Gemeindenetzwerk

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„Weit weg von der Heiligen Schrift“ (Leserbrief)

Freitag 18. Juni 2021 von Joachim Opitz


Joachim Opitz

Wir ver├Âffentlichen hier die ungek├╝rzte Fassung eines Leserbriefes des Gemeindehilfsbund-Mitgliedes Joachim Opitz (Bienenb├╝ttel bei L├╝neburg) zu Meldungen in ideaSpektrum und der Evangelischen Zeitung ├╝ber Pastor Marcus Piehl, der seine Gemeinde auf Grund eines Gemeindebriefartikels zum biblischen Eheverst├Ąndnis verlassen musste:

Mit gro├čer Anteilnahme und Traurigkeit haben meine Frau und ich verfolgt, was Herrn Pastor Piehl in seiner Gemeinde Nordstemmen mit seinem zur Diskussion stehenden Gemeindebriefartikel widerfahren ist. Es steht v├Âllig au├čer Frage, dass er das Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift und das Bekenntnis der „einen, heiligen, allgemeinen, apostolischen Kirche“ und damit auch das (zumindest noch theoretisch g├╝ltige) Bekenntnis der ev.-luth. Landeskirche Hannovers auf seiner Seite hat. Es ist also nicht an ihm, sich f├╝r das, was er in diesem Gemeindebriefartikel geschrieben hat, zu entschuldigen. Nicht er ist es, der hier falsch lehrt! Es ist ja schon Methode, dass man sich gerne auf verletzte Gef├╝hle beruft und damit die Kritik an jeder noch so abstrusen oder abwegigen Haltung im Keim erstickt.

Damit wird deutlich, dass eine sachliche Auseinandersetzung ausdr├╝cklich nicht erw├╝nscht ist. Dass damit nat├╝rlich auch die S├╝nde gerechtfertigt wird, ist eine sehr schmerzhafte Folge f├╝r diese die Gemeinde Jesu zerst├Ârende Haltung. Das falsche Evangelium dieser falschen Kirche lehrt die Rechtfertigung der S├╝nde und nicht die Rechtfertigung des S├╝nders (fragt sich nur, in wessen Vollmacht sie das tut…). Es ist schon pervers (das hei├čt: verkehrt, vgl. Jes.5, 20!), dass in Anbetracht dieser Lage zu unterscheiden ist zwischen leicht zu habendem „kirchlichen“ Segen und dem wirklichen und wirkendem Segen des lebendigen Gottes!

Es ist oft so, dass bestimmte Begriffe sich als scheinbar wichtig oder unverzichtbar gerieren, in Wirklichkeit aber eine sachliche Diskussion bereits im Ansatz ersticken oder unm├Âglich machen und sich damit als ideologisch besetzte Kampfbegriffe entpuppen, die gerade eine rationale Auseinandersetzung bewusst verhindern wollen. Dazu geh├Âren alle Begriffe, die auf „…phobie“ enden, wie zB. Homophobie. Ein vernunftbetonter Diskurs und mit theologischen Ma├čst├Ąben ist gerade unerw├╝nscht. Das ist ein typisches Kennzeichen f├╝r eine Ideologie: Das Ausblenden der Vernunft mit pseudo-wissenschaftlichen Argumenten. (NB: Pseudo… hei├čt L├╝ge!). Das habe ich selber immer wieder erlebt, dass es bei bestimmten Themen nicht um Sachlichkeit, sondern um (├╝bersteigerte) Gef├╝hle und deren (vermeintlich schuldhafte!) Verletzungen geht. Dazu geh├Ârt zB. ein solches Reizwort bzw. -thema wie „Wahrheit“, wenn nicht zugestanden wird, dass „jeder seine eigene Wahrheit hat“ bzw. „nur einen kleinen begrenzten Ausschnitt davon erkennen kann“. In diesem Kontext ist die Berufung auf die Wahrheit „extra nos“ geradezu eine Tods├╝nde! Denn indem ich das tue (eine solche bestehende Wahrheit zu behaupten), verletze ich angeblich unweigerlich die Integrit├Ąt einer anderen Pers├Ânlichkeit, deren „eigene gefundene Wahrheit“ integraler und konstitutiver Bestandteil ihrer W├╝rde ist und infolgedessen eo ipso unantastbar. Theologisch gesprochen ist dieses Ph├Ąnomen ein typischer Dogmenkonflikt.

Dass indes zwei Superintendenten, leider auch der Kirchenvorstand und sogar die Landeskirche selbst die dem Wort Gottes gegen├╝ber verpflichtete Haltung von Herrn Pastor Piehl als „h├Âchst gef├Ąhrlich“ brandmarken, zeigt mit erschreckender Deutlichkeit, dass die hannoversche Landeskirche sehr fortschrittlich ist – sie ist weit fortgeschritten – weg vom Wort der Heiligen Schrift und ihrer Bekenntnisbindung, das f├╝r sie nur noch partielle G├╝ltigkeit zu haben scheint (vielleicht nur noch dann, wenn es tagesaktuell gerade passt…). Das beobachten wir schon seit etlichen Jahren, um nicht zu sagen Jahrzehnten. Wir haben in Anbetracht dieser Lage nur noch geringe Hoffnung f├╝r den Organismus Landeskirche (Hannovers), dass ein Aufschrei der wahrhaft Gl├Ąubigen durch die Lande geht, die das Verfahren gegen Herrn Pastor Piehl als zutiefst evangeliumswidrig bewerten und sich mit ihm solidarisieren – auch ├Âffentlich! Aber man wird ja wohl noch tr├Ąumen d├╝rfen…“

Joachim Opitz, Bienenb├╝ttel

Dieser Beitrag ist die Vollversion der in ideaSpektrum (Nr. 23 vom 9.6.2021, S. 43) und in der Evangelischen Zeitung (EZ, Nr. 23 vom 20.6.2021, S. 18) erschienenen Leserbriefe.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 18. Juni 2021 um 13:38 und abgelegt unter Kirche, Theologie.