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Kurze Betrachtungen zu den sieben Schöpfungstagen (6. Teil)

Mittwoch 21. August 2019 von Dr. Joachim Cochlovius


Dr. Joachim Cochlovius

So wie die Lebewesen des 5. Tages auf die Lebensbedingungen vom 2. Tag angewiesen sind (oberirdisches Wasser und Luft), so können die beiden am 6. Tag geschaffenen Gruppen, die Landtiere und die Menschen, nun das Festland bevölkern, das am 3. Tag aus dem Meer heraus gestaltet wird. Wieder merken wir, wie genial durchdacht die Reihenfolge der Schöpfungstage ist.

Die Landtiere

Mit den drei am 6. Schöpfungstag erwĂ€hnten Landtier-Gruppen „Vieh“, „GewĂŒrm“ und „Feldtiere“ sind alle Landtiere gemeint. Wieder wird die Artenkonstanz betont. Aber auch hier gilt wieder, was ich bereits zur These von den ursprĂŒnglich von Gott geschaffenen „Grundtypen“ gesagt habe. Es ist durchaus vorstellbar, dass sich auch die heutige Artenvielfalt der Landtiere erst im Lauf der Geschichte aus Urtypen entfaltet hat, deren Gene die spĂ€ter ausdifferenzierten Arten bereits enthielten. Bekanntlich gibt es in der Biologie die Hypothese eines sog. Urpferdes, das als Stammform aller sich spĂ€ter herausgebildeten Pferde vermutet wird. Die Annahme solcher Stammformen lĂ€sst sich durchaus mit dem biblischen Schöpfungsbericht vereinbaren, wenn man darunter nicht eine primitive Vorstufe versteht, sondern im Gegenteil hochkomplexe Lebewesen, die die Erbanlagen aller spĂ€ter ausdifferenzierten Nachkommen in sich trugen.

Gottes Urteil ĂŒber die Landtiere lautet wieder „gut“, also „schön“ und „zweckmĂ€ĂŸig“. Gesamtaussehen, Körperbau und Proportion der Landtiere sind Ă€sthetisch hochwertig, und ihre inneren und Ă€ußeren Organe, insbesondere die Sinnesorgane und der Bewegungsapparat sowie ihre Lebensstrategie und Fortpflanzung sind genial und zweckmĂ€ĂŸig konstruiert. Es ist erstaunlich, zu welchen Anpassungsleistungen Tiere fĂ€hig sind, gerade wenn man bedenkt, unter welch schwierigen vom Menschen bewirkten Bedingungen viele Arten heute leben mĂŒssen. Erst wenn die Lebensbedingungen restlos zerstört sind, ist eine Art zum Untergang verurteilt. Im Report 2018 des „World Wide Fund for Nature“ (WWF) heißt es, dass bei den Wirbeltierarten der Bestand weltweit von 1970 bis 2017 um die HĂ€lfte abgenommen hat, eine dramatische Entwicklung. Die fĂŒnf wichtigsten Klassen der Landtiere sind folgende:

  • Insekten (von lat. insectum = eingeschnitten, d.h. in Kopf, Brust und Hinterleib geteilt); man schĂ€tzt heute insgesamt eine Million Arten.
  • Spinnentiere (ca. 100 000 Arten sind bekannt).
  • Amphibien (von griech. amphi = zweifach und bios = Leben), sie können an Land und im Wasser leben; ca. 7000 Arten sind bekannt.
  • Reptilien (von lat. reptilis = kriechend), ca. 10 000 Arten sind bekannt.
  • SĂ€ugetiere (ca. 6500 Arten sind bekannt).

Ich stelle aus allen fĂŒnf Klassen jeweils einige markante Vertreter vor.

1.) Insekten: Die Schmetterlinge sind nicht nur leichte und schöne Gebilde, sondern sie sind auch in ihren FĂŒhlerspitzen mit höchst sensiblen und leistungsstarken Geruchsorganen ausgestattet. Der Kaisermantel vermag z.B. aus einer Entfernung bis zu einem Kilometer Geruchssignale wahrzunehmen. Die Fortpflanzungsvarianten der Insekten sind erstaunlich vielfĂ€ltig. Die merkwĂŒrdig wie trockene Zweige aussehenden Mittelmeerstabschrecken vermehren sich auf dem Weg der sog. Parthenogenese, d.h. auch aus unbefruchteten Eiern können lebensfĂ€hige Individuen entstehen. Wer wĂŒrde nicht bei den fleißigen Ameisen an den Vers aus SprĂŒche 6,6 denken „Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr!“ Auch unsere Verkehrsexperten könnten bei den Ameisen einiges lernen. Stundenlange Staus gibt es im AmesienhĂŒgel nicht!

2.) Von den Spinnentieren wĂ€hle ich die Rote Röhrenspinne und die Listspinne aus. Erstere grĂ€bt röhrenförmige Vertiefungen in den Erdboden, die sie geschickt mit Laub bedeckt. HinĂŒberlaufende Beutetiere brechen ein und werden gefressen. Diese heimtĂŒckische Methode des Beutemachens erinnert uns daran, dass wir eine gefallene Schöpfung vor uns haben, die sich zusammen mit uns Menschen nach einer Zeit sehnt, in der es kein Fressen und Gefressenwerden und kein schnelles Sterben mehr gibt. Die Listspinne trĂ€gt ihren Namen zurecht. Die MĂ€nnchen prĂ€sentieren den Weibchen interessante Brautgeschenke, um sie zur Paarung zu animieren. Werfen wir noch einen Blick auf die Geheimnisse des Spinnenfadens: er ist 0,007 mm dick, bis zu 22 % ĂŒber seine ursprĂŒngliche LĂ€nge hinaus dehnbar und ist relativ zu seiner Masse gesehen viermal so stabil wie ein Stahlseil. Wahrlich ein MeisterstĂŒck der Schöpfung!

3.) Die Amphibien sind Lebewesen, die sowohl im Wasser als auch an Land leben können. Ich greife hier nur die Gelbbauchunke heraus, die sich bei Gefahr auf den RĂŒcken legt und ihre gelbe Unterseite zeigt. Ein ĂŒberaus geschicktes Verhalten, denn gelb ist fĂŒr die meisten Fressfeinde eine abschreckende Farbe. So hat der Schöpfer auch in einer gefallenen Schöpfung der Tierwelt viele FĂ€higkeiten und Strategien zum Überleben gegeben und  erhalten.

4.) Bei den Reptilien denke ich spontan an den kleinen Dornteufel aus Westaustralien. Wir haben ihn dort lange gesucht. Er ist mit unzĂ€hligen Zacken und Stacheln ausgestattet, sieht dementsprechend gefĂ€hrlich aus, ist aber in Wirklichkeit ein ganz Ă€ngstliches und friedfertiges Tier, das sich nur von Ameisen ernĂ€hrt. Das Besondere an diesem Reptil ist, dass es nicht auf Trinken angewiesen ist. Zwischen seinen Zacken laufen winzig kleine Rillen entlang, in denen sich der Morgentau sammelt und mikroskopisch kleine Rinnsale bildet, die in seine Maulöffnung fließen. Eine ĂŒberaus praktische FlĂŒssigkeitszufuhr, wenn man bedenkt, dass der Dornteufel in der WĂŒste extrem hohen Temperaturen ausgesetzt ist. Als Beispiel fĂŒr eine interessante Zusammenarbeit im Tierreich aus Australien erwĂ€hne ich noch den Rosenbergwaran, ein etwa ein Meter langes Reptil, das die Eier in TermitenhĂŒgel legt, wo sie exakt die erforderliche Temperatur finden, um ausgebrĂŒtet zu werden. Die Termiten dulden nicht nur den Eindringling, sondern sie schĂŒtzen auch seine Eier.

5.) Die SĂ€ugetiere zeigen eine fast unĂŒbersehbare FĂŒlle an Gestaltreichtum, Fortbewegungmethode und Anpassungskraft an die Lebensbedingungen. Einige kleine Einblicke: Die FledermĂ€use sind bekannt fĂŒr ihre gemeinsamen sog. Kinderstuben, in denen sie ihre Jungen hingebungsvoll aufziehen. Igel bringen einen Teil ihrer Stacheln schon mit auf die Welt, allerdings in einer noch nicht gehĂ€rteten Version. Um noch einmal nach Australien zu gehen: Koalas haben als einzige SĂ€ugetierart einen Verdauungsapparat, der sie in die Lage versetzt, EukalyptusblĂ€tter als Nahrung zu nutzen. Diesen Vorteil nutzen sie ausgiebig, wenn sie nicht gerade schlafen. Wir sehen die perfekte Anpassung gerade auch der Landtiere an die Bedingungen ihrer Umwelt. Sie lĂ€sst immer wieder schließen auf die komplette FĂŒrsorge, die der Schöpfer der Tierwelt schenkt. In Ps 111,2 heißt es deswegen: „Groß sind die Werke des Herrn; wer sie erforscht, hat Freude daran“.

Der Mensch

Betrachten wir nun in der gebotenen KĂŒrze den Menschen. Er hat in vielerlei Hinsicht eine einzigartige Sonderstellung unter den Lebewesen. Nehmen wir nur seine Anatomie, Biologie und Psychologie. Ich zĂ€hle einige markante Merkmale auf:

– Im Gegensatz zu den meisten Tierarten ist seine Fruchtbarkeitsphase begrenzt.

– Er hat einen aufrechten Gang.

– Sein Gehirn ist in Relation zur KörpergrĂ¶ĂŸe groß, besonders im Bereich der sog. Frontallappen, wo die Entschlusskraft und die Selbstvergewisserung verortet werden.

– Er hat eine lange Kindheitsphase, ein Hinweis darauf, dass dabei die Eltern-Kind-Bindung entstehen und gestĂ€rkt werden soll.

– Er ist sprach-, kultur- und geschichtsfĂ€hig.

– Er hat Einsichten in die Ordnungen des Lebens.

– Als Beispiel fĂŒr die perfekte organische Ausstattung des Menschen wĂ€hle ich die HĂ€nde. Gott hat ein Viertel sĂ€mtlicher menschlicher Knochen in die HĂ€nde gelegt. 27 Knochen hat jede Hand. 33 Muskeln verhelfen der Hand zu einer ĂŒberaus flexiblen Beweglichkeit. Die HandinnenflĂ€chen sind mit Tausenden von sog. FĂŒllkörperchen versehen, mit denen feinste Unterschiede an OberflĂ€chen und Temperaturen wahrgenommen werden können. Die menschliche Hand ist wahrhaftig ein Meisterwerk des Schöpfers.

– Die menschliche Seele ist mit drei hervorragenden Funktionen ausgestattet, mit Denken, Wollen und FĂŒhlen. Der Mensch hat darĂŒber hinaus als einziges Lebewesen den Geist empfangen, dieses einzigartige Kommunikationsorgan mit Gott. Wir wissen aus der Anthropologie des Neuen Testaments, dass beim gefallenen, von Gott getrennt lebenden Menschen der Geist „gestorben“ ist, also leblos und unbrauchbar ist. Damit verliert der Mensch das Steuerungsorgan fĂŒr seine seelischen KrĂ€fte, die nun ein Eigenleben beginnen. So entsteht der Verstandesmensch, der GefĂŒhlsmensch und der Willensmensch mit ihren gefĂ€hrlichen und verhĂ€ngnisvollen Eigenschaften. Und das schlimmste: der von Gott getrennt lebende Mensch verfehlt seine Bestimmung, ein Ebenbild Gottes zu sein, und das heißt Gottes Liebe widerzuspiegeln. Nur Christus ist in der Lage, durch den Heiligen Geist unseren Geist wieder zum Leben zu erwecken, so dass er wieder Verstand, GefĂŒhl und Willen lenken kann. Der seelische Mensch kann im Glauben an Christus ein geistlicher Mensch werden, der beginnt, das Gute und Heilsame zu denken, sich ĂŒber Gott und sein Wort zu freuen und seinen Willen an Gottes Willen auszurichten.

– In der Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus findet der Mensch zu seiner Bestimmung, ein Ebenbild Gottes zu sein. Als Mann und Frau ist er berufen, Gottes Liebe zu reprĂ€sentieren und in die Welt zu tragen (1 Mose 1,26f). Er ist berufen zu „herrschen“, und das heißt biblisch die „Herr“-lichkeit Gottes weiterzugeben (1 Mose 1,28). Er ist auch berufen, schön zu sein, denn Gott ist ein schöner Gott (Ps 104,15). Er ist berufen, schöpferisch tĂ€tig zu sein, denn er ist Kind eines schöpferischen Gottes (Ps 104,23). Er ist ferner bestimmt, ĂŒber die Engel zu richten (1 Kor 6,3). Und schließlich: ihm ist verheißen, die Herrlichkeit Gottes in Form eines Herrlichkeitsleibes zu erben (Ps 8,6; Röm 8,18). Wahrlich: der Mensch ist die Krone der Schöpfung. Gottes QualitĂ€tsurteil lautet dementsprechend „Sehr gut“.


Zur Vertiefung:

J. Cochlovius, Wie es war im Anfang. Die biblische Urgeschichte. 2. Aufl. 88 Seiten, 5,00 Euro zuzĂŒglich Versandkosten.

J. Cochlovius, Vom Frauenschuh zum KĂ€nguru. BilderstreifzĂŒge durch die Schöpfung. 2. Aufl. 216 Seiten mit 580 Bildern vom Verfasser. 15,00 Euro zuzĂŒglich Versandkosten.

J. Cochlovius, DVD-Set „Die sieben Schöpfungstage“. Sieben VortrĂ€ge auf zwei DVDs, Laufzeit 7×25 Minuten. Produziert fĂŒr Bibel TV, 20.00 € zuzĂŒglich Versandkosten.

Die BĂŒcher und das DVD-Set können ĂŒber die GeschĂ€ftsstelle des Gemeindehilfsbundes bezogen werden: MĂŒhlenstr. 42, 29664 Walsrode. Tel.: 05161/911330. Email: info@gemeindehilfsbund.de

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 21. August 2019 um 23:18 und abgelegt unter Allgemein.