genau abzubilden (Geologie, Biologie, Medizin). Sie versucht, das Zusammen-spiel vieler Faktoren zu ergr√ľnden. Oft ist das Ziel dabei, sich „die Natur“ besser nutzbar machen zu k√∂nnen. Beispiele daf√ľr sind: Gibt es noch bessere Verfahren zur Energiegewinnung? Bietet die Pflanzen- und Tierwelt Ans√§tze f√ľr neue Therapien?

Um die Wirklichkeit verlässlich erfassen zu können, haben sich die Naturwissenschaften selber strenge Gesetze und Vorgehensweisen auferlegt. Es braucht viele Schritte, um von einer Hypothese (blosse Vermutung) zu einer Theorie zu gelangen (die als mehr oder weniger bewiesen gilt); dieser Prozess nimmt meist Jahre oder Jahrzehnte in Anspruch.

Ausgangspunkt von Hypothesen ist oft die Feststellung von Gesetzm√§ssigkeiten: wenn zwei oder mehr Ereignisse gemeinsam auftreten, spricht man von einer Korrelation. Diese sagt noch nichts dar√ľber aus, wie die Ereignisse zusammenh√§ngen: Folgt „a“ aus „b“ oder umgekehrt, oder gibt es eine gemeinsame Ursache? Um Aussagen √ľber diese Verkn√ľpfung machen zu k√∂nnen (Kausalit√§t), sind Experimente notwendig, die auf verschiedene Weise in das Geschehen eingreifen. Erst wenn die Resultate vieler solcher Versuche zum gleichen Ergebnis f√ľhren, darf man es wagen, eine Theorie zu formulieren, die in der Folge weiter durch Experimente getestet und best√§tigt werden muss. Ein besonderer Fall ist Einsteins Relativit√§tstheorie; er formulierte sie allein aufgrund genialer √úberlegungen, aber auch sie musste den Test an der Wirklichkeit bestehen – und hat ihn bestanden. Ganz anders die Evolutionstheorie: Sie l√§sst sich wissenschaftlich weder beweisen noch widerlegen, weil man naturgem√§ss in der Vergangenheit (r√ľckwirkend) keine Experimente durchf√ľhren kann und also nicht behauptet werden darf, dass eine Tier- oder Pflanzenart aus einer andern hervorgegangen sei, nur weil man √Ąhnlichkeiten festgestellt hat. Die Evolutionstheorie ist eine philosophische Weltbetrachtung, keine Naturwissenschaft.

Wirklichkeitsnahes Denken ist „biblisches Denken“

Wenn ich in diesem Artikel immer wieder betone, wie wichtig naturwissenschaftliches Denken sei, geht es mir letztlich um mehr als um Wissenschaft, denn wirklichkeitsnahes Denken ist die Art des Denkens, zu dem uns die Bibel auffordert. Unser Ja soll ein Ja und unser Nein soll ein Nein sein (Jak 5,12), L√ľge sollen wir ablegen (Eph 4,25), die Zeitzeichen k√∂nnen und sollen wir beurteilen (Lk 12,54-56) genauso wie die Kosten eines Vorhabens (Lk 14,28-33), alles sollen wir pr√ľfen (1Thess 5,21). Diese Verse und viele andere mehr beschreiben ein wirklichkeitsbezogenes Denken und Handeln, das uns von Gott aufgetragen ist.

Gelegentlich fordert uns Gott sogar zu einer Art „wissenschaftlichem Testen“ heraus: Er trug dem Volk Israel auf, den Zehnten geben, dann w√ľrde er die Fenster des Himmels zum Segen √∂ffnen (Mal 3,10). Nach der R√ľckkehr aus dem Exil sollte das Volk Israel den Tempel wieder aufbauen, als es damit aufh√∂rte, zerrann ihm im eigenen Tun und Schaffen alles zwischen den Fingern (Hag 1,6ff); durch den Propheten Haggai machte Gott ihm den Zusammenhang klar und gab ihm die Verheissung, dass es √úberfluss haben w√ľrde, wenn es den Tempelbau wieder aufn√§hme, und so war es dann auch (Hag 2,19ff). Auch Jesus forderte seine Zuh√∂rer zum Pr√ľfen heraus: „Meine Lehre ist nicht mein, sondern dessen, der mich gesandt hat. Wenn jemand seinen Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede“ (Joh 7,16-17).

Die Bibel erlaubt uns nirgends, uns selbst eine „Wirklichkeit“ nach eigenem Gutd√ľnken zurechtzulegen. Sie setzt vielmehr als selbstverst√§ndlich voraus, dass wir nach der Wirklichkeit fragen und sie beachten, und dass das Gegenteil davon (Selbstt√§uschung und L√ľge) nur Verderben bringen kann.

Tatsachen sind nicht Meinungen

Ein grosser Teil der gedanklichen Verwirrung unserer Zeit kommt daher, dass Tatsachen zu Meinungen herabgemindert werden und Meinungen zu Tatsachen erhoben werden. Tatsachen sind objektiv, Meinungen subjektiv.

Vor einiger Zeit legte ich einer Berufskollegin anhand der Schweizer Epidemiekurven Schritt f√ľr Schritt dar, dass das ganze Corona-Massnahmenpaket im Winter 20/21 nichts am Verlauf ge√§ndert hatte, denn die Hospitalisations- und Todeszahlen im Zusammen-hang mit Corona waren genau so hoch, wie sie auch ohne Massnahmen zu erwarten gewesen w√§ren. Ihr Kommentar dazu war: „Du siehst das halt so und ich anders“. Damit war meine monatelange intensive Recherche mitsamt ihrem unbequemen Resultat f√ľr sie vom Tisch; die Kollegin hatte handfeste Tatsachen zu meiner Privatmeinung degradiert und sich damit davon dispensiert, sich mit den unangenehmen Fakten auseindandersetzen zu m√ľssen.

Aber auch das Umgekehrte kommt vor: Als ich in einem Artikel √ľber die gesellschaftlichen Folgen der Corona-Politik nebenher in einem Satz eine Pressekonferenz des RKI erw√§hnte, in der f√ľr das Jahr 2021 in Deutschland eine √úbersterblichkeit festgestellt wurde, die als unerkl√§rlich galt, und ich dazu schrieb, dieser Frage m√ľsste dringendst nachgegangen werden, griffen mich einige Kollegen deswegen an. Ich entgegnete, es gehe hier um Fakten, die Kollegen wiederum fanden, die Vorlesungsreihe von Prof. X zu diesem Thema zeige doch klar, dass die Fakten genau andersherum l√§gen, weswegen mein Artikel ge√§ndert werden m√ľsse. Nichts gegen Prof. X, ich kenne ihn pers√∂nlich und sch√§tze seine Fortbildungen; aber seine (in diesem Fall politisch korrekten) Einsch√§tzun-gen sind doch nicht den Fakten gleichzusetzen! Meine Kollegen verwechselten allen Ernstes die Meinung eines Vortragenden mit Fakten, sie kamen gar nicht auf die Idee, dass es hier einen fundamentalen Unterschied geben k√∂nnte; das hat mich zutiefst erschreckt. Fakten w√§ren zum Beispiel Hospitalisations- und Todeszahlen im Vergleich zu Vorjahren. Ein Vortrag ist im besten Fall eine gute Auswahl solcher Fakten und im schlechten Fall ein Ausblenden unbequemer Daten. Er kann und soll Tatsachen enthalten, aber er gibt immer die Meinung des Vortragenden wieder – und diese hatten meine Kollegen zu Tatsachen hochstilisiert.

Wie komme ich zu Fakten?

Ohne die Kenntnis der Wirklichkeit lässt sich das Zeitgeschehen nicht beurteilen, ist kein naturwissenschaftliches Denken möglich. Wie komme ich aber zu verlässlichen Daten in den vielen welt- und gesellschaftspolitischen Fragen, in denen wir einfach glauben sollen, was uns die Medien und die Politik sagen, weil es angeblich wissenschaftlich bewiesen sei? Ich denke zum Beispiel an die Klimaerwärmung, an Corona-Massnahmen, an Fragen der geschlechtlichen Identität und vieles mehr.

Je st√§rker eine Frage an gesellschaftspolitische Interessen gebunden ist, desto schwieriger ist es, zu zuverl√§ssigen Daten zu kommen. So suchte ich in den Monatsbulletins einer bekannten meteorologischen Anstalt vergeblich nach Zahlen, die einen Vergleich der Entwicklung der Temperaturen in den letzten Jahrzehnten erm√∂glicht h√§tten; die Informationen beschr√§nkten sich auf: „…im Monat Juli war es w√§rmer als in der Vergleichsperiode von – bis…“, wobei die Vergleichsperioden immer wieder andere waren. So gab ich dieses Vorhaben bald auf und entschloss mich, selber Daten zu sammeln. Wie so etwas aussehen kann, und wie einfach (in bescheidener Form) Naturwissenschaft sein kann, will ich im folgenden Beispiel darlegen:

Aus der Biologie wusste ich (was auch jeder Landwirt weiss), dass Pflanzen je nach Witterung fr√ľher oder sp√§ter bl√ľhen. Sie sind offenbar imstande, den besten Zeitpunkt zu finden: zu fr√ľh k√∂nnten die Bl√ľten erfrieren, zu sp√§t w√ľrden wertvolle Tage im Jahr verloren gehen. Im Flachland mit wenig Schnee „berechnen“ Pflanzen den Bl√ľhbeginn in erster Linie aus der Durchschnittstemperatur der vorangegangenen Monate, in diesem Fall der Wintermonate. Weil die Rohdaten in diesem Gl√ľcksfall sozusagen vor der Haust√ľre wachsen, entschloss ich mich vor zwei Jahren, den Bl√ľhbeginn verschiedener Pflanzen jedes Jahr genau festzuhalten. Trotz der Einfachheit einer solchen Datensammlung braucht es vorab eine Planung, um Fehlerquellen m√∂glichst auszuschalten. Sie sah so aus:

– es m√ľssen Geh√∂lze sein, an denen die Stadtg√§rtnerei nicht viel macht; Blumen in Rabatten k√∂nnen unterschiedlich ged√ľngt oder bew√§ssert werden, was den Vergleich von Jahr zu Jahr st√∂ren w√ľrde.

– es muss immer die exakt gleiche Pflanze sein, die ich betrachte, denn schon geringe Abweichungen im Standort k√∂nnen zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen f√ľhren

– es m√ľssen Pflanzenarten sein, deren Bl√ľhbeginn ich eindeutig feststellen kann

– die Pflanzen m√ľssen in erreichbarer N√§he wachsen, so dass ich sie im Fr√ľhjahr t√§glich beobachten kann

Und so sehen meine bisherigen Resultate aus:

Bl√ľhbeginn (Basel, Rheinufer) 2020 2021 2022
Hartriegel = Kornelkirsche (Cornus mas) 15. Febr 21. Febr 22. Febr
Forsythie (Forsythia x intermedia) 25. Febr 2. März 9. März
Scheinquitte (Chaenomeles spec.) 24. Febr 7. März 17. März
Mahonie (Mahonia aquifolia) 1. März 14. März 17. März

(Dies ist nur eine Auswahl meiner Daten)

Was zeigt diese Tabelle und wie „naturwissenschaftlich“ ist sie? Die Daten stammen aus direkter Beobachtung der Natur und sind, sofern sie gewissenhaft erhoben wurden,¬† verl√§sslich; ich darf davon ausgehen, dass Pflanzen nicht l√ľgen und keine politischen Interessen haben. Hingegen lassen es die erst seit 2020 gesammelten Daten noch nicht zu, einen Trend festzustellen; alle untersuchten Pflanzenarten weisen mit ihrem Bl√ľhbeginn auf eine Abk√ľhlung von 2021 und 2022 gegen√ľber 2020 hin, aber das Ph√§nomen k√∂nnte auch vor√ľbergehend sein. Die Tabelle erlaubt also ein paar vorsichtige Vermutungen, aber noch keine Aussagen. – W√ľrden sich auch Politiker und Medienschaffenden an diese gebotene Vorsicht in der Interpretation halten, w√ľrden sie nicht so manche dreiste Behauptung in die Welt setzen. Wer z.B. unbesehen einfach voraussetzt, die Jahre 2021 und 2022 seien sowieso w√§rmer gewesen als 2020, macht keine wissenschaftliche Aussage, sondern hat einfache Fakten nicht gepr√ľft.

Mit Denken zu Schl√ľssen kommen

Wenn ich Fakten zusammengestellt habe, kann ich Unterschiedliches damit machen. Ich kann logische √úberlegungen anstellen und Experimente machen und so vielleicht Zusammenh√§nge besser verstehen. Oder ich kann die Fakten in mehr oder weniger einf√§ltige Studien-Designs pressen, deren maximale Aussagekraft ein „statistisch signifikanter Unterschied“ sein kann. Das erste w√§re das klassische Vorgehen der Naturwissenschaft, das zweite macht gelegentlich Sinn (es ist z.B. wichtig beim Beurteilen neuer Medikamente), ist aber eine extreme Vereinfachung der Wirklichkeit und kann meist keine Zusammenh√§nge ergr√ľnden; leider wird uns heute gerade diese zweite Art als die einzig „wissenschaftliche“ vorgestellt.

Ein Beispiel dazu: in meiner Studienzeit wurden wir angehalten, als √Ąrzte unser Wissen aus Anatomie und Physiologie gezielt zu kombinieren, um bei einem individuellen Patienten zu einer Diagnose und zu einer Therapieempfehlung zu gelangen. So arbeitete jeder Landarzt bis vor wenigen Jahrzehnten: Er n√ľtzte sein Wissen und seine Erfahrungen, um damit das Beste f√ľr den Patienten zu tun. Heute ist f√ľr einen Arzt sein Studienwissen von untergeordneter Bedeutung: Er muss in erster Linie umsetzen, was ihm durch Tabellen und Algorithmen f√ľr Diagnosestellung und Therapie vorgegeben wird.

„Evidence-based medicine“

Ich erinnere mich noch gut an jenen schicksalsschweren Montag-Morgen-Rapport vor ca. zwei Jahrzehnten, als uns der Leitende Arzt der Klinik ohne jegliche Begeisterung er√∂ffnete, dass die „evidence-based medicine“ von nun an die Richtschnur f√ľr unser √§rztliches Handeln sein w√ľrde – offiziell zumindest. Zun√§chst schien dieses monstr√∂se und undurchschaubare Gebilde der „evidence-based medicine“ f√ľr uns einfach nur l√§stig, weil es unsere eingespielten Arbeitsabl√§ufe in Frage zu stellen drohte. Kaum jemand ahnte zu jenem Zeitpunkt, dass in der Medizin ein Dammbruch mit ungeahnten Folgen stattgefunden hatte, der alles ver√§ndern w√ľrde. Bis heute ist den Wenigsten klar, welche einschneidenden Konsequenzen diese „Neudefinition“ der Medizin hatte und hat. Ebenfalls unklar ist, wer sich diese Neudefinition anmasst(e).

Nun t√∂nt „evidence-based medicine“ eigentlich vern√ľnftig: man soll nur das tun, was n√ľtzlich und hilfreich ist. Das war aber gar nicht neu – man hatte das im Prinzip immer so gemacht. Neu war das Korsett des „es gilt nur, was durch Studien bewiesen ist“. Pl√∂tzlich brauchte es also f√ľr alles und jedes eine Studie; Erfahrungswerte und eigene √úberlegungen waren als Entscheidungsgrundlage ab sofort nicht mehr anerkannt! Das war das Ungeheuerliche an der „evidence-based medicine“. √Ąrzte, die weiter selber denken und individuelle Entscheidungen mit ihren Patienten treffen wollten, wurden als „unverantwortlich“ abqualifiziert. Sie sollten vielmehr, gem√§ss dem Diktat der „evidence-based medicine“, Vorgegebenes umsetzen, weil angeblich nur Studienresultate objektiv seien, alles andere sei „unwissenschaftlich“. Nun ist es f√ľr praktizierende √Ąrzte und die meisten Kliniken aber personalbedingt und finanziell unm√∂glich, gr√∂ssere (anerkannte) Studien durchzuf√ľhren, das k√∂nnen sich nur finanzstarke Firmen leisten. Damit wurde die √Ąrzteschaft entmachtet und entm√ľndigt, denn auch vor Gericht gelten nur Studien; Erfahrungswerte oder gar Erfolge z√§hlen nicht mehr.

Die Geissel der Guidelines

Die Resultate einer Auswahl von Studien werden von Expertenkommissionen zu Richtlinien (Guidelines, Leitlinien) vereinfacht. Diese umzusetzen ist nun Aufgabe der √Ąrtze an der Basis. Es ist besch√∂nigend und unzutreffend, sie „Guidelines“ oder „Expertenmeinung“ zu nennen, denn es handelt sich um verbindliche Vorgaben, deren Missachtung als √§rztlicher Kunstfehler angesehen und im H√§rtefall als solcher geahndet wird.

Die Guidelines vermitteln den √Ąrzten eine vermeintliche Sicherheit unter dem Anstrich der Wissenschaftlichkeit, aber mit ihnen h√∂rte die Medizin auf, eine eigenst√§ndige naturwissenschaftich-forschende Disziplin zu sein. Vielmehr wurde sie beherrschbar und manipulierbar. Ein Beispiel aus dem Alltag, das den Zwiespalt zwischen Guidelines und eigenst√§ndigem Forschen deutlich macht:

Jeder praktizierende Arzt sieht anhand von Laborresultaten, dass die offiziell empfohlene Vitamin-D-Dosis nicht reicht, um die Reserven im K√∂prer aufzuf√ľllen, auch nicht bei zuverl√§ssigen Patienten. Ein naturwissenschaftlich denkender Arzt wird die Gr√ľnde suchen: liegt es an der Darreichungsform, werden Kapseln vielleicht schlecht aufgenommen? Liegt es daran, dass dem K√∂rper zu viel Vitamin D aufs Mal (Injektionen) gar nicht viel n√ľtzt? Liegt es an der¬† Dosierung, braucht es grunds√§tzlich einfach mehr? Aus dem Studium weiss er, dass Vitamin D als fettl√∂sliches Vitamin nach Gewicht dosiert werden muss, und wenn er so die Dosis f√ľr jeden Patienten ausrechnet, kommt er auf deutlich h√∂here Mengen. Wenn nach ein paar Jahren alle seine Patienten gut mit Vitamin D versorgt sind, wird er feststellen, dass er in einer Wintersaison nur noch 2-3 Grippef√§lle (Influenza) zu behandeln hat statt mehrere w√∂chentlich. Darin sieht er best√§tigt, was er weiss, n√§mlich dass Vitamin D entscheidend wichtig ist f√ľr das Immunsystem. – Das ist ein Beispiel f√ľr wissenschaftliches Arbeiten in der Praxis. Leider weiss ich in der Zwischenzeit nur noch von wenigen Kollegen, die so vorgehen. Wirklich n√ľtzliche Guidelines w√ľrden uns Tabellen liefern, in denen die Vitamin-D-Dosierung unter Ber√ľcksichtigung des Gewichtes und der Schwere des Mangels aufgelistet sind.

Die meisten √Ąrtze beug(t)en sich den Guidelines widerspruchslos, vielleicht auch deswe-gen, weil diese etwas Verlockendes und auch Bequemes haben: Man braucht nur noch umzusetzen, was einem vorgesetzt wird, dann ist man auf der sicheren Seite, weitgehend ungeachtet des Resultates. Viele √Ąrzte liessen sich dahingehend beeinflussen, ihr eigenes Denken zur√ľckzustellen und ihm sogar zu misstrauen – eine Folge der unabl√§ssigen Beschw√∂rung, nur Studien beziehungsweise Guidelines seien ovjektiv und verl√§sslich. Dieser Wechsel fand schleichend und unbemerkt satt und begann lange vor Corona. Er ist eine der Erkl√§rungen daf√ľr, warum die staatlich verordneten Corona-Massnahmen in der √Ąrzteschaft kaum auf Widerstand stiessen, ja, warum sie meist ohne kritische Pr√ľfung einfach √ľbernommen wurden. Sie waren ja nichts weiter als eine neue Serie von Guidelines, und solche zu befolgen war bereits Teil des „Mindsets“ vieler √Ąrzte geworden.

Von der Studienflut zur -ebbe: der Verrat an den eigenen Prinzipien

Die „evidence-based medicine“ l√∂ste zun√§cht einmal eine Flut von Studien aus. Zu allem mussten Studien gemacht werden. Darunter gab es einige gut durchdachte, die wertvolle Erkenntnisse lieferten, aber auch viele schlechte und irref√ľhrende.

Ein Problem von Studien ist, dass sie ihrem Wesen nach leicht zu manipulieren sind. Ein mathematisch begabter Kollege konnte uns zeigen, dass es manchmal reicht, wenn die Daten einer Studie mit zwei statt mit einer Stelle nach dem Komma verrechnet werden (oder umgekehrt), um einen statistisch signifikanten Unterschied zeigen zu k√∂nnen oder wegzubekommen. Dies ist aber nur einer von unz√§hligen Tricks, mit denen gewisse Kreise genau die Studienresultate kreieren, die sie haben m√∂chten. So l√§sst sich von aussen beispielsweise kaum kontrollieren, welche Daten ausgew√§hlt wurden, ob alle korrekt und vollst√§ndig √ľbernommen wurden usw. Bewusste Verf√§lschungen jedweder Art sind keine moderne Erfindung; so k√ľndigte eine meiner Studienfreundinnen vor mehr als 30 Jahren ihren gut bezahlten Job in der „Forschung“ (wie die Abteilung f√ľr Medikamentenstudien hiess), weil von ihr verlangt wurde, dass sie Daten ab√§ndern solle; das konnte sie nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren.

Korrekt durchgef√ľhrte Studien sind wichtig, v.a. bei der Zulassung von Medikamenten. Bis vor kurzem schienen sich alle einig zu sein (Beh√∂rden, Versicherer, √Ąrzte und Patienten), dass kein Medikament auf den Markt gebracht werden darf, das nicht im Detail getestet und f√ľr gut befunden worden ist. Diese Pr√ľfung nahm mehrere Jahre in Anspruch, denn die neue Wirksubstanz musste f√ľr verschiedene Bev√∂lkerungsgruppen separat getestet werden (z.B. f√ľr Schwangere), es musste bekannt sein, wie lange sie im K√∂rper verbleibt, es musste untersucht werden, ob sie im Tierversuch nicht etwa zu Missbildungen oder Krebs f√ľhren k√∂nnte, und vieles mehr. Wenn es irgendwo berechtigte Zweifel an der Wirksamkeit oder Sicherheit gab, wurde die Substanz nicht zugelassen. Die Informationen aus solchen Studien mussten offiziell zug√§nglich sein, sie wurden j√§hrlich aktualisiert und f√ľllten ganze B√§nde, die auf den Regalen der Arztpraxen bereitstanden und h√§ufig zu Rate gezogen wurden. Eines Tages erfuhren wir, dass diese Medikamenten-Dokumentation (in der Schweiz „Kompendium“ genannt) fortan nicht mehr gedruckt w√ľrde, was zur Folge hatte, dass die letzte Ausgabe entsprechend sorgf√§ltig noch √ľber Jahre hin „geh√ľtet“ und ben√ľtzt wurde. Nur wenige Jahre sp√§ter mussten wir √ľberrascht zur Kenntnis nehmen, dass nun auch keine elektronische Version mehr hergestellt w√ľrde; die Daten mussten zwar noch erhoben werden, wurden aber nicht mehr in √ľberschaubarer Form zusammengetragen, und damit fehlte uns eines der wichtigsten Arbeitsinstrumente im Alltag. Es ist zwar weiterhin m√∂glich, zu Informationen kommen, aber es ist zeitaufw√§ndig (und welcher Arzt hat schon einen √úberfluss an Zeit?); die Beipackzettel (die es weiterhin gibt) enthalten nur einen Ausschnitt der Informationen, die ein Arzt ben√∂tigt.

Vollends ungeheuerlich wurde es, als 2020 medizinische Produkte unter der Bezeichnung COVID-19-Impfungen auf den Markt gebracht wurden, mit einem f√ľr diesen Zweck v√∂llig neuen Wirkmechanismus und bei √§usserst d√ľrftiger Studienlage. Die Zulassungen war nur provisorisch, die Firmen h√§tten die Studiendaten nachliefern m√ľssen, was aber l√§ngst nicht √ľberall geschah. Bevor die Fristen der vorl√§ufigen Zulassung abliefen, wurden die Produkte ersetzt durch neue Versionen, ebenfalls wieder nur mit vorl√§ufigen Zulassungen. F√ľr die neuste Substanz wurden von mindestens einer Firma √ľberhaupt keine (!) Studien mit Freiwilligen mehr gemacht. – Die „evidence-based medicine“ hatte ihre eigenen Vorgaben aufs Gr√∂bste missachtet, und das nicht nur in Bezug auf die m√∂glichen Sch√§den, die deswegen erst am Menschen (Patienten) selbst sichtbar werden, sondern auch darin, dass diese Sch√§den nicht systematisch erfasst wurden oder werden. Es w√§re das Mindeste gewesen (und auch kein Problem), eine obligatorische Meldepflicht einzuf√ľhren, denn aus langj√§hriger Erfahrung weiss man, dass ohne zwingende Erfassung nur um die 10% der Nebenwirkungen gemeldet werden, auch der schwerwiegenden. So haben wir nun nicht einmal verl√§ssliche Daten √ľber das Ausmass der Sch√§den. –¬† Wie weit darf der Verrat an der Naturwissenschaft noch gehen, bis solch verantwortungsloses Handeln gestoppt wird?

Beabsichtigte Fehler im System?

Der Verrat hatte aber genau genommen schon viel fr√ľher begonnen, in verschiedener Hinsicht. Als die pharmazeutische Industrie ihren Siegeszug antrat, versuchte sie als erstes, die Heilpflanzen zur minderwertigen Therapieform zu erkl√§ren, was ihr vor allem deswegen gelang, weil sie mit dem Herstellen von Antibiotika (Penicillin, das nebenbei direkt aus der Natur kam, n√§mlich aus Pilzen) Vielen das Leben retten konnte. Das Volkswissen √ľber Pflanzenmedizin war die wohl direkteste Art von Naturwissenschaft gewesen, und leider ging vieles davon verloren.

Seit der Einf√ľhrung der „Guidelines“ sind verschiedene Gebiete in der Schulmedizin in Schieflage geraten, die zentral sind f√ľr unsere Gesundheit, so dass Behandlungs-Fehler bzw. ein Nicht-Behandeln folgenschwer sind. Ich z√§hle hier die wichtigsten auf; auch wenn ich die Information aus Platzgr√ľnden extrem knapp halten muss, hoffe ich, dass der eine oder andere Leser etwas f√ľr sich herausnehmen kann.

1. Vitamin D

Vitamin D wird zum gr√∂ssten Teil in der Haut hergestellt unter starker UV-B-Strahlung. Ab einem Alter von ca. 50 Jahren funktioniert dies nur noch eingeschr√§nkt, wegen Sonnen- und Tagescremen oft gar nicht mehr. Darum – und weil die Mehrheit von uns tags√ľber nicht mehr auf dem Feld arbeitet, sondern drinnen – leidet ein betr√§chtlicher Teil der Bev√∂lkerung an Vitamin D Mangel, je √§lter desto mehr, und dunkelh√§utige Menschen sind in unseren Breitengraden besonders schwer betroffen. Offiziell wird dem allgemein verbreiteten Vitamin-D-Mangel bzw. seiner weitreichenden Bedeutung zu wenig Beachtung geschenkt. Vitamin D ist nicht nur f√ľr den Knochenaufbau und -erhalt wichtig, sondern auch f√ľr Muskeln, Nerven und viele andere Gewebe und f√ľr das Immunsystem; viele schwere COVID-19-Verl√§ufe und Langzeitsch√§den h√§tten allein mit einem gen√ľgenden Vitamin-D-Ersatz vermieden werden k√∂nnen, worauf es bereits im Fr√ľhjahr 2020 deutliche Hinweise gab.

Der Vitamin-D-Ersatz ist einfach und erfolgt mit Tropfen, die besser aufgenommen werden als Tabletten oder Kapseln. Am besten ist die t√§gliche Einnahme, von Wochen- oder Monatsdosen kann der K√∂rper nur zu einem kleinen Teil profitieren. Vitamin D ist fettl√∂slich, darum muss man √úberdosierungen vermeiden. Es wird ersetzt gem√§ss Gewicht; die offiziell empfohlene Dosis ist eine doppelte Baby-Dosis (800 I.E. = 800 internationale Einheiten) und damit in den allermeisten F√§llen ungen√ľgend. Im Winterhalbjahr, wenn in unseren Breitengraden kein Vitamin D gebildet werden kann, weil die Sonneneinstrahlung zu schwach ist, kann der t√§gliche Verbrauch an Vitamin-D bis zu 3000 I.E. pro Tag betragen; da sind Reserven rasch aufgebraucht, falls √ľberhaupt gen√ľgend vorhanden waren. Ein Erwachsener mit 60-70kg braucht t√§glich ca. 2000 I.E. Vitamin D, bei 70kg sind es 3000 I.E. Wiegt jemand unter 50 kg und/oder ist fast kein K√∂rperfett vorhanden, muss vorsichtig dosiert werden, je nach dem reichen dann 1000 bis 1500 I.E. pro Tag. Liegt ein schwerer Mangel vor, muss 1-2 Monate lang deutlich h√∂her dosiert werden, wobei mehr als 6000 I.E. pro Tag meist nicht mehr aufgenommen werden k√∂nnen. Bei √úbergewichtigen mit schwerem Mangel kann es darum √ľber Jahre dauern, bis die Vitamin D-Reserven „aufgef√ľllt“ sind. Die gute Nachricht ist, dass Vitamin D sofort wirkt, unabh√§ngig davon, ob man schon Reserven gebildet hat oder nicht – auch ein Grund, warum die t√§gliche Einnahme Sinn macht, denn das Vitamin D steht dann t√§glich frisch zur Verf√ľgung. Vitamin D hilft sogar noch, wenn man es erst im Fall einer schwereren Erkrankung einnimmt, sinnvoll ist aber allemal vorher.

Messungen sind h√∂chstens einmal j√§hrlich sinnvoll. Ersetzt man Vitamin D, muss der Spiegel aber unbedingt innerhalb eines Jahres kontrolliert werden (Vermeiden von √úberdosierung, Steigern im Fall einer Unterdosierung). Wichtig: vor der Messung von Vitamin D m√ľssen mindestens 10 Tage lang die Ersatzpr√§parate gestoppt werden, sonst misst man die Tropfen statt der k√∂rpereigenen Reserven.

(Bemerkung: diese Informationen basieren auf Grundwissen aus dem Medizinstudium und auf eigener Erfahrung).

Auch andere Mängel an Vitaminen und Spurenelementen werden von der Schulmedizin oft als unbedeutend betrachtet, solange sie nicht alarmierend sind; aber schon geringe Mängel können gesundheitsgefährdend sein.

2. Fruchtzucker

In unseren Breitengraden geh√∂rte Zucker nie zur normalen Ern√§hrung, abgesehen vielleicht von Obst, das fr√ľher aber zuckerarm war und nur in kleinen Mengen √ľber kurze Zeit im Jahr genossen wurde. Fruchtzucker ist f√ľr die Leber so belastend wie Alkohol – beides ist f√ľr den K√∂rper zun√§chst wertlos und muss entgiftet werden. Fruktose (Fruchtzucker) ist nicht nur in Fr√ľchten zu finden, sondern macht auch die H√§lfte des raffinierten Zuckers aus (und auch des Rohrzuckers, der ist somit kein bisschen „ges√ľnder“ ist als der Kristallzucker aus Zuckerr√ľben). Wir konsumieren im Durchschnitt 50 Mal (!) mehr Zucker als fr√ľher, das heiss 50 Mal mehr als wir von unserer Genetik her vertragen; wer also seinen Zuckerkonsum um den Faktor 10 zu reduzieren vermag, was eine beachtliche Leistung ist, isst immer noch 5x zu viel. Alle modernen Obstsorten sind auf einen hohen Fruchtzuckergehalt hin gez√ľchtet und haben wenig gemeinsam mit dem Obst, das unsere (Ur-)Grosseltern assen. Exotische Fr√ľchte enthalten teils enorme Mengen an Fruchtzucker (z.B. Bananen).

Die meisten „Zivilisationskrankheiten“ sind wenigstens teilweise Folge des Zuckerkonsums: IBS (=Irritable Bowel Syndrom oder „Reizdarm“), metabolisches Syndrom (√úbergewicht, hoher Blutdruck, Insulinresistenz bis hin zu Diabetes mellitus Typ 2 = Zuckerkrankheit, hohe Blutfette und dazu oft Hormonm√§ngel, z.B. Testosteronmangel), Leberverfettung bis hin zur Fibrose oder Zirrhose, Migr√§ne, Krebs, Gicht, Depressionen und vieles mehr.

Was kann man tun? Wer nicht zuckerkrank ist kann sich Speisen selber herstellen mit Glukose (verwirrlicherweise „Traubenzucker“ genannt) und auf alles gekaufte S√ľsse verzichten; Glukose ist der Zucker, mit dem der K√∂rper vertraut ist und den er direkt gebrauchen kann; St√§rke beispielsweise besteht aus aneinandergereihten Glukose-Molek√ľlen, Dextrose aus zwei Glukose-Molek√ľlen. Mit stark verminderter Fruktose-Zufuhr verschwindet oft der S√ľsshunger, und der Teufelskreis der Zuckersucht kann durchbrochen werden. Diese entsteht u.a. deswegen, weil Fruchtzucker Dauerhunger macht, wohingegen Traubenzucker (Glukose, Dextrose, St√§rke) s√§ttigt, weswegen man meist nicht in Versuchung kommt, zu grosse Mengen davon zu essen. Bei gewissen Menschen f√ľhrt der Fruktosekonsum wegen einer Genanomalie zu Serotoninmangel, dieser wiederum zu Depressionen, Burnout, ADHS-√§hnlichen Symptomen und anderen „psychischen“ Krankheiten.

In der Schulmedizin ist die Zuckerproblematik zwar Thema, aber nur am Rande, und es ist bisher keine wirksame Aufklärung der Bevölkerung erfolgt Рein von mir aus gesehen unentschuldbares Versäumnis.

3. Hormonmängel

Abgesehen von den Geschlechtshormonen hat der Mensch zwei grosse Hormonsysteme: die Schilddr√ľsenhormone und die Hormone der Nebennierenrinde, einer Dr√ľse, die den Nieren benachbart ist, ohne mit ihnen zusammenzuh√§ngen. Beide Hormon-Systeme sind lebensnotwendig, M√§ngel f√ľhren zu Gesundheitssch√§den (auch ein √úberschuss, wie er bei seltenen Erkrankungen vorkommt).

Mangelnde Schilddr√ľsenhormone werden in der Schulmedizin ersetzt, allerdings oft einseitig, n√§mlich nur in Form von sogenanntem T4, das vom K√∂rper in das aktive Hormon T3 umgewandelt werden muss, was manchmal nicht klappt (u.a. bei Mangel am Spurenelement Selen). Wenn das ersetzte T4 nicht gen√ľgend zu T3 umgesetzt wird, wirkt es nur vermindert und die Symptome des Mangels bleiben bestehen; statt im gegebenen Fall T3 dazuzugeben, wird in der Schulmedizin oft das T4 erh√∂ht, dadurch werden aber die √ľbergeordneten Schilddr√ľsen-Steuerhormone unterdr√ľckt. Der Patient hat dann gleichzeitig zu wenig Hormone (er hat weiterhin einen T3-Mangel) und zu viel Hormone (das T4 ist im √úberschuss vorhanden, ohne dass er es recht ausn√ľtzen kann). Es gibt offiziell anerkannte T3-Ersatz-Pr√§parate, warum diese nicht ben√ľtzt werden sollen, entzieht sich meiner Kenntnis. Die wenigen Haus√§rzte, die das Problem erkannt haben und ihren Patienten mit T3 helfen, haben teils verbl√ľffende Erfolge, riskieren aber, des Kunstfehlers bezichtigt zu werden, weil es anders in den Guidelines steht.

Ein Mangel an den Nebennierenrindenhormonen Pregnenolon und DHEA wird von der Schulmedizin meist gar nicht gesucht, h√∂chstens ein Mangel an Cortisol. Wenn etwas ersetzt wird, dann nur das End-Hormon Cortisol (das Medikament nennt sich Cortison). Das ist, als w√ľrde man bei einem Auto mit 3 platten Reifen nur einen flicken und aufpumpen; wie gut man damit fahren kann, kann jeder leicht selbst beurteilen. Dabei lassen sich Pregnenolon und DHEA problemlos und ersetzen mit Kapseln oder Tabletten. Vorab muss im Labor festgestellt werden, ob ein Mangel besteht und wie hoch er ist, so dass man optimal dosieren kann.

M√§ngel an Nebennierenrindenhormonen sind h√§ufiger als angenommen, sie sind unter anderem Folge einer „silent inflammation“ (Punkt 5.). Es gibt Hinweise, dass SARS-CoV-2 bzw. das Spike-Protein (auch das via Impfung) die Nebennieren sch√§digen kann. Hormonm√§ngel k√∂nnen zu invalidisierender M√ľdigkeit f√ľhren, ein Ersatz kann den Betroffenen wieder zu einem normalen Leben verhelfen.

4. Nahrungsmittelallergien

Es gibt 4 Typen von Allergien. Der erste ist die Allergie Typ 1 mit sofortigen Symptomen, die leicht erkennbar sind. Typ 2 sind Transfusionszwischenf√§lle, Typ 3 und Typ 4 meist Nahrungsmittelallergien, die erst nach 8-24 Stunden Beschwerden machen und darum oft nicht erkannt werden. Sie k√∂nnen schlimme Folgen haben, nebst M√ľdigkeit, Migr√§ne und Verdauungsbeschwerden auch Autoimmuner-krankungen, zum Beispiel rheumatoide Arthritis oder Schuppenflechte (Psoriasis). Die „Schulmedizin“ bietet kaum geeignete Tests an (in der Schweiz gibt es gar keine) und leugnet die Ernsthaftigkeit dieser Erkrankungen. Mehr noch: in den Fortbildungen werden wir √Ąrzte davor gewarnt, diese Allergien zu suchen oder zu behandeln, es sei Quacksalberei! So verwehrt man Notleidenden den Zugang zu effizienter Hilfe und ihr (oft schweres) Leiden bleibt chronisch. Interessant ist, dass in der Veterin√§rmedizin, die nicht den gleichen wirtschaftlichen Interessen unterworfen ist wie die Humanmedizin, die Existenz der Typ 3- und Typ 4-Nahrungsmittelallergien als selbstverst√§ndlich gilt und erfolgreich therapiert wird.

5. Unterschwellige chronische Entz√ľndungen

Sie werden auch „silent inflammation“ genannt und k√∂nnen entstehen durch versteckte Allergien (s. 4.), Schwermetallvergiftungen (grossfl√§chige T√§towierungen u.a.), aseptische Knochennekrosen (Entz√ľndungsprozesse in Knochenh√∂hlen nach gezogenen Z√§hnen oder bei wurzelbehandelten Z√§hnen), chronische Borreliose und vieles mehr. Folgen k√∂nnen chronische M√ľdigkeit, chronische Schmerzen, Mangelzust√§nde, √úber- oder Untergewicht und anderes sein.

Aus Platzgr√ľnden kann ich hier nicht weiter auf dieses grosse Gebiet eingehen. Die Schulmedizin bietet wenig Hilfe, sie leugnet sogar einige der an sich bekannten Ursachen (z.B. die Bedeutung der chronischen Borreliose), beschr√§nkt sich auf die Linderung von Symptomen oder setzt moderne Therapien ein, die viele Nebnwirkungen haben (Biologicals); solche Medikamente k√∂nnen durchaus gute Dienst leisten, aber wenn man Ursachen finden und beseitigen kann, ist das allemal besser.

W√ľrde die Schulmedizin die oben erw√§hnten Krankheitsursachen (von denen die meisten¬† vermeidbar oder behandelbar w√§ren) nicht ausblenden, w√§re sie gegen viele „chronische Zivilisationskrankheiten“ nicht machtlos. In vielen F√§llen k√∂nnte urs√§chlich behandelt oder vogebeugt werden. Viele Menschen k√∂nnten gesund oder zumindest ges√ľnder werden, und auch das Gesundheitssystem w√ľrde damit entlastet. Gewisse Wirtschaftszweige w√ľrden dann allerdings erheblich weniger Umsatz schreiben…

Welchen Götzen wird geopfert?

Was haben die f√ľnf soeben erw√§hnten Punkte mit dem Thema dieses Artikels zu tun? Sehr viel. Durch das Behindern eines freien naturwissenschaftlich-medizinischen Denkens entstehen Wissens- und Behandlungsl√ľcken, die folgenschwer sind. Dies wirft die beklemmende Frage auf: Welchem G√∂tzen wird hier eigentlich geopfert?

Eine naheliegende Antwort ist: Dem Mammon, der Geldgier, die gem√§ss 1Tim 6,10 die Wurzel allen √úbels ist. Tats√§chlich fahren ja durch diese Art von „Gesundheitspolitik“ einige wenige Konzerne Unsummen von Gewinnen ein.

Aber greift diese Sichtweise nicht doch m√∂glicherweise zu kurz? Ist das B√∂se, das dahintersteckt, vielleicht abgr√ľndiger? Gem√§ss Joh 10,10 kommt „der Dieb nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu verderben“; „der Teufel war ein Menschenm√∂rder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die L√ľge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein L√ľgner und ihr Vater.“ (Joh 8,44).

Der Verrat am naturwissenschaftlichen Denken ist ein Verrat am wirklichkeitsbezogenen Denken, und dieser wiederum ein Verrat am Menschen selbst, der von Gott als denkendes und der Wahrheit verpflichtetes Wesen erschaffen wurde. Denn wir sind nach Gottes Ebenbild erschaffen, und Gott ist wahrhaftig. Wenn L√ľgengebilde das n√ľchterne Betrachten der Wirklichkeit abl√∂sen, ist das darum auch ein Verrat an Gottes Absichten und an seinem Wesen. Das sich Abwenden von Gott wiederum zieht zwangsl√§ufig G√∂tzendienst nach sich, und dieser endet irgendwann in Menschenopfern. Dies geschieht aktuell vor unseren Augen, ungewiss ist nur, wie gross das Ausmass sein wird.

Die Bibel ermahnt: „Von jeder Art des B√∂sen haltet euch fern“ (1Thess 5,22-24). Oft beginnt das B√∂se scheinbar belanglos, und man ist versucht, es als Kleinigkeit abzutun oder dar√ľber hinwegzusehen. Das B√∂se versucht immer, toleriert zu werden, und dies reicht meist aus, dass es seinen unheilvollen Lauf nehmen kann, an dessen Ende dann nicht mehr Belangloses steht, sondern grosses Leid.

Der Ursprung rechten Denkens

Aus dem bisher Dargelegten wird klar: Die Naturwissenschaften und insbeondere die Medizin ben√∂tigen dringend eine R√ľckkehr zu ihren eigenen Prinzipien. Dennoch wird dies schwierig bis unm√∂glich sein, solange nicht ein allgemeines Umdenken in der Bev√∂lkerung stattfindet, denn der Verrat am wirklichkeitsnahen Denken beschr√§nkt sich nicht auf die Naturwissenschaft im engeren Sinn. In dem Mass, in dem sich V√∂lker von Gott abwenden, verlieren sie den Bezug zum wirklichkeitsnahen Denken, denn dieses ist nur auf der Basis einer j√ľdisch-christlich gepr√§gten Gesinnung m√∂glich. Und selbst wenn es gel√§nge, zu einem wirklichkeitstreuen Denken zur√ľckzufinden: das allein w√§re nicht das Heilmittel. Wenn wir uns nicht auf Gott besinnen, der die Quelle dieses Denkens ist, und wenn wir unser Denken nicht an seinem Wort pr√ľfen und schulen, werden wir fr√ľher oder sp√§ter irregehen.

Rechtes Denken ist untrennbar mit Gott selber verbunden, der der wahrhaftige Gott ist (Jes 65,16). „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, sagte Jesus seinen J√ľngern (Joh 14,6), und im Zusammenhang mit der Verheissung des Heiligen Geistes: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was er h√∂ren wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verk√ľndigen“ (Joh 16, 13).

Auch wenn wir den Weltenlauf kaum beeinflussen k√∂nnen, so k√∂nnen wir doch im eigenen Leben ein wirklichkeitsbezogenes Denken ein√ľben. Dieses ist auch ein Sich-Abgrenzen gegen√ľber L√ľge und Verf√ľhrung; darum ist die Ermahnung, uns nicht dieser Welt gleichzustellen (R√∂ 12,2), unver√§ndert aktuell:

„Seid nun nicht ihre Mitgenossen. Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn; wandelt als Kinder des Lichts, denn die Frucht des Lichts besteht in aller G√ľtigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit, indem ihr p√ľrft, was dem Herrn wohlgef√§llig ist. Und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, vielmehr aber stellt sie auch bloss; denn das, was heimlich von ihnen geschieht, ist sch√§ndlich auch nur zu sagen. Alles aber, was blossgestellt wird, wird durch das Licht offenbar gemacht; denn das Licht ist es, das alles offenbar macht“ (Eph 5,6-14).

Dr. med. Karin Hirschi

Mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin

Die Kurzfassung dieses Beitrages ist erschienen in Aufbruch ‚Äď Informationen des Gemeindehilfsbundes 3/2022 (Dezember).

Sie können die aktuelle Ausgabe des Aufbruchs hier herunterladen.

Wenn Sie den Aufbruch (kostenlos) abonnieren möchten, schreiben Sie bitte an die Geschäftsstelle des Gemeindehilfsbundes: info@gemeindehilfsbund.de

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 17. Februar 2023 um 9:28 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Medizinische Ethik.