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Kurze Betrachtungen zu den sieben Schöpfungstagen (7. Teil)

Der siebente Tag im biblischen Schöpfungsbericht ist alles andere als ein passiver Regenerationstag. Gott hat es nicht nötig sich zu erholen. Dass hier vom Ruhen Gottes die Rede ist, darf nicht dazu verleiten, an einen inaktiven müde gewordenen Gott zu denken. Gott ist Liebe, und lieben ist die aktivste Sache der Welt. Es fällt auf, dass bei der Schilderung des siebenten Tags weder vom Abend noch vom Morgen die Rede ist. Das kann man so verstehen, dass Gott mit dem Abschluss des Sechs-Tage-Werks eine neue Form seiner Liebe beginnt, indem er nun in eine segnende Beziehung zu seiner Schöpfung eintritt. Insofern steht die Welt und leben wir bis zur Wiederkunft Christi im Wirkungsfeld des siebenten Tages.

Wie ist das hier mehrmals erwähnte „Ruhen“ Gottes zu verstehen? Ich möchte es umschreiben mit den vier hier gebrauchten Verben „Vollenden“, „Feiern“, „Segnen“ und „Heiligen“

1.) Gott vollendet am siebenten Tag seine Schöpfungswerke. Was er sich in seiner Liebe vorgenommen hatte zu Stand und Wesen zu bringen, steht nun fertig vor ihm. Von der Zeit und dem Raum angefangen über Wasser und Licht zur geheimnisvoll lebensfreundlichen Erde und dem unermesslichen Makrokosmos bis hin zur Flora und Fauna und Mann und Frau – die Schöpfung ist komplett. Weitere vergleichbare Schöpfungswerke sind bis Jesus wiederkommt nicht zu erwarten.. Die erste Schöpfung wurde jedenfalls am siebenten Tag abgeschlossen. Ihre ganze unermessliche Vielfalt, wie sie uns heute begegnet, ist bereits in den Werken der sechs Tage inbegriffen und kann sich nun anschließend aus ihnen heraus entfalten.

Die Vollendung der ersten Schöpfung lässt aber auch gleich an das zweite große Schöpfungsgeschehen denken. Die erste Schöpfung wurde durch die Sünde des Menschen verunstaltet. Daraufhin wurde das menschliche Leben durch den leiblichen Tod begrenzt. Der menschliche Geist, als Kommunikationsorgan mit Gott erschaffen, wurde unbrauchbar. Der Mensch wurde zurückgeworfen auf die seelischen Funktionen seines Willens, seiner Gefühle und seines Verstandes, die fortan mehr oder minder von seinem selbstbezogenen Ich gesteuert wurden und werden. Der liebende Gott lässt aber den Menschen in dessen Elend nicht allein, sondern schenkt ihm in der Glaubensbegegnung mit Jesus Christus einen neuen Geist, so dass er eine geistliche Neuschöpfung erleben kann. Dieses wunderbare Geschehen kann man durchaus eine zweite Schöpfung bzw. eine Neuschöpfung nennen. Auch sie geht einer Vollendung entgegen, nämlich dann, wenn der geistlich neugeborene Mensch einst bei Jesu Wiederkommen in einem Herrlichkeitsleib zu Gottes Herrlichkeit erhoben wird

Aber damit ist Gottes Vollendungshandeln immer noch nicht am Ende. Wenn Christus wiederkommt und seine Gerichtshandlungen vollbracht hat, wird es einen neuen Himmel und eine neue Erde geben. Diese gewaltigen Geschehnisse, die vor allem von Jesaja, Jesus, Petrus und Johannes angekündigt werden, werden Gottes Pläne mit der Welt und der Menschheit vollenden. Die dann entstehende Schöpfung wird die jetzige in jeder Beziehung in den Schatten stellen. Die Tierwelt wird friedlich miteinander leben. Die Menschen werden sehr alt werden. Satan wird es nicht mehr geben, so dass sie nicht mehr verblendet sind und aus eigenem Antrieb den lebendigen Gott suchen und ehren werden, der sich im Neuen Jerusalem in der Gestalt des ewigen Königs Jesus Christus finden lässt. Das erneuerte Volk Israel wird am Ziel seiner göttlichen Bestimmung angekommen sein, nämlich als heiliges Priester- und Königsvolk der dann lebenden Menschheit den Weg zu Christus zu zeigen.

2.) In der Bibelübersetzung von M. Buber und Fr. Rosenzweig wird das hebräische Wort, das Luther mit „ruhen“ übersetzte, mit „feiern“ wiedergegeben. „Gott feierte am siebenten Tag von all seiner Arbeit, die er machte“. Wenn wir den Schöpfungspsalm 104 zu Rate ziehen, wird diese Übersetzung verständlich. Dort heißt es in V. 31 „Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich, der Herr freue sich seiner Werke“. Darum geht es also am siebenten Tag, um die Freude Gottes über seine gelungene Schöpfung. Zum Abschluss des sechsten Tages hatte Gott Mann und Frau, die Krönung der Schöpfung, „sehr gut“ genannt, und es ist bestimmt keine Überinterpretation, wenn wir dieses Urteil auf die gesamte Schöpfung anwenden. Wahrlich, Gott hatte viel Grund, sich zu freuen.

Gleichzeitig bekommen wir hier einen Hinweis auf das Wesen des Feiertags, vor allen Dingen des Sonntags. Feier- und Sonntage sind Tage, an denen die Menschen aufgerufen sind, Gottes Werke zu bedenken, die er getan hat, tut und noch tun wird, und ihm dafür zu danken. Und genauso, wie wir an Gottes Werke denken, sollen und dürfen wir auch bei unseren Fest-, Feier- und Sonntagen an unsere eigenen Werke denken und Gott für alles danken, was uns gelungen ist. Das ist der tiefste Sinn allen Feierns und aller Gottesdienste.

Wenn wir zu dieser dankbaren Freude des siebenten Tags durchstoßen, reihen wir uns ein in den himmlischen Lobpreis, der vor Gottes Thron dargebracht wird (Hebr 12,22-24). Und ebenso in den Lobpreis der gesamten Schöpfung, von der Ps 148 spricht. Es kann einen nicht kalt lassen, wenn dort Sonne und Mond, die leuchtenden Sterne, die Fische, Schnee, Nebel und Sturmwinde, Berge und Hügel, die Zedern, die Tiere, das Gewürm und die Vögel aufgefordert werden, Gott zu loben. Und wir können hinzufügen: Ja, die Schöpfung lobt den Schöpfer. Wer Augen hat zu sehen, der sieht es, und wer Ohren hat zu hören, der hört es. Das Vogelgezwitscher jeden Morgen sind eben nicht nur Revier- und Balzrufe, sondern im Tiefsten ein Gotteslob, das Gott seiner Schöpfung einprogrammiert hat. Ebenso erklingt durch die Weiten des Alls ein Gotteslob, wovon der 19. Psalm so anschaulich berichtet: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“.

3.) Gott segnet den siebenten Tag. Dreimal segnet Gott im Schöpfungsbericht: die Tiere, den Mann und die Frau und den siebenten Tag. Wenn Gott segnet, spricht er Gelingen, Fürsorge und Heil zu. Die Tiere dürfen sich innerhalb ihrer Art vermehren. Mann und Frau sind berufen, als Gottes Ebenbilder zu leben und durch Christus die Liebe Gottes einander und an andere weiterzugeben, ein großartiger Segen. Der Segen des siebenten Tags wird erst einmal rein körperlich und seelisch erfahrbar, wenn wir bewusst von der Alltagsarbeit Abstand nehmen und uns erholen. Dann aber wird dieser Segen in einem noch viel höheren Sinn erlebbar, wenn wir in der Gemeinschaft mit anderen Christen Gott für alles danken, was er getan hat, tut und tun wird. Das Danken verändert und verwandelt uns. Dass Gott uns ganz persönlich liebt, wird uns immer klarer.

Wenn wir bedenken, dass der siebente Tag anhält, bis Jesus wiederkommt, bekommt unser Leben einen andauernden Glanz. Dann sind nicht nur alle unsere Feiern und gemeindlichen Zusammenkünfte eine Segensquelle, sondern dann kann im Grunde jeder Tag ein „siebenter Tag“ sein.

Augustinus sagt gleich am Anfang seiner „Bekenntnisse“: „Zu deinem Eigentum erschufst du uns, und ruhelos ist unser Herz, bis es ruht in dir“. Damit bringt er uns auf seine Weise auf die Spur zur „Ruhe“ Gottes. Sie ist nichts anderes als die liebevolle Arbeit Gottes an uns, der uns mit seiner Liebe mehr und mehr erfüllen will. Der Segen des siebenten Tages ist also mehrdimensional, körperlich, seelisch und geistlich, und er ist von Gott auf Dauer angelegt. Wir tun uns selbst viel Gutes, wenn wir täglich den Segen des siebenten Tags suchen, insbesondere natürlich an den Fest-, Feier- und Sonntagen.

4.) Gott heiligt den siebenten Tag. Was bedeutet das? Wenn Gott etwas heiligt, dann nimmt er es für besondere göttliche Zwecke in Anspruch. In diesem Sinn nennen die Apostel die Christen „Heilige“, obwohl sie ganz und gar nicht ethisch und moralisch bessere Menschen sind. Sie heißen vielmehr deswegen „heilig“, weil Gott sie ausgewählt hat, um seine Liebe in die Welt zu tragen. Jesus sagt in der Bergpredigt zu seinen Nachfolgern: „So lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16). Wenn Gott den siebenten Tag heiligt, ist das ähnlich zu verstehen. Gott will, dass durch diesen Tag sein Ruhm in dieser Welt vermehrt wird

Wenn Christen den Segen des siebenten Tags verstehen und suchen, Gott für seine Werke danken und preisen, die vergangenen, die aktuellen und die künftigen, und Gott auch dafür danken, dass ihre eigenen Werke gelungen sind, dann wird Gottes Ruhm vermehrt. Und wenn sie sich zum gemeinsamen Dank, zum Loblied, zur Reinigung von den Sünden und zur Glaubensstärkung durch das Wort Gottes, dann erfüllen sie damit den Sinn und Zweck der Heiligung des siebenten Tag in einem ganz besonderen Sinn, weil sie selber dadurch gestärkt werden, um den Segen Gottes noch effektiver an andere Menschen weiterzugeben. Und die Krönung des siebenten Tags wäre es, wenn wir mit Gottes Hilfe einem traurigen, verbitterten oder hoffnungslosen Zeitgenossen dazu verhelfen, sich einzureihen in den Chor derer, die Gott danken für all das, was er getan hat, tut und tun wird.

Das „Ruhen“ Gottes am siebenten Tag ist also alles andere als ein Ausruhen. Es ist vielmehr ein Feiern, ein Jubeln, eine Freude über die Schöpfungswerke. Gott hat sechs Tage gearbeitet, aber nun ist das Feiern dran. Und da der siebente Tag keinen Abend und keinen Morgen kennt, freut sich Gott seit den Tagen der Schöpfung über seine Werke. Und wir als seine geliebten Geschöpfe dürfen es ihm nachmachen. Und wenn wir durch den Glauben an Jesus Christus seine Kinder geworden sind und seinen Geist empfangen haben, dann lernen wir alle Werke Gottes mehr und mehr zu verstehen. Es gibt nichts Besseres.


Zur Vertiefung:

J. Cochlovius, Wie es war im Anfang. Die biblische Urgeschichte. 2. Aufl. 88 Seiten, 5,00 Euro zuzüglich Versandkosten.

J. Cochlovius, Vom Frauenschuh zum Känguru. Bilderstreifzüge durch die Schöpfung. 2. Aufl. 216 Seiten mit 580 Bildern vom Verfasser. 15,00 Euro zuzüglich Versandkosten.

J. Cochlovius, DVD-Set „Die sieben Schöpfungstage“. Sieben Vorträge auf zwei DVDs, Laufzeit 7×25 Minuten. Produziert für Bibel TV, 20.00 € zuzüglich Versandkosten.

Die Bücher und das DVD-Set können über die Geschäftsstelle des Gemeindehilfsbundes bezogen werden: Mühlenstr. 42, 29664 Walsrode. Tel.: 05161/911330. Email: info@gemeindehilfsbund.de