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Leihmutterschaft: Behinderte Kinder werden von Bestelleltern in Ukraine zur├╝ckgelassen

Mittwoch 30. Oktober 2019 von IMABE


IMABE

In der Ukraine, einem der ├Ąrmsten L├Ąnder Europas, bl├╝ht das Gesch├Ąft mit Leihmutterschaft. Vor allem Armut treibt Frauen dazu, sich von Agenturen anheuern zu lassen. Nun berichtet die australische Journalistin Samantha Hawley, die bereits 2014 den Fall Gammy (vgl. IMABE 09/2014) aufdeckte, in ihrer Dokumentation Damaged babies and broken hearts ├╝ber die groben Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Leihmutterschaft in der Ukraine (vgl. ABC, online, 20.8.2019).

Ein kalifornisches Paar hatte ein Kind via Leihmutter bei der Agentur BioTexCom in Kiew in Auftrag gegeben. Als sie erfuhren, dass das Kind als Fr├╝hgeburt mit schweren Behinderungen zur Welt gekommen war, weigerten sie sich, es abzuholen. Marina Boyko, eine Krankenschwester, k├╝mmerte sich daraufhin um das fr├╝hgeborene Baby, das im Spital behandelt wurde. Die Bestelleltern forderten die Einstellung der Therapie f├╝r Bridget, so der Name des Kindes, da es ohnehin nur in einem „vegetativen Zustand“ lebe. Die ├ärzte gaben dieser Forderung nicht nach, der Gesundheitszustand der Kleinen besserte sich: Sie kann sehen und h├Âren, sich verst├Ąndigen, essen, l├Ącheln und hat nach Worten Boykos auch gute Chancen, selbst├Ąndig gehen zu k├Ânnen, sofern sie die entsprechende Physiotherapie bekommt. Die ersten drei Jahre ihres Lebens verbrachte Bridget praktisch im Krankenhaus. Jetzt lebt sie in einem Heim f├╝r chronisch kranke Kinder im ukrainischen Saporischschja. Sollten allerdings keine Pflegeeltern f├╝r sie gefunden werden, verliert sie im Alter von sieben Jahren den Anspruch auf jegliche Therapie. In der Ukraine w├╝rde sie mit 18 Jahren dann in ein Altersheim kommen.

Nikolai Kuleba, Leiter der staatlichen Ombudsstelle f├╝r Kinder, betont, dass es sich um „keinen Einzelfall“ handle. Derzeit wisse man von zehn anderen behinderten Kindern, die nach Leihmutterschaft in der Ukraine geboren und von ihren ausl├Ąndischen Eltern im Stich gelassen worden sind. Die Dunkelziffer d├╝rfte laut Kuleba noch viel h├Âher liegen.

BioTexCom ist marktf├╝hrende Wunschbaby-Klinik in der Ukraine. Sie br├╝stet sich u. a. damit, einer 65-j├Ąhrigen deutschen Lehrerin im Jahr 2015 zu Vierlingen verholfen zu haben. Registriert ist die Firma auf den Seychellen, der Leiter von BioTexCom, Albert Tochilovsky, wurde im Mai 2018 kurzzeitig unter Hausarrest gestellt wegen des Vorwurfs von Kinderhandel, der F├Ąlschung von Dokumenten und der Steuerhinterziehung. Bisher wurde kein Verfahren gegen ihn eingeleitet (vgl. Stop Surrogacy Now, August 2019, sowie Deutsche Welle, online 9.9.2018).

In Indien k├Ânnte nach dem Verbot der Leihmutterschaft f├╝r Ausl├Ąnder nun auch bald ein komplettes Verbot f├╝r kommerzielle Leihmutterschaft folgen, berichtet Vice (online, 6.8.2019). Eine Gesetzesvorlage dazu wurde k├╝rzlich im Unterhaus des indischen Parlaments verabschiedet. Sollte es auch das Oberhaus trotz der starken Lobby der Leihmutterschafts-Agenturen passieren, w├╝rde nur noch eine sog. altruistische Leihmutterschaft zugelassen werden – und das unter strengen Bedingungen. Die rund 3.000 Wunschbabykliniken, die mit Leihmutterschaftsangeboten als fixe Einnahmequellen rechneten, mussten bereits durch das Ausl├Ąnderverbot erhebliche finanzielle Einbu├čen hinnehmen. Kommerzielle Leihmutterschaft wurde 2002 in Indien legalisiert, nach einer Reihe von Skandalen wurde sie jedoch 2018 f├╝r Ausl├Ąnder verboten. Bis dahin waren in Indien j├Ąhrlich rund 25.000 Babys durch Leihm├╝tter zur Welt gekommen.

Gesundheitsminister Harsh Vardhan sieht die jetzige Gesetzesvorlage als „Gebot der Stunde“ (vgl. Deccan Herald, online, 5.8.2019). Einer groben Sch├Ątzung zufolge w├╝rden in Indien etwa 2.000 bis 3.000 Leihmutterschaftskliniken illegal betrieben, um weiterhin einige Tausend ausl├Ąndische Bestell-Paare innerhalb Indiens mit Babys zu versorgen. Diesen unethischen Praktiken soll nun ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben werden.

www.imabe.org (3.9.2019)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 30. Oktober 2019 um 9:30 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Lebensrecht, Medizinische Ethik.