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„An Gottes Segen ist alles gelegen“ (Predigt über 4. Mose 6,22-27)

Sonntag 16. August 2020 von Pfr. Ulrich Hauck


Pfr. Ulrich Hauck

In vielen Liedern besingen wir »das Wesen der Dreifaltigkeit«. Und dennoch scheint es für unser Denken schwer begreifbar zu sein, dass der eine Gott drei Personen sind, drei Wesenheiten; die eins sind, und doch zu unterscheiden: Gott-Vater, Gott-Sohn, Gott-Heiliger Geist. Wenn diese Dreieinigkeit, die Trinität, nicht beachtet wird, oder wenn die drei Wesensarten nicht alle in rechter Weise gewichtet werden, dann bekommt unser Gottesbild und unser Glaube eine Schieflage. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns in der Glaubenslehre und in der Glaubenspraxis immer wieder mit der Dreieinigkeit Gottes beschäftigen.

Das ist gar nicht so leicht, weil es in der Bibel selbst keine ausformulierte Lehre darüber gibt; aber jede Menge Bezüge, die es zu bedenken gilt, was die Alte Kirche in den ersten Jahrhunderten auch getan und in sog. Dogmen als Bekenntnis festgehalten hat. Mit dieser Predigt versuche ich allerdings einen einfacheren Zugang zu diesem Geheimnis der göttlichen Trinität zu öffnen, nämlich von der Liturgie her, also von der Ordnung des Gottesdienstes und der Sakramente her. Das kann jeder von uns leicht nachvollziehen.

Bereits im Tauf- und Missionsbefehl, Matthäus 28, weist Jesu seine Jünger an, alles im Namen des dreieinigen Gottes zu tun, deshalb wird auch jede Taufe auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes vollzogen. Und ebenso beginnen wir jeden Gottesdienst im Namen dieses dreieinigen Gottes und auch der Segen am Ende geschieht im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Dieser dreieinige Segenszuspruch bezieht sich auf den neuen Bund, den Gott durch Jesus Christus mit den Menschen geschlossen hat. Dieser Segenszuspruch steht aber in einer Linie zu den alttestamentlichen Segensworten und füllt sie aus mit der ganzen Tiefe des göttlichen Wesens.

Und auf diese Weise soll heute der Segen aus dem 4. Buch Mose, Kapitel 6, der sogenannte „Aaronitische Segen“, durch diese Predigt neu zum Blühen kommen und für uns Bedeutung gewinnen. Schon seit den Zeiten von Mose gilt: Niemand soll aus dem Gottesdienst entlassen werden ohne Segen. Der Mensch bekommt auf den Kopf zusagt: »Der HERR segne Dich!« Das kannst Du mit nach Hause nehmen in deinen Alltag, in die neue Woche hinein: Den Segen Gottes.

Aber was geschieht denn beim Segnen? Was empfangen da die Menschen? Was ist Segen? Die Sprachforscher sagen: Das Wort »Segnen« leitet sich von dem lateinischen Wort »signare« ab, zu Deutsch: „Ein Zeichen machen“, z.B. das Zeichen des Kreuzes: zum Zeichen, dass einer zu Christus, dem Gekreuzigten, gehört und sich zu seinem »Namen« bekennt. Das Kreuzeszeichen am Anfang und Ende des Gottesdienstes oder über einem Täufling oder bei sonstigen Segenshandlungen ist daher nichts spezifisch katholisches, sondern zeichenhafte Verdeutlichung der gesprochenen Zusage Gottes. Es wäre schön und hilfreich, wenn wir Evangelischen dies überall in unseren Gottesdiensten und auch persönlich wieder neu entdecken und praktizieren.

Aber um den Anfängen des Segens näher zu kommen, müssen wir uns den alttestamentlichen Überlieferungen der Bibel zuwenden: Insbesondere denken wir da an Abraham und die Verheißungen göttlichen Segens für ihn und das Gottesvolk. Der HERR sagt zu Abraham: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. Die ganze Abrahamsgeschichte ist eine einzige fortlaufende Geschichte des Segens: Der Segen des Schutzes auf dem Weg zu einem großen, aber fernen Ziel ins verheißene Land, einem Weg voller Gefahren und Versuchungen. Dazu der Segen der Familie – mit Isaak, Jakob und seinen vielen Nachkommen.

Aber auch schon vor Abraham gab es Segen. Den Segen der Schöpfung. Etwa den Segen des siebten Tages, des Ruhetages für den Schöpfer und seine Menschen. Was für ein Segen bis heute für diejenigen Menschen, die diesen göttlichen Ruhetag tatsächlich achten und diesen Tag mit dem Gottesdienst beginnen! Wo ist Gott uns näher als in seiner Gottesdienst feiernden Gemeinde? Hier ist Gott mitten unter uns, in seinem Wort, in Brot und Wein. Martin Luther lehrte und lebte noch die innige Verbindung von Wort und Sakrament als den Heilsgaben Gottes. Wer Gott liebt und mit ihm verbunden ist, der kann und will nicht ohne diese Heilsgaben und den Segen Gottes die neue Woche beginnen. Deswegen war es ja so verhängnisvoll und unglaublich, dass die Landeskirchen wegen Corona die Gottesdienste radikal verboten haben.

Oder denken wir an den Segen der Ehe von Mann und Frau, der auch seit der Schöpfung Gültigkeit hat. Die Beziehung, Begegnung und Vereinigung der beiden unterschiedlichen Geschlechter ist von Gott gesegnet. Aber nur in der Ehe, nicht vor der Ehe, nicht neben der Ehe und auch nicht in irgendwelchen alternativen Lebensformen, die inzwischen „Ehe“ genannt werden und doch keine sind. Und selbst in den Kirchen wird es inzwischen als normal betrachtet, wenn zwei vor der Ehe zusammenziehen. Da müsst gerade ihr jungen Christen treu sein und es anders machen, zur Ehre Gottes und zum Wohl Eurer Ehe! Und denken wir dann an den Segen der Kinder, von Gott geschenktes Leben. Jesus hat die Kinder an sein Herz gezogen und ihnen die Hände aufgelegt hat, um sie zu segnen. Wer wie Kinder uneingeschränkt dem HERRN Jesus vertraut, dem gehört das Himmelreich.

Wir haben gefragt: Was ist Segen? Im Kreuzworträtsel heißt die richtige Lösung etwas nüchtern die »Gunst Gottes«. Gott ist dir wohlgesonnen. Aber das stimmt. Wenn Gott segnet, dann erfüllt er dein Leben mit einer unendlichen Fülle seiner guten Gaben: mit Friede und Freude, mit Arbeit und Ruhe, mit Familie und Heimat, und – nicht zuletzt: mit einem grandiosen Ziel: Seiner herrlichen Ewigkeit, die mitten unter uns schon begonnen hat! Der Apostel Paulus schreibt in Epheser 1: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.

Schauen wir uns die fünf Bildworte aus dem Aaronitischen Segen in 4. Mose 6 näher an: Der Herr segne dich und behüte dich. Das ist keine Aufzählung von zwei verschiedenen Dingen. Es bedeutet eher: Seinen Segen erfahren als Behütung. »Herrn-hut« haben sie damals ihren Ort genannt, die Leute der Brüdergemeinde, die in die sächsische Lausitz eingewandert waren, von wo bis heute die Losungen herkommen. »Herrnhut – Unser Ort in der Obhut des Herrn«. Wie gut sind die Menschen dran, die so glauben und leben können. Umso tragischer, dass diese von dem frommen Nikolaus Ludwig Graf von Zinsendorf gegründete Gemeinschaft sich inzwischen mit ihrem Beschluss, homosexuelle Paare zu segnen, aus der Obhut ihres Herrn entfernt hat. Wir Menschen dürfen nicht segnen, was dem Worte Gottes widerspricht und worauf Gottes Segen eben gerade nicht liegt.

Gott aber will Menschen segnen. Er segne dich und behüte dich. – Wie arm sind hingegen alle die Menschen dran, die für ihre Ängste und Befürchtungen nur ein erbärmliches Aufs-Holz-Klopfen haben mit dem Ausruf »Toi-toi-toi«. Dieser Ausspruch leitet sich als Kurzform von „Teufel“ ab. Wenn Menschen dies also aussprechen, stellen sie sich in den Machtbereich des Teufels hinein. Als Christen widersprechen wir solchen Teufelsanrufungen und rufen stattdessen über anderen Menschen aus:

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir. Über den verworrenen Wegen Israels, durch Wüste und Meer, beim Auszug aus Ägypten bis zur heutigen verworrenen Zeit, in der wir leben, sollte über den Kindern Gottes allemal Sein »Angesicht« aufgehen wie die Sonne am frühen Morgen und ihnen leuchten. In Psalm 80 heißt es: HERR, Gott Zebaoth, tröste uns wieder; lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen.

Und der HERR sei dir gnädig. – »Gnad euch Gott!« – so kommt es uns über die Lippen, wenn Unheil und Unglück über Menschen hereinbricht und sie einem gnadenlosen Schicksal oder gnadenloser Schuld ausgeliefert scheinen. Jetzt kann nur noch helfen: »Gott, sei uns gnädig! Lass Gnade vor Recht ergehen!« Hier leuchtet die Wesensart Gottes durch, die dafür am Kreuz Schmerz, Leid und Tod auf sich genommen hat. Gott segnet mit dem Zuspruch seiner Gnade: Auch dir ist er gnädig! Und Eltern, die das erfahren durften, wie Gott gnädig helfen kann, geben ihren Kindern diese Erfahrung weiter. Und manche nennen es Johannes oder Johanna, das heißt: »Gott ist gnädig«.

Und noch ein Bildwort: Der HERR hebe sein Angesicht über dich. – Wie wunderbar ist es für Eltern morgens ihr Kind schlummernd in seinem Bettchen zu betrachten. Wenn’s aufwacht brauchen seine Augen nicht ins Leere zu starren. Die Mutter ist da. Sie beugt sich über ihr Kind. In ihrem Angesicht leuchten Freude und Glück. Da hat’s für das Kind keine Not, kein Verlassensein. Als Kinder Gottes geht es uns genauso, wenn der HERR sein Angesicht über uns hebt.

Wenn sich jedoch das »Angesicht Gottes« über uns verhüllt, wenn sich der gnädige und barmherzige Gott hinter Wolken verbirgt, weil sein geliebtes Volk die Gebote übertritt und ungehorsam ist; – dieses Volk sich dann aber wieder sehnsüchtig zu ihm hinwendet und bußfertig schreit: »Mein Gott, warum hast du mich verlassen?«, – dann gilt erst recht der Segen, dass der Herr »sein Angesicht über dich« hebt. Dazu sagt Martin Luther: »Dieser Segen wünschet, dass Gott der Herr das Licht seines Wortes wolle erheben über uns und so darüber halten, dass es höher und stärker leuchte in unseren Herzen als alles Verzweifeln, Verzagen und Erschrecken …«

»Der HERR gebe dir Frieden!« Frieden mit Gott, der »höher ist als alle unsere menschliche Vernunft«, der mehr in sich begreift als Weltfrieden und Kriegsende, mehr als Wohlstand und Gesundheit. Friede als das Wohlbefinden seiner Geschöpfe, weil sie mit ihm versühnte Kinder sein dürfen. Frieden inmitten von extremer Friedelosigkeit in dieser Welt, wie sie uns in jeder Nachrichtensendung entgegentritt. Christus ist unser Friede, der Heiland für uns Sünder, der den Frieden mit Gott wieder hergestellt hat. „Shalom“ – den Frieden mit Gott. Willst du mit Gott in Frieden leben, dann vertraue Christus und nimm sein Rettungswerk an!

Eine wichtige Anmerkung zu diesem Segenswort aus dem Alten Testament gilt es noch zu machen. Es ist in allen Segensversen von „Dir“, „Dich“ die Rede. Wir segnen jedoch am Ende des Gottesdienstes mit „Es segne und behüte EUCH …“. Das hat seine guten Gründe. Denn das alttestamentliche »Du« ist kein individuelles „Du“ wie wir es heutzutage meinen, sondern mit dem »Du« ist stets das ganze Volk Israel gemeint; dort lebt der individuelle Einzelne immer mitten im Leben seines Volkes. »Du, mein Volk! Sei gesegnet!« So meinen auch wir es, wenn wir vor unseren Gemeinden stehen, um sie zu segnen. Also nicht: »Du, mein lieber Mitchrist«, sondern »Du, liebe Gemeinde!« Weil dieses „DU“ von heutigen Ohren jedoch immer persönlich individuell verstanden wird, ist es besser den Segen mit »Euch« zu sprechen. Christsein kann man nie für sich alleine leben, sondern immer nur in der sich versammelnden Gemeinde, die der Leib Christi ist. Entscheidend ist dabei nicht, dass wir uns alle sympathisch sind, sondern dass wir einen gemeinsamen Herrn haben und anbeten. Noch einmal Epheser 1: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der UNS gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.

Der letzte Vers unseres heutigen Predigttextes macht dann abschließend ausdrücklich deutlich, dass Gott selbst es ist, der segnet. Der Segnende ist nur Werkzeug Gottes, sein Sprachrohr, durch das Gott selbst sein heiliges und segnendes Wort spricht. Und dann heißt es: Der Segnende soll auf die zu Segnenden »den Namen Gottes legen«. Wie soll er’s denn anders tun als mit der Gebärde seiner Hände? Mit erhobenen Händen, mit Handauflegung, mit Kreuzeszeichen. Worte und Zeichen sollen zusammenwirken! Durch die Zeichenhandlung soll die Bedeutung der Worte unterstrichen werden. Mit allen unseren Sinnen dürfen wir den Segen Gottes aufnehmen. Auch der Gehörlose soll »sehen«, was da gesagt wird. Diese liturgische Anweisung der Zeichenhandlung ist gnädige und ganzheitliche Zuwendung Gottes zu uns Menschen! Wort und Zeichen gehören zusammen.

Wir sollen dabei nicht nur um den Segen bitten: »Herr, segne uns …!« Die Segensbitte hat zwar durchaus ihren Platz, wenn wir die Hände falten und beten. Aber hier, am Schluss des Gottesdienstes, da wird in der Vollmacht des HERRN gesegnet: „Der HERR segne und behüte Euch!“ Voller Zuversicht, ohne falsche Bescheidenheit könnt ihr den Segen schauen, hören und empfangen. Und Ihr alle, ihr geht dann heim als diejenigen, die dem dreieinigen Gott anbefohlen sind. Das gilt, so wahr darauf die Gemeinde mit „Amen“ antwortet bzw. ihr dreifaches (!) »Amen« singt.

Sprechen und Empfangen wir den Segen Gottes auch im Alltag wieder bewusster, denn »Gesegnete Mahlzeit« ist mehr als »Guten Appetit!«; ein gesegnetes Kind ist mehr als ein hochbegabtes Wunderkind; ein gesegnetes Alter ist mehr als „Best Ager und »Hundert-Jahre-Alt-Werden«; »Gottes Segen!« zur Arbeit oder zur Beförderung, ist mehr als »Gratulation zum neuen Job!« und »Gesegneter Sonntag!«, das ist allemal mehr als nur »Schönes Wochenende!« Bleibt gesegnet unter dem Schirm des Höchsten ist mehr als die Corona-Durchhalteparole „Alles wird gut“.

4 Mose 6,22-27: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen.

Quelle: www.nbc-pfalz.de

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 16. August 2020 um 13:10 und abgelegt unter Predigten / Andachten.