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Predigt ├╝ber Sach 9,9: Achtung! Adventsstolpersteine

Freitag 11. Dezember 2020 von Thomas Karker


Thomas Karker

Der Advent ist ja nicht nur eine Zeit, in der wir uns auf Weihnachten, das Ankommen Jesu vorbereiten, es ist auch eine gef├Ąhrliche Zeit, da kann man auch heftig stolpern. Heute wollen wir von einigen Stolpersteinen im Advent h├Âren. Wir lesen in Sacharia 9,9: ÔÇ×Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein K├Ânig kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem F├╝llen der Eselin.ÔÇť

ÔÇ×Siehe,ÔÇť so f├Ąngt unser Bibelwort an. Siehe, d. h. jetzt pass auf, jetzt wird es ernst. Wenn wir den Anfang dieses neunten Kapitel im Sacharja lesen, dann h├Âren wir: ÔÇ×So spricht der Herr, Herr!ÔÇť Der Herr, am Anfang aller Dinge sagte, es werde Licht, derselbe Herr, sagt uns heute morgen: Jetzt pass mal auf! Jetzt sieh zu! Jetzt kommt was wichtiges: ÔÇ×Dein K├Ânig kommt zu Dir.ÔÇť Wo steigen denn eigentlich die Gro├čkopfigen sonst ab. Jeder wei├č, was ein Gro├čkopfiger ist. Das ist nicht unbedingt ein Kahlk├Âpfiger, auch nicht irgend ein Dickk├Âpfiger, oder ein Schmalk├Âpfiger, sondern ein Gro├čkopfiger ist einer, der einen gro├čen Namen hat. Der ber├╝hmt ist in dieser Welt, ein gekr├Ântes Haupt. Und diese V.I.P. So hei├čt man sie, diese very important persons, diese sehr wichtigen Personen, die treten immer im ganzen Pulk von body guards, von Leibw├Ąchtern auf, von Adjudanten und von Fotographen … Wo sie hinkommen ist immer ein gro├čer Bahnhof. Da wird ein roter Teppich ausgerollt, und da ist ein mordsm├Ą├čiges Dschingdarassabum.

Ich denke noch zur├╝ck, als die Queen von England nach Stuttgart kam. Da waren wir schon mit unserer Mutter Stunden bevor sie kommen sollte zur Heilbronner Stra├če gegangen, um die zu sehen. Dann nach ca. 1-2 Stunden des Wartens kamen 8 wei├če M├Ąuse, das sind blaulichtfunkende Polizeimotorr├Ąder, ein furchtbar langer Konvoi, dann kam die K├Ânigin in einem Pullmann Daimler, und winkte so im Vorbeifahren allen zu. Das war ein Erlebnis, das wei├č ich heute noch ganz genau. Die ist dann in einem Nobelhotel in Stuttgart ausgestiegen.

Aber heute kommt nicht nur ein Kanzler, oder gar ein Pr├Ąsident, sondern heute kommt die Nr. 1. Der Kanzler aller Kanzler, der Pr├Ąsident aller Pr├Ąsidenten, der K├Ânig aller K├Ânige. Ihm kann keiner das Wasser reichen. Er ist einfach die Spitze aller, n├Ąmlich Jesus Christus. Er ist der Allergr├Â├čte, wie wird der denn empfangen, wo wird denn der absteigen, wo wird er denn Quartier nehmen? Wird er im Parkhotel oder im Atlantis-Hotel einkehren? Nun, er sucht eine andere Adresse. Er mag nicht diesen super Komfort, diesen englischen Stil und diese Gala Diners. Er mag Privatquartier, unser Gott mag Privatquartier. Er kommt zu dir.

ÔÇ×Siehe, dein K├Ânig kommt zu dir! steht hier. Da ist ein viel gr├Â├čer K├Ânig gemeint. Der Sohn Gottes, der aus der ewigen Welt kommt, der ist gemeint. ÔÇ×Siehe,ÔÇť steht davor, da sagt der lebendige Gott: ÔÇ×Pass doch auf,ÔÇť dass der K├Ânig vor├╝ber geht und du verpasst es vielleicht! Ich k├Ânnte mir denken, dass hier einige sitzen, die schon in der ganzen Adventszeit noch gar nicht gemerkt haben: Siehe, dein K├Ânig kommt zu dir. Weil sie abgelenkt sind, von irgend etwas Unwichtigem. Und manche sind besonders im Advent von vielem abgelenkt. Viele haben es noch nicht richtig begriffen: ÔÇ×Siehe, dein K├Ânig kommt zu Dir!ÔÇť Manch einer wei├č, dass der K├Ânig kommt, aber er hat ihn verfehlt. Du kannst es h├Âren und du hast es nie richtig begriffen: ÔÇ×Dein K├Ânig kommt zu Dir!ÔÇť Darum sagt Gott vorher: ÔÇ×Siehe! Aufgepasst! Ich m├Âchte sie heute auf 2 Merkw├╝rdigkeiten und auf 2 Stolpersteine aufmerksam machen.

1. Adventsmerkw├╝rdigkeiten

Er kommt zu uns.

Das erste Merkw├╝rdige, dass Gott in Jesus zu uns kommt. Liebe Gemeinde, ich habe mal ein Bild gesehen, wie der Papst so eine Delegation von Kindern aus aller Welt empfangen hat. Das war ein gro├čartiges Bild. Der Papst hat einen wundervollen riesigen Thronsessel, ist angetan mit goldgestickten wunderbaren Gew├Ąndern und nun darf ein Kind nach dem andern zu ihm kommen, und er gibt ihm die Hand. Und seine ganze Umgebung, die ganzen Honoratioren, grinsen so wohlwollend. Das kann man sich so vorstellen, eine Menge Kinder und eine gro├če Menge honoriger M├Ąnner mit so einem freundlichen Grinsen. Alles grinst wohlwollend ├╝ber solche Herablassung.

Da dachte ich, mein K├Ânig, der hat einen viel besseren Thron gehabt, als er von Ewigkeit her beim Vater war. Und er war von viel gr├Â├čerer Herrlichkeit umgeben, als wir es uns vorstellen k├Ânnen. Und der ist nun aufgestanden und hat seine Kleider abgeworfen und seine Herrlichkeit. Die Bibel sagt: ÔÇ×Er ent├Ąu├čerte sich und nahm Knechtsgestalt an.ÔÇť Und kam in diese Menschenwelt herein und ward ein Mensch, gleich wie anderer Mensch und ging hin und her. Zu den Auss├Ątzigen und zu denen, die vom Teufel besessen waren. Ach und zu den Kindern und zu den Z├Âllnern und Huren und zu uns. Das ist eine Herablassung! Da vergeht einem das wohlwollende L├Ącheln und Gegrinse, da verschl├Ągt es einem den Atem und wirft uns in den Staub. Dass dieser Gott die Herrlichkeit verl├Ąsst und in Jesus zu uns kommt.

Warum tun er das, warum kommt Jesus zu uns? In einem Wort gesagt: weil er wei├č, dass wir ohne ihn kein Leben haben. Wir k├Ânnen vegetieren, und existieren, aber keiner hat das Leben in sich. Der gro├če Philosoph Hamann (1730-1788) hat einmal gesagt: ÔÇ×Der Mensch kann eher ohne Kopf und ohne H├Ąnde leben, als ohne seinen Heiland!ÔÇť Weil es so steht, darum kam er zu uns. ÔÇ×Sieh dein K├Ânig kommt zu Dir!ÔÇť

Immer wieder habe ich das zu h├Âren bekommen: Nicht wahr, im Grunde ist es doch gleichg├╝ltig, ob ich Muslim oder ob ich Hindu bin, oder ob ich Christ bin, das ist doch im Grunde gleichg├╝ltig, die glauben doch sowieso alle an den gleichen Gott!ÔÇť Dann kann ich nur lachen und sagen: O nein, nein, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht! In allen Religionen der Welt kriegt der Mensch gesagt: ÔÇ×Geh hin und such deinen Gott.ÔÇť Da werden ihm steile Treppen gezeigt, Stufe um Stufe musst du erklimmen, ob du es erreichst ist ungewiss. Luther war ja auch mal in Rom und hat f├╝r seinen Gro├čvater eine Ablass erworben und ist dann die Pilatustreppe auf den Knien hinaufgerutscht. Als er oben ankam und zur├╝ckschaute, soll er gesagt haben: Wenn das jetzt doch nicht stimmt!

Und im Evangelium Gottes wird uns verk├╝ndigt: ER kommt zu Dir! Er eilt herab aus der ewigen Welt und kommst zu Dir! Das ist eine wundervolle Botschaft. Dein K├Ânig kommt zu dir! Siehe, siehe, aufgepasst, dein K├Ânig kommt zu dir! Ich m├Âchte hier das W├Ârtlein Dir unterstreichen. Da m├╝sste ich jeden jetzt hier mit Namen nennen. Er kommt zu Dir! Vielleicht tr├Ąumst Du auch manchmal so vor Dich hin, wenn einem dann einer auf die Schulter tippt, dann wacht man auf. Ich wollte jetzt so durch die Reihen gehen und Dir auf die Schulter tippen und sagen: Merk doch, dein K├Ânig kommt zu dir! Das ist atemberaubend! Egal, ob du gl├Ąubig oder ungl├Ąubig bist, gottlos oder in S├╝nden lebst, Gott tippt Dir auf die Schulter und sagte: Jetzt kommt dein K├Ânig zu Dir!
Wir k├Ânnen das gar nicht pers├Ânlich genug nehmen.

Es gibt ja moderne Theologen, die w├╝rden jetzt sagen: Lieber Freund, das kannst du doch nicht so pers├Ânlich nehmen. Das ist doch ein Wort, das in einer ganz bestimmten Situation, einer ganz bestimmten Lage vor vielen 1000 Jahren gesagt wurde, und zwar zum Volk Israel, da kannst du doch nicht auf einmal im Jahr 2020 sagen: Mir, mir gilt das! Da kann ich nur antworten: Ich werden nie aufh├Âren zu glauben, dass es dem heiligen gro├čen Gott gef├Ąllt, durch dieses Wort der Bibel mit mir pers├Ânlich zu reden. Und wir d├╝rfen getrost die Bibel, das Wort Gottes, so nehmen, dass wenn ihr es aufschlagt, er mit euch spricht. Das ist allerdings dann zum Staunen, zum Verwundern. Es ist zum Entsetzen das Gott uns nicht in Ruhe l├Ąsst, dass er uns aufr├╝ttelt: ÔÇ×Siehe, zu dir, mein Lieber, kommt jetzt Jesus, dein K├Ânig, dein Heiland, dein Erl├Âser, dein Erretter, dein Seligmacher. Und jetzt die 2. Adventsmerkw├╝rdigkeit:

Wie kommt er zu uns?

Es hei├čt: Sieh, dein K├Ânig kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel. Liebe Gemeinde, das ist so merkw├╝rdig, da sind eine Menge Eigenschaften von dem Sohne Gottes, die gar nicht zusammenpassen wollen. Ein K├Ânig und arm, und reitet auf einem Esel. Wie reimt sich das zusammen? Entweder ist man ein K├Ânig, dann ist man nicht arm, dann hat man eine Portokasse und kann austeilen. Oder man ist ein armer Bettler, dann kann ich nicht gut K├Ânig sein. Wie reimt sich das? Oder ein Helfer, arm! Liebe Gemeinde, das Sozialamt in unserer Stadt, geht zu den armen Leuten hin und hilft ihnen. Aber kann doch ein armer Schlucker, der selber nichts hat, mir helfen? Ein Helfer und arm, das passt nicht zusammen! Und sehen Sie, das aller Merkw├╝rdigste ist, was hier noch zusammengestellt ist: ein Gerechter, also ein Richter, der dem Rechte zum Siege verhelfen will. Und ein Helfer. Wie reimt sich das zusammen? Entweder ist er Richter, dem das Recht ├╝ber alles geht, oder ein Helfer dem die Barmherzigkeit ├╝ber alles geht. Das sind so gegens├Ątzliche Behauptungen hier ├╝ber Jesus, die gar nicht zusammenpassen wollen.

Es ist so merkw├╝rdig, was hier ├╝ber unsern Heiland gesagt wird. Wir wollen versuchen es zu verstehen. Ein Darmst├Ądter Philosoph des letzten Jahrhunderts sagte: ÔÇ×Die Begriffe Gerechtigkeit und Wahrheit m├╝ssten aus dem deutschen Sprachgebrauch entfernt werden!ÔÇť Warum? Sie lassen sich nicht mehr inhaltlich f├╝llen. Wie notvoll ist es und wie lange braucht es manchmal, bis ein Urteil bei Gericht gesprochen wird, das kann ja manchmal Jahre dauern. Das ist das ├ärgste am Verbrechen, dass es Menschen zwingt ├╝ber Menschen zu urteilen. Das ist die Not aller Justiz. Und nun kommt dein K├Ânig von Gott legitimiert, gezeichnet als der Gerechte, der Richter und der kann ├╝ber Menschen urteilen und der darf ├╝ber Menschen urteilen und er tut es. Liebe Gemeinde, das ganze Neue Testament ist voll mit Geschichten, wo Leute in die N├Ąhe Jesu kommen und auf einmal entlarvt, ├╝berf├╝hrt und in den Staub geworfen werden, dass sie sagen m├╝ssen: Ich habe ges├╝ndigt! Ich greife einige Begebenheiten heraus:

Wir kennen die Geschichte von dem reichen J├╝ngling, der mit geschwollener Brust vor den Herrn hintritt und sagt: Ich habe alle Gebote Gottes gehalten von Jugend an. Fehlt mir noch was? Da macht ihm mit einem Wort Jesus klar: Nicht mal das 1. Gebot hast du gehalten: Ich bin der Herr, dein Gott, denn das Geld ist Dir lieber als dein Gott. Wie viele solcher Leute sitzen hier, denen ihr Geld wichtiger, lieber ist als Gott. Du bist schuldig schon am 1. Gebot Gottes.

Ich denke an die gro├če S├╝nderin die ein paar mal den Heiland geh├Ârt hat und in seinem Licht geht ihr auf: Mein ganzes Leben get├Ąndelt und gespielt und gefl├Ârtet, gehurt, mein Leben ist in Gottes Augen eine gro├če Schande! Entlarvt, ├╝berf├╝hrt. Wie viel solcher Leute sitzen wohl dieser ehrbaren Versammlung voll mit Unreinigkeit, im Herzen Ehebruch, Hurerei. Es ist schon so eine Sache in Jesu N├Ąhe zu kommen. Der ist der Gerechte, der als Richter uns ├╝berf├╝hrt und alles aufdeckt.

Da war die Gemeinde in Laodizea, da sagt der Herr nach seiner Himmelfahrt zu diesen Christen: Du sprichst, ich bin reich und habe gar satt und wei├čt nicht, dass du bist elend, j├Ąmmerlich, arm, blind und blo├č! Wie viele sitzen wohl hier, die im Lichte Gottes erkennen w├╝rden: Ich bin elend und j├Ąmmerlich, arm, blind und blo├č. Mein ganzer Christenstand ist eine erb├Ąrmliche Angelegenheit. Jesus ein Gerechter, der ohne Ansehen der Person aufdeckt.

Das hat ein Apostel Paulus erfahren m├╝ssen, als er in das Licht Jesu kam. Sein ganzes Leben war verkehrt. Der Herr hat ihn und uns aufdeckt, entlarvt, ├╝berf├╝hrt verurteilt. Ich frage Dich, ob Du dich diesem Gerichte Jesu stellen willst, oder so weitermachen willst wie bisher. Wer nicht will, braucht auch nicht. Ich w├╝rde sagen, stellen wir uns lieber hier, ehe Jesus im Gericht uns die Maske herunternimmt! Werden wir einmal still, und dann kommen wir in sein Licht und lassen uns richten. Hier haben wir n├Ąmlich einen Helfer. Und sie werden fragen, wer ist denn dieser Helfer? Das ist das Merkw├╝rdige, das Fantastische und zugleich das Unglaubliche, dass der Richter Jesus zugleich der Helfer ist. Ein Gerechter und ein Helfer.

Hier steht ganz deutlich, dass der Herr Jesus ein Helfer sein will, nicht nur in kleinen Dingen, da ist er es auch, in den kleinen N├Âten meines Lebens und in gro├čen, aber er will vornehmlich und vor allem bei denen ein Helfer sein, die in seinem Licht ├╝berf├╝hrt sind von ihrer S├╝nde, die in ihren eigenen Augen S├╝nder geworden. Jesus will Helfer sein bei denen, die sich f├╝rchten gelernt haben vor dem Zorn Gottes. Die sagen: ich m├Âchte nicht in die H├Âlle kommen. Wie soll ich das tun, ich bin auf dem besten Wege dahin. Dem erwachten Gewissen will Jesus Helfer sein. Nur bei einem erweckten Gewissen, nur da allein ist er ein wirklicher Helfer. Jetzt bitte ich Sie gehen mit mir hinaus nach Golgatha, sehen wir das Kreuz da, wo er angenagelt ist, uns sehen sie den Mann mit der Dornenkrone so lange an, bis Ihnen aufgeht. Gott warf unser aller S├╝nde auf ihn! Was mich verdammt, das hat Gott auf ihn geworfen. Meines Strafe liegt auf ihm, auf das ich Frieden h├Ątte.

Jetzt verstehen wir auf einmal, warum dieser K├Ânig arm ist. So arm wurde er, dass sie ihm die Kleider genommen haben, ihn nackt ans Kreuz geh├Ąngt haben. Er ist arm um unsertwillen geworden, dass wir durch seine Armut reich w├╝rden. Alle Sch├Ątze der Welt sind gering gegen den Anblick dieses Heilands, der meine Schuld wegtr├Ągt, um mich mit Gott zu vers├Âhnen. Alle Sch├Ątze der Welt, von denen sie nichts mitnehmen k├Ânnen, sind gering gegen├╝ber dem Anblick dessen, der S├╝nder erretten kann. Jetzt haben wir gesehen, dass dies ein anderer K├Ânig ist, als wir es uns so vorstellen. Er ist so unscheinbar, dass wir ihn leicht ├╝bersehen. Er ist auch nicht so wie ein Vertreter: ÔÇ×Immer einen Fu├č in der T├╝r!ÔÇť

Da kommt es leicht vor:
Sieh, Dein K├Ânig kommt zu Dir!
Doch Du l├Ąsst Ihn drau├čen vor der T├╝r!

2. Adventsstolpersteine

Habgier und G├Âtzen (Mk. 5,1 ÔÇô 20)

ÔÇ×Und es bat ihn die ganze Menge des umliegenden Landes der Gadarener, dass er von ihnen ginge; denn es war sie eine gro├če Furcht angekommen. Und er trat in das Schiff und wandte wieder um.ÔÇť Ja, an dem Tage gab es wichtige Entscheidungen. Da h├Âren wir zun├Ąchst von den Gadarenern. Die Hirten waren wohl inzwischen voller Entsetzen in das St├Ądtchen geeilt und hatten die Kunde von dem Verlust der ganzen Herde dort mitgeteilt. Die ehrbaren B├╝rger der Stadt Gadara waren so entsetzt dar├╝ber, dass sie sich nun geschlossen aufmachten und Jesus baten, er m├Âge doch ihr Land verlassen. Das war ein tr├╝ber Entschluss einer B├╝rgerschaft!

Wenn Jesus kommt, muss offenbar werden, was in uns steckt. In Gadara musste offenbar werden, dass den Leuten dort ihre Schweine viel wichtiger waren als der Herr Jesus. Ich sehe sie da sitzen. Sie hatten sich vielleicht so behaglich ausgerechnet, wie viel ihre Schweineherde wert sei, und dass sie nun einen gro├čen Vorrat h├Ątten, der sie gl├╝cklich und sorgenlos mache. Ihr armen Gadarener, mehr habt ihr nicht als eure Schweine? Wie schnell kann so ein G├Âtze zerbrechen.

Sie baten ihn, dass er aus ihrer Gegend z├Âge. Ein ersch├╝tternder Anblick. Das war ja geradezu eine Gebetsversammlung in gewaltigem Ausma├č; aber eine Gebetsversammlung, die nicht um den Segen rang, sondern die sich in teuflischer Verblendung, in wahrer Besessenheit den Segen Gottes verbat. Das ist das Schrecklichste, wenn Menschen dar├╝ber eins werden, den Herrn Jesus zu bitten, er solle aus ihrer Gegend ziehen. Gott bewahre uns und unser Volk vor dieser schrecklichsten S├╝nde.

Was hindert die Bewohner, den Segen der Ankunft Jesu recht zu empfangen? Gerade war ja der Besessene von Jesus geheilt worden. Sie f├╝rchten vor allen Dingen um ihr verg├Ąngliches Hab und Gut. Sie haben Sorge, dass noch mehr Verlust entstehen k├Ânnte bei einem l├Ąngeren Verbleiben Jesu an ihrem Ort. Welch eine t├Ârichte Furcht! Jesu N├Ąhe bringt doch unaussprechlichen Segen und Gewinn ein. Jesu Gegenwart gibt Ruhe und vertreibt die Furcht aus dem Herzen.

Es findet hier geradezu eine seltsame Umkehrung statt: Der unvern├╝nftige Besessene wird der einzig vern├╝nftige und kluge Mensch in jener Gegend; denn er bittet, dass er f├╝r immer in der Gemeinschaft mit Jesus bleiben d├╝rfe (Vers 38). Die vorher vern├╝nftigen Gadarener, die wahrscheinlich ver├Ąchtlich auf den Besessenen geblickt haben, wie er nackt umherlief und bei den Gr├Ąbern hauste (Vers 27) ÔÇô sie sind jetzt die wahrhaft Unvern├╝nftigen. Indem sie Jesus bitten fortzugehen, lassen sie die h├Âchste Weisheit und den gr├Â├čten Gewinn fahren.
Gott bewahre uns vor dem Adventsstolperstein der Habgier die G├Âtzendienst ist.

Die Vielgesch├Ąftigkeit (Lk. 10,38f)

ÔÇ×Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen.ÔÇť Auch die Ankunft Jesu in Bethanien zeigt uns einen Adventsstolperstein. Welch wichtige Stunde hat f├╝r jenes Haus geschlagen! Da ist Martha. Sie steht innerlich anders als die Gadarener. Sie h├Ąngt nicht am Besitz. Sie stellt ihr Eigentum willig Jesus zur Verf├╝gung. Und doch liegt auch bei ihr ein Hindernis f├╝r den rechten Adventssegen. Es hei├čt: Vielgesch├Ąftigkeit.

Bethanien ist ja nur ein Steinwurf weit weg von Jerusalem. Und dort lebte sie also, diese Martha, zusammen mit der sensiblen Schwester Maria und diesem kr├Ąnklichen Bruder Lazarus. Und in diesem dreibl├Ąttrigen Kleeblatt war eindeutig die Martha, die eigentliche Mitte. In diesem 3-Personenhaushalt ging es nach ihrem Kopf. Martha hei├čt n├Ąmlich zu Deutsch: Herrin. Sie war der Herr im Hause. Sie zeigte auch, wo es lang gehen soll. Wie w├╝rden sie heute eine emanzipierte Frau nennen, die engagiert, die Dinge in die Hand nahm. Martha eine Frau. Und gerade die Adventszeit ist stressgef├╝llte Advents-Stolperstein-Zeit.

Diese Martha war ja nicht blind, sie hatte Augen im Kopf. Und Martha ging an die T├╝r als es klopfte und vielleicht hat sie gleich der Schreck gepackt. Da standen doch 13 ausgewachsene M├Ąnner und baten um Einlass. Jesus und seine Crew! Sie bat herein. Dann sah sie, diese Leute m├╝ssen zuerst die F├╝├če waschen, und deshalb lief sie um Wasser zu holen. Und dann sah sie, dass diese Leute Hunger haben. Und deshalb lief sie in die K├╝che und dort lie├č sie ihren ganzen Apparat der Gastlichkeit anspringen. Die Martha, die war voll im Stress. 13 M├Ąnner in einem Dreipersonenhaushalt. Wenn das kein Advents-Stress ist!

Vielleicht ist bei uns der Stressfaktor anders gelagert, zwischen Kassenschlangen und K├╝chenstress, Putzprogramm und P├Ąckchen packen und viel zu viele Weihnachtsfeiern. Da vergessen wir schnell das Eine das Not tut: ÔÇ×Macht hoch die T├╝r, die Tor macht weit!ÔÇť Martha tut so vieles f├╝r Jesus, dass sie dar├╝ber das Eine, das Not ist, um gesegnet zu werden, vers├Ąumt. Ihr eigenes Tun und Machen steht noch so stark im Vordergrund, dass die Stille zu Jesu F├╝├čen dar├╝ber vergessen wird. Wer Jesus recht aufnehmen will, der lerne von Maria, die sich zu des Meisters F├╝├čen niederl├Ąsst, um zu h├Âren, was er ihr sagen will! Das bringt wahren Adventssegen und bereitet uns vor f├╝r den gro├čen Advent, dem wir entgegengehen.

Was sollen wir tun? Paul Gerhardt fragt. ÔÇ×Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir?ÔÇť Aber eigentlich brauchen wir danach gar nicht mehr zu fragen. Das ist ja jetzt klar. Dein K├Ânig kommt zu dir! Da gibt es doch nur eins: Nimm Ihn auf! Die Bibel sagt: Wie viele ihn aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu hei├čen. Es ist doch klar: Lass dich von Jesus richten. H├Âre auf mit den Ausreden! Und wenn Du am Ende auch j├Ąmmerlich und arm, blind und blo├č dastehst ÔÇô lass es geschehen! Dann erf├Ąhrst du Ihn als Helfer. Und du darfst Sein Kreuz, Sein Blut, Seine Vers├Âhnung f├╝r dich in Anspruch nehmen.

Dass es uns doch allen ginge wie dem Erweckungsprediger in der L├╝neburger Heide, Ludwig Harms. Der sagte vor Tausenden bei einem Missionsfest: ÔÇ×Ich glaube, ich w├╝rde in Verzweiflung fallen, wenn ich diesen Trost nicht h├Ątte: Alle S├╝nden sind vergeben; . . . wie ein Fisch, der, aus dem Wasser genommen, stirbt, so kann ich Jesus nicht missen, nicht eine Viertelstunde. Ich w├╝rde sterben.ÔÇť

Sieh, dein K├Ânig kommt zu dir!
Seele, das sind frohe Worte.
Sprich: Mein K├Ânig, komm zu mir!
Sieh, ich ├Âffne dir die Pforte.
(Zeuch mit deiner Sanftmut ein.
Was du findest, das ist dein!)

Pr├Ądikant Thomas Karker, Bremen, Adventspredigt vom 13.12.2020

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 11. Dezember 2020 um 17:14 und abgelegt unter Predigten / Andachten.