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Predigt über Offb 1,1-3: Gottes letztes Buch

Samstag 19. Juni 2021 von Thomas Karker


Thomas Karker

Liebe Gemeinde, es geht ja heute recht turbulent im Weltgeschehen zu und die Frage bewegt viele: Was kommt auf uns zu? Wer sich ein wenig in der Bibel auskennt, sieht in allen Heilszeiten ein bemerkenswertes Phänomen: in jeder Heilszeit können wir sehen, dass Gott immer Gesetz und Gnade anbietet: Henoch ist in der vorsintflutlichen Zeit der Gesetzesprediger, Noah (Trost) der Vertreter der Gnade; Mose und Josua, Elia und Elisa, Johannes der Täufer und Jesus. Interessant ist, dass sie jeweils eine Zeit lang parallel nebeneinander ihren Auftrag ausführen und dann der Vertreter des Gesetzes weggenommen wird.

Ganz deutlich sehen wir es nach Jesu Tod wie Jerusalem 70 n. Chr. von Titus dem römischen Oberkommandierenden komplett zerstört wird, Jesus hat dies vorhergesagt. Israel als Heilsträger und die Gemeinde sind parallel anwesend, dann wird Israel gerichtet und verschwindet 120 n. Chr. völlig in der Völkerwelt. Die Gemeinde ist momentan Heilsträger. Heute sehen wir, wie Israel und die Gemeinde wieder seit Mai 1948 parallel neben einander existieren. Irgend wann wird Israel wieder als Heilsträger eingesetzt und die Gemeinde verschwinden. Was kommt auf uns zu? Es liegt mir nichts daran jetzt den Taschenrechner auszupacken, sondern Jesus ruft uns auf „die Zeichen der Zeit“ zu beachten, denn mit dem Punkt, dass Israel wieder im Land der Verheißung ist, erfüllt sich eine weitreichende Prophetie aus Jesaja und Hesekiel: Am Ende der Tage wird Gott sein Volk wieder in sein Land führen wird. Vgl. auch Röm. 9-11

Was kommt auf uns zu? Wir wollen heute und in einigen weiteren Predigten ein wenig darüber nachdenken, was Gott in seinem letzten Buch die Offenbarung uns mitzuteilen hat. Es kann nur ein kleiner Anreiz sein, sich mit dem Buch selbst etwas mehr zu befassen.

Eigentlich müsste ich jetzt die ganze Offenbarung einmal vorlesen. Aber weil ich das nicht kann, deshalb möchte ich Ihnen wenigstens den Anfang, die ersten 3 Verse ein wenig näher bringen. Da heißt es:

Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll; und er hat sie durch seinen Engel gesandt und seinem Knecht Johannes kundgetan, der bezeugt hat das Wort Gottes und das Zeugnis von Jesus Christus, alles, was er gesehen hat. Selig ist, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.

Nun teilt sich der Inhalt der Offenbarung grob in drei Teile auf.

ŒDer erste Teil sind die Kapitel 1-3. Man könnte es überschreiben: Was ist! Was ist, wie sieht’s aus. Das sind die Sendschreiben. Was ist Kapitel 1-3.

Und dann kommt das zweite Teil: Was kommt. Was kommt. Das ist das Kapitel 4 bis Kapitel 19 Vers 10.

ŽUnd die dritte große Einheit ist dann der Schluss: Was sein wird. Kapitel 19,11 bis Kap. 22.

Also: Was ist. Was kommt. Und: Was sein wird. So einfach ist dieses sonst so für uns undurchdringliche Buch klar aufgebaut.

Es gibt Wattführer, die kennen sich im Watt und mit der Tide aus, dann gibt es Alpenführer, die wissen, wie man den richtigen Weg auf die Zugspitze nehmen kann. Und es gibt Normalprediger und Offenbarungsausleger. Nach ein paar Wanderungen durch die Steilgebirge johanneischer Offenbarungen, ahnt man, warum es von Johannes heißt, dass er bei dieser Schau umgefallen sei und da lag wie ein Toter. Solche Ausblicke die werfen auch den stärksten Mann um. Kein Wunder, dass sich nicht zu viele Offenbarungsführer angeboten haben. Die Offenbarung ist bis heute weithin eine Geheimschrift geblieben. Nun aber habe ich mich ja einmal entschlossen einige ausgewählte Predigten darüber zu halten.

Wenn wir nur ein wenig erahnen würden, wie gewaltig die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel und der Gemeinde ausgehen wird. Vielleicht wirst Du ein wenig kurzatmig werden in dieser Höhenluft des Offenbarungsgebirges, aber dann hat es sich trotzdem gelohnt. Wer Ohren hat zu hören, der höre.

1. Seltsame Adressaten:

Wenn wir so etwas geschrieben hätten, dann hätten wir das an die Politiker adressiert, die etwas bewegen können, oder an Wirtschaftsbosse, die an den Geldhähnen sitzen, oder an die religiöse Elite, die die beste Verbindung nach oben haben.

Nicht wahr, ein juristisches Buch will von einem Juristen gelesen werden. Für die andern ist das ein Schlafmittel, ein mathematisches Buch will von einem Mathematiker gelesen werden, für die andern ist es ein totales Zahlengewirr man versteht nur Bahnhof.

Dieses Buch ist aber auch nur für ganz bestimmte Leute geschrieben. In dieser Welt gibt ja viele Titel, der eine wird Ehrenmitglied im Verein. Andere bekommen einen Ehrendoktortitel. Das sind natürlich Titel, die schreibt man dann gerne auf die Visitenkarte. Aber die Offenbarung, liebe Gemeinde, will von Leuten gelesen werden, die einen sonderbaren Titel haben. So steht es hier. Eigentlich wörtlich: von seinen Sklaven, seinen Knechten. Diesen Titel, den tragen die Männer Gottes alle. Das sind nur ganz besondere Männer von denen das in der Bibel gesagt wird. Mose, Josua, David, Jesaja, dann im NT: Paulus, Petrus, Jakobus. Es ist ein Ehrentitel einer ganz besonderen Art, aber ganz anders, als wir uns das vorstellen.

Menschen, die nur mit einem apokalyptischen Interesse, sich über dieses Buch machen, sind hier fehl am Platze. Knecht, Sklave, wie es heißt und ich weise immer wieder darauf hin, sind ja jene Ärmsten der Armen, die damals an Stangen angekettet waren und warteten auf einen Käufer oder den Tod und wenn dann einer kam, der sich für die Sklaven nicht nur interessierte, einer, der nicht nur ein paar freundliche Worte hatte, sondern einer, der seinen Beutel zog und die Sklaven freikaufte und in seinen Dienst nahm, dann war der Jubel groß.

  1. Kennzeichen: er ist ein Freigekaufter der nun dem neuen Herrn dienen kann. Knechte Jesu Christi sind solche, die nicht mehr unter der Sklaverei ihrer Schulden, ihrer Bedrückung, ihrer Last, ihrer Hoffnungslosigkeit leben müssen. Sondern Knechte Jesu Christi, Sklaven Jesu Christi, sind solche, die von diesem Herrn auf Golgatha freigekauft sind, und die nun in seinem Dienste stehen dürfen.

Da schreibt etwa der 1. Petrusbrief: Ihr wisst ja, dass er nicht mit vergänglichen Dingen mit Silber oder Gold losgekauft worden seid, aus einem nichtigen Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut Christi als eines makellosen unbefleckten Lammes.

Und wir waren kein Schnäppchen. Es hat den lebendigen Gott alles gekostet, damit wir wieder sein Eigentum werden konnten.

Es ist tatsächlich so, dass er uns als sein Gegenüber geschaffen hat, und durch den Sündenfall haben wir durch Adam und Eva die freie Entscheidung gegen Gott getroffen und sind aus diesem Eigentumsverhältnis herausgetreten. Wir bleiben natürlich alle Menschen, ob wir an Gott glauben oder nicht.

Aber die, die nicht ewig verloren gehen wollen, die ein Ja zu Jesus haben, sind erkauft aus der Macht des Teufels und gehören ihm. Das ist wunderbar und das ist das Erste: ein Knecht, ein Sklave ist, erkauft mit dem Blute Jesu.

  1. Kennzeichen: Wenn im römischen Reich jemand auf dem Sklavenmarkt gegen Geld einen Sklave erwarb, dann war er sein Eigentum. Damit konnte er im Prinzip machen was er wollte. Diese Sklaven hatten damals auch keine Namen. Sie bekamen Nummern und waren so komplett entmenschlicht. Die hatten keine Rechte.

Und für mich ist das ein großer Trost, wenn ich das wissen darf. Ich bin Eigentum meines Herrn Jesus. Ich gehöre meinem Herrn Jesus und der sorgt sich um mich. Das ist das ganz Wunderbares. Er sagt zu uns: all eure Sorge werft auf mich, denn ich sorge mich um dich! Er sagt zu mir: kommt zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will dich erquicken.

Im Heidelberger Katechismus lautet die erste Frage: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Und da heißt es im ersten Satz: Das ich mit Leib und Seele im Leben und Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre! Das macht es aus, Jesu Eigentum zu sein.

  1. Kennzeichen: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Wenn wir sein Eigentum sind, dann gibt es auch nur einen Herren. Ein Knecht, ein Sklave hat nur einen Herren. Davon spricht die Bibel ganz klar. Etwa Lukas 16: Kein Knecht, kann zwei Herren dienen, entweder wird er den einen hassen oder den anderen lieben oder wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen!

1933 sind die verbrecherischen Nationalsozialisten an die Regierung gekommen und dann wurde nach und nach alles gleichgeschaltet. Auch die Kirche wurde vereinnahmt. Auf einmal wurde gefordert, dass alle Beamten, alle Soldaten den Eid auf den Führer Adolf Hitler ablegen müssen (Absoluten Gehorsam dem Führer gegenüber). Das ist etwas Teuflisches. Und dann haben die Brüder damals in Barmen die berühmte Barmer theologische Erklärung verfasst. Die ist Gott sei Dank heute von allen Landeskirchen anerkannt. Ich möchte kurz die zweite These aus dieser Barmer theologischen Erklärung einmal vorlesen, um deutlich zu machen, was es heißt, wir haben nur einen Herren.

II. Durch Gott seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung. (1. Kor 1,30) Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bedürften.

2. Seltsame Fehldeutungen

1.) Ein Randbuch. Eine erste Fehldeutung könnte man so benennen. Es ist eben ein Randbuch, ein Buch am Rande, ganz am Rande der Heiligen Schrift. Diese Antwort hat kein geringerer gegeben als der Kirchenvater Augustinus. Er ist ja im Jahre 354 in Afrika geboren worden, sein Vater war ein kleiner Beamter. Seine Mutter hatte den schönen Namen Monnica. Und diese Frau war eine gute und fromme Christin, die auch aus ihrem Sohn was Rechtes machen wollte. Leider ist der Vater sehr bald gestorben es fehlte die ordnende Hand, die Familie zerriss. Die Monnica konnte nicht sehr viel mehr tun für den Sohn. Schließlich ging er mit 17 nach Karthago auf die Universität. Aber dort versumpfte er total, mit 18 wurde ihm ein unehelicher Sohn geboren, den er noch dann übersetzt nannte: „einer von Gott geschenkt.“ So hat er seinen Sohn damals zum Leidwesen seiner Mutter genannt. „Einer von Gott geschenkt,“ ein deo datus und dann hörte die Mutter nicht auf, um diesen Sohn zu ringen und zu bitten. Sie sagte nicht: „es ist Hopfen und Malz verloren.“ Jetzt ist er auf der Universität, er ist 25, 27 geworden 29, aus dem war nicht viel geworden und die Mutter betete weiter. Mit 32 hat sich dieser Sohn bekehrt und dann schrieb er seine berühmten und großen Schriften und Bekenntnisse. Es ist nie zu spät für Kinder zu beten. Und wenn sie 60 sind. Es ist nie zu spät umzukehren.

Dieser Augustinus war ein klarer Denker und er hatte ein theologisches System und in diesem System musste alles passen. Und so wusste er auch nach diesem System, wie es am Schluss ausgehen wird, nämlich: Jesus kommt wieder, die Toten stehen auf Gerichtsthron wird aufgestellt und alles wird eine einzige Herrlichkeit sein. Mit dieser Vorstellung las er die Offenbarung und gegenüber dieser Auffassung zeigte sich die Offenbarung als zu sperrig. So einfach lässt sich dieser letzte Augenblick nicht darstellen. Die Offenbarung sieht eine längere Geschichte des Endes vor und so legte Augustinus diese Schrift auf die Seite. Er schob sie an den Rand. Er sagte: Benötigen tun wir sie eigentlich nicht mehr. Ja, ein Randbuch. Weil es nicht in unser Weltbild passt.

2.) Ein Probierbuch. Eine zweite Fehldeutung: ein Probierbuch. So haben es bestimmte Leute genannt. Wissen Sie, Probierbücher, wie zum Beispiel ein Kochbuch. Man kann es anhand eines Kochbuchs selber probieren, wie man kocht. Ein Kochbuch oder auch ein Backbuch, man kanns selber probieren. Man wollte schon lange mal den Gerührten probieren, dann 40 min. bei 170°. Da gab es eine schöne Überraschung, der Kuchen kam angeschwärzt raus. Also Probierbücher, und so sagten sie, die Offenbarung sei ein Probierbuch, an dem man lernen könne, wie man selber Visionen ausprobiert. Sie sagten: die gegenwärtige Stimme Gottes, so wie sie ein Johannes erfahren hat, so können wir sie auch unmittelbar vernehmen, ohne die Bindung an den Heiligen Buchstaben.

Ein berühmter Vertreter davon war dieser Thomas Müntzer, Prediger in Zwickau, zu Luthers Zeiten. Er probierte es und er hatte über diesem Buch gewaltige Visionen. Ich kann ihnen sagen, der sah darin plötzlich, dass die Reformation von Luther angefangen, nun mit Gewalt durchgeführt werden müsste und deshalb müssen endlich die gottlosen Machthaber in Kirche und Staat blutig beseitigt werden. Das Reich Gottes, so sagte er, wird auf Erden durch Menschen herbeigeführt und er sei der Auserwählte. Er verbündete sich damals mit den aufständigen Bauern. Alles von der Offenbarung herausgelesen. Dann kommt es zur Entscheidungsschlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525. Und da sagte er wörtlich: „Rann, rann, lasst euch nicht erbarmen, Gott ist mit euch.“ Er machte den Bauern glaubhaft, dass die Kugeln an ihnen abtropfen würden. Das hatte er in einer Vision gesehen. Dann tropften nicht die Kugeln ab, sondern diese Menschen tropften massenweise ab und starben. Ich sage das, weil Thomas Müntzer heute wieder hochaktuell und hochmodern ist.

Persönliche Offenbarungen zu probieren ist gefährlich. Immer dann, wenn die Offenbarung als Probierbuch benützt worden ist, dann war der Tod schon im Topf. Wenn wir heute wieder anfangen, eigene Visionen vielleicht nicht über die, aber neben die Bibel zu stellen. Dann sind wir auf dem Wege Müntzers und sind nicht mehr auf dem Boden der Heiligen Schrift. Leider ist es so. Gott gibt Menschen seit den Offenbarungen der Bibel keine Visionen mehr. Gott hat zuletzt (Hebr. 1) geredet durch seinen Sohn. Und wer sagt, er habe eine Vision von Gott, der irrt. Nach der Offenbarung gibt es keine Offenbarungen mehr und brauch es auch nicht. Gott redet durch sein geschriebenes Bibelwort, das genügt. Das genügt zum Leben, und das genügt zum Sterben.

3.) Das Hauptbuch. Und hier sind wir nun bei den Süddeutschen und bei den oberdeutschen Täufern. Da war ein Mann ein Herr Hans Hut. Der kam aus Franken und der sah das Vision und Revolution ein verschwistertes Paar ist. Er sah das an Th. Müntzer. Und nun nahmen sich diese Leute dieses Buches besonders an und sie liebten es als das Hauptbuch der ganzen Schrift überhaupt. Und sie entnahmen aus diesem Buch etwas, was sie später bei den großen Auslegungen wiederfinden und was uns eigentlich bis heute begleitet. Sie sahen kommende Verfolgungen, sie sahen antichristliche Entwicklungen die kommen werden, Bewusstsein vom Abfallen der Kirche, rechnen mit Zeiten und Epochen, am Ende der Geschichte die Erwartung des tausendjährigen Reiches und ein letzter satanische Aufbruch. Das Hauptbuch neben den anderen Hauptbüchern der Bibel. Liebe Gemeinde, darüber vergisst man ganz die Welt um sich und träumt davon, dass, es eigentlich nur eine Frage der Zeit ist, bis Frieden kommt, bis Gerechtigkeit kommt, Friedenskonzile und Beschlüsse würden dies schon schaffen, wir machen das Reich Gottes auf Erden. Kaiser Wilhelm sagte einmal: Ich führe euch herrlicher Zeiten entgegen. Man träumt von großen Erweckungen, dann steht demgegenüber die Aussage der Bibel, die von Verfolgung spricht, von antichristlichen Entwicklungen, vom großen Abfall. Und wenn ich mit offenen Augen diese Weltgeschichte hineinschauen, muss ich sagen, die Offenbarung ist realistischer als anderen Bücher und Aussagen.

4.) Ein Rechenbuch. Das war es immer wieder. Als erster der Michael Stiefel, der stammte aus Esslingen, geboren 1486. Er war der erste. Und der war ja ein besonderer Mann, der war Pfarrer, der war Mathematiker und war Dichter, eine einzigartige Kombination. Es gibt Pfarrer, die nur Pfarrer sind, aber es gibt auch Pfarrer, die Pfarrer und Dichter sind, ich denke an Mörike oder Paul Gerhard, es gab auch Pfarrer und Mathematiker ich denke an den berühmten Bruder Hahn, aber diese Dreierkombination: Pfarrer, Poet und Mathematiker, das war dieser Michael Stiefel in Esslingen. Luther hatte diesen Mann nach Lochau bei Wittenberg geholt und ihm hat es immer diese eine einzige Zahl angetan, nämlich die Zahl, 666. Die inspirierte ihn zu Rechenkünsten. Und so errechnete er, dass nach der Offenbarung Christus am 19. Oktober 1533, 8:00 Uhr morgens wiederkommen würde. Und so hat er ein Büchlein geschrieben, das „Rechenbüchlein vom End Christie.“ Dieses Büchlein hatte reißenden Absatz damals. Warum? Ich könnte mir denken, wenn die Lehrer kamen und sagten, du musst im Rechenbuch lernen, dann sagt der Bub: Nach dem Rechenbüchlein vom End Jesu Christi, kommt der Herr eh wieder und ich brauch nicht mehr zu rechnen. Damals gingen die Bauern nicht mehr auf die Äcker und sie gingen auch nicht mehr in ihre schönen Weinberge, weil der Herr wiederkommt. Sie benützten dieses Rechenbüchlein als Feigenblatt ihrer totalen Faulheit. Und so kam dann der 19. Oktober dann war es 7:45 Uhr die Leute mit ihm standen, warteten und beteten. Dann wurde es 8:00 Uhr, aber dann rückte die Uhr leider weiter, dann war 8:15 Uhr, dann war 9:00 Uhr und 10:00 Uhr und 11:00 Uhr und aus dem 19. Oktober wurde der 20. Oktober und der Stiefel musste blamiert seines Weges ziehen. Aber schon am nächsten Tag begann er neue Berechnungen. „Ich habe mich nicht getäuscht, sondern ich habe mich nur verrechnet.“

Viele haben nach ihnen gerechnet. Bengel hat gerechnet. Der kam auf das Jahr 1836 und heute wird nicht nur in württembergischen Kreisen immer wieder gerechnet. Es sei 4 Minuten, 3 Minuten oder 2 Minuten vor zwölf. Liebe Gemeinde, die Offenbarung ist kein Rechenbuch. Es bleibt bei der Aussage Jesu, dass er komme wie ein Dieb in der Nacht und ein Dieb lässt sich nicht ausrechnen, sondern er kommt.

4. Seltsame Wirkungen.

E. Quandt (Missionsdirektor aus Wittenberg) berichtet von seiner 10-jährigen Tochter: Von dem zehnjährigen Töchterlein, das schon sieben Monate lang vom Herbst an todeskrank darniederlag, wird berichtet: In den letzten Wochen ihrer Krankheit war es ganz fröhlich und es bat immer wieder: „Leset mir aus der Offenbarung vor, aus der köstlichen Offenbarung!“ Man hat dem sterbenden Kind dann auch seine Bitte erfüllt, und wie lag es so still und lauschend auf seinem Sterbebett und sog die heiligen Worte in sich, wie eine Blume die Sonnenstrahlen. „Aber verstehst du denn auch, was wir dir aus der Offenbarung Johannis vorlesen?“ fragte sie einmal ein Freund des Hauses, der oft an ihrem Bette saß. „Nein,“ antwortete das Kind, „ich verstehe es nicht; aber ich höre es darum so gern, weil es mir jedes mal ist, als hörte ich eine himmlische Musik!“

Es ist eins der größten, wenn nicht das größte Trostbuch der ganzen Bibel. Offb. Joh. 1,19, hier schreibt ein Mitgenosse in der Bedrängnis, im Druck, in der Klemme. Liebe Gemeinde, nur in der Dunkelheit sieht man die Sterne, nur in der Bedrängnis fängt die Offenbarung an zu leuchten. Ist heute einer an diesem Morgen hier, der nicht in der Klemme ist. Es gibt Zeiten der Bedrängnis im großen, aber auch im kleinen. Jeder von uns hat seine persönliche Bedrängnis, und in dieser Bedrängnis stehe ich nicht allein.

Liebe Gemeinde, es ist ein Trostbuch, das uns heute Morgen mitgegeben wird, weil es letztlich immer wieder diese drei Sätze dick unterstreicht.

Das will ich zum Schluss sagen, das Trostbuch mit diesen drei dicken Linien.

1) Es wird gekämpft, es wird gekämpft, was heißt das?

Es ist so wie beim 5000m Lauf bei der Sport-LK Prüfung im Abitur. Da läuft keiner alleine. Man ist froh, wenn man sich hinter einen hinhängen kann. 5000M sind unheimlich lang, man kämpft sich dann gemeinsam durch bis zum Ende. So ist es auch im Lebenslauf, Paulus spricht von der Kampfbahn des Glaubens. Der eine kämpft im Büro bei seiner Arbeit, manch einer kämpft zu Hause mit seiner Einsamkeit, mit seinen Kindern. Andere kämpfen mit Krankheitsnöten oder Verfolgung. Ein Mitbruder gibt mir den Trost durch Jesus Christus. An dieser Person hängt alles. So schließt auch dieses Buch: die Gnade unseres Herrn Jesus Christus.

Liebe Gemeinde, dann ist es Jesus, der uns hineinbringt in ein neues Zeitalter. Es wird gekämpft, das ist ein Trost.

2) Es wird entmachtet, dass ist das Zweite, was hier unterstrichen wird. Es wird entmachtet. Karl Heim sagte, es gäbe nur zwei Probleme in der Welt: das eine sei die Schuldfrage und das andere sei die Machtfrage. Wer löst die Schuldfrage in unserem Leben und wer löst die Machtfrage in dieser Welt. Die Schuldfrage ist am Kreuz gelöst worden von Jesus Christus. Die Machtfrage steht noch aus. Wer hat denn die letzte Macht. Es wird entmachtet, auch der letzte Feind! Und dann wird es für jeden sichtbar, wer die Macht hat. Auch wenn wir’s jetzt nicht sehen. Es wird entmachtet werden. Die letzte Aussage der Offenbarung:

Ž3) es wird gesiegt. Es wird gesiegt. Damals am Ende des 2. WK sahen sie die Amerikanische Fahne, oder die britische. Sie wussten, jetzt schweigen die Waffen. Jetzt ist der Krieg vorbei. Liebe Gemeinde, wenn einmal über dieser Welt die Kreuzesfahne Jesu Christi gehisst wird und sie wird gehisst werden, dann wird nicht nur Waffenstillstand sein, dann wird ewiger Friede sein, dann wir unsere Last und Not, unsere Bedrängnis, unsere Krankheiten abgenommen und dann sehen wir ihn so wie er sein wird. Doch es wird gesiegt, es wird gekämpft, es wird entmachtet und es wird gesiegt.

Dass ist der Trost, von diesem Sieger Jesus Christus müssen wir mehr hören. Amen

Prädikant Thomas Karker, St. Markus Gemeinde Bremen, 13.6.21

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 19. Juni 2021 um 22:00 und abgelegt unter Predigten / Andachten.