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Die Psalmen und das Vaterunser – ein lohnender Vergleich

Leitwort: „Nicht die Armut des Herzens, sondern der Reichtum des Wortes Gottes soll unser Gebet bestimmen“ (D. Bonhoeffer, Das Gebetbuch der Bibel. Eine Einführung in die Psalmen).

1.)          Der Psalter und das Vaterunser sind wichtige biblische Gebetsschulen. Sie weiten den Gebetshorizont, vor allem aber kann man an den vielen Übereinstimmungen erkennen, dass der Heilige Geist der Verfasser der Bibel ist. „Der Psalter ist durchs Vaterunser und das Vaterunser durch den Psalter gezogen, so dass man eins aus dem anderen sehr fein verstehen kann und sie lustig zusammenstimmen“ (M. Luther). Es lohnt sich, den Psalter und das Vaterunser in dieser Hinsicht zu vergleichen.

2.)          Nach Überzeugung der Verfasser des Neuen Testaments spricht in den Psalmen Christus selber Beispiele: Hebr. 2,12, wo ein Psalmwort als von Christus gesprochen gedeutet wird. Für Petrus war David ein Prophet und hat von Christus geweissagt (vgl. Apg 2,30ff). Letztlich sollte der ganze Psalter von Christus her und auf Christus hin bezogen werden.

3.)          Nach dem Vaterunser sollte das Gebetsleben der Christen siebenfach ausgerichtet sein, und zwar an drei Belangen Gottes und an vier menschlichen Bedürfnissen.

3.1:        Dass Gottes Name, also seine Person, als der einzige wahre Gott gerühmt und gepriesen („geheiligt“) wird;

3.2:        dass er seine gute Herrschaft („Reich“) im persönlichen Leben und in der Welt aufrichtet;

3.3:        dass sein guter Wille im persönlichen Leben und in der Welt zur Geltung kommt.

3.4:        Dass Gott unsere äußere Lebensversorgung übernimmt (Nahrung, Kleidung, Hilfe, Schutz);

3.5:        dass er unsere Seele und Wesen frei macht von Schuld und dass er unser Seelsorger wird;

3.6:        dass er uns vor Nöten und Versuchungen bewahrt, die unseren Glauben zerstören könnten;

3.7:        dass er uns in seiner Herrlichkeit die endgültige Erlösung von Sünde, Tod und Teufel schenkt.

4.)          Die sieben Gebetsanliegen des Vaterunsers im Psalter. Ausgewählte Worte aus dem Psalter, geordnet nach den sieben Vaterunserbitten:

4.1:        Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen. (8,1)

               Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. (34,2)

               Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! (103,1)

4.2:        Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige! (25,4)

               Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. (42,3)

               Dein Reich ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für. (145,13)

4.3:        Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen. (40,9)

               Erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte. (86,11)

               Herr, deine Güte ist ewig. Das Werk deiner Hände wollest du nicht lassen. (138,8)

4.4:        Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. (23,2)

               Ich sprach: Herr, sei mir gnädig! Heile mich; denn ich habe an dir gesündigt. (41,5)

               Errette mich, mein Gott, von meinen Feinden; zu dir nehme ich meine Zuflucht. (143,9)

4.5:        Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Sünden! (19,13)

               Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! (32,1)

               Ich hoffe auf dich…Errette mich aus aller meiner Sünde…Wende deine Plage von mir. (39,8ff)

4.6:        Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen, mein Tritt wäre beinahe geglitten. (73,2)

               Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. (139,23)

               Herr, behüte meinen Mund…Neige mein Herz nicht zum Bösen. (141,3f)

4.7:        Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. (23,6)

               Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt, denn er nimmt mich auf. (49,16)

               Die auf den Herrn hoffen, werden nicht fallen, sondern ewig bleiben wie der Berg Zion. (125,1)

Schlusswort:      „Unser lieber Herr, der uns den Psalter und das Vaterunser zu beten gelehrt und gegeben hat, verleihe uns auch den Geist des Gebets und der Gnade, dass wir mit Lust und ernstem Glauben recht und ohne Aufhören beten, denn es tut uns not; so hat er’s geboten und will’s also von uns haben. Dem sei Lob, Ehre und Dank. Amen.“ (M. Luther)