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2000 Jahre Verfolgung

Samstag 2. Januar 2021 von Hilfsaktion Märtyrerkirche e.V.


Hilfsaktion Märtyrerkirche e.V.

Wir können uns kaum vorstellen, was es in Ländern wie Ägypten bedeutet, Christ zu sein. Das Leben der Christen in Ägypten ist seit 2000 Jahren von Verfolgung geprägt. Immer wieder kommt es zu schwersten Anschlägen, die die mediale Aufmerksamkeit erreichen: Anschläge wie an Neujahr 2011 in Alexandria oder im Advent 2016 in Kairo. Eine der betroffenen Gemeinden konnte ich im Herbst letzten Jahres besuchen. Eine Märtyrerwand erinnert an die Opfer, während in dem Kirchenkomplex die Gemeindeveranstaltungen stattfinden. Aber dann gibt es die vielen Einzelschicksale, die nie von den Medien aufgegriffen werden …

Obwohl die Religionsfreiheit in Ägypten durch die Verfassung geschützt ist, werden Kirchen in ländlichen Gebieten immer wieder scheinbar ungestraft angegriffen und junge christliche Mädchen entführt, um zu einer Heirat mit muslimischen Männern gezwungen zu werden. Christen in Ägypten sind in ihrem täglichen Leben der Diskriminierung und Unterdrückung ausgesetzt, weil lokale Behörden sie nicht schützen. Das gilt insbesondere für Christen mit muslimischem Hintergrund. Anders als in der “aufgeklärten” westlichen Welt sind im Islam Glaube und Religion grundsätzlich öffentliche Angelegenheiten. Wenn ein Moslem vom Glauben abfällt, bedeutet das eine Erschütterung der muslimischen Lebensordnung. Für die Familien von Konvertiten ist das mit einer großen Schande verbunden, die nur zu oft ausgemerzt werden muss.

Diskriminiert und einem Dieb ausgeliefert

Unsere HMK-Partnerorganisation berichtet: „Eine gläubige Familie mit muslimischem Hintergrund kam eines Tages nach Hause und fand ihre Wohnung aufgebrochen. Sie entdeckte den Dieb schnell – aber als er mit seiner Tat konfrontiert wurde, erpresste er sie: Wenn sie ihn anzeigen würden, dann drohte er öffentlich zu machen, dass sie jetzt Jesusleute seien und sie wären gezwungen, zu fliehen. Die bestohlene christliche Familie konnte nichts tun. Sie war dem diebischen Mann ausgeliefert, der noch mehrmals in ihre Wohnung zurückkehrte, um ungestraft weitere Gegenstände zu stehlen.“

Fatima: eine heimliche Jüngerin

Ein anderes Beispiel ist Fatima. Sie lebte ihren muslimischen Glauben mit großem Ernst. Doch dann lernte sie Jesus kennen und begann, ihm nachzufolgen. Heimlich. Ihre Jüngerschaft findet telefonisch statt, wenn ihr Mann nicht da ist. Fatima lebt ihren neuen Glauben im Verborgenen. Sie kann ihr Christentum zwar nicht offen leben und mit ihrer Familie teilen, aber sie entscheidet sich dafür, als Salz und Licht in ihrer Familie zu leben und zu wirken. Die Heimlichkeit kostet Fatima viel, weil sie Gott nicht so offen anbeten kann, wie sie es gerne möchte.

Was Glauben kosten kann

Wer als Christ „entlarvt“ wird, kann schnell mit starkem Druck von der Familie konfrontiert werden, bis hin zu Unterdrückung und sogar Gewalt. Es gibt leider zahlreiche Beispiele von neuen Gläubigen, die von Familienmitgliedern entführt und gefoltert werden, um sie zum Islam zurückzudrängen. Das ist der Preis, den Menschen zahlen, die sich in Ägypten zu Jesus bekehren. Doch wie im Gleichnis des Kaufmanns, der hinging und alles verkaufte, um die kostbare Perle zu kaufen, so sind diese Geschwister bereit, den Preis für ihren Glauben zu zahlen. Sie wissen,  dass ihr Leben nie wieder das gleiche sein wird. Aber sie wissen auch, dass sie in Jesus den Schatz gefunden haben, der diesen Preis wert ist. Unentwegt beten sie dafür, dass sie eines Tages erleben dürfen, wie ihre Familien gerettet werden. Diese mutigen Christen brauchen unsere Gebete und Unterstützung.

Masud: gefoltert und alles verloren

Einer von ihnen ist der dreifache Familienvater Masud. Mit seiner Bekehrung zum christlichen Glauben begann seine Verfolgung – und seine Familie verlor alles, was sie hatte: Ihr schönes Zuhause. Ihr eigenes Auto. Und ein eigenes Geschäft, von dem sie gut leben konnte.

Was war geschehen? Als Masud Christ wurde, zeigten ihn seine Verwandten bei den Behörden an. Die Polizei folterte ihn mit Stromschlägen, man schlug ihm einige Zähne aus und brachte ihn schließlich ins Gefängnis. Am Ende beschlagnahmte die Polizei alles, was er besaß. Unser HMK-Partner vor Ort vermutet, dass Masuds Familie die Polizei beeinflusst hat. Etwas, das in Ägypten immer wieder passiert, wenn die Familie entsprechend einflussreich ist.

Nach seiner Freilassung war Masud gezwungen, auf der Straße betteln, um zu überleben. Dank unseres HMK-Partners konnte ihm und seiner Familie geholfen werden. Trotz dieser Erfahrungen ist Masuds Glaube unverändert stark. Er liebt Jesus und bereut nicht, den Weg des Glaubens gegangen zu sein.

Eine lange Geschichte

Die Kirche in Ägypten hat eine fast so lange Geschichte wie das Christentum selbst. Obwohl die Zahl der Christen mit 16,27 Millionen in Ägypten eine Minderheit umfasst und gefährdet ist, gibt es unter ihnen einen weitverbreitenen starken Wunsch, das Evangelium mit den Muslimen zu teilen. So sind ägyptische Christen heute nicht nur in Ägypten als Missionare unterwegs, sondern im gesamten Nahen Osten.

Beten wir für diese brennenden Jesusleute aus Ägypten, die bereit sind, nicht nur ihre Landsleute, sondern auch die umliegenden Nationen zu evangelisieren.

Hilfsaktion Märtyrerkirche (www.verfolgte-christen.de)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 2. Januar 2021 um 11:47 und abgelegt unter Christentum weltweit.