Gemeindenetzwerk

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Was bremst denn da? Predigt über Offb. 2,1-7

Freitag 10. September 2021 von Thomas Karker


Thomas Karker

Es ist kein Zufall, dass diese Gemeinde in der größten Stadt Kleinasiens an erster Stelle steht. Sie hat eine große Geschichte, die mit den Namen Paulus und Johannes, Apollos und Philippus und dem Märtyrerbischof Ignatius verbunden ist. Rund 300.000 Einwohner zählte Ephesus, Umschlagplatz des Ost-Westhandels. Die Stadt ist zugleich ein imposantes Bollwerk des Heidentums: sie beherbergt den berühmten Tempel der Diana, der zu den sieben Weltwundern der Antike gerechnet wurde. In diesem Tempel befand sich das Bild der Göttin, aus schwarzem Ebenholz, angeblich vom Himmel gefallen. Aus aller Herren Ländern strömen sie herzu. Ein riesiges Theater mit 50.000 Sitzplätzen gab es in Ephesus. Eine wundervolle Stadt!

Man kann in ihr Geschäfte machen, man kann sich herrlich amüsieren, man kann seine kulturellen und religiösen Interessen befriedigen, und, wer etwas Besonderes haben will, der kauft sich eines der berühmten Zauberbücher, die in Ephesus zu haben sind und durch die man sich die dunkle Mächte dienstbar machte. Ja, die Stadt bot alles, was eine moderne Großstadt zu bieten hatte. Herz, was begehrst Du mehr? Um so größer war das Wunder, dass es in dieser Stadt Menschen gabt, die Jesus Christus gehörten. Was für ein Einbruch des Evangeliums in einen Raum, in dem es – menschlich betrachtet – nicht die geringste Chance hatte! Das ist vom Herrn geschehen. Und dieser Herr Jesus, der die Gemeinde schuf, meldet sich jetzt zu Wort.

Jesus kommt. Er ist nicht der, der zu allem Ja und Amen sagt, sondern der Amen heißt und damit letzte Autorität besitzt. Er ist nicht der, der lieb und nett faselt, sondern der treu und wahrhaftig redet und damit letzte Autorität beansprucht. Er ist der Anfang der Schöpfung und hat damit göttliche Autorität.

Hier geht es nicht um einen netten Kaffeeklatsch, sondern um die Generalvisitation unseres Herrn. Er wird bei seinem Kommen die Tiefe meines Herzens und Gewissens durchschauen, und die Größe meiner Schuld durchmessen.

Es bleibt eine aufregende Sache, diesen Herrn in unserer Mitte zu haben. Er kennt sich aus. Er schaut auf den Grund, und seine Augen sind wie Feuerflammen (1,14). „Ich weiß deine Werke,“ das heißt doch: Mir machst du nichts vor. Meine Augen dringen durch alle Hüllen und Masken, Fassaden und Verkleidungen. An diesem „Ich weiß deine Werke“ stirbt alle Schauspielerei. Hier zählt nur die Wahrhaftigkeit, die völlige Aufrichtigkeit gegen sich selbst und vor dem Herrn. Und doch ist dieses Wort nicht nur Anlass zum Erschrecken. Es ist zugleich ein mächtiger Ansporn, mit Eifer ans Werk zu gehen und nicht müde zu werden.

Deshalb dürfen diese Bücher nicht wie Geschichtsbücher studiert werden, die helles Licht in dunkle Vergangenheit bringen. Sie dürfen auch nicht wie Gemeindeberichte buchstabiert werden, die über ferne Orte Auskunft geben. Und sie dürfen erst recht nicht wie Zeitungsartikel überflogen werden, die Unterhaltendes zu berichten wissen. Die Sendschreiben hier, sind Visitationsberichte. Normalerweise werden solche Akten unter Verschluss gehalten. Immer tragen solche Stücke den Stempel „streng vertraulich.“ Hier aber sind sie veröffentlicht, an die große Glocke gehängt. Diese Visitationsberichte sind eben keine Geheimschreiben, sondern Sendschreiben, die jeder lesen kann.

Die Adresse lautet: Ephesus. Knotenpunkt des Weltverkehrs zwischen Morgen- und Abendland, Umschlaghafen für die orientalischen Religionen und Amtssitz des römischen Prokonsuls. Kein Wunder, dass Kaiser Augustus diesen Ort nicht weniger als viermal besucht hat. Hier sind jetzt Menschen angesprochen, die im Strudel der Zeitgeschichte auf den Herrn sehen, der gesagt hat: „Siehe, ich komme bald.“ Der Inhalt ist klar gegliedert.

1. Das ist zu loben.

Jesus fängt mit Loben an. Bei uns beginnt es oft mit der Kritik. Das Miesmachen und Verletzen ist uns wichtig. Dieser Herr stellt das Lob voran, ein vierfaches Lob sogar.

Einmal wird die Absicht gelobt, dass das Evangelium in die Welt hinausgehört. Ephesus war eine missionarische Gemeinde. Jedes Jahr war für sie ein missionarisches Jahr. Sie hätten jenen Test bestanden. den einmal Vissert-Hooft, ein reformierter Theologe, so formulierte: „Es gibt für den Glauben keinen entscheidungsvolleren Test als den, der die Übersetzung des Glaubens in das Zeugnis betrifft. Die zentrale Frage in dem Test lautet: bist du willig und bereit, es unter allen Umständen in deiner Umgebung auszusprechen, dass Christus der Herr ist?“ Zeugnis ist Test des Glaubens. Glaube will heraus und sich im Zeugnis artikulieren. Glaube und Zeugnis sind nicht zwei Paar Stiefel. Ich kann nicht den Glauben für mich behalten und das Zeugnis dem Amt für missionarische Dienste oder dem Pastor zuweisen. Damit wird auseinandergerissen, was schon hier zusammengehörte. Zwischen Glauben und Zeugnis steht kein Punkt und kein Komma, Glaube und Zeugnis sind eins. In der Gemeinde ist nicht dann Alarmstufe rot, wenn nur noch 15 in den Bänken sitzen. Jesus zog mit zwölf durch das Land. Aber dann ist Alarm, wenn diese 15 keine Zeugen mehr sind. Nur der glaubt, der den Mund nicht mehr halten kann über der weltbewegenden Offenbarung, die in Jesus geschehen ist. Nur der glaubt, dem es über die Lippen kommt: „Jesus ist kommen, sagt‘s aller Welt Enden!“ Mission ist Absage an eine halbe Sache. Die Absicht zum Missionieren ist zu loben.

Dann ist die Weit- bzw Klarsicht, dass Mission ins Leiden führt, zu loben. Ephesus war eine leidende Gemeinde. Manche meinen, mit Jesus gehe es direkt in die Herrlichkeit. Sie denken wie Petrus. Ihm hatte dieser Mann aus Nazareth imponiert. Von einer Stunde zur anderen quittierte er seinen Dienst. Ohne eine Sekunde Heimweh nach seinem Fischerdorf sagte er sich: mit diesem Mann lässt sich leben, mit diesem Mann erhält mein Leben einen neuen Sinn, mit diesem Mann geht es in die Zukunft. So zog er los. Jede Faser war diesem neuen Herrn verschrieben. Als Jesus fragte, wollt ihr auch weggehen, da ergriff er das Wort: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!“ Petrus war felsenfest überzeugt, dass es mit diesem Mann einem großen Leben entgegengeht. Dann sprach dieser Jesus vom Tod, dann wollte dieser Jesus nach Jerusalem, dann ging dieser Jesus den Leidensweg. Petrus fiel aus allen Wolken. Er schlug mit dem Schwert dazwischen. Er verleugnete seinen Herrn. Er war doch keinem Todeskandidaten nachgelaufen, sondern einem Lebensbringer. Er wollte doch keinen Leichenzug veranstalten, sondern einen Festzug machen. Das Leben ist nicht zu finden, wenn man gerade auf den Galgen zuläuft. Was soll der Tod, wenn es ums Leben geht?

Nicht verstanden hatte er, was die Epheser wussten: Mission ist keine „Tour D‘Amusement“, sondern eine „Tour der Leiden.“ Egal welche Ideologie, alle versprechen Anteile und Prozente am Sieg. Und Jesus verspricht Anteile und Prozente an der Niederlage. Leiden ist nicht Ausnahme, sondern die Normalsituation. Dieser Jesus hat keine Kronen verteilt, sondern Kreuze. Er will Kreuzträger, und das nicht neben sich oder gar vor sich, sondern hinter sich. „Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Die Klarsicht, dass Mission zum Leiden führt, ist zu loben.

ŽDann ist die Durchsicht, dass nicht alle Geister vom Heiligen Geist kommen, zu loben. Ephesus war eine prüfende Gemeinde. Jede lebendige Gemeinde hat nicht nur eine äußere, sondern auch eine innere Front. Jede christliche Gemeinschaft hat nicht nur draußen atheistische Gegner, sondern auch drinnen sektiererische Schwärmer. Gottes Bau beherbergt auch schmutzige Leute, ungereinigte Gefäße, sagt Paulus einmal. Abfalleimer, Dreckkübel, Müllschlucker, ja diese Innenweltverschmutzung ist noch viel gefährlicher als die Umweltverschmutzung oder der sogenannte Klimawandel. Sektierer sind ein tödliches Krebsgeschwür. Die innere Front ist lebensgefährlich. Man kann nicht darüber den Mantel der Liebe breiten und sagen: „Es ist alles halb so wild.“ Schwärmer und Irrlehrer stecken alle an. Die Epheser wussten: Schwätzer reagieren nicht auf Argumente. Deshalb müssen sie hinaus. Dreckeimer gehören vor die Tür. Irrlehrer sind nicht arme Irre, sondern irre Arme des Teufels. Einen Platz haben sie nicht. In Ephesus wurden diese Leute Nikolaiten genannt, über deren Leben viel Dunkel liegt.

Die falschen Apostel waren ja keine Unchristen, sondern dem Äußeren nach sehr alte und vornehme Christen und Lehrer, sonst hätten sie sich nicht als Apostel ausgeben können, die Christus auf der Welt schon gesehen hätten. Weil sie aber die Reinheit des Zeugnisses von Christus verloren hatten, so waren sie bei all ihrem Ruhm und Schein falsche Apostel. Wir dürfen nicht so gutgläubig sein, dass wir alles, was einen schönen Namen führt, gleich annehmen, sondern: wachet und prüfet alles! Die Gemeinde wusste Bescheid. Wer Irrgeist, Schwarmgeist und Ungeist durchschaut und ihm die Tür weist, der hat ein Lob verdient. Diese Durchsicht, dass nicht alle Geister vom Heiligen Geist kommen, ist zu loben.

Dann ist die Umsicht, dass Schwache, Alte und Kranke die Hilfe der Gemeinde benötigen, zu loben. Ephesus war auch eine diakonische Gemeinde. Tabeas lebten dort. Wir erinnern uns an diese Frau, die zur Mutter der Gemeinde in Joppe geworden ist. Sie wusste wie Blumhardt: „Lass mich nicht im Eigenen bleiben. Ich will keinem Wirbel im Strom gleichen, der alles, was in seine Saugnähe gerät, in sich hineinschlingt. Ich will Quelle am Boden sein, von der nach Jesu Wort Ströme des lebendigen Wassers ausgehen.“ Deshalb legte Tabea ihre Hände nicht in den Schoß, sondern regte sie. Sie griff nach Schere und Stoff, nach Nadel und Faden. Sie fertigte Kleider an. Und dann wartete sie nicht auf Besuch, sondern machte Besuch. Mit der Barmherzigkeit durchbrach sie die Einsamkeit.

Eine Gabe hat jeder, und die gilt es im diakonischen Dienst einzusetzen. Fernseher haben wir ja genug. Was wir brauchen, sind Nahseher, die die Not erkennen und etwas tun. Diese Umsicht, dass Schwache, Kranke und Alte der Hilfe der Gemeinde bedürfen, ist zu loben. Also endlich, eine Vorzeigegemeinde! Stimmt das? Hören wir auf das andere.

2. Das ist zu tadeln.

Die Epheser sahen die Heiden, die Irrlehrer, die Kranken, aber nicht mehr Jesus allein. Über aller Absicht, Klarsicht, Durchsicht und Umsicht verloren sie die Aufsicht zu ihrem Herrn. „Lasset uns aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens.“ Das persönliche Verhältnis zu Jesus stimmte nicht mehr. Wenn dies aber nicht mehr in Ordnung ist, dann verfällt die Gemeinde, dann stürzt sie in eine geistliche Narkose, dann stirbt sie ab. Luther hat immer wieder an das Schicksal dieser Gemeinden erinnert und gefragt: Sollte das Schicksal der Christenheit im Mutterland der Reformation das gleiche werden? Bleiben von Bremen, Köln und Hamburg auch nur ein paar Steine übrig, über denen die Fahne des Halbmonds weht? Alles entscheidet sich an unserem persönlichen Verhältnis zu Jesus: Manche meinen, die Kirche und ihre Strukturen seien so zu reformieren. Manche meinen, die Kirche müsse sich auf die Seite der Armen schlagen. Manche meinen, die Kirche müsse mehr von der Tagesordnung der Welt bestimmt sein und nicht auf Fragen antworten, die gar nicht gestellt seien. Aber alles entscheidet sich an dem persönlichen Umgang mit unserem Herrn. Er will nicht nur unser Gebet, nicht nur unsere Frömmigkeit, nicht nur unsere Hingabe, ja nicht einmal nur unsere Liebe, er will unsere erste Liebe.

Diese erste Liebe kann nur der haben, der verstanden hat, dass wir seine erste Liebe sind. „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Er gab seinen Sohn. Luther erklärt: „Das heißt ja nicht, einen Groschen geben, ein Auge, eine Kuh, ein Königreich, ja auch nicht den Himmel mit der Sonne und den Sternen, noch nicht die ganze Kreatur, sondern er gab seinen Sohn.“ Das heißt weiter, dass er ihn nicht nur auf die Erde, sondern in den Tod gab – so opferbereit war Gott, soviel ließ er sich seine erste Liebe kosten! So sehr hat Gott die Welt geliebt. Keiner ist ausgegrenzt, jeder ist angesprochen, alle sind gemeint. Augustin hat gesagt: „Gott liebt jeden so, als gäbe es außer ihm niemand, dem er seine Liebe schenken könnte.“ Und Luther fügt noch einmal an: „Gott gab seinen Sohn nicht dem Teufel oder den Hunden, sondern dir. Du bist seine erste Liebe. Weil er uns so liebt, können wir doch gar nichts anderes tun als ihn wieder zu lieben.“

Wenn ich seine erste Liebe bin, dann kann er doch für mich nicht die zweite oder dritte Wahl sein. Wir sollen Gott über alle Dinge lieben: über Freunde, Reisen, Urlaub und Geld.

Die „erste Liebe“ – damit ist in diesem Text nicht die Liebe des Anfangs, der ersten Zeit nach der Bekehrung gemeint. Es ist vielmehr die Liebe ins Auge gefasst, die unter allem, was wir Jesus Christus, unsrem König und Retter, bringen und schulden, an der ersten Stelle steht: die ganz persönliche Liebe zu Ihm selbst. proton (die Liebe die du vorher hattest) Erinnern wir uns einen Augenblick an das denkwürdige Gespräch, das der Herr nach seiner Auferstehung mit Simon Petrus führte, nachdem Ihn dieser dreimal verleugnet hatte. Er stellt dem Jünger die Frage: „Simon Jona, hast du Mich lieb?“ Die erste Liebe wird sie in unsrem Brief genannt, weil sie von ausschlaggebender Bedeutung ist. Für diese Liebe gibt es keinen Ersatz. Und wenn in unsrem Christenstand nicht Leben und Wirken, Bekennen und Dienen aus dieser Liebe fließt, dann ist die Hauptschlagader verletzt. Dann fehlt das Entscheidende. Kein Bekennermut, kein Arbeitseifer, kein Opfersinn, wiegt diesen Schaden auf.

Darf ich persönlich fragen: „Was ist Ihnen das Liebste auf der Welt? Ihre Frau, Ihre Kinder, Ihr Haus, Ihr Hobby?“ Wenn Sie es wissen, frage ich Sie weiter: „Könnten Sie es um Jesu willen lassen? Könnten Sie es?“ Wenn nicht, dann haben Sie ein geteiltes Herz und gehören nicht ungeteilt diesem Herrn. „Jesus will nur solche, die ganz sein sind oder es ganz sein lassen.“ Erste Liebe, das heißt doch: der erste Gedanke am Morgen (Gebet), das heißt doch: der erste Satz, ein Lob und ein freundlicher Wort der Frau und dem Kollegen gegenüber. „Ich habe gegen dich, dass du die erste Liebe verlässt.“ Das ist zu tadeln.

3. Das ist zu tun.

„Gedenke, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Sonst komme Ich über dich und werde deinen Leuchter von seiner Stätte stoßen, wenn du nicht Buße tust.“ Die Stimme des Herrn bekommt einen drohenden Klang. Die Erinnerung an die Zeit, in der das „Herzlich lieb hab ich Dich, o Herr“ nicht nur so locker über die Lippen ging, sondern im Herzen geschrieben stand, soll uns zur Beschämung dienen. Umkehr, Rückkehr zur ersten Liebe. Tue Buße! Das griechische Wort dafür heisst: Denke um! Buße ist Not – das heißt nicht: lass dir diese und jene Sünde leid sein, sondern: Wende dich um zu dem Herrn, der nach deiner Liebe fragt, und tue die ersten Werke, in denen du nicht dich selbst, deine Befriedigung, Lebenserfüllung oder deine Ehre vor den Menschen suchst, sondern die du in Angriff nimmst dem Herrn zuliebe. Dort am Kreuz müssen wir uns unsere Liebe erneuern lassen: Das tat ich für dich, was tust du für mich?

Ist es irgendwo schöner und eindrucksvoller beschrieben als im Gleichnis vom verlorene Sohn? Er kam zu sich, er schlug sich an die Brust, er kam heim zum Vater. Das ist die Rückkehr zur ersten Liebe: „Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden.“ Ephesus soll wieder leben, ganz leben, neu leben, voll leben – ein Leben in der ersten Liebe.

Welches Mittel gibt der Auferstandene den Ephesern mit? Wir hören es am Ende eines jeden Sendschreibens: Überwinde! (griechisch: der Sieger Seiende)

H. v. Bezzel: Der Glaube an Christus ist nicht ein überwundener Standpunkt, sondern der Standort der Überwinder.

„Wer überwindet, der wird es alles ererben“ (21,7). Daraus folgt doch, dass dieser Standort des Überwinders der einzige ist, der dem Christen entspricht.

Die Welt ist etwas, das überwunden werden muss. Nicht nur, weil sie ein großes Lazarett ist, in dem ohne Unterlass gelitten und gestorben wird. Aber noch schwerer wiegt, dass ihr ganzes Wesen und Treiben dem Willen Gottes zuwider ist. Seit dem Sündenfall trägt die Menschheitsgeschichte das Brandmal der Gottesfeindschaft. Es kommt hinzu, dass diese Welt, in der wir leben, einen Herrn hat, den die Schrift den „Fürsten dieser Welt“ nennt. Verneinung der Herrschaft Gottes ist das Ziel seiner Politik. Und jeder hat vor Augen, wie zäh er sein Ziel verfolgt, alle nur erdenklichen Mittel aufzuwenden, um uns in seine Armee wieder einzugliedern. Widerstehen wir oder lassen wir uns ködern? Das ist die Frage! Im zwölften Kapitel der Offenbarung wird geschildert, wie dieser Fürst entthront wird: „Ich hörte eine große Stimme im Himmel, die sprach: . . . sie haben ihn (den Teufel) überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses“ (12,10f.). Sie haben ihn überwunden! Es bedarf einer Schar von Überwindern.

Solches Überwinden ist nicht jedermanns Ding, auch nicht innerhalb der Christenheit. Jeder Tag führt uns mit Menschen zusammen, die sich in ihrer Haut und in dieser Welt anscheinend pudelwohl fühlen. Daneben gibt es freilich auch andere, die sich in eine Sackgasse verrennen und eines Tages mit ihrem Leben nicht mehr zurechtkommen. Da und dort sehen wir einen, der unter die Räder kommt. Man muss heilfroh sein, wenn man sich einigermaßen aus der Affäre zieht! So denken heute die meisten auch unter denen, die sich Christen nennen. Jeder versucht es auf seine Weise, sich zwischen den Klippen durchzulavieren, sich möglichst vorteilhaft zu platzieren, möglichst glimpflich davonzukommen.

Aber die ersten Christen haben anders gedacht: nicht sich durchwinden, sondern überwinden war ihr Losungs-Wort. Paulus schreibt im Römerbief: „In dem allem überwinden wir weit“, wörtlich übersetzt: wir siegen hoch (Röm. 8,37). Der Apostel Johannes schreibt im ersten seiner Briefe: „Was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“ (1. Joh. 5,4). Wieso ist unser Glaube ein solcher Sieg? Weil dieser Glaube an Jesus Christus dem Herrn gilt, der von sich sagen kann: „. . . Seid getrost, Ich habe die Welt überwunden“ (Joh. 16,33).

Ohren auf. Wer nicht hören will, muss fühlen. Gott ruft nicht ewig. Es gibt ein „zu spät.“ Nutzt die Zeit, bringt alles in Ordnung.

Und Augen auf. Das Paradies, der Himmel steht euch offen. Wer jetzt umkehrt, kehrt in den Himmel ein. Es lohnt sich. Wer hier ermüdet, der schaue auf das Ziel, da ist Freude. Ohren und Augen auf!

Amen

Prädikant Thomas Karker, Bremen, Predigt für Sonntag, den 12.9.2021

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 10. September 2021 um 17:37 und abgelegt unter Predigten / Andachten.