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Wer rettet die EKD?

Mittwoch 13. Oktober 2021 von Christian Hausen


Christian Hausen

Die Klimaschutz-Aktivistin von „Fridays for Future“ Luisa Neubauer hĂ€lt auf Einladung der Evangelischen Kirche eine Kanzelrede im Berliner Dom, endend mit der Aussage: „Gott wird uns nicht retten, das werden wir tun!“; richtig wĂ€re: „ora et labora“. Gewiss: Die FunktionĂ€re der Evangelischen Kirche in Deutschland sehen keinen Anlass, ĂŒber die Rettung der EKD nachzudenken; sie wirken recht selbstzufrieden. So bekĂŒmmern sie die massenweisen Austritte nur wenig – die Gemeinden können ja zusammengefasst und KirchengebĂ€ude verkauft werden, hingegen die BĂŒrokratie darf ausgeweitet werden. Eine Image-Verschlechterung in Politik und Medien muss die Evangelische Kirche nicht fĂŒrchten, denn es sind ihr ja noch an die 20 Millionen „SchĂ€flein“ verblieben.

Was soll sie irritieren, wenn ihre weitgehende ZurĂŒckhaltung in der CoronaKrise missbilligt wird? Was stört die Kirchenleitungen, wenn Mitglieder gegen die faktische Entlassung von Bischof Rentzing protestieren? Was bedrĂŒckt das Kirchenvolk, wenn sich die EKD nicht gegen den faktischen Rausschmiss von Pastor Latzel durch die Bremer Kirchenleitung wehrt? MĂŒssen nicht KirchenfĂŒhrer dagegen aktiv werden, dass so gut wie nur der „Kampf gegen rechts“ und nicht auch der der „Kampf gegen links“ gefĂŒhrt wird? Muss akzeptiert werden, dass der Hessische Kulturpreis mit expliziter Billigung der Kirchen an einen Muslim verliehen wird, den die zentralen Weisheiten der Bibel anekeln? MĂŒssen die Gemeindeglieder hinnehmen, dass der christliche Glaube im Öffentlichen Rundfunk regelmĂ€ĂŸig diskreditiert wird und die EKD zuschaut? Ist dem Kirchenvolk zuzumuten, dass sich in den Gremien ĂŒberwiegend Klima-Ideologen befinden? Muss das schlichte Gemeindeglied ein Ja dazu finden, dass Vertrauen in Gottes Wort, aber auch systematisches Denken der Kirchenoberen seit Luther sichtbar abnimmt? Muss schließlich die Kirche nicht fĂŒr Ordnung sorgen, wenn der Kern des Evangeliums weitestgehend aus Predigten und Synoden verschwindet? Das wirkt fĂŒr die Evangelische Kirche hoffnungslos; gleichwohl darf mit Gottvertrauen die Hoffnung aufrecht erhalten bleiben.

1. Schmerzliche Kirchenaustritte

Der kirchliche Aderlass in den vergangenen Jahrzehnten kann durchaus bekĂŒmmern. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren mehr als 90 % der Deutschen Mitglieder in den großen Kirchen, heute sind es unter 50 %.  Es werden noch genĂŒgend Kirchensteuern eingenommen, um das kirchliche GesamtgefĂŒge samt Wasserkopf zu finanzieren; den Gemeinden werden als Ausgleich Pastorenstellen gestrichen. Hingegen sollen die Verwaltungsstellen mit teilweise ĂŒberflĂŒssig erscheinenden Aufgaben sichtbar zunehmen; etwa Organisationen, die sich fĂŒr Schiffe im Mittelmeer einsetzen oder die Gender-Ideologie verbreiten. Gerade diese hat in den Kirchen inzwischen den Rang des Evangeliums eingenommen; der bekennende Atheist Sarazin hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Über Deutschlands Zukunft und die Grenzen des Tragbaren“. Besonders leiden mĂŒssen unter dem neuen Zwangskorsett Vertreter der Geisteswissenschaften. So hat der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) scharfe Kritik an dem Genderzwang in den UniversitĂ€ten geĂŒbt. Anlass ist eine ErklĂ€rung der Kasseler Hochschule, wonach Professoren die Arbeiten von Studenten schlechter bewerten können, wenn sie nicht in der sogenannten geschlechtergerechten Sprache verfasst werden. Ein besonders negatives Beispiel ist die UniversitĂ€t Wien (Deutsche Sprachwelt 2/2021). BegrĂŒndet wird es mit der Wissenschaftsfreiheit der Hochschullehrer. Der Hamburger Liedermacher Rolf Zuckowski hat folgende BefĂŒrchtung: „Wenn Verwaltungen, Schulen und Regierungen sich diesem Druck beugen, wird man diesen Prozess nie wieder umkehren können“ (Schleswig-Holsteinische Landeszeitung 15.06.2021). Die Jungdemokraten stellten klar, dass Studenten nicht zum Gendern gezwungen werden dĂŒrfen, zumal dadurch Sprache zur politischen Umerziehung durch links-grĂŒne Ideologen unter dem Deckmantel der Gleichstellungspolitik missbraucht werde. An anderen Hochschulen seien Studenten sogar durch PrĂŒfungen gefallen, weil sie keine geschlechtergerechte Sprache verwendet hĂ€tten. Es ist nicht zu fassen, dass höchste Bildungsanstalten sich dazu herablassen, um letztlich die deutsche Sprache zu verhunzen. Und die Kirchen schweigen.

Deren Verantwortliche tragen erheblich dazu bei, dass ein christliches Denken in unserer Gesellschaft nach und nach verschwindet. So wurde gerade wieder eine Gelegenheit versĂ€umt, nĂ€mlich wĂ€hrend der Corona-Pandemie fĂŒr die weitestgehende Öffnung der Kirchen zu sorgen. Nicht einmal die Nazis hatten die Gottesdienste verboten. Es gibt doch eine FĂŒlle von GebĂ€uden mit ĂŒberdurchschnittlicher RaumgrĂ¶ĂŸe, in denen von MĂ€rz 2020 die Gottesdienste hĂ€tten aufrechterhalten bleiben mĂŒssen. Die Bischöfe hĂ€tten sich in einer ganz anderen GrĂ¶ĂŸenordnung als geschehen fĂŒr Seelsorge und Trost zugunsten der Trauernden einsetzen mĂŒssen. Selbst in evangelischen Altersheimen wurde viel zu spĂ€t etwas getan, um Familienbesuche zu ermöglichen. Die Bibel ist voller kluger Gedanken, welche bekĂŒmmerten Menschen Ermutigung zukommen lassen und das Familienleben fördern können. Zweifellos ist dies hin und wieder geschehen; in manchen Kirchengemeinden wurden auch neue Ideen realisiert, um die Gemeindeglieder nicht allein zu lassen und ihnen das Evangelium zu bringen. Aber die Kirche hĂ€tte viel mehr bieten mĂŒssen, um mit christlichem Gedankengut zur Lösung der Coronakrise beizutragen; dazu gehört die Pflicht, in Bezug auf potenzielle Grundrechtsverletzungen zu differenzieren. Ja, es breiten sich Sorgen aus, dass die Coronakrise sich durchaus als „Sargnagel der Demokratie“ (Schubert) erweisen könnte. Politiker können versucht sein, moderne digitale Überwachungssysteme und AusnahmezustĂ€nde zu „normalisieren“ (vgl. Julian Nida-RĂŒmelin). Man kann sich aber letztlich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich die zustĂ€ndigen Kirchenverantwortlichen „des Evangeliums schĂ€men“, weil ihnen einerseits der Kern der biblischen Botschaft peinlich ist und anderseits sie die biblischen Weisheiten durch Studium und Praxis derart in ihrer umfassenden Bedeutung reduziert haben, dass nur noch „KrĂŒmel“ davon ĂŒbrig sind.

Aber auch die Mindereinnahmen lassen sich verschmerzen, eine Reduzierung der GehĂ€lter von Theologen und anderen Mitarbeitern steht derzeit nicht zur Diskussion. BeeintrĂ€chtigt werden sollen am ehesten die Gemeinden, etwa durch Reduktion der Theologen. Den Managern ist bewusst, dass Proteste gegen Kirchen-Zusammenlegungen ins Leere laufen. Dass ein kirchentreuer Christ trauert, wenn seine Kirche verkauft wird, wird zur Kenntnis genommen, aber diese Art SparplĂ€ne bleibt aufrechterhalten. In Kirchenkreisen wird auch selten konstruktiv darĂŒber diskutiert, auf welche Weise man fĂŒr den Bestand oder gar den Eintritt werben könnte. In den vergangenen 40 Jahren gab es gerade eine einzige Synode, in welcher der Missionsauftrag zentrales Thema war. Deren konkrete FrĂŒchte sind ĂŒberschaubar. Und das wird weiter so gehandhabt, obgleich ja bereits seit langem der RĂŒckgang des Gottesdienstbesuchs deutlich ist. Gebildete Menschen wissen, was das Christentum in Europa bedeutet, nĂ€mlich die maßgebliche Grundlage fĂŒr unsere vorzĂŒgliche Kultur. NatĂŒrlich steht schon in den GeschichtsbĂŒchern der SchĂŒler, dass fĂŒr unseren Fortschritt die AufklĂ€rung entscheidend gewesen sei. Insoweit lohnt es sich, mit dem LiteraturnobelpreistrĂ€ger und ehemaligen KZ-HĂ€ftling Imre KertĂ©sz zu konstatieren: „Auschwitz und Humanismus sind auf die AufklĂ€rung zurĂŒckzufĂŒhren“ (so im SWR). Die Philosophen der AufklĂ€rung werden sichtbar ĂŒberbewertet; gewiss haben sie Einiges an Positivem geboten wie etwa die Abschaffung des verĂ€ngstigenden Teufelsglaubens, aber die Leistungen der Protagonisten sind eher bescheiden. Die damaligen Weisheiten sind nicht fundamental neu (einschließlich Kants Kategorischen Imperativs) und letztlich auf biblisches Gedankengut zurĂŒckzufĂŒhren. Das gilt vor allem fĂŒr die Einordnung des Christentums, das ja fĂŒr viele „AufgeklĂ€rte“ durch die Vernunft beendet worden sei. Das ist ein fataler Fehler, den wir heute noch spĂŒren. Es gibt kaum eine geistig fortschrittliche Leistung, die nicht mehr oder weniger auf das Christentum zurĂŒckzufĂŒhren ist.

2. Zunehmende Defizite

Die Kirche hat viele Millionen Mitglieder und erhĂ€lt auch heute noch immer wieder Zeichen der Anerkennung und Achtung – so am 9. Mai 2021 in der ZDF-Sendung „Precht“, in welcher die GesprĂ€chspartner die Bedeutung der Kirche fĂŒr die heutige Moral verbal akzeptiert hatten. So fragt die Politik auch die Kirchen, wie sie zu potenziellen Gesetzesvorgaben stehen. Allerdings hĂ€lt heute nur jeder sechste Deutsche die Kirche fĂŒr eine wichtige moralische Instanz (INSA-CONSULERE, Erfurt). Es lĂ€sst sich seitens der KirchenfĂŒhrer auch verkraften, dass deren gesellschaftlicher Einfluss zunehmend verschwindet; allzu schnell wird als „Lösung“ eine Anpassung an den Zeitgeist realisiert. So schmerzt es nicht mehr, dass kirchliches Gedankengut als ĂŒberholt erscheint und die Weisheiten der Bibel, die einige Jahrtausende das kulturelle Leben bestimmt hatten, durch vermeintlich wissenschaftliche Erkenntnisse abgelöst worden seien. Es ist zu differenzieren zwischen Wissenschaft und Weisheit: Bei Weisheit wird von Lebenswissen oder von einem tiefen Verstehen – auch von Werten – gesprochen, bei Wissenschaft spielt Lebenserfahrung keine große Rolle. Die Auffassung, Wissenschaft allein könne Religion ersetzen, wird z. B. von AnhĂ€ngern Brunos verbreitet. Besonders deutlich wird dies bei einem anderen Bereich der Wissenschaft, nĂ€mlich der historischen.

Alles andere als wissenschaftlich ist: Sich fĂŒr Deutschland verantwortlich fĂŒhlende Personen weiden sich am „Schuldkult“. Es fehlen weitgehend die abwĂ€gende Auseinandersetzung und das Differenzierungsvermögen. Dabei geht es vor allem um die „Alleinschuld“ am Zweiten Weltkrieg (ohne den geistig anspruchslosen Versailler Vertrag zu desavouieren). Der zentrale biblische Gedanke der Vergebung wird verdrĂ€ngt und damit auch die Konsequenz: Es soll die Erinnerung an die GrĂ€ueltaten der Deutschen weiter bestehen, andererseits aber die dauernde Betonung der alleinigen Schuld eliminiert werden. Zu empfehlen ist, den einseitigen Behauptungen von Außenminister Heiko Maas und dem Direktor des Instituts fĂŒr Zeitgeschichte Andreas Wirsching zu widersprechen, soweit es bei ihnen heißt: „Allein Deutschland trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust. Wer daran Zweifel hat und andere Völker in eine TĂ€ter-Rolle drĂ€ngt, der fĂŒgt den Opfern Unrecht zu.“ Hierdurch wird die Problematik verdreht, nĂ€mlich von der Alleinschuld zu Fremdschuld anstatt zu gemeinsamer Schuld; das göttliche Angebot der Vergebung von Schuld wird vollkommen ausgeklammert. UnabhĂ€ngig davon stellt die Einseitigkeit einen erheblichen Eingriff in die Freiheit des Geistes, letztlich von Art. 2 Grundgesetz, dar.

Der Alleinschuld-Gedanke soll dem deutschen Volk auch das Recht nehmen, mit Freude an die nationale Einheit 1871 zu denken. Auch wenn die deutsche Geschichte sehr viel lĂ€nger zurĂŒckreicht, speist sich aus dem Akt der damaligen ReichsgrĂŒndung bis heute unsere staatliche SouverĂ€nitĂ€t und IdentitĂ€t. BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier allerdings verwarf anlĂ€sslich des Festakts zum Tag der Deutschen Einheit 2020 diese Denkweise: „Die nationale Einheit 1871 wurde erzwungen mit Eisen im Blut, nach Kriegen mit unseren Nachbarn, gestĂŒtzt auf preußische Dominanz, auf Militarismus und Nationalismus.“ Das wirkt einseitig, letztlich ungebildet, weil ein BundesprĂ€sident wissen muss, dass viele deutsche StaatsbĂŒrger – durchaus weise – das Jahr 1871 als Beginn der Einheit ansehen; das verdient zumindest Respekt. Es ist eines Staatsoberhaupts nicht wĂŒrdig, zumal das fĂŒr ihn maßgebliche Grundgesetz dies an Fanatismus grenzende Gerede nicht teilt. Man erinnere sich an den großen Verfassungsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde, der festhĂ€lt: „Es gibt keine stabile kulturelle Orientierung ohne historische Erinnerung. Die Erinnerung stĂŒtzt die Werte und stabilisiert dabei die Normen“ (so Prof. Egon Flaig, Tele-Akademie 05.05.2021). Zu gelten hat mit dem Verfassungsrechtler Ulrich Vosgerau der im Völkerrecht geltende Grundsatz der StaatenkontinuitĂ€t, nach welchem die heutige Bundesrepublik nicht nur die Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reichs, sondern mit diesem als dem einheitlichen Nationalstaat identisch ist. Immerhin erscheint das Deutsche Reich in sozialpolitischer Hinsicht als das damals modernste Land der Welt, so dass Briten und Franzosen gar neidisch geworden waren. In diesen Kontext passt die Sorge manch deutscher BĂŒrger, dass im Zusammenhang mit der FlĂŒchtlingskrise Deutschland vollstĂ€ndig internationalisiert und jegliches Nationalbewusstsein ausgelöscht werden soll. Wenn Habeck bekennt, dass ihn das Vaterland „ankotzt“, und Merkel nicht von den „Deutschen“ redet, sondern von „denen, die schon lĂ€nger hier leben“, dann zeigt das um ein gespaltenes VerhĂ€ltnis zur Heimat. Man halte sich vor Augen: das Völkerrecht gebietet keine Selbstauflösung! Das erinnert an Martin Luther, der bekennt, er wolle „fĂŒr mein liebes Deutschland beten“ (Weimarer Ausgabe 30 II, 584). Der EKD fĂ€llt nichts OriginĂ€res zu diesen Problematiken ein; sie sollte zumindest eine gewisse Dankbarkeit Gott gegenĂŒber fĂŒr die positiven Seiten des Nationalstaats aufbringen.

3. MerkwĂŒrdige Vielfalt

Nur angedeutet werden weitere BemĂŒhungen der Evangelisch Kirche in Deutschland. So geht es um die „Bibel in gerechter Sprache“; die aufwĂ€ndige Neu-„Übersetzung“ soll den Geschlechtern und dem christlich-jĂŒdischen Dialog gerechter werden. Es handelt sich um einen Versuch, fremdreligiöse Ideen mit Mode-Ideologien zu vernetzen. Der LĂŒbecker Altbischof Ulrich Wilckens nennt in einem Gutachten die Übersetzung „bekenntniswidrig“. Nur nebenbei: Der Teufel bleibt mĂ€nnlich, aber zur Weihnachtsgeschichte heißt es: „Es waren Hirtinnen auf dem Felde“. Das ist anachronistisch. Was auffĂ€llt: Es ist nicht zu einem Aufstand der MĂ€nner gekommen, es fehlt ihre Gegenwehr. Zumindest wĂ€ren diese unnötigen Sexualisierungen und abenteuerlichen Sprech- und Schreibvorschriften engagiert zu kritisieren. Dem Feminismus wurde in der EKD die TĂŒr weit geöffnet, so dass es tatsĂ€chlich zu einem mit Kirchensteuern finanzierten „Genderzentrum “ gekommen ist. Konsequenterweise wehrt sich die EKD kaum gegen die Abtreibung, unterstĂŒtzt nicht den verbesserten Lebensschutz Ungeborener in Polen, wirbt auch nicht fĂŒr den kritischen US-Film „Unplanned“. Umgekehrt hat die Diakonie Bayern mit dem Faltblatt „Schwanger – und jetzt?“ faktisch fĂŒr den Schwangerschaftsabbruch geworben.

NatĂŒrlich fĂŒhlte sich die EKD auch nicht bemĂŒĂŸigt, zum „Loveparade-UnglĂŒck“ 2010 zu fragen, ob es fĂŒr junge Menschen vielleicht auch opportun gewesen wĂ€re, auf die Teilnahme unter BerĂŒcksichtigung unserer Kultur und unseres EheverstĂ€ndnisses zu verzichten (abgesehen von den MĂŒllmassen, die regelmĂ€ĂŸig zurĂŒckbleiben). Im Sinne einer Kritik an den modischen Ideologien ist den KirchenfĂŒhrern nichts Wegweisendes eingefallen, etwa an der modischen antichristlichen Ideenwelt wie „Cancel-Culture“, „Woke capitalisme“ oder „Black Lives Matter“ bis „Great Reset“. Die Ursprungsideen sind durchaus akzeptabel, nur haben sie sich leider zum Negativen entwickelt. Was den Streit um die Sterbehilfe betrifft, so gibt es tatsĂ€chlich evangelische Theologen, die sich fĂŒr den assistierten professionellen Suizid aussprechen, selbst Bischöfe wie Ralf Meister und Nikolaus Schneider. Dabei genĂŒgt doch eine deutlich formulierte PatientenverfĂŒgung. ErschĂŒtternd ist, dass der Politiker Volker Beck – nicht gerade ein engagierter Vertreter des Christentums – an die Öffentlichkeit treten musste, um den Berliner Jerusalemsverein (gehörig zur Berliner Evangelischen Kirche) scharf wegen antisemitischer Aktionen zu kritisieren; die EKD schritt nicht ein, ebensowenig wie gegen die antisemitische und israel-feindliche Boykottbewegung BDS.

Keine Zivilcourage zeigt die Evangelische Kirche, soweit es die Homo-Ehe betrifft: Anstatt die vom Staat geförderte Änderung von Art. 6 Grundgesetz, der die klassische Ehe und Familie eindeutig privilegiert, zu kritisieren, fĂŒhrte die EKD selbst – entgegen den biblischen Bestimmungen (zum Beispiel 3. Mose 18,22 und Römer 1, 27) – die Homo-Trauung, zumindest die Homo-Segnung ein. In kaum einem anderen Bereich hat sich die EKD dem Zeitgeist unterworfen wie bei der HomosexualitĂ€t; das beweist die monatelange Amtsenthebung des Bremer Pastors Latzel, der durchaus Deftiges gegenĂŒber Homosexuellen, die seine Kirche beschmutzt hatten, geĂ€ußert hat. Unfassbar sind auch die VorwĂŒrfe gegenĂŒber Pfarrer Marcus Piehl, der die Auseinandersetzung ĂŒber Geschlechtervielfalt als Angriff auf Gottes Ordnung kritisiert hatte und daraufhin von kirchenleitenden Personen der Homophobie bezichtigt, praktisch fĂŒr vogelfrei erklĂ€rt wurde. Dabei hat er nur auf die göttliche und biblische Ordnung hingewiesen, dass die traditionelle Familie aus Mutter, Vater und Kind besteht. Es sieht geradezu nach einer Vergottung der HomosexualitĂ€t aus, deren JĂŒnger mit großem Eifer diejenigen diskriminieren, die am traditionellen biblischen Familienbild festhalten. Papst Franziskus sprach von einer „ideologischen Kolonisation“ der Gesellschaft durch die LGBTQ-Minderheit und beurteilte sie als „dĂ€monisch“.

Derartige MerkwĂŒrdigkeiten hĂ€ngen natĂŒrlich auch damit zusammen, dass an die Stelle des christlichen Glaubens zu einem großen Teil das politische Denken der GrĂŒnen Partei getreten ist. Besonders deutlich wird dies in der Klimafrage. Es ist ganz und gar unfassbar, dass bibelfeindliche VorschlĂ€ge unterbreitet werden wie etwa von der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg, Politiker und BĂŒrger sollten zur Rettung des Klimas Panik schĂŒren. Das passt ĂŒberhaupt nicht zu Hunderten von Bibelstellen, deren Kernaussage ist: FĂŒrchtet Euch nicht! Hinzu kommen neuerdings antisemitistische Verlautbarungen der teils „Angebeteten“.

In einem Impulspapier der Rheinischen Kirche wird gefordert, die Kirche solle mit anderen Religionsgemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Akteuren gemeinsame Sache machen, etwa die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ stĂŒtzen und öffentlich fĂŒr den hörbaren Muezzin-Ruf eintreten als Äquivalenz fĂŒr das GlockengelĂ€ut der Kirchen. Es tut weh, wenn man den Unfug in intellektueller Hinsicht sich vor Augen hĂ€lt. NatĂŒrlich muss respektiert werden, dass Klimaforscher die Gesellschaft auffordern, EinschrĂ€nkungen in der LebensfĂŒhrung fĂŒr sich und die Gesellschaft hinzunehmen, um die Schöpfung langfristig aufrecht zu erhalten. Die Warnungen sind grundsĂ€tzlich sehr ernst zu nehmen. Es ist gar nicht so schwer, die Klimafrage auf unideologische Weise zu regeln – eine Mixtur aus exakter Wissenschaft und biblischem Schöpfungsdenken; dabei stört das ĂŒberhebliche Auftreten der Klimaaktivisten. Man denke etwa an die erwĂ€hnte „deutsche Greta“ Frau Neubauer, die trotz christlich-sozialisierter Jugendzeit im Gotteshaus Atheismus predigt. Selbst Greta Thunberg bezichtigt Israel, Kriegsverbrechen zu begehen und unterstĂŒtzt die bezeichnete BSD-Kampagne zum Boykott israelischer Waren. In der Kirche nichts zu suchen haben aggressive Organisationen wie „Extinction Rebellion“. Sowohl die maßgeblichen Politiker als auch Gerichte wie das Bundesverfassungsgericht sollten die erforderliche ZurĂŒckhaltung ĂŒben, um jeglichen Gedanken des Ideologischen Fanatismus zu exkludieren.

4. Leichtsinnige Religionsvermischung

Das Sonderbare nimmt kein Ende. Ein aufschlussreiches Beispiel ist die Verleihung des Hessischen Kulturpreises 2009. Neben einem evangelischen und katholischen Bischof war dafĂŒr vorgesehen der deutsch-iranische und muslimische Publizist Narvid Kermani, der zuvor das christliche Kreuz als barbarisch und die Kreuzestheologie als GotteslĂ€sterung beschrieben hatte (epd-Wochenspiegel 21/2009). Die beiden Kirchenverantwortlichen lehnten den Preis konsequent ab. Kirchenobere wie Bischof Huber und der Beauftragte fĂŒr christlich-islamischen Dialog Detlef Görrig kritisierten die UnterstĂŒtzung des Preises durch KirchenprĂ€sident Steinacker und Bischof Lehmann. Kermani war nicht bereit, in der Öffentlichkeit seine „Bildbetrachtung“ abzuschwĂ€chen. RĂŒhmlich war das Verhalten der EKD letztlich nicht. Der damalige Ratsvorsitzende sollte eigentlich in seinem Theologiestudium den Koran mit der umfassenden Christentumsfeindlichkeit kennengelernt haben; sein Fazit ist hingegen, sich dem Islam offiziell zu nĂ€hern. Das gilt auch fĂŒr den derzeitigen FĂŒhrer der EKD Bischof Bedford-Strohm. So ist er in den MĂŒnchener Muslimverein eingetreten, er lĂ€sst es zu, dass in Gottesdiensten Vertreter der islamischen Religion das Gebet sprechen dĂŒrfen – wie zuletzt beim Gottesdienst zum Gedenken der mit Corona Verstorbenen. Schaut man ein wenig in die Weltlage, so lĂ€sst sich in Bezug auf islamisch geprĂ€gte Staaten kaum etwas Ermutigendes konstatieren. Mehr beeintrĂ€chtigt als die Deutschen sind derzeit unsere französischen Nachbarn; Tausende MilitĂ€rs warnen vor einem BĂŒrgerkrieg. Sie verweisen darauf, dass die Tricolore verbunden wird mit Ehre und Vaterland. Die Ehre des Landes bestehe heute darin, die Spaltung anzuprangern, denn Islamismus bewirke, dass viele Teile der Nation Werten unterworfen wĂŒrden, die im Widerspruch zur französischen Verfassung stĂŒnden. Es sei ein Verfall, wenn Demonstranten Polizisten SĂŒndenböcken machten und Hass plötzlich Vorrang vor BrĂŒderlichkeit hĂ€tte. Oft wĂŒrde ausreichen, wenn die bereits bestehenden Gesetze angewendet wĂŒrden.

Völlig abwegig erscheint den KirchenfĂŒhren ein Denken, dass Muslime einer besonderen, ja einer kraftvollen Religion angehörten, die auffĂ€llig intolerant und aggressiv sei. Das spĂŒren deutsche Polizisten, ganz besonders wenn sie gegen Clans vorgehen. Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas im Mai 2021 beweist die Bedrohung, da nunmehr BĂŒrger Israels einander bekĂ€mpfen, nĂ€mlich muslimische und jĂŒdische. FĂŒr die FlĂŒchtlingspolitik in Deutschland ist das alles andere als eine Ermutigung. Wir mĂŒssen letztlich bekennen, dass wir dieser völlig alternativen Religion und Kultur mit unseren freundlichen Ideen der NĂ€chstenliebe ĂŒberhaupt nicht gewachsen sind. Von wenigen missionarischen Erfolgen abgesehen sind es die Muslime, die die Welt nach und nach erobern und letztlich auch das Denken auf der Erde bestimmen – wenn man etwa an die Resolutionen der UNO denkt. Die europĂ€ische Grenzschutzagentur Frontex ist völlig ĂŒberfordert, um das FlĂŒchtlingsproblem auch nur einigermaßen in den Griff zu bekommen. Die christlichen Staaten in Europa und Amerika haben so gut wie nichts zu bieten, um dem einsamen christlichen Staat Armenien beizustehen – man lĂ€sst die TĂŒrken ĂŒber ihr Schicksal in Bergkarabach bestimmen. Die Morde in Nigeria erreichen nicht die Weltpresse. Es interessiert nicht einmal die Behörden, wenn FlĂŒchtlinge unter dem Muezzinruf leiden wie in Herford; ein Schutz fĂŒr die Bevölkerung erscheint als ĂŒberflĂŒssig. Die EKD scheut sich gar, antisemitische Parolen und das Verbrennen von Israel-Flaggen zu brandmarken. Es sind Emissions-Reduktionsziele zu setzen, weltweites Handeln ist erforderlich. Dazu könnte die EKD mit Wissen und Verstand aufmerksam machen.

Wir sind in Deutschland so weit heruntergekommen, dass Kritik am Islam als Rassismus gedeutet wird. Immer mehr BĂŒrger können es nicht ertragen, sofort als Rassist bezeichnet zu werden, wenn sie auch nur andeuten, gewisse Probleme mit muslimischen Einwanderern zu haben. Es besteht die Intention, den Begriff „Rasse“ aus dem Grundgesetz zu streichen und sich auf die Ablehnung des „Rassismus“ zu beschrĂ€nken. Die Vorstellung, dadurch werde der Rassismus ausgemerzt, ist naiv. Nicht wenige BĂŒrger machen sich Sorgen darĂŒber, dass gewisse Gruppen die Errichtung eines islamischen Staats auf deutschem Boden intendieren und mit den Vorbereitungen begonnen haben. Ein Vorbild insoweit ist der Philosoph JĂŒrgen Habermas, der verzichtet hat auf ein mit 225.000 Euro dotierten Buchpreis aus den Vereinigten Arabischen Emiraten – eine mutige Zeichensetzung. Es ist wichtig, dass es in Deutschland noch Menschen gibt, die sich nicht scheuen, islamische Ideen in Frage zu stellen. So konnte es bereits passieren, dass in Dresden ein Islamist zwei MĂ€nner niederstach, obwohl er vom Geheimdienst ĂŒberwacht worden war. Noch schlimmer als in Deutschland sieht es in NachbarlĂ€ndern wie Frankreich und den Niederlanden aus. Es gibt auch so gut wie keine Institution in Deutschland – erst recht nicht die Evangelische Kirche –, die in diesem Sinne wenigstens Andeutungen von Warnungen ausspricht. Die EKD schafft es auch nicht, den muslimischen Antisemitismus anzuprangern, es ist fĂŒr sie offenbar ein zu heißes Thema, worauf die Islam-Expertin Professor Susanne Schröter verweist. Mit persönlichen GefĂ€hrdungen mĂŒssten die Kirchenverantwortlichen insoweit nicht zwingend rechnen. Man wird geradezu ermutigt, im Sinne der Philosophin Hannah Arendt von der „BanalitĂ€t des Bösen“ zu sprechen, zumindest darĂŒber nachzudenken. Sie meint damit das Allzumenschliche, gerade die persönliche Sorge im Hinblick auf die gesellschaftliche Akzeptanz und den persönlichen Einfluss. Intelligente Mahner wie der französische Schriftsteller Houellebecq werden gern ĂŒberhört oder, was Kritikern als bequemer erscheint, als Rassist hingestellt. Man spĂŒrt, wie Denkweise und Schwankungen der vermeintlichen muslimischen Opfer in den Sprachgebrauch ĂŒbernommen werden. Erfreulicherweise gibt es tapfere Muslime, die sich mit dieser Unterwerfung unter den Islam nicht abfinden können. Man denke an so manche islamische Psychologen und Politologen, welche sich in politischer und gesellschaftlicher Hinsicht vom Koran sichtbar gelöst haben, wie z. B. der Psychologe Ahmad Mansour.

5. Befremdlicher Ideenreichtum

Als „Avantgarde Gottes“ hatte der EKD-Vorsitzende Heinrich Bedford-Strom die Evangelische Kirche zur Eröffnung der Novembersynode 2020 bezeichnet. Zu merken ist davon allerdings nichts. Denkt man an die fast unterwĂŒrfige unkritische Übernahme der von der Politik angeordneten Gottesdienst-Verzichtsleistungen, so erscheint die Kirche als rĂŒckstĂ€ndig. So ließ sie sich sagen, dass sie nicht systemrelevant und damit verzichtbar sei. Man kann fast von einem FunktionĂ€rsdenken sprechen, die KirchgĂ€nger werden als dumme Schafe behandelt. Diese deutsche Moralinstanz will offenbar auf ihren FĂŒhrungsanspruch verzichten. Der Ratsvorsitzende unterwarf sich schnell der Politik und den Medien, soweit es die BeschrĂ€nkungen im Hinblick auf die Pandemie betrifft. Es fehlte an dem notwendigen Engagement fĂŒr die Aufrechterhaltung der Gottesdienste; selbst Atheisten betrachten die Kirchen immerhin noch als moralische Instanzen, diese selbst nehmen immer mehr Abstand von diesem Ehrentitel. So begeben sich KirchenfĂŒhrer optimistisch in muslimische Vereine, kaufen Schlepperboote fĂŒr das Mittelmeer, um mit ihren Rettungsfahrten als Gutmenschen zu agieren. Es bestehen keine Hemmungen, eines der Fahrzeuge mit Symbolen einer gewaltbereiten Organisation zu schmĂŒcken. An dem – vor allem aus kirchlichen Spenden finanzierten – Rettungsschiff „Sea-Watch 4“ befindet sich eine Flagge der „Antifaschistischen Aktion“ (Antifa). Im Hinblick auf die Gewaltbereitschaft wird man diese Organisation als kommunistisch einstufen können, was auch durch das linksliberale öffentliche Fernsehen erfolgt. Dazu fĂŒgt sich, dass die evangelische Kirche in Hamburg-Lurup am 17.03.2021 einen Themengottesdienst zum 150sten Geburtstag der MitbegrĂŒnderin der Kommunistischen Partei Deutschlands Rosa Luxemburg gefeiert hat. Zum Rettungsunternehmen des Schiffs passt noch: Die weit aufwĂ€ndigere Versorgung und Integration der Geretteten wird dann aber der Politik ĂŒberlassen – ist das christlich? Hingegen besteht kaum Interesse, sich fĂŒr verfolgte Christen weltweit einzusetzen, die unter der Herrschaft von Muslimen – die den weitaus grĂ¶ĂŸten Teil der Geretteten ausmachen – leiden.

Inzwischen sind Gottesdienste mit Auflagen wieder zugelassen, jedoch mit einem weitgehenden Singverbot belegt. Dabei sagen Wissenschaftler, dass ein Singen mit grĂ¶ĂŸerem Abstand keine zusĂ€tzliche Gefahr birgt, mit Gesichtsmaske allemal. Prinzipiell ist der Gottesdienst fĂŒr Christen nicht verhandelbar, gerade was das Heilige Abendmahl betrifft; der auferstandene Christus ist gegenwĂ€rtig in den Gaben von Brot und Wein, er schenkt den GlĂ€ubigen in der Kommunion Vergebung der SĂŒnden, Leben und Seligkeit. Glaubensgemeinschaft ĂŒber Funk und Fernsehen ist schwer praktizierbar, den Mediengottesdiensten fehlt die Leiblichkeit. In formaler Hinsicht verlieren Altar, Orgel und Kanzel an Gewicht; Beamer, Keyboard und Laptop sollen ZeitnĂ€he bringen. Darum geht es aber nicht, sondern Gott in Wort und Sakrament in seiner Gemeinde wirken zu lassen. Insoweit bestehen zunehmend Vorbehalte; die Kirchenverantwortlichen mĂŒssen sich aus anderen Lebensbereichen etwas sagen lassen, etwa von Sportlern. Der sechsfache Sieger mit Bayern MĂŒnchen in der Saison 2019/2020 David Alaba hatte den Mut zu einem Aufkleber in großen Lettern mit dem Inhalt: „Meine Kraft liegt in Jesus“. Ferner lieben die EnglĂ€nder den deutschen Trainer JĂŒrgen Klopp, der in kurzer Zeit den FC Liverpool zum Fußballmeister in England gefĂŒhrt und ĂŒberdies noch die Champions League gewonnen hat. So kann man von prominenten Christen lernen, um die Kirche zu erneuern. Dazu gehören ein offenes Ohr und Herz, Freude am Denken, auch das Hervorkehren von bedeutenden Christen in der Geschichte. Man denke etwa an Dostojewski, dessen 200. Todestag wir im Jahr 2021 begehen.

Eine mutige Frau ist eifrig dabei, den Zeitgeist zu kritisieren: Cora Stephan. In ihrem Buch „Lob des Normalen. Vom GlĂŒck des BewĂ€hrten“ wehrt sie sich gegen diverse von der EKD befĂŒrwortete Änderungen in Politik und Gesellschaft. So spricht sie davon, dass die Ehe Konjunktur habe, man erkenne den FĂŒrsorgeaspekt. Sie konstatiert ferner, dass die Normalen Deutschland nicht als „Siedlungsgebiet fĂŒr alle möglichen IdentitĂ€ten und Parallelgesellschaften, sondern als Ort von Menschen mit einer weitgehend gemeinsamen Vergangenheit, Kultur und Sprache“ betrachteten. Mit Alain Finkielkraut spottet sie ĂŒber den „Kommunismus des 21sten Jahrhunderts“, wenn man sich das Gerede ĂŒber den Antirassismus vor Augen hĂ€lt. UnverstĂ€ndlich ist der Autorin eine Integrations-Staatsministerin, die behauptet, unser Zusammenleben mĂŒsse „tĂ€glich neu ausgehandelt werden“. Letztlich ist damit Gesetzlosigkeit gemeint. Cora Stephan hat auch Sinn fĂŒr Humor, wenn sie fragt: „WofĂŒr ist es wichtig, dass Frauen und MĂ€nner gleichermaßen in Parlamenten vertreten sind, wenn doch angeblich zwischen MĂ€nnern und Frauen kein Unterschied besteht? Wieso machen weibliche Neigungen die Welt zu einem besseren Ort, wenn das Geschlecht lediglich ein Konstrukt ist?“ Sie kritisiert stark, dass es heute keinen Unterschied zwischen Chancen- und Ergebnisgleichheit gebe. Albern findet sie schließlich das Gerede von Rassismus gegenĂŒber dem Islam, zumal diese Religion in der Tat keine Rasse darstellt. Eine solche Autorin kann Mut machen.

Ja, es geht auch um bekenntnisfreudige Christen innerhalb der EKD. Diese sterben aus, so dass es fast nur noch FunktionĂ€re in SpitzenĂ€mtern der EKD gibt. Ein Opfer ist der ehemalige sĂ€chsische Bischof Rentzing, dem mit Vehemenz vermeintliche SĂŒnden aus der Studienzeit vorgeworfen wurden, so dass er um des Friedens willen von seinem Amt zurĂŒcktrat; es ist nicht bekannt, dass Vertreter der Kirche sich fĂŒr sein Verbleiben im Amt eingesetzt hĂ€tten. Wer zu einer brutalen Äußerung bereit ist, muss konstatieren: Der letzte tiefglĂ€ubige Bischof musste sein Amt wegen lĂ€cherlicher Lappalien aufgeben. Zur Klarstellung: es geht nicht darum, den kirchlich Verantwortlichen den Glauben abzusprechen, aber denkt man an all die AbtreibungsbefĂŒrworter, die Homofreunde oder die Massen von historisch-kritischen Theologen, so bestehen zumindest nicht unerhebliche

GlaubenslĂŒcken. Vorbilder fĂŒr die Gemeinden sowie fĂŒr die Öffentlichkeit sind sie damit nicht.

6. Öffentlicher Rundfunk

Das gilt auch fĂŒr den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der bekanntermaßen zurĂŒckhaltend ist, soweit es den christlichen Glauben betrifft; er engagiert sich sehr fĂŒr die muslimische Religion, der Einsatz fĂŒr das Christentum beschrĂ€nkt sich im Wesentlichen auf die vertragsgemĂ€ĂŸen Gottesdienste, welche die Kirchen zu verantworten haben. NatĂŒrlich kommt Gott auch im Fernsehen vor; so bieten ARD und ZDF religiöse Sendung („Echtes Leben“ und „sonntags“) mit regelmĂ€ĂŸig sozialen Themen, aber wenn ĂŒber das weltweite Christentum gesprochen wird, dann ganz ĂŒberwiegend negativ. Es nimmt nicht wunder, dass bei einer Werbeveranstaltung fĂŒr jungen Nachwuchs der Sender sich ĂŒber 90 % der Bewerber politisch zu den GrĂŒnen bekannten. Zweifellos gibt es unter Letzteren Christen, doch das Programm ist weitgehend atheistisch. Die „Liebe zur Schöpfung“ mag imponierend sein; die beiden GrĂŒnen-Vorsitzenden können mit dem Glauben nichts anfangen. Annelena Baerbock ist formal in die Kirche eingetreten; abstoßend ist ihr Moralismus gegenĂŒber anderen; sie selbst musste gegenĂŒber der Fernsehjournalistin Maischberger einrĂ€umen, dass sie neben ihrem Gehalt als Bundestagsabgeordnete zusĂ€tzlich eingenommene Gelder nicht vorschriftsgemĂ€ĂŸ dem Bundestag gemeldet hatte; Robert Habeck erachtet die Kirche fĂŒr sich als ĂŒberflĂŒssig, weil sein persönlicher Glaube durch die Philosophie begrĂŒndet sei. Dazu meint der angesehene Philosoph Ludwig Wittgenstein, wer nicht an Gott glaube, habe zu wenig philosophische Literatur gelesen. Die Partei entstand letztlich aus den atheistischen 68ern, denen es weitgehend um die Abschaffung der christlichen Kultur ging, speziell soweit es die traditionelle Familie betrifft. NatĂŒrlich wird nicht verkannt, dass die Vertreter der Partei die Natur hochhalten, aber Gott spielt bei ihnen keine Rolle. Die Kirche hat vieles von ihnen ĂŒbernommen, was die Themen bei den Synoden offenbaren. Das gilt auch fĂŒr die modischen Ideologien wie das Gendern; Kirchengremien vertreten – wie auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk – links-grĂŒnes Gedankengut. Kritik an der ökologischen Kanzlerkandidatin Baerbock erfolgt kaum, obwohl sie in ihrer Wahlwerbung auf notwendige PrĂ€zisionen verzichtet. Wie auch den Sendern ist grĂŒnes Denken der Evangelischen Kirche besonders wichtig, so die Förderung von Personen, die man heute unter „Queer“ einordnet. Es geht um einen Sammelbegriff fĂŒr homosexuelle, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen. Eine andere die GrĂŒnen betreffende Thematik: Der Eindruck drĂ€ngt sich auf, dass die Verantwortlichen immer ein wenig nach China schielen, auf die Weltmacht, die – gegrĂŒndet auf dem Kommunismus – entscheidend von antidemokratischem Verhalten und Verboten seitens der Regierung lebt. In jedem Fall haben sie von der ehemaligen DDR die vermeintlichen Frauenrechte, nĂ€mlich die Abschaffung der Abtreibungsparagrafen, ĂŒbernommen; die Frauenversammlung in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO) befĂŒrwortet, die Paragrafen 218 und 219 a des Strafgesetzbuchs ersatzlos zu streichen. Selbst der zustĂ€ndige Bischof StĂ€blein widersprach dem nicht.

FĂŒr die Kirchen liegt darin kein Problem, im Prinzip genießen gerade die evangelischen FĂŒhrer das Treiben der Ökopartei – gleichwie ob christlichen oder nichtchristlichen Ursprungs. Sie wird dabei unverhohlen vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterstĂŒtzt. Das wird auch deutlich in der Kirchenmusik. Immer mehr Gottesdienste verzichten, zumindest weitgehend, auf ChorĂ€le, den kirchlichen Liederschatz. Das hĂ€ngt mit einer Tendenz zusammen, nĂ€mlich dem BemĂŒhen, Musik von Vertretern einer „rassistischen, kolonialen“ Kultur zu eliminieren, die westliche Notenschrift sei ein „koloniales ReprĂ€sentationssystem“, wie Angehörige der Musik-FakultĂ€t der UniversitĂ€t Oxford behaupten. So ist man offen fĂŒr oft rhythmische „Liedchen“, die als „Lobpreis“ bezeichnet werden. Das gilt auch fĂŒr die Fernseh-Gottesdienstgemeinde von ARD und ZDF. Inhaltlich geht es hauptsĂ€chlich um das „Wohl“, nicht um das „Heil“. Ein diesbezĂŒglicher Höhepunkt war der Gottesdienst aus Bremen im Juni 2021 mit dem Thema „Jesus ist die TĂŒr“. Unterschlagen wurde aus dem zentralen Vers 9 des Johannesevangeliums Kapitel 10 der zweite Teil, nĂ€mlich die TĂŒr „zur Seligkeit“. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk schafft es natĂŒrlich nicht, die Kirchen an ihre historischen Grundlagen zu erinnern und ihr dabei behilflich zu sein, biblisches Gedankengut wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Es geht den Sendeanstalten weitgehend darum, die eigene Macht zu erhalten oder auszuweiten; insoweit ĂŒben sie sich gerade in den Nachrichtensendungen, von denen fast jede mit den neuesten Inzidenz- und Todeszahlen beginnt. Selbsterkenntnisse sind eine Seltenheit; die Krise im Hinblick auf die GebĂŒhrenerhöhung, die das Bundesland Sachsen-Anhalt abgelehnt hat, macht die Medien nicht etwa nachdenklich.

Mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben die Kirchen etwas gemein, es geht um den „Kampf gegen Rechts“. Gewiss wird von manchen Nachdenklichen korrekter der Kampf gegen „Rechtsextremismus“ artikuliert; die Ideologen beschrĂ€nken sich auf das Wort „rechts“, wodurch sie zum Ausdruck bringen, dass alles Rechte letztlich extremistisch sei. Der Kampf gegen Rechtsextremismus ist allemal gerechtfertigt und wĂŒnschenswert wie auch der Kampf gegen den Linksextremismus. Der Verzicht auf das Teilwort „Extremismus“ unterstreicht den Fanatismus, das Denken der Menschheit auf einem Sektor zu manipulieren. Das Engagement zeigt deutliche ideologische ZĂŒge. FĂŒr Christen und das Rechtswesen ist eigentlich klar, dass nach Bibel und Tradition „rechts“ regelmĂ€ĂŸig etwas Gutes war und ist; das gilt besonders fĂŒr das Recht. In der Bibel wird diese Einteilung bereits deutlich durch das, was im Kontext mit Jesu Worten ĂŒber das JĂŒngste Gericht gesagt wird; er selbst werde „auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit“ sitzen und die Menschen nach ihrem Verhalten einteilen: dabei werde er „die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken“. Zu den Rechten werde er sagen, dass sie das Reich, das fĂŒr sie bereitet ist, erben sollen; dann werde er auch sagen zu denen zur Linken: „Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer! Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben“ (MatthĂ€us 25, 31-46).

7. Geistvolles „recht“

Auch sonst ist der Begriff „rechts“ eher positiv besetzt. Das ergibt sich bereits aus dem Wort „Recht“. So ist bereits am Anfang der Bibel der positive Grundgedanke sichtbar; es heißt (1. Mose 20, 16): „
damit ist dir bei allen Recht verschafft“. Es geht in diesem Sinne weiter, etwa dass Abraham die Rechte Gottes gehalten habe (2. Mose 26, 5). So existieren mehr als 100 Verse, in denen Rechtes positiv bezeichnet wird; „rechts“ wird niemals negativ besetzt. Daraus resultieren auch Begriffe wie „rechtschaffen“ und „rechtfertigen“. Anders steht es um Links, etwa in Prediger 10,2: „Des Narren Herz ist zu seiner Linken“. Das findet die Evangelische Kirche aber als langweilig und uninteressant, es gelte politisch mitzumischen, wenn es um den „Kampf gegen Rechts“ geht. So wurde dem langjĂ€hrigen Chefredakteur von IDEA (eine Art konkurrierende Wochenzeitung zum Evangelischen Pressedienst) nahegelegt, den fĂŒr seine großartigen, Jahrzehnte langen Leistungen erhaltenen Löwenthal-Preis (gewiss konservativ) zurĂŒckzugeben. Die Auszeichnung berge die Gefahr, dass die Tabugrenze im Graubereich zum Rechtsextremismus weiter nach unten verschoben werde (so der Bildungsdezernent Christian Wagner). Wenn es ihr entgegenkommt, beruft sich die EKD durchaus auf ihre ĂŒbergeordnete Rolle; sie mischt sich in viele Probleme der Politik ein. In der 11. Synode am 29. Oktober 2010 kam es zu folgendem Beschluss: „Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ist beunruhigt, dass rechtsextremes Gedankengut, das sich vermehrt in brutalen Gewalttaten Ă€ußert, in ganz Deutschland vorzufinden ist… Wir beklagen sowohl rechtsextreme Einstellungen in unserer Kirchengemeinde als auch zunehmende antichristliche Ressentiments und VorfĂ€lle von Seiten Rechtsextremer“. Man wird an die Synode in Barmen 1934 erinnert: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als dĂŒrfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft oder ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen ĂŒberlassen“.

Nur ist eben ein politisches Urteil in einer konkreten politischen Situation nicht das Wort Gottes. Die Theologie hat streng darĂŒber zu wachen, dass keine Vermischung christlichen Glaubens mit einem politischen Programm eintritt, wie es der renommierte Theologe Karl Barth bereits 1933 geĂ€ußert hat. Aus einer solchen Vermischung wĂŒrde konsequent folgen, dass politisch Andersdenkende von denjenigen, die meinen, eine christliche Politik zu machen, als unchristlich stigmatisiert werden. Darum geht es im EKD-Beschluss. Das ist auf keinen Fall eine Auslegung des Wortes Gottes im Sinne der Heiligen Schrift. Es handelt sich um folgende Konklusion: Im Gegensatz zum Nationalsozialismus und Sozialismus habe es die Zivilgesellschaft geschafft, der Evangelischen Kirche eine neue Letztorientierung zu geben (Dr. Erik Lehnert). GegrĂŒndet werden sollen Arbeitsgemeinschaften gegen Rechtsextremismus; zur Mitwirkung wurde fĂŒr die erste Informationsveranstaltung Uli Jentsch vom linksextremistischen antifaschistischen Pressearchiv in Berlin eingeladen; im Gegensatz zu rechtsextremer Gewalt sei nach Auffassung der Kirche linksextreme Gewalt in Deutschland kaum existent. Unbekannt ist den Aktivisten offensichtlich Botho Strauß‘ „Bocksgesang“, der – durchaus rechts – Mitte der 90er Jahre in einer Abhandlung auf politische Probleme aufmerksam gemacht hatte, wie es Jahrzehnte vor und Jahrzehnte nachher auf demselben hohen Niveau nie erfolgt ist. Man könnte zu Recht meinen, dass Deutschland eine neue Reformation benötige. Derzeit hat es die EKD bereits geschafft, in der Gesellschaft als nur eine von vielen Ă€hnlicher Gruppen wahrgenommen zu werden. Beliebt erscheint das WohlfĂŒhl-Christentum oder gar der damit verbundene Infantilismus. Eine Kirche, die sich selbst aufgibt, nur weil sie den MĂ€chtigen oder der öffentlichen Meinung gefallen will, verliert sich am Ende selbst (Dr. Theo Lehmann). Man kann sprechen von einer Mutation, und zwar von einer Volkskirche zu einer linksgrĂŒnen NGO. Zu erinnern ist an den Schriftsteller und Philosophen Jean Paul Sartre, der behauptet hat: „Wer die Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen“. Der „Kampf gegen Rechts“ ist und bleibt ein intellektuelles Problem – sei es die Einseitigkeit oder sei es die fehlende rationale BegrĂŒndung. Der „Zeit“-Kolumnist Harald Martenstein hat einen Vorschlag fĂŒr die EKD: Sie mĂŒsste NĂ€chstenliebe auch gegenĂŒber Rechtsextremisten fordern; jeder bleibe Mit-Mensch; das mĂŒsste auch fĂŒr Vertreter der von der Evangelischen Kirche verhassten AfD gelten, welche von der Kirche weit gefĂ€hrlicher als die Antifa eingeordnet wird. Gefordert wird viel Kampf, aber mit falscher Richtungsangabe; es sollte ja um das biblische Anliegen gehen: „Seid mĂ€nnlich (heute: mutig) und seid stark!“. Die EKD kann sich auf die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft in den letzten Wochen grĂŒnden, denn der erforderliche Kampfgeist fehlte. Die deutsche „Mannschaft“ hat ihr frĂŒhzeitiges Ausscheiden aus dem europĂ€ischen Fußballwettbewerb verdient. Sie hat nicht nur unter ihren Möglichkeiten gespielt, sondern auch – nach dem damaligen Fauxpas gegenĂŒber Erdogan – neue merkwĂŒrdige Zeichen gesetzt. Zum einen mied sie krampfhaft den Begriff „Nationalmannschaft“ – eine Dummheit im Vergleich zu den Schweizern, die bravourös mit ihrer „Nati“ den Weltmeister niedergerungen haben. Zum anderen hatte sie den traditionell jĂŒdisch-christlichen „Regenbogen“ fĂŒr kolorierte homosexuelle Werbung missbraucht. Schließlich kam es zu dem ideologiebehafteten „Kniefall“, um – generell lobenswert – gegen Rassismus und fĂŒr Gerechtigkeit und MenschenwĂŒrde zu demonstrieren. Eine solche Unterwerfung unter modisches Denken verhilft offenbar dazu, sich ohne robusten Widerstand dem Fußball-Schicksal zu ergeben, und nicht wie Tschechien, Ukraine oder Ungarn den mannhaften Kampf aufzunehmen. Diese Gedanken gelten entsprechend fĂŒr die EKD, wenn man an die biblische Mannhaftigkeit denkt.

8. Zentrales Evangelium

Stelle man sich vor, es gebe einen universellen Christen, der vorbildlich ist in seiner Denkweise und auch im Glaubensleben. Es gab diesen Mann, nĂ€mlich Gerd-Klaus Kaltenbrunner (1939-2011). Er war Philosoph und Mystiker, der sich ausschließlich religiösen Themen widmete. Er publizierte in Zeitungen wie „Welt“, „FAZ“ und „Zeit“. Seine Erkenntnis ist, dass die gesamte Geistesgeschichte auf Jesus Christus und seine Kirche zulaufe, etwa in seinem Buch „Johannes ist sein Name“ (1993). Er ist ein Vorbild fĂŒr die Kirchen, leider spielte er aber im Hinblick auf seinen Kampf fĂŒr das Kernevangelium keine Rolle fĂŒr die EKD. Diese legt großen Wert auf die „Zivilgesellschaft“ mit der Versimplifizierung des politischen Diskurses und offen ist fĂŒr GesinnungsschwĂ€tzer. Eine große Bedeutung hat die UnterstĂŒtzung des Betroffenheitskults (gegen den der Autor mit seinem Buch „Hilfe, wir werden diskriminiert“ angegangen ist), der RealitĂ€tsverbiegung und der Autovictimisierung. Widerspruch wird nicht geduldet, im Gegenteil werden Andersdenkende katalogisiert. Gegner sind etwa die Zweifler am Sinn der kirchlichen Rettungsaktionen im Mittelmeer, am deutschen Vorpreschen gegen den Klimawandel oder am Desavouieren der klassischen Familie.

Derartige Kritiker sind schon sehr unangenehm fĂŒr die Kirche; erst recht kommen aber diejenigen hinzu, die von der EKD die Beachtung des zentralen Auftrags der Kirche fordern, nĂ€mlich sich fĂŒr das Heil der Menschen zu engagieren. Gerade die kirchlichen Feste wie Ostern und Pfingsten zeigen, wie gewichtig die VerkĂŒndigung der frohen Botschaft fĂŒr die Menschheit ist. Es geht ganz schlicht um liebevolle Hinweise auf Gottes Angebot von SĂŒndenvergebung und neuem Leben. Der Theologe Dr. Theo Lehmann konnte in der DDR trotz staatlichen Widerstands immer wieder mehrere 1000 Jugendliche zu Gottesdiensten versammeln, in denen es nicht um Politisches ging, etwa die Abschaffung des Unrechtstaates, sondern um das Evangelium. Immerhin hat der EKD-Ratsvorsitzende Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seinem Bericht vor der EKD-Synode in Dresden gefordert, sich konsequent danach auszurichten, dass Menschen das Evangelium hören und daraus Kraft und Orientierung gewinnen können. Der biblische Kerngedanke wird also nicht vergessen, aber es bleibt regelmĂ€ĂŸig bei gewissen AbsichtserklĂ€rungen. Es entsteht der Eindruck, dass die bibelglĂ€ubigen evangelischen Christen heimatlos geworden sind, nachdem sich faktisch herauskristallisiert hat eine Institution im Dienste einer antichristlichen Diesseitstheologie. Übersehen wird das „Sowohl-als-Auch“ in Bezug auf einerseits das Heil und andererseits das Wohl! Widerstand gegenĂŒber dem unbiblischen Denken wird kaum beachtet, nicht einmal die „Salzburger ErklĂ€rung“, die von renommierten Theologen unterzeichnet worden ist, oder die dezidierte Anklage des erfolgreichen Evangelisten Pfarrer Ulrich Parzany.

Auch kritische Äußerungen der Schwesterkirchen erscheinen als einflusslos, etwa der russisch-orthodoxen; selbst der umstrittene russische PrĂ€sident Putin hatte den Mut, die Behauptung aufzustellen, die Evangelische Kirche in Deutschland sei faktisch leblos, die Orthodoxen mĂŒssten das christliche Erbe in Europa aufrechterhalten. Auch hier in Deutschland gibt es noch ermutigende Stimmen: der CDU-Kanzlerkandidat Laschet bleibt seiner Beziehung zur Katholischen Kirche von Jugend an treu; sein Konkurrent von der CSU Söder bekennt sich zum tĂ€glichen Gebet und der Teilnahme an einem evangelikalen Hauskreis. Ganz anders die Rheinische Kirche: Nach ihrem Impulspapier soll Kirche eine „Lobbyistin der Gott-Offenheit“ sein, also sich stark machen fĂŒr die Einbeziehung von Juden und Muslimen, Esoterikern und GewohnheitsglĂ€ubigen, Schamanen und Agnostikern sowie WissenschaftsglĂ€ubigen und Buddhisten. Zentral ist letztlich Folgendes: Die IdentitĂ€t der evangelischen Kirche geht verloren. Der Zeitgeist geht auf eklatante Weise am Kern des christlichen Glaubens vorbei; Jesus Christus hat mit allen Menschen den Dialog gesucht, ist dabei keinem Konflikt aus dem Weg gegangen, selbst dann nicht, wenn seine GesprĂ€chspartner irgendwelche Exoten waren. Deshalb haben die Reformatoren die Kirche als „Lobbyisten fĂŒr die Frohbotschaft von Jesus Christus und fĂŒr die Sakramente Taufe und Abendmahl“ umschrieben (vergl. „Confessio Augustana“, Art. 7). Dies ist zweifellos nicht so ohne Weiteres vermittelbar, wenn man an andere Religionen denkt, aber genug, um Trost im Leben und im Sterben zu finden (Pfarrer Zorn, MĂŒhlheim). Die Kirche hat versucht, mit der „Basis Bibel“ Lust zum Bibellesen zu machen (so der GeneralsekretĂ€r der Deutschen Bibelgesellschaft Christoph Rösel). Das ist lobenswert, wird aber nichts an der derzeitigen kirchlichen Misere Ă€ndern. Die Kritik daran geht in eine ganz andere Richtung: Die „Evangelischen Frauen in Deutschland“ beschimpfen die Verantwortlichen der Deutschen Bibelgesellschaft, weil der hebrĂ€ische Gottesname Jahwe im Deutschen mit „Herr“ ĂŒbersetzt wird; sie vermissen das neuzeitliche „Gottesbild“. Es haben kirchlich Engagierte etwas Konstruktives in die Welt gesetzt – sofort muss dagegen gemeckert werden.

„Christen sind um Gottes Willen Querdenker, die nicht bequem horizontal, also im gesellschaftlichen Mainstream, sondern vertikal, nĂ€mlich von Gott her denken und zu handeln suchen. Christlicher Glaube schafft nicht eine moralische Zivilreligion mit dem Menschen als Maß aller Dinge, sondern eine Kontrastgesellschaft mit Gott als dem Herrn des Lebens. Der gekreuzigte Gott ist der wahre heilige Gott … Der Teufel hat Freude an der Macht. Die Macht liegt ‚links‘, seit selbst der globale Kapitalismus sich nach ‚links‘ dreht (siehe Forum Davos), nĂ€mlich seit die ‚Linke‘ die IdentitĂ€tspolitik in den Fokus rĂŒckt und den linken Gerechtigkeitsbegriff auf der politischen Tagesordnung nach hinten schiebt. Leider neigt der Mensch dazu, Wahrheitsfragen in Machtfragen zu verwandeln, und die Wahrheit verliert immer. Gott wurde nicht aus Versehen gekreuzigt“ (Pastor i.R. Dr. Dieter MĂŒller).

Leider kann diese Abhandlung nicht von der evangelischen Kirche in Deutschland schwĂ€rmen. Es gibt nur relativ Bescheidenes, was man zugunsten der EKD ins Feld fĂŒhren könnte. In der Tat bedarf es einer grĂŒndlichen Reformierung, man kann durchaus von einer notwendigen neuen „Reformation“ sprechen. Rettung der deutschen Evangelischen Kirche kann letztlich nur durch Gottes Gnade erfolgen, wobei von Menschenseite aus tiefgrĂŒndige biblische Theologie und intelligente Übertragung auf unsere politische und gesellschaftliche Situation vonnöten sind. Dem Zeitgeist sich unterzuordnen – wie in den letzten Jahrzehnten geschehen – hat jedenfalls nicht den Mitgliederschwund gebremst. Es ist Zeit fĂŒr einen neuen Ansatz.

Christian Hausen

Rechtsanwalt

NeumĂŒnster, den 02.09.2021

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 13. Oktober 2021 um 12:30 und abgelegt unter Kirche.