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Predigt über Lukas 1,5-25: Eine unerhörte Adventsgottesdienststörung

Freitag 16. Dezember 2022 von Thomas Karker


Thomas Karker

Advent bedeutet Ankunft. Oder, etwas präziser formuliert: Die Vorbereitungszeit vor der Ankunft. Angekommen ist Jesus an Weihnachten. Aber Jesus kam nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Gott hat sein Kommen von langer Hand vorbereitet. Und die wichtigste Person in dieser Vorbereitungszeit ist Johannes der Täufer.

Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester von der Ordnung Abija mit Namen Zacharias, und seine Frau war von den Töchtern Aaron, die hieß Elisabeth. 6 Sie waren aber alle beide gerecht und fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig. 7 Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren hochbetagt. 8 Und es begab sich, als Zacharias den Priesterdienst vor Gott versah, da seine Ordnung an der Reihe war, 9 dass ihn nach dem Brauch der Priesterschaft das Los traf, das Räucheropfer darzubringen; und er ging in den Tempel des Herrn.

10 Und die ganze Menge des Volkes betete draußen zur Stunde des Räucheropfers. 11 Da erschien ihm der Engel des Herrn, der stand an der rechten Seite des Räucheraltars. 12 Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und Furcht überfiel ihn. 13 Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Johannes geben. 14 Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen. 15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem Heiligen Geist. 16 Und er wird viele der Israeliten zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. 17 Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft des Elia, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist. 18 Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt und meine Frau ist hochbetagt. 19 Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir dies zu verkündigen. 20 Und siehe, du wirst verstummen und nicht reden können bis zu dem Tag, an dem dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit. 21 Und das Volk wartete auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb. 22 Als er aber herauskam, konnte er nicht mit ihnen reden; und sie merkten, dass er eine Erscheinung gehabt hatte im Tempel. Und er winkte ihnen und blieb stumm. 23 Und es begab sich, als die Zeit seines Dienstes um war, da ging er heim in sein Haus. 24 Nach diesen Tagen wurde seine Frau Elisabeth schwanger und hielt sich fünf Monate verborgen und sprach: 25 So hat der Herr an mir getan in den Tagen, als er mich angesehen hat, um meine Schmach unter den Menschen von mir zu nehmen. (Lk 1,5-25)

Wenn so ein netter, vielleicht gelangweilter Konfirmand, den Pfarrer im Gottesdienst mit einem Gummiring beschießt und kichert, dann kommt der Pfarrer von der Rolle. Das ist dann eine Gottesdienststörung. Wenn der Pfarrer während der Predigt einen Schwächeanfall bekommt und hinausgetragen werden muss, dann ist das eine Gottesdienststörung. Aber irgendjemand wird den Gottesdienst schon noch zu Ende bringen können.

Was ist, wenn Gott den Gottesdienst stört. Ich will es euch sagen, dann ist Advent. Es war ein einfacher Adventsgottesdienst damals, ohne Band und Anspiel, draußen standen die Leute. Man wartete nur noch auf den Segen und dann ab zur Sportschau. Aber der Priester machte Überstunden aus unerfindlichen Gründen. Interessant war das nicht. Erbaulich war das noch nicht mal für den Pfarrer, denn der hatte die blanke Angst und dachte zuerst er würde Gespenster sehen.

Wenn Gott den Gottesdienst stört, dann ist Advent. Ich weiß nicht was wir machen würden, wenn Gott sich so einmischen würde in unsern Adventsgottesdienst, so stören würde. Aber an dieser adventlichen Gottesdienststörung, wenn Gott stört, schafft er Klarheit. Das ist der Sinn seiner Störung. Er will nicht durcheinanderbringen, er will Klarheit schaffen, da wo die Routine, die Gewohnheit, uns schläfrig gemacht hat, uns träge gemacht hat, uns Hornhaut auf der Seele verpasst hat, da will er uns Klarheit schenken. Wo Gott stört schafft er Klarheit. Lasst mich aus dieser faszinierenden Geschichte einige Gesichtspunkte rausgreifen, an denen ich deutlich machen möchte, wie Gott mit seiner Störung Klarheit schafft.

1. Ein altes, aber nicht verstaubtes Ehepaar.

Drei Dinge werden hier von Zacharias und Elisabeth gesagt.

Erstens: Sie lebten so, wie es Gott gefallen hat. Das heißt nicht, dass sie sündlos waren. Aber sie hatten das Herz auf dem rechten Fleck. Lange Jahre haben sie tadellos ihren Glauben gelebt, alles tip top. Es waren zwei zuverlässige Menschen. Ihr höchstes Ziel war es, Gott mit ihrem Leben zu dienen.

Zweitens: Das Ehepaar hatte keine Kinder. Kinderlosigkeit war für die Menschen damals eine mittlere Katastrophe. Wer keine Kinder hatte, hatte niemand, der sie im Alter versorgte. Kinder waren sozusagen ein anderes Wort für Pensionskasse. Aber Kinderlosigkeit war nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen schlimm, sondern vor allem aus religiösen. Sie wurde als Schmach empfunden. Es war, als wäre man bei Gott in Ungnade gefallen. Wer keine Kinder bekommt, muss von Gott gestraft sein, dachten die Leute. Kinder sind ein Geschenk Gottes, heißt es in einem Psalm (127,3). Wem Gott dieses Geschenk vorenthält, der muss irgendetwas ausgefressen haben. Ein kinderloses Ehepaar wurde verachtet, und stand im Verdacht, doch nicht wirklich fromm zu sein. Zacharias und vor allem Elisabeth werden viel darunter gelitten haben. Denn sie lebten doch so, wie es Gott gefiel! Indem Lukas das so nebeneinanderstellt – ihre Frömmigkeit und ihre Kinderlosigkeit –, macht er klar: Sie waren nicht von Gott gestraft. Es lag nicht an irgendeiner Schuld von ihnen, dass sie keine Kinder hatten. Es musste einen anderen Grund dafür geben. Wer weiß, vielleicht hat Gott noch etwas ganz Besonderes mit ihnen vor? Zacharias heißt auf deutsch: Gott gedenkt. Da liegt der Schlüssel der ganzen Geschichte. Gott gedenkt nicht nur des alten Zacharias und der Elisabeth, sondern zugleich auch seines Volkes Israel. Gott gedenkt auch an dich und mich.

Das Dritte, was von Zacharias berichtet wird: Er war ein Priester. Aha, denken wir, dann war er also ein Tempelangestellter, und sein Arbeitsplatz war der Tempel. So simpel war das aber nicht. Es gab damals, eigentlich viel zu viele Priester, um die 18.000, schätzt man. Die Priester waren in Priesterklassen eingeteilt, das geht bis auf König David zurück (1. Chr. 24,1-19; für Abija siehe Vers 10 und vergleiche Nehemia 12,17), 24 Klassen insgesamt, und jede Klasse war zweimal pro Jahr für eine Woche mit dem Tempeldienst dran. Die übrige Zeit lebten die meisten Priester außerhalb von Jerusalem; von Zacharias wird gesagt, dass er dann zu seiner Frau ins Bergland von Judäa zurückkehrte.

2. Ein nicht erhörtes, aber dann doch erhörtes Gebet.

„Fürchte dich nicht!“ sagt der Bote Gottes dem Zacharias, „denn dein Gebet ist erhört.“ Jetzt wird der Name Zacharias Programm, Gott gedenkt an sie. Wir lesen nicht in der Bibel was der Zacharias gebetet hat. Viele denken er hätte darum gebetet, dass sie auf ihre alten Tagen noch ein Kind bekommen. Aber das glaube ich nicht. Denn Zacharias konnte auch rechnen und hatte trotz seines Theologiestudiums kapiert: Wir sind zu alt! Sie hätten sehr gerne Kinder gehabt, aber dann hat er sich auch damit abgefunden. Er hat sich gedacht, jetzt sind wir zu alt, Oma und Opa noch ein Baby, da kriegen wir ja einen Rappel. Viele haben geraten: Was hat er denn gebetet? Luther sagt: Das allgemeine Gebet des Volkes war so: „Ach, dass der Messias käme und brächte deinem Volk Hilfe!“ So war das an Gott gerichtet. Herr schick den Messias, den König, die Schlüsselfigur. Er sollte die Türen aufschließt zur Freiheit, zur Gerechtigkeit, zu einem Leben, das den Namen Leben verdient. Ach, dass der Messias käme und brächte deinem Volk Hilfe. Das war das tägliche Gebet in Israel beim Rauchopferaltar, wenn geopfert wurde. Ein Sinnbild dieses täglichen Gebetes: Hilfe für Gottes Volk! Schick, du den, der uns befreien kann.

Und dann passiert die große Gebetserhöhung: Fürchte dich nicht, Zacharias dein Gebet ist erhört. Aber jetzt achte darauf, wie Gott das tut.

Es fängt damit an, dass der alte Priester Zacharias im Tempel steht. Er räuchert und betet in großer Stille. Als er nun seine Augen erhebt, sieht er den gewaltigen Engel Gabriel (zu deutsch: Bote Gottes) vor sich stehen. Er erschrickt furchtbar. Aber der Engel tröstet ihn und verkündet: „Dein Weib Elisabeth wird einen Sohn haben, den sollst du Johannes nennen.“ Jetzt bewahrheitet sich was Elisabeth heißt: Elischeba, zu deutsch: Gott ist mein Eidschwur. „Jetzt fängt Gott an, seinen Eid einzulösen: Jetzt kommt der, Vorbereiter für den Messias, und der wird dann der Schlange den Kopf zertreten! Johannes wird ein großer Erweckungsprediger werden und viele zum Herrn bekehren. Zacharias, dieses Kind wird der Herold des Sohnes Gottes, des fleischgewordenen Wortes, des Heilandes, sein. Gott löst seinen Eid jetzt ein!“

Ich kann verstehen, dass der Zacharias gewaltig erschrocken ist. Denn es war über 500 Jahre her, dass zuletzt ein Bote Gottes auf der Erde erschienen war. Ja, seit den Zeiten des Propheten Sacharja war kein Engel mehr erschienen. Und Gott hatte auch in diesen 500 Jahren durch keinen Propheten mehr gesprochen.

500 Jahre lang hatte Gott geschwiegen. 500 Jahre lang war der Himmel verschlossen. Das ist furchtbar! Da verwüsten schreckliche Kriege das Angesicht der Erde; Kinder werden getötet; Männer fallen; Frauen werden geschändet; unzählige Tränen werden geweint – und Gott schweigt. Der Himmel bleibt zubetoniert.

Es wird frech gesungen: Lebt denn der Alte Holzmichel noch? Es wird frech gesündigt; Fromme schreien zu Gott; Philosophen diskutieren, ob er überhaupt existiere; Freidenker spotten, er sei eine Erfindung der Dummen – und Gott schweigt!

Es ist geradezu unheimlich, dass man im Blick auf Gott manchmal so fragen muss. Man hört nichts von ihm. Man sieht nichts von ihm. Die Welt geht offenbar ohne ihn weiter. Gott ist so regungslos, dass man meinen könnte, er sei gestorben. – Es gibt ein seltsames Wort im Propheten Jesaja: „So spricht der Herr: Ich will stillhalten und schauen in meinem Sitz wie bei heller Hitze im Sonnenschein.“ (Jes. 18,4) Es gibt nichts Stilleres als eine Sommerlandschaft in brütender Hitze. So regungslos kann Gott sein. „Lebt er noch?“

Bis auf einmal Advent wird: Da öffnet sich die unsichtbare Welt, und ein Engel erscheint. Und ein paar Monate später erscheinen sogar ganze Engelheere auf Bethlehems Feld. Das ist Gottes Advent: Der verschlossene Himmel kommt in Bewegung.

Sehnen wir uns danach? Dann werden wir vielleicht eines Tages erfahren: Wenn heute der Himmel wieder in Bewegung kommt, dann haben wir es nicht mit Engeln zu tun, sondern mit einem viel Größeren: mit der dritten Person der Dreieinigkeit, mit dem Heiligen Geist, der die schlafende, weltliche, selbstsüchtige Christenheit wie ein Sturmwind erwecken kann. Das ist der wahre Gottes-Advent!

Was für eilige Leute sind wir doch! Da heißt es immer: Tempo! Tempo! 4 Wochen feiern wir Advent. Und dann stürzt sich die verlorene Welt schnell in den Fasching.

Unser Gott hat Zeit. Wenn der einen Advent bereitet, dann geht das durch lange Zeiträume. Das merken wir in unserem Text: Das erste Adventslicht steckt Gott an, indem der Engel Gabriel die Geburt des Johannes verkündet. Das zweite Adventslicht Gottes heißt: „Der wird viele zu Gott, ihrem Herrn, bekehren.“ Zwischen diesem ersten und dem zweiten göttlichen Adventslicht liegen immerhin 30 Jahre. Die müssen wir nun im Geist mit überspringen, um zu sehen, wie Gott einen Advent bereitet.

Jetzt wird das große Gebet um Rettung beantwortet, in dem der König Gottes, Jesus angekündigt wird, und Gott seine weltweite Herrschaft aufbaut und er seine durchschlagende Rettung für den Kosmos schafft. Eine weltweite Aktion startet. Und so ganz nebenbei, punktgenau, wird die kleine Not des Zacharias und seiner Frau Elisabeth mit geheilt. So ist Gott immer. Er ist kein Taschengott, der nur für die kleinen Probleme des persönlichen Lebens da ist, aber fürs Große untauglich. Er schafft mit seinem König Jesus in dieser Welt eine grundsätzliche Wende. Er richtet seine Herrschaft auf, „mir ist gegeben alle Gewalt“ sagt Jesus „im Himmel und auf Erden.“ „Gott versöhnte in Christus den Kosmos mit sich selber“ sagt Paulus. Gott hat die ganz, ganz große weite Sicht und Aktion gestartet, aber er verliert bei der großen Weite seiner Aktionen nie dich und mich aus dem Blick, uns mit unserem kleinen Kummer, so wie er den Zacharias und die Elisabeth mit ihrem kleinen Familienkummer, nicht aus dem Blick verloren hat. Was ist das für ein Gott?

Der macht aber auch nicht nur die große Weltpolitik und sagt: „Ach das kommt doch auf den Kleinkram deines Lebens nicht an.“ Er sieht die große Welt und schafft eine große Lösung in seinem König Jesus und hat einen scharfen, sorgfältigen Blick der Liebe für jeden Einzelnen in seiner besonderen Not und Verlorenheit. So fängt es an, am ersten Advent mit Zacharias, bei dem erhörten Gebet um die Rettung Israels und die Befreiung der Erlösung der Welt. Und er löst so ganz liebevoll nebenbei, diese schmerzende alte Wunde in dieser Familie. Was ist das für ein Herr, dem die Welt zu Füßen liegen wird eines Tages. Er wird kommen, du sollst es wissen, und niemand wird es verhindern können. Er wird kommen und das letzte Wort des Gerichtes sprechen und der Neuschöpfung der Welt einleiten und alle Knie werden sich beugen müssen. Er ist der Herr des Universums. Und in diesem Augenblick denkt er liebevoll an deine und meine Nöte und sie sind ihm nicht egal. Was für ein Gott! Wer das in seinem Leben je begriffen hat, diese Weite seiner großen Rettungstat und die Sorgfalt der persönlichen Fürsorge für unser kleines Leben, der muss raus, der muss es sagen. Geh, sag es überall: „Go tell it on the mountain, Over the hills and everywhere“ ist eins der ältesten Weihnachtslieder, das wir singen.

Wenn Gott stört, schafft er langsam Klarheit indem er Gebete erhört.

3. Ein altes, aber nicht unbrauchbares Ehepaar.

Ob Elisabeth und Zacharias das ideale Brautpaar gewesen ist, weiß ich nicht. Ihr langes Leben war ziemlich bestimmt von den Problemen, die Sie hatten. Ihre Kinderlosigkeit hat sicher den Ehealltag häufig notvoll überschattet. Aber Gott findet dieses Ehepaar ideal für seine Zwecke. Es ist das Traum-Ehepaar für Gott. Gott sucht ein einzigartiges altes aber nicht unbrauchbares Ehepaar, um uns etwas deutlich zu machen. Diese beiden, die vereinigen in ihrer Ehe eigentlich einen Widerspruch, den ich versuche euch klarzumachen.

Auf der einen Seite sind sie ein Sinnbild der Geschichte des Volkes Gottes. Der lebendige Gott hat über Jahrhunderte beharrlicher Kleinarbeit an seinem Volk, auf ein Ziel hingearbeitet, nämlich auf das Kommen des Retters Jesus. Da gab es die Priester, da gab es die Gesetze mit den Opfern, da gab es die Propheten, und nun kommen die beide aus den wichtigsten Priesterfamilien. Und er nimmt die beiden und sagt: Seht mal, ich nehme jetzt ein altes Ehepaar, das sozusagen ein Symbol ist für die lange Geschichte der Vorbereitung, die ich mit Israel gegangen bin. Auf dieses eine Ziel hin, jetzt bin ich da, jetzt bin ich am Punkt. Das ist Elisabeth und Zacharias, um daran zu verdeutlichen: Gottes sorgfältige langfristige Vorbereitung.

Und die andere Seite, bei diesem Ehepaar heißt es: Kinder kriegen können sie nicht. Die natürlichen Voraussetzungen sind gleich null. Wenn ihr mal die Bibel aufmerksam lest, ist Gott ein richtiger Provokateur. Es ärgert ja den Verstand bis heute, dass Gott immer wieder so demonstrativ diesen Weg geht. Wo wir Menschen uns gerade innerlich die Ärmel so aufkrempeln und sagen: Gott, das ist ja prima, wir müssen wirklich an dieser Welt was reparieren. Man muss sich engagieren. Suchst du noch ein paar Freiwillige und Tüchtige. Hier bin ich. Ich möchte mithelfen, die neue Welt der Gerechtigkeit und Freiheit zu bauen. Da sagt Gott erst mal: Lass mal Luft ab. Krempel die Ärmel mal wieder runter. Pass mal genau auf, ich will dir wieder mal zeigen, wie ich das mache. Wenn ich einen Retter bringe, oder nur den Vorboten des Retters, dann mach ich es anders. Ich tue es immer demonstrativ so, dass ich Leute gebrauche, die aus sich nichts mehr erzeugen können. Ihr möchtet immer gerne Produzenten der Rettung sein. Ihr möchte immer gerne sagen können, dass wir uns bemüht haben und engagiert haben, und dass wir was zur Verbesserung geschafft haben. Als ob Gott unsere Nachhilfe bräuchte. Wir mit unserer Wichtigtuerei machen uns nur lächerlich! Er nimmt Leute, die natürlicherweise aus sich nichts mehr hervorbringen können und daraus lässt er seinen Hilfe entstehen. So ist es auch bei Jesus. Er ist völlig der Erzeuger seines Rettungsplanes und lässt nur den Menschen als Empfänger, die Maria passiv eine Rolle spielen.

Welch eine Demonstration Gottes, der mit dem scheinbar Unbrauchbaren Brauchbares schafft. Weil er ein Schöpfer ist, der aus dem Nichts etwas schaffen kann. Du sollst wissen, Jesus, der dir helfen will, ist kein Zufallsprodukt der Geschichte. Gott hat immer langfristige Absichten und sorgfältige Gedanken um dir zu helfen. Und auf der anderen Seite verdeutlicht er an Zacharias und Elisabeth: aus den Menschen kommt nichts mehr. Er nimmt sich die Unfruchtbaren, die die nichts mehr hervorbringen können, um aus ihnen die Rettung wachsen zu lassen.

Unser Stempel für das Ehepaar heißt: eigentlich unbrauchbar, zu alt und Gott setzt seinen Stempel daneben: dadurch erst brauchbar! Wir sind immer beleidigt, wenn Gott uns so an die Seite schiebt und unsere Tüchtigkeit nicht einbaut in seine Aktionen. Aber es ist doch wirklich unser Glück, dass Gott das tut. Denn wenn wir beteiligt wären, wenn wir die Rettung mit schaffen müssten, dann wäre doch der Wurm von Anfang an drin. Dann wäre doch das Sterben drin, wir produzieren doch nur Scherben und Sterben. Gott aber will, dass du hundertprozentig gewiss bist, das du sein Kind sein darfst, dass da nichts dran wackelt und kein Wurm und keine Verwesung drin ist, wenn er dir die Hilfe anbietet. Deshalb macht er 100 % alles alleine und verankert es in Gottes Ewigkeit und bereitet es langfristig vor und alles soll auf den einen Punkt gehen, dass durch Jesus dein Leben und das vieler anderer endlich in Ordnung kommt, und der lebendige Gott reinkommt in dein Leben, und du rein kommst in Gottes Herrschaft. Und das Letzte,

4. Eine Adventsstörung bringt Adventsklarheit.

Das eigentliche Wunder ist ja mal wieder verkehrt herum. Das ist ja ist ein Wunder, wenn Gott einen Menschen den Mund auftut. Wenn er Gott nicht mehr totschweigt in dieser Welt. Da sind wir Weltmeister drin. Die Welt läuft wie sie läuft und wir machen uns unsere Gedanken, aber wir schweigen Gott tot. Ich sehne mich nach dem Wunder, dass er uns den Mund öffnet, mitten in unserer Alltagswelt, dass wir glaubwürdige Zeugen des lebendigen Gottes sind. Aber was er hier tut ist genau umgekehrt, ein Wunder verkehrt herum. Da ist sein Priester, der uns hier begegnet, und was tut Gott in seinem Advent? Er verbietet ihm den Mund, er lässt ihn verstummen, er kann die Klappe nicht mehr aufmachen, er kann nicht mehr reden, was er mit Gott erlebt hat. Warum tut Gott das?

Was ist es eine merkwürdige Adventsgeschichte. Gott nötigt uns eine Lektion auf und die Lektion heißt, wenn ich an den Versprechen Gottes zweifle und nicht mehr dem lebendigen Gott vertraue, habe ich in dieser Welt nichts mehr zu sagen. Große Erlebnisse hat der Zacharias, aber er vertraut nicht dem Wort des lebendigen Gottes. Und da lehrt Gott ihn, dass ein Mensch nichts mehr zu sagen hat, wo er aus dem Vertrauen zum lebendigen Gott rausbricht. Weißt du, zwischen ersten und vierten Advent war Zacharias stumm, stumm, stumm und musste in sich selber verarbeiten: wo ich Gott nicht beim Wort nehme, habe ich nichts mehr zu sagen für die Welt. Aus mir kommt nichts.

Wenn wir vom „Unglauben“ des Zacharias sprechen, dann denken wir oft an Freidenker und Marxisten. Wir denken an die große Masse, die über das Evangelium spottet oder gleichgültig daran vorbeigeht. Aber bei all dem handelt es sich meist gar nicht um Unglauben, sondern vielmehr um Unwissenheit.

Nein! Unser Text deckt auf: Der Unglaube sitzt bei uns, die wir in die Kirche gehen. Seht den Zacharias an! Er ist ein frommer Priester. Es wird ihm bescheinigt, dass er ein Gebetsleben führt. Er glaubt ja der Bibel, dass ein Heiland von Gott kommt. Er rechnet sogar mit dem Vorläufer, der „im Geist und Kraft Elias“ dem Herrn den Weg bereitet. Er ist in der Tat ein gläubiger Mann.

Und ihm donnert der Engel zornig entgegen: „. . . weil du nicht geglaubt hast dem Wort, das mir Gott für dich aufgetragen hat . . .“

Da habt ihr den Unglauben eines Gläubigen. Wo liegt der wunde Punkt? Er glaubt die ganze Heilsgeschichte. Aber er fasst nicht, dass er, der unbekannte kleine Mann, ganz speziell mitten drin steht in der Heilsgeschichte. Er glaubt nicht, dass er selbst persönlich einbezogen ist. Und hier liegt auch unser Unglaube.

Man nennt sich Christ. Man geht in die Kirche. Man glaubt, dass ich euch mit meiner Predigt nicht anschwindele. So glaubt ihr, dass Jesus Gottes Sohn ist und der Heiland der Welt. Aber – nun kommt das „Aber“ –: Du glaubst nicht, dass der Sohn Gottes deinetwegen kam. Die Theorie ist klar, die Praxis unklar! Du glaubst, dass Jesus für Sünder am Kreuz gestorben ist. Aber du glaubst nicht, dass Er an dich dabei dachte. Sonst würdest du Ihm dein Herz ausschütten mit all deiner Schuld und würdest erfahren: „Die Sünden sind vergeben. / Das ist ein Wort zum Leben / für den gequälten Geist.“

Du glaubst, dass der Heilige Geist am Werk ist. Aber du glaubst nicht, dass Er dir ein ganz gehorsames Herz geben kann. Darum lebst du in der alten Tour immer weiter.

Du glaubst, dass es ein ewiges Leben gibt. Aber du glaubst nicht, dass Jesus dir einen Platz in den himmlischen Wohnungen bereit hält. Sonst würdest du ja nicht so verzweifelt nach den irdischen Genüssen jagen.

Das ist der entscheidende Schritt vom Unglauben zum Glauben, dass ich nicht nur die Heilsgeschichte von Jesus höre, sondern dass ich sie für mich annehme, dass ich selbst in die Heilsgeschichte hineingehöre.

Schlimme Lektion! Es ist schön, wenn Gott diese Lektion uns an Zacharias  beibringen kann, damit er sie nicht an uns noch mal durchführen muss. Wir haben nichts zu sagen, in dieser notvollen Welt, wenn wir nicht mit ganzem Leben und ganzem Herzen uns auf die Zusagen des lebendigen Gottes verlassen, und sie nachbuchstabieren, davon leben, und sie anderen sagen: Fester Halt in dieser Welt ist allein bei den Zusagen unseres Herrn.

Paulus sagt im 2. Korintherbrief: In Jesus sind alle Versprechen Gottes zusammengefasst wie in einem großen, starken Ja. Darum dürfen wir als Antwort jetzt sagen: Amen, gewiss, es soll gelten in meinem Leben. Wie ist es an diesem 3 Advent, an dem Gott hinein will in unser Leben mit seinen Verheißungen, seinen Zusagen, mit seinem Wort und ruft: Du, wenn ich diesem Wort nicht traue, habe ich nichts zu sagen, dieser Welt. Und deine und meine Umwelt, die Menschen mit den wir reden hungern danach, dass ihnen ein helfendes, mächtiges Wort der Freiheit von Gott gesagt wird. Wenn Gott stört, schafft er Klarheit und wenn er im Gottesdienst stört, ist Advent. Ob heute bei dir Advent ist? Herr schaff, dass Advent passiert. Lass uns nicht allein, lass uns nicht in unseren eigenen Gedanken. Komm, rede, schweige nicht!

Amen

Prädikant Thomas Karker, Im Advent 2022

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 16. Dezember 2022 um 16:37 und abgelegt unter Predigten / Andachten.