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Im Gespräch: Landesbischof i. R. Heinrich Herrmanns

Montag 13. Dezember 2021 von Gemeindehilfsbund


Gemeindehilfsbund

Heinrich Herrmanns wurde nach Studium und Vikariat 1969 zunächst Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern in Kulmbach. 1979 erhielt er die Berufung zum Landesjugendpfarrer der Bayerischen Landeskirche und übernahm 1985 das Amt eines Dekans in Memmingen. Im Jahre 1991 wählte ihn die Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe zum Landesbischof. In diesem Amt mit Sitz in Bückeburg war er bis zum Jahre 2001 tätig.

Ist eine persönliche Glaubensbeziehung zu Jesus Christus notwendig, um Theologe zu werden? Wie sind Sie selbst zur Theologie gekommen?

Bei Dietrich Bonhoeffer kann man die wesentliche Unterscheidung lesen, wenn er schreibt, dass er Theologie studiert hat, aber erst später Christ geworden ist. Man kann also Theologie studieren, wie ein Altphilologe Latein und Griechisch studiert, wobei man allerlei Interessantes erfährt. Für den Theologen ist der Schritt wichtig, innerlich mit Seele und Geist zu bejahen, Zeuge des gekreuzigten Christus und seiner erlösungsbringenden Auferstehung zu sein. Persönlich bin ich in ärmlichen Verhältnissen großgeworden. Nach der Flucht vor der heranrückenden Sowjetarmee wurden Eltern und Großeltern in verschiedenen Dörfern in je eine Kammer eingewiesen – Strom und Wasser im Haus gab es noch nicht. In jenen Jahren war die Gemeinde mit Gottesdienst und Religionsunterricht ein Zuhause, in dem man vertrauensvoll lebte Von dieser Beheimatung her war es kein riesiger Schritt, dem Evangelium zu dienen und zunächst Theologie zu studieren.

Sie waren einige Jahre in der bayrischen Landeskirche als Gemeindepfarrer tätig, bevor Sie von 1985 bis 1991 das Amt des Landesjugendpfarrers innehatten. Die Zahl der Theologiestudenten geht seit Jahren zurück. Der Pfarrerberuf hat offensichtlich an Attraktivität verloren. Mit welchen Gründen könnte man junge Menschen motivieren, den Beruf des Pfarrers in einer evangelischen Landeskirche zu wählen?

Für das Theologiestudium ist nach meiner Erfahrung wesentlich, aus welcher Prägung der Einzelne kommt: sei es aus einer überzeugenden, volkskirchlich lebendigen Gemeinde, einer bibelzentrierten Jugendarbeit innerhalb der Volkskirche oder auch einer biblisch gegründeten Gemeinschaftsarbeit. Von meinem Glaubensschritt habe ich bereits berichtet. Einer unserer Söhne ist aus einer christlichen Jugendgruppe heraus zum Theologiestudium gekommen – hat dort auch in Tübingen gerne die Begleitung des Bengelhauses erlebt. Schließlich hat unsere älteste Enkeltochter, die in der Kinder- und Jugendarbeit der Liebenzeller Gemeinschaft geprägt worden ist, das Theologiestudium aufgenommen. Sie wählte eine Hochschule, die aus einer biblischen Tradition kommt.

Das sind drei Beispiele, bei denen die christliche Prägung in der Kindheit und Jugend wesentlich war. Daneben gibt es freilich auch Theologiestudierende, die ohne solche Jahre des Lebens mit dem Wort Gottes, mit Gottesdienst und Gebet unterwegs waren. Da gibt es eine Vielzahl von Motiven, sich an einer theologischen Fakultät einzuschreiben. Ob es da zu dem Schritt kommt, als Mitte des Pfarrerberufs den Zeugendienst für das Evangelium anzunehmen, das ist ein offener Prozess.

Sie waren von 1991 bis 2001 Landesbischof der Evang.-Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe. Was war in dieser Zeit Ihr schönstes und was Ihr bedrückendstes Erlebnis?

Insgesamt kann ich sagen, dass die Beispiele, die ich als Segen in der Landeskirche erlebt habe, ganz stark überwogen haben. Da waren Kirchentage, da wurde an Pro Christ teilgenommen, da gab es gute Kontakte zu den Missionsdiensten in Äthiopien, in Südafrika und in Namibia. Gerne denke ich an das Jahr 2000 zurück. Ich überlegte, was man als bleibende Erinnerung von der Jahrtausendwende behalten könnte. So kam mir der Gedanke an ein Wegkreuz in den Sinn. Freundlicherweise lud die kommunale Gemeinde von Bergkirchen ein, das Kreuz auf der Anhöhe des Ortes aufzurichten.  Inzwischen verweilen dort gerne Wanderer und Fahrradfahrer – Momente der Besinnung unter dem Kreuz. Die Wiedervereinigung war für die meisten in unserem Land gewiss ein tiefer Grund zur Freude und zur Dankbarkeit, Aber sehr beschwerlich und belastend erlebte ich die Nebenwirkungen der neuen Zeit. Die VELKD und die EKD standen in den Leitungsgremien vor erheblichen Problemen. Wie geht man mit all den Spitzeln und Informanten um, die innerhalb der Kirchen als Verräter gewirkt haben? Da waren Kirchenleiter, Oberkirchenräte und Pastoren aktiv für ein Unrechtsregime. In den Beratungen gab es ein schmerzvolles Hin und Her zwischen völliger Offenheit mit viel Beschämung und auch dienstrechtlichen Konsequenzen und der anderen Option, alles für absehbar mehrere Jahre einer Ausschussarbeit zu übertragen. Diese Option fand eine Mehrheit. Das waren Sitzungen voller schmerzhafter Peinlichkeiten.

Ihr Vorgänger war Landesbischof Heubach, der sich während seiner Amtszeit gegen die Ordination von Frauen zum gemeindeleitenden Amt ausgesprochen und die Mitgliedschaft der Landeskirche im Ökumenischen Rat der Kirchen ausgesetzt hatte. Sie sind damals einen anderen Weg gegangen und haben sowohl der Frauenordination als auch der Reaktivierung der Mitgliedschaft im ÖRK zugestimmt. Mit welchen Gründen?

Ja, zur Frauenordination zeigen die biblischen Zeugnisse, dass die Frauen am Grabe vom Engel mit der Botschaft zu den Jüngern und den anderen Gläubigen an Jesus Christus gesandt wurden: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ (Lk 24,6) Ein Beispiel, dass das Evangelium auch Frauen anvertraut wurde, unabhängig davon, dass der Herr seine Jünger – die 12 – aus Männern auswählte. Er folgte darin anderen Jüngerschaften wie bei Johannes dem Täufer, den Pharisäern und auch bei den Essenern in Qumran. Ohne Frage ist die Frauenordination ein Bruch mit der Tradition. Der höher anzusetzende Gesichtspunkt ist dann doch der, ob Frauen und auch Männer treue Zeugen des Auferstandenen sind. Darauf liegt der Segen. Großes Verständnis habe ich für alle Mitchristen, die der Frauenordination nicht zustimmen können. Sie befinden sich in der Tat in der Mehrheit in der Christenheit.

Die Wendezeit in Europa brachte direkt und indirekt auch eine Abkehr von der Apartheid im südlichen Afrika. Dabei wurde offensichtlich, dass Spenden und Kirchensteuern aus Europa von den Partisanenverbänden sehr wohl auch für Waffen und Kriegführung eingesetzt wurden. Es gab wenig Kontrolle, die Mittel flossen auf Vertrauen. Gegen diese Praxis protestierte die Kirchenleitung in Bückeburg mit Bischof Heubach. Es wurden keine zweckbestimmten Kirchensteuern in die Töpfe der EKD überwiesen, auch die Spenden wurden bis zur Klärung aufgehoben. Als der Nebel sich gelichtet hatte, kam 1994 der Generalsekretär des ÖRK, Dr. Raiser, nach Schaumburg-Lippe. Er widerlegte die Verdachtsmomente nicht und versicherte, dass die Geldflüsse inzwischen geordnet ablaufen. Das war für uns die Voraussetzung zur Hilfeleistung.

Während Sie diese Fragen beantworten, wird in Bremen der neue Rat der EKD gewählt. Wie beurteilen Sie den Weg der EKD in der Amtsperiode des Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm und was wünschen Sie sich von seinem Nachfolger?

Man kann zusammenfassend sagen, dass Herr Bedford-Strohm ein Vertreter der Zivilreligion ist. Das hat vielerlei Folgen. Was heißt Zivilreligion?  Einerseits geht es um die Politisierung der Kirche, um die „Fortsetzung des Staates mit religiösen Mitteln“ und andererseits um konsequente Vermeidung jeglicher Klärung von ethischen Differenzen und Wahrheitsfragen unter der Geltung der Heiligen Schrift. Sein Schwerpunkt ist in seiner Doktorarbeit „Vorrang für die Armen“ (1993) zu sehen. Daraus folgen viele Äußerungen zur Kirche tendenziell in Richtung zu einem Wohlfahrtsverband, zu einer NGO. Die Konflikte um die Tötung ungeboren Lebens etwa werden schweigend umgangen. Keine Unterstützung für den Marsch für das Leben. Keine Auseinandersetzung mit dem Islam – etwa mit der positiven Auffassung zur Gewalt im Koran, mit den „Ehrenmorden“ und den ständigen Verfolgungen von Christen in islamischen Ländern.

Stattdessen gibt es die eilfertige Rezeption der „Ehe für alle“, folgsam den staatlichen Entscheidungen. Die biblischen Aussagen gelten nicht mehr, sie sind nicht zeitgemäß. Überdies wird dem Feminismus mit einem Institut zum Genderismus die Tür weit geöffnet. Darüber schwebt eine Zielsetzung, wie sie in der FAZ zu lesen war: „Die Zivilreligion soll als konsensuales Glaubensbekenntnis der Bürger zu ihrem Staat nicht nur religiöse Konflikte verhindern, sondern den Gesellschaftsvertrag, die Toleranz und die Herrschaft der Gesetze sichern.“ Also kein Widerspruch mit der Heiligen Schrift in der Hand, schweigen und wegducken, wenn es die modernen und postmodernen Mehrheiten in ihrer Wohlfühlblase stört. Was die Nachfolge anbelangt, sieht es nach einer Fortsetzung der gesellschaftlichen Positionen aus, in der Sprache vielleicht etwas lieblicher.

Was sagen Sie zur „Genderisierung“ in der EKD?

Es ist sinnvoll, sich zu vergegenwärtigen, wofür die Genderideologie kämpft und wo sie den Gegner sieht. Aus dem Feminismus herkommend, zielt das Konstrukt dieser Ideologie darauf, die Schöpfungsgegebenheiten von Mann und Frau zu überwinden. Nach der Heiligen Schrift sind Mann und Frau Ebenbilder Gottes, sie sind ebenbürtig. Die Verschiedenheit ist auf Ergänzung angelegt, auf Zusammenwirken in der Weitergabe des Lebens, in einer stabilen Ehe, in Verbundenheit mit Großeltern und Verwandten.

Die biologische Wissenschaft hat die Verschiedenheit von Frauen und Männern schon lange vor der Genderideologie festgestellt und auf die Ergänzung hingewiesen. Es ist falsch, die Austauschbarkeit der Geschlechter zu behaupten. Die genetischen Gegebenheiten werden durch Erziehung unterstützt. Aber eine völlige Umformung eines Menschen schafft meist große Probleme, selten stellt sich ein harmonisches Gleichgewicht in der Persönlichkeit ein. Mit der Genderschreibweise inklusive der Sternchen soll jedoch der gesamten Sprache im deutschsprachigen Raum der ideologische Inhalt ständig aufgezwungen werden. So ist das Gendern Teil eines weiterreichenden Kulturkampfes, in welchem wir uns befinden. Enttäuschend ist die unkritische Unterwerfung der EKD, die gleich hurtig dieser Ideologie ein Institut gewidmet hat. Es zeigt die anhaltende Anfälligkeit für Ideologien, die aus dem gesellschaftlichen Zeitgeist in den Protestantismus eindringen.

Sie halten engen Kontakt zu einigen bibel- und bekenntnisgebundenen Gruppierungen innerhalb der EKD. U.a. sind Sie auch Mitglied im Gemeindehilfsbund. Welche Aufgaben haben diese Gruppen heute in der evangelischen Kirche?

Die Landeskirchen, die sich in der EKD zusammengetan haben, haben sich – wie gerade angedeutet – für alle gesellschaftlichen Strömungen geöffnet, die in den vergangenen Jahrzehnten an Einfluss gewonnen haben. Das geschah völlig unbeeindruckt von dem rapiden Niedergang der Mitgliederzahlen. Da waren die 68iger mit ihrem erfolgreichen Marsch durch die Institutionen, da war die Emanzipationsideologie, die möglichst viele ethische Leitlinien beseitigen wollte, ein Entwurzelungsprogramm, das ich speziell in der Jugendarbeit der 70iger und80iger Jahre erlebte, welches sich bemühte, alle guten Verbundenheiten zu Gemeinde, Gottesdienst und Frömmigkeit zu lösen, natürlich auch zu den Geboten und der Heiligen Schrift insgesamt.

Das reichte dann sehr rasch in die völlige Umgestaltung der Lehrpläne für den Religionsunterricht sowie für den Konfirmandenunterricht. Eine breite Bibelkunde, ethische Themen wie Ehe und Familie sowie auch der Schutz des Lebens gerieten ganz an den Rand. Eine Kirchengeschichte in ihrer Abfolge hielt man für überflüssig. Als ich Anfang der 70iger als junger Pfarrer im Religionsunterricht vom Dekan visitiert wurde – er war dann später Bischof in Bayern – habe ich ihm rundweg meine Ablehnung des neuen Lehrplans erklärt und hinzugefügt, dass ich auch eine schlechte Note in Kauf nehme.

So ist in vielen Bereichen die Säkularisierung und damit auch die Relativierung von Schrifttreue in die Gemeinden eingedrungen. Dies hatte zur Folge, dass überzeugte Christen danach Ausschau hielten, wo sie sich ohne Gewissensnöte anschließen können. Sie wollten bei Schrift und Bekenntnis bleiben, fanden dies aber immer weniger in den Landeskirchen – da und dort bei einzelnen Pfarrern. Die verschiedenen Verlautbarungen, Beschlüsse und Unterwerfungen lösten das Vertrauen zu den Institutionen in Gestalt der Landeskirchen. Hier haben die Gemeinschaften mit ihrer Schrifttreue ihre große Aufgabe. Teils leben sie den Glauben in Bibelstunden, teils schon in einer gewissen Eigenständigkeit mit Gottesdienst und Heiligem Abendmahl.

Es geht darum, die einzelnen Gläubigen, die sich in der Zerstreuung befinden, zu sammeln, bis hin zu den überregionalen Zusammenschlüssen wie „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“, Gemeindehilfsbund, „Sammlung um Bibel und Bekenntnis“, „Gesellschaft für Innere und Äußere Mission“ oder auch „proMission Deutschland e.V.“.

Sie kennen sich gut aus in den großen Kirchen der USA, insbesondere bei den Lutheranern. Schon 2011 haben Sie die neue lutherische Bekenntniskirche NALC („Nordamerikanische Lutherische Kirche“) begrüßt. Was können landeskirchliche lutherische Christen in Deutschland von dort lernen?

In der Tat haben die überzeugten Lutheraner in Nordamerika den Mut und die Kraft geschenkt bekommen, eine Kirche zu gründen. Ursprünglich gab es die ELCA – Evangelical Lutheran Church in America. Sie entstand aus verschiedenen lutherischen Kirchen mit landsmannschaftlichem Hintergrund aus Europa. Bei der Gründung zählte diese Kirche 5.28 Millionen Mitglieder. Nun aber rezipierte diese Kirche mit synodalen Beschlüssen wie die EKD die gesellschaftlichen Strömungen. Der Widerstand vom Boden der Heiligen Schrift her war zahlenmäßig nicht ausreichend, um die Beschlüsse aufzuhalten. So gewann der Gedanke an Überzeugungskraft, sich von den Verirrungen grundsätzlich zu lösen.

Im Jahr 2010 wurde die NALC gegründet. Ein kleiner, aber strahlender Sammlungsort für lutherische Christen an vielen Orten im Lande. Neben den Gemeinden, welche die NALC gegründet haben, bildete sich eine Arbeitsgemeinschaft von 700 Gemeinden, die ebenfalls aus der ELCA ausgetreten waren. Eine größere Zahl von Gemeinden schloss sich der Missouri Synode und auch der Wisconsin Synode an. Die Entscheidungen mussten mit Zweidrittelmehrheit aller Mitglieder getroffen werden. Insgesamt hat die gesellschaftliche Anpassung der ELCA einen Verlust von ca. 2 Mio. Gemeindeglieder zur Folge gehabt.

So habe ich andererseits mit Freude im Bericht des derzeitigen Bischofs Selbo (NALC) vom August 2021 gelesen, dass im Coronajahr weitere 13 Gemeinden zur NALC gekommen sind und weitere 50 Gemeinden stehen in Verhandlungen, auch bei der NALC einzutreten. Die Klarheit dieser Kirche ist für Christen, die sich zur Klarheit von Gesetz und Evangelium halten wollen, ein zentraler Grund für ihre Mitgliedschaft. Als Zentrum sehen die Kirchenleitung, die Bezirke und Gemeinden mit den Mitgliedern den Missionsauftrag des Auferstandenen. Daraus ergeben sich die Hauptziele: christuszentriert, zur Mission angespornt, in der Tradition gegründet und auf die Gemeinde konzentriert. Von diesen geistlichen Grundlinien her kann man durchaus für unsere Hausbibelkreise und Gemeinschaftsgruppen lernen.

Im Vorgespräch für dieses Interview haben Sie betont, dass Sie gern aktuelle mutmachende und glaubensstärkende Beispiele von Christen und christlichen Initiativen und Gemeinden erzählen möchten. Hier ist jetzt die Gelegenheit dazu.

In der Tat gibt es immer wieder Beispiele, die das Wirken des Heiligen Geistes erkennen lassen. Die säkulare Presse nimmt davon keine Notiz. Da bin ich froh, dass solche Hoffnungszeichen in der Wochenschrift IDEA erwähnt werden. Seit Anfang 2021 bin ich so auf eine missionarische Initiative aufmerksam geworden, die in einem Stadtteil von Brandenburg an der Havel Schritte unternimmt, um den Menschen dort das Evangelium zu bringen. Die allermeisten Einwohner (ca. 90%) leben ohne Bezug zum christlichen Glauben. Diese mutige Initiative hat mich sehr gefreut. Um den Aufbau einer Gemeinde dort zu unterstützen, habe ich eine Spendenaktion auf den Weg gebracht. Diese ergab eine schöne Resonanz. Inzwischen sind bereits 24 Mitglieder in der Gemeinde, darunter ein erfreulicher Anteil von Neugetauften. Mit dem Segen Gottes kann dieser kleine Anfang in der Zukunft zu einer größeren Gemeinde führen.

Ein anderer Typ von missionarischem Dienst ist der vor einigen Jahren gegründete Verein „pro Mission Deutschland e.V.“ Dieser unterstützt Ortsgemeinden bei der Durchführung von Evangelisationen, von Bibelwochen und christlich gestalteten Freizeiten oder von Wochenenden. Dieser Verein hat ein sehr schönes Buch mit Lebensbildern von beispielhaften Christen herausgebracht: „echt, ehrlich, ewig – Leben mit Wirkung“ (Herausgeber Matthias Rapsch / Buch beim Verein erhältlich). So kann auf persönliche Weise und auch per Buch zum christlichen Glauben hingeführt werden.

Im letzten Jahr haben Sie ein Büchlein mit dem Titel „Der Herr erquickt meine Seele“ veröffentlicht. Darf ich Sie bitten, den Aufbruch-Lesern eine kleine Zusammenfassung dieser Erquickungen aufzuschreiben?

Da ist nun auch die Brücke gebaut zu dem Geburtstagsbüchlein „Der Herr erquickt meine Seele“. Diese Schrift gehört in die Reihe der volksmissionarischen Schriften des Freimund- Verlags in Neuendettelsau. Bildlich gesprochen wollen diese geistlichen Texte zur „Ernährung“ der Seele von Gemeindegliedern beitragen. Sie sind auch für die nachgehende Seelsorge von Gemeindepfarrern gedacht. Hier in dem Titel „Der Herr erquickt meine Seele“ fällt der Begriff „erquickt“ auf. Ein kaum mehr verwendetes Wort, aber in der Heiligen Schrift doch 40mal vorkommend. In dem Wort klingt an, wie der Mensch an Leib und Seele gestärkt wird. Ein froher Mut teilt sich durch Trostworte der Heiligen Schrift mit. So auch in Psalm 23. Erquickung liegt auch in guter Tradition, wenn z.B. Familien, Ehepaare gemeinsam beten, eine Andacht halten oder wenn das Kirchenjahr mitgefeiert wird, vielleicht auch der Schmuck in der Wohnung sichtbar macht, in welcher Zeit des Kirchenjahres man gerade lebt. So hat Thomas Morus Recht, wenn er sagt: „Tradition ist nicht das Erhalten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“

Die Fragen stellte Pastor Dr. Joachim Cochlovius.

Aus: Aufbruch – Informationen des Gemeindehilfsbundes (III/2021 – November)

Der Aufbruch kann kostenlos bei der Geschäftsstelle des Gemeindehilfsbundes bezogen werden. Bitte schreiben Sie an info@gemeindehilfsbund.de.

Leseempfehlung:

Heinrich Herrmanns
Der Herr erquickt meine Seele – Betrachtungen zum Geburtstag
Freimund-Verlag, Neuendettelsau 2020, 32 Seiten, 2,40 Euro
ISBN: 978-3-9460-8354-2

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 13. Dezember 2021 um 13:38 und abgelegt unter Christentum weltweit, Gemeinde, Interview, Kirche.