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Ein Brief Christi

Mittwoch 11. Januar 2023 von Pastor Heinrich Kemner (1903-1993)


Pastor Heinrich Kemner (1903-1993)

„Wenn man mit jemandem auseinander kommen will, muss man ihm Briefe schreiben. Wenn man echten Kontakt mit ihm sucht, muss man ihm begegnen und sich aussprechen.“ Dieses Wort eines meiner Bekannten ist sicherlich eine tiefe Weisheit. Das geschriebene Wort ist gefĂ€hrlicher als das gesprochene Wort. Deshalb soll man es sich wohl ĂŒberlegen, bei persönlichen Angriffen mit harten Briefen zu antworten. Wenn ich die Briefe jeden Morgen auf meinem Schreibtisch habe, lese ich sie auch nicht so ohne Kontrolle, sondern, wenn die Zeit knapp ist, nach dem Grad der Dringlichkeit. Briefe, auf denen „persönlich“ steht, oder Briefe, die ich schon lange erwartet habe, werden bevorzugt behandelt. Auf keinen Fall aber wird ein Brief verschlossen auf meinem Schreibtisch liegen bleiben.

Paulus schreibt an die Korinther: „Unser Brief seid ihr, hineingeschrieben in unsre Herzen, verstanden und gelesen von allen Leuten. Kennt man euch doch, dass ihr ein Brief Christi seid, den wir besorgt haben, nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf die Tafel fleischerner Herzen“ (2. Kor. 3,2-3).

Wenn der Apostel dieses Bild gebraucht, will er sagen, dass die Korinther keinesfalls ein Winkelchristentum fĂŒhrten. Die Korinther waren kein verschlossener Brief. Es steht mit einem Christen nicht recht, wenn man nicht weiß, wie man dran ist. „Im Wort, im Werk, in allem Wesen sei Jesus und sonst nichts zu lesen.“ Sind wir ein verschlossener Brief? Leben wir ein Christentum auf Abstand?

Es bewegt uns immer wieder bei den Freizeiten, wenn Leute uns besuchen, SĂŒchtige uns gebracht werden, die durch das gelebte Zeugnis anderer zu uns kommen. Neulich sagte mir eine Mutter: „Ich bin hierher gekommen, weil mein Kind in einer Konfirmandenfreizeit hier war. Es erzĂ€hlte so viel und so begeistert von Krelingen, dass ich mich selber ĂŒberzeugen wollte.“ Genauso sagte mir neulich ein Mann: „Ich bin hierher gekommen, nicht um Gottes Wort zu hören, sondern meiner Frau zuliebe, weil wir eine glĂŒckliche Ehe fĂŒhren. Aber nun habe ich den Brief Christi gelesen und möchte selber mit meinem Herzen ein Brief Christi werden.“

Wenn wir jedes Jahr den Krelinger Jugendtag feiern, erscheint dieser Tag vielen als ein Wunder im Lande. Von Mal zu Mal weitet sich der Jugendtag aus. Genauso ergeht es mit den Erweckungstagen. Wie ist diese erfreuliche Ausweitung möglich? Nur dadurch, dass Tausende von Alten und Jungen im Lande ein lebendiger Brief Christi sind.

Wir können keinen Menschen bekehren, das kann nur der Herr, aber wir können ein Brief Christi sein, der dem anderen deutlich macht, dass  das Anliegen des Jugend-und Erweckungstages uns so leidenschaftlich bedrĂ€ngt, dass wir als Hochzeitsbitter Gottes beauftragt sind einzuladen. Jedermann liest einen Hochzeitsbrief lieber als einen Totenbrief. Christen, die keine fröhliche Ausstrahlung haben, sind ein schlechtes AushĂ€ngeschild fĂŒr ihren Herrn.

Dann kommt es sehr darauf an, dass wir ein lebendiger Brief sind. Wieviel Drucksachen wandern jeden Morgen bei mir in den Papierkorb. Wenn aber jemand kommt als persönlicher Brief und lockt und lĂ€dt ein fĂŒr den lebendigen Herrn, dann nimmt man ihn wohl ernst, und dann kann die Einladung fĂŒr den anderen auf alle FĂ€lle Entscheidung bedeuten. „Nötigt sie, herein zu kommen“, sagt das Evangelium.

Es hat mich einmal in meinem Pfarramt bewegt, als mir mitgeteilt wurde, dass ein Zeuge Jehovas zum 28. Male bei mir an der HaustĂŒre klingelte. Ich habe den Besuch ernst genommen. Ich habe den Mann zu Tisch geladen und ihm gesagt, dass ich ihn aufs höchste bewundere, weil er mich so ernst nahm, dass er im Laufe der Jahre mich 28mal vergeblich besucht hatte und mich doch nicht als hoffnungslosen Fall abgebucht hatte. Gleichzeitig habe ich dem Mann gesagt, dass ich niemals Zeuge Jehovas werden könnte, weil die Lehre nicht der biblischen Wahrheit entsprĂ€che, aber dass ich allen Namenchristen wĂŒnschen wĂŒrde, dass sie ein offener Brief Christi seien, der von jedermann gelesen wird, als Geruch des Lebens zum Leben und des Todes zum Tod.

Nun gibt es langweilige Briefe, die legt man schnell beiseite. Es gibt Christen, die haben einen so langweiligen Stil, die haben eine so unnatĂŒrliche Art, dass man sie gerne beiseite legt. Sie sind oft uninteressant, weil sie nicht in der Korrektur Gottes geblieben sind. Christen mĂŒssen wirken wie eine BlĂŒtenpracht im Mai. Je natĂŒrlicher sie dem anderen von Jesus sagen, desto besser.

Das Evangelium berichtet, als Philippus zu Nathanael kam und ihm von Jesus erzĂ€hlte, dass Nathanael ausweichen wollte: „Was kann von Nazareth Gutes kommen?“ Aber offenbar war Philippus so sehr ein Brief Christi, offenbar hat er so mit dem Herzen Jesus bezeugt, dass auch Nathanael auf die Aufforderung hin zu Jesus kam: „Komm und sieh es!“

Quelle: Heinrich Kemner, Wir wÀhlen das Leben Bd. 2 (1981)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 11. Januar 2023 um 10:00 und abgelegt unter Gemeinde, Predigten / Andachten, Seelsorge / Lebenshilfe.