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Predigt über Sprüche 23,26: Anleitung für eine Herz-Operation

Freitag 16. November 2018 von Thomas Karker


Thomas Karker

Kürzlich war ich mal wieder beim Arzt. Wenn einer älter wird, muss er zum TÜV. Genügt das Profil? Blättert der Lack? Frisst der Rost? Bricht das alte Vehikel zusammen? Der Mann im weißen Kittel machte es genau und klopfte die ganze Karosserie ab. „Nun noch ein EKG!“ meinte er. Natürlich dachte ich an das Evangelische Kirchengesangbuch und wollte schon ein „Lobe den Herrn“ anstimmen. Aber er verkabelte mich und schaute auf einen Bildschirm. Dort zeichneten meine Herzströme ab, lustige Kurven wie früher beim Werbefernsehen. Schließlich gab er mir die Plakette mit einer Auflage: „Kaufen Sie einen Heimtrainer. Damit täglich 15 Minuten raus aus dem Stress! Das ist gut fürs Herz.“ Wenn das so einfach wäre mit unsrem Herz. Der Arzt hat schon die Aufgabe, nach Fehlern zu suchen.

In 1. Chron 28,9 wird uns noch ein anderer Sucher vorgestellt: „Der Herr sucht alle Herzen.“ Hier ist also noch jemand an unserem Herzen interessiert und diese Sehnsucht kommt hier in unserem Predigttext gut zum Ausdruck: „Gib mir, mein Sohn, dein Herz und lass deinen Augen meine Wege wohl gefallen.“

Hier spricht zunächst der Weisheitslehrer, zu seinem Sohn, aber zugleich spricht die göttliche Weisheit und das ist Jesus im AT. (Kol. 2,3): „In Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen.“ Christus im AT spricht hier den Wunsch aus: „Gib mir, mein Sohn, meine Tochter, liebes Kind, auch du, der du einsam bist, von Krankheitsnöten geplagt, du Alleinstehende, du, der du vielleicht morgen schon in der Ewigkeit bist, gib mir heute dein Herz und lass deinen Augen meine Wege wohl gefallen.“

Eine Bitte, die so oft wiederholt wird, muss Gott sehr ernst sein! Können wir sie ihm abschlagen? Er lässt sich soweit herab, uns etwas zu bitten.

Wir wollen uns diese zwei Bitten und die HERZ – Operation heute etwas näher anschauen und 4 Punkte beachten:

  1. Eine seltsame Bitte vor der Operation
  2. Ein seltsamer Herzschaden
  3. Eine seltsame Operation
  4. Eine seltsame Bitte nach der Operation

 1. Eine seltsame Bitte vor der Operation.

Gott, dem alle Dinge gehören, bittet uns um etwas, was eigentlich IHM gehört, unser Herz! Deswegen fragen wir nach dem Beweggrund, weshalb Gott uns so bittet. Dies um so mehr, als ja Gott der Herr, in Seiner Weisheit dies Herz geschaffen hat und darum befehlen könnte: Gib’s her!

Was will der Herr? Dein Herz! Gott reicht es nicht, wenn wir ihm so ein bisschen nachfolgen. Das Herz will Er haben, dich selbst, dein eigentlichstes Ich. Deinen Mut, mit dem du die ganze Welt aus den Angeln heben wolltest, deine guten Vorsätze und deinen Willen, mit dem du Gott alles gut und richtig machen wolltest und deinen Verstand, wo Klugheit und Weisheit zusammengefunden haben.

Luther sagt: Wir sollen Gott fürchten, lieben und vertrauen. In all deinem Tun soll deine Liebe zu Gott erkennbar sein. Dein ganzes Wesen, im Kleinen und Großen, im Geistlichen und Weltlichen. Man soll‘s dir abspüren: „Ich habe meinen Jesu, meinen Retter und Erlöser lieb, Er hat mein Herz, ich gehöre Ihm mit Haut und Haaren!“

Meist kommt der Geringere zum Größeren mit der Bitte: „Gib mir!“ Aber heute sagt uns der Text gerade das Gegenteil: „Gib du mir!“ Was kann ich dir denn geben, du bist doch unermesslich reich und alles, was ich habe gehört dir, auch mein Herz.

Gott sagt: „Ja, obwohl du mir gehörst, will ich dich nicht aus Zwang haben, sondern aus freiem, freudigen Entschluss. Ich will dein Herz, deinen Willen, deinen Gehorsam. Meine Wege sollen deinen Augen wohlgefallen, und du sollst auf ihnen gehen.“

Ist das nicht des himmlischen Vaters freundliche Fürsorge für sein Kind, wenn er bittet: Gib mir, mein Sohn, dein Herz! Ich habe göttliche Anlagen in dein Herz und deine Seele gelegt, du bist im Besitz eines großen Schatzes. Er ist mehr wert, als die ganze Welt. Du hast damit durch Feindesland zu ziehen. Wer soll dir diesen Schatz behüten? Tausend Betrüger kommen und locken dein Herz weg, die Sünde in ihrer einschmeichelndsten Gestalt, die natürliche Eitelkeit, Welt und Teufel mit all den betörenden Überredungskünsten und sprechen auch: Gib mir dein Herz! Aber haben sie jemals dein Herz behütet? Ist dein Herz jemals unverletzt geblieben, wenn es sich mit einem dieser Feinde einließ? Ach, sie sind ja schon in deinem Herzen und haben ihr Zerstörungswerk längst begonnen! Damit das heilige Ebenbild nicht vollends vor die Hunde geht ruft er: „Gib mir, mein Sohn, dein Herz, Ich kann dir’s bewahren! Ich will es behüten wie meinen Augapfel, gegen alle Angriffe des Teufels.“

2. Ein seltsamer Herzschaden.

Scheuen wir bei der Bitte nicht zurück? Wird da unser Herz nicht ganz unruhig? Wir fragen: „Ach, Herr, was willst du mit meinem Herzen?“

Dadurch wird die erste Bußfrage deutlich: Wie steht dein Herz zu Gott? Wer ist dein Gott? Luther sagt: Was dein Herz erfüllt, das ist dein Gott!

Was ist mit unserem Herzen?

Die Aufklärung: J.J. Rousseau: „Der Mensch ist von Natur aus gut.“ Dieser anthropologische Ansatz der Aufklärung ist auch heute Maxime für das Denken und Handeln in allen Bereichen.

Der römische Komödiendichter Titus Maccius Plautus (ca. 254–184 v. Chr.) sagt: homo homini lupus. „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.“

Auch Albert Einstein fürchtete nicht die Atombombe, sondern die „Explosivkraft des menschlichen Herzens für das Böse.“

„In mir schlummert ein Bösewicht – nur dieses Biest leidet unter Schlafstörungen“ Ein Beinahe-Bibelzitat.

Ein Spruch zum Schmunzeln und ein Spruch zum Erschrecken. Aber was werde ich dort in meiner Tiefe entdecken? Das schlummernde Genie, den göttlichen Lebensfunken, den New-Age-Menschen ohne Fehl und Tadel, den Primaburschen, von dem alle Leute sagen: „Nie war er so wertvoll wie heute“, oder werde ich dort den Menschen entdecken, von dem Gott seit langem sagt: „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf?” (1. Mose 8, 21)

Wie sind wir? So wie unsere Nerven, wie unser Gemüt, wie unsere Bildung? Jesus sagt: Ihr seid so wie euer Herz. Wovon das Herz voll ist, das muss der Mund ausplaudern.

Und was erfüllt unser Herz? Ehrsucht, Bitterkeit, Ruhmsucht, Neid, Streit, kleinliche Sorgen, tägliche Wiederholung und Betonung unseres eigenen Ichs, obwohl wir uns kaum ertragen können. Das Herz ist die Ursache eurer Lieblosigkeit, Kraftlosigkeit, Rastlosigkeit und Charakterlosigkeit.

Ich fürchte, wenn der Herr die Hülle wegreißt, wird sich ein großer Mangel erweisen.

In Hes. 36,26 vergleicht Gott unser Herz mit einem Stein

  • Weil es kalt ist wie ein Stein. Einen Stein könnt ihr eine kleine Zeit lang erwärmen, wenn ihr ihn in’s Feuer werft; aber wie kurz behält er seine Wärme; und wenn er auch glüht, schnell kehrt er wieder zu seiner natürlichen Kälte zurück! So ist das Menschenherz beschaffen.
  • Das Menschenherz ist auch hart wie ein Stein. Nehmt einen harten Stein, ein Stück Granit, und schlagt mit dem Hammer darauf, da geht nichts kaputt. Es ist aber noch härter als Diamant, es kann nicht geschnitten werden, es kann nicht bewegt werden. Ich hab den großen Hammer des Gesetzes Gottes, wie einen riesigen Dampfhammer, mit aller Macht auf ein Menschenherz einschlagen sehen, aber es trug auch nicht die leiseste Quetschung davon. Aus allen zehn furchtbaren Geschossen der göttlichen Gebote wurde die Wucht der zerstörenden Kugeln dagegen geschleudert, aber das Menschenherz war härter als alle Stahlplatten; die großen Wurfgeschosse des göttlichen Gesetzes prallten machtlos am menschlichen Gewissen ab.
  • Ein Stein ist auch tot. Ihr könnt keine Empfindung in ihm entdecken. Rede ihn an, er vergießt keine Träne des Mitleids; kein freundliches Lächeln entschlüpft ihm. Er ist tot; es ist kein Bewusstsein in ihm; verwunde ihn, so blutet er nicht, schlage ihn, so kann er nicht sterben, denn er ist schon tot. Er gibt nicht das geringste Zeichen der Empfindung von sich. Gegen alles, was göttlich ist, ist es knochenhart. Ihr könnt das Herz zu keiner geistlichen Lebensäußerung bewegen. „Ihr seid tot durch Übertretungen und Sünden,“ (Eph. 2,1) kraftlos, leblos, gefühllos, bewegungslos. Aber der menschlichen Sprache ist auch keine Macht gegeben, Tote zu erwecken.

Am Ende droht die Gefahr der Verstockung. Herzen, die nicht erweicht sind, werden immer härter und härter; Bsp: Pharao

3. Eine seltsame Operation.

Den Kern des Problems traf der Psychoanalytiker Erich Fromm in „Haben oder Sein“: „Aber wurde Europa denn je wirklich christianisiert? Obwohl diese Frage üblicherweise bejaht wird, zeigt eine gründliche Analyse, […] dass […] die Bekehrung im großen und ganzen eine Bekehrung zu einer Ideologie blieb […] und dass sie nicht mit einem Wandel des Herzens, das heißt einer Veränderung der Charakterstruktur einherging….“

So wie ein Apfelbaum nur Äpfel bringen kann und keine Trauben, so wie ein Kirschbaum nur Kirschen bringen kann und keine Pflaumen, so kann ein Mensch nur das bringen, was in seinem Herzen ist.

Stellen wir uns einen Landwirt vor, der seinem Apfelbaum kommandiert, ab sofort statt Goldparmänen „Golden delicious“ zu tragen! Stellen wir uns einen Gutsbesitzer vor, der seinen Kirschbaum mit Zwetschgenwasser begießt, damit herrliche Zwetschgen darauf reifen. Die Frucht ist so wie der Baum – und das Wort ist so wie das Herz. Wenn das Herz lieblos ist, werden wir in der Ehe die Liebe nicht durchhalten können. Wenn unser Herz böse ist, werden wir immer Streit vom Zaune brechen. Der Schaden unserer Zeit ist ein Herzschaden.

Die gute Nachricht des Evangeliums heißt, dass Gott die chaotischen, kaputten, selbstzerstörerischen Menschen durch seinen Geist erneuern will. Darum können wir fröhlich und deutlich den Modesprüchen vom guten Geist in uns widersprechen. In uns ist kein Genie und kein kosmisch-universeller Geist, den wir durch eine bestimmte Lebenstechnik wachrütteln können, um dann im neuen Zeitalter nur noch gut zu sein.

Ich möchte es mit David halten und bitten: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“ (Ps. 51,12)

Wer kann diesen Schaden reparieren? Nur einer hat gesagt: Ich will euch ein neues Herz geben.

Jetzt beginnt Gott seine große Operation, dass aus dem steinernen Herzen ein Kaleb- Herz wird, ein gutes Herz.

Aber da könnte einer Gott antworten: Du forderst doch ein bisschen viel. Mein Herz das ist mein Bestes, mein Alles! Da soll ich Gott ranlassen?

Gib mir – dein Herz, damit fordert Gott allerdings nicht wenig. Gott sagt: Lass doch dein Wollen und Wünschen, dein Lieben und Hoffen auf mich gerichtet sein. Den Mittelpunkt all deines Begehrens, lass in mir ruhen und zwar ganz und ungeteilt. Dies ist ja die Summe des Gebotes: Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte. Gott verlangt nicht ein paar fromme Gedanken, sondern das Herz, und nicht für einige Augenblicke, sondern für immer. In der Tat, nicht wenig für die große Operation.

Gott hat einen Anspruch darauf. Er ist schon angedeutet in dem einen Wort: „Mein Sohn.“ Wie klar weist dies darauf hin, dass wir Sein Eigentum sind! Mein Sohn, ich habe dich geschaffen; alles stammt von mir, dein Herz ist ein Meisterwerk meiner Schöpfungsweisheit; alle guten Anlagen habe ich da hineingelegt, – habe ich denn kein Recht darauf? Mein Sohn, weil Ich dich erlöst habe durch Meinen Sohn vom Verderben, weil ich dich erkauft habe zum Eigentum durch das teure Blut Jesu Christi, weil die Fremdherrschaft über dein Herz, dadurch gebrochen ist, weil ich durch meinen Sohn deine Ketten zerrissen habe. Dein Schaden kann auch nur von mir geheilt werden. Ich gab mein Teuerstes, meinen Sohn für dich dahin und du willst dich mir entziehen?

O, wie groß und rechtmäßig ist der göttliche Anspruch auf unser Herz!

Gott will uns unser Herz mit allen seinen Sünden und Unreinigkeiten, mit seinen Sorgen und Bedürfnissen abnehmen, es heilen, es stillen und versorgen. Gott nimmt nichts, ohne einen besseren Ersatz dafür zu geben, wie er es verheißt: „Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben, und will meinen Geist in euch geben und solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun“ (Hes. 36,26.27). Er begehrt dein Herz nur, um es neu zu schaffen, es zu füllen mit Seinem Geist und Seiner Liebe. O was für ein Tausch! Nur damit Er in dir wohnen kann, und du so trotz, der eingedrungenen Sünde deine Bestimmung nicht verfehlst.

Und dann zieht Jesus in unser Herz ein, wenn wir ihn einladen und ihm unser Herz zur Verfügung stellen.

Unser Herr sprach zu seinen Jüngern: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“ (Joh. 14,23).

Dann werde ich mit ihm durch die einzelnen Zimmer meiner Wohnung gehen und er wird auch dort alles neu machen.

Das Arbeitszimmer, in gewisser Weise ist hier das Kontrollzentrum des Hauses; dann das Esszimmer, dem Zimmer des Appetits und des Verlangens. Danach gingen wir in das Wohnzimmer, dem Ort der Gemeinschaft. Dann gingen wir einen Raum nach dem anderen ab, den Hobbyraum, die Werkstatt, den Keller und die Rumpelkammer. Dort macht er wirklich alles neu.

Lasst uns einmal zusammen in den Keller gehen. In meinem alten Hause hatte ich einen Keller, in den ich nie hinuntergehe und die Fenster sind immer geschlossen. Es sind hölzerne Fensterläden da, kein Licht dringt hinein. Ich lebe ja gemütlich genug in dem Hause und weißt nicht, was darin ist; aber eines Tages ging ich mit Jesus hinunter und wir haben ein Licht mitgenommen. Wir gingen die Treppe hinunter und öffnen die halbverfaulte Tür, ah! Was für ein feuchter, verpesteter Geruch! Wie schmutzig ist der Boden! Alle Arten lebender Geschöpfe hüpfen unter unseren Füßen weg. Da sind Auswüchse, selbst an den Wänden – ein Haufen Wurzeln in der Ecke, die jene langen, gelben Schösslinge emporstrecken, die wie die Finger des Todes aussehen. Und da ist eine Spinne und da sind hundert ihres Gleichen, von solcher Größe, wie sie nur in solch‘ schrecklichen Plätzen sich finden. Ich sagte zu Jesus: „Komm lass uns verschwinden, dass wir so rasch wie möglich wegkommen. Ich liebe den Anblick nicht.“ „Nun,“ sagte Jesus, „das Licht machte den Keller nicht schlecht. Nein, das Licht zeigte nur, was da war. Und wenn du den Tischler kommen lässt um die Fensterläden wegzunehmen, so scheint es noch schrecklicher, und du kannst nicht zufrieden oben leben, bis der Keller unten vollkommen gereinigt ist.“ Das ist gerade wie unser Herz; es ist voller Sünde, aber wir wissen es oft nicht. Es ist eine Höhle voll unreiner Vögel, von allem, was schrecklich ist.

Eigentlich wollte ich mit ihm gar nicht in den Keller gehen, aber jetzt ist es geschehen und ich bat Jesus: „Räum du darinnen auf, ich kann es nicht.“ Er sagte: „Gib mir nur das Recht, die Rumpelkammer auszuräumen und ich will es tun.“

4. Eine seltsame Bitte nach der Operation.

Oft wollen uns nur unsere eigenen Wege gefallen. Aber enden sie nicht alle in Tränen? Nicht nur Gefallen mit etlichen seiner Wege sondern mit seinen Wegen ohne Ausnahme.

Wäre es denn nicht viel natürlicher, die beiden Bitten umzudrehen? Erst Gefallen an Gottes Wegen lernen, und je mehr wir Freude daran bekommen, desto leichter können wir ihn lieben, ihm unser Herz schenken. So ist es unter uns der Fall. Da entspringt aus dem Gefallen die Liebe. Aber wie weise ist diese umgekehrte Ordnung bei Gott: Erst das Herz, dann das Gefallen! Das Gefallen ist aber nur möglich, wenn das Erste vorangegangen ist. Tausende strengen sich an, sich in Gottes Wege hineinzugeben, aber weil sie ihr Herz noch nicht Gott geschenkt haben, weil sie noch immer eigene Wege gehen, und Gott diese Wege aus lauter Barmherzigkeit immer wieder durchkreuzt, so bringen sie es höchstens dazu, unter die bittere Notwendigkeit einer göttlichen Fügung sich in stumpfer Verzichtleistung zu beugen, aber nie bis zum Gefallen an allen Wegen Gottes zu kommen. Aber, das ist die Art Gottes, zuerst der Glaube und dann das Schauen, nicht umgekehrt.

Erst wenn dein Herz in ihm und seinem Frieden ruht, ist es auch zufrieden mit allen seinen Wegen. Dann hast du auch Gefallen an den Wegen, die dem natürlichen Sinn zuwider sind, auf die aber Gottes guter Geist uns immer hinführt, mit den Wegen der Verleugnung des fleischlichen Sinnes, ja auch der Züchtigung, die zu unserm besten dient; oder – mit dem ganzen, schmalen Weg des Lebens, dem Kreuzesweg der Nachfolge Christi, auch mit den größten Demütigungen und einschneidendsten Verlusten.

Lass deinen Augen meine Wege wohlgefallen.

Spurgeon erzählte: Ihr habt vielleicht gehört von jenem berühmten Märtyrer, dessen Losungswort dass Wort war: „Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen.“ Von den Häschern der Königin Maria ergriffen, um verbrannt zu werden, widerfuhr ihm unterwegs von denselben eine so raue Behandlung, dass er fiel und das Bein brach. „Nun,“ höhnten die rohen Gesellen, „da siehst du, wie fein dir alles zum Besten dient! Wie sollte dein gebrochenes Bein das können!“ „Wie das geschehen wird, weiß ich nicht,“ erwiderte der Glaubenszeuge ruhig, „aber zu meinem Besten wird’s dienen, das werdet auch ihr sehen.“ Merkwürdigerweise geschah, was er so zuversichtlich glaubte. Durch sein gebrochenes Bein länger als einen Tag auf dem Wege aufgehalten, kam er gerade zeitig genug in London an, um zu hören, dass Elisabeth den Thron ihrer verstorbenen Schwester bestiegen hatte. So war er durch sein gebrochenes Bein vor dem Scheiterhaufen bewahrt geblieben. Er wandte sich zu den Häschern und fragte: „Wollt ihr jetzt glauben, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen?“

„Gib mir, mein Sohn, dein Herz und lass deinen Augen meine Wege wohl gefallen.“

Lasst uns diese Anleitung zu unserer Herz-Op befolgen, dann wird der Gott des Friedens mit uns sein.

Amen

Mein Gott! Das Herz ich bringe dir
Zur Gabe und Geschenk
Du forderst dieses ja von mir
Des bin ich eingedenk

Gib mir mein Sohn dein Herz, sprichst Du
Das ist mir lieb und wert:
Du findest anders auch nicht ruh
Im Himmel und auf Erd

Nun du mein Vater nimm es an
Mein Herz veracht es nicht:
Ich geb‘s so gut ich‘s geben kann
Kehr zu mir dein Gesicht.

Prädikant Thomas Karker, Bibelgemeinde 11.11.2018

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 16. November 2018 um 9:59 und abgelegt unter Predigten / Andachten.