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Zur Beurteilung menschlicher Obrigkeit in biblischer Sicht

Freitag 15. Oktober 2021 von Pfr. Dr. Stefan Felber


Pfr. Dr. Stefan Felber

1.      Was uns bei diesem Thema erwartet

zur Themaformulierung (Vortrag als Video: hier):

(1) „Biblisch“: Ich wollte nach meinen VortrĂ€gen in Krelingen ĂŒber „Kirche, Corona und Staat“ und in der Schweiz „Wie sich der Staat Kirchen unterwerfen kann“, und jetzt nach dem Buch „Kein König außer dem Kaiser?“ noch einmal bewußt biblisch ansetzen.
(2) „Menschlich“: Es ist nicht so leicht, beim Stichwort „Obrigkeit“ nicht je auch an den je eigenen Staat zu denken. Ich habe das Adjektiv „menschlich“ vor „Obrigkeit“ eingesetzt, damit wir nicht, jedenfalls nicht nur an unsere hiesigen Oberen denken, sondern versuchen, das GrundsĂ€tzliche zu verstehen und die Prinzipien im Blick zu behalten.
(3) „Beurteilung“: Klingt es nicht anmaßend, davon zu reden, jemanden oder eine Institution zu beurteilen? DĂŒrfen wir ĂŒberhaupt so sprechen?

Ein ganz klares Ja! Aus zwei GrĂŒnden sollte diese Frage gar nicht gestellt werden. Erstens: FĂŒr rechte Demokraten gehört Kritik der Regierung und stete Verbesserung zum TagesgeschĂ€ft, vor allem durch eine Presse, die sich gegen Bezeichnungen wie LĂŒcken- oder LĂŒgenpresse verwahrt. Und zweitens: Wenn wir biblisch, vom Schriftwort her denken wollen, gehört es ebenfalls unbedingt dazu, kritisch vom Menschen zu denken. Jesus hat vom Niederhalten der Völker durch ihre Obrigkeiten gesprochen (Mk 10,42); Paulus sagt, daß die Herrscher dieser Welt die Weisheit Gottes nicht erkannt haben (1.Kor 2,8). Warum also sollten Christen die praktische Gottesvergessenheit der Politiker unkritisch hinnehmen?

2.    Der dringende Anlaß fĂŒr das Thema

Wir erleben heute ein immer tiefer reichendes Hineingreifen des Staates in Wirtschaft, Kultur, Bildung, MobilitĂ€t, Medien, Sport, Energie, Hygiene. Obwohl zum Kern der Grundfreiheiten die Religionsfreiheit gehört –

Grundgesetz, Artikel 4:

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte (!) ReligionsausĂŒbung wird gewĂ€hrleistet.

– erleben wir in diesem Bereich seit ca. 18 Monaten erhebliche Eingriffe. Bei meinem GHB-Vortrag in Krelingen habe ich eine Liste von Ereignissen prĂ€sentiert, gesammelt vor allem aus idea, bei denen westliche Staaten (D, GB, CA) laufende Gottesdienste gestört oder unterbunden haben. Interessanterweise berichtet idea seither ĂŒber das Thema Corona bzw. Kirche und Staat praktisch nichts mehr.

Wir haben, um die Eingriffe des Staates in das Alltagsleben zu veranschaulichen, eine bedrĂŒckende Staatsquote, d.h. ein sehr hoher Prozentsatz des Wirtschaftslebens geschieht ausschließlich oder im direkten Auftrag des Staates und finanziert vor allem durch Steuern und Schuldenaufnahme. Der frĂŒhere Bundeskanzler Helmut Kohl hat gesagt:

„Bei einer Staatsquote von 50 Prozent beginnt der Sozialismus.“

Zum Vergleich: Im deutschen Kaiserreich, um 1880, lag die Staatsquote bei nur 10 %. „Im 19. Jahrhundert stieg sie wegen der EinfĂŒhrung der Sozialversicherungen durch Reichskanzler Otto von Bismarck. 1883 wurde die Krankenversicherung eingefĂŒhrt, 1884 die Unfallversicherung und 1889 die Rentenversicherung. Das Sozialversicherungssystem wurde immer weiter ausgebaut: 1927 kam die Arbeitslosenversicherung und 1995 noch die Pflegeversicherung hinzu. Die Sozialausgaben machen mittlerweile rund die HĂ€lfte aller Staatsausgaben aus.“[1] Roland Baader schrieb schon 1997 dazu: Wir haben es heute mit einem Staat zu tun,

„der neben dem MilitĂ€r, der Polizei und der Justiz – also neben seinen originĂ€ren Machtinstrumenten – das gesamte Gesundheitswesen, das gesamte Erziehungs- und Bildungswesen, die Altersversorgung der Bevölkerung, einen großen Teil der ArbeitsplĂ€tze und die HĂ€lfte der Einnahmen- und Ausgabenströme der Volkswirtschaft unter seiner Regie hat, der hat so gut wie das ganze Leben der BĂŒrger unter Kontrolle und Kuratel. Hinter dem Etikett ‚Sozialstaat‘ verbirgt sich der reine Machtstaat, der sozial maskierte Totalitarismus und der freiheitlich camouflierte Sozialismus“.[2]

Vermutlich werden wir nicht ohne weiteres zustimmen, wenn Baader Sozialstaat und Machtstaat allzu stark verbindet. Aber die Tendenz stimmt. Und tatsĂ€chlich: Unter der Regierung Merkel wurde im Jahr 2020 die von Helmut Kohl benannte Schwelle ĂŒberschritten: 51% betrĂ€gt die Staatsquote seither offiziell, und es ist praktisch ausgeschlossen, daß eine linksliberale Regierung diese Quote senken bzw. gewisse Staatsaufgaben abgeben will. In der Sicht von Helmut Kohl sind wir im Sozialismus angelangt, auch wenn bis zur 94%-Staatsquote der DDR noch ein wenig Luft ist. Was ist das Problem? „Je grĂ¶ĂŸer der finanzielle Einfluss eines Staats auf eine Volkswirtschaft ist und je mehr Personen von ihm finanziell abhĂ€ngig sind, desto grĂ¶ĂŸer ist auch sein ideologischer Einfluss auf eine Gesellschaft. Rund drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall sind auch bei uns autokratische ZĂŒge des Staats erkennbar. Besonders besorgniserregend ist dabei die EinschrĂ€nkung der Meinungsfreiheit, die die eigentliche Basis einer funktionierenden Demokratie ist.“[3] Ein immer grĂ¶ĂŸerer Anteil der deutschen Bevölkerung empfindet es bereits so, daß freie MeinungsĂ€ußerung kaum noch möglich ist. Der kĂŒrzlich erschienene Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ĂŒber eine entsprechende Allensbach-Umfrage hatte zu Recht einiges Aufsehen erregt.

Der zunehmende ideologische Einfluß ist nur eine Folge einer steigenden Staatsquote. Auch eine soziologische Folge darf nicht unterschĂ€tzt werden: Je mehr staatliche Sicherungen fĂŒr alle möglichen Gefahren des Lebens eingebaut werden, desto weniger sind die lokalen Netzwerke, besonders die Familie, in der Pflicht, mir in der Not zu helfen. Die Vereinzelung, die Individualisierung nimmt zu. Es ist paradox: Die Rufe nach Hilfe durch die staatliche Solidargemeinschaft fĂŒhren auf der lokalen Ebene zur Entsolidarisierung. Der Staat ĂŒbernimmt soziale Funktionen von Familie und Kirche. Es entstehen höhere Sozialabgaben, riesige Versicherungsgesellschaften usw., aber die Familie wird fĂŒr mein Alter, meine Arbeitslosigkeit, meine Krankheit usw. ĂŒberflĂŒssig.

In der Corona-Krise wurde der Ruf nach dem starken Staat nun ĂŒbermĂ€chtig. Wir erleben bisher ungekannt weitreichende Eingriffe in die Wirtschafts- und Religionsfreiheit. Gemeinden, Freundschaften und Familien spalten sich ĂŒber die Frage, wie vertrauenswĂŒrdig der Staat mit seinen Maßnahmen ist, und ob Widerstand angezeigt ist. Daß sich so viele darĂŒber die Köpfe heiß reden, daß sich so viele darĂŒber spalten, dĂŒrfte von oben gewollt sein, weil eine gespaltene und verunsicherte Gesellschaft weniger in der Lage ist, der eigenen Regierung kritisch gegenĂŒberzutreten.

Die Verunsicherung aber haben wir Theologen mitverschuldet. Denn wir haben ĂŒber Jahrzehnte das reiche Schriftzeugnis zur Problematik der Obrigkeit links liegen gelassen. Es wird höchste Zeit, daß wir neu anfangen zu graben und zu staunen, wie auskunftsfreudig die Bibel auch an diesem Punkt ist.

3.    Das Thema in der Bibel

a)    Überblick und Zugang

Den meisten fĂ€llt zum Thema vielleicht einfach Römer 13 ein: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt ĂŒber ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet“ usw. Mit dieser Auskunft konnte man im Westen seit 1945 schiedlich-friedlich durchkommen. Es sei noch ein letztes Beispiel aus unserer Zeit gestattet, dann aber will ich in die Welt der Bibel eintauchen.

Bei der Liberalisierung des Abtreibungsrechts diskutierte man in den 60er Jahren, ob der Staat nicht seine Aufgabe verfehlt, das menschliche Leben zu schĂŒtzen. Helmut Schmidt wies es den Kirchen zu, bei ihren Mitgliedern fĂŒr ein ausreichend klares ethisches Bewußtsein zu sorgen, und lehnte es als staatliche Aufgabe ab. An dieser Stelle hatte sich der Staat von einer aus biblischer Sicht originĂ€r staatlichen Aufgabe zurĂŒckgezogen, nĂ€mlich den Schwachen gegen den Starken in Schutz zu nehmen. Obwohl heute eine RĂŒcknahme der Abtreibungsliberalisierung nicht auf der Agenda steht, wird genau umgekehrt argumentiert: Der Staat mĂŒsse fĂŒr den Lebensschutz derart umfassend sorgen, daß massive FreiheitseinschrĂ€nkungen in Kauf zu nehmen sind. Es ist, als wĂŒrde man alle Autobahnen sperren, weil im bayrischen Wald eine Entenfamilie ĂŒber die Straße geht. Der ehemalige VerfassungsgerichtsprĂ€sident Hans JĂŒrgen Papier sieht wegen irrationalem und kopflosem Handeln das Vertrauen in die HandlungsfĂ€higkeit des Staates gerade massiv erschĂŒttert (DIE WELT 05.10.2021).[4] Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Christlichen Polizeivereinigung (CPV), Joachim Boshard (Meckenheim), berichtet, immer mehr seiner Kollegen im Polizeidienst wĂŒrden mit UnverstĂ€ndnis ĂŒber Auflagen konfrontiert, die sie durchsetzen sollen, aber teilweise selbst nicht als verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig empfinden. Die Akzeptanz des Staates und damit auch der Polizei in der Bevölkerung nehme spĂŒrbar ab. Er zitiert den Verfassungsrechtler Paul Kirchhof, der gesagt habe: „Man kann eine Gesellschaft, man kann eine Wirtschaft, man kann eine persönliche Beziehung auch zu Tode schĂŒtzen.“[5]
Die Liste könnte leicht verlÀngert werden.

Also, mit einer vereinfachten Lesart von Röm 13 haben wir Christen uns allzu lange begnĂŒgt. Doch wenn wir sehen, auf welcher Grundlage Paulus gedacht und gelehrt hat, verĂ€ndert sich die Lesart, und wir gelangen, so hoffe ich, wieder zu der Haltung der Propheten des Alten Testaments und der Apostel der Apostelgeschichte, die ihren Obrigkeiten mit Entschiedenheit und Tapferkeit entgegentreten konnten, mit Anerkennung und ebenso mit Kritik.

b)   Die Zeit vor dem Königtum Israels

WĂ€hrend nach Vorstellungen in der Umwelt Israels das Königtum bereits mit der Erschaffung des Menschen angelegt ist[6], lesen wir bei den ersten Generationen nach Adam und Eva von keinen Behörden, die fĂŒr Recht, Ordnung, Steuereinzug usw. zustĂ€ndig waren. Wenn vor dem Fall von einem Herrschen die Rede war, so nicht das von Menschen ĂŒber Menschen, sondern von den Menschen ĂŒber die nichtmenschliche Schöpfung (vgl. Ps 8). FĂŒr die Zeit nach dem SĂŒndenfall ist die Entstehung lokaler Verwaltungen anzunehmen. Kain grĂŒndete die Stadt Henoch (1.Mose 4,17). Als Problem taucht die dortige Verwaltung noch nicht auf. Sein Nachkomme Lamech prahlt mit unersĂ€ttlicher Rache, aber wie diese gebĂ€ndigt werden sollte, blieb offen.

Da fĂŒr Noah wie fĂŒr alle Menschen gilt, daß des Menschen Herz böse ist von Jugend auf (1.Mose 8,21), muß auch fĂŒr die Zeit nach der Sintflut mit Grausamkeit und Bösartigkeit gerechnet werden. Dem zu wehren, spricht Gott in 1.Mose 9,5b–6:

Und das Leben des Menschen will ich einfordern von einem jeden anderen Menschen. Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll um des Menschen willen vergossen werden; denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht.

Dieses sogenannte noachitische Gebot erfordert erstmals eine Art legitimer Gerichtsbarkeit, also eine gottgewollte Überordnung von Menschen ĂŒber Menschen, die die Strafe durchsetzen. Aber in der ganzen Genesis wird kein Anwendungsfall berichtet. Vielleicht kann man in 1.Mose 4,15 schon eine Andeutung dafĂŒr finden:

Aber der Herr sprach zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschlĂ€gt, das soll siebenfĂ€ltig gerĂ€cht werden. Und der Herr machte ein Zeichen an Kain, daß ihn niemand erschlĂŒge, der ihn fĂ€nde.

Zu einem grĂ¶ĂŸeren Problem wird das Vorhandensein der Leitung von Menschen durch Menschen beim Turm- und Stadtbau zu Babel, 1.Mose 11,4:

Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, daß wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut ĂŒber die ganze Erde.

Mit dem Argument, man könnte zerstreut werden, also die Gemeinschaft verlieren, wird ein gewaltiges Großprojekt gestartet, fĂŒr das die KrĂ€fte der Menschen gebĂŒndelt, unter einheitliche Leitung gestellt werden mußten. Dieses Projekt aber erstrebt den Himmel auf Erden und erhebt sich so gegen den einen Gott, dem allein der Himmel gehört. Der Versuch, die Gemeinschaft durch tatkrĂ€ftiges staatliches Management zu bewahren, endet mit dem Verlust der Gemeinschaft. Es ist eben dieses Muster, das sich dann wiederholt in sĂ€mtlichen staatlichen Versuchen, fĂŒr die Gemeinschaft im Volk selbst zu sorgen, statt dieser Gemeinschaft und den sie tragenden Werten ihren freien Lauf zu lassen und so davon abhĂ€ngig zu bleiben. Regierungen sind in diesem Sinne abhĂ€ngig von der Geschichtsgnade Gottes. Wollen sie diese selbst herstellen, sich also an Gottes Stelle setzen, so verlieren sie sie. Setzen sie diese jedoch voraus, dĂŒrfen sie im Segen wirken. 1964 hat der Verfassungsrechtler Böckenförde mit dem sog. Böckenförde-Theorem dem eine faßliche Gestalt gegeben: Der Staat lebt, so Böckenförde, von Voraussetzungen, die er selbst nicht schaffen kann. Leider dachte Böckenförde, dies habe sich erst in der AufklĂ€rung etabliert. Doch wenn wir genauer zusehen, entdecken wir das ĂŒberall in der Bibel, und es ist der Hauptgrund dafĂŒr, daß alle staatlichen Versuche, insbesondere das Feld der Religion zu regulieren, zum Scheitern verurteilt sind.

Harald Seubert weist außerdem darauf hin, daß Platon in seiner „Politeia“ die Trennung von Religion und Politik als zentrale Achse identifiziert. Platon lehrt, daß im Staat (in der Polis) nur die „Àußere Gerechtigkeit“ (exos praxis) gewahrt werden könne, wĂ€hrend die „innere Handlung“ (entos praxis) in der menschlichen Seele beheimatet sei. Das Ă€ußere Recht wird durch das Rechtssystem bestimmt und durch Sanktionen durchgesetzt. Die innere Gerechtigkeit ist entscheidend und grundlegend dafĂŒr, daß die Ă€ußeren Gesetze aus dem richtigen Geist erlassen und in der Rechtspflege entsprechend gehandhabt werden.[7]

Gott zerteilt dann die Sprachen, erschwert bewußt die VerstĂ€ndigung, damit es eben kein einheitliches, kein globales Durchregieren mehr gibt. Die Völker werden seither getrennt in ungezĂ€hlte StĂ€mme und Gebiete, zerteilt durch die Sprachenvielfalt, und daraus folgend durch Unkenntnis, Vorurteile, Gier und Angst voreinander. Die kleineren Einheiten sollten es nun sein, die den einzelnen Familien Heimat, kulturelle IdentitĂ€t und technische Innovation geben (Vishal Mangalwadi hat diesen Gedanken mehr entfaltet). Es sollte nicht mehr ErdenbĂŒrger geben, sondern Landeskinder, Menschen, die mit ihrer Scholle verbunden sind und diese pflegen und verteidigen.

Alle Völker aber sollten es sich gefallen lassen, durch Abraham und seine Nachkommen gesegnet zu werden. Alle Völker sollen sich demĂŒtigen vor dem Volk Israel, und ihm ihre Eigenart, ihr Land, vor allem die ihm gegebene Offenbarung zugestehen und von ihm das Wort Gottes lernen (5.Mose 4). Wo dies geschieht, wird ein Volk gesegnet, wo nicht, steht es unter einem Fluch. Wir sehen es zuerst an Ägypten. Der Pharao zur Zeit Josefs lĂ€ĂŸt sich raten von dem Mann, in dem der Geist Gottes wohnt (41,37–40), und sein Land ĂŒbersteht eine siebenjĂ€hrige Hungersnot, ja kann noch anderen von den VorrĂ€ten abgeben. Als ein Pharao aufkam, der von Josef nichts mehr wußte (2.Mose 1,8), wandelt sich alles. Israel wird nicht mehr als Segen, sondern als Gefahr wahrgenommen. Beim Versuch, es zu dezimieren, dreht sich der Spieß um gegen Ägypten selbst. Nicht die Söhne Israels sterben, sondern die Erstgeborenen der Ägypter, nicht die wenigen KriegsmĂ€nner Israels kommen um, sondern die große Armee des Pharao versinkt in den Fluten des Schilfmeers.

Als Israel am Berg Sinai ankommt, offenbart sich Gott dem ganzen Volk Israels mit den in Stein gefaßten Worten:

Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland,
aus dem Sklavenhause, gefĂŒhrt habe.

Warum war Ägypten ein Sklavenhaus? Das liegt an der Ă€gyptischen Königsideologie: Der Pharao verkĂŒndigte sich als Sohn des Sonnengottes Re. Sein ganzer Staat war mehr oder weniger zugleich seine Kirche, er der oberste Priester, der die Götter befriedigen und die gesellschaftliche Harmonie und Ordnung verwirklichen sollte (NĂ€heres siehe mein Buch)! Zwar dĂŒrfte sich bereits der Pharao zur Zeit Josefs so verstanden haben, doch war er durch seine TrĂ€ume empfĂ€nglich geworden fĂŒr den Rat und die Mitregentschaft Josefs. Der Pharao zur Zeit des Auszugs dagegen war verstockt.

Und auf diese Weise erwies Gott seine Macht gegen die Ă€gyptischen Götter des Nils, der Frösche, der Stechfliegen usw. Und es wird nicht nur die Macht Gottes als solche demonstriert! Im Mosegesetz wird dann, kurz vor dem Einzug nach Kanaan, das göttliche Gegenmodell gegen den Ă€gyptischen Kirchenstaat, gegen die Ă€gyptische Staatsreligion verkĂŒndigt: 5.Mose 17,14–20.

Jan Assmann: „Wie Ägypten als das Paradigma eines starken Staates, ja als der erste ‚starke‘ der Weltgeschichte gelten kann, so liegt das Besondere der hebrĂ€ischen Staatlichkeit in ihrer programmatischen SchwĂ€che.“[8] „Israel dagegen steht fĂŒr die Trennung von Herrschaft und Heil, entweder im theokratischen Sinne, der menschliche Herrschaft nur in untergeordneten Formen zulĂ€ĂŸt, oder im dualistischen Sinne, der in der Zwei-Reiche-Lehre gipfelt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit fundieren die königskritischen Texte der Bibel einen Widerstand gegen das Königtum, der nicht nur einzelnen, vom Gesetz abweichenden Herrschern gilt, sondern der Institution Königtum ĂŒberhaupt.“[9]

Daß es sich um ein „Gegenmodell“[10] gegen die Ă€gyptische Zivilreligion handelt, davon bekommt der durchschnittliche Theologiestudent nichts mit. Denn in der akademischen Exegese werden die Texte seit 200 Jahren[11] in ganz andere Zeiten verlegt, als sie selbst beanspruchen! Sie werden nĂ€mlich als Reaktion auf negative Erfahrungen mit dem Königtum eingeordnet.[12] Wenn das 5.Buch Mose erst zur Zeit des Königs Josia, im spĂ€ten 7. Jahrhundert vor Christus (und in Teilen noch spĂ€ter) geschrieben wurde, um die Reform Josias zu rechtfertigen oder zu begrĂŒnden (anstatt sie anzustoßen, wie wir in 2.Kön 22 lesen), dann ist die Folie, vor deren Hintergrund das Königsgesetz verstanden wird, nicht mehr der Ă€gyptische Machtstaat, sondern das spĂ€te Juda vor dem Exil, oder eben noch spĂ€ter die exilisch-nachexilische Zeit. Die Folge fĂŒr die Auslegung ist verheerend: Bei einer Datierung in die spĂ€te Königszeit kommt nĂ€mlich das Bild eines starken Königs heraus, der sich die Gesetzestexte so zurechtschreibt, wie er sie braucht (er oder seine Priester). Das Bibelwort gilt in der historisch-kritischen Sicht a priori als Knetmasse menschlicher (Partikular)Interessen. Dem Dilemma kann man dadurch zu entkommen suchen, daß man das Königsgesetz erst in die exilische Zeit datiert, also behauptet, es sei eine nachtrĂ€gliche Kritik am Königtum und seinen Verfehlungen. Doch das verschĂ€rft den Widerspruch: Denn dann haben sich nicht Könige, sondern Priester oder sogar sonstige Menschen erlaubt, am göttlichen Gesetz herumzuschreiben. Sie haben ins Gesetz geschrieben, man mĂŒsse das vorgegebene Gesetz achten („wie es den levitischen  Priestern vorliegt“, 5.Mose 17,18), ja man dĂŒrfe nichts Ă€ndern (4,2; 13,1) – und zugleich haben sie das Gesetz ihren WĂŒnschen angepaßt!

So bleibt der Zirkelschluß: Diese Art „Exegese“ bestĂ€tigt nur, was sie schon vorausgesetzt hat. Ist das Bibelwort nur Menschenwort, dann gibt es nur Staats- oder Zivilreligion. Ist das Bibelwort aber Wort Gottes, so kann es ein seine Aufgabe als kritisches GegenĂŒber zu den menschlichen Eigeninteressen, auch im Staat, erfĂŒllen.

Ein anderes Bild entsteht also, wenn man das Königsgesetz in dem Kontext belĂ€ĂŸt, der von der Bibel her gegeben wird, nĂ€mlich als Gesetz des Mose vor dem Einzug nach Kanaan. Mose stellt dem Volk nĂ€mlich das Bild eines schwachen Königs vor Augen, dessen einzige positive Aufgabe darin besteht, sich eine Abschrift des Gesetzes zu machen und tĂ€glich darin zu lesen! Ja mehr noch: Das Mosegesetz legt nicht einmal fest, ob Israel ĂŒberhaupt einen König braucht. Die anderen Ämter wie Richter, Priester und Propheten sind nötig, aber der König, wenn es denn einen gibt, sollte möglichst schwach sein: militĂ€risch schwach (nicht viele Rosse), wirtschaftlich schwach (nicht viel Gold und Silber sammeln) und politisch schwach (nicht viele Frauen haben = eingeschrĂ€nkte Heiratspolitik). Wenn das Königsgesetz ernstgenommen wird, hat ein möglicher menschlicher König keine Funktion in der Rechtssetzung, eher in der Rechtsprechung (Salomo bei den Huren u.a.).

Fazit: Die in den Landeskirchen und an den UniversitĂ€ten ĂŒbliche SpĂ€tdatierung erzeugt somit das genaue Gegenteil der eigentlichen Textaussage. Man hĂ€tte auf Assmann hören sollen. Er schließt seine Besinnung auf die politische Theologie zwischen Ägypten und Israel mit den mahnenden Worten:

„Trotzdem kommt alles darauf an, die geschichtlich gewordene Differenz zwischen Herrschaft und Heil aufrechtzuerhalten. Im vollen Bewußtsein der ursprĂŒnglichen Einheit und der zahllosen Querverbindungen zwischen Religion und Politik gilt es, die Unterscheidung festzuhalten, die den Sinn des Auszugs aus Ägypten bildet, und die Freiheit nicht aufzugeben, die auf der Differenz, der Nichtgleichschaltung beruht.“[13]

c)    Der Übergang und die Zeit des Königtums im alten Israel

Aus der Richterzeit nur dieser Hinweis: Solange noch der Glaube an Jahwes Eingreifen prÀsent war, hielt Gideon fest (Ri 8,23):

Ich will nicht Herrscher ĂŒber euch sein, und mein Sohn soll auch nicht Herrscher ĂŒber euch sein, sondern der Herr soll Herrscher ĂŒber euch sein.

Dann, am Ende der Richterzeit, stellt der ErzÀhler fest (17,6; 21,25):

Zu der Zeit war kein König in Israel; jeder tat, was ihn recht dĂŒnkte.

Hier bahnt sich an, daß das schwindende Einheitsbewußtsein, das Abnehmen des GemeinschaftsgefĂŒhls, am Ende doch eine neue Institution nötig erscheinen ließ, einen starken Mann, hinter dem man sich versammeln und gemeinsam kĂ€mpfen könnte. So kam es dann in den SamuelbĂŒchern. Gott wertet den Wunsch des Volkes nach einem König wie ihn alle Heiden haben (1.Sam 8,5.20), so:

6 Das mißfiel Samuel, daß sie sagten: Gib uns einen König, der uns richte. Und Samuel betete zum Herrn. 7 Der Herr aber sprach zu Samuel: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, daß ich nicht mehr König ĂŒber sie sein soll. 8 Sie tun dir, wie sie immer getan haben von dem Tage an, da ich sie aus Ägypten fĂŒhrte, bis auf diesen Tag, daß sie mich verlassen und andern Göttern gedient haben. 9 So gehorche nun ihrer Stimme. Doch warne sie und verkĂŒnde ihnen das Recht des Königs, der ĂŒber sie herrschen wird.

Und dieses Königsrecht fiel dann doch anders aus als es im 5.Buch Mose vorgesehen war: Ein König, der Söhne und Töchter aus dem Volk fĂŒr seinen Hof nehmen wĂŒrde, der neben dem Zehnten fĂŒr die Leviten auch noch einen Zehnten fĂŒr Hof und BĂŒrokratie einziehen wĂŒrde usw. Das Volk aber besteht auf seinem Wunsch. Immerhin ist dieser Wunsch an den Propheten Samuel gerichtet, also an Gott, und Gott gibt ihnen tatsĂ€chlich einen König: Saul. Manchmal werden Gebete auch zum Schaden erhört! Samuel schrieb das (neue) Recht des Königs in ein Buch und legte es vor dem Herrn nieder (1.Sam 10,25).

Saul hatte zunĂ€chst praktisch nichts, was einen heutigen Staat ausmacht, keine Verwaltung, keinen Hofstaat. Die Bezeichnung „König“ ist fĂŒr ihn eher eine Übertreibung. Er war eher eine Art HĂ€uptling, ein militĂ€rischer FĂŒhrer und dabei durchaus erfolgreich. Die Gefahr der Überbesteuerung wurde erst spĂ€ter akut (sie fĂŒhrte bei Rehabeam mitursĂ€chlich zur Reichsteilung). Was aber sofort ins Auge fĂ€llt, ist die Instrumentalisierung des Kultes. Als das Ansehen Sauls beim Volk schwindet, als er also seine ReprĂ€sentations- bzw. Identifikationsfunktion nicht mehr wie gewĂŒnscht wahrnehmen konnte, griff er nach der Religion. Er wollte nicht auf den Propheten warten, sondern brachte selbst ein Opfer dar (1.Sam 13). SpĂ€ter erwartete er vom Propheten, von diesem vor den Ältesten des Volkes geehrt zu werden (1.Sam 15,30). Samuel, der Prophet, sollte den König vor dem Volk ehren! Dabei hĂ€tte es umgekehrt sein mĂŒssen: Der König hĂ€tte seine Energie auf die Lesung und Einhaltung des (fertig abgeschlossenen) Gesetzes im Volk verwenden mĂŒssen. Denn nicht der König, nicht der Staat sollte ĂŒber die legitime Religion entscheiden, sondern der Prophet und der Kult ĂŒber den legitimen König. Nicht der soll König sein, der es selbst will (siehe etwa Absalom und Adonija), sondern der, den der Herr erwĂ€hlt. Darum treten Propheten auf: Bei der Berufung Davids der Prophet Samuel, bei der Berufung Salomos der Prophet Nathan zusammen mit dem Priester Zadok (1.Kön 1).

Mit der Errichtung des Königtums in Israel entsteht ein zweites (Macht)Zentrum. Das Wechselspiel zwischen Königtum, Priestertum und Propheten bestimmt fortan die ganze Geschichte Israels und wird in mancher Hinsicht modellhaft bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 1806 (bzw. 1918).

Nach Gottes weiser Geschichtslenkung wird es gerade die Spannung zwischen den Institutionen König und Kultus, Kaiser und Papst sein, die einmal zum freiheitlichen Staat fĂŒhren wĂŒrden. Die Anlage dafĂŒr haben wir im Alten Testament. Zentral ist dabei die Beobachtung, daß der König nur auf göttliche Veranlassung in Kult und Tempel eingreifen sollte. Als etwa David einen Tempel bauen wollte, wird der Wunsch zurĂŒckgewiesen: Nein, nicht du baust mir ein Haus, sondern ich baue dir ein Haus, nĂ€mlich die davidische Dynastie (2.Sam 7,12–14; vgl. 1.Sam 16,13). Als König Usija in den Tempel ging, um zu opfern, wurde er von Gott mit Aussatz bestraft (2.Chr 26).

Das göttliche Versprechen, daß immer ein Nachkomme Davids auf dem Thron in Jerusalem sein wĂŒrde, macht das Königtum zu einer festen und gottgewollten GrĂ¶ĂŸe, die trotz aller SĂŒnde und Verlotterung zusammen mit dem Priestertum und dem Prophetentum auf die Ämter Jesu Christi vorausweisen, unseren König, Priester und Prophet! (Lied: „Jesus Christus herrscht als König“).

Einen Eingriff in das religiöse Leben war dem König nur göttlicher Veranlassung legitim: Salomo war zum Tempelbau bereits bestimmt, bevor er geboren wurde (2.Sam 7). Und David ĂŒbergibt seinem Sohn sogar einen Plan fĂŒr den Tempelbau, geschrieben von der Hand Jahwes selbst; 1.Chr 28,19:

Das alles steht in einer Schrift, gegeben von der Hand des Herrn, der mich unterwies ĂŒber alle Werke des Plans.

Zudem soll der Tempel, den Salomo baut, nicht dem Ruhm des königlichen Namens dienen, sondern als Wohnung fĂŒr den Namen Jahwes. Keine Pyramiden wie fĂŒr einen Pharao! Keine Spur von einem Totenkult, weder Göttlichkeit zu Lebzeiten noch eine postmortale Vergottung. Von Anbeginn an: Der König war nur ein Mensch, genommen „aus deinen BrĂŒdern“, ja vom Staub (1.Kön 16,2 an Bascha), war ein SĂŒnder, blieb ein SĂŒnder. Nur ein politisch, militĂ€risch und religiös schwacher König, nur eine schwache Regierung neben einer starken Kirche garantiert die Freiheit des Volkes.

Vom ersten Nachfolger Salomos an, und verschĂ€rft im Nordreich, lesen wir vom Problem, daß der König lieber nicht schwach sein will, sondern seine Hand immer wieder an die Religionspolitik legt, teils pluralistisch Jahwe mit den Baalen vermischt, teils die Baale bevorzugt. Staatlich gelenkte Religion, also das, was J.-J. Rousseau Zivilreligion nannte, ist fĂŒr die Propheten ein Greuel. Denken wir an den Propheten Elia gegen König Ahab, den Propheten Ahija gegenĂŒber König Jerobeam, den Propheten Jesaja gegenĂŒber Ahas, den Propheten Jeremia gegenĂŒber König Zedekia usw. usw. Alle diese Propheten haben die Einsetzung des Königs in sein Amt nicht bestritten, aber die Könige scharf zurechtgewiesen und unter das Gericht Gottes gestellt.

Die Apostel konnten, als ihnen das Zeugnis von Jesus verboten wurde, nichts anderes tun als zu bekennen: „Urteilt bei euch selbst, ob es recht ist, euch mehr zu gehorchen als Gott.“ „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

d)   Ende und Wiedergeburt des alttestamentlichen Königtums

Die Geschichte Israels lehrt, daß das Gesetz heilig, gerecht und gut ist, der Mensch aber unheilig, ungerecht und verdorben. Wie kein Mensch das Gesetz halten konnte, so konnte auch kein König das Königsgesetz halten. Die menschlich-sĂŒndhafte Gier nach Macht, Ansehen, Geld und Sex sind zu groß. Daher hat Gott durch die beiden WegfĂŒhrungen im 8. und 6. Jh. v.Chr. das Königtum in seinem Volk einerseits wieder abgeschnitten, hĂ€lt aber andererseits an seinem Versprechen fest, daß ein Nachkomme Davids auf dem Thron sitzen wĂŒrde. Das erfĂŒllt sich in Jesus Christus. Als wahrer Mensch und wahrer Gott sucht er nicht das Leben und das Vermögen seines Volkes fĂŒr sich zu verbrauchen, sondern verbraucht sich selbst fĂŒr die Seinen. Er ist der König, der sich erniedrigt, um andere zu erhöhen.

e)    Jesus Christus und die Mission

Beim Prozeß Jesu wird das Problem einer Obrigkeit schlaglichtartig deutlich, die sich nicht vor Gott verantworten muß: Pilatus fĂŒrchtet nicht Gott, sondern das Volk. Er findet keine Schuld an Jesus und hĂ€tte ihn daher nach Recht und Gesetz freigeben mĂŒssen, aber er verfĂ€hrt willkĂŒrlich. Er ist, wie Oswald Spengler sagte, der Mensch der Wirklichkeit, dem in Jesus der Mensch der Wahrheit entgegentritt.[14]

Apg: Siehe das Buch „Kein König außer dem Kaiser?“, S. 99–103. Dort finden sich auch positive Beispiele fĂŒr eine Obrigkeit, die sich fĂŒr eine religiöse Streitfrage fĂŒr unzustĂ€ndig erklĂ€rt.

Röm 13: Siehe ebenfalls dort S. 103–115. Zusammengefaßt: Die Obrigkeit ist von Gott eingesetzt, aber als seine Dienerin, und das kann sie nur sein, wenn sie Gottes Gesetz dient 


Offb 13: S. 115–123; außerdem KĂŒnneth: Politik ist immer zwischen Röm 13 und Offb 13 zu sehen. Politisches Handeln ist nicht bloß eine technische und planmĂ€ĂŸige DurchfĂŒhrung des öffentlichen Lebens, „sondern immer zugleich eine Deutungsaufgabe“ (S. 21) – dies fĂŒr den Politiker, der sein Handeln in der Demokratie erklĂ€ren muß, zugleich aber fĂŒr Christen die Frage des Bezugsrahmens: Handelt die Obrigkeit als Dienerin Gottes oder des Teufels? Achtet sie ihre Grenze oder versucht sie, auch jenseits ihrer originĂ€ren Aufgaben, fĂŒr Frieden und Recht zu sorgen, Macht zu gewinnen? Bei dieser Deutung werden sich Christen naturgemĂ€ĂŸ nicht immer einig sein. Die Aufgabe bleibt gleichwohl bestehen. Als Maßstab ist in erster Linie der Dekalog (Röm 13,8–10) und ihr VerhĂ€ltnis zur christlichen VerkĂŒndigung zu sehen.

Mission und Staat(sform)

Daraus folgt auch die große Bedeutung der Mission fĂŒr den Gang der allgemeinen Geschichte. Wenn die Mission das ist, was den Antichristen bzw. den Menschen der Gesetzlosigkeit nach 2.Thess 2,6f. (so jedenfalls die Interpretation von Cullmann) noch aufhĂ€lt, dann ist eine Obrigkeit, die Gottesdienst und VerkĂŒndigung behindert, per se mehr im Horizont der zerstörerischen MĂ€chte als der guten ordnenden MĂ€chte zu deuten.

Die Mission sammelt die Gemeinde des Neuen Bundes aus allen Völkern. Sie ĂŒberschreitet die Sprach- und Volksgrenzen und hat keine Veranlassung mehr, von sich aus das Königtum oder sonst irgendeine Staatsform vorzuziehen. Die Ämter in der Gemeinde werden sorgfĂ€ltig anders benannt als die staatlichen Ämter: Presbyter/Älteste, Diakone, Bischöfe, aber niemals Könige, Minister, Statthalter, Richter, Polizisten usw. Es gibt keinen Auftrag an die Gemeinde zum Umsturz oder zum Ersatz einer Regierung. Denn jede Regierung ist einerseits als Institution von Gott eingesetzt, um Gott zu dienen. Andererseits sind es sĂŒndhafte Menschen, die das Gesetz Gottes oft nicht oder kaum kennen und ihm nicht dienen können.

Der rechte Gehorsam

So sind beide Testamente sehr beredt darin, aufzuzeigen, daß und warum man Gott mehr gehorchen soll als den Menschen, Gott mehr vertrauen soll als den FĂŒrsten (Ps 118; 146 u.a.). Wie im Alten Testament: Nicht Götter sitzen in den PalĂ€sten, sondern Menschen, und die sind fehlbar und mĂŒssen kritisiert werden, sonst bleiben sie in ihren IrrtĂŒmern. Es gehört zum Liebesdienst der Gemeinde, der Welt nicht nur die Liebe Christi zu bezeugen, sondern auch, daß der Schöpfer und Erhalter ein gesegnetes Leben und Weben an die 10 Gebote gebunden hat. Die Obrigkeit ist nach Römer 13 von Gott eingesetzt. Sie hat nach Paulus eine klare Aufgabenbestimmung, nĂ€mlich Recht und Friede durchzusetzen. Nur dazu trĂ€gt sie das Schwert. Das Recht: Sie soll den Schwachen, der vom Starken ĂŒbervorteilt wird, schĂŒtzen; verallgemeinert: Leben, Ehe, Eigentum, Wahrheit, Ehre und Besitz sind ihr zum Schutz anbefohlen. Das Schwert: Zum Durchsetzen des Schutzes nach innen und des Friedens nach außen ist ihr – und ihr allein – das Schwert gegeben. Wir sprechen vom „Gewaltmonopol“ des Staates.

Wir haben es heute oft mit einem Christentum zu tun, das nur das Evangelium, aber kein Gesetz bekennen will. Die Folge liegt auf der Hand: Die Welt versinkt in Vorurteilen und IrrtĂŒmern. Es sollte nicht wundern. Vom Staat werden in einer abgleitenden Demokratie (in der die kritischen GegenĂŒber sukzessive ausgeschaltet werden) alle möglichen neuen Aufgaben erwartet. Immer mehr Lebensbereiche sollen vom Staat abgesichert werden. So wĂ€chst nicht nur die Staatsquote. So wĂ€chst der Staat ĂŒber seine gottgegebenen Aufgaben hinaus und wird potentiell zum DĂ€mon. Wenn der Staat etwa beginnt, immer mehr neue Verbindungen als Ehe zu definieren, so verfehlt er sein Wesen als Vollzieher der göttlichen Gerechtigkeit. Wenn Kindstötung und Selbstmord immer weiter erleichtert, ja wirtschaftlich attraktiv werden, oder wenn die Definition von Mann und Frau abgelöst wird von unserer leiblichen Gestalt, so vergeht sich der Staat am Schöpfer. Er schadet insbesondere der nĂ€chsten Generation, die in eine tiefe Unsicherheit ĂŒber sich selbst stĂŒrzt: Beim Blick auf den eigenen Körper kann nun ein MĂ€dchen, ein Junge nicht mehr sicher sein, daß dieser eigene Blick auch die Wahrheit ĂŒber sein Geschlecht mitteilt. Welch eine Verunsicherung fĂŒr den einzelnen und fĂŒr das Gemeinwesen ĂŒberhaupt!

Im neuen Jerusalem schließlich werden derlei Zweifel beseitigt sein. Die Geretteten werden mit Christus herrschen, heißt es in Offb 20,4+6; sie werden sogar ĂŒber Engel richten (1.Kor 6,2). Damit kommt das ursprĂŒngliche Herrschen des Menschen ĂŒber die Schöpfung, das durch den Fall zur Unterjochung und Ausbeutung wurde, zu seinem letzten, großen Ziel.

Mehr ĂŒber die neutestamentlichen Aspekte des Thema in meinem Buch!

4.    Fazit: Biblische Kriterien fĂŒr eine gute Staatsform

  1. Regierungen bestehen nicht aus Göttern oder Halbgöttern, die unangreifbar ĂŒber dem Volk schweben, sondern aus fehlerhaften Menschen, die ebenso Respekt verdienen wie sie Kritik nötig haben.
  2. Diejenige Regierung ist die beste, die nicht fĂŒr sich selbst regiert und Steuern einzieht, nicht stĂ€ndig um Ansehen und Einfluß besorgt ist, sondern selbstlos fĂŒr das Volk da ist.
  3. Nur diejenige Regierung ist stabil, die auf Recht und Gerechtigkeit bedacht ist, wie es beim Thron des Messias nach Jes 9 heißt: „gestĂŒtzt durch Recht und Gerechtigkeit“. NatĂŒrlich kann dies kein beliebiges, von Menschen gemachtes Recht sein, sondern das Recht Gottes, das vorgĂ€ngig in der Heiligen Schrift niedergelegt ist.
  4. Ein sĂŒndiger Mensch kann diese Anforderungen nicht erfĂŒllen, sondern nur ein König: Jesus Christus, der Sohn Gottes.
  5. Solange Jesus Christus nicht zurĂŒckgekommen ist, werden SĂŒnder an den Schaltstellen sitzen.
  6. Darum bleibt diejenige Staatsform die beste, die die Regierung am effektivsten an die Kandare nimmt (Gewaltenteilung bzw. checks and balances, USA), und diejenige Regierung ist aus christlicher und jĂŒdischer Sicht zu bevorzugen, die die Finger von der Religion lĂ€ĂŸt, die ihre Angewiesenheit auf Wertevermittlung durch die Familie und durch freie, nichtstaatliche ZusammenschlĂŒsse, darunter vor allem die Kirche Jesu, anerkennt und wĂŒrdigt.
  7. Mit alledem wird deutlich, wie gut wir Christen es unter dem König Jesus Christus haben, der unser Guter Hirte ist, der uns die Liebe des Vaters im Himmel zeigt, ja erwirkt und zugĂ€nglich macht. Was fĂŒr ein guter Herr! Er wĂ€re das perfekte Modell einer Regierung, die dem Dekalog den gebĂŒhrenden Raum gibt, der Barmherzigkeit ĂŒbt, die Schöpfung, das Eigentum, die Ehre, die Ehe und die Heiligkeit des Lebens achtet.
    1000jÀhriges Reich!?!
  8. Ist das in der Demokratie möglich? NatĂŒrlich ja. Dennoch ein zweifaches Aber:
    a) Wir wissen: Die Kontrolle der Regierung kann auch in der Demokratie ausgehebelt werden und wurde es vielfach auch; wie Horst Seehofer mit resignierendem Achselzucken sagte: „Die GewĂ€hlten haben nichts zu entscheiden, und die, die entscheiden, sind nicht gewĂ€hlt“.
    b) Auch in einer Monarchie sind Formen der Kontrolle zwischen Legislative und Exekutive denkbar.
  9. Wollen wir einen König, wie ihn alle Heiden haben?
    Das wÀre ein König oder eine Gruppe, die selbstherrlich vorangeht und in alle Bereiche des Lebens hineinregiert. So haben ihn alle Heiden. Und die Herrscher dieser Erde halten ihre Völker nieder, sagt Jesus in Mk 10:

42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wißt, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre MĂ€chtigen tun ihnen Gewalt an. 43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; 44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. 45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und sein Leben gebe als Lösegeld fĂŒr viele.

5.    Beispielhafte Anwendungen auf aktuelle Problemfelder

  1. Der Ruf nach einem starken König kehrt heute in anderer Gestalt wieder: ich denke an die Globalisierung. Um die Gesundheits- oder Klimakrise zu bewĂ€ltigen, sollen immer mehr Kompetenzen von unten nach oben verschoben werden, auch in der Schweiz: „The Great Reset“ (Klaus Schwab).
    In immer weniger HĂ€nden soll sich so immer mehr Einfluß konzentrieren; denken wir an die EuropĂ€ische Union oder derzeit an die WHO. Es gehört bereits zu den sogenannten Gemeinschaftsstandards von Youtube, daß keine Behauptungen veröffentlicht werden dĂŒrfen (bzw. solche werden gelöscht), die nicht mit der WHO und lokalen Behörden ĂŒbereinstimmen:

 

(Youtube-Screenshot[15])

Wenn hier nicht nur die WHO, sondern auch lokale Behörden genannt sind, bedeutet das, daß diese unmittelbar Zensur ausĂŒben oder anordnen mĂŒssen – ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz, wo es in Art. 5 Abs. 1 heißt:

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu Ă€ußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugĂ€nglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewĂ€hrleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Mit dem sog. Netzwerkdurchsetzungsgesetz wurde aber der Zensur, die zwar von privater Hand durchgefĂŒhrt, aber von der Regierung in Auftrag gegeben wird, der Weg geebnet.

  1. Der Verfassungsschutz beobachtet heute Querdenker und andere kritische Gruppen wegen des Verdachts auf Delegitimierung des Staates. Es ist jedoch nicht die Kritik der Maßnahmengegner, die zu einer Delegitimierung der Regierung nach demokratischen MaßstĂ€ben fĂŒhrt, sondern ihre GesprĂ€chsverweigerung der Regierungen bzw. die Verweigerung der öffentlich-rechtlichen Medien gegenĂŒber kritischen Medizinern und Wissenschaftlern.[16] Die Achterbahnfahrt zu Beginn der Corona-Krise, deren notorische GesprĂ€chsverweigerung zeigt ihre Verachtung demokratischer Standards und stĂ¶ĂŸt mehr Demonstrationen an, als sie sonst vermieden hĂ€tten.
    Nachdem bis Anfang 2020 das Maskentragen sehr im Zweifel stand und selbst von Herrn Drosten im Fernsehen gesagt wurde, die Daten fĂŒr das Maskentragen seien nicht gĂŒnstig, wurden dann im Laufe der Krise neue Studien in Auftrag gegeben, die das Gegenteil behaupteten (so Dr. Wodarg). Das Ministerium Spahn vergeudete Millionen von Euro beim Einkauf unbrauchbarer Masken, Abgeordnete bereicherten sich.
    Ich verweise auf einen fĂŒnfminĂŒtigen Video-Zusammenschnitt mit einigen (Selbst)WidersprĂŒchen von Politikern (Spahn, Drosten, Wieler).[17]Heute sind Zertifikat und Maskentragen mehr zum Symbol fĂŒr Gehorsam und Anpassung geworden als zu einem medizinisch notwendigen StĂŒck Papier bzw. Stoff.
    Das Problem ist nicht, daß Politiker nicht irren dĂŒrfen. NatĂŒrlich haben sie immer nur einen begrenzten Stand der Erkenntnis zur VerfĂŒgung. Anfang 2020 mag der Erkenntnisgrad noch niedrig gewesen sein. Aber spĂ€testens im April 2020 wußte man viel mehr, gab es Studien ĂŒber die Problematik der Lockdown-Maßnahmen usw. Dennoch wurde nicht umgesteuert. Alles lief auf die Impfung hinaus.
  2. Die Behauptung einer asymptomatischen Krankheit macht den Ausnahmezustand zum „neuen Normal“.
    Hier muß man plötzlich der Regierung mehr glauben als dem eigenen Verstand und dem eigenen KörpergefĂŒhl. Jeder ist jetzt potentiell krank, auch wenn er sich nicht so fĂŒhlt. Jeder muß sich impfen lassen, denn plötzlich ist jeder eine Gefahr. Nichtgeimpfte werden auf vielfĂ€ltige Weise stigmatisiert oder ausgesperrt.
  3. Die Impfung richtet weltweit gesundheitliche SchĂ€den an, die „Endzeit-Dimensionen“ annehmen oder annehmen können.[18] Wie viele Impftote es bereits gibt, weiß nur Gott (die Mehrzahl der Impftoten wird wegzensiert und verschwiegen), viele Geimpfte haben SchĂ€den schon kurz nach der Impfung[19], und das Ausmaß der LangzeitschĂ€den lĂ€ĂŸt sich erst erahnen (Autoimmunerkrankungen inkl. Diabetes, Krebs, HerzschwĂ€che … nebenbei alles Krankheitsgebiete, auf denen die Pharma-Industrie aktuell die grĂ¶ĂŸten Gewinne durch neue Medikamente einfĂ€hrt; aber das ist vermutlich nur ein ‚Nebeneffekt‘, denn es geht letztlich nicht um Geld, sondern um Macht).
    Nicht ausgeschlossen ist, daß die Impfung MĂ€nner und Frauen teilweise unfruchtbar macht, und daß GenverĂ€nderungen bleiben. Rechnet man noch die fĂŒr die Impf-Testung und -Herstellung getöteten Embryonen dazu, wird die Ungeheuerlichkeit des Ganzen sichtbar: Menschenopfer.[20]

SpĂ€testens hier wird klar, daß das Ganze eine geistliche Tragweite hat, der wir uns nicht verschließen können. Jeder Götzendienst fordert letztendlich Menschenopfer und raubt den Menschen die von Gott gegebene Freiheit. In Genesis 6 lesen wir, daß der Teufel es schaffte, die Menschheit genetisch zu verderben, worauf Gott die Sintflut kommen ließ. Nun scheinen wir so weit zu sein, daß man unsere Gene verĂ€ndern, ein- oder ausschalten kann – letzteres ist vermutlich ‚technisch‘ jetzt schon möglich durch einige Milliliter einer Injektionslösung. Auch die angestrebte (wenn auch noch nicht erreichte) Verschmelzung von Mensch und Technik hĂ€tte zur Folge, daß der freie Wille des Menschen, sein Wesen und sein Denken von außen her verĂ€nderbar wĂŒrden. Hier wird Gott in seine Schöpfung gepfuscht, und das nicht irgendwo: Nichts Geringeres als sein Ebenbild, der Mensch, soll verzerrt, manipuliert und zerstört werden. Wie lange wird Gott das zulassen?

  1. Wir können den Lauf der Endzeitereignisse nicht aus eigenem Willen hindern. Nur aus dem Willen Gottes: Dem Antichrist steht noch immer die Gemeinde Jesu im Weg, in der der Heilige Geist auf Erden gegenwĂ€rtig ist und wirkt. Schon allein durch unser Bestehen sind wir dem Bösen ein Hindernis. Das ‚divide et impera‘ (teile und herrsche) der MĂ€chtigen macht aber auch vor unserer TĂŒr nicht Halt und versucht, die Einheit des Leibes Christi zu stören. Heikle Punkte scheinen mir diesbezĂŒglich:
    – Die Frage nach ‚geimpft‘ oder ‚ungeimpft‘: Diese Frage dĂŒrfte keinen Platz erhalten, außer im vertraulichen Kontakt, z.B. bei persönlichen Fragen, oder in einer Notlage. Es gibt keinen Unterschied zwischen geimpften und ungeimpften GlĂ€ubigen, alle sind gleichwertige Mit-Glieder des Leibes Jesu Christi. Das Zertifikat hat in der Gemeinde Christi definitiv nichts verloren. Es wĂ€re ein eklatanter Widerspruch, zum Tisch des Herrn nur solche GlĂ€ubige zuzulassen, die ihr Staatsvertrauen durch einen Impfnachweis bezeugen. „Verlasset Euch nicht auf FĂŒrsten, sie sind Menschen, die können ja nicht helfen!“ (Ps 146,3)
    – Der Dienst nach ‚innen‘ und der Dienst nach ‚außen‘: Beides sind keine GegensĂ€tze, sondern bedingen einander: die Menschen, die bei StraßeneinsĂ€tzen zum Glauben finden, brauchen eine Heimat in einer Gemeinde, ebenso brauchen die, die ‚outdoor‘ wirken, die StĂ€rkung durch ihre Geschwister; umgekehrt brauchen die Teams auf der Straße UnterstĂŒtzung aus dem Innern der Gemeinde.
    – Die Frage, ob ‚der Christ‘ sich hier engagieren mĂŒsse (und ob jeder das mĂŒsse), kann zur Streitfrage werden und entzweien. Jesus ist das Haupt, er gibt den Gliedern ihre AuftrĂ€ge, die so oder so aussehen können. Den einen treibt das Gewissen, sich politisch zu engagieren, ein anderer wird in seinem Innersten von Gottes Mitleid so bewegt, daß er sozial aktiv wird, ein dritter erhĂ€lt ganz andere Aufgaben, zum Beispiel im Gebet. Und wem stĂ€nde es an, hier zu richten? Wir sind alle Teil des Leibes Christi, ob Lehrer oder Evangelist, ob Hirte oder Prophet oder 
 Die aktuelle Not bringt uns ins Bewußtsein, daß wir als Leib zusammengehören, ĂŒber alle Denominationen hinweg: wir brauchen einander.
  2. Unter wachen Christen werden derzeit vor allem zwei Optionen diskutiert: Die Benedikt-Option (Rod Dreher) und die Daniel-Option (Peter Bruderer u.a.).
    Meine EinschĂ€tzung lautet: Solange der Staat noch eine Spur Beweglichkeit zeigt, solange er noch nicht ganz in den Öko-Sozialismus abgeglitten ist, sollten wir aktiv mitleben wie Daniel, Josef, Mordechai und Esther, zugleich aber die kleinen Kreise zu verschworenen Gruppen schmieden wie Benedikt.

Pfr. Dr. S. Felber (www.stefan-felber.ch), Vortrag am 10. und 13.10.2021

Hier geht es zum Videovortrag auf Youtube.

Wir empfehlen das neue Buch von Pfr. Dr. Stefan Felber:
Kein König außer dem Kaiser?
Warum Kirche und Staat durch Zivilreligion ihr Wesen verfehlen
Freimund-Verlag, Neuendettelsau 2021
ISBN: 978-3-946083-60-3
244 Seiten
14,80 Euro

Das Buch kann hier bestellt werden.

 

 

6.     Literatur

Assmann, Jan (Hg.): Politische Theologie zwischen Ägypten und Israel, Themen der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung Bd. 52, MĂŒnchen 42017, 131 S.

Bruderer, Peter: https://danieloption.ch/

Felber, Stefan: Kein König außer dem Kaiser? Warum Kirche und Staat durch Zivilreligion ihr Wesen verlieren, Neuendettelsau 2021, 244 S.

Felber, Stefan: Diverse VortrÀge und Manuskripte zu Àhnlichen Themen unter www.stefan-felber.ch/downloads,
darunter https://www.gemeindenetzwerk.de/?author=207.
Siehe den den Abschnitt „VortrĂ€ge im Internet“ (auch Audio/Video) unter https://www.stefan-felber.ch/publikationen (fast ganz nach unten scrollen!).

Dreher, Rod: Die Benedikt-Option. Eine Strategie fĂŒr Christen in einer nachchristlichen Gesellschaft, Kißlegg: fe-medien, 2019, 408 S.

Dreher, Rod: Live not by Lies. A Manual for Christian Dissidents, New York 2020, 256 S. (vgl. hierĂŒber https://theoblog.de/rod-dreher-ein-handbuch-fuer-christliche-dissidenten/36679/?highlight=dreher).

KĂŒnneth, Walter: Politik zwischen DĂ€mon und Gott. Eine christliche Ethik des Politischen, Berlin 1954, 616 S.

KĂŒnneth, Walter: Der Christ als StaatsbĂŒrger. Eine ethische Orientierung, Wuppertal 1984, 221 S.

McConville, J. Gordon: God and Earthly Power. An Old Testament Political Theology: Genesis–Kings, T & T Clark library of biblical studies Bd. 454, London, New York 2006, 200 S.

Seubert, Harald: Gott mehr gehorchen als den Menschen. Einige Überlegungen zum Zusammenhang von Kirche und Politik, in: Diakrisis 42, 3/2021, S. 142–149.

Vang, Carsten: The Non-Prophetic Background for the King Law in Deut 17:14–20, in: Armgardt, Matthias u.a. (Hg.): Paradigm Change in Pentateuchal Research. Beihefte zur Zeitschrift fĂŒr altorientalische und biblische Rechtsgeschichte Bd. 22, Wiesbaden 2019, 207–223.

Zeitschrift „Diakrisis”, Heft 3/2021 zum Thema „Untertan der Obrigkeit“; BeitrĂ€ge u.a. von Harald Seubert.

[1] Smart Investor 9–2021, S. 15.

[2] Roland Baader, Fauler Zauber, 1997, S. 146.

[3] Smart Investor ebenda.

[4] Papier wörtlich: „Die Erosion unserer Freiheitsrechte hat auch keineswegs mit der Corona-Krise begonnen, sondern wurde durch die Pandemie lediglich erheblich beschleunigt. 
 Epidemien oder andere Katastrophen werden immer schwerwiegende Grundrechtseingriffe des Staates erfordern. Aber es muss wieder klarer werden, dass der gute Zweck in einem freiheitlichen Rechtsstaat nicht jedes Mittel heiligt. ‚Not kennt kein Gebot‘, dieser Satz darf nicht Raum greifen. Auch das allgemeine legitime Ziel, die Gesundheit der Bevölkerung zu schĂŒtzen, rechtfertigt nicht jeden Grundrechtseingriff. Nutzen und Schaden mĂŒssen stets in einem angemessenen VerhĂ€ltnis stehen, und die Beweislast fĂŒr das Vorliegen der VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit trĂ€gt der Staat. Schwerwiegende FreiheitsbeschrĂ€nkungen aus bloßer Vorsorge sollte es kĂŒnftig nicht mehr geben. Wir mĂŒssen uns rechtsstaatlich wappnen – das waren wir diesmal lange Zeit nicht. 
 Das Vertrauen in die HandlungsfĂ€higkeit des Staates und die RationalitĂ€t seiner Entscheidungen ist im Laufe der Zeit erschĂŒttert worden. Es wurde nicht generell, aber doch teilweise ziemlich irrational, widersprĂŒchlich, kopflos und im Übermaß reagiert. Manche Entscheidungen waren fast absurd oder schlicht nicht durchsetzbar, nehmen Sie nur die unkontrollierbaren AufenthaltsbeschrĂ€nkungen in Privatwohnungen. Wenn das Recht aber nur auf dem Papier steht und gar nicht durchsetzbar ist, ist das Gift fĂŒr einen freiheitlichen Rechtsstaat. Die MĂ€ngelliste ist im Übrigen lang, ich nenne beispielhaft nur die PassivitĂ€t der vom Volk gewĂ€hlten Parlamente. Die Exekutive erließ Ver- und Gebote, erst gestĂŒtzt auf die allgemeine seuchenpolizeiliche Generalklausel, dann auf einen Beschluss des Bundestags, der eine epidemische Lage nationalen Ausmaßes feststellte, aber das war eher Symbolpolitik. Letztlich war es weiterhin die Exekutive, die massiv in die Freiheitsrechte der BĂŒrger eingriff. Das geht meines Erachtens bei so wesentlichen Fragen im VerhĂ€ltnis von Staat und BĂŒrgern nicht.“

[5] idea 40.2021, S. 9.

[6] Hymnus an die Schöpfer- und Muttergöttin Belet-ili, auch unter dem Namen Aruru verehrt:

„Ea hub an zu sprechen, an Belet-ili richtete er das Wort:

‚Belet-ili, die Herrin der grossen Götter, bist Du. Du hast den lullĂ»-Menschen erschaffen, bilde nun den König, den maliku-Menschen! Mit Gutem umgib seine gesamte Gestalt, gestalte seine ZĂŒge harmonisch, mach schön seinen Leib!‘

Da bildete Belet-ili den König, den maliku-Menschen. Es gaben dem König den Kampf die [grossen] Götter. Anu gab ihm die Krone, Enlil ga[b ihm gleissenden Glanz], Belet-ili gab [ihm ein schönes Aus]sehen.“

Text VAT 17019 bei Dijk, J. v., Literarische Texte aus Babylon, VS 24 (N.F.8), Berlin 1987, Taf. XXXII Nr. 92 (Text ĂŒbernommen bei einem Symposion in Fribourg 17.9.2021). Vgl. auch https://www.jstor.org/stable/25683545 und https://www.jstor.org/stable/43075471 (08.10.2021).

[7] Seubert: Gott mehr gehorchen als den Menschen, S. 142.

[8] Assmann, Politische Theologie, 71 (ein zuerst im Jahr 1992 erschienener Vortrag).

[9] AaO. 111.

[10] Lohfink, zit. bei Assmann aaO. 72.

[11] 1805: De Wettes „Dissertatio critica“.

[12] Vang 207f.

[13] Assmann aaO. 114.

[14] W. KĂŒnneth: Politik zwischen Gott und DĂ€mon, S. 20f.

[15] https://www.youtube.com/intl/de/howyoutubeworks/policies/community-guidelines/ (06.10.2021).

[16] Beispiel: Die Initiative „Mediziner und Wissenschaftler fĂŒr Gesundheit, Freiheit und Demokratie, e.V.“ (https://www.mwgfd.de/).

[17] https://t.me/samueleckert/3333.

[18] Nr. 4–5 stammen von einem Arzt, der nicht mehr schweigen will.

[19] Herzinfarkte, HirnschlÀge, Lungenembolien, Erblindung, Gehörverlust, LÀhmungen, SchÀdigung des Immunsystems, Fatigue, Fehlgeburten usw.

[20] Vgl. Hesse, Johann: Corona-Impfstoffe und die Verwendung embryonaler Zelllinien, in: Aufbruch 2 (2021), S. 10–11, Download: https://www.gemeindenetzwerk.de/wp-content/uploads/2021/11/aufbruch_3_2021.pdf (24.11.2021).

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 15. Oktober 2021 um 15:06 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Kirche, Theologie.